Betreiberinfo
Michael Köhn
Professor- Wohltmann- Straße 2
29456 Hitzacker (Niedersachsen)
m.koehn(at)literatalibre.de
Bild Michael Köhn



Begonnen im März 2015 werde ich 2017 am Roman- (Stoff - AT: Ungereimtheiten/ Lavage/Play the Time) weiterarbeiten.


Expose

Chess beschützte seine Mutter vor seinem Vater und steht deshalb unter dem Verdacht seinen Erzeuger getötet zu haben. Nach neun Monaten U-Haft kommt er bis zur Hauptverhandlung frei. Sein Bruder Eddy, Kiezkönig, schenkt ihm (nicht ohne Hintergedanken) Mona, seine beste Hure und stellt Chess als Geschäftsführer im Paladin ein, einem Puff am Rand der Stadt.
Als die Hauptverhandlung beginnt wird die einzige Entlastungszeugin, seine Mutter, wegen eines schweren Traumas in der geschlossenen Psychiatrie behandelt und kann seine Unschuld nicht bestätigen. Chess wird, obwohl er unschuldig ist, zu 2 Jahren Jugendstrafe verurteilt. Noch während der Gerichtsverhandlung verliebt sich Chess in die Journalistin Doro, die den über Monate gehenden Prozess verfolgte und über ihn ein Porträt schreiben möchte. Mona reagiert mit Morddrohungen auf die Rivalin.
In der Jungendstrafanstalt lernt Chess sich durchzusetzen und beschließt nach seiner Haftentlassung eine kriminelle Karriere zu starten. In der Hierarchie ’vom schnellen Geld’ führt sein Weg auf dem Kiez steil nach oben. Erst als ihm eine längere Haftstrafe droht, überdenkt er sein Leben. Er heiratet in der Haftanstalt Doro und ’macht’ ihr ein Kind. Wegen der besseren Sozialprognose wird er daraufhin vorzeitig entlassen. Kaum in Freiheit muss er feststellen, dass sein Bruder und Geschäftspartner Eddy ihn nicht nur um einige Hunderttausend Euro betrogen hat.
Chess, der wegen Doro ehrlich werden will und mit ihr eine Familie gründen möchte, hat die Absicht sich von seinem Bruder und dessen zwielichtigen Geschäften loszusagen. Eddy will seine Macht weiterhin sichern und beschließt, Chess zu demütigen. Er missbraucht dessen Frau, und macht Chess drogenabhängig. Bei einem Drogentrip lässt er Chess vom Ganoven Body vergewaltigen, der zudem noch eine Rechnung aus dem Knast mit Chess begleichen will. Chess kommt schwer verletzt und auf der Suche nach seinem Gedächtnis in ein psychiatrisches Krankenhaus. Nach seiner Entlassung beschäftigt Eddy den gebrochenen Chess als Geldeintreiber und bietet ihm einen Job auf einer Pferderennbahn an. Chess soll dort die Jockeys bestechen und Wetten manipulieren.
Was Eddy nicht weiß ist, dass Chess im Knastschließer Zucker einen Halbbruder hat; es handelt sich bei Zucker um einen Söldner, der für den US- Konzern Blackwater in Krisengebieten als ’legendärer’ Kämpfer und Personenschützer für Aufsehen sorgte. Als Eddy kurz darauf eine längere Haftstrafe absitzen muss, soll Chess seine Geschäfte führen. Als Chess ablehnt, lässt Eddy den inzwischen 5jährigen Sohn Abel entführen und wenig später Doro von Mona durch einen Verkehrsunfall töten, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen.
Chess, der durch einen Reitunfall Teile seiner Erinnerung zurück erlangt - leitet den Show down.

Nach vollzogener Rache an Eddy flüchtet er mit Mona und einer Beute von einigen Millionen Euro nach Asien. Doch Eddy, der nicht tot ist wie Chess vermutet, spürt ihn in Thailand auf.
Zucker wird Chess helfen und sein Leben retten. Der Rest besteht aus Ungereimtheiten und muss keinerlei Beachtung finden

’8 Und Kain sprach zu seinem Bruder Abel. Und es geschah, als sie auf dem Feld waren, da erhob sich Kain gegen seinen Bruder Abel und erschlug ihn. 9 Und der HERR sprach zu Kain: Wo ist dein Bruder Abel? Und er sagte: Ich weiß nicht. Bin ich meines Bruders Hüter? 10 Und er sprach: Was hast du getan! Horch! Das Blut deines Bruders schreit zu mir vom Ackerboden her.’


Ungereimtheiten in Lavage - Roman –


Trailer

Ich habe 0,66666 Jahre lang Schlachter gelernt und musste die Lehre abbrechen, weil ich angeblich meinen Vater geschlachtet habe. Eine Kopfgeburt. Das gehasste Vieh. Sagt man.


„Sie haben ihren Vater umgebracht!“
„Warum sollte ich?“
„Weil Sie ihn gehasst haben!“
„Sagen Sie jetzt nichts mehr, - gar nichts!“ Befiehlt Doktor Meyer, Strafverteidiger, als mein Rechtsanwalt.
„Dann werde ich es Ihnen sagen...“
„Auch Sie werden gar nichts mehr sagen“, sagt Doktor Meyer. Doch den Staatsanwalt kümmert das nicht richtig, und den Haftrichter gar nicht.

„Der junge Mann hat ADHS!“
„Auch falsch!“ Behauptet Meyer dagegen. „Unser Gutachter kommt zu dem Schluss, dass mein Mandant unter Asperger leidet. LEIDET, verstehen Sie?!“
„Wer ist der Gutachter?“ Fragt der Haftrichter.
„Professor Doktor, Doktor Künzel!“
„Na dann...“
„Und nun?“
„Ich hebe hiermit den Haftbefehl auf, Herr Staatsanwalt! – Oder haben Sie ’neue’ Beweise?“
„Nein. Keine.“
„Gut, dann ergeht folgender Beschluss...“

„Wie geht’s nun weiter, Doktor Meyer?“ Flüstere ich.
„Sie werden in die U-Haft zurückgeführt und von da aus dann entlassen. Das dauert aber, bis der Haftrichter die Papiere unterzeichnet hat. - Sie können also in Ruhe packen!“
„Im Film sieht das aber alles anders aus. Da gehen die Leute aus dem Gerichtsaal direkt in die Freiheit.“
„Wie alt sind Sie jetzt?“
„Eben Neunzehn, Herr Doktor Meyer.“
„Sie werden in ihrem Leben bestimmt noch viele falsche Filme sehen.“
„Ja. - Bestimmt!“

Im falschen Film war ich neun Monate und 6 Tage zuvor, als Mutter unter meinem toten Erzeuger lag.
„Und vergessen Sie nicht, sich wöchentlich auf dem Polizeirevier zu melden.“
„Versprochen!“
„Okay. - Wir telefonieren morgen!“
Ach, Herr Doktor Meyer.
„Ja.“
„Rufen Sie bitte meinen Bruder an?“
„Eddy? - Soll der Sie abholen?“
„Ja, bitte!“
„Seien Sie vorsichtig, - und kommen Sie nicht unter die Räder; Sie sind noch jung und...“
„Ich werde mir Mühe geben. Versprochen!“

’Ich bin ein Krimineller. Kriminelle sind notorische Lügner. Alles an mir ist eine Lüge’, schreibt Raymond 'Red' Reddington.
Dabei wollte ich Abitur machen und Stuntman werden.


- no more tears -

einige denken ich habe voll einen an der klatsche weil ich die frau die ich liebe verlassen habe
dabei stimmt das so nicht
ich hatte nur ein paar whiskey zuviel dies jahr
einiges an partys und weibern ein wenig gras auch mal eine nase und schon hatte sie die schnauze voll von mir
dabei haben wir uns mal treue geschworen bis ans ende aller tage und nun fliegen ihr schon beim kleinsten sturm die löcher aus dem käse
doch ich hoffe du weißt es besser mein freund von wegen was ist und wäre wenn ich ihr sagen würde dass ich sie immer noch liebe dass ich nur so beschissen drauf bin weil ich den ganzen tag über dinge nachdenke die sich nicht ändern lassen
und die stimmen in meinem kopf mir angst machen wie die grellen bilder die das wahnsinnige gedröhne schaffen
nicht mal das jahr in der klapse brachte ordnung in meine birne schaffte es das gift aus meinem körper zu spülen und die wahrheit über sie und mich in meinem hirn zu erwühlen
alles um uns glücklich zu machen um zu tanzen und zu lachen und verrückte sachen zu machen
dabei ist sie ein echt cleveres mädchen und veranstaltet gute dinge die richtig sinn bringen
nur bei mir bleibt es immer dunkel und wenn andere über ihre späße lachen und klatschen heule ich vor lauter wut und
greife wie ein irrer zur flasche und trinke noch einen
und weiß mit dem brennen tief in mir drin es ist zu spät um das leben noch mal von vorne zu beginnen

- everybody clap your fucking hands -


Bild 1

Das Leben passiert, wie wenn ein Ertrunkener in der Wüste liegt, während du mir was über Freiheit und Ungezwungenheit redest; von ’Absinthe Green Silk Satin’ und lauter anderen schrecklich schönen Sachen.

Doch halt! Ich liebe sie. Alle! Und gebe viel dafür mit ihr in ’Jacket, Dress And Slip’ flach auf einer Marmorplatte zu liegen um auf die Sünden der Nacht zu warten. Ich, Bruder von Jimmi und Eddy Asperger, - der gutgläubige Idiot; doch das wird sich nun ändern.
„Frauen sind Ware!“ Wirft Eddy den Köder aus. Der einer meiner ’oberschlauen’ Brüder ist. „Sieh zu, dass du selber bald eine hast und mit dem Arsch an die Wand stellst!“ Und dazu johlen seine Champagnerbesoffenen Hühner im Bunny- Kostüm, dass ihre Puscheltitten und Plunderohren im Takt mit dem Cadillac wackeln. Genau das geschieht mir, als ich nach 9 Monaten und 6 Tagen U-Haft entlassen werde, weil mir Eddy einen Star an Strafverteidiger spendierte, der zudem mit Richter und Staatsanwalt gut kann.

Übrigens:
Nett sein ist der kleine Bruder von Scheiße- sein: Herr und Knecht: Unrecht und Recht. Und so weiter...


Bild 2

Die Knastpforte scheppert ins Schloss. Auf dem Parkplatz blitzt Rot Keules Cadillac, aus dessen Verdeck es summt - und die 12 Zylinder- Haube brummelt wie satte Kaninchen, muss ich wohl nicht weiter erklären; lieber springe ich mit einem Satz in die geile Karre und Eddys 3 Ladys hühnern sofort an mir rum; - ey, ich sitze noch nicht mal und das Verdeck ist noch offen!
„Du bist gut im Futter. Hast Muskeln zugelegt!“
„Sechs Monate Sportkalfaktor, da brät sich was zusammen“, muss ich grinsen.

„Was heißt das eigentlich ’der kann mit dem Staatsanwalt gut’“, komme ich wenig später Absinth gurgelnd zum ersten Mal in der Grünsten der grünen Feen.
„Meyer hat den Staatsanwalt überzeugt, Mona zu nageln. Und es gibt reichlich Bilder davon!“
„DIE Mona?“
„Ja. - DIE Mona!“
„In unserem Laden?“
„In meinem Laden!“
„Also“, lacht Eddy, „willst du sie haben?“
„Mona?“
„Meinst du, du bekommst von mir den Staatsanwalt?“
(...)

Und so fing es an. Das mit Mona - ’All That Jazz’. Und dem Film vom ’Rock’n Roll’ erigierten Staatsanwalt.
- Yippie Ya Yeah Schweinebacke! Hoch soll dein steifer kleiner Pimmel leben. -


Bild 3

Die Kugel blieb knapp unter der Kopfhaut stecken. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Nicht mal, wo die hergekommen ist. Nur eins: Es war vermutlich ein ziemlicher Akt die rein zubekommen, weil es ein ziemlicher Akt war die wieder rauszubekommen.
3 Wochen Intensivstation. Hörte ich später. Da waren die Fäden schon verfault. Innen. Wo sie die Schwarte zusammenhalten. Außen kann man sie abziehen wie einem Schwein die Borsten. Bei mir ging es jedenfalls so.
„Und das ist deine Narbe?“ Tastet Mona neugierig.
„Ja. - Das ist sie. Und deren gute Pflege ist wichtig. Brich dir also nicht die Fingernägel ab!“ Was sollte ich auch sonst sagen.
„Die sind nur aufgeklebt.“
„Ich mag dich trotzdem!“
„Echt? - Du bist so anders...“, sagt Mona mit aufgerissenen Augen.
„Wie denn?“
„Anders eben.“
„Spannend!“


Bild 4 - Live Leak

Wer nach mir sucht, gibt am besten bei Google Maps die U- Bahnstation Berlin- Turmstrasse ein. Nimmt seine/n Finger und fährt damit rechts die Turmstraße bis zur Wilsnacker Straße dann kurz vor dem Amtsgericht Tiergarten, das gleichzeitig das Landgericht Berlin ist, wieder rechts; Hinweis Amts- und Landgericht: Um längere Wartezeiten zu vermeiden, wird empfohlen, einen Termin zu vereinbaren! Doch das ist jetzt voll Banane, weil es nämlich in die Wilsnacker geht und von da aus links in die Straße Alt- Moabit. Ey, an deren Ecke befindet sich ein super- super geiler Fleischerladen. Und ich kenne die Kaltmamsell! Weil sich keine 100Meter weiter der Eingang zum Knast befindet. Braune Steine. Graue Gitter. Blitzender Stacheldraht, so weit das Auge sehen kann: Alt Moabit 12A! Eine Adresse wie Donnerhall. Kannst du glauben. Immerhin habe ich dorthin über 9 Monate meine sämtliche Post bekommen.

Gut, wir merken uns also Berlin Alt- Moabit 12A: Knast. (Oft dazu gefragt: Abgabe von Kleidung, Wäsche und genehmigten Gegenständen. Antwort: Völlig unabhängig von der Besuchswahrnehmung besteht einmal pro Woche, jedoch maximal dreimal im Monat, die Möglichkeit, Kleidung mit einem zulässigen Höchstgewicht von 5 kg in der Rathenower Straße 81 an der Pforte VII abzugeben. Hierfür stehen folgende Öffnungszeiten zur Verfügung: montags 11.15 Uhr - 18.15 Uhr, jeden zweiten Dienstag im Monat 11.15 Uhr - 16.15 Uhr, dienstags und mittwochs von 09.15 Uhr – 16.15 Uhr Donnerstags, freitags, samstags und sonntags, sowie an Feiertagen geschlossen). - Hast du’s? Gut! Denn von da aus sind es mit Eddys Cadillac, wenn er langsam fährt, noch zirka 20 Minuten bis zum Kiez in der Potsdamer Straße. Man rutscht dazu Ecke Knast rechts die Rathenower Straße runter, fährt die Paulstraße. Passiert am Schloss Bellevue die Spree, winkt dem Bundespräsidenten mit dem Mittelfinger. Cruist um die Goldelse. Knackt links das Lützowufer und ist auf der Bundesstraße 1, der Potse. So weit alles klar?

„Klar“, sagt Eddy.
Während ich ihn bitte, rechts an der Dings, also der Bülowritze über die Kleiststraße zum KaDeWe abzubiegen.
„Was willst du denn da, Mann?“
„Leute gucken!“
„Echt?“
„Natürlich nicht. Ich will ein fettes Pils vom Fass. - Oder zwei!“
„Immer mal wieder in die Feinschmeckeretage, was?“
„Wenn es geht?“
„Passt schon!“
„Aber die Hühner bleiben derweil im Auto!“
„Du bist der Boss!“
„ ...der Laden wurde übrigens vor Tagen ausgeraubt.“
„Was, - die Feinschmecker?“
„Nicht doch, - die Schmuckabteilung du Hirni!“
„Und wer?“
„Man sagt was von Kanaken- GmbH.“
„Die mit der Spielbank?“
„Genau die!“
„Ich dachte schon du...“
„Leider nicht.“ Grinst er. Und er kann grinsen. Live Leak. Dreckig und erfolgreich. Oder irgendwie so. Seine Stuten lieben ihn jedenfalls dafür. Und ich ihn, als sein Bruder. Blut ist dicker; weißt schon, oder?


Bild 5 - Block- Buster- Rolex- Submariner Vintage “James Bond”

„Wo wir schon mal hier sind“, freut sich Eddy, „können wir dich gleich mal herrichten!“
„Was meinst du?“
„Klamotten sind wichtig; - weißt du doch!“
Drei Jupp- Topp- Anzüge, zehn Marken- Adler- Kragen- Hemden, 2 Schweine- Reich- Jeans mit echten Goldnieten darauf und zig anderem exklusiven Schwachsinn, zwei Lederjacken in Frosch- Loch- Handschuhleder, Stakkato- Unterwäsche (aus reiner Seide), traue ich mich kaum zu sagen - Mundgeblasene Piff- Paff- Puff- Socken, Hochglanz- Benny- Ich- Bin- Black- Schuhe und so weiter fort, bis ich „Stopp“ rufe.

„Stopp! - Ich brauche jetzt erst mal ein Bier!“
„Lass uns vorher noch kurz in die Schmuckabteilung!“
„Okay!“ Und ich wenig später mit der Rolex- Submariner- Vintage- James Bond zu 18.900 am Arm überlege, wann er endlich von Mutter spricht. Oder was ich zu tun habe damit er... Ob es eine Explosion geben muss, dass die Hütte einstürzt. Einen Überfall mit Schießerei. Einen Raubmord direkt neben uns. Ein Attentat auf ihn. Oder einen Dachstuhlbrand in seiner Birne... oder ob es... und ob er den Tod seines Vaters (meines Erzeugers) verwunden hat, oder nicht. – Nicht, oder?

„Was ist? Was glotzt du so dämlich!“ Wird er wütend.
„Das wollte ich dich fragen.“
„Was denn?“
„Wie es Mutter geht...“
„Das tust du mit Absicht, - du - du Muttersöhnchen! Oder?“


Bild 6 - Menschen kann man mit einer Wohnung töten wie mit einer Pistole

Im satt verslumten Berlin- Wedding hausten wir neben dem Kloster der Barmherzigen- Schwestern. Nun ist ein Bordell drin, - wo mein Erzeuger als Fleischer schlachtete und auch starb. Und unsere ehemalige Wohnung dient als Absteige für Thai- Girls. Klar, die Bude mit Klo auf halber Treppe braucht ja auch sonst keiner. Nicht mal irgendwelche verlausten Asylanten. Auch mein Erzeuger ist an dem Teil mehr oder weniger verreckt. Mutter in einer psychiatrischen Anstalt. Ich im Knast. Bruder Eddy Zuhälter. Jimmi, ein kaputt- geliebter Autist mit Vollpension in einem ausbruchssicheren Behinderten- Heim. Frage: Geht man so mit Menschen um? Antwort: Ja, warum denn auch nicht...

„Ich habe das beste Pflege- Heim weit und breit ausgesucht. Und meiner Meinung nach fühlt sie sich dort auch wohl!“
„Hat sie es dir gesagt?“
„Nein. – Sie spricht nicht.“
„Nicht ein Wort?“
„Nicht ein Wort.“
„Und was sagt der Arzt?“
„Was von posttraumatischem Belastungsdings und so wirres Zeug.“
„Wann warst du letztens da?“
„Ist schon ein paar Kaffeestunden her.“
„Aber auf dem Friedhof bist du oft!?
„Fast täglich...“

Heute ist Blindheit und Heuchelei Tagesgeschäft. Früher glaubte man Freundschaft und Treue und sagte im Idealfall zu den Eltern: Ich ehre und liebe dich.

„Du hast Ansichten wie ein Hundertjähriger, Keule.“
„Das macht der Knast!“
„Ich war auch schon mal da“, sagt er.
„3 Tage wegen Mauserei, ich weiß!“
„5 Tage. - Und ich weiß, dass du Vater nicht erstochen hast!“

Nett ist der kleine Bruder von Scheiße -, weiß doch jeder. Und Wahrheit ist das Grab aller Illusionen, Reise in die Dunkelheit genannt. Noch Fragen?

„Wo ist eigentlich der Hund?“
„Das krätzige Vieh habe ich einschläfern lassen.“
„Du bist ein herzloser Vollidiot!“
„Wo du es sagst...“


Bild 7 - Hinter dem Fenster außen

Es gibt Dinge, über die es lohnt zu weinen -, wenn man die vorher wüsste. Ich nenne Enttäuschung oder Freude. Liebe, Hass, Schmerz oder Glück. Ja. Es gibt Dinge um die muss man kämpfen, egal was die sind.
„Du hast mich in den neun Monaten Knast nur einmal besucht, Eddy!“
„Und?“

Shit, so was von lässig kommt dieses Und, als wenn unbemerkt die Oberfläche der Welt zusammenbrechen würde und sonst nichts. Nichts weiter! Ganz anders Mona. - Mona läuft jubelnd auf mich zu. Und ist schlank wie einst im Mai der Mai -, diese langbeinige Provokation in blond. Auch hat sich an ihr nichts geändert, wie ich sehe. Immer noch die super- hochhackigen Schädelbrecher- Schuhe. Immer noch ihre hübsche Kiez- Visage. Darin das prall- rot gemalte Maul auf vollen Lippen, ein wahnsinniges Versprechen auf, - auf was? Die kohlschwarzen überlangen Wimpern. Doch auch ihr gelebtes Leben..., im Spiegel ihrer großen Augen. Dieses getäuschte, betrogene, verlassene, ausgesetzte, beraubte und fast verdurstete Sein. Das immer noch Opfer von Überfällen ist. Von Begehrlichkeiten. Und die lebende Zeugin eines Persönlichkeitsmordes in frühester Jugend. Andererseits ist sie immer noch eine Kindfrau. Eine Art von ’aus dem Elendsasyl gekrochen, um zu bleiben, wo es besser ist’. Die süße Mona, die jetzt mir gehört. Ein einziges Hoffnungszeichen, so positiv, wie sie auf mich zuläuft. Und immer schneller ist sie ein Fingerzeig für mich. Und das nicht nur an diesem Tag. Ihr Stammeln „Ich habe dich schon immer geliebt, Chess!“ Dabei ist sie zehn Jahre älter. Genau wie meine erst- besten Wunden, von denen es inzwischen zahlreiche gibt. Wie die von den Schmerzen. Die als Mahnung stehen. Ob ich sie nun verschuldet habe oder als unverschuldete empfinde. Wie die tiefe Schnitte in Seele und Fleisch. Selbstverletzung, schon klar. Wegen der Schuld, die so sichtbar unsichtbar. Und meine Scham darüber. Dazu dann der Stolz über das Leid. Über das Dasein. Das es zu besiegen galt und gilt. Hinter Gittern und Mauern. Überleben. Im Knast. Wo man Zeit dafür hat. Genug Zeit. Um Grenzen aufzuheben. Sich ein Fenster nach innen zu schaffen. Durch einen Riss, eine Wunde. Eine spätere Narbe. In die man tief ein Loch bohrt. In die Würde. Um durch das Reich der Unterwerfung zu sich selber zu gelangen. Hin zum Leid um Mitleid. Um in Täters Opferrolle zu schlüpfen. Der sich hinterfragt, analysiert, kategorisiert. Denn, wie gesagt, Zeit dafür ist reichlich im Knast. Wenn man an den Gittern hängt. Im Krieg mit sich selber, gelistet in tag- täglichen Protokollen, Skizzen, Notizen, - einigen Tätowierungen. Die bleiben nicht aus. Wie das Kopfkino. In dem alle Facetten Schmerz sind. Schuld. Alle Zeichen von Erfahrung in Begegnung. Auch der letzte Schrei.

“Nun oh Mensch! Was hast du wieder angerichtet? In Silber hast du verwandelt, alles was einst Gold war.“

Na, ich weiß ja nicht. All diese Freaks da. Und dort. In der Justiz. Die täglich neu verjüngt mit Mänteln aus feinstem Ponymösen- Fell auf Grunge- Power getrimmt. Ekelhaft, die Rutengänger schäbigster Wahrheiten. Die Hobbyjuristen einer Saison. Lebensarchäologen, - kuriose Erdarbeiter und gemütskranke Menschenentwürfe. Spezialisten der Gerichtsbarkeit, die große Töne spucken aber nur kleine Bögen pissen. Von wegen: Meinetwegen ist eben ein 5 Kilometer langer Güterzug entgleist. - Einzig eine große Schnauze haben diese Spinner. Opfer sind die, - wie sie und er. Und es werden täglich mehr. Und dafür soll nun ich sorgen, sagt Eddy. Bevor ihm das Kartenhaus Puff einstürzt. Nun, wir werden sehen, sage ich. Und küsse fürs erste Mona. Und nicht nur das: I Walk the Line, Bruder!


Bild 7 - Diese Stadt...

Ständig grau. Ihre Tage und Nächte zerreiben sich im Elefantenblues. Während bleiern/er Regen fällt. Pechschwarzer Schnee. Saurer Nebel die Autoscheiben verschmiert, die Atemluft brennt, - als würden ständig Hochöfen befeuert. Ihr Dreck macht die Menschen blind, die Pflanzen und Tiere. Bricht Hoffnung/en. Zerstört ihre Ordnung. Wabert in die bewohnten Kloaken. Trifft auf die Untersuchungshaftanstalt Berlin- Moabit. Doch frag mich nicht warum das so ist, - ich zeichne dafür nicht verantwortlich. Vergiss also die paar Sekunden (lesen) besser. Lösch meine Worte von deiner Festplatte sollten die dir nicht in den Kram passen. Denn es wird noch wesentlich schlimmer. Gefährlicher. Grausamer. Und es ist nichts für Anfänger dabei. Wie das Leben, wenn die Zeit splittert, der Augenblick, die Jahre, ein Dasein, - während du eventuell gerade bei Tante Erna auf der Couch sitzt und auf die ’ideale’ Zukunft wartest. Vergiss es!


