Über Grace
(Erzählung)


- ’Über Grace’, Baby - 

Die Erzählung ’Über Grace’ hat mit einzelnen Schnittpunkten zu tun, - in einem Cut- Up- System von Unordnung und Chaos die sich den Vorstellungen des Einzelnen bedingen. Eventuell also auch deinen. Es sind zudem Irritationen nach dem Muster gefühlter Wahrnehmungsverschiebungen unter den veränderten Lebensbedingungen ohne jegliche Erinnerung, weder rechts noch links, oben oder unten, weil die Zeit in ihre Einzelteile zerbricht. U know? Nicht? Auch gut! Derjenige aber, der sich jemals in der Psychiatrie seine Zeit vertrieben hat weiß, was ich meine. Es geht dabei nämlich nicht um die üblichen Erinnerungsverluste und Ängste und so weiter und so fort, sondern um den Verlust der Vergangenheit in naher Zukunft mit der Folge, dass nur der kurze, nackte Augenblick zwischen Tür und Angel, also das Jetzt, zählt. Allein der Tod selber könnte die Schwärze des Augenblicks aufhalten. Der Rest ist Beiwerk. Wie in fast jedem satt gelebten Leben. Insofern erzählt sich ’Über Grace’ maßlos unformvollendet. Ehrlich: Ich kann echt nichts dafür. Denn Grace, als Muslima, ist die Tochter vom Chef des Clans. Und ihr Vater ist ein von Gewalt geprägtes kriminelles Bild seiner Zeit. Und auch deshalb hat Grace eine schwere Jugend; wird misshandelt und vergewaltigt, um ihren aufmüpfigen Geist zu brechen. Als sie zwangsverheiratet werden soll, flüchte sie und schwört Rache. Sie lernt in der Psychiatrie Jimmi Asperger kennen, einen völlig durchgeknallten Typen, der sich in sie verliebt und ihr hilft, ihre Rache zu vollziehen. Also: auf geht's. Let's dance. Und viel Glück!
Den Anfang der Geschichte gibt es für 99 Pfennige, oder so auch bei amazon, in Mischtechnik Acryl. In Spray. Paintstick auf Leinwand. Montiert auf Keilrahmen. Jahr: 20xx, verso handsigniert, datiert und betitelt. Auflage: Unikat. Zustand: in gutem Zustand. Größe: 100,0 x 80,0 x unendlich in tausend pro Kilometer.


Doppelte Null Linie:

Sie schlug zu. Unvermittelt, wie man so sagt. Und ich fiel nach hinten. Brachte es trotzdem fertig, zu lächeln. Nickte. „Was ist?“ Fragte sie. „Alles okay!“
„Du hast eindeutig großes Potential“, lachte sie.
„Bestimmt.“ Antwortete ich. „Bestimmt!“ Was sollte ich auch sonst sagen. Schon deshalb, weil sie die Trümmer der Gitarre aufsammelte und ich ihr dabei auf den Arsch sehen konnte; so geschehen, kurz nach dem wir gevögelt hatten. Ehrlich? Ich hätte es mir andersherum gewünscht. Doch was sollte das jetzt.
„Du hättest die Socken ausziehen sollen!“ Grinste sie ’irgendwie’ träge. Und genau dieses ’irgendwie’ (träge) ’Träge’ bekam ich nicht mehr aus dem Schädel. Träge. Wie Mucke die man hört, - nicht besonders leiden kann. Die aber hängen bleibt. Ein Ohrwurm. Wie bei mir ihr ’träge’. Was für eine Scheiße aber auch.

„Einen hübschen Arsch hast du!“ Sagte ich. Um mich abzulenken.
„Findest du den hübsch? Ist der nicht zu fett?“
„So Dinger trägt man doch heute, oder?“
„Was fragst du mich!“
Irgendwie nicht mein Tag, dachte ich. Arschkarte. Oder so was ähnliches.
„Eigentlich suche ich nach einer festen Beziehung“, sagte ich „und nicht nach einer irren Tussi, die mir die Gitarre auf dem Kopf zerschlägt!“
„Wohl nicht dein Tag - heute“, grinste sie. Und ich verkniff mir an das ’träge’ zu denken. Es überhaupt an mich ran zu lassen. Ernsthaft. Ich verkniff es mir, bis mir die Eier weh taten.

Ich weiß, wie ich die Wellen brechen kann. Die schärfsten Dinger, Mann. Ich bin eben besser als die. Reite sie kaputt und lass sie links liegen.
Als sie geht, küsst sie mich kräftig auf den Mund. „Damit du mich nicht vergisst!“ Sagt sie. Saugt mir einen Knutschfleck auf den Hals. Dunkelblau. „Damit du mir treu bleibst!“
Die Zeiten ändern sich, denke ich; diese beschissenen Zeiten.


The Days After The Nights:

Ich ziehe mir weißes Zeug über. Plastik. Wie die Typen der Spurensicherung im Krimi. Maske und Gummistiefel. Und spraye ’Grace’ an jede Wand der Stadt. An U-Bahnzüge. Straßenbahnen. In Arschgesichter. Denn wenn ich falle, fällt sie mit. Wäscht sich ab.

Doch eigentlich will ich mit ihr liegen, - wo grün das Gras unter Bäumen wächst. Im Morgenland. Wenn der Film längst gelaufen. Ja, das ist mein Sehnen. Manche nennen mich deswegen einen Anarchisten. So wie du darüber schreibst, - begründen die. Dabei lebe ich auch - so. Doch wem soll ich es sagen? Etwa Grace? Ich glaube, die könnte das nicht ertragen. So wie ich vollgeschissene Kinderwindeln nicht ab kann. Und daran reibt sich unser Tag. Raubt mir die Nacht all meine Träume. Bin ich sternenlos, - wenn ich nicht schlafen kann. Spraye. Um anschließend durch die Kneipen der Gegend zu ziehen.
Nur wenn sie mich dabei mal schnappen, fällt mir mein Versprechen ein. Eins, das ich nicht halten kann. Egal wie oft ich es erneuere. Ich falle dabei jedes Mal komplett auseinander, - Grace in Gedanken, um mich dann wieder zusammen zu setzen. Ey. Was das für eine enorme Kraft kostet - Mann! Ich bin deswegen heilfroh, wenn die Bullen mich so früh wie möglich aus der Zelle lassen; denn ich bin noch nicht fertig. Lasse den Tag kommen. Den Käfig mit Sonne darum herum. Während Grace die Fenster aufreißt, um das Bettzeug auszuschütteln. Klar. Auch das werde ich niemals vergessen. Wie ihr Herz blutete. Die Zeit sich mit ihrem Leben quälte. Die Tage kürzer wurden. Das klappen vom Türschloss lauter. Ja, ich weiß schon, du hast mehr gewollt, Grace - doch ich Idiot hab’s vermasselt.


Wie Seelen sich finden:

Grace wird morgen humpeln. Ein blaues Auge zurückbehalten. Kratzer auf Schulter, Rücken und Po. Und die werden brennen wie Hölle. Doch es wird sie nicht stören. Sie hat keine Panik. Sie nimmt es als Leben. Als Liebe. Sie braucht es. Sex. Und ich gebe den ihr. Satt. Mit der Buchstütze. Der Schuhbürste. Dem Handtuchständer. Mit der Thermoskanne. Dem Regenschirm und dem Golfschläger. Sie will es. So. Genau so!

„Lass uns einen Dildo nehmen“, rate ich. „Den langen mit den leuchtenden Noppen.“
„Nichts da!“ Unterbricht sie mich; befiehlt. „Mach schon! Schlag zu!“

Es muss einen Grund haben, denke ich. Einen Grund auf dem Grund. Einen Schatz. Einen Klumpen Gold. Ein Monster. Oder so. Nur finden, muss man den. Aber wie? Denn Grace sagt nichts. Sie fordert. „MACH!“ So einfach. Und bestimmt. Und ich mache. Ich kann nichts anders. Ich liebe. Sie. Grace!

„Heut Abend die Nummer mit dem Kabel!“ Ruft sie im Gehen.
Ich drehe mich um.
„Im Ernst?“
„Und besorg bitte noch bunte Ballons. Die lassen wir fliegen!“

Auch das ein Zeichen an mich: Sie will es blutig. Verliebt- Verlobt- Verheiratet, nennt sie das Spiel. Bei dem ich eine Maske trage. Tragen muss. Sie wünscht sich die aus Straußenleder. Ich weiß es. Sie hat mir das Teil neulich zum Geburtstag geschenkt.

„Passt zum Skorpion!“ Sagt sie. Und freut sich darüber.
Ich nicht. Denn ich sehe damit wie eine Ameise aus. Eine von den furchtbaren Dingern, die mit ihren dauernden Knister- Messer- Mäulern Blätter zerschneiden. Kanus bauen, um Flüsse zu überqueren. In Mittelamerika - oder so. Deren grässliche Geräusche mir den Tinnitus vorantreiben.

„Stress“, meint der Arzt. Ich weiß es besser. Schiebe mir deswegen bis zum Mageninfarkt Gingo ein. Hilft aber nicht. Auch wenn ich es mit Schokoladencouvertüre mische. Ich bekomme nichts außer Durchfall. Und habe dazu noch diesen fürchterlichen Geschmack von Klostein im Mund.

„Iß auf, es ist nicht vergiftet!“ Höre ich Mutter - als ich würge.
„Kinderkram, Mutter!“ Sage ich. „Halt dich da bitte raus!“
„Immerhin hast du BITTE gesagt. Das habe ich zu meinen Lebzeiten nie von dir gehört!“

Ich gehe auf die Knie. Höre ein Saxophon. Und wie der Hall vom Schuss mir die Ohren ausputzt. Diese alten Geschichten. Wenn man den Tod vor Augen hat. Um dann doch weiter zu spielen. Wo die Nacht wie aus dem Nichts über einen herfällt. Das Herz wild und wilder schlägt. Und man so schnell vor dem Grauen davonläuft, dass Funken sprühen. Doch dann kommt die tröstliche Erinnerung nur eine Wassermelone überfahren zu haben. Damals. Und weit vor Grace. Doch irgendwie... Ach, ich weiß auch nicht, - passt schon alles.

„Hast du es dabei?“ Fragt sie.
Und, was denken Sie. Frage ich zurück. Habe ich?
„Ich als Frau - oder du?“
„Du!“ Bestimmt Grace.
Also gut.


Es ist nicht alles schlecht, nur weil Weihnachten vor der Tür steht:

Ich weiß ja, dass von (der) Liebe kein Nutzen erwartet werden darf, - denn Liebe ist Selbstzweck. So wie Grace mir. Nur ob ich ihr Selbstzweck bin steht in Frage, denn ich finde mich in ihrer Absicht Sex mit mir zu praktizieren benutzt. Nicht mehr, oder weniger.

’’Wenn Sie mit jedem Schuss die Scheibe treffen, sind Sie nichts anderes als ein Kunstschütze, der sich sehen lassen kann...’’ Buddha (sinngemäß).

So sehe ich mich in Grace. Hoffe aber auf Änderung. Und bleibe dabei meinen eigenen Sound zu suchen - und zu finden. Von wegen, den Zweck herbeizusehnen a la fette Beute: Gefühle zeigen. Andere sinnieren über den Klimawandel. Oder wann die ersten Aliens landen. Und wo. Ob hellblauer Beton sexy sei. Und Kim Kardashians Hintern. Oder ob ein solch gewaltiger Arsch ein Monstrum sei der auf den Mond (geschossen) gehöre. Wobei die Gefahr einer Überschwemmung steigt.

Es ist eisfrei im Raum. Wir fliegen mit mäßigem Tempo, trotzdem steht uns der Atem wie eine Wolke vor dem Gesicht.
Ich kreise und schwanke - stürze fast. Ziehe mir die Jacke über dem Herzen zusammen. Grace. Die sich mit discoweißen Lippen, Bananen am Busen in das goldene Strobelight dreht. Drum. Bass. Ambiente. Und Kirk aus Panama. Als DJ.
„Sehr angesagt, der Laden!“ Sagt Grace.
Und ich nicke. Während sich in den Burgundersamtnischen irgendwelche Direktoren in Mad- Max- Outfits Polygrame teilen. Es wummert und wabert überall unkontrolliert. Wilde Muster ziehen Linien über Handrücken wie bestellt. In Endlosschleife läuft ein Garp Werbespot.
„Wie im Film,“ lacht Grace.
Und ich nicke. Sehe in der Spiegelwand gegenüber Bal.
„Hast du Bal bemerkt?“
„Nein. Wer ist das?“
„Der Regisseur!“ Sage ich.
„Und was macht der?“
„Ohne den läuft hier nichts!“
„So - so.“
„Oder, wie Ellis schreibt, es dauert vom ersten Takt bis zu letzten Beckenschlag 12 Minuten und 38 Sekunden!“
„Bei was?“
„Beim Bolero!“
„Cool!“ Sagt sie. Steht auf und schnippt die Zigarette weg.
Das war gestern, Freunde. Und ich frage mich was heute wird. Oder Weihnachten 2015. Und mit Grace und mir.


Jeder Mensch hat einen Arsch, nur Idioten haben 2:

„Wann wollen wir los?“ Fragt sie.
Mir fällt in dem Moment Brecht ein, weil der meint man sollte besser eine Bank gründen und keine überfallen.
Als wir uns vor dem reingehen umarmen flüstert sie mir ins Ohr das alles gut werden wird.
„Wir sind nicht unfehlbar, Grace!“
„Ich schon!“ Sagt sie. Und küsst mich still.

’Du schaust mir in die Augen
Liest in meinem Blick
Jetzt gibt es kein zurück’

Als wir drin sind, ist der Laden bis auf das Personal leer. Einzig der Wind pfeift durch ein angelehntes Fenster. Ich greife in die Jacke und hole die Kanone raus. Halte die vor der Kamera verdeckt, so dass nur der Kassiere die sieht.
„Meine Güte“, sagt der bei einem Blick in mein Gesicht, „Sie sehen aus wie Roberto Bianko!“
„Und das ist meine Frau!“ Ich deute auf Grace, - die den Bankdirektor durch die Halle zum Tresorraum hetzt.
„Wie bei Bonni und Clyde!“
„Sie füllen jetzt den Beutel – und halten ansonsten das Maul, Mister!“

Am nächsten Tag checke ich die Zeitungen. Nichts. Im TV. Nichts. Als wären wir nie in der Bank gewesen. Einzig die Welt ist ein Chaos, lese ich.

Mir hat mal jemand gesagt, dass ich wie Garfield aussehen würde. Der Lärm anschließend war so extrem, dass ich seine Entschuldigung nicht verstanden habe. Nun, es kann sehr wohl an den hohen Räumen gelegen haben. Da bricht sich der Hall eminent. Zum Beispiel, wenn irgendein Idiot erst in die Decke und dann mir ins Bein schießt. Und so geschah es.

Auf dem Polizeirevier stellte sich heraus, dass der tätowierte Bulle mit Glatze geschossen hatte, der mir schon zuvor aufgefallen war, als er die Klofrau wegen ein paar herumliegender Joints bedrohte. Tage später kam ich über meinen Anwalt an seine Anschrift und machte seiner Frau – der Bulle war leider nicht da - einen intimen Hausbesuch.

Mal ehrlich, ich mag Frauen. Und die besonders. Sie hatte was. Was Asiatinnen eben so haben. Und war auch sonst eine besonders hübsche. Fast wie C. Schwarze Haare. Reisdünn ihr Körper. Eng im Schritt - hoffte ich. Gut. Das macht es dann nicht unbedingt leichter. Doch ich bin für solche Fälle gerüstet. Habe Mia, so ist der Name der Lady, an einen Stuhl fixiert. Bin raus zur Karre, um das Gleitöl aus dem Handschuhfach zu holen. Und genau dabei fiel mir die von Simmel geschilderte chinesische Schlittenfahrt ein. Dazu mein Glück, das Mia perfekt deutsch sprach und Simmel las. 3 Mal habe ich es krachen lasen - und es endet erst damit, dass der Glatzkopf schnaufend in der Tür stand.

I Belong To U, Baby. Summte ich Sekunden später. Und beobachtet, wie Mia dem nackten Bullen das Blut aus dem Gesicht wischte, geschickt eine Transfusionspumpe schaltete, um den nötigen Blutaustausch zwischen ihnen zu gewährleisten. Und sie auf meine diesbezügliche Frage: Ja, ich bin Krankenschwester hauchte. Schade, dass ihr keinen Hund im Haus habt, wollte ich als Tippgeber für alle Fälle brillieren. Doch nichts. Na dann: Wenn du ihm jetzt noch einen tutest, Mia, scheiden wir als Freunde; - ist nur ein Vorschlag, ey. Ich steckte dem Bullen die TV- Fernbedienung in den Hintern, sie tutete, er rollte seine Augen in den Kopf zurück - und keine zehn Minuten später rauschte ich zufrieden einem verdienten Feierabendbier entgegen.

Während der Zeit allerdings, die ein gutes Bier brauchte, tunkte ich meine Finger in handwarmes Lanolinbad. Gut. Sonst lasse ich danach meine Nägel mit Plierlotion bearbeiten. Heute stand mir wegen der Gedanken an C nicht der Sinn danach. I belong to you, you belong to me. Forever!

Das wird alles schon wieder, tröstete Eva. Die ich 24 Stunden später auf eine Annonce in einer Pornozeitschrift kennen lernte. Und ich war nahe daran, ihr unbedingt recht zu geben. Doch wie das Schicksal so spielt, es kam wieder mal ganz anders.

Nicht dass jetzt jemand auf dumme Gedanken kommt, - denn das geschah alles weit vor Grace. Ich erzähle es lediglich, weil ich beim Geldzählen Zeit habe.

„Na? - Wie viel ist es?“
„Satt. Meine Süße!“ Sage ich. Und mehr will Grace nicht wissen.


Chaos über fallende Zeiten:

Wenn es still wird in der Seele, lese ich die Angst aus meiner Wand. Schon beschissen, diese Zeit. Schwarz wie die Nacht. Mein Vaterland. Doch auch ich bin schon ein Killer. Hetze Jäger. Töte Hasen. Fresse für mein Leben. Gerne. Dich. Grace. Du Aas. Aus deiner Welt. Kann es gar nicht anders sagen. Wie. Und was. Dem Feind. Gefällt. Lebensbild mir sage. Klage, was du mir bist. Was ich mag. Und nicht. Wie dein ewig leerer Magen. Esse Stunden nach dem Chrash. Dich. Zur Strafe. Grace. Während ich als Geisterfahrer (noch) tief in dir stecke. Fett. Neurotisch. Lebensmüde. Schwitze. Spritze. Mich bejahend. - Mich! Den bitter- lustig ... Treibe ich dich vor mir her. Verkorkstes Dasein. Bist mir was schuldig. Lebenstraum. Wassermühle. Apfelbaum. Auf. Des Müllers Lust. Der Flaum. Und. Da werde ich gerne auch mal kindisch. ’Hundert Jahre’. Einsamkeit. Same ich dir Samen ein. Rektal. Durchs Bein. So. Oder. Grade wie ich will. Muss es sein. Kann. Und es bleibt dabei. Ja- gut. Man kann es anders auch benennen. Für dich ist es allerdings überhaupt kein Grund mit Gebrüll mir wegzurennen. Denn leichtfüßig - wie der Tod - bin ich. Macher. Mache dein. Dass du du bist. Leben. Wachs. In meinen Händen. Gut. Ich bin der Einzige. Mit irrer Wut. Doch DU. Nenne mir den Ort. Mit Grace. Oder geh. Du Huhn. Trägst keinen Arsch in deiner Hose. Zum Trompete spielen. Erste Geige. Nein. So nicht. Mein Freund. Auch wenn du abgestürzt. Vom Wochenende. Dicker Kopf. Soweit es geht. Gehirn. Erschütterung. Schockraum. Not- OP. Der Druckentlastung wegen. Offen. Auf Intensivstation. Die Tage satt im Horrortrip. Weil. Du. Ignoriert und lästig. Dauerkoma. Störst den Pflegeplan. Wie das schwere Herz. Ein Implantat. Aus Erz. Leidend. Fängt die Tagen hüpfend an. Zaghaft. Kommt dann wieder. Stark. Weil das Leben nach dir schreit: Cannonball. Man glaubt es kaum. Pflaumenbaum. Aus der Traum. Forscher züchten Minimägen. Nachtigallen. Widerhallen. Spaßgevögel. Hörst du mich. Ich. Als blaue Seite. Still.
Wenn ich fliegen könnte wäre ich längst anderswo. Läge längst tot mit Grace am Wegesrand. Weg. Ende. Wie die liederliche Zeit mit ihr. Grace. Die ich meine große Liebe nenne.


Mords- Walzer mit Grace:

„Das Geld sollte doch wohl reichen?“
„Fürs erste schon!“
„Falls nicht, müssen wir eben noch mal ran!“
„Wie viele sind es denn?“
„Du wirst schon sehen.“
Zwei Tage später hatten wir den Wohnwagen, ein wirklich luxuriöses Teil - und fuhren der Sonne entgegen.

„Wann und wo liefert Max die Waffen?“
„Ich rufe ihn heute Punkt 5 an!“
„Und dann?“
„Weiß ich den Treffpunkt.“
„Was liefert er?“
„Zwei Pistolen. Einen Revolver. Eine Pumgun. Alle aus dem Fundus der NSU!“
„Der Mann ist Polizist?“
„Dicht daneben: Staatsanwalt.“ Dabei lacht sie. Und ich stehe voll auf dem Schlauch
„Alle Achtung, du kennst Leute.“
„Max - heißt mein Vater.“

Auch hier ist Ich ein anderer. Versuche ich die Dramatik nach Schmerz zu verstehen. Die Rachegelüste von Grace. Komme mir armselig vor. Warum auch immer.
Klar, es gibt gute Gedanken, und es gibt schädliche Gedanken. Leider weiß ich nicht, welche ich denke. Auf jeden Fall fehlen in meiner Patientenakte Seiten. Weißt du, wo die geblieben sein könnten? Frage ich mein Ich. Doch nichts.