Bild 8

Der Knast fällt durch brandrote/n Ziegel auf. Schlimmer als Höllenfeuer. Und durch hohe Mauern mit Metallzäunen davor. Mit mächtigen Rollen von Stacheldraht drauf. Hat Türme auf den Endpunkten der Mauern; Waben an sinnlos hängenden Wänden mit blitzenden Scheiben in Schwarz, durch die man die Menschen dahinter nicht sehen kann. Sollte es überhaupt welche geben.

Weit hinter den Zäunen und Mauern stehen Gebäude. Lauern wie Tiere. Häuser mit unterschiedlichen Silhouetten. Einzelne Baumkronen. Hört man ab und an Rufe. Schreie. Befehle. Ja. In den Gebäuden sind Häftlinge untergebracht, - deren Gestalt/en kann man von der Straße aus ahnen, wenn Licht in den Zellen brennt. Sonst sind es dunkle Höhleneingänge in Kleinformat. Immer mit Gitter davor. Ab und an sieht man am Fenster einen Menschen, der winkt. Ruft. Der an einer Schnur, einem zusammengeknoteten Fetzen Stoff einen Gegenstand hin und her schwingt. Pendelt. Von einer Zelle zu anderen etwas weitergibt - wenn es gut geht; das Pendel nicht reißt.
Direkt hinter dem Haupteingang die Gefängnisverwaltung, damit der Weg nach Draußen nicht so lang ist, die Furcht eingeschlossen zu sein; lebendig begraben. In einem dreistöckigen Neubau. Aus Beton. Mit breiten, großflächigen Fenstern und schlanken Gittern davor; im auffallenden Kontrast zu den über hundertjährigen Backsteinbauten der Anstalt.


Bild 9

In Jahren Isolation lernt man eine Menge über das Leben. Über die Wirkung von Freiheitsentzug. Über eigene Sehnsüchte und Träume. Doch irgendwann steht man dann vor der Tür. Ist draußen; wie ich nun. Und sie holt mich ab. Wir haben im Knast geheiratet. Aus Liebe. Und weil sie schwanger ist.


Bild 10 - Zuvor

„Die ist ne scharfe Braut!“ Lacht Eddy.
Und wenn Eddy etwas sagt und dabei lacht, werde ich hellwach.
„Schon gut, lass den Anwalt einen Besuchsschein beantragen und schick sie her!“
„Willst du nicht bis zum Urlaub warten?“
„Im Urlaub habe ich was anderes vor.“
„Okay. Du bist der Boss; - also die Pfaffenzelle?“
„Sag Pfarrer. Und behandele den Mann respektvoll.“
„Das Übliche?“
„Nicht das Übliche; leg noch was drauf. Verstanden?“
„Schon verstanden, Boss.“ Und wieder lacht er zu viel und zu lange.
„Übrigens – Stormi will für seine Nichte Abstecke haben.“
„Habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt – ich will keine Nutte!“
„Sie ist auch keine; konntest du doch auf den Bilder sehen. Und richtig liebe Mails hat sie dir doch auch geschrieben.“
„Das können auch Nutten.“
„Du willst sie also nicht ficken?“
„Dazu habe ich hier zwei Vollzugsladys, wie du weißt.“
„Ja, klar. Weiß ich doch...“
„Also. Wo ist das Problem?“
„Dass Stormi Abstecke haben will.“
„Dann erklär es ihm.“
„So richtig?“
„Genau so!“
„Und seine Nichte?“
„Doro rührst du nicht an!“
„Schon klar, Boss.“ Höre ich ihn lachen.
„Ende!“


Bild 10

„Wenn jemand nach bestimmten Ansagen lacht, Gruber“, frage ich den neben mit stehenden Anstaltspsychologen, „was ist dann mit demjenigen los?“
„Er hat Angst. Ist unsicher. Will etwas verbergen...“
„So wie du, Gruber?“
„Wieso wie ich?“
„Meinst du ich weiß nicht, was du mit Mona gemacht hast; wie du die zugerichtet hast...“
„Es war ein ganz normaler Sexunfall!“
„Ein ganz normaler was... Machst du das mit deiner Frau auch so? Wissen deine Kinder davon? - Kannst du dich daran erinnern, dass Mona mein Mädchen ist - und ich dir die nur geliehen habe?“
„Ja. Kann ich. - Es tut mir auch Leid!“
„Okay. Dann lass den Scheiß beim nächsten Mal sonst gibt es Konsequenzen. - Und für Übermorgen bereitest du die Pfarrerzelle vor, ich bekomme Besuch.“
„Mit Champagner?“
„Das volle Programm, Gruber.“
„Sehr gerne.“
„Hast du eben gelacht?“
„Das würde ich mir Ihnen gegenüber nie erlauben!“

Am Ende vom Gang sehe ich Zucker, den Stationsschließer.
„Schließ mich bitte ins Fitnesscenter, Bruder“, rufe ich.
„Bin gleich bei dir, Chess!“ - und sagt, als er dann dicht neben mir steht leise, „sei bitte vorsichtig, Body ist schon drin – und ich glaube, der plant was.“
„Ist er allein?“
„Ist er!“
„Danke Bro!“
„Weißt du doch. Blut ist dicker.“ Und dabei lacht er. Offen. Ehrlich. Anständig. Mit Respekt. Wie es sich unter Brüdern gehört. Und es ist wahr: Wir haben denselben Vater, für den ich das aller erste Mal im Knast gesessen habe; eigentlich wegen Mutter. Doch das ist eine andere Geschichte. Eine lange. Mit Tiefgang. Und seitdem Mutter mit dem Gedächtnis Schwierigkeiten hat, weiß außer mir und einiger verlauster Gerichtsakten nur Zucker davon. Wir lernten uns bei der Beerdigung des Alten kennen. Ich in Handschellen. Er als mein Schließer; Brüder.

„Brauchst du noch was?“
„Nichts. Danke!“
„Okay. Kannste ja klingeln, wenn du wieder raus willst.“
„Body wird für mich klingeln!“
„Bist du sicher?“
„Ja!“
„Gut so.“
„Du schließt ihn dann bitte ein...“
„Und dann?“
„Dann findet er einen Schuss auf dem Bett und denkt, sein Dealer wäre da gewesen.“
„Und der war auch da?“
„Na sicher.“
„Okay. Ciao dann.“


Bild 11

Body lacht nie. Ist zwei Meter lang. Wie breit. Nackt. Zirka 150 kg schwer. Mit Glatze. Boxernase. Ein Muskelpaket. Aufgepumpt. Hat sein extrem gepierctes Ding eingeölt. Steht sichtbar unter Strom.

„Na, Body – scheiß Nacht gehabt?“
„Nicht deinetwegen...“
„Sondern?“
„Meiner Wiederaufnahme...“
„Und?“
„Der Rechtsanwalt ist ein Arsch.“
„Entzieh ihm doch das Mandat!“
„Mandat?“
„Du entlässt ihn.“
„Und dann?“
„Ich besorg dir einen.“
„Gerade du?“
„Gerade ich!“
„Und wieso?“
„Ich will dir einen Gefallen tun.“
„Wie der Pate von der Marlon Brando Mafia?“
„Du bist pfiffig.“
„Und dann willst du was von mir…“
„Vielleicht Ja. Vielleicht Nein. - Wir werden sehen.“
„Und wenn nicht?“
„Dann stirbst du hier drin!“
„Tu ich sowieso. Ich hab n Haufen Schulden und...“
„Das regle ich.“
„Und was muss ich dafür tun?“
„Du klingelst jetzt - und lässt dich auf Zelle bringen. Den Rest später.“
„Erst besorgst du mir ne Alte...“
„Gebongt.“
„Prima, Alter.“
„Sag Chess, - einfach Chess.“
„Okay - Chess.“
„Und jetzt klingelst du ... und in einer halbe Stunde bist du all deine Sorgen los.“
„Vergiss ja die Schlampe nicht. Ich brauch was vor die Pfeife!“
„Nein, vergesse ich nicht; ich vergesse nie was!“
„Du willst mich manipulieren, stimmt's?“
„Ich will dir helfen...“ lasse ich Giftpilz ’Hoffnung’ in seinem Hirn keimen. Mache ihn zum Zombie, - während der Pilz wachsen wird, sich vermehrt und durch Suizid tötet. Hoffnung spielt immer das gleich irre Spiel. Egal, wo man hinsieht.


Bild 12

Im Knast vergeht die Zeit wie Sonntage auf dem Land. Träge. Kraftlos. Öde. Masse = Gleichmasse. Schlafen. Träumen. Leise Gitarre. Fado. Bestehend aus still stehender Aussicht in Ort wie Handlung. Wobei die wenigen Handlungen nicht mehr als inzestuöse Geschehen sind. Und der Rest aus Problemen besteht. Die Probleme wiederum Karikaturen der Welt draußen darstellen. Bis Doro zu Besuch kommt und ich denke, als ich sie sehe, es sei mir möglich für sie zu sterben. Und sie, eventuell durch die Faszination des Bösen in oder an mir, ähnlich dachte. Wie sie mir Minuten später erzählt.

„Von wem hast du das - mit dem Bösen?“
„Man spricht darüber...“, flüstert sie.
„Und, sehe ich so aus?“
„Zum Glück überhaupt nicht!“ strahlt sie. „Doch das habe ich ja schon beim Skypen bemerkt. - Kann das hier eigentlich jeder?“
„Nur wenn es zur Therapie gehört. Und in meinem Fall war der Psychologe mir noch was schuldig.“
„Willst du mir erzählen was?“ Wobei ich denke, andere Typen haben ihren wahren Charakter schon für wesentlich weniger verleugnet als sie mir zusätzlich sagt, „ ...die Menschen hier sind überhaupt alle so freundlich!“
„Das Gleiche habe ich heute Morgen über Tadschikistan gelesen. Und verhungern tut man da auch nicht. - Wenn du jetzt noch sagst, der Knast erinnere dich wegen der Backsteintürmchen der Kirche an eine russische Stadt, zum Beispiel St. Petersburg, wirst du von der Anstaltsleitung mit Gold und Geschmeide behängt.“
„Habe ich schon“, lacht sie. Legt den riesigen herbstfarbenen Schlauchschal a la Lenny Kravitz ab, - ein grobmaschiges Teil das schwach olivgrün ist und sich farblich an ihren Hosen orientiert. An den Bikerboots. An der Mary- Paul- Lederjacke. Und als sie die auszieht, in einem bequemen Pullover dasteht, und in Tatsache eine fette Portion Schmuck zum Vorschein kommt. „Alles leider nur Chi- Chi!“ sagt sie dazu. Um mich aus den Träumereien um ihre Person zu schrecken, als beim Hinsetzen das Knastmöbel grauenhaft quietscht und sie „Entschuldige bitte“ sagt. Und ich erst ab da die blond- gesträhnten Haare zum Turmdutt gebunden sehe; was mich wieder und wieder aufs Neue antörnt. Bei ihr besonders. Und ich glaube, auch das habe ich ihr schon gesagt.

„Immerhin, auf den ersten Blick ist deine Zelle direkt pompös. Die sieht erst auf den zweiten Blick steril aus. - Nur der Champagner, der Kaviar und die roten Rosen passen so überhaupt nicht ...“
„Das ist nicht meine Zelle, Doro, - die willst du bestimmt nicht sehen. Das hier ist die vom Pfarrer.“
„Ach so. Der arme Kerl, - was hat er denn verbrochen?“
„Nichts Schlimmes. Der hat hier lediglich seine Schäfchen zu betreuen.“
„Ach so“, schnallt sie - und lacht, „der ist hier beschäftigt...“ Und ich will ihr im Gegenzug die Grübchen küssen, - wäre da nicht dieser Lärm vor der Tür. Wohl ein Irrer, der gegen das Metall tritt und brüllt wie am Spieß. Bis ich Bodys Stimme höre, den ich zum Doorman befördert habe. Der aus dem Brüllen des Typen ein Wimmern zaubert, das dann zu einen Nichts von Geräusch wird, in dem ich mich wieder Doro zuwende, die blass geworden, fassungslos „...was war denn das...?“ fragt.
„Es gibt hier immer wieder mal Jungs, die ein elementares Bedürfnis haben mit Gott oder dem Teufel zu sprechen. Und das dann sofort.“
„Und?“
„Ich bin im Augenblick weder als das eine noch als das andere zu sprechen. Es sei, du willst mich...“

Einen Monat drauf teilt sie mir per Skype ihre Schwangerschaft mit, sagt UNS dazu – und ob ich mich drüber freuen würde ... Und ich muss ab da - wegen meiner guten Beziehungen und zwecks Charaktererprobung - nur noch nachts in den Knast. Dafür habe ich nun drinnen wie draußen zu tun die Raben ’von meinem Erbe’ weg zu halten. Draußen geht es um Eddy. Drinnen ist es Body; der mich aber wesentlich weniger stört. Eddy dagegen hat in den Jahren meiner Haft allerlei Geschäfte weit an mir vorbei gemacht. Und hängt zudem anscheinend die Nase zu tief in das Koks. Auch deshalb trage ich tags über Walther PPK die, wie James Bond sagt, wie ein Ziegel durch eine Glasscheibe abgeht. Eddy dagegen hat eine Beretta, deren Einschusslöcher man locker mit Egypt- Wonder- Puder überschminken kann, - wie ich Doro anlache, als sie an meinem Körper die Narben abtastet und dabei weint.

„Haben die alle eine Geschichte?“
„Ja, haben sie. – Ich möchte jetzt aber nicht drüber reden.“
„Später mal?“
„Ja!“
„Versprochen?“
„Ja.“
„Und wann ist später?“
„Nach dem unser Kind geboren ist.“
„Warum erst dann?“
„Weil es jetzt mithören kann. Und das ist nicht gut!“
„Liebst du mich?“
„So sehr ich kann!“
„Das ist schön...“

Toll singt Eva Cassidy ’Autumn Leaves’, findet Doro. Und ich finde das (je nach Stimmung) auch. - Mann, so weit ist es mit mir gekommen. Statt den Metallic- Beat komplett aus der Seele zu nehmen, mir die Einschusslöcher aus der Haut zu kratzen, den Hass aus der Faust (geschuldet dem Riss im Selbst), der Liebe eine Heimat, anstelle von positivem Energieschub ewiges Wühlen im Triebgrund: Masturbation... „I am tired, I am weary /I could sleep for a thousand years...“ Doch all dem steht erst mal Eddy entgegen, - der mich von hinten bis vorne betrogen hat, wie mir Mutter früher weinend auch über meinen Erzeuger erzählt/e. Ja. Auch deswegen ist Eddy meine Hauptaufgabe, wie früher mein Vater. Und eine solche Aufgabe hat Sprengkraft, - denn ’den’ Chess belügt und betrügt niemand ungestraft. Wetten?!


Bild 13

In der Haft beschränkt sich der Blick auf die Welt aus einem Nirgendwo. Wodurch eine solche Perspektive ständig eine all umfassende Sinnlosigkeit gebiert. Bei mir jedenfalls. Zwangsläufig versucht man in seinem eigenen Innenleben einen Platz zu finden. Eine Ruhezone. Um unbeschadet zu überleben. Doch auch das gelingt eher selten ’so richtig’. Es wird erst ein wenig besser, wenn man sich komplett an seiner persönlichen Schuld abgearbeitet hat. Doch auch dann. Weil die Frage bleibt, ob man ein solchermaßen erweitertes Bewusstsein draußen beibehalten kann. Genau durch solche Unsicherheiten bewegt sich meine Fledermaus. Ich fürchte nämlich, dass mir durch die Haftentlassung die Mitte meiner lang gehegten Ordnung verloren geht. Doch zum Glück vollzieht sich das unmittelbare Erleben vor dem Tor der Anstalt zuerst durch Doro - positiv, die ihre Schwangerschaft geschickt unter einem lila Fledermaustop von Jill Sander verbirgt. Blow- Up- Jeans trägt. Handgearbeitete Schlangenlederstiefel von Securty - als sie mich heiß und innig küsst. Ein wenig Paradies- Parfum zu viel. Doch dann steht da Eddy. Fels im dunklen Anzug mit Borsalino wie einst Alan Delon im gleichnamigen Film mit Jean-Paul Belmondo, der wegen seiner brutalen Dramatik für den Golden Globe Award nominiert war. Der mir kühl die Hand gibt und mir aus ’meiner’ Autosammlung – als wäre es seine - den sonnengelben Studebaker Champion 1957 präsentiert. Ein Cabriolet. Mein Lieblingsstück.

„Ich bin mit Mona“, sagt er nach der knappen Begrüßung, „und fahre mit der. Nimm du den Champion!“ Und schon wieder bringt mich sein Tonfall ins Nachdenken. Seine grinsende Fresse. Und ab da weiß ich, Eddy hat die Angst vor der Höhe verloren. Vor mir.

„Wo sind eigentlich deine Rapeiken?“
„Die kommen nach.“
„Immer noch First Class, der Chess, was?“ und er dieses überhebliche klingende Lachen lacht, - wodurch mir das Messer in der Tasche aufgeht. Und ich Doro frage, als Eddy sich umdreht und zu Mona in den SE- Daimler steigt, ob sie die Walther dabei habe.
„Aber sicher doch. Du hast mich doch darum gebeten. - Ich habe auch ’Autumn Leaves’ dabei; du weißt schon: Eva Cassidy. Ich kann von ihrer Stimme einfach nicht genug bekommen!“
„Macht nichts, - andere Schwangere haben Jieper auf Senfeis mit Delikatessgurken ...“ Während ich Eddy zuwinke, der mit Mona vom Parkplatz braust dass es staubt - und ohne mich zurückzugrüßen.
„Lass uns fahren“, sage ich deshalb, „ich habe zu tun!“
„Aber erst einen Kuss!“
„Klar doch.“
„Und später ...“
„Was später?“
„Na du weißt schon!“
„Ja?“
„Na - bevor ich dir zu dick bin. Zu unattraktiv.“
„Hab mal keine Angst...“
„Habe ich aber.“


Bild 14

Mein Balken im Auge trägt den wissenschaftlichen Namen Genitor = ’biologischer Erzeuger’. Andere nennen so was Vater. Papa. Paternität. Ich nicht. Ich sage Triebtäter. Schläger. Monster. Hersteller von negativ Produkten = Vernichtungsoperator. Menschengebraucher. Verbrecher. Der mich von der Mutterbrust prügelte, um den Titt selbst leer zu saufen. Von mangelnder Vaterliebe gar nicht zu reden. Der mich gegen meinen Willen zwang Fleischer zu lernen und mich so zum Täter machte, als er mich mit Gewalt zur Gegengewalt prügelte. An die Basis, - als System von offenen Mengen. Erziehung dazu sagte. „Es soll dir eine Lehre sein, du Idiot!“ Um meine positive Entwicklung zu unterbinden. Von wegen Sozialisation. In mir Hass schürte. Und das nicht nur in der Schlachterei beim rohen Fleisch essen, Blut trinken, Rinderaugen lutschen - sondern auch in der miesen Wohnung über der Schlachterei, mit deren Dreck und Schimmel man allein schon einen Menschen erschlagen konnte. Und dazu musste man nicht mal sensibel sein. Zudem der Alte soff und Mutter verprügelte. Auch mich, - so lange ich denken kann. Und ich deswegen in der Schule nicht sitzen konnte. Nicht stehen. Liegen. Laufen. Essen. Trinken. - Lernen.

„Faustgroß“, sagte der Schularzt zu Mutter, „die Dutzend Hämatome. Und in allen Farben. Sie sollten dringend die Polizei einschalten!“ Während er mir die Risswunde unter dem linke Auge nähte. Zwei Finger der rechten Hand mit Mull und einer Schiene fixierte. Ich mich eine Stunde später zum Judokurs beim Sportlehrer der Schule anmeldete. Da war ich elf.


Bild 15

Jahre später wohnte ich längst nicht mehr zu Hause. Der Grund lag auch in den Niederlagen, - die ich meinem Erzeuger zufügte. Zudem hatte ich Lana kennen gelernt. Und Lana besaß eine Wohnung. Ein Auto. War acht Jahre älter. Sah aber aus wie ... Und schaffte in einem Bordell in Schulmädchenuniform an; mir ging es richtig gut bei ihr. Das erst Mal im Leben.


Bild 16

Mit meiner Mutter telefonierte ich täglich. Und weil der Alte sie immer wieder schlug, sah ich den auch häufiger. Und es hörte nicht auf. Dann ging sie zwei Tage nicht ans Telefon. Also musste ich hin. Und mein Gefühl war nicht das Beste.

Die Revision vom Staatsanwalt wegen Mord an meinem Erzeuger war durch - und ich habe folgendes vor Gericht gestanden:

''In der Küche lag mein Erzeuger auf meiner Mutter am Boden. Beide rührten sich nicht. Das viele Blut um sie herum schien verkrustet. Neben dem Geräusch der Küchenuhr hörte ich meinen Puls. Dieses Bumm, Bumm, Bumm. Mal laut. Mal leise. Ich werde es nie vergessen. Auch nicht das jähe Stöhnen meiner Mutter; dass ich ihr das Messer aus der Hand nahm, sie zum Bett trug, auskleidete und wusch. Ihr eine zehner Valium einflößte; den Alten in einen Teppich wickelte - und nachts in die Schlachterei schleppte.''

Das Gericht bestellte mir eine Pflichtverteidigung, Frau Seelig. Dem Schwurgericht stand ein Richter mit Namen Hart vor. Als ich ihn sah (ein Abbild meines Vaters), ahnte ich, was kommen würde: Alles, außer fair!

„Sie haben Ihren Vater während einer Meinungsverschiedenheit erstochen!?“
„Ich habe ...“
„Sie haben Ihren Vater nachdem er tot war in einen Teppich gewickelt in die Fleischerei getragen und dort fachmännisch zerlegt!“
„Ich habe ...“
„Aber Sie sind doch gelernter Fleischer?“
„Ich habe ...“
„Sie haben Ihren zerstückelten Vater in Plastiktüten verpackt und tief gefroren!“
„Ich habe ...“
„Sie geben also zu ihren Vater heimtückisch getötet zu haben, um die Fleischerei zu übernehmen!?“
„Ich habe ...“
„Sie wollen doch nicht etwa ihre kranke Mutter als Zeugin aufrufen lasen?“
„Ich wollte ...“
„Das hohe Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Das Urteil wird nach der Mittagspause verkündet!“
„Ich wollte aber noch ...“
„Sie haben hier gar nichts zu wollen, Angeklagter; komplizieren Sie die Sache nicht unnötig!“
„Ich wollte ...“
„Wenn Sie nicht einsichtig sind, werde ich Sie von der Verhandlung ausschließen! Haben Sie mich verstanden!?“
„Ich ...“
„Abführen, den Mann, Herr Wachtmeister. Sofort!“
„Ich protestiere!“

„Nehmen Sie das Urteil an und begreifen sie es als Chance für einen Neuanfang“, riet Frau Seelig.
„Kann man denn nicht ...“
„Das bringt doch alles nichts!“
„Immerhin drei Jahre sechs Monate!“

Doch schon wegen Mutter habe ich das mit der Wideraufnahme letztlich gelassen. Was sind schon drei Jahre sechs Monate, - die stehe ich locker durch. Mutter wäre daran gestorben. Aber mich führen die nach oben, war ich sicher. Denn ich wollte das Abitur nachholen. Später BWL studieren.
Auch der Knastpauker war begeistert: „Einen mit einem Willen wie Sie, hatte ich lange nicht!“
„Sie können Du sagen, Herr Klage!“
„Gut, meine Junge. Lass uns beginnen!“


Bild 17

Zur Beerdigung des Alten Wochen später organisierte Frau Seelig eine Ausführung; meine Brüder stellten sich tot.

„Geht aber nur gefesselt!“
„Ist okay.“
„Wundert mich allerdings: Weil Sie ihren Vater doch so hassen?“
„Ich möchte meine Mutter wieder sehen.“

„Zucker“, sagte der Schließer, als er mir die Acht anlegte, Fußfesseln, „mein Name. Wir fahren zusammen.“
„Passt schon.“

„Schönes Wetter für die Beerdigung eines lieben Menschen“, grinste Zucker, gerade als der Krankenwagen mit Mutter unmittelbar neben dem Grab hielt.
„Für den alten Knochen ist es mir egal.“ Doch der Krankenpfleger schien die Gefühlskonfusion in mir noch toppen zu wollen, als er den Rollstuhl mit Mutter fast ins offene Grab fuhr.
„Mann, IDIOT, pass doch auf...!“
„Sonst?“ Blaffte der zurück.
„Sonst mach ich dir Beine“, sagte Zucker, öffnete die Jacke und zeigte eine Röhm RG 6 mm.
„6 mm ...? Damit kannste du nur schlafende Spatzen...“, sagte ich.
„Nicht, wenn man weiß wohin.“

„Ist ja schon gut“, entschuldigte sich der Krankenpfleger.
„Dann bleib in Zukunft besser anständig, Junge“, griente Zucker den an, „und behandle die alte Frau gut, die ist nämlich seine Mutter!“ Während ich sie im Arm hielt und kaum Leben in ihren Augen sah.
„Die Amnesie wird bestimmt noch zurückgehen“, versuchte der Pfleger es mit Wiedergutmachung.
„Bist du Arzt, - oder was?“
„Lass stecken“, beruhigte Zucker.
„Das sagst du?“
„Ja, sage ich“, sagte der, „ich bin nämlich auch wegen der Beerdigung hier!“
„Wie das denn?“
„Der Alte war ’auch’ mein Erzeuger!“
„Echt? – Dann bist du der Dagobert...“
„Sag einfach Zucker, sonst muss ich zu dir Donald sagen.“
„Der Alte ist bescheuert, oder?“
„War, Chess, - war.“
„Ja. - Stimmt.“
„Zum Glück ’war’. Denn mir hat er nur Unglück gebracht.“
„Und deiner Mutter?“
„Die hat sich seinetwegen umgebracht.“
„Und du kamst ins Heim...“
„Genau so.“
„Wie alt bist du eigentlich?“
„Zehn Jahre weiter als du.“
„ ...und mein Schließer.“
„Wir werden noch eine Menge Zeit miteinander verbringen.“
„Immerhin was positives.“ Zudem Zucker gut roch. Typ unvergänglich. Nach Aramis classic, - After Shave. Würzig, maskulin. Holzig, kantig. Nach Leder. Ein Biker.
„Meinst du, es gibt noch einen von uns, - der zum Beispiel Micky heißt?“
„Er hätte den ja auch Goofy nennen können...“
„Stimmt auch wieder.“
„...oder Minni Maus, - oder Daisy.“
Und fast war es auf dem Friedhof so albern wie in Entenhausen, wäre Mutter nicht. Und meine Handschellen. Die Fußfesseln. Meine ’anderen’ Brüder im Geiste; Daniel und Goofy. Eine Daisy - irgendwo.
„Kannste die 8 abmachen?“
„Aber klaro doch!“
„Ich renne auch nicht...“
„Geschenkt, Bruder“, lachte Zucker. Dann umarmten wir meine Mutter und ich glaubte, eine Träne in ihren Augen zu sehen. Auf jeden Fall blieb was von Zuckers Aramis an ihr hängen. „Musst nicht weinen, wir kommen dich bald besuchen. - Stimmts Zucker?“
„Aber sicher doch. So oft es eben geht.“
„Kannst du Schach?“
„Ich weiß nicht mal wie die Figuren ziehen...“
„Schade.“
„Ich kann’s ja lernen.“
„Sicher.“

Bild 18

Ich lernte. Spielte. Langsam und leise. Gewann nach fünf Wochen mit Wucht. Und Zucker war und ist kein Schlechter; wie er über sich selber sagt; ’Habe schon in jedem Scheißkaff der Welt gespielt’.
Sonst sagte er überhaupt nicht viel. Gerade mal, dass er was antwortete; ließ aber meist kein Gespräch entstehen. Blockte. Als wenn ihn etwas bedrücken würde. Doch ich blieb dran. Nahm den Faden täglich wieder neu auf. Bauer, Turm und Springer. Erst über seine Zeit im Heim. Dann die als Söldner. Personenschützer. Wo er überall schon war. Und was er getan. Wir redeten auch über Schuld. Wenn wir darüber nicht schwiegen.
„Wieso hast du dich damals eigentlich nicht mehr gemeldet?“
„Es gab da Gerüchte..“
„Und welche?“
„Du wärest Informant der OK beim LKA“
„ ...bei der Abteilung Organisierte Kriminalität!? --- Wer hat das denn behauptet?“
„Eddy!“
„Den kanntest du da schon?“
„Als die Sache mit dem Alten passiert ist, haben wir gerade angefangen uns mit einer Pension selbstständig zu machen. - Erst war Eddy ja Stammfreier von Mona...“
„Die dich ja auch ab und an im Knast besucht hat?“
„Ja. Mona war nach Lana meine beste Lady. Eddy hat sich in Mona verliebt. Und ich habe davon gut gelebt.“
„Woher hat Eddy das viele Geld?“
„Sein Vater ist Professor. Ein bekannter Urologe und Politiker. Villa im schicken Zehlendorf. Topp Hundert; weißt schon.“
„Und von dem hat er den Okay- Tipp?“
„Ich glaub schon. Und weil du ja trotz deines wüsten Vorlebens Knastbeamter geworden bist; eigentlich müssest du ja hinter der Tür sein, sagte Eddy.“
„Meinte sein Vater...?“
„Ja.“
„Wie heißt denn der gute Mann?“
„Professor Albert Wohlgemut.“
„Ein wirklich schöner Name. Und leicht zu merken!“
„Und du hast dann für den Professor und seine Leute deren Schwarzgeld angelegt?“
„Ja, habe ich. Der Richter sagte später Anlagebetrug dazu...! Aber erst war es nur unser Geld. Also Eddys und meines; es wurde in unseren Läden ja immer in Bar bezahlt. Und wo sollten wir hin mit der Kohle... Mehr als topp Urlaub, irre Autos, den teuersten Schmuck und die geilsten Hütten kaufen ging nicht. Eddy hat dann noch Musiker promotet. Und ich Boxkämpfe veranstaltet. Pokerturniere. Da flog einem die Kohle nur so um die Ohren. “
Bild 19
Mona sieht heute aus wie Altersarmut. Trägt eine riesige Brille. Hochglanzweiße Zähne. Hat nichts mehr von früher. Nichts Natürliches. Besteht einzig als gewollte Glamour- Granate.
„Mein Aussehen ist mein Kapital!“
Wie eine fünftklassige Hure. Die wehende Girly- Mähne Blond bis zum Abwinken. Hochgeschnürte Kunstbrüste. Schlauchboot- Lippen. Klappert in roten Stöckeln neben mir her. Das Marylin Monroe Kleid satt auf die Hüften geschneidert.
„Gruber nimmt dir das Schulmädchen noch ab?“
„Der ist immer noch so was von abgefahren...“
„Anal?“
„Rund um die Welt...“
„Und Eddy?“
„Nun bist du ja wieder da; ach - ich brauche dich so.“ Macht sie Show. Geht zwei Schritte vor mir. Zeigt ihre langen Beine. Die runden Arschbacken. Haut, wo der Höschengummi Spuren zeichnet. Die Säule ihres Rückrats. Die Rinne am Gesäß. Eine tätowierte Rose. Fragt, ob ich Lust habe... Doch es zieht nicht. Nichts zieht mich. Nicht die Vorstellung vom Gürtel in meiner Hand. Den ich ihr früher über Rücken, Hintern und Schenkel schlug. Quer über den Bauch. Ihre Scham. Den Kitzler. Bis sie stöhnte. Kam. Urinierte. Meinen Schwanz im Mund. Nein. Heute bin ich Spaziergänger. Schaufenstersteher. Zuhörer.

„Erzähl mir von Eddy!“
„Eddy bescheißt dich!“
„Sicher?“
„Hundert Pro. Und wenn du mich glücklich machst, gebe ich dir den Chip...“
„Was ist drauf?“
„Treffen mit den Russen. Albanern. Tschetschenen. Gespräche. Deals. Fotos von Dokumenten. Telefonnummern.“ Während ihre Hände mein Haar streicheln. Ihre Lippen auf meiner Haut. Dann plötzlich hat sie Demütigung und Widerstand im Gesicht. Ahnt schon. Enttäuschung, als ich NEIN sage. Das Lamm zum Wolf wird. „Du Scheißkerl. Fick dich selber!“ Dann weint und schluchzt sie: „Ich liebe dich doch so...“ Dazu gehe ich im Kopf die Mängelliste durch und beschleunige die Zeit bis zum Stillstand. „Träum weiter!“ Ende. Anfang. Wunderkammer. Nichts und Alles. Und mache sie damit zu einer unglücklichen Frau. Augenblicklich zu meinem Jäger. Zu Eddys Gehilfin. Skrupellos und rachsüchtig wird sie sein. Eine, die die Wirklichkeit zersplittert. Die Wahrheit mit Lügen überschwemmt als sie mir sagt, dass Eddy Body gekauft habe, damit der mich erledigt.

„Schon im Knast sollte der dich ...!“ sagt sie. „Dann hat Eddy es sich aber anders überlegt - wollte, dass Body sich an dich ranschmeißt um dich draußen auszuknipsen.“
„Draußen? Hier? Der hat doch lebenslänglich...“
„Denkst du aber nur. Eddy hat seine Kontakte.“ Und schon fliegt alles wieder. Platzen Seifenblasen. Träume. Zukunft. Bedeutung. Möglichkeiten. Mein positives Lebensgefühl. Der Luxus von FREIHEIT. Alles für die Katz. Stattdessen Kampf. Chaos. Krieg. Siegen. Oder untergehen. Ach, ich habe so die Schnauze voll. Und doch ... es hat auch seinen Reiz, sich zu beweisen. Sich nicht zu verstecken. Schmerzen zu haben. Die auszuhalten. Und zu überleben. Phasen des Glücks dabei zu empfinden. Einmal Gambler. Immer! - “Oh mother tell your children/Not to do what I have Chesse/Spend your lives in sin and misery/In the House of the Rising Sun” - Während sie sich die Nase putzt. Ein Taschentuch zerknüllt. In Gedanken ist. Am Spiel. Ich an den Knast denke. Wie ich in ein Laib Brot abspritzte. Später in die beiden Wärterinnen, die ich dafür fürstlich bezahlte. Für Schnee, Alkohol, - Freiheit. Genau deshalb fasst Mona nach meinem Arm. Will meinen Schwanz. Ich aber “Lass das!“ sage – sie wegschiebe. Ihr in die Augen sehe. Die tief und nass sind. Schwarz vor Ruß. Und verschmiertem Lippenstift auf Fläche. Und sie schon an mir schuldig ist - und so weiter und so fort. I love you. Love you. You. Und so weiter... und so fort. Und ich: Yes, Baby, ein perfekter Tag sieht anders aus. Und so fort.


Bild 20 Vom Feuer(machen)

„Nenn mich Dag“, sagt Zucker, als wir vor dem Haus stehen, „Zucker steht für Knast!“
„Ich weiß“, sage ich, Zucker = Zuchthaus...“

„Und –--- wie gefällt es dir?“
„Wirklich mehr als gut. Und irgendwie vertraut; ich fühle mich wie zu Hause!“
„Die Möbel aus deiner alten Bude sind auch schon da.“
„Hoffentlich nur die ich ausgesucht habe?!“
„Klaro, Chess, ich hab’s doch nicht an den Ohren...“
„Und die Frau?“
„Severine? – Die hat all die Zeit gut aufgepasst.“
„Woher kennst du sie?“
„Algerien.“
„Und?“
„Nichts und!“
„Wirst du zu ihr ziehen?“
„Du meinst zu dir ...“
„Immerhin hat das Gartenhaus Platz genug.“
„Und im Garten kann man sich verlaufen, was?“
„Genau.“
„Komm. Lass uns erst mal reingehen. Bubi erwartet dich.“

Ja, Bubi – der direkt hinter dem Tor - ich höre ihn winseln. Klar, viel zu lange haben wir uns nicht gesehen – dann springt er wie irre an mir hoch. Jault. Schlackert den Schädel, dass der Speichel fliegt. Rollt sich auf den Rücken. Windet sich - alle Viere hoch - im schieren Vergnügen. Während ich neben ihm knie, ihn streichele, hinter den Ohren kratze. Mit ihm spreche. Er meine Hände leckt... meine Tränen. Und ich seine. Die Freude mit ihm teile - wieder da zu sein. Ein Zuhause zu haben. Eine Frau, - die ein Kind erwartet. Einen Bruder. - Das neulich gekaufte Haus. Eine Villa in Berlin- Dahlem, direkt am Grunewald. Dicht an der Havel. Auf reichlich Quadratmetern; ich weiß gar nicht wie viele. Die hoch umzäunt, mit rotierenden Basecape- Kameras ausgestattet, die den Garten überwachen. Die Mauern. Das Tor. Alle Gebäude. Zudem erwartet mich Severine. Die Freundin meines Bruders Dag; Tochter eines ehemaligen OAS- Kämpfers, - die in diversen Kampfsportarten ausgebildete ist. Eine schlanke Brünette. Die schwarzen Haare zum Zopf geflochten. Die mich links/rechts küsst - aber wenig spricht, wie Dag mir schon sagte. Die nach Paco Rabanne ’One Millon Absolutely Gold’ duftet. Bequemes aus Jil Sanders ’Fashion’ Kollektion trägt. ’Paul Green’ Slipper. Und mir sehr sympathisch erscheint. Nicht deswegen stelle ich sie mir nackt vor, - ihre Brüste, ihr Loch... Doch ich stoppe, gehe nicht weiter über die Brücke. Nicht heute. Denn ich stelle sie mir IMMER ALLE nackt vor. Dich da. Und den. Jetzt sie. Und die. Ihre Brüste. Löcher. Schwänze. Säcke. Ärsche. Weil es als professionelle Dèformation zum Geschäft gehört, wie mein Abonnement aufs Schattenreich.

„Das Mobiliar hat Doro übrigens komplett im Alleingang ausgesucht“, lacht Dag. „Und ich kann dir sagen, sie hat Geschmack, - was Severine?“
„Très chic!“ lächelt Severine, formt ein Herz mit den Fingern. Und hat eins in den grünen Augen leuchten, wie ich sehen kann.
„Sie mag Doro sehr“, sagt Dag. „Die Beiden haben sich gleich bei der ersten Begegnung gemocht. - Und Severine freut sich auf euer Kind ...“
„Hat sie keine?“
„Nicht mehr. – Doch das ist eine lange Geschichte.“

Dann ist Nacht. Nachmittags um 3. Und ich bin am schmutzigsten Ort der Welt. Bei mir. Im Knast. Wo niemand normales Leben vermutet. Dasein auf Sparflamme. Nur von Gedanken gesteuert. Sehnsüchten. Vergangenheiten - im Zeitraffer. Tage. Monate. Jahre. Wenn man sich selbst abdreht. Energie spart. Möglichst alle Prozesse und Programme gedrosselt fährt. Den Moloch als Bodensatz. PC im Ruhezustand. Mit der Dauerberieselung: Kaufen sie! Finden sie die besten Reiseangebote! Und ich grundsätzlich Ja sage. Weil das Angebot stimmt und ich keine andere Wahl habe. Nur mich - du dich. Den ersten Satz und den letzten. Mein Wort gegen deins. Begreiflicherweise. Weil: Die Welt ist aus Dreck gemacht; und ich weiß, wer du bist. Oder hier: Regenwahrscheinlichkeit 100% = es wird ein scheiß- Tag morgen!


Bild 21

Eddy überrascht sie. Einen Fuß auf dem Badewannenrand, zieht sie den Rasierer über die eingeschäumte Scham. ’Sensitiv’ Pflegebalsam liegt auf dem rosa Toilettendeckel. Ein goldfarbener Handspiegel. - Mit einem Tuch entfernt sie den restlichen Schaum - lässt beachtliche Schamlippen sehen.

„Macht dich das an?“
„Ich dachte, du hättest mich nicht bemerkt.“
„Dich kann man nur bemerken, Eddy! Außerdem kommst du um die Zeit immer zum Abkassieren.“
„Hattest du Gruber zu Besuch?“
„Das Schwein hat meinen Kitzler mit dem Staubsaugerrohr malträtiert. Sieh dir das Teil an ... fast so lang wie dein Schwanz!“
„Halts Maul, du Fotze. Sonst stopf ich sie dir!“
„Sei mal nicht gleich so empfindlich“, meint Mona Macht über ihn zu haben. Denn niemand kennt sein Geheimnis wie sie; seine läppischen acht Zentimeter. Erigiert. Lediglich in der Rialto- Bar, als Mann unter ähnlichen - die alle eine Maske tragen, kennt man sein Glied so. Es trägt dort eine Nummer. 807. Der Rest ist anonym. Doch jetzt, bei Mona, kann und will er nicht an sich halten. Spreizt sie. Saugt an ihrem Kitzler. Presst ihre Schamlippen. Lutscht das Fruchtfleisch. Leckt ihr wie ein Derwisch die Möse bis Blut kommt und. Sie es laufen lässt. Stöhnt. „Du geile Sau“. Er krampft und spritzt. Erschlafft, als würde ein Blitz ihn fällen. Alles in vier/fünf Sekunden. „Süß!“ Sagt sie. Und schafft damit eine Wand aus Hass, gezeichnet mit ihren Namen. „Du hast Glück, ich brauche dich noch!“ wütet er „sonst ...“ und führt den Daumen die Kehle lang. „Damit du Bescheid weißt! Und nun her mit der Kohle.“ Hustet, als er ein Würgen in der Kehle spürt, - sauer aufstößt, sich Krümel von den Lippen leckt. Salzkristalle. Während sie mit schmal gezogenen Lippen wie ein Wackeldackel nickt, „Tut mir leid!“ sagt, als ihr erste Tropfen an den Wimpern hängen. In Blau. Und Rot. Schweigendes Schwarz. Dann Tränen satt in Zweierreihen, bis sie leer ist. Doch da ist Eddy schon lange weg; stinkt wie ein Iltis. Vom Magen her. Von Currywurst und Bier. Nassem Fisch. Und ihrer sauren Möse.


Bild 22

Zucker wohnt im obersten Stockwerk des Hauses. Einem anonymen Ding von grauem Putz und Graffiti an der Front. Immerhin kann er über eine Leiter direkt aufs Dach. Und hält penibel den Fluchtweg dahin frei; von wegen der Unsitte mancher Hausbewohner dort Gerümpel oder gar ihren Müll abzustellen. Zudem liegt die Wohnung tagsüber gut im Licht. Er braucht das. Trotzdem lässt er ständig alle Lampen brennen. Das Radio laufen. Das gibt ihm Sicherheit. Vor allem benötigt er Licht, viel Licht, weil seine Sehkraft schleichend aber beständig nachlässt.

„Hatten Sie einen Unfall?“ fragt der Arzt. Doch was soll er dem darauf sagen ... über seine Gefangenschaft im Bambuskäfig erzählen. Über die Hitze. Von den Ratten. Das Rabengeier nach einem picken. Das Salz in den Wunden brennt?

„Ach, das kriegen wir schon wieder hin!“ Tröstet der Arzt. Und zeigt ihm auf einem Poster Augen und Linsen. Erklärt, wie man mit moderner Operationstechnik die Linsen ins Auge setzt.
„Und das ist völlig ungefährlich!“ - Und schon nach einer Woche Krankenhaus erledigt.
„Beide Augen?“
„Wenn alles gut geht.“

Wenn es nicht gut geht sieht er sich bis zur Unterlippe im Wasser stehen, die Augen verbunden, nach Luft schnappen, eine Plastiktüte über dem Kopf – hört neben sich Charly hecheln, während die Wachen mit Maschinenpistolenschüssen das Wasser um sie herum zum Kochen bringen - was sonst nur die Piranhas schaffen - und ’Watch your head’ schreien. Lachen. Kreischen. ’Watch your head --- Motherfucker’. Um danach auf sie zu urinieren. Mehrmals täglich. – Bis heute!

„Ich lasse es mir durch den Kopf gehen...“
„Warten Sie aber nicht zu lange. Wenn erst der Sehnerv beschädigt ist, stehen die Chancen schlecht!“
„Versprochen, Herr Doktor. Ich melde mich demnächst.“

Praktisch auch die Kneipe. 50 Meter weiter die Straße runter. Die von Claire, Charlys Frau, bewirtschaftet wird. Wo Zucker Geld investiert hat, sein Feierabendbier trinkt und ihm im Gegenzug Charlys Frau den täglichen Wein und die Obstbrände je nach Saison und Bedürfen Kistenweise mitbestellt; die der Grossist dann bis in seine Wohnung liefert. Zucker hat dazu Claire einen Wohnungsschlüssel gegeben. - Sonst läuft zwischen ihnen nichts. Außer die wiederkehrenden Gespräche über Suizid. Über den von Charly vor Jahren, ihren Mann. Und den seiner Frau Marla vor Monaten; seinen Schuldgefühlen. Jeden Morgen aufs Neue ist er deswegen Masochist. Hat extra ihr Foto vergrößern lassen und rahmen. Es gegenüber vom Bett an die Wand gehängt. Und von da her ermahnt sie ihn die leeren Flaschen täglich... „Du vermüllst ja sonst komplett, Dag!“
„Ist ja schon gut...“ Den Rest träumt er. Dazu braucht er ihr Foto nicht. Sondern einen Vollrausch. Die einkalkulierten Kopfschmerzen am nächsten Morgen.

Warum gerade Doro, denkt Eddy. Warum überhaupt Frau und Kind. Haus und Garten. Bürgerlich werden; was hat der Knast aus Chess gemacht? Am Besten wäre, ich würde ihm alles kaputt machen. Obwohl, kaputt machen muss ich ihn als Person sowieso, - wenn ich Boss werden will. Chess! Also werde ich mit Doro beginnen; oder doch lieber warten bis das Kind da ist?

Über diese Doro, denkt er, weiß ich fast nichts, außer dass Stormi ihr Onkel ist. Und der das schwarze Schaf der Familie. Crackabhängig. Und bereit, für ein paar Euro seine Gromutter zu verkaufen; - irgendwo muss doch dessen Telefonnummer zu finden sein?

„Stormi? Komm sofort her, du Kretin! Ich erwarte dich in 10 Minuten in Blue Note! – Was? ---- Wie du das schaffen sollst? – Du setzt dich sofort - und ich sage SOFORT - in ein beschissenes Taxi und kommst her. Und wenn ich dich in 10 Minuten hier nicht auf der Matte habe, dann komme ich dich suchen. - Hast du das verstanden? - Und wenn ich dich finde --- dann weißt du was passieren wird!? Oder? --- Also mach hinne. Idiot!“

Stormi ist noch blöder als ich dachte, denkt Eddy - und stinkt dazu noch wie Sau. Auch muss ich dem in Tatsache erst was für die Nase spendieren ...
„Ey! - Geh aufs Klo, Mann und wasch dir wenigstens die Fresse, du Penner. Mann kann dich ja nicht ansehen ohne Pickel zu kriegen ...“

„Juden!“ sagt Stormi.
„Was Juden?“
„Ihre Eltern!“
„Mann --- Nun mach schon. Soll ich dir den Scheiß wieder aus der Nase ziehen?“
„Ne. Lass drin, es wirkt gleich ...“
„Also noch mal: Doros Eltern sind Juden. Und? Mach endlich ne ordentliche Ansage!“
„Und reich...“
„Ey - komm, wir gehen mal n paar Schritte, damit du Luft in die Birne kriegst. Hier drin wird das wohl nichts.“
„Du willst mich doch nicht etwa schlagen ...?“
„Ich? Warum sollte ich?“

Zwei Stunden später knipst Eddy dem Mond das Licht aus, wirft Minuten später eine Dublette seiner Beretta Nähe Rosa- Luxemburg Steg in den Schlamm des Landwehrkanal, pinkelt drauf. Und in der Presse steht nächsten Tag in Schlagzeile was von einem irren Selbstmörder, der nachts im Zoo ins Löwengehege gesprungen sei; oder war es bei den Eisbären? - Doch Eddy grinst nur. Sagt nichts: wem auch? Lacht. Dabei hat er nichts zu verbergen, wie sonst. Es ist alles öffentlich -, steht fett in der Presse. Erste Seite. Nur der Namen des Selbstmörders nicht. Unbekannt. Keine Papiere. Keinen Abschiedsbrief. Nichts! Immerhin wollen Kriminaltechniker den Schädel des Toten für ein Foto rekonstruieren; aber das kann dauern.


Bild 23

Die Regeln des Tango sind simpel. Hingehen. Tanzen. Fertig. Für mich ist es dazu selbstverständlich vorher zu duschen. Deodorant zu benutzen. Kleidung zum Wechseln dabei zu haben. Doch damals kam mir der Alte dazwischen. Beziehungsweise Mutter, - die sich mehrere Tage nicht gemeldet hatte. Die ich dann unter dem Alten liegend fand. Messer in der Hand. Dabei war ich gedanklich dabei meine Partnerin fehlerfrei über die Tanzfläche zu navigieren; Mutter unter dem Alten hervorzuziehen. Prinzip: 1. Laufe nicht rückwärts. 2. Bleibe in Deiner Spur. 3. Lasse die Füße immer am Boden.