„Hast du was gesagt?“ Fragt Grace. Die den Chrysler fährt, Musik hört, im Takt mit dem Kopf wackelt und Zigarillo raucht.
„Nein. – Nichts!“ Während ich fliege. An Brudermord mit Trauerflor denke. An unsere Gespräche im Frühjahr über den Geruch von Wasser, den der Bäume, der Wiesen und Hügel. Das Bäche, Seen, Bäume, Wiesen und Hügel sprechen können. Der Himmel. Die Sonne. Die Wolken. Die ganze Welt. Das Glück einen Namen hat: Grace! Die sich gerade eine Träne aus dem Gesicht wischt, ehe die über ihre Wange laufen kann wie die Nacht über den Tag. Ach, ich weiß, ich werde mit ihr atmen, falls ihr der Sauerstoff versiegt. Ihr von meinem Blut geben, sollte sie keins mehr haben. Von meinem Schlaf. Sollte sie nicht schlafen können. Von meinem Leben. Und ich werde für sie diese crazy Scheißer töten. Also glaube es. Denn Leben und Tod ist Farbe an sich. Ist die Stimme im Kopf. Oder lass es einfach, schlafe; es wäre vielleicht besser so.

Ein endloser Fluss ist menschlich Leid. Ein tiefes Meer der Tod. Ein dunkles Blau. Am Grün vorbei. Das Rot. So werde ich für Grace zum Helden; halte eine Winchester 1300 Pumpgun mit Repetiergriff aus Buchenholz im Arm.

„Wir sind bald da“, sagt Grace.
„Ich bin bereit!“ Zeige ich Zuversicht, Kraft, - hoffe ich.

Der Vorwurf lautet auf sexuellen Missbrauch, Förderung der Prostitution, Drogenhandel und Förderung sexueller Handlungen von Minderjährigen in 117 Fällen. Einer der Fälle ist Grace. Sagt sie.

„Es ist Zeit für Sühne“, sage ich dem Typen.
„Du kannst mich am Arsch lecken!“
„Wenn du dich hinkniest.“
„Machs dir selber!“
„Unmöglich, Mann.“

Es regnet Blitz und Feuer. Dann ist sein Akku leer. Der Kontakt weg. Klafft die Orange - weit geöffnet. Krümmt sich der Typ in letzten Zuckungen; bleibt ihm das Comeback versagt.

Ich schließe den Imbiss ab und gehe. Behalte den Schlüssel für den Laden. Warum, weiß ich nicht. Nur: Mit der Zeit wird es mir zur Marotte. Wie die Vergangenheit, die in der Gegenwart keine Zukunft findet.

„War der Typ Türke?“
„Kurde! – Nein, keins von beiden - ist ein politischer Witz.“
„Du lachst aber gar nicht.“
„Manchmal ist das eben so.“
„Und wie viele werden es noch?“
„Reichlich. - Doch jetzt fahren wir erst mal ans Meer!“
Ich liebe Grace. Und wie!


In Grace begründet Schmerz sein Urheberrecht. Ich kann es sehen, spüren, wenn wir intim sind:

Raus aus dem Phlegma. Ran ans Eingemachte. Hieß es in der Therapie. Da war sie noch (so) naiv. Dabei ist Schmerz eine Erkrankung. Ein selbstständiges Ding. Und nicht nur ein Symptom. Trotzdem hatte sie gehofft danach aus dem Gröbsten raus zu sein. Irrtum. Leider. Zudem sie die Drogen weiter brauchte. Lebenswichtig wurden die ihr. Um nicht in irrer Wut zu verglühen. Sich im Gedächtnis zu verlieren. In Hyperaktivität. Im Schweigen. In gelähmtem Entsetzen. Hirn ohne Seele. Seele ohne Hirn. Im Chaos der Luft, die sie tag- täglich umgab. Von der sie nie genug bekommen konnte. In die sie Blut erbrach. Schmerzen. Schreie. Von außen und innen. Nach Innen und Außen. Die mal dort saßen - und dann wieder da. Die nicht entflohen, wenn sie die mit einem Messer umbrachte. Sondern sich teilten. Zeugten. Auf Wanderschaft gingen. Kopf. Hals. Brust und. Lunge. Das Nervengeflecht um den Magen. Als Echo durch den Bauchraum in alles Gewebe unterhalb und oberhalb der Gürtellinie. So dass ihr Arme und Beine versagten. Deswegen schoss sie am Tag einige Male nach. Brauchte viel Geld dafür. Immer mehr. Machte aus ihrem Hobby einen Beruf: Hure! In besseren Kreisen. Heirat nicht gänzlich ausgeschlossen. Und so weiter. Hauptsache, es würde helfen, Kohle anzuschaffen. Besser als Schmerzen. Schwitzen. Haare ausreißen. Blutig schneiden. Mit den Zähnen zu knirschen. Oder. Krieg im eigenen Körper. Der nicht zu gewinnen war. Niemals. Sie hatte also keine andere Wahl. Es sei, sie würde es weiterhin zulassen zu sehen, wie sie sich auflöste. Erst die Klamotten. Dann sie sich selber. Nackt. Zerstört. Ein verbrauchtes, faulendes Gewebe. Pest und Cholera. Macht und Machmissbrauch am eigenen Körper. Herrenabend - for ever and ever. Das hieße, sich lebenslang die Ängste und Albträume durch die erigierten Schwänze irgendwelcher geiler Geldsäcke auszutreiben. Und das mit angehaltenem Atem. Ohne Luft zu holen. Unter Sauerstoffentzug an deren Dingern zu nuckeln. (Einfach so) zu ersticken über die Zeit. Eine grauenhafte Vorstellung. Crazy. Irre. Dann lieber tot. Tod. Bringen. Stolz entwickeln. Sich erlösen. Der Rache wegen. Go on, Baby!


Wenn Schluss, dann richtig:

Zu lieben. Um Grenzen zu überschreiten. Neues zu erkunden. Tiefe zu erfahren. Deswegen.
Völlig lächerlich, sagen andere: von wegen Liebe ist Hass! Dabei ist Hass bei mir auch positiv besetzt, folgt strengen Regeln. Ordnet sich dem Sein unter; oder ist gar die Liebe selbst. Maler zeigen ja auch ungewöhnliche Blickwinkel davon. Machen sich den Hass gefügig. Lebende Nackte und Tote. Und die Dinge ansonsten. Die Pflanzen und Tiere. Himmel und Sterne. All die Zwischenfarben Existenz.

„Wenn du daran festhältst, wird es eine Zeit voller Glück!“ Sagt Grace. Die, als sie das sagt, jünger wirkt. Blonder, im guten Sinn. Und so wahnsinnig sexy in flüssiger Süße.
Jahre später wird es ihre Sterbensszene sein. Und genauso unerträglich. Für mich. Weil ich nicht kann, was ich will. Frieden und Leidenschaft. Nicht Herz und Schmerz gepaart mit Krieg, Mord und Totschlag. Doch jetzt bestimmt sie, sagt sie. Grace! Meine Liebe. Und ich kippe den Alltag. Bin nichts weiter als ihre Kulisse. Der Rahmen vom Bild. Ihre ausführende Hand. Die Ratte in der Masse. Um unter Tränen zu lachen, wenn ich im Affenkostüm Liebe atme, - wenn ich schieße und töte. Und sie in die Hände klatscht wie ein kleines Kind an Weihnachten. Ach, es sind diese kurzen Momente. Ich sterbe dafür! Und bete, das die bleiben. Immer sind. Wie Grace. Wir. Eine einzige Party. Doch was wusste ich da schon? Nichts! Doch das nur mal so, - mit einem Gruß aus Deauville. Dem Königreich der Eleganz. Wir werden übrigens morgen früh dort die Bank machen. Die BNP Paribas, - 108, Rue Victor Hugo, Deauville. Und ich bin (darüber) schon mittelmäßig erregt. Also, Freunde Frankreichs - darauf schon mal einen 30jährigen Calvados Roger Groult Age d’Or, - der haut dir ordentlich Funk in den Hintern.


Bei Einbruch der Dunkelheit gibt die schwarze Spalte die Spielregeln vor:

Ich gehe alleine rein. Nehme das Sterben mit. Denn am Eingang zur Halle steht ein Wachmann. Bewaffnet, wie ich sehe. So ist alles in Time. Der Blues. Und der Rock’n Roll. Das Unvermeidliche. Wie das Leben nun mal ist; alternativlos der Tod. Doch die Handlung gibt mir das Zeitgefühl zurück, als ich zuschlage, ihm ohne Konsequenz die Waffe wegnehme.

„Auf den Bauch, Boy! – Hände hinter den Kopf!“ Und er auf dem Bauch liegt. Die Hände hinter dem Kopf. Wie auch die fünf anderen Piloten Sekunden später. Die damit mein Schwitzen unter dem Affenkostüm stoppen. Weil es so glatt geht. Zu glatt. Baby blue. - ’Wichtig nehmen all das Sterben...’ frei nach Nietzsche. Und ich nehme. Den Rucksack mit dem Geld aus der Hand des Bankdirektors. Und das ohne Geschrei. Weinen und Flehen. Ohne einen Schuss. Den obligatorischen Kracher in die Decke, dass der Putz rauscht, wie in Mimis Krimis. Die nachts ohne Mann nicht schlafen kann. Wie gut ich sie verstehen kann, als Frau. Ich hätte die Chance auch genutzt. Alles wird gut! Der Kampf um Anerkennung und Glück. Es braucht nur Zeit, - wie man an mir sieht. Dabei lasse ich den Film nicht oft zurückspulen. Von wegen Vater, Mutter, Kinder, Geschwister. Das Haus, den Pool, das Auto, mein erstes Fahrrad. Frau und Nachwuchs. Alles versäumt. Anders gesagt: Das Sterben beginnt mit dem Anfang und dauert, sollte man es nicht selber in die Hand nehmen. Organspender werden. Somit: Verschiebung der Deadline. Well done. Somit kommt man – also ich – zur fatalistischen Grundhaltung. Augen auf und weg- geschaut. Und so kommt es dann auch, dass ich einen Querschnittgelähmte zurücklasse, wie ich nächsten Tag in der Presse lese. Weil der Typ ’ehrlicher Wachmann’ für seine paar Kröten dann doch unbedingt den Job machen will. Für dem ihn der Bankdirektor mit Dank Narzissen und eine Bonboniere ans Krankenbett schickt. Um anschließend im Hotel an der Ecke die Sekretärin zu vögeln. Ich dem Wachkomapatienten 50.000 Euro in einem Pizzakarton bringen lasse. Immerhin: Wir beide hätten für die mageren Kohle den Rest des Lebens tot seine können! So blöd der Typ. Abgefuckt sein Chef. Doch auch das ist nur Hintergrundrauschen und verläuft sich mit den Tagen, weil man das Sterben so oder so nicht aufhalten kann. Das Glück schon. Sollte man ihm deswegen einen Vorwurf machen? Oder mir? Ich nicht! Und Grace auch nicht! Zumal der Tod am Ende kommt, wie Musil sagt. Und da sind wir heute noch nicht.
„Mein Million Dollar Baby Boy“, singt Grace happy. Und das ist schon was. Denn ich weiß, wie es ist alleine zu sein. Weit weg von Wärme und Hoffnung. Nur mit dem Krebs zu sprechen, der irgendwann kommt. Oder glaubst du nicht daran. Glaubst alt werden zu können, ohne jemals dem Tod zu begegnen? Echt, Alter, dann bist du ein begnadeter Idiot. Und mit solchen Typen besohle ich mir die Schuhe, - sonst nichts weiter. Yes, this is the real Blues. Have good day, everybody.


Sixty Seconds To What?:

Vor dem Wohnwagen liegt das Meer als Wiese vor uns. Fläzen wir in Liegestühlen, rauchen Gras und grinsen den Mond an, obwohl die Sonne scheint. Was wir tun, ist höhere Gewalt. So flach die auch scheint. Grace meint, es habe was mit Arroganz zu tun. „Die von wem?“ Frage ich.
„Immer die der anderen!“ Sagt sie.
„Ich glaube, es ist Schmerz.“
„Wenn ja, dann ist das aber nur deiner“, sagt sie, „ich spüre keine Schmerzen.“
Ab da sage ich zum Thema nichts mehr, denn ich lebe nur für sie. Habe mein eigenes Wollen längst gelöscht. Die kleinen Zettel aus meinem Gedächtnis geräumt, - und verbrannt. Die Briefe, Datumstafeln. Geburtstage, Telefonnummern, Anschriften und so. All das unnötige Zeug. So bin ich nackt, wie am Beginn der Zeit. Gut, am Anfang hat es mich schon verstört, wie ich mich Grace ausgeliefert habe. Dabei bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob sie das eigentlich weiß? Ob es wahr ist. Öffentlich? Oder ob es nur in mir drin passiert als eine Art innere Ohnmacht, die eventuell wieder vergeht. Ein Koma im Wachzustand als geistiger Ruhepol, der die Gewalt, die ich ausübe, für die Psyche erträglich macht. Vielleicht späterhin auch ungeschehen... Quatsch! Das gibt es nicht mal im Film. Im Schlaf, der die Träume löscht. Doch Grace ist Realität. Wie ich. Wie der Wohnwagen, die Waffen und der Haufen Geld.
„Mehr Geld brauchen wir im Moment nicht“, sagt Grace, als hätte sie meine Gedanken gelesen. Die darin so sanft und verletzlich scheint. Von der ich aber nicht mal ihr wahres Alter kenne. Und sowieso; küsst sie mich auf den Mund, bis ich den Atem verliere. „Denk nicht so viel nach!“ Flüstert. „Lebe!“ Und sie so romantisch ist, dass mich ein Schauer Wohlbehagen ergreift, der mir in Wellen über den Körper jagt. Diese drei, vier Sekunden – da ich mir in ihre Küsse hinein eigene Gedanken zumute. Und in das Denken und Erzählen schlafen wir miteinander. Sie oben. Ich unten. All die Zeit. Damit ich sehe, wie das Glück an den Bildrändern hinter ihrem langen Haar wallt. Frau. Mann. Liebe. „Du und Ich!“ Sagt sie. „Moon River!“


The whispers in the morning:

„Mag sein, dass manche Huren ein glückliches Loch haben, ich hatte keins!“ Höre ich Grace mit Mona am Handy. Da sind wir auf der A 1 und fahren nach Berlin, einen Auftrag abarbeiten.
„Ich träume immer noch meiner verkorksten Jugend nach...“, sagt sie. Und weint, nachdem Mona was trauriges von sich gesagt hat. Vermute ich.
„Ich habe alle meine Grundsätze über den Haufen geworfen.“
...
„Nein. Es hat sich nicht gelohnt!“
...
Während Grace spricht, fahre ich das Band, die Bahn, die Straße, döse, höre Radio – wo jemand zwischen den Songs über die größte Muschel der Welt referiert. Über Stillleben mit Fisch. Und ich in Grace bin, die Muschel öffne. In ihren rosafarbenen Spalt tauche. Knallrot in Präsenz mein Schwanz. Den ich brutal einführe. Grob zustoße. Um sie zu quälen. Zu irritieren. Demütig zu machen. Doch damit dem Sonnenuntergang ausgeliefert bin. Dem Tod unserer Beziehung; - wenn sie meine Gedanken wüsste, als ich sie sagen höre: „Nein, der ist ganz anders!“ Und mir die Hand aufs Knie legt. Mich streichelt. Zurückzuckt, als sie meine Erektion spürt. Ich vorgebe, pinkeln zu müssen. „Na dann halt doch einfach mal an!“
„Ja. - Mache ich!“ Und ich in den Wald sprinte. Von wegen Violine und Orchester. Als sie plötzlich neben mir steht. Sich entblößt - hinhockt - und den ’kleinen’ Unterschied betrachtet. „Du hast einen schönen Schwanz! - Wäre ich Mann, würde ich auch so einen haben wollen!“ Und ich weiß, sie spielt ein surrealistisches Stück. Durchdringt die Innen- und Außenräume. Übertreibt, um Spaß zu haben. Um ’meine’ Träume zu nähren. Sie Robinson. Ich Freitag. Bindeglied im Elend von Übermut und Traurigkeit. Wie über Freier lästernde Huren am Strich. Nutten. Wir beide. Staatsanwalt, Richter, Verteidiger, Angeklagte, - Urteil. Und wir als Vollstrecker die Moral von der Geschichte. Wie jetzt, im Wald, als sie sich in mich verbeißt. Stöhnt. Schreit. Dann kommt. Und geht. „Mach schon, wir müssen weiter!“ Doch ich mich als novembergrau lieber ins Bett verkriechen möchte, weil Liebe Arbeit macht. Und Arbeit müde. Mich. Der im geschützten Raum der Liebe alte Fehler loslassen möchte - um neue zu machen. Dauer: 2 Stunden - ohne Pause. Bis Berlin. Quakt das Navi. Während ich "I am ready to learn - About the power of love" von Celine Dion höre. "Somewhere I've never been - Sometimes I am frightened." Echt jetzt: Im November war ich schon immer scheiße drauf.


The Fifth Element: Voll drauf, tief drin und:

„Kill Roy“, sagt sie, „ist der nächste.“
„Wer ist der Typ?“
„Ein früherer Nachbar, - und ehemaliger Richter!“
„Pädophil?“
„Genau.“
„Verurteilt?“
„Nur von mir.“
„Das reicht locker. - Soll ich dir seine Eier mitbringen?“
„Lass die Dinger seiner Frau.“
„Die lebt noch bei ihm?“
„Eine gestrige Grüne, - die redet, redet ohne zu handeln.“
„Typisch.“
„Nicht ganz. Sie hat wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Knast gesessen.“
„Und darüber den Richter kennen gelernt?“
„Der damals Beisitzer im Verfahren gegen sie war.“
„Und dann?“
„Im Knast hat sie sich vom Terrorismus losgesagt, ein Buch geschrieben und den Richter geheiratet.“
„Obwohl sie von dessen Neigungen wusste?“
„Gerade deshalb!“
„Ah – verstehe... Sie hat ihn erpresst.“
„Genau!“
„Dann könnte ich sie doch beide... Oder was meinst du?“
„Belasse es bitte beim Richter!“
„Okay!“

Und dann braucht sie wieder die Spritze. Und ich bin sicher, es ist meine Schuld, weil ich wieder davon angefangen habe. Und sie keine Wahl hat.

„Ist wie Tiefseefischen“, sagt sie, „wenn man das Netz endlos über Grund zieht geht viel kaputt. Und das summiert sich. Ist eines Tages nicht mehr auszuhalten; ist wie ein Messer im Kopf! Doch das merkt keiner, - weil ich nicht schreie. Weil Bilder nicht schreien können und in der Tiefe der Meere alles ruhig bleibt. Einzig die Oberfläche kann wüten. Und da bin ich jetzt, - dank dir!“
„Schießen wir also nach“, sage ich und versuche ein Lächeln.
„Du bist süß“, lächelt sie unter Tränen zurück.

Und ich habe erneut die Zeit ein- und ausgeatmet. Die Vergangenheit. Die Wahrheit und ihr Gegenteil. Die abgestandene alte Luft durch das Öffnen des Fensters gequirlt. Den Raum mit Sauerstoff geflutet. Den Vorgang wiederholt. Ad infinitum. Doch es bleibt der Gestank nach Krieg. Dieses: Im Westen nichts neues. Wobei ich der Westen bin. Schindlers Liste. ’Apocalypse Now’. Als Flatscreen. Auf dem ich mich sehe. Mich. Den Darsteller des Trivialen, der die Pumgun durchlädt, - dem schon dabei ein Schauer über die Haut läuft. Das Glück als Windstoß durchs Haar, der wie ein Gruß von Grace durch das offene Fenster weht als ich, der Sieger, über dem Besiegten stehe. Über Richter Kill Roy. Dessen Sterben sekundenlang als Fleck auf meinem Auge bleibt. Und das es später nie mehr so sein wird, weil sich alles zur Routine entwickelt. Leben und Tod als Darstellung von Krieg in den Medien. In Filmen, Serien, Computerspielen, in der Malerei und schließlich auch in der Literatur, wenn du weißt, was ich meine. Nicht nur deshalb lüfte ich den Wohnwagen. Nein. Ich brauche Sauerstoff, ehe sie mich fragt was der Tod mir bedeutet, - wie wir mit warmer Haut auf dem Bett liegen. Ich in ihr. Und sie in mir. Erst noch ernst. Später lachend. Und über uns die Fahne mit Trompetenhall und Trommelwirbel. Immer schneller. Rasend dann. Während die Luft schon wieder stickig wird und wir wie irre zu schwitzen anfangen.


Es schäumt der Tag dem Tod die Nacht:

Kein Mensch spielt mit Kindern sein eigenes Spiel. Wir werden es verhindern so lange wir können. Und wir sind viel.
Deine Augen mögen blau sein. Wir machen sie blauer.
Deine Geige spielt auf. Wir werden sie zertreten. Wir liegen auf der Lauer.
Wir schaufeln dir kein Grab. Du bist es nicht wert. Wir schneiden dir was ab. Es tut auch richtig weh.
Dein krauses Haar. Und deine perversen Gedanken. Die schlagen wir in Stein. Wir werden darum tanzen.
Wir trinken das Blut der schwarzen Tage. Töten unsere Feinde. Lieben unsere Freunde. Sie werden es uns danken.
Wir denken an Celan. An die schwarze Milch der Frühe; an den Meister der Nacht.


Ich, Nazi - It’s My Life – mein Lied:

Was ihr tut, ist nicht meins. Schon überhaupt nicht dort, wo ich lebe. Ob ihr nun Derrida und Foucault lest oder... Nein! ’Der Islam’ ist für mich nicht vielfältig und der besitzt auch keine lange Tradition der Toleranz. ’Der Islam’ ist für mich eine Sekte und als solche eine Tötungsmaschine andersdenkender.

Mein Kopf sitzt mir auf den Schultern und träumt von einer Welt ohne Sekten und Religionen, befreit von der Diktatur des Kapitals. Keinesfalls will ich Börsenkurse anbeten müssen. Religiöse Traditionen ertragen. Mich ständig ob meiner Toleranz hinterfragen lassen. Leute hassen, die Anspruch darauf erheben die einzige Wahrheit zu besitzen. Nämlich, dass Multikulti für alle hier das richtige wäre. Zwangsheirat, Steinigung, Kopfabschneiden gelebte Realität ist weil ’der Islam’ zu ’uns’ gehört. Von denen mir erklärt wird, dass die Frauen mit Vollverschleierung die Glücklicheren sind - und meine Frau deswegen eine Schlampe sei. Nein, ’der’ Islam ist statisch, - grausam in Raum und Zeit. ’Der Islam’ ist eine Sekte und benutzt den Namen ’Gott’ um Grausamkeiten gegen Sektenfremde zu begehen. Um denen die eigene Wahrheit abzusprechen, sie zu dominieren und ihnen Gewalt anzutun. Ja. Der von mir gemeinte ’Islam’ ist Fanatismus, ewiger Krieg und seine Ziegen und Kamele grasen weitab meiner Toleranz. Doch das ist deren Problem. Mein Problem sind die abgeschnittenen Köpfe von Menschen, die dachten im 21sten Jahrhundert zu leben. Sag mir nun bloß nicht, du hast von all dem keine Ahnung. Davon, dass ich anders denke und deshalb Nazi heiße!?