Ein Mangalitzaschwein wird in der Regel unter Bäumen geschlachtet. Im Wald. Das bedeutet, dass man feste Schuhe tragen sollte. Dem Wetter entsprechende Kleidung. Der Alte dagegen war eine echte Hausschlachtung. Deshalb zog ich mich bis auf die Unterhose aus, nachdem ich Mutter ins Schlafzimmer getragen hatte und den Alten die Treppe runter in die Schlachterei. Und, als ich dann mit dem elektrischen Messer begann ... daran dachte nie Tango zu tanzen, wenn auf der Tanzfläche wegen Überfüllung Chaos herrscht. Einzig Asiatinnen, sagt man, wären in der Lage auf kleinem Raum. Und so weiter. Bei einer Schweineschlachtung dagegen braucht man nur einen Tisch mit Blutrinne. Einen Trog für die Innereien.
Beim Tango tanzt der Führende mit dem Gesicht zur Außenseite hin. Beim Schlachten kann es, während das Schwein ausblutet, zu Muskelzuckungen, so etwas wie Atmung oder Augenrollen kommen. Doch dazu kam es beim Alten nicht; der war schon zu lange tot. In Buenos Aires muss man - laut Cacho - eine ganze Drehung nach rechts machen können, ohne dafür mehr Platz als die Breite der Schulter zu benötigen. Kleinwüchsige allerdings drehen und starten die Drehungen eher mit der Energie nach oben als in Kreisrichtung, und setzen ihre Schritte außerhalb des Fußes der Partnerin. Wie gesagt: In Buenos Aires – Argentinien! In Deutschland, egal ob Berlin oder wo, wird das Schwein am rechten Hinterbein an einen Kettenzug befestigt und die Entblutung wird in hängender Position fortgeführt. Wie gesagt... Und kämpfe nicht um den Platz. Stoße nicht, schlage nicht und ramme keine anderen Paare, auch wenn Du keinen Platz hast. Die Tanzfläche ist beschränkt. Im Tötungsbereich, aber, hinterlassen Schweine Kotreste. Beim Alten hing der Scheiß in der Unterhose fest, wie ich erst beim Aufräumen bemerkte. Andererseits ist mir das Interpretieren der Musik mit der Brust leicht gefallen. Vor allem bei Oscar Piazzollas Libertango. Und das gilt nicht nur für den Milonga - sondern. Übrigens: Hausschlachtungen sind in Deutschland nicht erlaubt, wie ich als gelernter Metzger weiß. Dennoch wird es in einigen Gegenden geduldet. Doch ich, - ich wurde dafür bestraft. Und – Ja - es war gut so. Sonst könnte ja jeder. Und ich hatte Zeit Abitur zu machen und in meiner Freizeit mehr über den Milonga zu lernen. Über Disziplin. Denn: “Wer in den Saal einer Milonga hinein geht, in dem gerade getanzt wird, durchquert nicht die Tanzfläche, sondern geht an dessen Rande zügig zu einem freien Platz, um nicht die tanzenden Paare zu behindern. Während getanzt wird, soll die Unterhaltung am Tisch im gedämpften Ton erfolgen, um die Konzentration der Tänzer nicht zu beeinträchtigen und um die Musik nicht zu überdecken. Es ist anstandslos, während der Ansagen des Musicalizador und insbesondere während ein Orchester spielt, zu reden. Die Tanzrichtung erfolgt allein von links nach rechts, also gegen den Uhrzeigersinn. Das Tanzpaar bewegt sich immer und nur nach vorne in einer Bahn. Es pendelt nicht von links nach rechts, schneidet nicht den Weg anderer Tanzpaare und vermeidet es, andere Paare zu überholen. Der Tangotänzer vermeidet immer, Rückwärtsschritte zu tanzen. Die Salida wird vom 2. Schritt aus getanzt (Seitwärtsschritt nach links) weil mit dem 1. Schritt (Rückwärtsschritt) das dahinter tanzende Paar angestoßen werden könnte. Der Tangotänzer kontrolliert immer den Raum rechts, links und vor ihm, um zu verhindern, mit anderen Paaren zusammenzustoßen. Der Tangotänzer führt seine Tanzpartnerin derart, dass sie andere Paare oder Gegenstände nicht berührt. Ist die Milonga überfüllt, so bleiben die Füße immer im Kontakt mit dem Fußboden. Der Tangotänzer vermeidet insbesondere, voleos circulares und linerales, ganci etc. zu führen. Wenn die Milonga überfüllt ist, so hält das Paar niemals an um eine Figur auszuführen, es sei denn am Rande der Tanzfläche wenn dort ausreichend Platz vorhanden ist. Die fortgeschrittenen Tanzpaare vermeiden es, Anfänger in Verlegenheit zu bringen und akzeptieren ihre Fehler. Anfänger erkennen die Regeln der Milonga an. Unbekannte Personen werden höflich empfangen und zum Tanzen eingeladen. Alle Tänzer begrüßen sich, auch wenn sie sich nicht kennen. Wer eine Milonga verlässt, verabschiedet sich nicht in Grüppchen am Rand der Tanzfläche, weil so den tanzenden Paaren der Platz genommen wird. Von tanzenden Personen verabschiedet man sich allenfalls mit Gestik.“ – Aus Galateo della Milonga von Carlos Gavito.
Mir sagt das folgendes: Tango tanzen kann jeder - mit einigermaßen Benehmen. Hingehen. Tanzen. Fertig. Wer aber ein Schwein schlachtet, eins wie mein Alter es war, muss mit fünf Jahren Knast rechnen. Auch wenn er an der Sauerei völlig unschuldig ist; an hundert Jahren schwuler Kunst. Und nicht nur dafür hasst ihn Eddy.


Bild 24

„Du hast gefühlte 2 Tage Bubi gestreichelt, - willst du nicht mal endlich reingehen, - Doro wartet!?“
„Hast Recht, Dag!“ Und der schiebt ab Richtung Gartenhaus, Severine im Arm, - der Hund hinterher. Und ich wünsche den beiden Glück, wie ich Doro und mir Glück wünsche obwohl ich weiß, dass es nicht einfach wird. Nicht mit mir. Noch mit dem Glück. Und dass ich bisher immer kämpfen musste. Falls es das ist, weswegen ich gekämpft habe. Doch dann halte ich Doro im Arm, küsse sie und werde geküsst - und meine das mit Glück. Sie. Unser Kind. Lobe ihren Geschmack. Die Möbel von Exquisitia, Benz, Lagerfeld, - Designerträume.

„Mit Charakter“, sagt Doro. „Schlicht. Unauffällig. Wertvoll... Teilweise kultig!“ Wie die Bilder an den Wänden. Fashion. Art- déco- Stücke. Das Cabinet von Above Design. Der Boden Nussbaumholz. Swarowski Kristalle überall. Das riesige Bett von Savoir Beds. Kirschholz. Und ich merke wieder, das Böse lebt sich leichter als immer zu grinsen, begeistert sein und zu allem ja– schön- sagen. Immerhin hatte ich Zeit es zu üben. Auch meine aufkommenden Aggressionen und irgendwelche Zweifel vergesse ich in ihr, - als sie auf mir reitet. Zeit, Takt und Raum bestimmt. Enge und Weite. Klang und Sphäre; mein Krieg sich einfriedet. Das eben noch tosende Meer in Mona’schen’ Wellen über einem goldgelben Stand ausläuft. Ihr „Ich liebe dich!“ im Ohr. Und ich „Ich dich auch!“ aus weißer Wolke flüstere; dabei an Claire denke, die vor Jahren spurlos aus meinem Leben verschwunden ist – und ich dazu Eddy im Verdacht hatte und habe. Und deswegen Dag bitten werde, der Kontakte nach Marseille hat, von wo ich eine Karte von Claire ... doch das ist, wie gesagt, Jahre her. Komme aus weiter Ferne zurück als Doro sagt „Ich freu mich so auf unser Kind. - Willst du wissen, was es wird?“ Ich Ja sage - Ja, - und reite erneut auf, damit der Nebel sich lichtet. Wind kommt. Sturm wird. Der die Blätter treibt. Die Früchte der Bäume. Während ich im Glashaus liege. Kirsche. Damast. Diamanten an der Decke. Ein ’anderer’ Beginn. Zärtlichkeit. Verständnis. Mitgefühl. Neues Leben als sie „Es wird ein Mädchen!“ sagt. Und lacht wie warmes Licht, - das mir Musik in die Ohren spült. Wie wenn jemand eine Nummer wählt und in meinem Leben steht.


Bild 25

Die Seele macht was sie will. Stumm. Oft. Konsequent. Nicht immer. Konzentriert. Agiert als Vermögensverwalter im Gemütsraum Psyche. Spezialist für Freude und Leid. Für dich und mich; wenn es gut geht.

„...wie soll sie denn heißen?“ strahlt Doro fragend. Worauf ich am liebsten ’was weiß ich’ sage. Sagen würde! Weil meine Psyche glatt gebügelt ist wie eine uralte Tischdecke in Omas Schrank. Ich mich als gebraucht, beschmutzt, schwach – als komplett nutzlos empfinde. Mein Ich mit zerrupften Stickereien sehe. Mit Sehnsucht drauf. Einem Herzen. Blutrot. ... und ich weiß nicht was noch. Und in diesem elenden Zustand wegen der Geschäftsbücher im ’LoLa’ auf Eddy treffe: ’Ey, Alter – schön dich zu sehen...!’ - Schön?

„Ey. - Nimm erst mal ne Nase!“ Sagt der. „Du siehst echt beschissen aus!“ Ich nehme. Spraye. Oxytocin. Und fange gleich an, mich bei mir einzunisten. In mir Vertrauen zu spüren. Mit breiter Brust gegen Ängste und Stress. „Siehste... Hilft doch!“ Vergesse sein bescheuertes Lachen. „Und das ist es doch, was du willst. Oder?“ - ’Auch Paare gehen Konflikte positiver an, wenn sich jeder von ihnen zuvor eine Dosis Neuroleptics in die Nase gesprüht hat’, läuft in der TV- Werbung Anmache für die Droge fürs Volk.

„Ich verticke das Zeug seit 3/4 Monaten; es pusht wie irre...“
„Deswegen bist du auch so fett!“
„Muskeln. Chess. Alles Muskeln!“
„Meinetwegen. Doch nun mal zu den Büchern...“ Aber genau dahinein lärmt die Alarmanlage im Trompeten- Sound als wenn der weiße Hai Eddys Karre angreifen würde.
„Scheiße! Mein neuer Ferrari! --- Augenblick, Mann!“ Und ich denke, dass der Typ keine richtigen Lyrics hat, dafür kleine Eier und einen winzigen Schwanz. Doch brandgefährlich ist. Eventuell deswegen unsicher agiert, weil er Angst vor mir hat. Es um viel Macht und noch mehr Euros geht. Und er daran geleckt hat, als ich im Knast saß; - seine Schnauze 5 Jahre lang bis zum Rüssel eintauchte! Und ich mir bewusst bin, dass ich mir ihm gegenüber keinen Fehler erlauben darf; während drei Türen weiter ein Perverser auf Mona einsticht und lediglich der Schulmädchenranzen ihr das Leben rettet.
’Yes, we can!’

„Was war los?”
„War bestimmt die Truppe von Radvan...“
„Tschetschenen?“
„Ja. Die haben meine schöne Karre platt gemacht. - Ist schon das zweite Mal!
„Und hier oben war eben wegen Mona Stress!“
„Machen die immer so. Reine Ablenkung.“
„Und?“
„Wir müssen uns was einfallen lassen. Etwas, was ordentlich knallt!“
„Scheinbar hast du vergessen, dass wir uns ins Drogengeschäft nicht mehr einmischen wollten!“
„Mach ich doch nur nebenbei.“
„Und nur so nebenbei habe ich auch deswegen 5 Jahre abgesessen!“
„Ey, - ich hab dich doch würdig vertreten!“
„Du wirst mich das nächste Mal würdig im Knast vertreten. Und das wird für dich dann bestimmt nicht lustig.“
„Mach nicht sone Welle, Chess...“
„Sonst?“
„Sonst ... Amen!“ Während seine eingeschlagene Nase glüht als sei schon Weihnachten und Bescherung.
„Du machst hier einen Bullshit-Job, Eddy – und wunderst dich, dass deine Karre tiefer gelegt wird?!“ Dann sitze ich da. Schweige. Über fünf verlorene Jahre. Und was ich mir vorgenommen habe.
„Hast du dir das auch gut überlegt?“ fragt er.
„Sehr gut!“ Sage ich. Und ich weiß, es wird eng. Dann reden wir noch über die Mädchen und übers Geschäft und ich beginne zu schwitzen. Von unten noch oben als heiße Welle. ... möchte meine Einsamkeit herausschreien. Doch nichts. Es kratzt lediglich im Hals, die Sonne geht auf und unter und ich brauche dringend Sauerstoff. Verliere an Eddy und dessen Monolog jegliches Interesse.


Bild 26

Im Zimmer von Mona ist mir eine aufgestrapste Blondine in Lackstiefeln aufgefallen, die Mona das Blut abwusch und sie beruhigend streichelte, bis der Arzt da war; ich treffe sie wenig später vor dem Eingang wieder.

„Schaffen Sie hier an?“
„Nein. Ich bin Journalistin...“
„Sie schreiben über das ’LoLa’?“
„Eher über die Frauen! Über deren Freier. Und den trügerischen Glanz ... Das Anrüchige an käuflichem Sex.“
„Und was noch?“
„Über gewalttätige Zuhälter, - wie Sie einer sind!“
„Ich bin Bordellbetreiber. Kein Zuhälter.“
„Sie waren aber mal einer...!“
„Ich war Lehrer.“
„Was lehrten Sie denn?“
„Die chinesische Schlittenfahrt, die Nummer mit den Zwiebelringen und so weiter ... Glauben Sie mir, bei mir hier können die Mädchen mehr als anderswo; zum Beispiel den Penis-Samba, den Rumba-Schieber, usw. Können auf einem Vorhautbändchen klimpern, die Pirouette am Schaft drehen und so fort. Aber dazu muss man üben, üben, üben, üben, - damit alle zukünftigen Vorhautbändchen inklusive der dazugehörigen Männer sich bedanken können... Es ist doch so, normale Bordelltechnik erzeugt überhaupt keine Leidenschaft. Ich weiß es, denn ich habe inkognito Konkurrenzunternehmen besucht, wo es so lustlos und amateurhaft zuging, dass ich schleunigst meine Geschlechtsteile in Sicherheit brachte, vor Angst, dass die mir abgebissen würden, oder so ähnlich. Es stand dort zwar unisono ’Alles heiß, alles sexy, als wild - alles perfekt’ an den Türen. Doch leider nur da. Denn wie armselig die Frauen in diesen Puffs in Wirklichkeit dran sind, merkt der Freier beim Akt. Womit sollen die also ihr Geld verdienen - ohne jegliches Können? Und ich wette, auch Sie haben noch nie etwas von der slawischen Stellung Nummer 1, und schon gar nichts von der slawischen Stellung Nummer 2 gehört, oder? Wissen nichts über Kopulationsfrequenz, Orgasmusfähigkeit, von Leidenschaftswiederbelebungsmaßnahmen oder Zwiebelringen? Hörten nie was vom Harnröhrenorgasmus; - man stelle sich das mal vor, - manch eine der Damen hatte noch nie einen Muttermundorgasmus, einen Brustorgasmus; die waren wie die Schulmädchen immer noch fickrig auf der Suche nach dem G-Punkt, und erfuhren erst von mir, ja, von mir, dass es einen K-Punkt, einen U-Punkt und einen V-Punkt gibt. Letztlich habe ich die Ladys allesamt abgeworben und in meinem Bordell untergebracht. Maxime: „Hier werdet ihr professionell lernen so zu vögeln, dass euren Freiern bei jedem Stoß und mit jeder Ejakulation auch was an Gehirnmasse abgeht und die immer wieder nur zu euch kommen. Versprochen!“
„So – so. Und das alles wollen Sie mir jetzt auch beibringen?“
„Wenn Sie Zeit haben!?“

Sie verlässt augenblicklich ihre Linie. Und ich gehe in der Pension auf der anderen Seite der Straße vor ihr die Treppe hoch. Spüre ihr Kraftfeld. Rieche ihre Geilheit. Als sie das Bett sieht. Den Anfang vom Beginn ahnt. Meinen pulsenden Schwanz, als sei der Eis am Stiel von ihrer Lieblingssorte. Sie ’MACH’ sagt. Ihre Augäpfel nach hinten kippen, als ich ihren Hals lecke. Ihre glühenden Brustwarzen. Ich - der Lehrer. Sie - Schülerin. Die an meinen Glocken läutet. ’Schlag zu’ befiehlt. Keucht. Blut von ihrem Kinn tropft. Zwei Welten. In denen ich anfange zu schwitzen. Um das Gesagte im Sagen. Das Handelnde im Tun. Wo ihre Möse ein schwarzer Block ist. Ihre Sehnsucht sich hinter Scheiben versteckt. In einem Glas wohnt. In einem Wort - ohne Eile. Als sie sich an meinem Knie scheuert. Ihren Hintern. Meine Zunge ihren Anus befährt. Zwei Finger ihre Fut. Es feucht aus ihr rinnt. Ich sie unter Schock halte, langsam ansetze, sie öffne. Ihrem Augenstern den Muskel dehne. Ihren Darm befahre. Im Grad der Bewegung ihren Kitzler massiere. Sie schreit, als würde ich sie umbringen; kommt und kommt und - dahinein „Ich habe Krebs“ sagt. Und ich nicht spritzen kann. Nichts kann. Alles umsonst war. Unter der heißen Dusche stehe. Lange, - bis die Haut schmerzt. Wir eng aneinander im Bett liegen. Ich sie fest im Arm halte und es für Minuten lang easy ist, oder sechs. Sie „Ich heiße Cilly!“ sagt „mit Ypsilon“, - an meinem Schwanz saugt. Fragt, ob ich sie anrufen werde. Und es im Augenblick keine Möglichkeit gibt dem zu entkommen, weil das Leben gelebt werden will und der Tod eben nicht. Und ich trotzdem nicht komme.


Bild 27

Manche Tage quatscht Zucker stundenlang ins Bier. Meist, wenn er den nächsten Tag frei hat. Auf den Friedhof will. Marla besuchen. Seine Frau. Deren zerschnippelte Unterarme ihm nicht aus dem Kopf gehen. Dazu fällt bei ihm die Klappe ’Psycho – Borderline - Essstörung.’ Mit drei S. Genau in der Reihenfolge. Dazu Schnaps mit Bier. Von wegen ’sind sowieso alle’ Emos. Dabei fühlt er sich Schuld daran. War ja auch nicht leicht für sie: Er, der Legionär, Blutsöldner. Personenschützer. Totschläger. Immer in Gefahr. Und selber eine Gefahr. Für andere. Fremd/e und. Zuhause. Immer noch. Auch deswegen muss er das Trinken sein lassen. - Lässt er aber nicht. Redet sich mit Marla raus. Schuldsein und so.
Ewig ein Kreuzworträtsel vor den Nase. Pall Mall ohne. Gauloises. Die Finger gelb.

„Als ob du die Dinger frisst“, sagt die Kneipenwirtin. Die mal Medizin studiert hat. Und sich Hoffnung auf ihn macht. Rein naturwissenschaftlich. Doch den Druck tut sie sich selber an. Zucker sind die Gedanken an Ritzen und Bulimie geblieben. Die sitzen fest. Und sind nur sehr schwer abzuwaschen. Oft nicht mal mit Hochprozentigem. Werden zum eigenen Krankheitsbild. Zur Persönlichkeitsstörung. Von wegen instabil. Stimmung. Selbstbildnis. Händezittern. Übelkeit. Denkstörung. Kotzen. Er hat es auch schon mit Therapie versucht. Nichts. Nur Stress. Schlüsselerlebnisse. Dann lieber den Finger in den Hals (stecken). Um Platz zu schaffen. Dazu ein paar Valium. Killen die Aggression. Machen Schwäche zur Stärke. Und Mut. Wie Tillidin. Kurz vor dem Kampf. Um nicht jedes Mal vor Angst die Fingernägel tief in die Haut zu graben, bis es blutet. Nur wenn er trinkt werden die Schatten weniger. Sind die Aufenthalte in seiner persönlichen Gummizelle nicht ganz so düster. Kann er Entdeckungen machen. Findet Platz auf irgendeiner der schmutzigen Matratzen unter der Brücke. Auf den Holzbänken der S-Bahn. Liegt in einer Nische bei der Bahnhofsmission. Dicht an andere Männer gekrampft, wenn es kalt ist. Deren Nasen zerhauen. Die Hosen zerrissen. Hemden voll gekotzt. Jacken. Von wegen Behandlungsfehler; die lahm gesoffenen Typen Mann.

„Heute bleibst du aber hier, Zucker!“ hört er die Wirtin. „Dann brauche ich aber einen Schlafanzug!“ Immerhin ist bei ihr sein besser als weggehen.
„Auch das!“ Sagt sie.


Bild 28

Heiligabend hat Eddy 2-3 Mal im Jahr. Wünscht sich den aber öfter. Um dann möglichst so reich beschenkt zu werden wie früher, als Kind. Denn sein Vater war in jeder Hinsicht ein großzügiger Schenker. - Chess ist da eher kleinlich. Der fragt laufend wo ’all’ das Geld abgeblieben ist. --- Was? Wo soll das denn schon sein: AUSGEGEBEN! Du Idiot! Eine Million. Wenn das mal reicht. Hat er in den Clubbeitrag investierst. In Reisen zu den Happenings. In die Kunst, - im eleganten Rahmen Menschenfleisch zu essen. Visionen zu erleben. Einzigartige sexuelle Umarmungen; ein ganzes Tier ist sein Traum. Und es wird irgendwann. Penetration mit Messer und Gabel. Wie die Resonanz schwillt. Im Augenblick läuft diese Art Club- Aktion noch als Beta. Und es werden nur Teile gereicht; deswegen muss er sich seinen absoluten Kick anderswo suchen. Brot und Wein. Körper und Blut. Herr. Knecht. Arbeit und Freude. Das Bewusstsein gedoppelt. Subjekt – Objekt in einer vollen Dröhnung. Und das klappt auch immer wieder - sich zum Fressen lieb zu haben. Kostet aber.

Zucker besitzt auf Eddy bezogen das dritte Auge. Hat auf dem Schirm wie und wo der die Kohle ausgibt, - die nicht seine ist, sondern mindestens zur Hälfte Chess gehört. Und deswegen blinkt es im Frontdisplay seiner Karre grün. Und dieses Grün steht heute für Eddy. Dessen Anonymität dadurch weg ist. Ein Furz ist. Als er Eddys Herz schlagen hört. Sieht, wohin sich dessen Auto bewegt. Nämlich Richtung Hotel de Rome. Und Eddy dann da zum Dachgarten hin, wo sich die Mitglieder von ’Fines de Claire’ treffen. Alle international und doch sehr intim. Unter denen Eddy sich mit dem Synonym ’Der Stumme’ bewegt. Um wegen seiner einseitigen Intelligenz unter den versammelten Professoren, Politikern, Künstlern nicht aufzufallen.

Zucker hockt allerlei Meter entfernt im Hedwigsturm der gleichnamigen Kathedrale, - obwohl er nicht katholisch ist. Aus schräg linker Position kann er von dort mit dem El Range 10X42 WB als Maß aller Dinge Sehen. Messen. Wissen.

Eben bereitet ein aus Hongkong eingeflogener Koch Föten an Pepsi auf ’wellcome to hell’ Art. - Professor Doktor Seal Sheppard/USA ist dazu der Gastgeber. Wohingegen Eddy träumt - als erster Gastgeber - einen kompletten Menschen auf den Tisch zu bringen. Mona! Und die in Art eines Milchferkels als gefülltes Schulmädchen ’a la Montania’ zu platzieren. Um dann als ’Leitão à Transmontana’ Herz und Leber auszuarbeiten. Dazu hat er schon einen chinesischen Koch samt Küchenmannschaft bereit stehen. In Rio ein Hotel mit Dachterrasse mit Blick auf die Avenida Atlântica. Muss in den verbleibenden vier Monaten nur noch Mona auf Diät bringen; weshalb er sich ab und einen Kopf wegen Chess macht, dem das Fehlen von Mona natürlich sofort auffallen wird. Nicht nur deshalb sieht er sich gezwungen für Mona eine Legende zu bauen ..., so was wie einen tödlichen Verkehrsunfall?

Zucker weiß davon nichts. Der ahnt nur. Blickt durch das Objektiv. Sieht die Herren gepflegt dinieren. Ist sich aber vollkommen sicher, was er danach zu tun hat. Deswegen prägt er sich die Visage vom Koch ein, bis ihm die Augen weh tun; Asiaten sehen alle gleich aus. Wie Europäer für Asiaten. Und genau darin besteht der Heimvorteil.


Bild 29

„Es hat einen Toten geben! Und du hast daran Mitschuld!“ Brüllt Radvan. „Ich und meine Leute werden das nicht hinnehmen!“
„Keine Panik, Rad“, versuche ich zu beruhigen, „... ich bin am Drogengeschäft nicht interessiert!“
„Du vielleicht nicht, aber deine Ratte!“
„Wen meinst du?“
„Eddy, die Laus. Ich werde ihn platt machen. Sag ihm das!“

Und schon wieder fühlt sich alles fremd an. Weit weg. Bin ich im Zweifel über die Welt, in der ich lebe; gehöre eigentlich nicht mehr dazu. EIGENTLICH! Um nicht mehr mit bloßem Auge sichtbar zu sein. Stärke zeigen zu müssen. Zum Handeln gezwungen zu werden. Disziplin durchzusetzen. Nein! Vergiss es! --- Ich will frei leben. Glücklich sein. Doch so wie ich augenblicklich noch handele wird das nichts. Also muss Eddy her. Doch zuvor Dag. Von wegen Blut ist dicker.


Bild 30

„Du humpelst?“
„Ich hatte gestern Nacht eine äußerst heftige Begegnung mit einem Chinesen, der Koch und Kampfsportler ist - und zudem einen malaiischen Diplomatenpass besitzt.“
„Wie bist du denn auf den getroffen?“
„Ich habe Eddy beobachtet!“
„Erzähl...“
„Eddy gehört einem internationalen Club an, - die Menschenfleisch essen.“
„Menschenfleisch? --- Das kann doch nicht wahr sein!?“
„Leider doch. Der Chinese, also der Koch, hat mir erzählt das es diesmal Föten gab. Besorgt von einem der Herren -, der Krankenhauschef in Nairobi ist.“
„Was weißt du noch?“
„Die Typen genießen allesamt Diplomatenstatus. - Auch Eddy!“
„Wie hat der denn DAS geschafft?“
„Mit viel Geld und über Beziehungen seines Alten. - Ich habe übrigens auch ein paar Aufnahmen vom Treffen; ist allerdings nicht viel vom Essen zu sehen. Ich war für einen guten Schuss zu weit weg.“
„Was machen wir nun?“
„Weiter beobachten, - oder? Die Geschichte glaubt uns wie die ist sowieso kein Mensch. Und Beweise haben wir nicht. Und Eddy wird sein Maul halten. – Ich glaube aber, der plant was.“
„Weißt du was?“
„ ...ist eher so ein Gefühl.“
„Menschenfleisch essen ist doch aber absolut pervers, oder?“
„Nicht so ganz. In Afrika und Asien habe ich Leute erlebt, gestandene Kämpfer, die Kannibalen sind. Zum Beispiel legen die Augen in Knoblauch ein. Kinderlebern in ...“
„Hör sofort auf damit! Und kein Wort vor Doro...“
„Das ist doch klar, Chess! –-- Ich habe mir übrigens überlegt, zu euch ins Gartenhaus zu ziehen. Severine meint, mich ertragen zu können.“ Und dabei lacht er. Und ich bekomme ein gutes Gefühl wie immer, wenn er lacht.
„Da freue ich mich aber echt. Und Doro erst, wenn ich es ihr erzähle. - Soll ich dir irgendwie beim Umzug helfen?“
„Danke. Alles schon bestens organisiert.“

„Sag mal, diese Leute um Eddy, - was sind das für Typen?“
„Die sind nicht ohne. Alles führende Männer in ihren Ländern. Mediziner. Wirtschaftsbosse. Politiker. - Neunzehn Männer, eine Frau; eine Journalistin vom Mag Magazin CH. Auch der Club hat seinen Sitz in der Schweiz, in Genf. Nennt sich ’Club de Nasino’.“
„Nasino?“
„Nasino ist eine Insel in Sibirien, auf der Stalin Zehntausende von Regimegegnern unbewacht und nur mit dem Nötigsten versehen aussetzte; unter denen es dann zwangsläufig auch zu Kannibalismus kam. - Der Club gibt nun vor, darüber Forschung zu betreiben und hat schon eine feste Zusage auf EU- Fördergelder erreicht.“
„Kaum zu glauben.“
„Du kennst übrigens zwei Kannibalen persönlich ..“
„Wen?“
„Hänsel und Gretel - aus Haus 4 in Tegel!“
„Die immer in Fesseln und Maske ihre Hofrunden drehen?“
„Genau die!“
„Ich frage jetzt aber nicht wen die ...“
„Musst du auch nicht. In ein paar Tagen ist deren Anhörung auf Entlassung, dann steht alles brühwarm in der Zeitung.“


Bild 31

Hirn ist eine meist graue Masse auf zirka 1.400 Gramm. Geschmack ist Ton in des Töpfers Hand. Wie Großhirn. Zwischenhirn. - Na und? - Kleinhirn. Hirnstamm. - Hirnaktivität ist messbar. Misst, wie er ohne den Fuß vom Gas zu nehmen mit großer Geschwindigkeit in die nächste Kurve fährt. Mist auch, dass der Karren dabei über die Hinterachse abschmiert von der Straße abkommt und er denkt, dass alles zu Ende ist als irgendetwas - wie ein Tier - auf ihn zufliegt. Ein Baum. Der Himmel in Gänze? Während in fester Hülle Hirnwasser schwimmt, das es unbedingt zu behalten gilt. Und er deshalb voll fett auf die Bremse latscht; würde ja wohl jeder so machen ... nicht wahr? Obwohl das Rückenmark dabei kracht; kann es aber gar nicht. Muss also die Sonnenrille in der Jackentasche sein. Vom Sicherheitsgurt platt gemacht. Das scheiß Teil. War so teuer. Wegen der sensorischen Felder ... Nein, das Gehirn verarbeitet die Sinneseindrücke! Den Haufen Metall, der von Fliehkraft erfasst von ihm unkontrollierbar geworden ist. Die zuckenden Scheinwerfer. Als nervöse Augen von irgendwas. Seine sind es jedenfalls nicht! Punkt. Seine sind die Hirnrinde für die Motorik. Nervenzellen für den Kopf. Seine Hände. Die ursprünglich zum Festhalten da sind. Ankrallen. Wie die Augen. Um die Dunkelheit aufzuhellen. Wie Stirnlappen. Scheitellappen. Schläfenlappen. - Alles gut? Hinterhautlappen. Personen hören. Stimmen sehen. Fühlen. Riechen. - Riechen auch gut, Alter? Schmecken. Ja. Du Loser! Jepp. Muss er lachen. Denn das Kleinhirn liegt sicher geparkt hinten unterhalb des Großhirns, weiß er. Kopfdrüsen - übrigens, hat er auch. Seine Augen im eigenen Wasser ersoffen. Augenmuskel. Augenmuskeln. Gesichtshaut. Häute. Geschmack. Nasenschleimhaut. Nervus Dingsda. Heute. Und eine Schleimhaut im Unterkiefer. Da beißt er voll rein. Mit Druck von den Unterkieferzähnen. Doch auch von oben. Leckt Blut mit der Zunge. Knirscht mit der Kaumuskulatur. Sagt der gebrochenen Nase let’s dance. Salsa, Cha- Cha- Cha. Klein und erdig. Dreckig. Wiegeschritt. Spürt den Rhythmus durch den ganzen Körper. Wie eine Möse im Flug. Riesige Augen. Heiter und unbeschwert. Chasee auf 4 und 1. Vier und. Eins. Tränen. Tücher. Taschenlampe. Kerzen raus. - Alles okay? Während die Welt zu Eis erstarrt. Schweigend liegt. Steckt. Wie ein Dolch im Herz. Schnittstelle Körperorgan. Brustdrüsen. Blutdruck. Schilddrüse. Hoden. (Winzig) - Schwanz. Diagnostik. Therapie. Problemlösung. Engel erleben. Hallo...

„Hören Sie mich?“
„Klar und deutlich!“
„An Ihrem Wagen hat jemand die Radmuttern gelöst!“
„Und?“
„Sie haben Glück gehabt..“
„Danke!“
„Sollen wir jemanden benachrichtigen?“
„Gott – vielleicht?“
„Gerne!“
„In der Dunkelheit sehen alle Kurven gleich aus, oder?“
„Stimmt!“
„Hat eigentlich jemand die Polizei benachrichtigt?“
„Wir sind die Polizei!“
„Prima, Jungs.“


Bild 32

Doros Performanz „Du kommst doch zum Geburtsvorbereitungskurs mit?“ habe ich erwartet. „Zum Hecheln und Turnen?“
„Das ist kein hecheln und turnen... Das ist ein Kurs -, da geht man hin!“
„Wir sind nicht bei der AOK versichert! Also kommt der Kurs zu uns!“ Ihre darauf kommende Frage „Aber wenn du mich liebst...“ ist für mich Arbeit - um nicht eine Reaktion zu zeigen, die sie nicht haben will. Auch nicht mein Angebot der Hinwendung. Zuwendung. Wertschätzung, - als sie weiter fragt „Du wirst doch bei der Geburt hoffentlich dabei sein wollen?“ Und ich augenblicklich das Blut von der Ausschlachtung meines Vaters sehe. Sterben. Tod. Geburt. Leben. Wo ist der Unterschied. Ich sehe keinen! Was es auch ist, ist nicht mehr als ’blinder’ Zufall. Einer geht. Einer kommt. - Gut, das Leben geht dem Tod voraus, meinen manche. Andere sagen, es verhalte sich genau umgekehrt; die setzen Kummer und Trauer über einen freudig blauen Himmel. Das Leid über Glück. Halten das Leben als einen Ersatz für den Tod. Den Tod für das Leben. Den Mond für die Sonne. Das Wasser für Erde. So wie ich die Filetierung des Alten für unabdingbar und richtig hielt. Schon um Mutter vor dem Knast zu schützen, der Psychiatrie. In der sie nun doch eingesperrt ist. Allerdings konnte ich das alles nicht voraussehen. Und schließlich habe ich mich in den Jahren im Knast auch nicht gerade an der Sonne schwarz gewärmt. Doch nun kommt auf mich die Frage zu, wie ich mich mit der in den Brunnen gefallenen eigenen Kindheit als Ehemann und Vater geben werde. Ob ich eventuell dem Tyrannen, der mein Vater war, entspreche. Und dann ist Dämmerung und Doro kotzt mir auf den Pullover. „Ich brauche dich!“ Und ich verdränge die Feuerstreifen am Himmel. Die Sichtweisen. Fenstergitter. Die abgeschlossenen Türen. Prägungen letzter Jahre. Das Bild des Vaters, dessen Macht gleichwohl auf physischem Zwang und psychischer Vergewaltigung beruhte. Auf Prügel, die locker ausreichten Hass zu empfinden; den ich aber später hoffentlich nicht weitergebe. Genauso wenig wie meines Erzeugers Gemeinheiten und Hinterhältigkeiten. Seine langsame aber wirksame Methode der Beleidigung und Verachtung. Seine Beschimpfungen „Du bist zu allem zu blöd, du Kretin! - Man sollte dich besser totschlagen!“ Die schließlich mit meiner Flucht auf den Kiez endeten. Zu Huren und Zuhältern. Die mir ehrlicher im Weltbild von Unterwerfung, Verstoßung, Indoktrination, Abrichtung, Anerkennung und Ablehnung begegneten und die mir somit wesentlicher dichter an der penetranten Symbolik von Familie, Vater, Mutter, Kind, Hand in Hand, weiße Wolken über Haus und Baumkrone waren. Und sind. Doch auch das alles einzig Bild und Illusion. Statt die Axt neben dem Kopfende vom Bett des Alten zu zeigen. Darüber an der Wand ein Bild wo Gott den Menschen schöpft. Und nicht der Teufel Gott. Der unter dem Bild schläft. Wenn man Glück hat. Und genau hinsieht. Oder ihn kennt. So wie ich. Wenn er wach; hinter der Horizontlinie.


Bild 33

Der Knast ist ein Loch. Und das Loch hat mehr Löcher als ein Schweizer Käse. - Eddys Loch im Käse trägt den Namen Gruber. Trägt superkurze graue Haare. Nerdbrille in Fensterglasqualität. Gewollten Dreitagebart; sauber ausrasiert. Ist grauenhaft simpel von der Stange Charme&Anmut gekleidet. Die Krawatte grau wie Augen und Fresse. Das Hemd. Dito der Anzug. Socken. Schuhe. Unterwäsche. Eier. Schwanz. Winterschlussverkauf - der ganze Typ. Ist Anstaltspsychologe. Entscheidungsträger. Verheiratet. Kinder. Und spielt mit Mona (die eigentlich die Hure vom Boss Chess ist - über die aber nun Eddy bestimmt) bunte Sado- Maso- Spielchen. Kostenlos. Und mit aller Konsequenz. Das erlaubt ihm Eddy, der Nachfolger von Chess werden will. „Nur um die Ecke bringen darfst du die Tucke nicht! Ich brauche die nämlich noch.“
„Neulich hat aber Chess gesagt, ich darf die nicht richtig schlagen.“
„Vergiss Chess, Gruber. Ich sage dir jetzt, dass du darfst oder nicht. Und Mona wird das Maul halten!“
„Versprochen?“
„Versprochen! - Und hier ist Anschrift und Schlüssel, wo die jetzt wohnt. Und schließ immer schön ab, wenn du gehst.“
„Wieso abschließen?“
„ ...damit du die besser benutzen kannst, Gruber, habe ich die im Keller der Hütte an die Wand geschlagen.“
„Das ist ja - Spitze...“ freut sich Gruber – wobei ihm Ast und Vorstellung steigt „ ...echt Spitze. Ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll...“
„Du sollst auch nichts sagen. Du sollst genießen und das Maul halten; hast du mich verstanden?“
„Schon gut.“
„Und gib ihr nur das zu essen und zu trinken was da steht. Die Alte muss abnehmen.“
„Ich steh auf mager...“ Sabbert Gruber.
„Zudem organisierst du eine Ausführung von Body, Haus vier. Der Name sagt dir was?“
„Ja, tut er. Das ist dieser gefährliche...“
„Maul halten! – Du organisierst Body eine Ausführung zur Untersuchung ins Klinikum, verstanden?“
„Aber wieso...“
„Ob du VERSTANDEN hast?“
„Ja! Habe ich!“ Zittert Gruber.
„Gut. – Zur Bewachung von Body setzt du Griese ein.“
„Griese? – Der ist doch ständig betrunken und macht deswegen Dienst an der stillgelegten Pforte XV!“
„Eben! – Bei der Ausführung von Body kann er sich bewähren!“
„Aber das fällt doch alles auf mich zurück...“
„Du bist ein schlauer Junge. Und deswegen bist du auch der zweite Mann bei der Ausführung.“
„Ich? – Ich soll mit diesem gefährlichen Menschen... Wie stellst du dir das vor?“
„Frei nach Zuckmayer: Du gibst dir einen Befehl - und führst den aus. Und denkst dabei immer schön an Mona. An deine Frau. An die lieben Kinderchen; - du willst doch nicht, das denen was passiert? Dass dein Name in die Presse kommt. Dass du Mona nicht mehr sehen kannst. - Und ich verspreche dir noch eins, exklusiv: Wenn es soweit ist, kannst du mit Mona das göttliche Finale erreichen. – Na, was sagst du nun?“
„Habe ich eine Wahl?“
„Aber natürlich. Leg einfach den Hebel um!“


Bild 34

„Viel an Klamotten hast du ja nicht gerade!“
„Wozu auch“, sagt Zucker, „ich kannte den Auftrag ja von Anfang an und wusste davon, irgendwann mal umzuziehen!“
„Und soweit hat es ja auch geklappt“, scheint Severine zufrieden, „jetzt müssen wir nur noch ein Liebespaar sein!“
„Wenn du willst, schlafe ich in deinem Bett“, grient Zucker.
„Lass mal. Das Haus ist groß genug für zwei. Und du weißt ja: Chess’t fuck in the company!“
„Nun mal zum Geschäft: Hast du die Haussicherheit im Griff?“
„Alles tutti. Läuft über Kameras, Bewegungsmelder, iPhone und PC. Und wenn’s eng wird, haben wir auf dem Dach eine Drohne mit Musik.“
„Oha!“
„Und du, - bist du mit Eddy und seinem Club weiter?“
„Das Protokoll und alle Bilder sind in Tel Aviv. Und ich höre in den nächsten Stunden von da...“
„Ist dein Codename dort immer noch Jaffa?“ Lacht sie sich krumm.
„Du vergisst wohl nichts, was?“ Lacht Zucker mit. „Solltest mich hier aber besser Dag nennen, - oder eben Zucker, wenn du möchtest.“


Bild 35

„Du freust dich, dass Zucker zu uns gezogen ist, was?“
„Ja! – Der ist ein toller Typ. Und außerdem braucht ein so großes Grundstück Pflege und Betreuung. Und wenn wir erst mal zu Dritt sind, um so mehr!“
...
„Ich finde ja du und Zucker habt wenig Ähnlichkeiten...“
„Stimmt. Doch das kommt wohl daher, dass seine Mutter Jüdin ist und deren Eltern auch Juden waren, - die im KZ umgekommen sind. Und Zucker den ersten Teil seiner Jugend in Tel Aviv verbracht hat, wie er mir erzählte.“
„Und wie kam das mit eurem Vater?“
„Der Alte hat Zuckers Mutter vergewaltigt... Sie war Kundin in der Fleischerei und der Alte hat die Situation, dass sie wenig Geld hatte, ausgenutzt und sie sexuell missbraucht. Als sie schwanger war, hat er das Interesse an ihr verloren und sie hat die Gelegenheit genutzt und ist nach Israel geflohen. Zucker sagt sie habe sich, um die Flucht bezahlen zu können, an das Alten Geld bedient. Der hat deswegen die Polizei gerufen und die Sache kam vor Gericht. Und erst da kam dann heraus, dass der Alte die Frau mehr oder weniger gefangen gehalten hat, sozusagen versklavt hat um die als billige Arbeitskraft und Hure zu haben. Verurteilt wurde er aber deswegen nicht, da Zuckers Mutter aus Angst vor ihm nicht nach Deutschland kommen wollte und ihre Aussage vor einem israelischen Gericht nichts wert sei.“
„Das ist ja ein grauenhafte Geschichte! – Und was ist aus Zuckers Mutter geworden?“
„Seine Mutter lebt in Tel Aviv in einem Altenheim. Eine Schwester von Zucker kümmert sich - und er fliegt ja auch oft rüber.“


Bild 36

„Fehlt noch, dass Chess erfährt, dass du nicht sein Halbbruder bist sondern der Halbbruder seines Halbruders und dass du den Alten erstochen hast und nicht seine Mutter.“ Sorgt sich Severine.
„Es war ein Unfall, wie du weißt. Und da Chess Mutter in der Psychiatrie sitzt...“
„Immerhin hat Chess fünf Jahre deswegen abgesessen!“
„Schon. Aber eigentlich für seine Mutter. Außerdem wird das niemand erfahren, weil es kaum jemand weiß.“
„Unsere Gegner vom Club de Nasino schon.“
„Nur Massimo. Und der wird wegen seiner Doppelrolle das Maul halten.“
„Und wenn er Eddy doch was steckt?“
„Lege ich beide zu den Akten!“
„Dann ist aber unser Ziel Organhandel ...“
„Hör bitte auf zu spekulieren.“


Bild 37

Gruber, Psychologe, Anzugträger, Krawatte, Unterhose (kurzes Bein) von Schießer (Eingriff links), zarter Oberlippenbart, der bis vor wenigen Minuten für unbedarfte Typen noch so was wie ein Mann von Welt darstellte, für seine Kollegen ein moderner Dandy ist, der Zigarette in einer affektiert gehaltenen Spitze (zwischen Daumen und Zeigefinger, den kleinen Finger abgespreizt wie beim Onanieren) in geradezu obsessiver Konzentration raucht -, trinkt, fickt -, der trotzdem alles in Allem gepflegt aussieht, schlank, höflich, gewandt, intelligent, gebildet, mit ’erlesenem’ Geschmack (Anzug C&A, aber immerhin dessen Stoff - wie auch Hemd, Krawatte - Ton in Ton ist und trägt; seine Schuhe von Balli. Lackschwarz; frisch gewienert, man kann es riechen. Bundhose mit ’messerscharfer’ Bügelfalte ... und sicheren Umgangsformen ’Küss die Hand, gnädige Frau’ (und die Möse gleich mit, denkt!) der in seiner Wohngegend durchaus beliebt daherkommt (und niemand davon weiß wie ’rattensaugeil’ er in Wahrheit ist), nimmt eine Red One Digitalkamera für die Zeitlupenaufnahmen. Das Teil hat er ’kostete mich ein kleines Vermögen’ vor zwei Tagen nach langer Schacherei um den Preis im Trödelladen des alten Raddatz gekauft (’dem Halsabschneider’), der ihm die Kamera mit den Worten ’wie neu, Herr Gruber’ ans Herz (und damit an den frisch gepiercten Schwanz) legte. Und weil ihm beim Gedanken an seine (von ihm selbst begehrte) Kastration die Hände zittern, befestigt er die Kamera vorsichtshalber auf einem Stativ.

„Soll doch nichts verwackeln...! Süße!“ Denn er stellt sich vor seine heutige (grenzwertige ... wie er selber meint) Kunstnummer unbedingt zu überleben (aber dann doch wieder - wegen der irren Erregung, meine Güte! - sterben will!), um die dann später, und so weiter ... und will nun gleich mit Mona, die er Lolita nennt, vorweg einen Fetisch verspeisen ... und: BETEN! Beten, sein neuester T®ick! - Die Idee dazu kam ihm übrigens vom Buch ’In The Kitchen With You’ in dem stand, wie sich zwei Männer... und einer vom anderen gegessen wurde.

„Woher hast du eigentlich das Buch?“
„Eddy hat es mir gegeben. Der meinte, es würde dir Spaß bringen!?“ Worauf das Buch unkommentiert an die Wand fliegt, das Grubers Genitalketten rasseln und er Lolita eine Ladung Blut in den Mund spritzt und sich beherrschen muss den Versuch nicht gänzlich abzubrechen.

„ ...wie soll ich ihn also nennen, Lolita?“ fragt er mit samtweicher Stimme. (Gruber spricht, fragt, sagt, weint, hustet, fickt und schnupft immer mit samtweicher Stimme - selbst wenn es ihm kommt; und es kommt ihm oft - und überall); wie jetzt - auf seine/r Lolita, die mit rasierter, tätowierter Scham (Kitzlerlänge 4 cm; Gruber misst den täglich ... und wehe wenn der...) nackt – beide Hinterbacken auf einem Schulranzen - auf dem Bett liegt und mit einer silbernen Kette von ausreichenden drei Metern (um an Klo, Waschbecken und Minikühlschrank zu gelangen) an die Wand gefesselt ist. Deren Beine vom Metall klirrenden Gruber links/rechts schräg auf das Eisengestell von Bett fixiert sind, - damit er ihr in das mit einem abgeknabberten Chessald Duck Bleistift (drittes Schuljahr - bei guter Führung!) auf einer breiten Länge von 5 cm ins aufgesperrte Mösenloch sehen kann.

„Schattenreich der Sexualität?“ Hustet er.
„Meinst du deinen Film?“ Fragt Mona mit schwacher Stimme zurück. (In Letzte Zeit spricht, fragt, sagt, weint, hustet, blowjobt, stöhnt, spritzt (wenn überhaupt) und schnupft Mona (seinetwegen) immer mit schwacher Stimme).
„Meinen Film. - Ja!“ Sagt Gruber. Der sich überhaupt nicht bewusst ist seinerseits von Eddy (eine Kamera im Bettkopfteil, eine aus der Ecke wo sich das Handwaschbecken befindet) - in einem wahren Bilderreigen - gefilmt zu werden.

„Gewalt und Obsession!“ Schlägt Mona vor; ach, seine Lolita, die alte Hure Mona.
„Geile Idee!“ Begeistert sich Gruber darüber.

Währenddessen sie überlegt, ob sie ihm mit ihrer schön gepunzten Kette bei der nächstes Annäherung die Luft abdrücken sollte -, um endlich aus diesem Loch heraus zu gelangen. Doch wenn er den Schlüssel zum Kettenschloss überhaupt nicht besäße...? Dann bliebe immer noch die Möglichkeit sich von IHM über Wochen zu ernähren.

„Höchstens über Tage!“ Hört sie ihn belehrend sagen.
„Bei den hier herrschenden Temperaturen gerät Fleisch schnell in Verwesung und entwickelt Leichengift!“
Darüber muss sogar Eddy grinsen, der sich (aus gutem Grund) eben in einem Fachbuch über das Pökeln als Haltbarmachung von Fleisch beliest.

„Wenn man sich ständig kontrolliert“, hört sich Gruber sagen, „verliert man sukzessive seine Freiheit!“
„Bitte fick mich!“ flüstert Lolita in die Ewigkeit des unhörbaren Surrens der Kameras, „ ...es könnte das letzte Mal sein!“
„Das aller letzte!“, nickt Gruber - und stößt in sie wie vom Teufel besessen.


Bild 38

Meine Mutter liebt mich, wie ich sie liebe. Mein Vater hasst mich, wie ich ihn hasse; mein Vater hasste mich, wie ich ihn hasste. Das Leben lebe ich, wie ich es kann. Meine Frau liebe ich höchstwahrscheinlich weniger, als sie mich liebt. Mein Kind werde ich lieben, wie es mir möglich sein wird. Und ich hoffe. Denn meinen Freund (Eddy) habe ich entfreundet und das gründlicher, als man es heutzutage in den sozialen Netzwerken tut. Dass ich einen Bruder gefunden habe, ich meine damit Zucker, macht mich sehr froh.

Das alles denke ich, weil ich eine schreckliche Vision habe. Ein Scheinbild. Einen Alptraum; als mein Leben am Abgrund... In dem ich nackt in einem mit Kot, Urin und Erbrochenem Raum auf verdreckten Zeitungsseiten liege. Um mich herum abgebrannte Streichhölzer, Zigarettenstummel, eine flackernde Kerze, ein Löffel, eine Crack-Pfeife. Weißes Pulver. Kokain?! Ekelhafter Gestank. Ratten. Mäuse. Handgroße Spinnen an der Wand. Kakerlaken. Silberfische. Wahnvorstellungen. - Wo ich mit bloßen Fingern ein Loch in die Wand kratze um jenseits der Zeit - auf Stühle, Tische, Schränke, Betten, Spiegel, Telefone meinen Namen - zu kotzen. Mir die Crackkügelchen als ganzes in die Pfeife stecke und du weißt schon - lache. Um mich selber zu befriedigen. Den Schatten meiner selbst. Um zu retten, was noch zu retten ist. Denn Sucht ist eine Krankheit. Wie das Leben eine ist. Wenn einem Schläuche aus dem Körper hängen. Die Lunge aus dem letzten Loch pfeift. Das Herz sticht. Ein Messer im Rücken steckt. Jemand einem den Bauch aufreißt. Die Gedärme durch schneidet. Wenn einem die Beine wie Feuer brennen. Und mir das Dasein (mein eigentliche Täter) unbekannt entkommen will. Von wegen! Immerhin bin ich DER Chess. Kontrolliere mehrere Bars und Bordelle. Sorge für Schutz. Schlichte Streit. Spreche Recht. Bin mehr gefürchtet als beliebt. Habe Feinde. Auch weil die denken, ich handle mit Drogen. Das tue ich aber nicht. Das macht Eddy, das Arschloch.
„Du reitest mich schon wieder in die Scheiße!“
„Wer tut denn so was? – Entspann dich, Alter!“ Um mir eine tschechische CZ 70, Kaliber 7,65 Millimeter zu zeigen.
„Die löst mein Problem! – Wetten?“ Nein! - Ich kann nicht mehr leben, - will aber auch nicht sterben.

Ja - Eddy hasst mich. Und ich hasse Eddy, weil der mich in die Lage gebracht hat ein Junkie, ein Süchtiger zu sein. Ein Zombie. Verachtet. Verspottet. Ich. Chess. Der seine Körperfunktionen nicht mehr kontrollieren kann. Seinen Geist. Der deswegen auf Hilfe angewiesen ist. Auf Glück. Doch beides scheint es nicht zu geben. Im Augenblick nicht mal eins davon. Dafür Eddy; sein ekliges Lachen. Und Body, den er mit Grubers Hilfe aus dem Knast holte...