The Way We Walk:

„Es gibt nur eine Sache, die den Dämon tötet, die Liebe, soll Mickey gesagt haben“, sagt Grace.
„Und du glaubst das? Oder ist es wegen der Namensgleichheit.“
„Was sind schon Namen. - Was interessieren die?“
„Stimmt. Namen bringen es nicht. Doch die von heute sind schon echt krank. Ich meine, wenn man Kinder nach Autos benennt. Nach Städten. Nach Puffs. Nach Scheiße. Oder?“
„Wenn wir mal eins haben, Mickey, sollten wir es ’Natural Born Killer’ nennen. - Wie findest du das?“
„Jemanden umzubringen? Ich meine, dass tun doch alle Kreaturen Gottes auf irgendeine Art? Ich meine, schau dich doch nur im Wald um; da gibt es Arten, die töten ein paar andere Arten. Menschen jedoch töten alle Arten inklusive den Wald, aber das nennen wir Industrie und nicht Mord.“
„Das hat aber auch Mickey gesagt; gib es zu!“
„Ich weiß nicht. Könnte auch von Mallory sein. - Ich weiß es in echt nicht!“
„Dann spiel doch den Film noch mal von vorne! - Ganz von Anfang!“
„Alles noch mal von vorne? - Kann ich nicht! Tut mir leid.“
„Dann lass uns ins Bett. Ich brauche dich!“
„Es gibt nur eine Sache, die den Dämon tötet, die Liebe.“
„Du bist manchmal echt lustig!“ Grinst sie mich an. Da ist sie schon nackt. Wie ich. Und ich sehe mich an ihr satt. Wie sie an.
„Ich nenne dich Pussy!“
„Heute darfst du alles...“
„Nach der Sache morgen werden sie über uns berichten!“
„Fernsehen auch?“
„All die miesen Schweine. Glaub mir!“

Für Filme Marke Heimkino empfehle ich euch die 3- Disc- Deluxe Edition mit dem Director´s Cut als Laser- Paradies DVD. So weit ich weiß, ist das die beste Version des Filmes, die man bekommen kann. Auch weil sie super saubere Bild- Tonqualität hat und die ungekürzte Version mit dem SPIO/JK Zeichen ist. Falls sich also jemand den Film kaufen will, rate ich zu dieser Edition. Und die Besetzung ist wirklich spitze, Woody spielt einen geisteskranken Psychopathen. Juliette eine abgefuckte Schlampe.

„Ey, habt ihr Süßen nicht gewusst, dass ihr eure Pimmel nicht überall versenken könnt? Habt ihr bei eurer Toleranzwahl 'Islam' nicht gewusst wie extrem leicht ein eben noch voller Sack in der Hand vom Iman und seinen Leute wird? Wie locker der Kopf auf den Schultern ruht? Wie wenig Steine es braucht, um einen Schädel zu zertrümmern? Ey. Boys. Sagt bloß, ihr wolltet das nicht wissen? – Wirklich nicht? Na gut, dann wisst ihr es eben jetzt!“

Weißt du, die Medien machen die Typen zu Stars, das Publikum zu Kultfiguren. Sie werden Ikonen ihrer Zeit. Als Running Gag: Nur einer überlebt, all die anderen kommen in die Kiste. Ein Ratespiel auf eine Million Gewinn. Also, - wenn du willst.


Kein Tag ist wie der andere, wenn es brennt:

„Vergiss nicht, an meinem Fahrrad den Vorderreifen aufzupumpen!“

“Der Isidor
Der Isidor
Der hat ein Ding wie ein Ofenrohr
Wie der Schuss auch kommt
Wie die Flanke fällt
Der Isidor
Der Held
Der hält“

„Du sagtest gestern was von Kindern?“
„Zeig mir erst die Handyfotos.“

“Der Isidor
Der Isidor
Der hat ein Ding wie ein Ofenrohr
Wie der Schuss auch kommt
Wie die Flanke fällt
Der Isidor
Der Held
Der hält“

„Ich brauchte nur draufhalten!“
„Was haben sie gemacht? – Ich meine, - was haben sie in dem Augenblick gemacht?“
„Als ich schoss?“
„Ja.“
„Sie steckten gerade einen Dönerspieß auf.“
„Zu dritt?“
„Nein. Einer hatte den alten. Einer steckte den neuen auf - und einer stand daneben und bohrte in der Nase.“
„Der älteste von denen – wo war der?“
„Der stand daneben. Das war der Nasebohrer. Und das war auch der, dem ich deine Botschaft vorgelesen habe.“
„Hat er was gesagt?“
„Nichts. – Als hätte der mich nicht verstanden.“
„Und die anderen?“
„Haben beide geweint.“
„Und du?“
„Ich nicht. - Oder hätte ich heulen sollen?“
„Quatsch! Außerdem hätte das unter dem Helm sowieso keiner gesehen.“
„War ja auch keiner da...“
„Und jetzt – geht’s dir gut?“
„Das sollte ich dich fragen.“
„Familie, und dann noch solche“, sagt Grace, „kann man sich nicht aussuchen!“
„Wenn man selber nicht leben kann, sollte man wenigstens ein guter Zuschauer sein.“

„Wollen wir uns noch mal den Film reinziehen?“
„Klar doch!“

Handlung: Ein junges Paar befindet sich in einer Spelunke von Bar. Sie tanzt an der Stange. Während er an der Theke einen Whisky trinkt. Als ein Gast ihr einen Geldschein in den Ausschnitt steckt, tritt sie dem Mann gegen den Kopf und tötet ihn damit. In der folgenden Schlägerei erstechen sie und er alle Anwesenden bis auf einen, damit dieser die Geschichte ihrer Tat weitererzählen kann.

“Der Isidor
Der Isidor
Der hat ein Ding wie ein Ofenrohr
Wie der Schuss auch kommt
Wie die Flanke fällt
Der Isidor
Der Held
Der hält“


Krass, der Schuss und die Stille danach:

„So einen wollte ich schon immer mal erschießen - die sind nicht so leicht zu treffen, sagte Mickey, - schon vergessen?“
„Trotzdem. - Es ist wie Krieg. Und Krieg ist völlig sinnlos.“
„Wahllos Leute zu ermorden ist sinnlos.“
„Jeder Mensch hat den Dämon in sich. Der Dämon lebt in uns, unser Hass ist seine Nahrung, Totschlag, Vergewaltigung, Mord. Er benutzt unsere Schwächen und Ängste - und es überlebt nur der Hass. Uns allen ist gesagt worden, dass wir verkommene Scheiße sind seid wir angefangen haben zu atmen, und nach einer Weile glaubt man es und wird richtig böse!“
„Du zitierst nur den Kram aus dem Film, das ist doch idiotisch!“
„Erinnerst du dich an die Psyche? An Dr. Munk?“
„Ja.“
„Und an Jimmi?“
„Auch.“
„Fandest du die beiden nicht echt krank?“
„Doch. Aber nicht mehr als uns. Sonst wären wir ja nicht da gewesen.“
„Schon. Aber immerhin sind wir abgehauen.“

Das Leben ist ein Film für Hartgesottene. Ein richtig harter, brutaler und blutiger Film. Und selten in dieser Form gesehen. Die Besetzung ist auch spitze. Die des Psychopathen. Der ist so verrückt und skrupellos, dass man es ihm voll abkauft. Und die andere da, - diese Irre. Grace. Ich glaube niemand kann diese Rolle besser spielen als sie. Als du. Grace. Und die Nebenrollen sind auch voll krass. Und übers Cast kann man sich auch nicht beschweren: sie morden, sie töten, sie schlachten brutal ab. Blut ist ihr Antrieb und Tod ihre Belohnung. Sucht ist es vielleicht, - auch Verlangen nach Glück. Ihr Ausdruck von Liebe, - einer diabolischen Leidenschaft. In ihnen herrschen die Dämonen, - sie sind die Dämonen, sie sind es: Grace und Mickey. Applaus. Applaus. Applaus. Sanatorium und aus!

„Meinst du, die Presse wird so über uns schreiben?“
„Später mal. Erst müssen sie ja die Typen finden. Und die dann zuordnen. Ich wette, sie tippen auf Nazis!“
„Oder auf die Mafia. - Mein Onkel zockte auf Fußball. Ach, eigentlich auf alles was rennt, schwimmt, geht und steht. – Hat er wirklich nichts mehr gesagt?“
„Nicht einen Ton?“
„Was für ein Idiot!“

Auf extrem satirische und bissige, nein, abgrundtief böse Art und Weise erzählt ’Natural Born Killers’ die Geschichte eines Pärchens, das sich auf brutale Art und Weise durchs Land metzelt – die dabei von den Medien verfolgt werden wie Popikonen, die gerade die Spitze der Charts erklommen haben.

„Mach mal bitte die Nachrichten an.“
„Du hältst es nicht aus, oder?“

Quotengeil, amoralisch und nur am großen Geld interessiert, macht sich die Presse den Hype des brutalen Geschehens zu Nutze. Wer ist hier also schlimmer?

’Heute morgen wurden in einem Döner- Imbiss in ... drei männliche Leichen ...’

“Der Isidor
Der Isidor
Der Held
Der hält“

„Siehst du!“
„Welcome home.“


’- there's a shadow just behind me,
shrouding every step i take - ’


Chemtrail:

„Was du tust, frisst du auch – irgendwie.“
„Die Realität sieht sicher besser aus als die Fotos“, sagt Grace. Und deutet auf das Handy mit den Bildern der drei. Toten. Ich sage nichts, denn ich liebe sie. Zudem wir die gleichen Antidepressiva nehmen. Immer schon. Die wir uns pünktlich um 17 Uhr gegenseitig in den Mund schieben. So schweißt uns die Zeit in die Pillen. Tritt der eben erlebte Tag in den Hintergrund. Freuen wir uns auf morgen.

„Einen Hund zu haben wäre nicht schlecht!“
„Kein Kind?“
„Ein Hund lebt nicht so lange. - Sollten sie uns mal kriegen.“
„Du meinst, das Leben ist dann vorbei?“
„Du nicht?“
„Ich werde darüber nachdenken.“

Über die Leere. Das Nichts. Die Tage mit Vorwürfen an die Nacht. Die ich mit gutem Grund im Schweigen vor mir gewarnt habe. Ich habe es sicher nicht laut gesagt. Sicher nicht. Ich habe es ’nur’ angedacht. Heimlich: Selbstmord! Weil ich meinen eigenen Geruch hasse. Auch jetzt noch. Nach 3 Jahren Therapie. Denn in Therapie war ich schon längst tot. Ich konnte die einander zudrängenden Seelen nicht ab. Die aus dem Kasten kommen. Und die in den Kasten gehen. Wenn die Luft explodiert. Und sie mich verlässt. Dabei vögeln wir echt gut miteinander. Doch vielleicht ist es das nicht. Und wir sind verdammt - handeln und zusehen gleichzeitig. Lieben und Verlassen. Das Wort und die Tat. Um dann alt und einsam (in sich) zu sein. Der laute Schrei in einem stillen Gebet. Mann! - Wenn ich das mal könnte.

„Soll ich dir mal was sagen, ja? Die miesesten Schweine werden uralt, Grace.“
„Ich weiß“, sagt sie, „wie mein Vater - von dem ich schon mit 8 sexuell belästigt worden bin. - Der wird der nächste sein!“
„Bist du sicher?“
„Hundert pro!“

Während ich am Laptop die Aktien von ’Bullen starken’ Ölschlämmen vergleiche. „Okay. Ich mach’s!“ Gibt es auf der Erde schon wieder die Pest. Den schwarzen Tod. Auf Madagaskar. 40 Opfer in 2 Tagen schon. Und es wird. Denn die Pest wird durch Flöhe auf Nagetieren verbreitet. Heißt: Pharmaaktien kaufen. Somit also bullige Aussichten für Bullen. Wer hätte das heute morgen gedacht. Dazu noch Ebola in Afrika. Auch damit rosige Aussichten am Markt. Also lacht man an der Börse, - müsste dabei aber weinen oder kotzen, weil es nicht zum Lachen ist.

„Ich hätte ihm gleich Rot zeigen müssen, sagte mir Jahre später meine Mutter - als ich ihr vorwarf davon gewusst zu haben. - Doch wie sollte ich den Alten stoppen? Ich war acht!“
„Und?“
„Ich überlege noch.“
„Sie ist deine Mutter.“
„Was du nicht sagst.“


Ans Bein gepisst:

„Auf meinen Vater hätte ich verzichten können“, sagt Grace.
„Weil Hunde unrein sind?“
„Wenn es das mal wäre!“ Wo doch hinter dem Sichtbaren das Schweigen beginnt. Das Unnahbare. Stille. Wenn man sich kaum erinnern kann, oder will. Wie es war. Die Geräusche der Zeit. Die Gerüche. Wie Fliegen am Fänger. Die Wachheit der Bilder. Seine Schritte vor der Tür. Vater. Die tastenden Hände. Fordernd. Sein dunkles Gesicht - mit dem gewaltigen Bart. Festhalten von Armen - das spreizen der Beine. Die Schmerzen. Diese unsagbaren Schmerzen. Bis heute. Und Mutter. In der Nähe der Tür. Ängstlich. Und doch. Ein U- Bahn- Zug. Er. Rein und raus. Der Ausschlag eines Uhrenpendels. Die Hoden. Und er ohne ein Wort. Schwitzend. Von wegen späterhin Aspirin. Die sich auf dem Nachtisch stapeln. Wie seine Geschenke. CDs. Kopfhörer. Bücher. Strandblaue Fotos. Schäumende Wellen. Die zyklische Dünung, - sein heiseres Stöhnen. Mutter mit Kopftuch als multikulturelle Mischung. Wenn er einströmt. Abströmt. Mir seine Befehle als Wunsch übermittelt. Strandgut. Liegengelassen. Die Lippen blutig gebissen. Dressiert wie ein Hund. Gehorsam. Lautlos. Die Augen Brombeeren. Glatt und schwarz das Haar. Hände, die späterhin Pflastersteine werfen. Die Autoreifen seines Mercedes zerstechen. Und die Wut längst nicht mehr im Zaum halten. Wie alt bist du, Vater. Ist es nicht Zeit? In zehn Minuten, sagte Vater. Über Jahre hin. Und du? Ich? Ein Herz wie ein Vogelflügel. Bis heute. Wo er keine Rolle mehr spielt. Eine vergehende Rauchwolke ist. Mit zusammengekniffenen Augen. Die Zigarettenschachtel in der Hand. Wie lange noch?

„Ich bin kein Dämon, ich bin nicht dein Vater. Beruhig dich, Grace. - Alles klar?"
Sorry!“ Sagt Grace. „Ich habe wohl Mist geträumt.“
„Schon gut!“


3 Arten Querschnittlähmung - oder: Obout The Day That Never Comes:

Novalis ’Der Mensch ist Bild’ hat der Surrealismus sich zu eigen gemacht. Und dieses Bild verkörpert sich nun im Menschen. Aber auch das Umgekehrte ist wahr. Denn selten genug kann man den Gegenstand an sich sehen, wie der ist. Oft ist er geprägt von der Hand, die ihn hält, ihn ausquetscht, ihn vergewaltigt. Der Gegenstand Mensch, - eigentlich ein König, verändert auf einmal seine Form und verwandelt sich in etwas anderes. Das Auge, das ihn betrachtet, macht ihn weich wie Wachs; die Hand, die ihn berührt, formt ihn wie Ton. Füllt den Körper. Der Gegenstand beginnt eine umfassende Verwandlung hin zur Wirklichkeit. Formt aus. Wird hart. Wird zu Stahl. Zum Verbrecher.

1.Akt

- „Der Islam ist nicht das, was du denkst was er ist.“
„Sagt wer?“
„Sagt die Frau mit dem Kopftuch, die eine voll verschleierte Frau fragt warum sie sich voll verschleiert.“
„Du und deine Mutter?“
„Genau!“
„Sie hat mich geboren, um mich rumzustoßen. Und wenn ich nicht tat was sie wollte verprügelte sie mich, bis ich am Boden lag.“
„Bleib deshalb lieber in Deckung, - wenn ich dir was raten darf!“
„Mein Vater hatte nur den Mund voller perverser Lügen. Und ich wollte nur eins, ihm was auf die Fresse geben.“
„Drum bete, warte und halte deine Augen geschlossen, - wenn ich dir was raten darf!“
„Ich warte schon ewig auf den einen Tag, der nicht kommt. Bisher. Wenn man aufsteht und die Sonne scheint, man Wärme spürt.“
„Nein. Die Sonne wird uns so niemals scheinen. Bleib also heute lieber im Bett, - wenn ich dir was raten darf!“
„Nein. Es ist jetzt an der Zeit meine Feinde fertig zu machen. Für mich ist es vorbei, sich zu verstecken. Im Innersten zu verrecken!“
„Deine Zeit ist reif. Du bist im Kommen. Doch warte noch einen Tag, - wenn ich dir was raten darf!“
„Scheiße! Ich kann nicht mehr. Die Erinnerung quält mich zu sehr. Ich muss dem ein Ende machen.“
„Ich weiß, du kannst es nicht ändern, - willst sie büßen lassen, was sie dir angetan. Doch warte noch, bis der Tag kommt der die Farbe der Nacht in unser Grau lässt; - wenn ich dir was raten darf.“
„Liebe ist auch nur ein Schimpfwort. Schlimmer als Mutter, Vater und Religion. Ich nehme es nicht mehr in den Mund; ich will weg davon. Raus aus dem Gefängnis, dass ihr mir alle seid.“
„Ich weiß, du kannst nicht mehr. Dein Akku ist leer; ich will dir helfen und dem ein Ende bereiten. Ich schwöre dir, dann wird uns wieder die Sonne scheinen!“ –

Ende 1. Akt

Der Mensch wächst über sich hinaus, wenn er die Vernunft beiseite lässt. Sein ständiges Imaginieren. Dieses über sich hinausgehen, um sich zu projizieren, sich im Spiel vor dem Spiegel ständig zu überschreiten. Neu zu erschaffen.
Selbst Rimbaud ist dann ein anderer.

Wenn man schießt, fällt ein Schuss.
Wenn man trifft, fällt einer um.
Wenn man Glück hat, hat man sein Ziel erreicht. Ist es einer weniger, der einem auf den Sack geht. Und dafür bedarf es keiner Zustimmung. Keiner Unterschrift. Es reicht das Wollen. Und das Machen. Und ich mache. Für Grace. Die ich liebe. Doch damit ist lange noch nicht aller Tage Abend. Denn je freier wir werden, desto größer ist die Sehnsucht nach Schmerz.
„Grace? - Schläfst du schon?“
„Nein, ich habe auf dich gewartet!“


Blade Runner incld. Shakespeares Sonnet 20:

Die Stunde des Siegers. In Englisch, Japanisch, Deutsch, Ungarisch und Spanisch, wie du willst. Der Sieger, übrigens, bin ich. Wenn du es bei yours today suchst, kommt es genau vor dem Tipp ’Wie ich Laminat richtig verlege’.

Wir lassen die Fahrräder stehen. Gehen zu Fuß. Sind hinter ihm. Grace starrt ihm auf den Rücken. Aus fünfzig Metern. Oder mehr. Als wolle sie ihn durch ihre Blicke töten. Ich bin immer noch eine wenig down vom Gras. Einem merkwürdigen Zeug aus selbstgesammelten Kräutern. Grace schwört darauf. Ich nicht.

Grace hat ihren Vater Jahre nicht gesehen. Und sieht ihn auch jetzt nur von hinten. Denkt daran, wie er sie früher hochgehoben hat. An die Brust gedrückt und... Er, ein Mann mit Kraft. Nach Rasierwasser duftend. Sandelholz. Limone. Glatt und weich seine Hände. Wie er mit weißen Zähnen lacht. Mit glänzend schwarzen Haaren. Olivfarben sein Teint. Ein Schrank von Kerl. Der nunmehr keine dreißig Meter vor uns läuft. Leicht hinkt.

„Wieso hinkt er?“
„Keine Ahnung!“

Keine fünf Minuten später lege ich den Kasten auf eine Tonne für Altpapier, löse den Verschluss und klappte den Deckel hoch. Das Metall glänzt im Schein der Laterne. Perlmutt der Schaft. Rosa Samt im Kasten. Ich lege auf und habe ihn im Visier. Er dreht sich. Presst seine rechte Hand an den Hals. Hält sich die andere vor die Augen. Zuckt. Als er fällt, liegt, stirbt – und Grace „Danke schön!“ sagt. Mehr nicht.
Ich halte sie an der Hand, - alles andere bleibt zweitrangig.

Man hat immer die Wahl. Eine Wahl. Machen. Oder nicht. Unterlassen. Lassen. Blade Runner. Als Gag. Dazu die Filmmusik von Vangelis. Mit Spezialeffekten aus dem PC, - nach der Vorlage von Burroughs. Herausragend behandelt der auch eine Reihe wiederkehrender Themen. Nämlich, die beständige Paranoia der Charaktere, die verachtende Machtausübung höherer Autoritäten, die Ersetzung der Wirklichkeit durch Fälschungen und Imitate, die sich selbst verstärkende Zunahme von Abfall und Müll. So sagt Philip Strick über Dicks und Strobo.

Ich höre es, wenn ich mit Grace, wir beide im Trenchcoat der Jahrhundertwende, unterm Regenschirm durch die Straßen von Berlin eiern. Du weißt schon. November. Stadtmoloch. Und wir satt vom Dauerregen, - in diesen scheiß Bezirk. Dem eine Million Meter zu hoch gewerteten Prenzlauer Berg. Das so zum Kotzen dekadent, düster, schmutzig und übervölkert ist. Wo auf Tiere geschissen und auf Pflanzen gepisst wird. Wo stetig Currywurst mit Champus gekotzt... Wenn man genau hinsieht. Und das gleich in mehreren Sprachen. Multikulti in Reinkultur. Prösterchen auf Cityspeak. Der allgegenwärtigen Werbung ausgesetzt wie Hipp es sei, hier zu logieren. Jugendstil. Zwischen all denen, die es on the Topp geschafft haben. Wo alte Gebäude nicht abgerissen, sondern mit neuer Technik versehen oder in diamantene Neubauten integriert werden. Künstliche Menschen erschaffen, für ein besseres Leben auf fernen Planeten. Gerührt, geschüttelt. Durch Gefühle mit Ambitionen. Das alles liegt offen. Man muss es nur sehen wollen. Nein. Ich nicht! Ich hasse sie, wie meine längst verloren gegangenen Passworte, und all den anderen unwichtigen Nippes. Glaube es mir.


Die Entkleidung der Elster:

*A road. A tree. Evening.
Fatimir enters, tense and pacing - then halts all of a sudden.
FAT: (in a squeak) So, naturalis -
Halts. Resumes in normal tone.
FAT: (muses) A butterfly flaps, alters a hurricane's path... but shall this hurricane then affect the insect?
NON: What's this?
Lucky's monologue from "Waiting for Godot"

Als Andenken wollte Grace den Ring. Echt mal: so viel Sentimentalität hätte ich Grace überhaupt nicht zugetraut. Spaß beiseite. Mir traut man ja auch keinen Mord zu. Und schon mal gar nicht Morde in Serie. Atze, der alte Räuber, kennt mich noch aus der Schule, - Atze sagte mal, er würde mir einen sauberen Totschlag zutrauen ’So wie du immer gleich ausrastest!’ Womit er unbedingt recht hat, - wozu soll ich es also beschönigen. Der Ring aber, den Grace haben wollte und den sie dann auch bekam, machte richtig Arbeit. Echt. Es ist nämlich kein Vergnügen einem Toten den Ring vom Finger zu ziehen. Schlimmer stelle ich mir nur tote Goldzähne ziehen vor. Oder Ohren abschneiden. Weil ich nämlich den Ring nicht vom Finger von Grace Vater bekam. Und den Finger dann dem Alten mit meinem Taschenmesser... Den Rest an Sauerei kann man sich ja wohl gut vorstellen...
Abends habe ich dann den sauber geputzten Ring Grace beim Abendessen (wir saßen bei Toni, unseren Lieblingsitaliener) aus einem Samttuch gewickelt. Ihr Schrei war Spitze, - höchstes cis C, schrill wie aus der Flötenschule, darauf wäre auch die Callas neidisch. Doch dann ihre Tränen.
„Ist gar nicht sein Ring!“
„Sondern?“
„Der von Sabi!“
„Wer ist Sabi?“
„Sein Zwillingsbruder.“
„Hat der dich nicht auch?“
„Doch, schon...“
Scheiße. Der verkehrte Mann. Der falsche Ring.
„Dann müssen wir eben morgen noch mal -, oder was meinst du?“

* Silence.
NON: Well? Shall we go?
FAT: Yes, let's go.
They do not move.
Lucky's monologue from "Waiting for Godot"


Nach dem Regen Mord und Totschlag:

Echt Irre, dass in mir nichts dabei passiert. Ich erschieße Menschen - und fühle nichts dabei. Dem Typen eben schnitt ich einen Finger ab: NICHTS! Keine Regung. Kein Zittern. Woran liegt das? Ist es die Liebe zu Grace, - eine Art Hörigkeit, - den Drogen geschuldet, - oder meine Krankheit? Doch eigentlich mache ich mir auch darüber keinen Kopf. Ich bin gezwungen so handeln, weil Grace es will. Und ich tue es, - weil Grace es will. Punkt! Ich meine, wir vögeln deswegen nicht besser. Nicht anders. Nicht schlechter. Es ändert auch überhaupt nichts in meinen Leben. Außer, das Grace um einiges zufriedener wirkt. Ausgeglichener erscheint. Jedenfalls ruhiger als mit den Medikamenten, die Dr. Munk ihr einst unterjubelte. Und das ist doch schon mal was. Fast wie eine andere Therapieart. Oder? Und ich ihr Therapeut. Gröl. Na ja, so schlimm ist es auch wieder nicht. Munk meinte neulich übrigens noch zu mir, dass sich das Gewächs in meinem Schädel nur sehr langsam vergrößern würde. Das kann sich aber jeder Zeit ändern, sollten Sie ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen! Na bitte: Genau solche Aussagen braucht man doch zum Glück, oder? Übrigens: Welche Medikamente überhaupt, Dr. Munk? Wenn du suchst, höre ich ihn antworten – wenn du richtig suchst, wirst du die finden. Mal in echt jetzt, Mista Munk: Ich glaube, ich habe die schon; oder sind fünf Tote nichts?

"The sun shone, having no alternative, on the nothing new." Murphy/Beckett


Wenn die Hütte brennt, tut es gut die Katze zu:

Ab und an falle ich stocksteif, - ohne Grund. The End, Baby. Muss an den Medikamenten liegen. Gepaart mit dem außerirdischen Wunsch, ihr das Messer in die Hand zu stechen. Wenn wir bei Tisch sitzen, sie ihren Kaffee schlürft. Das Brot ’höllisch’ laut zwischen ihren Zähnen knackt. Oder Kekse. KEKSE! Sogar Gurken. Wenn sie mit den Zähnen knirscht. Schmatzt. Mit dem Besteck klappert. Mit Gläsern. Tassen. Tellern. Dabei brauche ich Ruhe. Nur einen Moment. Diesen einen - Moment: RUHE! Und meine absolute RUHE heißt göttliche Stille! Hast du das kapiert? Denn dann spreche ich mit den Toten. Also ich, - der lebende - Dings. Compri? Ihr Völker der Welt. Ihr Leben - auf diesem scheiß Planeten. Mein Dasein. In Handschellen gelegt und abgeführt. Weggesperrt. Nur Gott als Nachbar - in dieser ’scheiß’ Isolierzelle. 1000 Meter unter der Erde. Doch Gott war es auch egal, - das es bitter kalt war und nichts zu fressen gab. Der Alte lag sowieso in den letzten Zügen. In seinen letzten Wochen. Fett der Bauch. Schwanger mit Jesus. Wie er immer betonte. Der Spinner. Während ich sagte, ich sei Einstein. Was nun er wieder nicht glauben wollte. Nicht Marx, Engels oder Papst Mao. Dir nicht, sagte er. Immerhin sei ihm das Sein zu Bewusstsein gekommen. Ey! Schlechtes Deutsch, Alter. Ey! Sage ich. Damit fällt deine Abiturnote um 0,8 Punkte. Aber satt. Von wegen Gott in der mittlere Schicht eines Schöpfungsaktes. Nichts da. Kein Mensch gibt dir eine Chance. Von wegen illegal. Was? Die Weltformel?: PAH! Nicht mal die Presse hat Interesse an deiner Verwirrung. An deinem Zusammenbruch. An all deinen melancholischen Depression - und schlimmer: Angst und Schrecken, - entsetzliche Angst, ganz schlimmer Schrecken, nicht nur das – auch ich nun noch... Schreib das auf! Sage ich. Das Leben. Befehle ich. Dem Leben. Vom durchstrahlten Azur. Sage ich. Dem Sohn Gottes. Dem hellsichtigen Irren: “Wenn das Gehirn seine Bestimmung erreicht hat, fließen Zuckermolekül und verlassen die Hirnrinde um schlechte Einflüsse zu bekämpfen.“ (frei nach Vesper) Siehe da, - das Gesunde liegt so nahe. Ja -, das wird der Hammer überhaupt. Nur getoppt vom Selbstmord des Verfassers direkt auf der Buchmesse. Gott. Tot. Fini! Und damit ist Ruhe auf dem Planeten. Was? Nein. Ich habe keine Botschaft. Ab und an eine Psychose, sagt Dr. Munk, - mein Satan. Bin aber medikamentös gut eingestellt. Kein Scheiß. „Klar – und Dreck scheuert den Magen!“ Lacht Grace dagegen an. „Du Psychopath!“ Als auf dem Löffel erste Blasen rotzen. Eiter und Blut wie irre durch die Kanüle sausen. Fahrstuhl um Fahrstuhl in den Orbit. Take me higher deep! „Ey! - Das hatten wir doch schon mal.“


Das Leblose in uns ist das Lebende aus uns (Beckett):

„Du musst lieb zu dir sein“, sagt Grace. Da sitzen wir auf dem Bett und streicheln uns.
„Bin ich doch!“
„Nicht immer, oder?“
„Meistens aber -, denn wenn ich dich liebe und mich, liebe ich doch alle!?“ Da liegen wir auf dem Bett und.

Ich weiß schon, dass das Leben ein Akt ist. Wenige glückliche Tage und schon geht es dem Ende zu. Manche Zeit vertut man in der Tonne. Dann ist Trübsinn Programm. Austauschbare Einsamkeit. Oder, wie Beckett sagt "Ratten zu töten bedeutet nichts anderes, als sie vor dem Tod zu bewahren." Also töte ich Ratten. Zum Zeitvertreib. Und weil Grace es will. Wobei wir beide wissen, wohin das führt, nämlich zur Eskalation mit ihrer Familie. Dem Clan. „Der unüberschaubar wie das Meer ist“, sagt sie. Und dann warten wir und lassen die Schuld der anderen auf uns wirken. Streicheln uns die vernarbten Rücken. Küssen uns die Münder rot. Zwei weinende Clowns in hellen Anstaltshemden bis hin zum Knöchel. Verschmolzen und doch austauschbar. Jedes für sich.

„Hast du gelesen, was sie schreiben?“
„Nein.“
„Ob die Täter Rechtsradikale sind.“
„Wie die NSU?“
„Der Name kommt bestimmt noch.“
„Bestimmt!“
„Nur eine Zeitung vermutet eine Familiengeschichte. Schreibt was über Machtabgabe an die Söhne des Paten.“
„Und – wollen wir ihnen zuarbeiten?“
„Lass uns morgen noch mal darüber reden.“

(Ich hoffte, wenn es denn Hoffnung gäbe.)

Eine Todesnachricht zu überbringen, kann man nicht üben. Jemanden zu erschießen schon. Geübt habe ich es genug. Ich bekomme keinen Durchfall und kein Fieber mehr. Nicht davon. Weder davor, oder danach. Einzig grelles Licht schmerzt. Doch das ist nun mal so. „Eine Folge der Medikamente“, sagt Dr. Munk, wenn er mir in die Augen leuchtet. Der wie ein stummer Apparat an mir arbeitet. Zu dem ich, nicht nur deswegen, keinen Bezug mehr habe. Dabei standen wir uns einst sehr nahe. Munk, der mit gerecktem Kopf, spitzem Mund in die Luft „deinetwegen habe ich schlaflose Nächte“ sagt. Und weint.
„Ich nicht!“
„Du musst trotzdem wiederkommen!“
„Und wenn nicht?“
„Dann stirbst du.“ Während ich die rasante Reduzierung der weißen Lösung in der Spritze verfolge. Wie seine Hand den Kolben und der dann das Zeugs aus dem Zylinder drängt. Mir schlecht wird, in diesem vorweggenommenen Tod.

„Nächstes Mal machen wir ein MRT.“
„Okay.“ Antworte ich gegen das Neonlicht. Schließe die Augen. Stelle meine Ohren auf dicht. Damit es seine Stimme vertreibt. Den Stand der Dinge.

„Willst du dich nicht doch operieren lassen?“
„Wie oft denn noch?“ Raumschiff Seele. Schädelknochen. Hirnstamm. Hirndruck. Tumor. Pflaumengroß. All die zig Landkarten von meinem Schädel. Narbengewebe. Sauerstoff. Blutdruck. Puls. Regentropfen. Röntgenbilder. Die Stille der Dunkelheit. Fast körperlich. - Alles in allem eine sehr ungünstige Konstellation. Auch weil ich mehr Haare verliere als normal. Und das bei meiner Eitelkeit.
„Mich stört es nicht“, sagt Grace. Grinst. Und ich hoffe, sie noch mehr lieben zu können.

(Ich hoffte, wenn es denn Hoffnung gäbe.)


Ergebnisbesoffen kommt die Nacht:

„Wenn einer kotzt, frisst es der andere auf, habe ich gelesen, damit nichts umkommt. - Ist das so?“ Frage ich Grace.
„Es ist wie mit dem Fahrrad fahren,“ sagt sie, „wenn man es einmal kann, verlernt man es so schnell nicht wieder.“
„Manche Regeln sind nur mit Gewalt durchzusetzen, findest du nicht?“
„Es gibt dazu keine Antwort!“

Trotzdem sucht sie den nächsten aus. Einen entfernten Cousin. Knochig. Hoch gewachsen. Schwachbrüstig. Jedenfalls auf dem Foto. Mit langem Zauselbart und Glatze. Dunkler Anzug. Gesicht und Hände blass wie eben geweißte Raufaser.

„Soweit entfernt verwandt kann er ja nicht sein,“ sage ich, „wenn er dir so nahe kommen konnte, um dich...“
„Er hat nicht mich“, sagt sie, „sondern meine Schwester. Da war die acht!“
„Das ist Grund genug!“ Sage ich. Und sie lächelt erleichtert.
„Du bist ein Schatz!“
„Ich bin Soldat. - Wir befinden uns im Krieg.“
„Du hast Recht. Wir sind Soldaten!“

Dann habe ich in mondloser Stille eine Stunde im Stehen am Fenster geschlafen. Bin die enge Spirale abwärts, bis ich den Grund erreichte... Freud. Dann eine kleine Pause. Ein Augenzwinkern von Zeit - für den Killer, Mörder. Tucholsky: Soldaten sind Mörder. Aber nicht kollektiv. Nein, nicht kollektiv. Persönlich schon. So wie ich. Und Einstein ist als nächster dran. Die Gegendarstellung. Ausbalanciert, wie auf dem Hochseil der Artist. - Artisten sind Idioten. Selbstmörder unter bestimmten Umständen. Schlucken eimerweise Sedativa. Deren Waschzettel auf Englisch und Deutsch. Wegen dem Geist der Zeit. Der Geräusche im Kopf. Dieser Horde blasser Gedanken. In den Schatten von Angst vor dem Tod.

„Du musst nicht!“ Sagt Grace, als sie mich zittern sieht.
„Ich weiß!“ Sage ich. „Ich will aber!“
„Erinnerungen sind immer Scheiße!“ Meint sie.
„Beckett sagt, sie laufen, aber sie legen keinen Weg zurück.“ Sage ich.
„Sagt Beckett?“
„Ja. In Godot!“
„Also - gehen wir!?“
„Wenn ich es wüsste, würde ich es sagen.“
„Dann sag schon!“
(...)


Directors Cut:

Tagebuch Amok Eintrag 1. - wo liegt kaff Winnenden

Ob ich stimmen höre - fragt man mich.
Warum stimmen - ich bin auch so vorbereitet.
Obwohl - manche gehen mir mächtig auf den sack.
Und es ist nicht die tonhöhe - sondern was sie sagen und wie.
Ich bin ein warnsignal - sagt zum beispiel eine.
So - so.
Die gesellschaft - sagt die nächste.
Ich dein umstand.
Meiner?
Suizid - ich - drängelt eine sich vor. Und die hat ein paar titten - direkt zum schwach werden.
Hallo du ich komme aus der columbine high school in littleton.
Ey, voll krass - amok persönlich.
Ja du bist gut unterrichtet.
Ey ich habe das buch über dich gelesen - sage ich dem.
Und - bin ich ein gutes beispiel?
Klar!
Hier - ich bin deine waffe sagt die beretta - ich lag bei deinem vater unter dem kopfkissen.
Du hast wohl mit dem alten gevögelt was - frage ich, als ich sie in der hand halte.
Früher mal jetzt nicht mehr - sagt die - ich gehöre ab nun zu dir.
Ein gutes gefühl - sage ich - wenn man sich auf jemanden verlassen kann.
Auf mich kannst du - sagt beretta - nimm nur genügend munition mit.
Für die zig pauker was - sage ich - doch woher weißt du das.
...ich habe dich nachts weinen gehört.
Ey das ist voll peinlich - sage ich - wärst du ein typ würde ich dich in diesem augenblick shooten.
Ich weiß - sagt beretta - doch ohne mich bist du nichts.
Ich habe noch das m16 - vergiss das nicht.
Viel zu unhandlich - du willst doch so dicht wie möglich an die ran.
Stimmt - sage ich - ihre augen sehen wenn die brechen.
Na siehst du - ich doch auch.
Mich kannst du aber gegen die bullen brauchen - meldet sich das m16.
Du meinst wenn die schweine gegen die penne vorrücken?
Genau - ich treffe auf jede entfernung wenn ich will - zwischen die augen.
Du hast recht.
Nimm mich bitte auch mit - sagen die halbhohen schnürschuhe.
Okay - sage ich - und die tarnhose am besten auch, was?
Aber klar - sagt die jacke - nimm den kompletten anzug - du wirst unsere menge an taschen brauchen. Und mich - meldet sich das nachtsichtgerät - mein infrarot wenn’s dunkel wird - also schraub mich schon mal drauf.
Du solltest auch an mich denken - gibt der rucksack laut - ich bin vielseitig verwendbar.
Aber nimm dir vor allem zeit - meldet sich die zeit - alles will geplant sein.
Ich bin ein meister im planen, beruhige ich.


*
Nach neun Jahren Klapse laufe ich wieder durch den Kiez.
Früher wohnte ich hier. Berlin-Neukölln. Doch Heimatgefühl ist nicht, dazu ist zu viel passiert..., und ich bin auch nur da, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen - wie zum Beispiel Machmut, - doch das später, denn vor allem will ich Mutter und Vater auf dem Friedhof besuchen. ...
Blumen?
Blumen habe ich nicht, nur Erinnerungen. Außerdem, was sollen Tote mit Blumen?


Tagebuch Amok Eintrag 2. - wie alles begann

Morgen wird vom gericht über ihren weiteren aufenthalt entschieden.
... ich möchte aber hier bleiben.
Ihre großeltern haben aber einen antrag gestellt.
... ich möchte aber hier bleiben.
Weswegen - lieben sie ihre großeltern nicht?
Nicht so wie mich.
Können sie das erklären.
Nein.
Und wie ist das verhältnis zu ihrem vater.
Ich habe keins.
Und zu ihrer mutter.
Ich habe keine.
Und wie war es als ihre mutter noch lebte?
Sie lebte nie - vater hat es nicht zugelassen.
Können sie mir darüber mehr sagen.
Es gibt nichts darüber zu sagen.
Nicht mal über ihre mutter.
Doch - an ihrem grab steht eine eiche.
Welche bedeutung hat dieser baum für sie.
Keine - vater hat den gepflanzt - fragen sie den.
Ihr vater hat sie auch zum schützenverein mitgenommen.
Hat er.
Und?
Es roch dort schlecht.
Und das schießen.
War ok.
Haben sie gerne geschossen.
Nur am pc.
Killerspiele?
Auf moorhühner.
Nie auf andere...
Auf die nur im traum.
Können sie sich an einen traum erinnern.
Wenn ich will.
Und wann haben sie zuletzt was in dieser richtung geträumt.
Eben.
Eben?
Eben.
Aber wir sitzen doch real hier.
Was ist real?


*
Auch klar, ich hätte mit der U-Bahn direkt bis vor den Gottesacker fahren können. Wollte ich aber nicht. Wollte zu Fuß. Frei lebende Kanakster sehen. Fuhr deswegen bis Hermannplatz, dann raus. Ab da die Motherfucker runter bis Ecke Leinestraße. Und dann, Mann, auf der Meile, - da kommt Luft in die Lunge, dass einem der Sack bläht wie im Hurrikan. Dazu Knoblauchgestank. Zwiebelodem. Döner pur. Darauf die knalligen Fürze von den zu Dutzenden vor den baufälligen Häusern
hockenden Migranten, - wie man die Nation Soziempfänger politisch korrekt nennt. Und Schmeißfliegen.

‘He, alles im Lack, Alter?'
Einige von denen lassen die Dominosteine fallen, als ich frage, lüpfen ihre Hintern und drücken sich so mächtig einen ab, dass ihnen vor Anstrengung die Glubschen aus dem Kopf zu platzen scheinen. Purer Basedow. Diese Sackratten! Andererseits: Sie mögen mich - denke ich, und wollen es mir auf ihre primitive Art zeigen ... Und ob du es glaubst oder nicht, alle paar Meter immer noch die dämliche Anmache: ‘He, Alta -, Ascheloche, alte Scheiße, du, gib Handy -, du, - gib Kohle -, gib die Jacke, Alta -, bück dich, du, damit ich dich ficken kann, du scheiß Tunte. Und das alles in Kanaksprak, als wenn über vierzig Jahre Multi Kulti kalte Kacke sind.


Tagebuch Amok Eintrag 3. - zielübungen

Input basic.
Führt zu einer irren hitze im schädel.
Ich renne deshalb im Winkel auf 90° in die parameter.
Gleich der gestank von verschmorter haut in der luft.
Regele also die konsole auf 70 runter.
Sample die ränder ins bickfeld.
Zoome die statusanzeige.
Lasse den high player sauertstoff raunzen.
Schiebe die vorhandenen hundert lebenspunkte voll rein.
Blende alle umwelteinflüsse aus.
Nagele den hangover auf drive
Zocke die medial-kits ab.
Gebe ein call of duty.
Regeneriere den upper - tille den cut-browser - kille blacky über shooter.
Schiebe den in die rechte und baller die lebenden blechbüchsen ab.
Das fünfte mal heute schon - ey.
Und immer voll interaktiv aufs fadenkreuz das blut.
Du blödian - nimm die waffe höher - höre ich vater schimpfen - du gammelst einen
nach dem anderen ins holz!
Scheiß schützenverein - ich möchte frei sein - denke ich - frei...
Feuer weiter einen nach dem anderen in die gedärme dieser idiotischen
schießstand hütte.
My life before.
Der ausstoß reißt mir fast den arm weg.
Output kreativ meldet das system.
Hör sofort damit auf - wütet vater.
Sofort!
Over and out rattert basic.


*
Ey, - wie ich das alles hasse... immer wieder... Und, um die Loser zu kuschen, zeige ich meine Kanone - aus Anstaltsseife gemacht. Gute Handarbeit, das Teil. Echt! Was, glaubst du nicht? Ey, was meinst du, was man aus Seife, Zahnpasta und Schuhcreme alles so machen kann, wenn man Zeit hat.
Also zeige ich den Rotzern den Ballerer und empfehle: verpiss dich, Ziegenfick, und quatsch mir keine Klinke an die Titte, sonst blase ich dir die Birne weg und du schimmelst schneller als du denken kannst neben deinen Artgenossen.