Bild 39

Ich werde dunkler, schwerer, größer. Muskulöser! Kann in müheloser Ausdauer vor Kraft kaum laufen. Schrumpfe Sekunden später zum hysterischen Bruchstück. Bin schwach und einsam. Ein zersägter, windelweicher Mensch. Habe Vibratortechnik in mir - statt Seele, - Herz. Gürtelschnalle anstatt Magen. Kopfschmerzen statt Hirn. Und. Totenkopf mit Sirene. Abgrund zwischen Glück und Rührung. Mein Koma. MEIN KOMA! Und um mich herum tätowierte Erscheinungen die an Fleischerhaken hängen. Höre ich Musik. Stimmen. Die einem mehr als drei Ewigkeiten lang die Flocken von den Ohren reißen. Und so tadellos im Ton sind. Phantastisch, eigentlich. Bis ich dann wieder so scheiß verkrampft, verlebt, angegriffen liege. Aggression spüre. Nur die! Als hätte ich sie nicht mehr alle. Und mit den Nerven im Keller. Ruhe- und kraftlos. Eine Ruine für die Ewigkeit geschaffen. Reale Insuffizienz. Zum Anstaunen durch Dutzende Ärzte. Wie mir Zucker später sagt. Ich. Das große Wunder. Ganz klein. Cool gestorben. Neu geboren. Herzlichen Dank dafür! Auch für die Sonnenbrille. Zum geistigen Spaziergang im Park. Mit Wackelbeinen. Und Schlotterhüften. Rote, gelbe Pickel überall - als sprühende Platzregen. Mein Eiter- Blues. Und dazu diese Gottverlassenheit. Ich. Wieder. Ich. Als geprügelter Mensch. Vergewaltigt. Vom alten Knastschwein Body in den Hintern gef... ’Shine on me crazy moon.’ Du alter Kartoffelsack. ‘Rest in peace.’ Nach deinem großartigem Solo. Und jenem nasskalten Termin mit dem alten Seelenfischer Scham; der mich um den Rest- Verstand gebracht.

„Halte durch ... wir werden ihn kriegen. Das Schwein!“ Höre ich Zucker. „Versprochen!“ Als schlagende Eröffnung - in mein neues Leben. „Schon klar!“ Taumele ich über den Flachbildschirm, auf dem sich mein abgelöstes Herz bäumt. Ein Traum. Ein Traum.
„Ein Traum!“ Aus der Traum... Ich weiß. Und wieder nicht. Als wäre ich vor dem vollen Kühlschrank - die erlesensten Delikatessen (schon) im Blick - vor Hunger ohnmächtig geworden. So poltert in mir ein Möbelrücken der Innereien; Thema: ’End of the beginning’. Nur konzentrierter. Auch die alte Fußgranate. ’Memory loves you.’ Also vorwärts mit Anlauf. Und hinein. “My eyes are blind, but I can see“, singt Ozzy Osborn dazu. Und ich küsse im wogenden Regen meiner Tränen Tannenspitzen auf denen rote Totenköpfe schaukeln. Singe Ozzys Hit mit„ ...but I can see“, - als ob ich die Nummer selber geschrieben hätte. Komisch, die ist mir verinnerlicht wie das ausgefranste Wissen um Gaspedal und Bremse; spüre wie Zucker die Handbremse hochreißt, der Karren sich um 180 Grad dreht und ab da mein Leben rasant an Schwere, Schwärze, Schärfe verliert. ’The ocean and me’ bleibt aber. Und Wut. Als akustische Klinge. ’I’ll remember you.’ Also handeln, statt Daten sammeln. Raus mit dem unerwünschten Besuch, - um nicht im Kellerloch meines Gewissens große Räume vorzutäuschen. Weg vom Grauen. Rein in die Ahnung einer anderen Art von Leben, - als Doro mich heiß und innig küsst. Sie statt grobem Hammer einen ganz feinen Pinsel schwingt. „Liebster, du kannst bei der Geburt dabei sein! - Sagt der Arzt... wenn du willst.“ Und dazu melodisch lacht; dieses liebevolle Geschöpf. Während um mich herum genau in diesem Moment Dinosaurier trampeln. Licht in allen Farben platzt, - zu schwarzen Scherben wird. An der Decke klebt. Und meine Paranoia die Reste ins Purgatorium verschiebt, während das Geschöpf im Mutterleib „ ...bitte nicht schon wieder das Gleiche!“ sagt. Ja, trotz Koma höre ich alles. Also. - Leute. - Achtung!


Bild 40 - Auch wenn du den Tiger nicht siehst kannst du sicher sein dass er dich sieht

Eddy will die stillstehende Zeit hinter sich lassen, weckt seine Höllenhunde; will Doro in ihrem eigenen Bett erniedrigen (zur Sau machen! – hast du gehört!?); Doro, die gerade eben Mutter geworden ist.

Eddy nimmt dazu Body und Stormi mit. Doch vorher geht’s zum Einkleiden; es soll schließlich Stil haben. Dazu legt er sich eine Nase, damit er einschläft und aufwacht. Um zu sein, was er ist. Ob im Traum oder nicht; - er träumt einfach so vor sich hin; es erregt ihn: Gimme Danger! Remember!
Auch deshalb wird er die Fickszene ’Doro’ filmen und den Trailer für seine Kunden ’zum alsbaldigen Verbrauch’ ins Netz stellen - wie auch das Kind (wie heißt das Balg noch gleich?) – denn dann ist wieder eine Lücke geschlossen, ist Nähe hergestellt; prägt das bekannte Zucken sein Gesicht, seine eigene Exekution; er hat das seit Monaten - und es wird bei jeder Gewalttat schlimmer, schöner.

Nein, er kann es nicht ändern. Verdammt. Weil er es nicht ändern will. Und weil er das weiß, wird er wütend, wird zum Untier und weiß nicht wohin mit seiner unsäglichen Wut. Nur die Wut - die weiß, - die träfe ihn über den kurzen Weg mitten ins Herz, hätte er eins, - denn das ist mit einem Ruhepuls von 35 Schlägen pro Minute nur so etwas wie eine Perspektive davon wie man ein Flugzeug landet, ohne Ahnung davon zu haben. Doch vermutlich stimmt auch diese ’Diagnose’ nicht unbedingt, weil nämlich das Leben eine Fälschung ist, ein Skandal, reinster Betrug. Heiße Scheiße!

Er geht für seine Klamotten zu Style-Max, - DEM angesagten Laden to day. Hat Mona dabei, die sich auf Dame verkleidete. Wildnis- Camouflage trägt. Als wäre es genau das Richtige für tropische Temperaturen bei Eis und Schnee; NEIN: Hitzewelle ist angesagt. Ehrlich! Und die zählt in der Stadt doppelt. Also sind Shirt und Short aus sommerlichen Stoffen ’schon’ top. Lacht Eddy - in Vorfreude.

Denn Eddy will auch. Macht den Tiger mit Wendebomberjacke an Shirt und Echsengürtel von Hermes scharf. Zieht drunter ein Jil Sander Neckholdertop. Die Hose von DOLCE&GABBANA. Sonnenbrille von ALEXANDER MCQUEEN. Lässt sich bei Geraldo Königswellen im Cut Up legen: waschen, sprühen, kneten, fertig! Das Schwert umgeschnallt - und los - brüllt er seinen Porsche Cayenne Platinum Edition an: LOS!

„Erinnere mich an die Breitling!“ Kommt Sekunden später seine fokussierte Anweisung Richtung Mona.
„Die bei Sothebuy’s London?“
„Genau die. Und tausch den Karren hier gegen die S- Variante um!“ Dann lässt er sich von ihr mit einer vergoldeten Rahmengeometrie (als Sonderaustattung in Gold) die Verspannungen an Rücken, Schultern und Beinen wegmassieren. Setzt Mona am Taxistand Uhlandstraße ab und fischt am Lehniner- Platz Body und Stormi ab.

„Du gehst mit Stormi rein - machst die Alte nieder -, verbindest ihr die Augen und fickst sie anal - und anschließend in den Mund; und lass die Haustür offen! Und leg das Kind neben die Alte... Nackt! Compri?!“
„...“
„NEIN! - Ihr macht, bis sie aus allen Löchern Blut weint! Hast du das JETZT verstanden?!“
„Ja! - Und was ist mit Zucker?“
„Der ist nicht da und seine Alte auch nicht. – Und zieht ja Lümmeltüten über!“

Als sie am Platz sind, lässt er sie 200 Meter vor dem Haus raus, putz mit Spucke die doppelte dreifach Leica- Linse des neuen 7Plus, schießt probehalber 2 Selfies und geht den beiden ohne Eile hinterher: ’Sollen sie mich doch hassen, solange sie mich fürchten’ spielt ’sein’ iPhone.

Während er ’das Geschehen Doro’ mit ruhiger Hand filmt, raucht er Hanf Natur, hat geil Ravels Bolero auf den Ohren - und es kommt ihm 2 Mal Bittergalle in die seidene Prada- Unterhose, - die er später seiner Sammlung ’Lauter geile Sachen’ zufügt. Wie auch die Tatsache, dass Stormi - nach alter Jägerart - Body den Hals durchschneidet, während sie am 5 Kilometer entfernten Friedwald das Auto wechseln; und die Kamera läuft.

Ja, all das giftige Getier könne ihn einst stechen, weiß er. Und wird tatsächlich Tage später als Besitzer pornographischen (Kinder-) Materials angeklagt; - mit kompletter Hausdurchsuchung und so. Und ahnt seinen Bruder hinter der Sache, wie der ihn seinerseits hinter der Vergewaltigung seiner Frau vermutet. Im Übrigen sind sie in seinem Auto fündig geworden. „Nein, das ist nicht meins! - Das Fickzeug hat Mona liegen lassen!“

Und so ist es dann auch. Und dafür fängt sich Mona zwei blaue Augen. Den Rest haben dicke Samtvorhänge ausgesperrt. Das Bellen, das Hupen, die Schreie von ihr - wenn Gruber ihr im Flatrate- Fick in die Brust beißt, in den Oberschenkel, in die Scham und dabei ’Fotzenmenü!’ brüllt, als hätte er sie nicht mehr alle; - und der hat sie auch längst nicht mehr alle, wenn er das Schnauben von wilden Pferden imitiert und Mona mit einem Schlag an die Schläfe in einen tiefen Schlaf bringt. In diesem Sommer, - als in ihm die Winterwälder neu erblühten - und er in ihrem Hintern die Welt bereist, - während sie gezwungenermaßen ihre Luke dicht macht und niemand in der Whats- App- Gruppe- Gruber Anstoß nimmt weil auch de Sade, wie Bataille sagt, die wahre menschliche Natur erkannt und darstellend ausgehalten habe. Und genau das glauben Grubers Anhänger. Und es kommt schlimmer. O-Ton Gruber: ’Als ich geboren wurde war Krieg. Und als der Krieg aus war lebte ich den Krieg. Denn das Leben bekommt man ohne Krieg nicht hin. Der Rest ist Kunst an Seele, Geist und Körper, - bin ich!’ Ja, das ist Er, in einem Schutzraum knapp unter der Ebene menschlichen Bewusstseins. Ein Typ aus zweiter Hand, dem man, wenn er nachts über den Alexanderplatz gehen würde nieder- prügeln möchte und mit dem Kopf aufs Pflaster knallen bis er Mausetot ist.

„Hast du sie auch geknallt?“, fragt Eddy.
„Nein! – Body war wie ein Tier, den habe ich von der Alten kaum runter bekommen!“
„Das ist gut so, denn ich brauche dich noch!“
„Wozu?“
„Für die Familie...“
„Eigentlich war doch mein Abgang nach Brasilien angesagt“, nörgelt Stormi.
„Später – Und ich verdopple deswegen deinen Einsatz!“
„Du bist der Boss.“
„Kann man so sagen...“

Siehe: denn da ist nichts von Schuld oder von warum/was, oder von irgendwelchen Details der Tat bei Eddy. Da ist die Tat als ein Bild, das man bestenfalls ins Museum hängt; doch auch daran denkt er natürlich überhaupt nicht.
Eddy ist ’einfach’ ein Typ, der sich nichts wegnehmen lässt! Und wenn jemand es versucht (egal um was es sich handelt), beißt er unkontrolliert um sich. Vergewaltigt. Raubt. Mordet. Tötet aus Instinkt. Um zu überleben. Um seinen Herzschlag zu spüren. Den Puls. Das Blut. Den Schwanz, sei der auch noch so mickrig; - denn er hat sexuelle Bedürfen -, die weiter gehen als Hoden und Penis, oder was sich manche Loser so einreden, - diese Idioten, lacht er unfroh über Leute, die mit ihrer ’Finger weg!’ Einseitigkeit zwischen allen Stühlen hocken.

Und darauf gönnt er sich eine 100% Tätowierung ’Filthy Few’. Denn es wird, genau wie der Tanz im Nebel der Zeit mit Brahms Sonate für Klavier und Violoncello e‐Moll op. 38, die er ab 200 Sachen aufwärts freihändig im Auto hört. Dabei blickt er den Spiegel und merkt, wie die Kraft des Verderbens greller wird. Glasklar und schnörkellos. Wie eine höhere Macht ihm befiehlt die Hände vom Lenkrad zu nehmen und Vollgas zu geben: ’Nun mach schon!’ Mitten hinein in Brahms Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello a‐Moll op. 114. Hin zu Konfettischnitzel in Gold an der Autobahnbrücke: Yes We Can!,
kommt es ihm kurz vor der Wand mit dem roten Engel daran in die Faust; doch er chrasht nicht, einzig 3 Tauben fliegen hoch.


Bild 41

7 von 7 Abenden der Woche sind genau so: Ich lege mich zur Nacht hin und bevor ich einschlafe denke ich, der Tag war ein Albtraum. Und wenn ich dann morgens aufwache ... ist der Albtraum immer noch da; die anderen Nächte schlafe ich überhaupt nicht. Da fantasiere ich einfach nur so vor mich hin. Und das ist auch nicht besser.

„Nimm Downer!“ Rät Eddy.
„Ja!“
Also nehme ich die Dinger, - was immer es war und ist, - und so fing es an, damals, nach dem Kopfschuss, - ein Riss dicht an der Schwarte entlang; dass allerdings Eddy dahinter steckte, ahnte ich nicht mal.

Scheiße
Ich werde krepieren
Ohne richtig da gewesen zu sein
Wohin mich mein Herz zieht
Wo ich die Seele vermute
Meines Teufels Gott
Wo ich sterben will
An diesem goldgelben Strand irgendwo
Wenn es Nacht wird
Fern von den Menschen
Leicht angetrunken
Zigarette im Mundwinkel
Leise Musik
Auf den Knien der Kopf meines Hundes
Seine treuen Augen auf mein Gesicht gerichtet
Warm
Unwiderstehlich
Wäre er eine Frau
Ich hätte mich in ihn verliebt
So ist er mein bester Freund
Und das ist mehr wert als alles
Denn er wird da sein wenn ich krepiere
Ohne da gewesen zu sein
Wo ich hin wollte
Gut so
Nur eins noch
Wie komme ich an Schnaps und Zigaretten ohne aus dem Haus zu gehen

Ich lebte nicht im Hotel, nicht in einer Pension -, war nicht zu Hause, - nein, ich lebte in Geräuschen und Gerüchen, in geistigen und körperlichen Fehlleistungen - da ich sicher war heute ist morgen und morgen wird heute sein, und dass es mein Bruder Eddy gut mit mir meinen würde wenn er mir die Spritze ansetzte, Tabletten gab und mich Kraut ohne Ende rauchen ließ -, wäre da nicht Zucker, der es besser wusste, der aber auch nicht verhindern konnte dass Body mich vergewaltigte, obschon der tot war.

’Zu wem wollen Sie?’ höre ich Gottes Teufel; doch ich weiß nicht ... Kann nicht antworten, - befinde mich nicht in meinem eigenen Leben, sondern in einer Zwischenwelt von Wut und Lachlust, in einem Spaßbad mit Kinderrutsche, zwischen Lüge und Wirklichkeit deren Abstand immer geringer wird, - mit ab und an Klopfzeichen hinter den Augen, in einem Schrei, dass alles NICHT wahr sei und - ist! - Dass Eddy seine Finger in meinem Hirn haben würde, der mir als Deal vorschlägt, dass ich für ihn auf der Pferderennbahn arbeiten könne.

’Weil du doch Pferde so liebst!’ schleimt er. - Als ich von der langen Reise schwindelig im Bett liege und die Putten von der Decke küsse.

’Gut, ich mach’s!’ nicke ich lautlos. Tonlos. Schweigen kotzend. Doch es kam an. Sogar Zucker wusste es. Weiß es. Der mich tröstet... ’Keine Angst, ich werde mein Leben lang ein Auge auf dich haben!’ Und so war es. Bis auf den Krieg. Weil Krieg immer ist. Und deswegen kann man sich schon mal aus den Augen verlieren.

Je höher du springst
Je tiefer zu früh
Nostalgie

Gut, ich lese hier viel. Dies und das; Uwe Johnson, Mutmaßungen über Jakob: Seite 1 nach zirka 7 Schmutzseiten mit dem Anfang: ’Auch Jakob ist immer quer über die Gleise gegangen’... Danach bin ich fertig für die N8, denke an Mona und hole mir einen runter, um einschlafen zu können. Eventuell liegt es aber auch daran - schlecht zu schlafen. Oder überhaupt nicht. Oder am Wetter im November, wenn man keine zehn Meter weit sehen kann, wie Uwe mir über die brutale Art zwischenmenschlicher Verständigung schreibt; (Berlin- Friedenau, Schließfach 11). Manchmal vergessen sie = die Wärter der Nation = (aber auch nur) das Licht auszuschalten. Dann sehe ich Mona nackt an der Decke. Gruber auf ihr, in ihr - der sie zur Sau macht bis Blut kommt. Dann rüttele ich an meinen Fesseln und will raus. Weg von hier; doch dann kommen sie und spritzen mich nieder, schalten das Licht aus. Und ich habe wieder nichts erreicht, außer der Erfahrung tot zu sein. Schlafend. In Analyse. Interpretation: ’ ... quer über die Gleise ... gegangen’! Mit Cannabis, Ecstasy, Kokain. Abstrakt, ey, dieser Uwe Johnson. Die Sache mit Jakob; der in meiner Gegenwelt kein Ende nimmt.


Bild 42 - Bis/s ins Ende

’Rennbahn’ hat bei Eddy eine randlose Vielfachbedeutung. Die erste, das er mich vom lockeren Geldverdienen im Puff weghaben will weil er den Job in meiner Zwangsabwesendheit Stormi gegeben hat. Und „Außerdem bist du mir dafür zu schade!“ lügt. Wozu ich meine, das Arschloch hätte das ’mir’ locker weglassen können. Antworte ihm aber trotzdem mit ’Meinetwegen’, um in meiner verkaterten Stimmung nicht weiter Putz zu machen; der Rest geht über meinen inneren Hochsicherheitsserver. Auch weil ich mir in einer Art Suizidaktion (’Action Pain’) neben Drogen, Alkohohl auch gleich noch das Rauchen abgewöhnen will. Ich Klugscheißer. Doch zum Glück für mich bin ich schon an Dingen die nicht so schwer wiegen grandios gescheitert. Also. Außerdem bin ich kein Selbstmörder. Im Gegenteil: ICH HABE PLÄNE! Und Eddy ist mein erster - zu erledigender Punkt auf der Liste ’heißer Stein’; oder meint der etwa ich hätte (in meinem wochenlangen Leben im Zwangsschlaf) vergessen, was er Doro angetan hat? No way, Bruder! Da ist absolut mehr fällig als nur ein satter Tritt in die Eier. Weit mehr! - Doch zurück zur Pferderennbahn. Bei der es nicht nur um Zossen geht. Um Sieg und oder Niederlage. Um Wetten. Sondern um Menschen(leben). Um viel Geld. Um sehr viel Geld, das mit Flüchtlingen zu verdienen ist.

„Oder brauchst du die Kohle nicht?“ Als ich mit Eddy von meinen Missfallen sprach, mit Flüchtlingen Geld zu machen.
„Willst du deiner Frau und eurem Kind nicht ein angenehmes Leben ermöglichen? - Willst du etwa dein protziges Auto verkaufen und aus dieser herrlichen Villa ausziehen? Na?“
„Nein!“
„Siehst du; also beweg deinen Hintern...“
„Überredet!“

Genau deshalb reihe ich mich zwischen die Männer, die vom Zocken leben, - die im besten Falle nach Onanie, alter Pferde- Kacke und billigem After- Shave riechende Jockeys sind, die ich bestechen werde und will, denen ich ein Angebot im Sinne des Paten mache ... genau wie diesen von Angstschweiß stinkenden Menschenhändlern, die mit Flüchtlinge schachern um die als Huren und Sklaven weiter zu verkaufen; weil es nichts ist einen Menschen zu vernichten, zu töten. Kaum mehr als wenn man Ungeziefer zertritt. Um danach Bier zu trinken. Pizza zu essen. Und die auch noch kalt, weil es ’noch und nöcher Menschen’ zu tun gibt; in etwa so wie mit dem Iraker, der nicht rechtzeitig anhielt als ich ’Stopp!’ rief ... einen Warnschuss feuerte. Der trotzdem nicht reagiere, weiterraste, voll auf die Menschen im Weihnachtsmarkt zu; auf Frauen und Kinder. Ich also auf die Knie ging, gezielt schoss, den Tank traf. Das Fahrzeug explodierte, ausbrannte und von dem Typen nur Reste blieben, seine Identitätskarte, - und mir die Sekunden eines moralischen Tiefs, denn er war mein erster. Danach war ich Killerjunkie, hatte mich aus dem realen Leben verabschiedet, existierte nur noch tötend, jenseits vom Leben, in Isolation, Depression und wechselnden Entzugserscheinungen, je- nach- dem; während im TV Superstars und Topmodels gewählt wurden und einer der ’intellektuellen’ Beobachter den Girls nach Lust und Laune sechs Sorten Scheiße aus dem Leib prügelte, wozu ein anderer riet; ich vermute Gruber. - Gut, es ist eben so: nur einer kann gewinnen und Top sein - und dass bin nun mal ich ... bin zum Töten gekommen, um alles zu töten. Weil Mensch- Mensch ist, Öl - Öl bleibt, Gold - Gold, Macht - Macht und Top - Top ist, und das Leben nur ein Schiss der Zeit. So folgt eins dem anderen und ich wurde gelernter WasIchBin. Doch da widerspricht meine Erinnerung als Gegenwart, schneidet mir ein Stück Vergangenheit heraus, dehnt die quälend bis es im Niemandsland ’so- was- wie’ gewittert; mein Brainstorming mit Eddy: Worte, Worte, Worte, weil ich mir in einer unüberlegten Aktion (gehe ich mit mir in Milde zu Gericht) neben den Drogen, dem Alkohohl auch das Rauchen abgewöhnen will. Doch das mit den anderen Dimensionen hatte ich schon mal als Eddy Jahr für Jahr die Jungen unserer Hauskatze in einen Sack steckte, mit einem Knüppel drauf schlug und die dann im Fluss ersäufte. „Weil Vater es so wollte!“ Der Gedanke daran schmerzt heute noch irre. „... und du Idiot hast die toten Viecher dann immer aus dem Fluss gefischt!“
Ich wünschte, es bliebe bei einem Traum aus der Gegenwelt. Doch leider.

„Sie haben die Misshandlung ihrer Frau aber gut weggesteckt!?“
„Sie irren, Herr Rechtsanwalt.“
„Und wie wollen Sie weiter vorgehen?“
„Das werde ich gerade Ihnen nicht verraten!“
„Wieso nicht?“
„Weil Sie der Rechtsanwalt meines Bruders sind!“
„Aber auch der Ihre.“
„Aber nur bis eben.“
„Rechtsanwälte unterliegen der Schweigepflicht...“
„Sie können ja nicht mal vor einer Hure das Maul halten!“
„Haben Sie Beweise?“
„Aber sicher. Ein glaubwürdiges Video wie aus einem
Polizeibericht: Elf Prostituierte, ein Silbertablett, darauf mehrere Linien Kokain in nicht geringer Menge, worauf laut Gesetz mindestens ein Jahr Haft steht, - hat mein Bruder, ihr Mandant notiert.“
„Und das haben Sie in Besitz?“
„Richtig!“
„Gut, dann müssen wir ja nichts weiter bereden – und ich werde ihrem Bruder sagen, dass sie in der Sache mit ihrer Frau IHN im Verdacht haben!“
„Wenn ich davon erfahre, sind Sie tot!“
„Sie sind ein krasser Typ, Chess - und schlimmer als ihr Bruder in all seinen menschlichen Niederungen, und das will was heißen...“ jaulte Anwalt Meyer schon bevor ich ihm von Body erzählte, - dass der im Knast saß weil er sich wegen eines erhofften Lösegelds einen Typen von der Straße gefangen hatte, den zwischen Himmel und Morgen in eine Kiste steckte und mehrmals am Tag schlug, trat und auf alle möglichen Arten vergewaltigte bis er vergessen hatte, dass er ’eigentlich’ Lösegeld erpressen wollte und den Typen ’einfach so’ als Leibeigenen bis zu dessen ’satt geficktem’ Exitus behielt.