’Echt, ich sag’s dir, es liegt nicht nur an der Kanone, - es ist der Geruch von Verwesung und Tod an mir. Dieser obergeile Klapsengestank!' Und es ist tatsächlich so, dass diese Kretins es riechen können. Ehrlich -, das hängt denen in den Genen, so wie die Eselsmist und Kamelscheiße nie aus den Haaren bekommen, - da können die waschen wen wann und wie die wollen... Und echt, gerade die hier in Neukölln sind in der Evolution noch gar nicht angekommen - und das mit oder ohne
Wesenstest vom Tierschutzverein - von wegen Integration, Ozialisierung, - assimilierter Dünnpfiff ist das alles hier. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede.

Und dann - voll die Scheiße -, denn auf dem St. Thomas Friedhof habe ich eine Stunde oder so zu tun um überhaupt das Grab meiner Eltern zu finden. Zwei- dreimal falle ich auf die Fresse, stolpere über umgeworfene Grabkreuze und abgestürzte Engel die in den letzten Zügen liegen, fasse, beim umhereiern im Schrott, in frische Graffitis irdischer Spraykünstler. Muss durch die Säure in dieser Farbpisse unendlich husten - und versaue mir prompt die Hose mit Farbe, die rasend schnell von der kotzigen Farblake zerfressen wird, wie ich sehen kann. Schließlich trete ich noch voll in einen Haufen Kacke. Es reicht schon wieder!

Mit Glück find ich dann in einem Zelt aus Aldiplaste und Zweigen einen Friedhofsarbeiter, der ne Tüte raucht und offensichtlich menschliche Knochen sortiert, - der so was wie deutsch spricht. Dieser Typ, ein Affe - etwa in meinem Alter, so eins sechzig groß, mit einem ansehnlichen Morbus Scheuermann, einer mächtigen Nase im Gesicht, drunter ein buschiger Bart, spielt, als ich ihn anspreche, doppelte Buchführung durch die Hosentasche -, ich höre förmlich seine Betoneier klickern, obwohl bis Osten noch weit hin ist. Doch immerhin kann er mich mit Gesten und seinem simplen Gestammel auf den rechten Weg bringen. Und das kann nicht jeder von sich sagen.
...ich denke also freundlich über ihn -, denke: - Alter, da hast du aber Glück gehabt - damals - bist davon gekommen. Und ich hoffe, du lobst dafür fünf sechs Mal am Tag Allah und reißt deinen verwarzten Arsch in den Himmel, wie es sich gehört, dafür nämlich, dass du überhaupt so alt werden durftest, wie du jetzt aussiehst...
Und wirklich, gutmütig, wie ich bin, lasse ich ihn mit dem Zorrozett auf der Stirn überleben - obwohl die Situation günstig wie selten und ich schließlich deshalb nach Neukölln -, und mein Messer mich auch belatschern will weiter zu machen und ihm zumindest die Klöten.
’Ach, glaube mir - was mich echt stört, auch bei dem hier, dass all diese Idioten auf meine Handschuhe gaffen, statt in meine Fresse, wenn es schon sein muss. Sind Handschuhe an warmen Tagen was besonderes?'


Tagebuch Amok Eintrag 4. - time later

Wir haben beweise in ihrem notebook gefunden.
Echt?
Sie spielen doome.
Ist ein ego shooter.
Und wenn sie verlieren denken sie dann an suizid?
Nicht immer.
Erklären sie es uns.
Nein.
Warum nicht?
Ich habe meine elementarstimme verloren.
Du da - höre ich die synapsen rasen - sag ihnen nur nichts über deinen plan -
über die art deiner bewaffnung - und kein wort über uns deine stimmen - die von gott gesandten.
Ok.
Und nichts über mich - sagt das butterfly-messer - schärft mir der schlagring ein - nichts über mich - befiehlt mir die angst vor bestrafung durch all diese dinge.
Sag ja nichts über deine welt - brodelt tief in mir das leben - sonst werde ich mich dir auf der stelle entziehen.
Mach es bitte bitte nicht - sage ich - mir ist schon beim gedanken an die folgen ganz übel.
Wo?
Im magen.
Geduld - das gibt sich wieder.
Wie denn.
Lüge ihnen einfach was vor - zum beispiel dass du die schule liebts deine lehrer achtest deine mitschüler magst jedes gebot befolgst – die menschenrechte - und sonntags absolut gerne in die kirche gehst.
Und was noch?
Erzähle ihnen von der brutalisierung der gesellschaft - und was du in der schule darüber gelernt hast - um ein guter mensch zu werden.
Und dass du unter allen umständen gut sein willst, das hören sie so gerne. Lüge ihnen immer und bei jeder gelegenheit was vor - und wenn es mal kritisch wird gib ihnen dein ehrenwort - das brauchen die - es ist ihre politik ihre art von leben liebe und ehrlichkeit.
Das soll ich...
Ja - tu das!
Und sage nie dass deine lehrer dich prügeln priester dich bedrängen deine familie dich verachtet - denn die werden dir nicht glauben das deine schlechten schulnoten darin ihren ursprung haben.
Wirklich?
Und das du nachdem du beim rauchen auf dem klo erwischt wurdest einem von ihnen zu willen sei musstest - das sag unter keinen umständen.
Nichts von rektal?
Nein - sag es nie.
Niemandem?
Nein - und auch nichts von deinem sonstigen beschissenen status - dem in der gruppe auf dem schulhof oder von gewalterfahrung durch deine mitschüler. Vom abziehen deiner markenklamotten dem handy und, das du jerry immer abschreiben lassen musst, weil der dich sonst ...
Was sonst.
Stell dich nicht blöd - dass weißt du doch selber.
Ich?
Ja du.
Oder warum hast du neulich am bahnhof von dem jugo die handgranate gekauft?
Ja - habe ich - aber doch nur um mich zu schützen.
Und hilft es?
Ja - es macht stark - und fette träume.
Na siehst du!


*
Als ob die rotzigen Blicke der Motherfucker nicht genug sind -, grinsen manche von denen auch noch über meine Sprache, - so wie der Typ auf dem U-Bahnhof in Tegel, als ich ihn höflich und nur mal so zum Test frage, wie ich mit der Bahn nach Neukölln kommen kann.

‘Du nix deutsch, Alta?', lästert der Nigger, und steckt sich eine an, obwohl hier Rauchen verboten ist.
‘Pass auf, du Plumssack, dass ich dir nicht deine lange Nille abschneide!' Doch dann lasse ich das, weil ich den Zug kommen höre -, vergrößere ihm stattdessen in bester Pulpfictionmanier mit zwei raschen Schnitten meines Butterfly beide Nasenlöcher.
‘Steht dir besser als zuvor, das Teil', sage ich, als er sich die blutende Gurke hält und vor Schmerzen schreit, ‘und besser Luft bekommst du jetzt auch.' Doch der hört nicht, kreischt wie irre, weint, rotzt Blut... Ey, Mann -, das ist ja echt ein Tier!
‘Du, hör mal - Fotze, lass das Jaulen -, dein schleimiger Schwanz ist ja noch dran...', berate ich die Memme durch die offene Wagontür, - bis zum Glück für ihn mein Zug abfährt, denn sonst wäre ich noch mal raus um ihm mein persönliches Zorrozett über die Stirn zu zwiebeln.

Klar, Alter, - und er wäre ja längst nicht der einzige Kanake, der somit verschönt im Großraum Berlin damit rumeiert; frag mal den Friedhofsluden und seine tausend beschissenen Brüder.


Tagebuch Amok Eintrag 5. - führers geburtstag

Ihr denkt echt, ich habe es geplant.
Ja!
Nein - überhaupt nicht.
Ihr habt...
Es begann mit diesem zeug zwischen meiner mutter und meinem vater. Das die sich beim sex mit der kamera filmten. Dazu fünf filme mit dem schleimer von onkel mit drauf. Mutter oben vater unten onkel von hinten. Vater von hinten mutter oben...
Wird mir ganz schlecht bei. Und - son scheiß kann man noch so gut verstecken. Ich finde. Schließlich habe ich nächtelang gehört was lief. Oder denkt ihr ich bin taub blöd impotent.
Nachher eure entschuldigungen und geldgeschenke. Nee - sorry und goodbye ey. Aber wenn ihr nur einmal die richtigen antworten auf meine fragen gehabt hättet... Das wär’s gewesen.
Und warum nun ausgerechnet ich schuld sein soll - weil mutter sich umgebracht hat. Echt - ihr hätte diese scheiß filme eben nicht rum liegen lassen sollen. Dann wären die auch nicht ins world- web gekommen. Wie bomben - sagst du - vater - haben die eingeschlagen. Klar – bei mir auch. Aber ich habe nichts geplant - wie ihr. Und dieser scheiß typ von onkel ist mir auch egal. Wären es nicht die bremsen an seiner karre gewesen.
Es wäre mir was anderes eingefallen. Eventuell hätte ich ein flugzeug abstürzen lassen. Direkt über der innenstadt – aufs haus wo der wohnt. Fakt ist – er hat den löffel an einer pappel abgegeben. Und ich habe mir von der geklauten kohle ein paar klamotten gekauft. Finde ich mehr als gerecht. Auf den langen schwarzen mantel bin ich besonders stolz. Kann man gut ne schrotflinte drunter verstecken.
Bin zum friedhof mit dem teil – mutter ein paar blumen bringen. Ich - natural born killer – habe ich mutter gesagt.
Du warst das mit dem onkel - tat sie überrascht. Da hatte ich gerade in paar tauben aus der tanne gegenüber geschossen.
Hat dir vater nichts davon gesagt? Kein wort!
Nichts von meiner liste?
Nein! – ich kenne keine liste.
Ok – ok, ist auch besser so...
Nun sag schon! Nein - ich übe jetzt noch ein bisschen für übermorgen. Was ist denn nun schon wieder übermorgen - junge?
20ter april - hitlers geburtstag.


*
‘Man lästert nicht über das Unglück und das Aussehen anderer', höre ich Mutter, ‘eventuell haben diese Leute durch dich Schwester oder Bruder verloren.'
‘Und wenn ich seine Eltern gleich mit abgeschwitzt hätte, Mutter, Tote können nicht sprechen', sag ich - und weiß schon in dem Moment, dass es unlogisch ist.
‘...ja, warum bist du denn überhaupt hier?', schreien mich darauf auch gleich die sechsundfünfzig Pisser aus ihren Kisten heraus an.
‘Warum wohl, ihr Vollidioten', brüll ich zurück, ‘genau deshalb, weil ich euch unter die Erde gebracht habe... und das ist gut so, sag ich, wie einst der ehemaligen Bürgermeister, dieses schwule Arschloch, der schließlich an allem Mitschuld hat.'


Tagebuch Amok Eintrag 6. - für Laja

Laja geht ne klasse vor mir.
Mein blonder sonnenschein, nennt der geschichtslehrer sie...
Hab ich gehört.
Das war sie für mich bis zu dem tag als ich sie auf dem klo fand auch.

Weinend saß sie da - blutend an armen und beinen.
Warum tust du das.
Nur so - ihre antwort.
Während ich das dritte tempo verbrauchte.
Lass doch.
Nein – und gib mir mal die klinge.
Was willst du damit?
Ins klo...
Nicht dass du dich schneidest.
Ich nicht - und du?
Ich weiß nicht.
Was weißt du nicht?
Es ist wegen dem geschichtslehrer.
Was macht der.
Fotos von mir.
Und was sonst.
... mit Paul zusammen.
Das ist doch der große junge aus der 12ten.
Ja.
Warum der?
Er ist da.
Und die bilder.
Stehen in face– book.
Und ... da ist alles zu sehen?
Unsere köpfe nicht.
Sonst?
Alles.
Hast du noch ne klinge?
Lass uns lieber ne kippe wegdrücken.
Unterarme?
Ja – ne voll fette idee.
Und heute abend holen wir uns den pauker.
Geht nicht – der ist mein alter ...
Ey - ich glaub - ich spinne!


*
Aber hallo - kannst du dich noch erinnern, was die Fotze anlässlich der Wiedereröffnung der Schule nach der Asbestsanierung sagte?
’Diese Schule war in der Weimarer Zeit vermutlich das bedeutendste Zentrum sozialdemokratischer Schulreform. Hier sollte das Kind als eigenständige Persönlichkeit im Mittelpunkt der Erziehung stehen...’

Wochen später hörte sich das dann so an.
’Die Polizei- Einsätze hier in der Schule können keine Dauerlösung sein. Es besteht Diskussionsbedarf.’
...echt, ich muss heute noch abkotzen.

‘Ach, Junge', höre ich Mutter, ‘hast du denn seit 2006 nichts gelernt?'
‘Was? Wo denn? Da, wo ich bin?'
(...)
‘ ...weißt du, was die mit einem in der Psychiatrie machen? Die hauen dich mit Drogen voll, bis dir der Sack platzt. Und nicht nur das, - die Birne quatschen sie dir dermaßen voll, dass du nicht mehr weißt, wer du bist. Und das ist deren Scheißtrick: Ohr abkauen bis zum geht nicht mehr... Und auch deshalb stehe ich jetzt so angefickt hier, echt, Alte, - mein Leben hat sich so was von ausgeschissen!'

‘Sei doch nicht gleich wieder so aufgebracht -, an uns denkst du wohl gar nicht, Junge, was? Uns hast du damals nämlich gleich mit umgebracht...'
‘Erzähl nicht son Quatsch', sag ich, - ‘du hast dich fast so gut wie freiwillig vor die U-Bahn geworfen, und Papa hat sich mit Lust und Laune tot gesoffen. Und das alles wegen dieser verlausten Kanakenbrut... Glaub mir, hätten die Penner von
Psychoheinis mich nicht weggesperrt, wäre das nie passiert!'


Tagebuch Amok Eintrag 7. - opa im krieg

Weil krieg immer ist.
Sagt großvater.
Der liegt in einem vollgepissten bett in einem vollgepissten zimmer
Jedenfalls riecht es so.
Genau wie dieses städtische altenheim aussieht.
Kotz...
Und so sieht er auch aus.
Immer wenn ich ihn besuche.
Einmal die woche – was?
Nee – nur alle 14 tage.
Liegt er in seiner eigenen scheiße.
Sagt er.
Weil die hier keine zeit haben, die scheiße wegzumachen - sagt er.
Ihn andererseits - die hier - auch nicht aufs klo bringen - oder zumindest den schieber ...
Tobt er – und wenn er tobt wackelt sein körper wie im fieber.
Wie bei seinem bettnachbarn Erich - und so laut das die gebisse im wasserglas klappern. Und ihre lippen flusig werden.
Dahinter kommen dann grün gelb blasen raus - und es riecht nach phosphor.
Bring mir die luger mit, junge – befiehlt er.
Das alte ding?
Ja.
Was willst du denn damit?
... die idioten hier alle machen.
Nächstes mal – opa – sag ich dann immer.
Doch ich bringe die auch nächstes mal nicht mit.
Denn ich weiß ja jetzt schon, dass er keinen trifft – egal wohin er zielt.
Das muss ich dann schon selber machen – wie damals auf dem schützenfest als er den bären haben wollte. Der jetzt auf seinem kopfkissen liegt und dem ein ohr fehlt - und der ganz grau um die schnauze ist.
Grau, wie opa überall ist.
So ist es wenn man stirbt – junge.
Warte noch ein bisschen damit opa - tröste ich - es wird alles wieder gut.
Nichts wird im krieg gut - brüllt er - siehst du doch am bären! Niemand kümmert sich um sein abgeschossenes ohr – keiner kümmert sich um irgendetwas hier – und das war schon so als es noch einen kaiser gab – mit nem bart, mit nem langen bart, singt er.
Kaum gebrüllt und gesungen, kommen zwei pfleger und stellen ihn ruhig indem sie ihm eine spritze in den hintern verpassen - wie sie sagen.
Wobei opa ganz laut einen fahren lässt und schweinische sachen wie arschlöcher und so weiter sagt.
Dann fesseln sie seine arme ans bett – obwohl der furz eindeutig hinten raus kam.
Wissen wir - sagen die - junge - als ich deswegen nachfrage.
Und ich muss gehen - weil opa schlafen soll.
Sagen die.
Doch wer kann schon den krieg verschlafen.
Ich nicht.
Also werde ich wiederkommen - wenn es soweit ist - und für meinen opa kämpfen - und die pfleger fragen, was sie mit opa gemacht haben.
Denn vor einem monat ist er gestorben - und eine alte frau sagte an seinem grab es sei eine schande, wie sie opa im heim behandelt hätten...
Doch nicht mehr lange - opa - dann wird - wie im krieg - wieder richtig gestorben. Das verspreche ich.
Dann rummst sand auf die holzkiste - und ich werfe opa den bären nach.
Den wollte sowieso niemand haben; muss am fehlenden ohr liegen.


*
‘Sie', sagte der Anstaltspsycho zu mir, obwohl ich erst vierzehn war. Sie -, Sie haben einen IQ von 125, sagte der, Sie hätten wissen müssen was sie taten, und was darauf folgt.
‘So?'
Andererseits sagte der vor Gericht, dass ich eine Art von Autist bin, Asperger Syndrom - und nur in meinem Jetzt lebe, - mit Mutter.

‘Kennst du den Tassentalk', fragte ich den.
‘Nein, wer oder was ist das?'
‘Du kannst mich immer zwei mal mehr am Arsch lecken..., wörtlich.'
‘Finden Sie das witzig?'
‘Nein -, aber es trifft.'
... ich sag’s ja, alles komplette Idioten hier ...

‘Ey, sag mal, Mutter, weißt du eigentlich wie oft wir beide dieses Gespräch schon geführt haben? Nein? Okay, dann kläre ich dich auf, denn deswegen bin ich ja hier, - es ist nämlich heute ein runder Tag, ein Geburtstag, so- zu- sagen... Und, glaube es oder nicht: 2999 mal haben wir !genau! dieses! Gespräch! geführt!'

’Gut, du hast recht, nicht so innig, schließlich trennten uns 31,5 Kilometer -, ja, ich habe es mit dem Zollstock auf dem Stadtplan nachgemessen. Und ich habe mindestens jede 2. Nacht die Entfernung zwischen uns nachgemessen; - ich hatte nämlich nichts anderes zu tun. Und wenn du denkst, die Entfernung ist mit den Jahren größer geworden, Irrtum, nein -, nichts da, die blieb gleich, - jede 2. Nacht, ...ist 31,5 Kilometer, seit dem du mich verlassen hast ... So, und heute nun ist es unser 3.000 Gespräch über Schuld und Sühne und so weiter!’

‘Woher ich die Zahl 3.000 weiß? Nichts einfacher als das. Ich habe jedes Mal nach unserem Gespräch einen Punkt auf meine Tapete gemalt, - einen kleinen kreisförmigen Punkt mit Buntstiften. Ja, Buntstifte waren das Einzige was ich haben durfte; ich war vierzehn, du erinnerst dich? 14! Und hatte !14 verfickte, bunte BUNTSTIFTE! Und nichts weiter! Und mit jedem Punkt, den ich auf die Tapete malte, wurde das Gebäude kompletter. In allen Details. Du kannst dir denken welches.


Tagebuch Amok Eintrag 8. - ein scharfes schwert

Frau brunner ist die richtige - sagte vater.
Weltgewand offen nett und heiter - sie wird dir helfen, dass du versetzt wirst.

Es liegt nicht nur an den schularbeiten und so weiter – war frau brunner sicher.
Du musst deine konflikte lösen wollen.
Also gab sie mir gefühle statt nachhilfe – nannte ihre methode pädagogischen eros.
Und ich genoss.
War mir über das was später massaker genannt wurde zu dieser zeit überhaupt nicht klar.
Denn frau brunner hatte nur ansätze in mir geschaffen – eine ahnung von individueller freiheit – straßen gebaut.
Vor allem wenn wir zusammen gras rauchten.
Eine leidenschaft die sie sich aus ihrer internatszeit bewahrt hatte – als sie noch ein mann war.
... ob ich mal nachsehen wolle ...
Hat das denn nicht wehgetan – wollte ich wissen – als wir uns küssten.
Schon – sagte sie – aber im falschen körper zu sein hat mir wesentlich mehr weh getan.
Und sonst so?
Ich kann alles machen was ich will – sagte sie – nur lehrerin in einer schule kann ich nicht sein.
Aber du siehst doch aus wie eine richtige frau.
Willst du mal probieren ob alles an seinem platz ist?
So hat mir das lebensmittel zuneigung geholfen ein für ... akzeptables zeugnis zu erwirtschaften - und meinen traum ...
enden lassen.
Als in der zeitung über frau brunner stand.
Ein foto zu sehen war, wie sie auf dem dach eines hauses stand. Immerhin zwölf stockwerke – sagte mein vater.
Ich weiß vater – oft waren es aber auch wesentlich mehr.


*
Einer meiner Therapeuten war der Meinung, ich wäre ein Künstler. Nur, der Idiot weiß bis heute nichts von unseren Gesprächen - und dass die Buntstiftskizze die Schule zeigt in der 56 arabische Säuger starben. Türken auch. Klar...
Dieser Typ wusste auch nichts davon, dass ich, als ich elf war, von Yussuf auf dem Schulklo über Wochen in den Arsch gefickt wurde -, wusste der nicht... , so wie ihr es nicht wissen wolltet. War ja auch klaro: Yussuf, als Machmuts Sohn. Und Machmut als Boss und Pate von Neukölln! Da hat man mächtig Schiss in der Hose, was?'

’Mach uns keinen Ärger, Junge', hast du deswegen zu mir gesagt, als ich weinend nach hause kam, 'wir nehmen das Geld von Machmut, und machen uns einen schönen Urlaub in der Türkei.'
’IN DIE TÜRKEI?! - Ins Land der Eselficker fahren - mit fünftausend Mäusen Schweigegeld?! - Nein! NIE!'

Gut, Yussuf hat letztlich mit seinem Leben gelöhnt. Aber das bringt ihn mir auch nicht hoch. So, und jetzt bin ich hier, wo er seit langem ist, - und werde mit einem hohen Strahl auf sein Grab pissen.