„Denken Sie immer daran. - Und damit Ende Interview!“


Bild 43 - Auf dem Weg neben der Spur Steine

Kein Geheimnis
Das mich die Freiheit lockt
Nicht Plaste an Schaschlik aus Spockau
Schießbefehl
Leider stand ich immer auf der verkehrten Seite
Verlassen von der Spur neben den Steinen
Die mich am Ende kaputt gemacht
89 mein Come Back mit Cadillac
Im Nirgendwo erkämpft
Gefallen und
Bestattet
Schlage ich erneut die Augen auf
Sehe dich im Dauerlauf und
Alles was ich in der Flucht meiner Tränen liebe
Wenn ich fliege


Bild 44

Ich habe zwei Leben, - die drei Tode starben. Und wenn ich nichts weiter zu tun hätte, würde ich mir Gedanken machen ob es anderen genauso ’wie mir’ ergangen ist, - die große Liebe in einer Retrospektive festzuhalten. Doch ich habe anderweitig zu tun! Also denke ich nicht daran! Weil es nämlich so gut wie unmöglich ist (schreibt man besser scheint?) die große Liebe: bla, bla, bla ... Und doch versuche ich es; werde es versuchen. Weil ich schon beim daran Denken dieses bewusste (kennt doch jeder!) Kribbeln im Bauch habe (besser: spüre?). Punkt.
Nein, - Punkt weg!

Mann. Es ist doch schon viel zu lange her, mit der großen Liebe, sagt mein Schwach- Bewusstsein. Außerdem ist sie schon Jahre tot; wen willst du also Fragen?

Ich frage mich, du Idiot! - MICH!
Und (du) glaubst, das wird was?
Klar, ich habe schließlich Ohren zu hören...

Message: Lust haben Feuer zu machen. Die Erinnerung zu verbrennen. Damit es qualmt, schwarz wird und zu etwas anderem. Bei 232 Grad Celsius = Fahrenheit 451, wie du weißt. Die heiße Scheiße. Das flammende Zeug. Als würde man mich beim Namen gerufen. Nein. Verboten. Lass es. Denk nicht mal daran. Der Wind wird sich legen, der Sturm vorbei ziehen, der Blutkreislauf stocken. Das Laub vor der Tür wird nicht mehr rascheln. Keinen Schritt mehr zurück. Schlage es dir aus dem Kopf. Vorwärts ist das Ziel! Und dann ist wieder Montag. Und ich nüchtern, - denke an sie. Das die Erinnerung keine Wirklichkeit ist (soll ich hat schreiben; trifft es ’hat’ besser?). Das die Erinnerung keine Wirklichkeit hat; gut so!?

„Du bist böse auf mich“, fragt sie.
„Ich weiß nicht“, sage ich, „es ist unwirklich lange her!“ Und dann spreizt sie die Beine und ich kann nicht anders.


Bild 45 – Der Ausdruck des Unbewussten in schuldloser Form

Eddy steht seitlich vom Klo und wartet. Keine 2 Minuten zuvor soff er sich am Feinkoststand einen. Bemerkte bereits nach dem 2ten Glas, dass er geil wurde; wieso auch immer. Jedenfalls rührte sich was in der Hose. - Deshalb sein Besuch auf dem Pissbecken- Klo, um dranzubleiben, - um, unter dem erstaunten Blick eines Typen mit Vollbart und geschätzten 20 cm Nudel in der Hand, leicht anzuwichsen. Um dann sein Ding vor dem Klo durch die leere Hosentasche zu drücken, zu quetschen und zu ziehen - damit die Erektion bleibt. Bitte! - Zu seinem höllischen Vergnügen. Bis das erwartete Pärchen dann kommt, - und wie auf Befehl sein Wunschdenken wahr wird ... kommen die 2 als ein doppeläugiges Paar wie Kuh und Stier, die er schon am Champagnerstand in bester Laune beim Knutschen beobachtete. Die nun ins Damenklo drängen -, sie ihre Hand an seinem Schwanz. Er seine Finger IN ihre Kimme gekrallt; voll pervers, ey. Und er, Eddy, nun, der mit Blut in den Augen seine grünen Eier quetscht ... um mit einem Fußtritt an die Klotür dem Paar hinterher zu stürmen bevor das Stinkloch sich hinter den beiden automatisch zuzieht und er im Regen steht, - als eine milde Art von Schlaganfall ihn überfällt: Augen stier, Schwanz steif, Gehirn ausgeschaltet; Feuer frei, los geht’s. Manche denken, in der Mitte der Lust entspringt ein Fluss. Weil ein Roman das in etwa so beschreibt. Und ein Film nach der Romanvorlage gedreht wurde, - mit dem jungen Brad Pitt in der Hauptrolle. Doch das ist alles Quatsch. Es entspringt nirgendwo ein Lust- Fluss. Es existiert nur die Vorstellung davon. Wie viele andere Fantasien auch; du weißt es und ich weiß es, - und nun? - Nun warten Poesie, Schönheit und Klarheit vor der malerischen Kulissen eines Scheißhauses auf ihre Erfüllung in Bunt. Und DAS ist die Wahrheit! Und genau dafür gehen andere in den Knast. Doch nicht Eddy. - Eddy nicht! Eddy überlebt jeden Scheiß -, der alte Fliegenfischer; wenn du weißt, was ich meine.

Eddy setzt also die farbenfrohe Fickszene vom Klo aufs Cover des Films und verkauft den ganzen Krempel samt Inhalt als Kunst an Abartige; fast wie Jackson Pollocks Action Painting. Und sonst war nichts weiter. Nur eins noch: Ich glaube, ich werde mir den Eddy- Film in Endlos- Schleife ansehen. Vor allem die Szene am Wasser, wenn die Spülung rauscht. Das Rot. Das Blut. Das Hirn – weiblich. Der Penis - männlich. Arme. Beine. Reiche Füße. Ohne Schuhe. Die Ohren ohne Gesichter, wenn die wie Gülle vorbeischwimmen. Mann! - Man kann gar nicht mit dem Zählen aufhören. Als wären es Dutzende an Nasen. Augen. 1.000sende Zähne. Als wäre ein Massenmord passiert. Dabei ist es nur Hollywood. Ein Show Act. Mit dem guten Hoffen auf einen kleinen Oscar Super Star. Dabei ist das Opfer gar nicht schwanger, nicht annähernd, macht Eddy einen Witz; weil er Kinder hasst. Mehr noch als Katzen. Denn ein von ihm zerfetzter Bauch schwangert ’nicht einfach so vor sich hin’, nein, das walte Eddy, der Perverse, das Monster, der Killer. Der sich die rote Soße vom Anzug braust und das Kaufhaus- Klo frisch wie nach einem Sommerregen verlässt.

Ein super Geschenk war das ... the background and scenery are wonderful ... jubelt er, an seinem Schwanz kramend. Und wer weiß, ob er nicht dankbar zu Gott gebetet hätte, wüsste er, wie es geht.
Doch bevor er die Elefanten und Tiger des Zirkus Mensch zu sehen bekommt, die er mit High Five grüßt, - 9 Stück rosa Elefanten (hoch wie die Hochhäuser mit der Parkhausausfahrt in der Ansbacher Straße), die sich mit dem Rüssel am Schwanz des Vordermannes festhalten, - blaue Tiger auf dem Rücken sitzend - shoppt er das KaDeWe leer, wie er meint. Einzig die Rettungswagen und die Feuerwehr mit Ta-tü-Ta-ta und grellem Blaulicht stören sein rauschhaftes Vergnügen.

„Was ist denn passiert?“ Erkundigt er sich.
„Ein Bombenanschlag auf der Toilette der Feinkostabteilung“, weint eine ältere Person „und alles voller Blut!“

Pollock, der Kleckser, mit “Summertime, Number 9 A“, - einfach göttlich, wenn es diese Breite und Tiefe (in blutrot) überhaupt in Natur geben würde. And so is it: Done!


Bild 46

Eddy surft im Big Daimler auf 760 PS den Damm runter, Richtung Halensee. Im Fußraum schwappt ein 50- oder 100-teiliges Titanium-Bohrer-Set universell für jede mögliche Bohrmaschine, ein Wertgutschein über 20 € anrechenbar auf das Lebensmittel- Sortiment bei Emu- De, ein Wertgutschein über 520 €, anrechenbar auf das Lebensmittel- Sortiment bei EmusDeForce- De, ein All- U- Can- Eat Ticket im 2-für-1 Pizza-Angebot auf alle Teigsorten und Beläge bei Pizza TutGut für 1 €, - man staune und wundere sich! Daneben suppt ein satt fettes 500 g Western- Holzfäller- Steak mit Beilagen und Dessert für Zwei, Vier - oder so gar Sechs - bei Lord Knudchen; = Rabatt 52%, Preis nun 22,00 €. Und ein paar frisch abgeschnittene Möpse, deren anhängendes Botox- Lippen- Maul er eigentlich auf ein Glas Schampus hat einladen wollen; doch dann ekelte er sich davor. Doch das nur mal so.

Was er nicht weiß ist, dass sein Bruder Chess ihn hinterm Off vom Paladin- Puff erwartet; es scheint very dringend zu sein! Also schnurrt er den Daimler- Confort mit 1.000 Sachen durch den dichten Verkehr zur Mitte, zur Titte, zum Sack: ZACK! Echt mal: über den Scheiß lacht er seit 20 Jahren. Mindestens.
Come on, Boy, schaukle dir die Eier, denkt er sauer eine Meile weiter an Chess, grinst blöd und wirft das Handy aus dem geschlossenen Fenster. Doch zu spät, die Bullen haben ihn prall auf dem Follow- Me Schirm. And Stop! Now! - Doch nicht mit ihm. Er schaltet auf Kontaktsperre und schiebt den Over- Drive rein bevor die Super- Blonde Pussy aus der Schaukel steigt und ihn nach den Papieren fragt, und ob er dies und das in der Nase hätte und würde ihn so gar bei sich blasen lassen, statt ihren Kollegen zu fragen, der trotz Kopftuch eine ganz gute Figur macht.
Ey, Käfigkämpfer? Hätte er den gefragt. Doch dazu bleibt keine Zeit. Und pinkeln muss er auch.


Bild 47 - Automatischer LogOut ohne Vorwarnung - Romanarbeit

Offen bleibt, ob Eddy sich mit 1.000 Sachen ’übern Kudamm’ den Arsch abgefahren hat, ob er im Schleichtempo der Polizistin über den Fuß fuhr, oder ob er lediglich voll Stoff und blöden Gedanken im nahen Park unter einer Zeitung pofte; jedenfalls wird er im Knastkrankenhaus mit einen Hundebiss am Hintern wach, der wie frisch drauf geschüttetes Tabasco brennt. Und genau an diesen Namen erinnert er sich. Tabasco.

„Scheiß drauf, wie der Köter heißt!“ nörgelt Rechtsanwalt Meyer, „Sie müssen die Bewährung absitzen und bekommen zudem ein neues Verfahren an den Hals!“
„Und das lautet?“
„Ich komme noch nicht an die Akten ran. Aber höchstwahrscheinlich geht’s wie immer Querbett Strafgesetzbuch.“
„Na dann zeigen Sie mal, was Sie können!“
„Mann! Eddy! - Kümmern Sie sich erstmal um eine Vertretung Ihrer Geschäfte! Oder wollen Sie, wenn Sie wieder rauskommen, mit leeren Händen dastehen? - Verstehen Sie doch: IHRE BEWÄHRUNG IST WIDERRUFEN!“
„Warum schreien Sie denn so?“
„Weil ich Geld für meine Verteidigung nehme...“
„Und Sie meinen, ich bin pleite?“
„Noch nicht!“

Ich war in meinem ganzen Leben noch nicht einen einzigen Tag glücklich, hört er, liest er, dröhnt es ihm in den Ohren, zieht durch seinen Kopf, Hals, Brust, Bauch, hat seine Arme tangiert, klemmt ihm die Eier ab, schrumpft die Nudel, tritt zu Teilen als stinkiger Furz ab und verharrt als Rest in seinen Beinen, krampft die Füße, als wäre er ein sein Leben lang in zu kleinen Schuhen durch die Zeit unterwegs... Und prompt beschleicht ihn eine Aktion der Fremdheit ’Can U Love Some One Too Much’ als Geisha Syndrom, als Theorie der inneren Erschöpfung. „Und? Auch schon mal gehabt? - Wenn nicht, wird’s Zeit!“

„Sie standen also überhaupt nicht unter Drogen?“
„Was weiß ich ...“
„Ihre Bewährung können Sie sich trotzdem in die Haare schmieren!“
„Heißt was?“
„Sie sitzen die 30 Monate ab. Basta!“

Geisha Syndrom: Geisha-Schuh, Gelenkflächenwinkel, Gelenkkopfresektion, Gichtarthropathie ... Hallux-valgus-Syndrom, Hallux-valgus-Winkel, Hammerzehe, Haupteingriff ...

„Scheiß drauf!“
„Scheint ja ihr Standart- Spruch zu sein!“
„Du mich auch, Alter.“

Heute Nacht ... aha... wird gesoffen, gefeiert, gevögelt bis es hell wird, singt Katt Kitten. Und um das locker zu unterstreichen räkelt sie sich lässig in Catwoman- Suit und Higher Heels an eine Häuserfassade mit Gitterfenstern. Daneben hängt ein 3D- Poster, wo die Alte mit dem Arsch wackelt wie blöd.

„...komm erzähl mir mal was, was mich überhaupt nicht interessiert!" Rappt es im Swingerklub – äh – im Fremdkörper, oder im Kreis, im Nachtflug, in reine Nervensache, in egal was ihr sagt, oder in Zeilen für dich, - vielleicht in nie wieder Overkill? Quatsch! Quatsch! Quatsch! Und in Folge dem alles ohne Gewähr!

„Okay, sagen Sie Chess Bescheid. Ich werde ihm einen Vorschlag machen.“
„Ich ahne schon, welchen. Doch auch der bewahrt Sie nicht vor dem Knast.“
„Machen Sie ihren Job, Doktor Meyer und stellen Sie einen Antrag für die Verbüßung meiner Strafe während der U-Haft!“
„Ist schon angelehnt. - Wenn Sie aus dem Haftkrankenhaus raus sind, verschubt man Sie nach Tegel!“
„Und wann wird das sein?“
„Woche – 10 Tage. In dem Dreh.“
„Okay. Sagen Sie trotzdem Chess Bescheid. Familie muss schließlich zusammenhalten.“
„Ob der das glaubt?“


Bild 48 - Der zweite Ausgang

Der Tegel- Knast ging Eddy schon ab dem ersten Tag voll auf die Nüsse. Und mit Chess ging es auch nicht vorwärts.

2 Schlägereien hatte er schon hinter sich und war immer noch nicht Boss der Abteilung; lang leben die Lebenslänglichen! Gegen die sind Zeitstrafer wie er nur ein Windhauch im Sommer. Trotzdem. 30 Monate unter einem Fremdkommando sind für ihn nicht auszuhalten. Also machte er.

Wie ein Boxer wickelte er sich mit Leinenstreifen aus dem Bettlaken die Hände. Salbte die Augenbrauen.
Trat Minuten später auf den Gang, der ein schmales wie niedriges und einseitiges Kalkgemäuer im Gegenüber mit seitlichen Streben und Gittern aus Metall war; Zellentüren an der Wandseite. Der Fußboden Linoleum. Blank geputzt wie ein Affenarsch, mit einen widerwärtigem Geruch. Schlimmer noch als der Kotgeruch aus den Zellen. Der Schweißgestank, der nach Nikotin und altem Samen on the Air.

Eddy konnte sich kaum erinnern, wann er das letzte Mal hier war, - es musste jedenfalls schon eine Weile her sein, dankte er seinem imaginären Gott.

Am Ende vom Gang führte eine Treppe nach unten. Doch dahinunter wollte er nicht. Er wollte zur Zelle 425.
Dort angekommen zog er die Stoffriemen an den Händen fester, atmete tief durch und trat fast im gleichen Moment die lediglich angelehnte Tür auf, - griff seinen Widersacher mit beiden Händen am Hals und nickte ihn mit der Stirn ab, - hörte dessen Nase brechen. Zog das Knie hoch und schlug ihm mit aller Kraft auf die Leber. In den Magen. Einen Aufwärtshaken ans Kinn. Der Typ gähnte, oder so was in der Art und sank wie betäubt in sich zusammen. Jemand im Haus zog die Toilettenspülung.

Eddy griff den Typen mit beiden Händen am Hals und zog ihn auf den Gang, ans Geländer. Packte dessen massigen Körper und wuchtete ihn aufrecht an die Streben, hielt ihn, schob, zerrte, beugte den, bis die Schwerkraft dominierte und der Typ fiel. - Sein eigener Atem pfiff ihm in die Ohren wie ein Autoreifen in einer schnell gefahren Kurve quietschte, als er zu frieren begann und sich an den Geländerstangen festhalten musste und in einem abstrusen Gedanken hoffte, nachts endlich einmal durchschlafen zu können; wären da nicht die Lichtflecken unter der Tür, die störend in die Zelle leuchtenden Scheinwerfer der Hofbeleuchtung, das Geschepper der Schlüssel der Wärter.

Ein halbe Stunde später brachte ihm sein neuer Lakai frischen Kaffee. „Schon gehört, Buddy hat ’n Abflug übers Geländer gemacht!“ Und räumte den Putzeimer und Schrubber ab, das am Eimer festgetrocknet Putztuch, den Fußabtreter. „Musst du dich nicht mehr kümmern, mach ich jetzt!“
„Und nimm gleich mal meine Schuhe zum putzen mit!“
„Mach ich, Boss. Sonst noch was?“
„Schick mir den Stationsschließer und bring mir ein Handy!“
„Kommt sofort!“


Bild 49

Als das Telefon klingelt und Eddy sich ’am verkehrten Ende’ meldet tritt mich das ’Kaum- zu- glauben- Pferd!’ Ein Wahnsinn – der Typ! Über den ich eben noch mit Doro gesprochen habe. Und mich erstaunte, wie gut sie über die Gewalttat an Körper und Geist hinweggekommen ist, wenn man das überhaupt kann. Ja, - ich habe da meine Zweifel, gerade weil ich als Junge vom Kiez das Zureiten von Huren kenne und mir deren Brutalität bewusst ist; doch dabei geht und ging es den Luden ums Geschäft. Bei Doro ging es Eddy um meine Erniedrigung – und nun das: ruft der mich einfach so an...

„Was willst du?!“
„Ich sitze im Knast und brauche deine Hilfe!“
„Weiß Zucker davon?“
„Was soll ich mit Zucker, ich brauche dich!“
„Warum mich?“
„Weil du mein Bruder bist.“
„Dazu fällt mir eben überhaupt nichts ein.“
„Treib es nicht auf die Spitze und denk an Mutter!“
„An Mutter?“
„Genau!“
„Was hat die damit zu tun?“
„Ich könnte dem Staatsanwalt erzählen, dass sie Vater umgebracht hat und nicht du!“
„Du bist solch eine Sau...“
„Ich kann noch ganz anders Sau sein, - Freundchen.“
„Nenn mich nicht Freundchen!“
„Okay, ich rufe morgen noch mal an; lass dir was einfallen.“
„Wozu?“
„Du wirst in meiner Abwesendheit den Laden in Schwung halten.“
„Und wenn nicht?“
„Denk an deine Familie.“

Wenn man einen solchen Bruder hat, sollte man gegen Angstphantasien immun sein. Gegen die Urszenen von Verrat und Bedrohung, die schon in der Bibel stehen.

’Und Ada gebar Jabal, der ward Vater des Zeltsassen mit Vieh. Aber der Name seines Bruders: Jubal, er ward Vater jedes, der Lyra und Flöte anpackt. Aber Zilla, auch sie gebar, den Tubal- Kain, den Dengler, jedweder Techniker in Bronze und Eisen.’

Andererseits muss man an Phantastisches, Absurdes und Wahnsinniges glauben und daran, dass einem das als Lektion passieren kann. Denn das will Eddy, dass man ihn fürchtet, in diesem Fall Ich, - dass ich ihn fürchte! Und das tue ich im Bezug auf meine Familie auch. Also werde ich den Laden schmeißen, auch wenn ich meiner Familie zur Liebe aus dem Milieu raus bin. So beißt sich der Hund in den Schwanz. Und ich bin Gast in meiner und Eddys Vergangenheit.

„Du willst es machen?“ fragt Doro.
„Ich weiß keinen anderen Weg.“
„Du solltest Zucker fragen, bevor du Ja sagst.“
„Okay, mache ich.“

Zucker treffe ich im Kampfanzug.
„Ich habe manchmal diese Anwandlungen“, lacht der. Wie auf dem
Foto von 1978. Neben dem Jeep. Das Gesicht im Schatten vom Stahlhelm. Auf der Motorhaube den Schädel eines getöteten Menschen. Trophäenschau im Kongo. Als der Tod mitfuhr, wenn sie sich mit ihren Geländewagen durch den Busch pirschten. Leben. Kämpfen. Töten. Siegen. Söldner. Ohne Zukunft. Ohne Vergangenheit. Dafür mit einer Menge Nichts an Zeit für den Rest.


Bild 50 Das Äußere innen

Zucker rät zur Vorsicht.
„Du hast dich bisher prima aus den Kiez- Geschäften raus gehalten - und dein Autohaus macht sich.“
Was Doro, ohne wenn und aber, als Zuckers ’Nein’ ansieht, - auch weil sie die Meinung von Dag schätzt und selber der Sache misstraut, Eddy zu helfen sein Regime vom Knast aus weiterzuführen... Und somit alles auf ein 3fach fettes Nein herausläuft, wenn der meine Antwort haben will. Und ich gezwungenermaßen deshalb nachfrage, ob sie von den Konsequenzen wüssten, - dass nichts bleibt, alles geht und sich die Perspektiven ändern werden?!

„Trotzdem“, sagt Doro, „dein Nein ist besser als alles, - weit mehr als das Kuckckusei, das er dir in Nest legen will!“

Also sage ich „Nein!“ als Eddy anruft, „ich will und werde mich um mein Autohaus kümmern, um meine Familie und ...“
„Ich bin deine Familie!“
„So wie du gewütet hast: Nicht mehr!“
„Mann – die Kanaken übernehmen unseren Laden, wenn wir uns nicht kümmern!“
„Weißt du was, du kümmerst dich um deinen Laden und ich mich um mein Geschäft.“
„Hör mal, du Komiker ... du wirst bald keinen Laden mehr haben, wenn du dich nicht um MEINE Geschäfte kümmerst. Und zwar pronto!“

Stimmt! Es war wie einst beim Dosenwerfen auf dem Rummel - um ein Mädchen. Da waren wir zirka 12. Seine Meinung und meine Meinung darüber wer mehr Dosen abgeputzt hat...

Insgesamt gibt es in der Sache Geschäftsführung auf Zeit drei Gesprächsdurchgänge mit Eddy. Und von Mal zu Mal wird er in seinen Drohungen rabiater. Nehmen seine Ausfälle gegen mich und meine Familie eine zunehmend bösere Sprechweise an. Sogar unsere Mutter lässt er nicht außen vor. Und so kommt, was kommen muss. Der Schluss. - Doch vielleicht gibt es eine stillschweigende Übereinkunft das Problem anders zu lösen, nämlich über Stolz und Blut. Und das jeder auf seine Art und Weise. Zumindest ist die Tonlage darüber klar. Oder, wie Brecht Baal sagen lässt: ’Wenn du betrunken in der Gosse liegst, kannst du immer noch in den bestirnten Himmel über dir aufblicken.’ Doch auch da fühlt Eddy sich unschuldig dran. Er wolle doch nur verhindern, dass sein Leben kaputt ginge. - Dass das, was er sich mit seinen Fäusten und dem bisschen Hirn dahinter aufgebaut hat, den Bach runter ginge, meint Zucker und Doro.

Eddy nun, sauer wie er auf Chess ist, bestellt Mona ein. Doch die nicht etwa zum Ficken, Blasen, Lutschen wie all die Typen hier denken, sondern um sie zu instruieren, was mit Doro zu geschehen hat, „ ...hast du das verstanden?!“ Aber klar doch, hat Mona verstanden. Schließlich liebt sie ’ihren’ Chess und fürchtet ’ihren’ Boss Eddy wegen seiner Brutalität. Gerade da und deshalb sehnt sie sich nach einer Änderung der Verhältnisse. - Doch erstmal ist das Problem Doro dran. Während Eddy auf der zweiten Schiene fährt und den Bengel von Chess entführen lassen will.

Wenn das nicht schon einen Gesinnungswandel herbeiführt, lieber Bruder, dann weiß ich auch nicht, lacht er sich in einem Akt der Befeiung ins Fäustchen. Doch auch Angst ist da wie ein geprügelter Hund, der sich schüttelt, wälzt und dabei seinen Sabber überall hin verteilt, kämpft er mit dem Verlangen einen Stuhl an der Wand zu zertrümmern, bis ihn (unter zwei Nasen Koks) sein Vorhaben ’Chess’ wieder einnordet; das Geschäftliche wichtig ist ... nur das!

Der Junge von Doro und Chess, Abel, inzwischen 5 Jahre alt, steht im Kindergarten am Zaun zur Straße und sieht offenen Mundes einen Clown, - der Radvan heißt und Berufsverbrecher ist, wie jeder Staatsanwalt auf Nachfrage in freudiger Erregung bescheinigen würde -, der bunte Reifen in die Luft wirft, Blumen und weiße Hasen in seinem bunten Anzug verstecken kann und die von der Hand in den Mund zaubert, oder so; denn so schnell kann der kleine Abel gar nicht gucken, wie er in einer Holzkiste zusammen mit den Hasen liegt und ein Motor aufheult.

Doch Radvan kann nicht NUR das mit den Hasen -, denn er ist nicht NUR Berufsverbrecher und Clown, er kann auch Mörder. Und das weiß Eddy – und erpresst ihn seinerseits damit Abel zu entführen und ... den Jungen vorerst in einer Hütte am Ziegeleisee unterzubringen und dort ruhig zu stellen.

„Aber noch nicht absolut, verstehst du?!“
„Verstanden, Boss!“
„Und wenn was ist, rufst du mich sofort an!“
„Auch nachts?“
„Zu jeder Zeit! - Und nimm vorsichtshalber einen Spaten mit!“
„Einen Spaten?“
„Eine Schippe! Mann! – zum graben.“
„Ach so ...“


Bild 51

„Wenn es stimmt, dass man einen Film über sein Leben sieht wenn man stirbt, würde ich das Bild anhalten, als wir uns kennen gelernt haben.“
„Wie kommst du jetzt darauf?“
„Es ist nur ein Gedanke...“
„Denkst du an den Tod?“
„Ich weiß nicht.“

Eddy bereitet sich auf Krieg vor. Es wird gegen die Tschetschenen und gegen seinen eigenen Bruder gehen, wenn er wieder rauskommt. Und deshalb fängt er jetzt schon mal an. Baut auf eigene Kosten den Fitnessraum der Anstalt um und sucht sich Jungs die er für ein paar Euro vermöbeln kann, - denn ohne Bezahlung traut sich (außer dem Tiger) keiner an ihn ran. Der Tiger, allerdings, ist ein radikaler Kämpfer, kommt aus der Käfigszene und sieht auch so aus. Egal, Eddy will und wird ihn knacken. Also Ende mit Drogen. Ende mit Saufen. Ende mit Rauchen und faul sein...

Morgens ab 7 läuft er auf dem Hof 10 Kilometer. Danach ins Gym. Dann schwimmen - in dem beschissen kleinen Becken. Immerhin ... Alles sein Vorteil. Denn der Tiger joggt nicht, schwimmt nicht, - säuft, raucht und kokst. Der Idiot!

Etwas anderes kann man über den auch nicht sagen, außer, dass der wegen Mordes an seinen Eltern sitzt. 10 Jahre Jugendstrafe. Von denen er noch 8 Jahre im Erwachsenen- Knast absitzt, weil er unter den Jugendlichen nicht zu halten ist, - außer in der Iso- Zelle; und da war er schon über 1 Jahr.

Ändern könnte sich des Tigers wütendes Verhalten eventuell wenn seine Eltern unerwartet wieder auftauchen würden; es gibt da nämlich eine aktuelle Postkarte von ihnen aus dem Sonst wo, - da hätten die eigentlich schon lange tot sein müssen, sagt der Staatsanwalt ... die sind nämlich am Nimmerleinstag verschwunden und nicht mehr aufzufinden. Und deshalb stand die Gerichtsverhandlung unter dem an den Haaren herbeigezogenen Presse- Motto: ’Der Doppelmord des Elternmörders - ohne Leichen’!

Nun ist Tiger (hier) ein auf Beweis/e- Verurteilter- Unschuldiger - und der King - noch vor Eddy. Und genau darum geht es. Das Sagen haben über Joggen. Schwimmen. Saufen. Rauchen. Koksen. Bestimmen, wer Idiot ist, wer Mensch - und wer nicht. Also ... fang mal schon mit Beten an, Eddy.


Bild 52 - Immaculata conceptio

Es ist Science Fiktion. Wie im Film. Doch im Gegenteil zu dem ist es ihm real möglich (ohne zu Hilfenahme eines Wattestäbchens durchs Ohr) in die Zeit zu reisen. Dazu bestellt und frisst er die Steaks ’fast’ blutig, die Beilagen roh. Schläft viel und lässt nur selten die Anstaltsnutte kommen. Und wenn jemand im blöd anmacht, langt er zu, - immer in der Hoffung auf Widerstand zu treffen und Stress abzubauen. So ist es. Und wird sich nicht ändern, ginge es nach ihm. Doch es geht nicht nach ihm, denn das wahre Leben hat ihn berührt; eine Seele, ein Geist – offenbar (doch) durchs Ohr, als Zeuge der Wahrheit. Mit der er wach wird weil ihn jemand rüttelt und fragt, ob er erkennen kann was das sei, was er ihm vor die Augen hält.
„Zwei Zigaretten?“
„Knapp daneben, - Sie sind aber auf einem guten Weg!“
„ ... und ... wo bin ich!“
„Das sagen ich Ihnen, wenn Sie meine Finger erkennen!“

Dabei ist sowieso alles Illusion. Das Licht und die Geräusche. Die Stimmen; sein ganzes Leben. Mit Elternmord, oder ohne. Und dann hat er auch noch einen Kampf verloren, erinnert er sich vage an Trubel, Musik und unendliche Schmerzen.

15 war er, als Satan ihn in der Schule mit der Ansage besuchte er solle Marias unbefleckte Empfängnis nachspielen, - er war zu der Zeit aber mit Mary liiert, die aber gerne mitmachte; egal was er auch tat ... lieh sie ihm ihr Ohr.

Als Zeuge der Wahrheit legte er sich danach in der Schule (vor versammelter Klasse) mit der Religionslehrerin an. Am Tag darauf wurde er von der Schulleitung beurlaubt. Drei Tage später auf immer vom Unterricht ausgeschlossen.
"Erbsünde wird als ein Schuldzusammenhang verstanden, in den alle Menschen hineingeboren werden. Heute wird diese gesellschaftlich interpretiert: Dem Hass, der Lüge und dem Egoismus dieser Welt kann sich niemand entziehen", sagte der Theologe Becker-Huberti.
Seine Mutter erwog deswegen ihn ins ’Graue Haus’ zu geben - die dachte sich nichts weiter dabei.

Er wusste, wo ihr Autoschlüssel hing, den Tipp ’Legion’ im Hinterkopf, die Schlange im Blick, eine Flöte in der Hose, das Alpaka- Plaid im Wäsche- Schrank, mit den Gedanken an Mary, deren versifftes Ohr.
Hinweis: After the download the program is flasht =


Bild 53 – Hoch lebe der Tod

Es ist nicht besser geworden; ich schlafe immer noch unter dem Bett. The great Wave. Iron is over...

Im erbsengrünen Seidenkleid, sehe ich sie. In meiner Fantasie. Über ihr die bunt kostümierten Spielräume des Tages, wie aus einem Bild von Salvador Dali. Ich, der Spanner an der Hintertür. Doch es ist mitnichten eine friedliche, freundliche Erfahrung, es ist der reinste Horror, wie sie sich quält.

„Und, hast du einen Plan?“
„Keinen!“
„Aber du bist doch der Macher“, weint sie, „DU musst unseren Sohn retten!“
„...“
„Sie werden ihn grillen, hat er gesagt!“
„...“
„Nun mach schon, sag was!“
„Ich werde Zucker fragen.“
„Dann aber gleich! Ich will, dass das hier zu Ende ist!“
„Ich weiß“, tröste ich sie. Streiche ihr übers Haar und weine mit ihr.
„Ich weiß.“

Zucker meint, ich solle zusagen. „Was willst du sonst tun?“
„Ich dachte du könntest ...?“
„Er hat seine Bodys, - ich komme im Knast nicht an ihn ran!“

Die Stadt ist gnadenlos. Wie der Mensch. Von dem nicht mehr als Knochen bleiben. Seine Seele -, wenn man daran glaubt. Ein letztes Bild auf der Netzhaut, wenn das Beil, der Schuss, das Messer, wenn der Vorhang fällt, der allerletzte Gedanke gedacht ist; wenn es regnet und die Wüste zu leben beginnt, bin ich das Kind der bösen Zeit. Und dann wäre da noch mein Körper - samt Inhalt - zu nennen. Der als Wohnung für Bedürftige dient. Indem ich tonnenweise Medikamente jeder Art horte. Und einen Teil meiner (Johnnie Walker) Strategie/n den Abend vor dem Morgen zu überleben. Blue Label mit Geschenkverpackung, damit es nicht so versoffen aussieht (wie es ist) – oder: Wenn der Tag kommt, wird ihre Leber es ihnen danken... Verlags-Zitat.

Zucker war (auch) Söldner für Spanien: Kategorie -Blended Whisky. Auszeichnungen - Una versión más ahumada e intensa del whisky más vendido del mundo (Johnnie Walker Black Label). Nuestros mezcladores han seleccionado whiskies escoceses de malta envejecidos y ahumados de forma natural que le conceden un carácter profundo y complejo. Johnnie Walker Double Black ha recibido numerosos premios de prestigio, incluido el oro en el International Spirits Challenge y la medalla Doble Oro en la San Francisco World Spirits Competition 2015.

Wikipedia: ’1969 kämpfte die spanische Legion in Marokko und angrenzenden Gebieten. Am 17. Juni 1970 eröffneten Einheiten der Legion das Feuer und töten elf Freiheitsdemonstranten beim Zemla Quartier von El Aaiún (Ajun), bis 1974 Verwaltungssitz der Spanisch-Sahara, in der Westsahara. Der Unfall wurde als Zemla Intifada bekannt. Der Vorfall hatte bedeutenden Einfluss auf die Antikoloniale Bewegung. Nach dem Tod Francisco Franco 1975 und der Rückkehr Spaniens zur Demokratie wurde die spanische Legion nach Spanien verlegt. Ihre Stützpunkte in der Wüste Nordafrikas und Sahara wurden aufgegeben.’

Zucker wechselte zu Blackwater. Diplomaten beschützen. Das grüne Schiffchen mit den roten Kordeln daran behielt er; seinen Vollbart, - er blieb der Bräutigam des Todes der spanischen Legion. Und behielt seinen Stolz. Und wenn er betrunken ist, singt er nach einer eigenen Melodie ’A mí, la legión!’ Daran hätte ihn nicht mal seine Mutter wieder erkannt.

Irgendwann schoss ihn irgendwer im tiefsten Afrika aus einem Hubschrauber. Dann kam die Sache mit der Bombe in Ramadi. Das mit dem Reizgas in Bagdad. Doch vollends den Rest gab ihm Somalia. Die Musel. Die abgehackten Köpfe der Christen- Männer. Die zerstückelten Kinder, die misshandelten Frauen. Sein Hass, der wie ein flink streuender Tumor wuchs und seine Lebenszeit runterzählte. Da versagten sogar die besten Drogen; also Abflug nach Deutschland und Kopf runter. Bis jetzt.


Bild 54 - Totentanz mit Fisch

Ich bin keine coole Sau, wie einige vielleicht über mich denken weil ich vom Kiez komme, im Knast saß und in der Klapse therapiert wurde. Nein, ich versuche einzig nach meinen Möglichkeiten zu handeln. Und das ist nicht leicht, weil mir nach dem Kopfschuss einiges an Übersicht fehlt. Du weißt schon -, das Leben besteht aus mehr als hell und dunkel. Heißt, bei mir ist zurzeit mehr Dunkel. Und gerade deswegen freue ich mich wie blöde und tränensatt unseren Sohn Abel unversehrt und als fröhliches Kind in die Arme nehmen zu können. Zucker sei Dank! Und Doro erst, diese Top- Frau in jeder Beziehung. Und ich kenne fast jede Beziehung (genau).

„Lass uns ans Ende der Welt ziehen und Eddy im Knast vergammeln!“
„Ich gebe mir alle Mühe. Versprochen!“

Und somit ist jetzt der Knoten Eddy zu lösen. - Um nichts weiter geht es, denn gelingt es mir nicht, wird erneut meine Familie sein Ziel sein, - also ist Eddy mein unbedingtes Ziel. Weil es im echten Leben nämlich wirklich so ist, wie im wilden Westen: wer zu erst blank zieht kommt auch zum Schuss. Oder, wie schon Oma sagte: ’Das Leben ist Kampf!’ Wobei sie nicht den 33er Führer meinte, sondern Opa, der sich peu a peu die Leber weg soff. Und erst dann, als er nicht mehr war, entkrampfte sich Omas Schmerzgrenze; nicht mehr als einen Stein legt/e sie Woche für Woche auf sein Grab. „Das muss reichen“, meint/e sie. Und es reichte noch 20 Jahre meine Mutter zu trösten, die mit ihrem Schlachtermeister in einer Art Copy und Paste auch nicht unbedingt Schwein hatte. Ja, hatte, muss man wegen seines Ablebens sagen. HATTE! Allerdings ist die Scheiße, dass das Schwein in meiner Erinnerung immer leben wird, - und das hat leider nicht mal der verdammte Kopfschuss geändert; es war der Fall meiner Welt, auch wenn es nur ein Streifschuss war. Ich selber habe was danach geschah gebannt – atemlos und bis jetzt (auch) argwöhnisch verfolgt in der Hoffnung, dass sich mein Zustand bessern würde, - gerade jetzt, wo ich mich selber am meisten brauche um gegen Eddys moralische Fäulnis zu bestehen.

„Du hast doch mich!“ kommt Zuspruch von Zucker (...sag Dag zu mir)!
„Ja, Dag!“

Über Rechtsanwalt Meyer erhalte ich Prokura für Eddys Geschäfte, Passworte, einiges an Schlüsseln, Money- Karten und zig ’Kleinigkeiten’ auf einem Tablet gelistet.

„Wenn Grundsatzentscheidungen anstehen wird Eddy die treffen; verstanden?“
„Sie leben nicht schlecht von Eddy, was? – Oder haben Sie noch weitere Mandanten?“
„Noch vier!“
„Kiezluden?“
„Alle aus der Finanzbranche!“

Bei meinem Antrittsbesuch im Paladin begrüßt mich Mona.
„Was habe ich dich vermisst, Chess!“
„Was soll das, du hältst doch Eddy die Pfeife!“

Klar und deutlich höre ich alles und es ist mir auch klar wer da spricht und sich zeigt. Es sind die nackten Huren, die perversen Freier die hier unverkleidet, einfach nur sie selbst sind, - die Kämpfer in Geilheit auf den Weg zum Ring, mit locker wippenden Dingern. Die, wenn sie im Ring angekommen, auch gleich loslegen. Und du, mein Freund, bist genauso...

Gut, ich habe einige Zeit überlegt ob ich auf diese dumme Provokation eingehen soll, mich auf sein Niveau begeben und auch verkleiden sollte... Nein, ich nicht, ich bin raus! Ihr habt es gehört! Oder auch nicht. Egal. Ich mache es nicht. Ich schwöre bei Luzifer, ich werde keine dieser Puff-Schwuchteln sein, die wahllos irgendwelche Frauen knallen damit niemand auf die Idee käme dass sie schwul wären; dass sie auf Typen mit verkleisterter Rockermatte in schwarzer Lederjacke und Nieten- Stiefeln stehen -, dass sie Schwänze anmachen! „Mann, zieh deine Hose aus, zeig mir was du da unten hast, damit ich dran lutschen kann!“ Nein! Und nochmals Nein! Es ist und bleibt dabei: Eddys ’scheiß’ Business ekelt mich an. PROST! Ende. Aus. Und weg das Bild.


Bild 55 – Pseudonym Surrealistisch

Er liegt und nimmt den Rest mit Bild wahr. Gequatsche und so. Greift den Typen und schleift ihn über den Boden. Blut in den Augen. Seife und Scheiße auf den Fliesen. Mit einem Gruß vom Chef. Wie man anderswo Vorspeise bekommt. Bekommt man hier in die Fresse. Verhallen die Schreie. Ist Ferne statt Nähe. Bis zur Wiederholung. I rest my case. Mit einem großen, breiten Grinsen. Um hart zu scheinen. Hart zu sein. Der Beste. Unzerstörbar.

„Du stehst wohl auf mich, was?“ Will er ihn reizen.
„Du Schwuchtel!“ Mit einem Griff an seine Klöten. Obwohl das alles keinen Sinn macht und er denkt, Opfer einer Verwechselung zu sein. Den fremden Schwanz mitten im Gesicht.

„Wenn du ihn rein steckst, beiße ich ihn dir ab! Willst du das?“
Doch wieder das Grinsen. Zähne, durchs Blut hindurch. Als ob er es echt mögen würde. Denn er macht weiter, als ginge es um die goldene Banane - und er wusste es nicht. Als würde er Gedächtnislücken haben. Backlight am Stock. Dazu miserable Musik, zu spastischem Gezappel. Kiffer in der Ecke, knutschende Gestalten, Gebrüll und Gelaber, kotzt jemand. Ist Disco ohne Tanz, kein Zweifel. Zudem man die kopulierenden Männer nicht auseinander halten kann. Und was ihm gerade noch dazu einfällt, als er sich aufrappelt (the perfekt Blueprinter), es sind alles knapp bekleidete Bodybilder zum mitnehmen und an die Wand hängen ... Die anscheinend Durst auf sein persönliches Gestrulle haben. Als wäre die Nachfrage darauf das Normalste der Welt; doch die fragen nicht. Zucken mit den Schultern, als ob sie Läuse hätten, Schuppen, Selfie am verlängerten Stock. Is it?
„Kacke ey!“

Schon schlimm was Drogen aus Menschen machen; gecastete Fans des Elends, die schlapp ihre Hände gegen einander klapsen. Und kaum an, geht die Kamera wieder off. Kein Lächeln im Gesicht. Null Freundlichkeit im Blick. - Eigentlich ist das auch das Beste. Nur ein Spot, und der Rat: bleiben Sie dran bis zur nächsten Party. Lassen Sie es egal sein wenn der Himmel sich vom Meer trennt, wenn dazwischen ein schlüpferfarbner Streif entsteht, eine fleischige Grotte unter Haaren. - Oder hast du eine bessere Idee jemandem den man nicht kennt aus 5 Metern Abstand ins Knie zu ficken?

Zitat: “Laura scheint zumindest rechtzeitig abgeklopft zu haben, um eine ernsthafte Verletzung zu vermeiden, die Niederlage allein dürfte schon schmerzhaft genug sein. - Pastor: Drum sag ich euch meine Brüder und Schwester. Lebt ohne Sucht und ohne Triebe. Keine Selbstbefriedigung kein Alkohol keine Drogen und vor Allem kein Sex vor der Ehe. Nur dann könnt ihr den heiligen Geist empfangen!“ Zitatende


Bild 55 - Too much of all

18 Und das Weib, das du gesehen hast, ist die große Stadt, die das Reich hat über die Könige auf Erden - Offenbarung 17 (Luther 1912)

Es waren wenige Tropfen Wasser die in ihrem Haar hingen. Sand. Kleine Steine. Ihr brennendes Verlangen zu leben. Die ganze Welt in ihren Augen. Alles nichts für einsame Hunde, - wie ihr Blick. Nichts für Leute mit Händen in den Taschen, die achtlos die Straße runter schlurfen, Fremde in sich selbst. Downtown. Während sie sich räkelt/e, die Lippen spitzt/e und raucht/e. Und er dachte das Solo in der Hosentasche sei geglückt. Wie das Plakat am Straßenrand, auf dem sie für Unterwäsche wirbt. Das lässt ihm letztlich den Sack platzen. Doch auch das ist es nicht. Das Übel von Glück sitzt tiefer. In der Mitte der Erde. Und da will er hin; verstehst du?

7 Und der Engel spricht zu mir: Warum verwunderst du dich? Ich will dir sagen das Geheimnis von dem Weibe und von dem Tier, das sie trägt und hat sieben Häupter und zehn Hörner
– Offenbarung 17 (Luther 1912)

Man könnte glauben Mona hätte Doro absichtlich mit Eddys Karre von der Straße gebügelt. Doch dem ist nicht so, wie sich Tage später rausstellt. Richtig ist zwar, dass Eddy, mit dem wie Chess den Job in seiner Vertretung macht, nicht einverstanden war und ist. Mit Rache an Chess, die damit vollzogen wird das Doro stirbt, will er aber nichts zu tun haben, sagt Rechtsanwalt Meyer in Repräsentation.
– Und das soll nun jemand glauben, Mann! –

Mord, Selbstmord, Unfall. Selbstmord, Mord, Unfall. Unfall. Mord. Selbstmord.

SELBSTMORDMORDUNFALLMORDUNFALLSELBSTMORD!

Die Stadt ist groß. Zu groß. Der Himmel weit. Weiter als alles. Der Herr der Herrlichkeit. Herrlich. Nur er. Ich. Malt ein Kreuz auf die Straße. An den Punkt, wo es geschah. Legt Blumen am Straßenrand ab. Entfacht Geheul und Gewitter. Verdunkelt den Himmel. Lässt Blitze zucken. Lässt es regnen. Schneien. Hageln. Sieht wie eine Feuerwalze sich durch die Straße wälzt. Eine Schlammlawine. Wie Flugzeuge abstürzen. Das! Panzer auffahren. Der Krieg beginnt. Einer, der nie enden wird. Auf – das es Millionen Tote geben wird.

SELBSTMORDMORDUNFALLMORDUNFALLSELBSTMORD!

Liebe beinhaltet eine Menge Dinge außerhalb des Sichtbaren. – Was? Was soll das? Der Herr spürt seinen Körper nicht mehr. Gott spürt seine Seele nicht. Der Teufel spürt. Mordlust. Den Wunsch zu töten, spürt der Herr mein Gott im Teufel. Darum lass ihn. Lass ihn in die böse Stadt gehen. Lass ihn Rache üben, egal an wem. Lass einfach! - Lass ihn das Gewicht seiner Ketten vergessen. Lass ihn los, Eva. Adam. Schlange. Apfel- Paradies. Lass!

So beten wir mit Gewinn zum Himmel, wo der Herr allen Übels hockt. Halleluja. Night and Day. Auf und nieder immer wieder. - Lass ihn! Wenn er den Messwein in einem Zug leert. Das Weihwasser säuft. Ins Taufbecken pisst. In die Beichtbuchte scheißt. Die Kollekte stiehlt. LASS IHN! Denn es ist recht getan. Spricht der Herr – mein Gott aber auch... seufzt der Teufel. In dessen Bart ein goldnes Schamhaar der Großmutter blitzt. Lass doch. Sie. Die brünstige Hure Babylon.

1 Und es kam einer von den sieben Engeln, die die sieben Schalen hatten, redete mit mir und sprach zu mir: Komm, ich will dir zeigen das Urteil der großen Hure, die da an vielen Wassern sitzt; 2 mit welcher gehurt haben die Könige auf Erden; und die da wohnen auf Erden, sind trunken geworden von dem Wein ihrer Hurerei – Offenbarung 17 (Luther 1912)

Früher gab es eine Zeit, ein Leben. Mit dir. Für immer. Für nichts. Ey, was für eine Verschwendung. Wo ist nur die Sekunde, Minute, die Stunde, der Tag, die Woche, der Monat, - wo sind die Jahre mit dir geblieben? Wo ist unsere Liebe hin? Da, dort- hin? Ich weiß nicht wo dieser Ort ist. Wo unser zu Hause steht. Mein Gott, wo bist du? - Nein! Wir werden es nicht wissen. Nie wissen. Keiner weiß es. Ich weiß es nicht. Es wird einsam werden ohne dich... Einzig meine Rache wird mich nähren. Die Gedanken an dich. Dein Gesicht. Liebe - jeden Tag. Blues. Blues- Blues.

15 Und er sprach zu mir: Die Wasser, die du gesehen hast, da die Hure sitzt, sind Völker und Scharen und Heiden und Sprachen - Offenbarung 17 (Luther 1912)


Bild 56 - Der Teufel zahlt alles

Als es soweit ist höre ich den Schweiß in meinen Ohren knistern; eine Show der dritten Art nahe einer Antifanten- Demo, die beinahe meinen Daimler geschrottet haben. - Glockenläuten, wie besoffen. Auch die Sonne scheint mir als Mond - nur in Schwarz, - ein Konglomerat aus dunklem Licht, Sound in Weirdness = "Fuckhead" = so Gothic- Scheiße; als wenn eine Beerdigung einen Vorwand bräuchte.

3 Und er brachte mich im Geist in die Wüste. Und ich sah ein Weib sitzen auf einem scharlachfarbenen Tier, das war voll Namen der Lästerung und hatte sieben Häupter und zehn Hörner. - Offenbarung 17 (Luther 1912)

Die Hure in Purpur gegen Scharlach geimpft. Voll mit Gold, in Muslim-Tradition. In der Möse Steine, die Perlen der Erde für die Säue der Hurerei; totgeschlagen vom Bruder: der nennt es Familienehre. Dazu alle Gräuel der Erde. Trägt sie ihren Namen an die geschredderte Stirn geschrieben. Und ich, besoffen von Blut, soll im Auftrag von Eddy die Ordnung wieder herstellen. Und das ohne Zeugen – natürlich.

„Lass es“, rät mir Zucker – und wundert sich (sehr), weil Mona mir helfen will.
„Gerade die!“

Doch er kennt Mona nicht wie ich... Nicht die Offenbarung 17 (Luther 1912). - Und es war gut so, ist wohlgetan. Mit Mona. Mit jeder Menge Schaum und Blubberblasen im Raum. Die lacht, wenn ich nicht lachen kann. Safe for Work. Mit ihrem tätowiertem C.
„Kommt von Callgirl“ scherzend. Das goldene Haar schütteln; die bronzefarbenen Härchen bis weit in die Tiefe. So ergibt es sich. Mit meinem Kopf. Der nicht will. Der nicht Masse mal Länge mal Höhe ist. Der nichts begreift und nichts richtig macht. Der nichts wollen kann und zu wollen hat, außer Eddy. Dazu die grüne Fee. Mit perfekt verlegten Fliesen und einem Rokoko- Spiegel im Hintergrund. Um dort drunter zu liegen und auszuruhen. Seien es Wochen. Monate. - Als ob ein Jahr vergangen wäre, ist mir. Mit dem Schädel über dem Wannenrand. Als kotzt sich die Welt selber. Oh, wie schön ist Portugal... „wäre das nichts für uns?“ fragt Mona; da ist Doro erst 2 Monate tot und ich könnte ihr darauf eine reinhauen. Lasse es aber, denn anderseits hilft sie mir die N8 zu biegen. Den Stall auszumisten. Ich nenne ihn Eddy; mehr geht momentan nicht.

16 Und die zehn Hörner, die du gesehen hast, und das Tier, die werden die Hure hassen und werden sie einsam machen und bloß und werden ihr Fleisch essen und werden sie mit Feuer verbrennen - Offenbarung 17 (Luther 1912)

31. mai 2017 michaelkoehn