... ja, von oben herab pisse ich alle tief in die Hölle -, weißt du. Aber klar, mach ich das -, denn darauf habe ich mich Jahre gefreut. Zuerst pisse ich über ihn, dann über Aische -; ja, über die auch, - hat sich schon lange ausgeliebt, - dann über Petrak, den verblödeten Russen, den Handlanger fürs Grobe, den Kinderschlitzer, dann über die Bande der Kurden, Araber, Libanesen, Neger - auf die drei vier Gelben, all die anderen Wichser. Ich weiß, es lässt sich mit Pisse nichts endgültig tilgen. Nicht mit Blut und Leben. Mit Rache im Herzen. Ich weiß es seit heute morgen.
‘Woher?'
’Ach Mutter, ich weiß es eben. Ich wusste es schon, als ich damals von der Tanke den Sprit schleppte.'


Tagebuch Amok Eintrag 9. - ich kill die bagage

Meine akne pickel wären wie hügel und krater auf dem mond. Lachte mich Manuela aus. Die stand in der pause mit ihren fett blöden schwestern immer nahe der turnhalle wo sie eine nach der anderen rauchend, giggelnd den blonden Andy aus der 12ten anhimmelten. Doch den brauchte ich nicht mehr einzutragen – der stand schon länger auf meiner liste! Genau wie Manuela und sippe. Diese ganze bagage von dauer- demütigungen im gut- aussehen wollen. Ihr kotzig freches gut- riechen - und mit teuren marken- klamotten posieren. Mit handys aus gold rumfuchteln - an platin- notebooks und bunten iphons schrauben - und all dem anderen zeug das keiner in echt braucht.
Alles dinge, die ich nicht... Weil ich die nicht haben wollte – redete ich mir vergeblich ein. Denn ich sehnte mich (eigentlich) um meiner selbstwillen gemocht zu werden - geliebt. Damals lebte mutter noch. Doch auch die sagte - so wird das nichts junge. Wasch dich unten herum - geh zum frisör - schneid dir die fingernägel - und rasieren könntest du dich auch mal – obwohl ja da wegen deiner eiterpickel noch nicht viel zu sehen ist. Also machte ich. Doch nicht mal als bei mir dieses ominöse magenbluten festgestellt wurde nahm sie mich in den arm - so wie ich es gerne gehabt hätte. Danach habe ich den akt mit dem rattengift gelassen – auch weil mir die haare davon ausgingen. Schrieb dafür gedicht auf gedicht an Monika - einer faden blonden - von der Klaus sagte die hätte noch nie einen weggesteckt und würde deshalb prima zu mir passen.
Gut - sagte ich - Klaus - der fall ist notiert.
Fragte der - sag mal was schreibst du da eigentlich wirklich in dein heft?
Zum beispiel jetzt deinen blöden namen - und ansonsten den von den anderen wichsern hier - damit ich niemanden vergesse.
Wieso vergessen?
Weil ich den laden hier bald abfackeln werde!
Ey - du bist ja ein richtiger witzbold heute - lachte der sich scheckig.
Bin ich das?
Ja - und halt mal n moment still - fummelte der mit seinem kotz- handy vor meiner fresse rum - ich werd n bescheuertes foto von dir machen und ins face- netz stellen.
Du bist ja gut drauf - sagte ich – das wird echt früchte tragen wenn du mein bild ins netz stellst und am nächsten tag tot bis - du.
Ey - du bist ja komplett verrückt - quakte der - du blödes loser- schwein - und glotzte in so ner art hundeblick.
Wart nur ab - legte ich nach - wenn es soweit ist wirst du vor angst auf knien vor mir liegen und um gnade winseln.
Du spinner, - hälst dich wohl für was ganz besonderes - was?
Nicht immer - sagte ich - aber für dich und die anderen bettnässer hier reicht es locker.


*
Wie viel Kanister ich noch brauchen würde, schnappte der Tankwart nach Luft, er müsse den Plastikscheiß sonst nachbestellen.
Es muss reichen..., sagte ich dem.
Wofür?
Für einen Grillabend, mit meinen ausländischen Freunden, strahlte ich ihn an, wie ich noch weiß, und weil er es vor Gericht aussagte - und es in den Akten steht, - die ich schon hunderttausend mal gelesen habe.
Mach keinen Scheiß, Junge, das kann ins Auge gehen, sagte der Tanki.
Ich pass schon auf, sagte ich, - da hatte ich 12 Kanister.


Tagebuch Amok Eintrag 10. - what u si is what u gätt

So so – sagte ich – du bist also migrant - kartoffelkanone?
Ich bin in deutschland geboren – grinst er.
Ach - ja.
Mein vater ist aber vietnamese.
So sieht er auch aus.
Stimmt!
Zu der zeit standen wir beide nebeneinander auf einem podest - um als beste jugendliche schützen geehrt zu werden.
Ich erster - er zweiter.
Im liegenden und knienden Anschlag ist die Zuhilfenahme eines Gewehrriemens gestattet - im knienden Anschlag darf außerdem eine Kniendrolle unter den Spann des Fußes gelegt werden.
Glückwunsch – sagte er – und ich dachte schon er wolle mich küssen - so nahe waren wir uns.
KK.
Sagte ich
Und was bedeutet kk?
Gustav kunze.
Ja?
...ey - ich glaube ich hab dich schon mal gesehen.
Ich dich auch - sagte er - als du dich auf dem schulhof mit dem glatzköpfigen jungen geprügelt hast.
Kevin - sagte ich - das nazi-mega-arschloch.
Aber sonst bist du doch eigentlich nett.
Nicht immer – sagte ich – und im sagen fiel mir diese unglaubliche leere in mir auf – eine art schwarzes loch - in das ich alles an wut zorn und enttäuschung reingeschüttet hatte - das nun aber fast voll war - das aber in der sekunde hier mit ihm einen abfluss fand - und meine bösen gedanken und taten sanft verstrudeln half.
Ich heiße kim – sagte er – und sah mir direkt in die augen als wolle er mich trösten – oder so.
Und für augenblicke war meine innere auster geknackt.
Die demütigen - verachtungen - meine arroganz und distanz - die durch die hoffnung mit kim ganz normal tv zu gucken cola trinken süßigkeiten naschen und gemeinsam zu lachen gewichen sind.
Ich müsste nicht länger am pc krieg führen üben - töten leichen zerteilen – hätte das problem los das etwas passieren würde was ich nicht wolle.
Ja - mit ihm als freund hätte ich mir die täglichen hinrichtungen sparen können.
Wollen wir freunde sein – fragte er - als würde er was ahnen.
Bf?
Beste freunde?
Ja!
Cu – sagte er beim weggehen/und als er sich umdrehte sah ich ihn breit grinsen.
Du bist ein schlitzohr – rief ich ihm hinterher.
Schlitzauge – brüllte er zurück.
Ich musste lachen – seit wochen mal wieder.


*
Im Heizungsraum der Schule brummelte gemütlich ein Ölbrenner. Ein ganz neues Teil, an einem herrlichen Ort. Ich fühlte mich da immer wohl. Und es konnte mich keiner überraschen, - hatte ich mir doch einen Schlüssel besorgt.

... echt, der Hausmeister war ein Idiot. Für mein geheucheltes Interesse an moderner Technik und einer Flasche Korn hatte der mir den Brennerraum gezeigt, - und danach seinen Schlüsselbund vermisst.
Ich lasse mir heimlich neue machen, sagte der, als die Pulle alle war, und wir die Suche nach den Schlüsseln ergebnislos einstellten. Der Brenner läuft sowieso wie von alleine, da gucke ich nur alle vier Wochen nach dem Rechten.
Ja, die Computer gesteuerte Technik ist ein Wunderwerk, sagte ich.
War ja auch teuer genug - und alles für dieses Kanakenpack, war er entrüstet, - du bist ja fast der einzige Deutsche hier.
‘Wir sind drei, sagte ich.
Drei von 286.
Ist eben ne kleine Schule, sagte ich - und es wird sich alles richten, sagte ich.
Dein Wort in Gottes Ohr, war er zuversichtlich; - so wie du auch, Mutter, - du sagtest das auch immer: Gottes Ohr! Doch der ist taub. Blind. Und tot.

Ich meine eher, wir sollten auf seinen Hintern hören, denn eines Tages wird er uns zuscheißen, so wie damals in Thailand mit dem Tsunami, - oder wie ich es tat, als sein verlängerter Arm gegen die Moslembande, - die immer noch gegen unsere Kirchentüren pisst, unsere Frauen Schlampen nennt - und Gott mit Terror tötet.

‘Versündige dich nicht', tut Mutter bestürzt.
‘Keine Angst, Mutter, ich bete täglich drei Ave Maria, - bin frei von Sünde!'
‘Gut so, Junge!'

‘Okay, und jetzt gehen wir Machmut suchen, der hat nämlich seine siebenjährige Haftstrafe wegen Drogenhandel schon nach fünf Jahren wegen guter Führung gefinisht und macht munter weiter. Ich glaube, am leichtesten finden wir die Ratte auf dem Sozialamt, denn da besorgt ihm seine Großfamilie das Spritgeld für seinen Kanaksterjeep, - und der Arsch kommt immer noch persönlich, um seine versiffte Truppe abzukassieren. Also los, Mutter, mach schon, - pack deine Lumpen zusammen!'


Wer frei ist:

„Das geschah vor zehn Jahren?“ Fragt Grace.
„Nein, das ist gut 15 Jahre her. – Allerdings sind zehn Jahre davon Dr. Munks Therapieversuchen geschuldet.“
„Und was ist im ganzen daraus geworden?“
„Das, was du siehst, wenn ich vor dir stehe“, muss ich lachen, „... den Rest weißt du ja selber.“

„Leider nicht alles, - hast du denn weiter Tagebuch geschrieben?“
„Ja, habe ich. Allerdings hat Munk die Teile unter Verschluss. Er meint, es wäre zu radikal und würde meiner heutigen Persönlichkeit widersprechen.“
„Und, - widerspricht es?“
„Natürlich! - Sonst hätte er mich ja nicht entlassen!“
„Stimmt!“ Lacht sie mit all ihren süßen Grübchen. „Und dazu mit neuem Namen.“
„Zappa wäre nichts für einen Neuanfang, meinte Munk gleich bei meiner Einweisung. Deshalb habe ich mich schon damals in Jimmi umbenannt.“
„Jimmi Zappa ist auch nicht schlecht...“ Amüsiert sich Grace, worauf ich sie ins Koma küsse.

Kaum wach, will sie mit mir die Tagebücher bei Munk holen.
„Lass mal“, sage ich, „die laufen nicht weg. Die nehmen wir bei der nächsten Medikamentenausgabe mit.“
„Okay, dann bereiten wir uns auf das Kommende vor...“
„Das da wäre?“
„Zwei lungenkranke Typen aus der Linie meiner Mutter.“
„Gleich zwei. - Wie viele seit ihr eigentlich?“
„In der Zeitung stand neulich was von 650 Stück!“
„Und die willst du alle über den Jordan bringen?“
„Wir werden sehen, wie weit wir kommen, - oder?“
„Stimmt!“
Okay. Die nächsten sind also dann Pink Puffer und Blue Bloater.“
„Komische Namen.“
„Die Typen heißen nach ihrer Erkrankung. Bei dem rosa Schnaufer handelt es sich um eine hagere Socke mit trockenem Husten, der laufend aus einer Art Spraydose Liter von Sauerstoff inhaliert. - Der blaue Aufgedunsene ist ein schmieriger, fetter alter Sack, der in einem Fort blutigen Schleim in die Gegend rotzt. Beide erkennst du am Lungenpfeifen!“
„An was?“
„Die rasseln wie Trecker bei Vollmond.“
„Ein schönes Bild“, muss ich grinsen.
„Außerdem bin ich ja bei dir und zeige sie dir!“
„Wann soll’s?“
„Morgen früh, - wenn sie aus der Moschee kommen.“
„Das Gebet ist besser als der Schlaf.“
„Eilt zur Seligkeit mit Heil und Erfolg!“
„Du sagst es!“
„Wir nehmen das Motorrad.“
„Ist okay.“


Depressive Verstimmung:

„Die Mörder schweigen, schreiben sie; und vermuten Rassisten!“
„Lass sie schreiben.“ Wirkt Grace gleichmütig.
„Bist du sicher?“
„So sicher, wie man sein kann.“
„Und wenn wir ihnen die Wahrheit sagen?“
„Dann ist das unserer Wahrheit, aber lange nicht ihre.“
Da saßen wir beim zweiten Bier und ich wusste heute werden es wesentlich mehr sein als... Viel mehr. Und es wird doch ein scheiß Gefühl zurück bleiben. Ein- scheiß- an- Gefühl!
„Werd mir nur nicht moralisch,“ sagt Grace, - lacht mich an, „oder liebst du mich nicht mehr?“
„Doch. Immer!“ Lege ich mir die Hand aufs Herz. „Immer und immer!“
„Siehst du. Wir müssen nur dran bleiben, damit etwas neues entsteht.“
„Du wirst recht haben.“ Sage ich – um sie nicht zu enttäuschen. Auch, um mich von Gedanken über Versagen und Untergang abzulenken. Dem absoluten Ende von Zeit und Raum.

„Dehnt die Welt sich nun aus, oder nicht?“
„Es gibt eine Parallelwelt. Ein gespiegeltes Jetzt, habe ich gelesen,“ sagt Grace.
„Dann kann man ja Zeitreisen machen...“
„Wenn das möglich wäre, würde ich jetzt hier nicht mit dir sitzen.“
„Sondern?“
„Wäre im Ursprung. Und wüsste etwas, was du nicht weißt.“
„Lass uns eine Zeitmaschine bauen!“ Bat ich Grace. Da hatten wir das fünfte Bier.


Verborgene Ursprünge:

Ich will nicht ’alles’ wissen. Mir muss nichts erklärt werden... Doch einiges mehr über Grace wüsste ich schon (gerne). Also:
’Warum fragst du sie nicht, frage ich mich. Bist du zu feige?
Feige ist wohl nicht das richtige Wort; ich will sie nicht erschrecken. Ich will nicht, dass sie mich verlässt.
Aber wissen willst du?
Ja, wissen will ich.
Also?
Ich werde mich an ihr reiben, bis die Vergangenheit neu erscheint.
Du meinst, Grace wäre eine Art Rubbellos?
Nicht ganz, aber so ähnlich.
Du bist ein Idiot!
Und wenn ja, - was soll ich jetzt machen? Man kann nichts in den Urzustand zurücktauschen. Etwas ungeschehen machen. Es gibt auch keine Sauberkeit im wünschen. Es läuft im Hintergrund auch keine ’gute’ Matrix mit, - kein Weiß in Weiß. Die Vergangenheit ist wie die Zukunft: bestenfalls düster und dreckig. Deshalb lass es doch, wie es ist, - sagt er. - Compri?’

„Bei einem Schuss in den Mund explodiert der Kopf...“
„Wie kommst du darauf?“
„Ich lese über die NSU.“
„Wieso?“
„Weil die beiden Typen in einem Wohnwagen erschossen wurden!“
„Ich denke, es war Selbstmord?“
„Sagt man so.“
„Und?“
„Da soll es einen Dritten gegeben haben.“
„Mann oder Frau?“
„Was weiß ich. - Das Gehirn bastelt sich sowieso seine eigene Realität, sagt man. Nur so kann es sein, dass Angaben immer wieder unterschiedlich ausfallen.“
„Spielst du jetzt auf mich an?“
„Niemals, - Grace...“ - Auch wenn falsche Beschuldigungen umso lieber für wahr gehalten werden (also von mir in dem Fall), je präziser sie den Erwartungen der Belogenen entsprechen: Ich nenne es Liebe.
„Weil du mich liebst?“
„Ja. - Weil ich dich liebe!“
„Dann lass uns über die Zukunft reden.“
„Über morgen?“
„Genau!“
„Ich bin immer froh, wenn was passiert.“
„Ja, warten ist schlimm. Dann lieber machen. Egal, was dabei rauskommt.“
„Es könnte schlimmer kommen.“
„Womit?“
„Mit der Zeit. Wenn man älter wird und sich Vorwürfe macht, nicht getan zu haben was nötig war.“
„Ja. Das ist schrecklich; - damit könnte ich nicht leben.“
„Ich auch nicht.“
„Um so schöner, dass wir uns gefunden haben.“
„Und die Liebe.“
„Ja. Die auch!“


Zu deuten gibt es nichts:

„Weihnachten ist mehr als ich tun kann!“
„Bist du konvertiert?“
„Nein. Es gab keinen Grund.“
„Was sie dir angetan haben ist kein Grund?“
„Das hat mit dem Islam nichts zu tun.“
„Bist du sicher?“
„100%. - Und so sicher, dass ich dich, wenn du Ungläubig wärst, nicht lieben würde!“
„Ich praktiziere aber nicht.“
„Ich auch nicht.“

Die Form ist der Inhalt, und der Inhalt ist die Form, schreibt Joyce. Und ich kritzele es in mein Tagebuch. Staunend über Form und Inhalt meines Lebens. Über den ersten Schuss. Lange ists her. Und doch sind erst ein paar Monate vergangen. Als ob sich die Zeit auflösen würde. Mein Dasein. Mir das Dunkel jetzt schon seinen Preis abfordert: die Liebe. Das Glück mit Grace. Überall ginge ich mit ihr hin, wenn ich könnte. Auch zum Teufel. Ja. Auch dort wäre ich gerne mit ihr, wenn sie wollte. Doch es wird dauern. Weil sie mir auf meine Fragen (dahingehend) hartnäckig entgegenschweigt. Und es so nichts zu deuten gibt. Verstehst du?
„Das, was wir tun müssen, ist die Tat selbst“. Sagt sie.
„Ja. Schon -, doch wie oft noch?“
„Bis alles erloschen ist und wir sterben.“
„Bist du sicher, das zu wollen?“
„Nie war ich mir sicherer.“
Sie ist besessen, denke ich. Und überlege, ob ich es Munk sagen soll.
„Wenn du es Munk sagst“, sagt Grace, „ist es vorbei. Dann ist alles vorbei!“
„Auch das mit uns?“
„Ja. Alles“. Sagt sie.
Und ab genau da, wird sie mir fremd. Ist sie mir fremd. Sterbe und verstumme ich. Verweigere ich mich. Und sehne mich nach einem anderen Leben. Hörst du?

„Angeblich hat Pink Puffer überlebt!“
„Sagt wer?“
„Kam eben im TV.“
„Und was noch?“
„ ... saß hinter dem Mann eine Frau auf dem Motorrad.“
„Das ist doch eine Falle der Bullen! Die wollen uns aus der Reserve locken!“
„Du meinst, von wegen zum Krankenhaus fahren und nachlegen, - um den Zeugen zu beseitigen.“
„Genau so.“
„Verarschen lassen wir uns aber nicht!“
„Hand drauf.“
„Salute.“

’Wladimir:
Morgen hängen wir uns auf. - Es sei denn, dass Godot käme.
Estragon:
Und wenn er kommt?
Wladimir:
Sind wir gerettet.’

„Warten ist trostlos.“ Sagt Grace.
„Ich bin doch bei dir!“
„Eben.“
„Dann lass uns die Sache jetzt und hier abbrechen und in den Süden fahren.“
„Ein Hund wäre schön.“
„Auch das, - also?“
„Weihnachten ist überall Scheiße!“ Weint sie.
Ich kann Frauen einfach nicht weinen sehen. Und Grace schon überhaupt nicht.
„Okay. Dann machen wir es morgen!“
„Versprochen?“
„Großes Indianerehrenwort!“
„Sei nicht kindisch.“ 


I'm sorry but I'm walking away:

Nach dem Hit im Krankenhaus (Pink Puffer - u know what's up?) ist Ruhe. Fährt der gute- alte- Tod die Ernte ein. Klingelt die ’liebe’ Seele zum Pausentee. Muss unser Rauch ein träger Nebel sein. Fahren wir nach Süden. Ist es die mich irritierende Blässe im Gesicht von Grace. Ihr illusionsloser Blick, der mich traurig macht. Weil ich ihr nicht helfen kann, - Vergessenheit herzustellen. Stimmt. Ich bin einfach zu naiv dazu (sagte mir letztens auch Munk). Es ist wie Schwimmübungen auf dem trockenen. (Man) Macht sich (nur) lächerlich. Lachte er. Mag die Absicht noch so edel sein: And The Winner Is... Und alles ohne Sound- Effekt. Super – super- super – geil. Nein. Es ist nur das Allernötigste. Und das tragen wir in uns. IN UNS! - Surprise! So wie das weite Meer vor uns liegt. Südfrankreich. Und doch bleibt der Gleichmut von Grace a la ’Jeder stirbt für sich allein’ als traurige Position. Auch mir gegenüber. Gerade mir gegenüber! Wie sie eine große Geschichte klein macht. Eine kleine aber nicht groß. Fast wie Suizid im Stehen, auf einem Bein. Fette Beute (also) für Munk. Der mir einmal sagte: ’Sie dürfen sich niemals ernsthaft verlieben. - Wenn sie es doch tun, werden Sie ihre Identität aufgeben und sterben’. Ich hätte ihn dazu gerne was gefragt, - über die andere Welt und so. Über mein atemloses Leben – und so. Und das genau jetzt. Doch Munk ist weit weg. Wie immer, - wenn man ihn mal braucht. Wie alle -, wenn man die mal... Und überhaupt: Es liegt viel Scheiße im Glashaus!


Am seidenen:

Ihr Schrei ist kaum zu hören. Doch ich, ich kenne ihn, - als sei er meiner: "Wäre es mein Vater oder mein kleiner Bruder, hätte ich genauso gehandelt." Um dem mit einem Schnitt von links nach rechts, oder wie du willst, den Kopf abzuschneiden.
„Und? - Wirst du das für mich tun?“
„Alles für dich“, sage ich. Obwohl ich im Kopfabschneiden völlig unbewandert bin; wenn man das so sagen kann.
„Sag es so!“ Sagt Grace. Mehr als Befehl.
„Okay.“ Sage ich. Schon um ihren erneuten Schrei zu vermeiden. Der mittlerweile richtig laut geworden ist. Drängend. Dynamisch - fordernd.
„Okay. Okay!“, sage ich, so laut ich kann „ich mach’s ja, verdammt!“ Obwohl ich mich vor Köpfen ohne Körper fürchte. Schon die in der Zeitung. Bah. Du weißt schon. Die von den irren Museln mit Sendungsbewusstsein, - die laufend im Fernsehen mutieren. Die Einschüchterungen mittels Mordandrohungen an Politiker, Autoren, Fernsehkomiker, Publizisten, Waffenhändler – und an ganz normal Irre wie mich, richten. An all die Ungläubigen! Ja. So wie ich auch einer bin. Der nun aus Liebe einen Kopf abschneiden soll. Den in eine Tasche stecken, um ihn mit nach hause zu tragen. Ey. Bin ich Jäger? Fischer? Schlachter? Satan persönlich? Ich glaube schon. Was? Doch sollte ich es nicht sein, so will ich es werden, - damit Grace wieder happy ist. Lächelt. Lacht. Frohsinn verbreitet. Du weißt schon, - die vielen Pillen knicken einem die Beine weg. Das Leben. Machen das lustige Dings dröge. Und, machen schlapp da und dort. Mittelmäßig im Denken und Handeln. Müde. Depressiv. Im selbst Schuld sein.
„Wir können doch darüber reden!“ Doch die Sache verwirrt sich in unseren Köpfen, - mit den Worten, den Taten, den Waffen, dem Tenor. Mit Trompete und Fanfaren. Trommelwirbeln. Helau. Alaaf. Und, dass ich bin was ich bin. Als follow- up. Um für Grace reinen Tisch zu machen. Kopf hin oder her. Bei Gott. - Doch von wessen Kopf redet sie eigentlich?

„Lass uns mal machen“, sagt sie.
„Natürlich machen wir. - Einen Versuch ist es allemal Wert!“
„Ich habe extra ein Jagdmesser besorgt. Ein Muela Lancero 21-S. Perfekt für Köpfe.”
„Donnerwetter, was für ein schönes Teil!“
„Aus Molybdän- Vanadium mit Rockwell- Härte!“ Ist sie begeistert
„Du scheinst Ahnung zu haben?“
„Habe ich von meinen Brüdern.“
„Also ist es diesmal der große Bruder?“
„Gut gesehen, gut gesagt.“
„Wir alle werden verrückt geboren. Manche bleiben es, lässt Beckett in Godot sagen!“
„Die Sonne schien, da sie keine Wahl hatte, auf nichts Neues, lässt er Murphy sagen.“
„Ich weiß. Es ist der erste Satz im Roman.“
„Okay, dann lass uns gehen, bevor mir kalt wird.“
„Nehmen wir den BMW?“
„Die Kanakenschaukel?“
„Die fällt, wo wir hinmüssen, am wenigsten auf.“
„Weißt du noch wen du riefst, als du noch klein warst und Angst hattest, in der Nacht?“
„Ich rief niemanden. - Wenn ich schrie, stellten sie mich weit weg um ihre Ruhe zu haben!“
„Auch deine Mutter.“
„Auch die!“
„Okay. Dann lass uns los.“
‘The harder we fight, the deeper we fall’.
„Ab jetzt sind wir frei wie der Wind.”
„Wie ich dich liebe...“
„Weil ich deine einzige Hoffnung bin, - stimmt's?“


Mord? Warum nicht:

Und wieder mischt sich Munk ein; auch wenn es hundert Jahre her scheint: „Ausgerechnet Grace...“, sagt er. „Sie werden doch mit ihr nie schlafen können. - Mann -, Jimmi!“
„Sind Sie sicher?“
„So sicher, wie Musel ihre Kinder beschneiden!“
„Und Grace ist?“
„Nicht nur das. Ihre neue Freundin ist buchstäblich durch die Hölle gegangen.“
„Wegen des Vaters?“
„Die ganze Familie hat sie benutzt, - schlimmer als man ein Tier...“, sagt er. Und weint. Und mal ehrlich, Munk habe ich noch nie, ich schwöre es, noch niemals weinen sehen!
„Oder haben Sie mit ihr schlafen können?“
„Mein Kopf konnte.“
„Ihr Kopf kann alles, Jimmi. Deswegen sind Sie ja hier!“
„Ich weiß“, sage ich, „es ist ein Rückfall, was?“
„Nun, ich werde Sie streng beobachten... Aber ich bin guter Dinge, Jimmi, - es wird!“

„Mir gefällt der Laden hier nicht“, sagt Grace. „Und dann noch dieser komische Munk. - Arzt soll der sein?“
Inzwischen weiß ich über den Geschmack von Grace Bescheid. Party machen. Schicke Kleider, eine elegante Wohnung, gutes Essen. Koks satt. Und immer ein schnelles Auto vor der Tür. Wäre da nicht dieser Hass auf ihre Leute. Dagegen bin ich echt ein Romantiker. Dabei habe ich darüber keinen Schimmer. Es ist eher ein Verhaltensmuster, dem Asperger geschuldet. Weißt schon. ’Ja’, nickt Munk. ’Ich weiß!’ Und in dem Augenblick ist er mal kein Arschloch; - das ist witzig, oder? Weil dessen Sicht auf Sex und Frauen verheerend ist, soweit ich weiß. Munk mag nämlich Männer... Androgyne Typen – die auch. Und das auf einer Skala von 1 bis 10. Ich bin seine 12. Bin Munks Jugend. Schönheit. Muskelumfang. Penislänge. Sage fast immer die richtigen Dinge - und liebe Frauen. Und er ist in meinem Kopf. Ein sonniger Tag am Strand. Wenn ich gut drauf bin. Den unerfreulichen Rest lasse ich mal weg. Zudem habe ich ja jetzt Grace. Die gerade Edith Piafs La Vie En Rose hört.

“Des yeux qui font baisser les miens
Un rire qui se perd sur sa bouche
Voilà le portrait sans retouche“

Und damit bin ich wieder am Ausgangspunkt. Erinnere mich, warum Depressionen schrecklich sind. Dieser unerträgliche Zustand, nach dem Menschen im Menschen suchen, um ihn zu vergessen. Dieses Gefühl, das nie abklingen wird. Nein. Dann lieber körperliche Schmerzen. Eine höllisch brennende Wunde. Wie nach einem Schuss. Denn da ist kein Gefühl dabei. Da ist einzig das. Dazu ein wenig Verzweifelung, wenn man merkt, dass man daran womöglich sterben wird. 


Bild im Kopf:

Wenn es im Schädel rauscht. Bis das Bild neu erscheint. Sich aus Rissen und Fetzen Ideen formen. Die sich zu Tönen bilden. Wenn die Variation darüber Sprache wird. Wörter. Die von der Zunge in die Hand wandern. Sätze. Und. Wenn man dann in der Narrativität sitzt, wie in einem bequemen Sessel. Bitte schön. Die Seele im Echoraum geparkt. Im Versuch des Begreifens. Mit Mohn im Kopf. Weißer Schnee schmilzt, blutig zerfließt. Wenn es zur Raserei kommt. Weißt du.

„Selbst Schuld.“ Sagt Munk. „Hätten Sie mal ihre Tabletten pünktlich genommen!“
Und Recht hat er. Ich habe nicht. Und pünktlich schon überhaupt nie. Auch deswegen ist alles schriller, lauter. Avant Pop an Weihnachten. An dem ich, als Erbe der Zeit, 28 Jahre lang geträumt habe im Himmel zu sein. Als Gänsebraten. Schweinshaxe. We Will Rock You. Elvis. Mein Protest. Oder so ähnlich. Dazu einen Gruß in die Ewigkeit denn der Dings, Jürgens, ist gestorben. So besonders seine Angst davor war. Seine Gier nach Leben. Musik. Frauen. Als würde man Free Jazz hören. Und schon wieder fangen meine Tränen an zu trippeln. Vergangenheit. Mann! Wer hätte das gedacht. Egal. Es gibt schließlich auch reichlich Gartenzwerge in deutschen Vorgärten.
„Es gibt also keinen Grund dafür, dass sich etwas ändert?“
„Doch.“
„Und was?“
„Hast du mir jemals in die Augen gesehen?“
„Nein.“
„Eines Tages werde ich sie dir zeigen.“
„Wann?“
„Wie spät ist es?“
„Wieso?“
„Ist es spät?“
„Ja.
„Und. Hast du sie überprüft?“
„Sie sind ganz weiß geworden.“
„Und sonst?“
„Es wird gleich regnen.“
„Ist mir egal. - Wir sitzen trocken.“
„Hast du es nicht echt satt?“
„Was?“
„Das es laufend regnet.“
„Du nicht?“
„Das ganze Leben dieselben Fragen, dieselben Antworten.“
„Mach mich nur fertig. Ey.“
„Du magst mich nicht mehr.“
„Doch.“
„Und was noch?“
„Ich liebe dich.“
„Habe ich dich zuviel leiden lassen?“
„Liebe heißt leiden.“
„Sagt wer?“
„Munk.“
„Ausgerechnet. Dann lieber sterben.“
„Ich habe es gehört. Doch mir liegt nichts daran.“
„Dann eben nicht.“
„Samuel Beckett ist vor 25 Jahren gestorben.“
„Und Curd Jürgens gestern.“
„Der Udo mit C?“
„Das kann man doch nicht vergleichen!“
„Alle atmen, verlieren ihre Zähne, ihre Haare, ihre Leben.“
„Wenn du meinst.“
„Ich werde immer an dich denken.“


I’am all over it:

Was ist das für (ein) schräges Licht. Wenn man auf dem Bauch liegt. Und der Mond im Westen. Als Sichel. Steht. Ey. Was ist das, wenn man auf dem Rücken liegt und einem Blut in die Augen läuft. Und. Wieso hat Grace eine Waffe in der Hand (und) ist rot -; Rot? Erinnert mich an das Überleben im Leben. Klingelt das Telfon wie irre. Schlägt das Labyrinth einen Bogen. Beginnt der Strand zu schwanken. Fallen reihenweise Bäume über die Klippen. Bin ich im Kopf Jazz und Blues. Tanzt mein Körper Rock’n Roll. Kann ich nicht sprechen. Ist der Hals trocken. Wüstensand. Eigentlich komplett zu. Alles. Wächst zusammen, was sich nicht gehört. Verengen die blauen Schlitze am Himmel den Himmel. Meine Augen. Die dunklen Wolken der Nacht am Tag. Bin ich im Gegenteil. Vögeln die Pflanzen die Vögel. Die Vögel den Rest. Alle. Und die Märchen ihre Lieder. Küsst die Zumutung die Endlichkeit. Gibt die Zeit ihre Stimme den Stummen. Höre ich meine Frage nicht. Frage ich mich, - warum Grace geschossen hat. Und wenn ja, auf wen? Wo ich doch hier liege.
„Nur so!“ Antwortet sie. „Aus langer Weile!“ Und ich wundere mich darüber überhaupt nicht mehr. Will die Wirklichkeit zurück erobern. Die Bescheidenheit von Grace. So, wie ich die einst im Mai kennen lernte. Mai. Weißt du?
„Nein. Für Bescheidenheit ist keine Zeit mehr!“ Bügelt sie mich ab. Und ich staune nur noch. Halte alles für ein Missverständnis. Ey, was ist aus uns geworden? Don’t stop the musik, Baby.

„Bist du neugierig?”
„Sicher.“
„Du hast ihn lange nicht gesehen?“
„Ja. Es ist Jahre her.“
„Und?“
„Du wirst es doch tun. Oder?“
Liebe ist ein (scheiß)Spiel!
„Ja. Ich mach’s.“
„Genial!“
Liebe ist. Und ich mitten drin.

„Früher hast du beim Küssen immer die Augen geschlossen.“
„Jetzt nicht mehr?“
„Nicht ganz. Deine Lieder flattern wie Schmetterlinge an der Blüte.“
„Das hast du aber schön gesagt.“
„Kannst du jetzt bitte das Verbandszeug holen?“
„Wozu?“
Ich bin stärker als ich manchmal denke. Denke ich.
„Da musst du drüber stehen.“ Sagt sie.
„Warum?“
„Es ist nur Kirschsaft.“
„Echt?“
„Ja.“
„Und der Schuss?“
„Ein Versehen.“
„Wie kann das denn passieren?“
„Es passiert eben.“
„Mann - Mann - Mann...“
„Lass gut sein.“
Ich weiß. Wer liebt, verliert.
„Arschkarte!“ Sagt Grace. „Es wird aber wieder.“
„Hatten wir alles schon mal“, sage ich, „ganz am Anfang.“
„Dann weißt du es ja.“
„Das Liebe blind macht?“
„Genau.“


Click HERE to see my push up fail:

In den letzten Wochen habe ich 9 Leben ausgeknipst. Es hat mir echt nichts bedeutet. Ihr Flehen. Vor dem Schuss in den Kopf. Das Blut, und wenn sie liegen die verdrehten Körper der Typen. Ich habe mir den Mund abgeputzt, bin aufs Rad und weg. Weil ein paar Meter weiter Grace auf mich gewartet hat. Es geschah ja alles nach ihrem Wunsch. Mir ein Befehl. Nein -, sie hat mich darum gebeten. Echt. Ich habe meine Gründe, sagte sie. Und teilweise kenne ich die ja... Es stimmt auch, ich habe mich gerne von ihr bitten lassen. Aus Liebe. Doch das ist für mich nicht der einzige Grund. Ich bin von Natur aus böse. ’Böse, Irre, ein Verbrecher bist du’, sagte schon mein Vater. Und der musste es wissen. Von wegen der Gene. Die dumme Nuss. Außerdem hat Grace sonst niemanden dafür. Nicht mal Munk. Der uns gegen jede Art Gewalttätigkeiten Pillen in den Mund schiebt. Zäpfchen in den Hintern steckt. Oder? Auch mal eine Spritze in die Arschbacken. Mal ein halbes Dutzend davon pro Tag. Auch das. Als Nachschlag oft genug die Zwangsjacke. Und die Weichzelle dazu. Das Teil aus Gummi ohne Fenster; du weißt schon. Munk, - Mann, Alter! Wo du doch ab und an selber mal mit dem Knüppel dazwischen schlägst; - wenn ER vergessen hat seine Pillen zu nehmen. Egal jetzt. Denn in den nächsten Wochen werde ich weiter Menschen töten. Aber erst nach Weihnachten. Grace will es so. Zudem wünscht sie sich einen Hund. Möglichst klein. Winzig. Was für die Jackentasche! Ich finde Hunde auch okay, - will den Hund aber nicht zum Waisen machen. Kaum geboren und dann ex und hopp! Ich meine, wenn die Bullen kommen und uns abknallen, was dann mit dem Tier? Oder, wenn die Familie von Grace uns steinigt. Der ganze Clan. Frisst der Köter dann unsere Reste? - Meine Güte. Das sind fast 600 Mann. Eine kleine Armee im Großen. Und die hassen Hunde, weil die unrein sind. Diese Dings. Musel. Totschläger. Ehrenmörder. Geldeintreiber. Zuhälter. Menschenhändler. Vergewaltiger. Schutzgelderpresser. Fluchthelfer. Kurz: Mafiosi. Und. Ach, ich weiß nicht was noch alles.

„Was würdest du machen, wenn die Polizei unseren Wohnwagen umstellt?“
„Wenn es mehr als 2 Polizisten sind, meine Familie zu Hilfe rufen“, lacht Grace.
„Den Clan? – Echt?“
„Was würdest du machen, wenn die dann unseren Wohnwagen umstellen?“
„Die Polizei rufen!?“

„Muslime feiern kein Weihnachten, oder?“
„Nicht so richtig.“
„Also kommt nicht die Polizei, sondern der Clan!“
„Wahnsinn, oder?“
„Der Mensch in der Natur des Wolfes. Dogs eating Dogs.“
„Ist er?“
„Meinst du nicht?“
„Aber ja doch.“
„Hold on, hold on, hold on. Love. Love. Love.”
„Ey, geil!”

’Let's get started, the faint and brokenhearted
hold it up! I've got something I cannot hide.’


Sterben mit Verstehen:

Die knappen Befehle. Die Facetten von Gewalt. Die sind mir noch in Auge und Ohr. Habe Erfahrung. Und war dem Tod oft nahe. Dem Sterben. Mit Tabletten. Erschießen. Ersticken. Erhängen? Einem schnellen Ende ohne Schmerzen jedenfalls. Der Traum eines jeden. Weißt du. „Ja, ich weiß!“ Um eine ansehnliche Leiche zu sein, die niemanden erschreckt. Nicht das Gesicht einer Depression. Ein irres Ich. Kein zynischer Blick im Vorwurf. Sondern sterben mit Verstehen. Weißt du? „Ja, ich weiß!“

„Hängen ist scheiße. - Hängen ist absolute Scheiße. Lass dir das gesagt sein.“
„Der Tod, - der Tod ist das Problem.“
„Beim Hängen scheißt du ein, - und die Zunge hängt raus.“
„Von wegen.“
„Echt. Zig Mal probiert.“
„Hängen?“
„Tabletten sind besser. Läuft glatt ab. Und man sieht gut aus.“
„Hängen bringt kein schnelles Ende, was?“
„Überhaupt nicht. Ich bin schon besser gestorben.“
„Außerdem haben wir ja Knarren.“
„Klar -, die Knarren.“
„Einer schießt dem anderen in den Kopf.“
„Gleichzeitig?“
„Klar. So wie die vom NSU.“
„In den Kopf gibt keine schöne Leiche.“
„Das Kaliber muss stimmen. - Nicht, dass der halbe Kopf wegfliegt.“
„Dann kann man den Wohnwagen danach wegwerfen, was?“
„Kannste glauben.“
„Echt. Schließlich hat man ja auch Gefühle, oder?“
„Bewusstsein, oder?“
„Klar. Hat man.“
„Nicht so wie die von dem NSU.“
„Mit einer Pumpgun.“
„Nein. So nicht. - Und dann haben die ja auch noch den Wohnwagen angezündet.“
„Als sie tot waren, schreibt die Presse.“
„Quatsch. Das sind Verschwörungstheoretiker.“
„Alle?“
„Der Rest ist vom Verfassungsschutz.“
„Ist ja fast wie bei uns.“
„Dann hast du ja doch die Zeitung gelesen!“
„Nur wegen der Perspektive.“
„Gibt es eine?“
„Jeder hat eine. Die hängt einem an wie die Persönlichkeit.“
„Die hat aber nicht jeder.“
„Aber eine Existenz.“
„Eine Existenz hat jedes Schinkenbrötchen.“
„Von der Herrschaft über das Leben will doch keiner was wissen.“
„Aber saufen und ficken.“
„Du bist heute richtig romantisch.“
„Ich bin Nihilist. Ein Mann eben.“
„Und ich finde jeden Arsch, der sagt, dass er Nihilist sei, tragisch - irgendwie.“
„Das ist unser erster Streit überhaupt, Grace.“
„Und. Macht dich das traurig?“
„Es hat was von Krieg. Vom sterben wollen -, vom sterben sollen. Findest du nicht?“
„Es ist Nähe und Wärme, Vertrautheit. Finde ich. Die Frage nach dem Intimen im Menschen. Oder?“
„Weil ich eine Killermaschine bin?“
„Jedenfalls hast du Humor.“
„Humor ist wichtig, oder?“
„Extrem wichtig!“

Ich habe Krieg erfahren. Afghanistan. Damals. Als Stücke feurigen Stahls vom Himmel fielen. Granaten, die das Leben in eine Trümmerwüste verwandelten. Ein Alptraum, sage ich dir. Wie der Irre, der einer Frau eine Machete zwischen die Beine rammte.

„Du hast das getan?“
„Ja.“
„Warum?“
„Siehst du doch, Mann!“ Sagte der.
„Sehe ich nicht. Ich sehe, du hast einen Rombus gezeichnet. Also?“
„Ist die Fotze der Alten!“
„Das zerbombte Teil?“
„So sieht die nun mal aus.“
„Woher weißt du das?“
„Was fragst du so eine Scheiße, - ich habe sie schließlich gefickt, Alter!“
„War’s schön?“
„Supergeil...“
„Der Tod ist auch schön.“
„Der Tod ist tot.“
„Weil du sie danach erwürgt hast!“
„Sie wollte es.“
„Quatsch. Sie war krank.“
„Sie wollte einen Orgasmus. Und den bekommt sie nur, wenn ich ihr die Luft abdrehe. Hat sie gesagt.“
„Sarah? Niemals...“
„Was weißt du schon von Gefühlen, Alter!“
„Kenne ich alles. Und ich weiß auch was über Depressionen.“
„Denkst du aber auch nur!“
„Und über Postraumtische Belastungsstörungen...“
„Bist du deswegen in Therapie?“


Behind Darkness:

Campen im Winter ist nicht ohne, aber machbar. Zumindest dann, wenn man nahe einer Stadt kampiert und alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Geld dazu haben wir ja reichlich. Und wenn nicht, ich weiß, wo es was gibt. Und mit Grace an der Seite, stehle ich sogar Löwen jeder Größe. Serengeti stirbt nicht, wie du weißt. Affen im Urwald schon.

Die im Wagen 100 Meter neben uns, sind schon 15 Winter hier. Im Sommer auch. Ein Ehepaar, wie sich herausstellt. Hartz 4. Aus Kreuzberg. Wir helfen ihnen mit Lebensmitteln und Gasflaschen aus.

„Bist wie Robin Hood!“ Lacht Grace, wenn ich Flaschen und Einkauf anschleppe. Später mal werden die Beiden der Polizei sagen, wie nett wir waren. Doch das bringt es auch nicht mehr. Immerhin haben sie auf einer weiß- grauen Tagesdecke drei braune Teddybären auf dem Bett sitzen. Grace erinnert das an irgendwas. Sie lächelt beim Anblick der Bären. Ich frage aber nicht. Und das Ehepaar faselt was von Orientierung und Sicherheit, - von wegen der Bären. Als ob die frei laufen würden. Ich denke an Robinson Crusoe und überlege, wer von den beiden Rentnern Freitag ist. Karl, der nur ein Bein hat. Oder Susi Super, - mit ihrem Pseudokrupp. Deren nächtliche Bellanfälle Wölfe in die Flucht schlagen. Gäbe es welche. Jedenfalls dachte ich beim ersten Anfall von Susi, die Polizei wäre da und würde uns per Megaphon zur Aufgabe bewegen wollen.

„Wenn die Bullen kommen, - sollen wir uns dann erschießen?“ Frage ich Grace.
„Wir haben Waffen satt und sollten Selbstmord begehen, - etwa wie die vom NSU. Das ist doch unglaublich, oder?“

Karl und Susi Super bleiben auf dem Platz, so lange es geht, erzählen sie.

Vom NSU ist nur Zschäpe übrig. Und ihre Verteidiger streiten sich seit Wochen mit dem Richter um die Herkunft der Tatwaffe. Dazu kommen noch Aussagen von Zeugen, die alles wissen und nichts. Und also auch alles sagen und nichts. Während bei uns im Wagen die Luft dicker wird. Grace laufend unsere Fingerabdrücke abputzt, als stünde die heilige Inquisition vor der Tür.

„Wir müssen vor dem Frühjahr von hier weg sein“, sagt sie, „diese stinkige Enge halte ich nicht länger aus!“
„Wohin soll’s denn gehen?“
„Wärme“, sagt sie, „ich brauche viel Wärme!“
„Okay, dann machen wir noch wie besprochen den einen Hit, - und dann ab nach Portugal.“
„Aber nicht mit dem Wohnwagen.“
„Wie du willst. Fliegen müssen wir dann aber von Hannover, oder Hamburg.“
„Weil die mich suchen?“
„Der Präsident ist dein Vater - und wir bringen seine Leute um; schon vergessen?“
„Leider nicht!“
„Also, - was?“
„Ab Hamburg!“

Die Zeitungen schreiben, Deutschland sei selber Schuld dass es Clanchefs wie den “Präsidenten“ dauerhaft dulden muss.

„Mach die Kiste aus“, sagt Grace, „das Gejammer der Leute geht mir auf den Keks!“
„Da schlägt dein Vater in dir durch, was?“ Grinse ich. Dann geht komplett das Licht aus. - Du ahnst es schon, was? Dass ich nämlich weinen kann, wenn es drauf ankommt. Und, wenn ich Musik höre, wo Wasser rauscht, muss ich unter Garantie pissen.
Hier ist die Mucke. Und ich muss. Ich kann. Also.


Stehe auf und nimm das Kindlein, – oder: Rise like a Phoenix:

„Wenn wir ein Kind hätten...“, sage ich.
„Wir werden keins haben!“ Sagt Grace. Und dabei hebt sie die Stimme. Und ich weiß.
„Wenn...“
„Ich würde es erschießen!“
„Unser...“
„Und komm mir jetzt nicht von der Frucht der Liebe -, von der heiligen Familie, - und so Scheiß!“
„Aber...“
„Wenn du nicht augenblicklich den Mund hältst, bin ich weg!“
„Meine Güte, Grace, reg dich bitte nicht so auf!“
„Ich will mich aber aufregen, weil du mich aufregst. Halt also einfach dein blödes Maul!“
Und ich denke eben noch ganz lieb an sie, als wir am Restaurant ’Seute Deern’ in Tegel vorbeifahren, Richtung Flughafen. Und ich mir meiner Liebe zu ihr bewusst werde - die wie ein Keulenschlag. Und unbemerkt von Grace Tränen verdrücke. Ey, ich bin irre, oder? Zudem veranstaltet das Restaurant ein Krimi- Dinner mit dem Motto ’Auf Mörderjagd beim 4 Gänge Menü’. Was ich sehr passend finde. Grace aber nicht. Weil sie, als ich wieder mit Kind und Familie und so anfange, die Ceska vom Rücksitz greift und einen durchs Autodach abfeuert, als wäre schon Sylvester. „Ey – bist du komplett irre?“ Und ich wieder denke, was Liebe aus einem macht. Und sie mich wohl nicht liebt. Jedenfalls nicht so, wie ich sie. Weil sie kein Kind von mir haben will - und mich erschießt, wenn ich ihr eins mache.

„Wir sollten ein neues Auto suchen!“
„Wegen der paar Meter?“
„Am Airport wimmelt es von Polizei!“
„Okay. Was soll es denn sein?“
„Eine S- Klasse.“
„Zu groß.“
„Dann nimm eben einen Golf. - Meine Güte!“
„In schwarz?“
„Wenn du so weiter machst, sind wir da!“
„Was nun?“
„Weißt du was, du Idiot, - mir ist Portugal vergangen. Kehr einfach um; ich habe nämlich echt die Schnauze voll!“
„Einen neuen Karren brauchen wir trotzdem.“
„Dann mach schon hinne, Mann!“
„Dann legst du aber die Kanone weg.“

„Weißt du eigentlich, dass die NSU- Leute eine solche Ceska benutzten?“
„Benutz haben sollen!“ Belehrt mich Grace. „Oder glaubst du an Märchen?“
„Stimmt! Benutzt haben sollen!“ Nehme ich den Ball auf. Steige aus und nehme das widerspenstige Kindlein mit.

Es ist ein schwarzer Golf. Steht Nähe Kurt Schumacher Platz, Berlin- Reinickendorf. Keine tausend Meter weit von der Klapse weg. Munk wohnt dort. Und der Golf ist seine Karre.
Ey, einen guten Rutsch, Bruder, und Gesundheit, Bruder, wünsche ich. Oder soll ich etwa nicht? Kann er meine Gedanken lesen? Und, warum hängt mir seit meiner letzen Pillenaufnahme in der Klapse ein hauchdünnes Kabel aus dem rechten Ohr, - und aus dem linken nicht? Mann, wenn das Grace wüsste.
„Sag mal, dieses Kabel da an deinem Ohr, - was soll der Scheiß eigentlich?“
„ ...wo du es sagst...“ Liebe ich sie mehr und mehr: Rise like a Phoenix!


Banality – oder: Kill the Cat again:

Manchmal denke ich, was ich zuletzt sehen werde, wenn ich sterbe. Dann habe ich das brombeerrote Handtuch vor dem Gesicht. Immer! Also werde ich das brombeerrote Handtuch sehen, wenn sie mich erschießen.
Manchmal denke ich, was ich zuletzt hören werde, wenn ich sterbe. Dann höre ich die Dusche rauschen. Also wird es die Dusche sein, die.
Manchmal denke ich, wenn ich so denke, dass ich auf dem Campingplatz sterbe. Und dann frage ich mich, ob es Sommer oder Winter sein wird. Nord oder Süd. Oder irgendwas dazwischen.
Und manchmal sehe ich im Denken meine Mörder. Ich kann die aber nicht zuordnen, - muss am Dampf der Dusche liegen. Und deswegen bleibt die Frage, ob es Leute von Grace sind, die Bullerei oder etwa Munk und Gefolge. Als ich Grace danach frage, wird die sauer. „Ey!“ Sagt die. „Du musst einfach das Alter deiner Eltern addieren. Wenn du davon den Schnitt nimmst, hast du dein Lebensalter. Also mach dir mal keinen Kopf!“
Manchmal denke ich daran, was meine Eltern gesehen haben bevor sie starben. Dann habe ich das brombeerrote Handtuch vor Augen. Immer! Den Geruch nach Juchten, von meiner Mutter. Also werden sie das brombeerrote Handtuch gesehen haben und den Geruch nach Juchten eingeatmet ..., bevor ich sie erschoss. Doch das kann ich Grace nicht sagen. Grace hält mich dann eventuell für ein echtes Monster, - auch weil ich ihre Eltern erschießen werde. Und deshalb denke ich, Grace sieht in mir einzig einen Mörder - und nicht mehr. Von wegen Liebe. Wohl kaum. Dabei liebe ich sie Tag für Tag wie irre. Auch weil sie bald Waise ist, - wie ich. Ja, deswegen liebe ich sie ’auch’ wie mich. Genau das ist mir eben unter der Dusche klar geworden. Und wie wir sterben werden. Dass ich erst sie erschießen werde, - dann mich. Wie ich sie mit Juchten besprühe. Dann mich. Mit dem brombeerroten Handtuch über dem Kopf. Mit diesem sanften Sturm. Es wird toll, wetten?


Prost Neujahr, du Arsch – oder: Wenn das Glas halb leer ist, bin ich halb voll:

Von manchen Leuten bekomme ich Pickel, da waren die noch gar nicht geboren. Es wäre besser dabei geblieben. Doch Grace lässt sich davon nicht abhalten. Sie will mit ein paar Leuten vom Campingplatz Sylvester feiern.

„Mal ganz normal sein“, will sie mich auf die Party einstimmen. „An nichts weiter denken müssen.“
„Schon daran scheitert es“, sage ich, „wenn ich nicht an morgen denke, bekomme ich ganz kleine Eier!“
„Du musst loslassen wollen!“ Und dabei betont Grace das ’wollen’, als würde im Tegeler Hafen das Schiff von Brecht mit fünfzig Kanonen an Bord vor Anker liegen.

“Meine Herren, heute sehen Sie mich Gläser abwaschen
Und ich mache das Bett für jeden.
Und Sie geben mir einen Penny und ich bedanke mich schnell
Und Sie sehen meine Lumpen und dies lumpige Hotel
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.
Und Sie wissen nicht, mit wem Sie reden.“ Grölt Jenny.

Nein. Sie weiß nicht, mit wem sie redet. Aber auch ich weiß nicht, mit wem ich rede. Während ich andererseits schon den Mast beflagge. Ein Bild von Freiheit an die Wand spraye. Die Faust balle. Die weiße Taube knutsche. Doch auch die weiß nichts, - weiß nicht, wer sie zerdrückt. Und warum alle um mich herum stumm bleiben. Denn es ist einzig die Sehnsucht nach Entwicklung, die den Ton angibt und mir die Kraft auf ein Neues. Doch darüber ahne ich lediglich. Weiß nichts. Nicht wirklich, jedenfalls. Auch mit Munks Pillen.
„Bei ihnen sucht sich noch die zusammenhanglose Realität ihren Raum!“ Kontert der. „Und deswegen sind sie hier.“
„Nein. Die Entwicklung ist eine Sehnsucht nach dem Vergangenen.“ Behaupte ich. Während Grace immer noch stumm bleibt. Gerade als ich sie so nötig brauche. Das ändert sich erst, als eine Rakete hoch in den Himmel fährt. Neben dem Mond platzt. Boing. Zack. Boing. Dann in blau glüht. In rot Sterne sprüht. In grün. Gelb. Mit Feuerschweif. Und bei mir ein vielstimmiges ’Ah bis Oh’ ankommt, als ich das erste Bier öffne. Ey. - Prost 2015: Ich mag dich schon jetzt nicht!


Tatort, extreme Blickrichtung Nord- Nord Ost: Stillgestanden!:

„Wo ihr jetzt mit eurem Camper steht, stand mal der vom NSU“, sagt feixend Karl.
„Und?“
„Ach, - die waren eigentlich ganz nett!“ Flötet Susi Super.
„Nett sind wir doch auch.“
„Aber klar“, lächelt Karl, „ihr ähnelt denen sogar.“
„Die waren aber drei!“
„Ab und an vier!“ Sagt er. Und kneift dabei verschwörerisch das linke Auge zu. - I like it.
„Und wer war der vierte?“
„Der sah irgendwie amtlich aus...“
„Amtlich?“
„Ja – so – langweilig. Irgendwie fremd eben...“
Und damit fehlt dem Gigantischen das Werk. Der Schöpfung die Unendlichkeit. Das Copyright dem Jetzt. Es bleibt einzig das schwarze Loch, - wie in jeder Zeugenaussage.

„Mach mal Klartext: Was ist für dich fremd?“
„Leute vom Amt. So wie Bullen in Zivil.“
„Wurdest du denn danach dazu befragt?“
„Bei uns waren irgendwann zwei Polizisten, die haben uns gesagt wir sollen nichts sagen, egal wer uns fragt. – Hat aber bis jetzt keiner gefragt.“
Und ich nun wieder im Akt der Revolte. Die im wir ’unter uns’ eigene Geburt zum hundersten Male erlebend. - Mein Gott, wenn Munk davon wüsste, der würde mir stante pede den Tagesausgang canceln. Und es wäre ihm egal, wenn ich deswegen vor die Hunde ginge. Und Grace erst. Die mir wütend einen Spiegel entgegenschleudert, - spielt die Wucht des Schicksals, die sich als Waffe gegen die Welt eine eigene Identität schöpft.

„Mann, - nun lass endlich diese scheiß Pillen rüberwachsen!“ Fängt Grace zu toben an. Während sich mir die Sprache verweigert, - weil ein Hauch von Schimmelsporen auf meiner Stimmritze liegt. Und ich huste und: „Wasser, Wasser“, rufe. Brülle... Wasser! Ey! Wasser! - Ganz gegen meine Gewohnheit. Ey. Als ob die schöne Welt dadurch weniger schön wäre. Wasser! - Ein Grundrecht! Mann! Ohne das niemand überleben kann. - Nicht weiter schlimm, sagst du? – Na, ich weiß ja nicht! – Und ich weiß auch nicht, was überhaupt verhandelt wird. Bin ich es etwa? Oder du?! Oder doch ich!? Und wer ist überhaupt alles vorgeladen? Augenzeugen? Ohrenzeugen, - wie die beiden Bahnarbeiter?
„Zwei Schüsse sind gefallen“, sagen die, unabhängig voneinander. „Zwei Schüsse. Nicht mehr!“
Der Rest ist Tatzeit. Kurz vor 14 Uhr. - Ein andere Zeuge will aber einen Russen gesehen haben. Um Eins. „Waren Sie das?“ Fragt man mich.
„Ich? – Ey. Bin ich Russe - um Eins? - Im Luftbild sieht man es doch ganz deutlich. Vorne verläuft die Bahnanlage, daneben der Radweg!“
„Genau so. Und von da aus haben die Radfahrer SIE gesehen, genau am Tatort!“
„Und, soll ja mal vorkommen, dass auf einem Radwanderweg Radler unterwegs sind, oder?“
„Und wo waren sie nun?“
„Um wie viel Uhr?“
„14 Uhr!“
„Um 14 Uhr gibt Munk die zweite Ration Pillen aus. Und immer pünktlich! – Also, alles klar?“
„Wir werden es überprüfen...“

Der Richter meint, ein Zeuge, der sein eigenes Phantombild nicht erkennt ist ein schlechter Zeuge. Aber mehr Zeugen zum Tatzeitpunkt 14 Uhr gibt es gar nicht. Fakt ist zudem, gemordet wurde nicht per aufgesetztem Kopfschuss, nicht mal per Nahschuss, denn es gab keinerlei Schmauch am Auto, nicht an den Türen bzw. an den Holmen, und keinen im Auto. Es liegt also eine andere Schussdistanz vor. Weißt du? Und darum gibt es auch keine Blutspritzer auf meiner Jogginghose.
Es wird immer irrer, finde ich, - mit diesen blutverschmierten Männern, die auf Pappdrachen reiten. Nichts desto trotz versteift man sich auf den Schwindel.

Hier nun einige der erfolgreichsten NSU überhaupt:
1951: Wilhelm Herz (2 Zylinder, 500 cm³, Kompressor) Stromlinienverkleidung, 290 km/h
1954: Baum I (49 cm³, 3,4 PS = ~ 2,5 kW), Stromlinienverkleidung, 127 km/h, 1955 sogar 151 km/h
1954: Baum II (98 cm³, 7,2 PS = ~ 5,25 kW), Stromlinienverkleidung, 178 km/h
1955: Baum II (125 cm³, 18 PS = ~ 13 kW), Stromlinienverkleidung, 218 km/h
1956: Baum II Verbrauchsrekord 1,13 l/100 km bei 100 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit.
Die Motorradproduktion endete mit dem Abebben der Motorradwelle 1963, die Herstellung von Fahrrädern Mitte der 1960er Jahre. NSU-Motorräder wurde noch einige Jahre lang in Jugoslawien produziert und als NSU- Pretis vertrieben. Alle Quelle Wikipedia.

Das mit den Fußfesseln finde ich nicht richtig. Ansonsten gefällt mir die Botschaft, - dass der deutsche Staat nicht erpressbar ist. Ey. Du. Scheiß drauf - was ich will! Scheiß auf Vertrauen! Immerhin habe ich auch ohne dich Stalingrad überlebt...


Hals und Bein und dann:

„Die haben den Boden abgesucht und jede Kippe mitgenommen!“
„Wer?“
„Die Typen in Grau!“

Mit der App ’1 Second everyday’ kann man in der Zeit reisen. Ich mache mit. Und nehme es mit der Verdummung in meinem Leben auf. Jede Sekunde eine fette Lücke. Jede Sekunde du und ich. Jede Sekunde voll nichts. Während rund um mich herum der Krieg tobt. Die alte Schlacht mit neuen Flaschen. Doch was soll’s, Grace macht ja auch mit, - nimmt beim Essen Backups auf. Will abnehmen. Echt, ey. Frauen können oft so ergreifend schlicht sein. Dabei ist Grace heute gar nicht blond.

„Das sind meine Tricks gegen die Tristesse hier!“ Blafft sie, als ich lache. „Oder meinst du etwa es macht mir Spaß, auf dem versifften Campingplatz rumzuhocken?“
„Du wolltest ja nicht nach Portugal.“
„Hör mir damit auf. Als ob das meine Schuld gewesen wäre.“
„Okay. Ich mach dir einen Vorschlag, - ich hole uns einen Wagen und dann ab an die See. Na?“
„Scheiße, Jimmi! - Lass uns lieber Sudoku spielen!“
„Und wer gewinnt - macht was?“
„Der bestimmt den nächsten - und wann!“
„Na prima!“

Ey. Hätte ich einen Freund, ich würde ihn jetzt um Rat fragen. So fresse ich Blockschokolade wie blöde. Kämpfe damit meine ’unerfüllte’ Sexualität nieder. Das große Glück auf schmalem Weg. Doch damit bin und war ich längst nicht alleine („Vor mir kocht es in meinem Apparat und es brodeln die Gasblasen!“ Schrieb Freud einst). Während bei mir 19 Zentimeter down- hill rasen. In einen dunklen Schacht. Dann mit 1.200 Metern pro Minute im Highspeed- Himmelfahrt- Lift auf den Mond sausen. Echt. Ey. 297 Personen bei facebook haben mich dafür gelikt. Andere ziehen sich an der Einsamkeit von Primzahlen hoch. Dazu der saure Geruch von Kotze aus Currywurst, den ja fast jeder kennt. Mann, - das ist doch irre, oder?

„Die Zivilisation ist längst verkommen“, sagt Grace, „nicht erst mit facebook. Wo die Leute in Trainingsklamotten vor dem PC sitzen und sich beim ’like’ Klicken einen nach dem anderen runterholen.“

Weißt du was? Ich sage dazu nichts. Kein Wort kommt; so aggressiv, wie sie vor mir steht. Nackt, die Arme vor den Titten. Im Kreuz, als würde ich da dran hängen. Gekreuzigt. Tot. Mit schlaffem Pimmel. Glaub mir, so was macht nur eine Frau, die voll in brasst ist. - Nein, darauf habe ich heute keinen Bock. Eigentlich nie. Genau deswegen setze ich beim Galopp in Neuss Fünfhundert Sieg auf Great Magic, - die keine 2 Minuten später verreist sind.

„Wenn du so weiter zockst, ist die nächste Bank nicht weit!“
„Okay, - dann morgen?“
„Wenn du willst...“

Und dann wieder der Blick in den Spiegel. Die Ahnung der Möglichkeit von Glück im kühlen Abendwind. Oder sonst irgendwann irgendwo. Kurz danach die Furcht im Nacken, vor den fremden Leuten mit ihren Hunden. Ach -, wenn es damit doch endlich mal vorbei wäre. Dieses ständig saure Aufstoßen nach dem Halbpfund Pillen schlucken. Als wenn man mich in Teile zerlegt. Und die eine Hälfte wegschleppt. Die andere nicht.


kill mich übermorgen denn:

was schon da ist wächst noch

- und das mit uns ist etwas eigenes
aus der vertrauten vergangenheit
mit vertrauen in die zukunft

- denn unsere liebe ist etwas besonderes
so wie du für mich etwas besonderes bist
heute und morgen und immer so weiter und

weit über dich und mich hinaus


(was wird - und was nicht) Moments Of A Down:

Es gibt ihn. Den Platz. Den Ort. Den Luftraum um die Seele. Und es ist mir ein guter Ort. Ein besonderer Ort. Eine Gegend, die zu mir passt. So unsichtbar. Wo der Geist von Händen geformt ist. Mit dem Mund. Von den Lippen zu einem Ballon modelliert. In einer ruhigen Zone. In einer Stille, die still ist. In dieser einzigartigen Konzentration. Und weit, - bevor der Schuss fällt. Der trifft. Und der Mensch fällt. Nach hinten. Oder nach vorne. Seitlich. Egal. Er muss nur - fallen. Ob im Haus. Auf der Straße. Im Wald. Stehend. Oder sitzend. Ob im Garten liegend. Im Auto hockend. Im Zug. Egal. Wenn der Klang nur perfekt ist. So wie die Fehlzündung der Indian Chief Classic perfekt ist. - Was? Lieber eine Indian Four, Baujahr 1942, sagst du? Okay. So soll es sein. Und sicher weißt du es, es ist eine gute Wahl, weil: “Die Indian Four 1936–1937 wurde auch als das „schlechteste (von Indian) je gebaute Motorrad“ bezeichnet. 1938 wurde die Fehlentwicklung durch einen neu konstruierten Motor mit paarweise angeordneten Zylindern ersetzt, der nun der Four zu einem guten Ruf als komfortables, leistungsstarkes und langstreckenfähiges Motorrad verhalf.“

Klar und feucht ist der Morgen. Später grau, - so wie erhofft. - Siehst du, manchmal ist der Gedanke schon Wunsch. Und mir bleibt die Frage, ob Frage und Wunsch zusammenhängen. Oder nicht? Wenn es überhaupt nicht richtig hell werden will. Überall braune Blätter von Birken, Eichen, Buchen liegen. Hundegebell ist. Stimmengewirr. Und irgendwo ein Licht brennt.

Ich kannte einen Mann, schreibt Voltaire in einem Brief: Ich kannte einen Mann, der fest überzeugt war, dass das Summen einer Biene nach ihrem Tod nicht fortdaure.

Und - es so ist, wie das Tier ist, das Tier im Menschen. Wie ein winziger Augenblick bei Sonnenuntergang. Der dennoch suggeriert, er könnte ewig dauern. Vielleicht liegt es auch am vergilbten Foto in meiner Hand, wo von Dutzenden schwarzhaariger Köpfe einer im Kreis mit grünem Filzstift markiert ist. Eine rote 11 daneben. Und wie ich sehe, zeigen seine Augen Höllenfeuer.

Ich warte und schieße erst, als eine Frau nach ihrem Hund ruft. Der Schuss, - der Ruf der Frau verhallt. Doch ich bleibe reglos. Stehe still und dunkel, als würde Wasser auf Frost warten, damit der die Oberfläche vom See glasig formt und Leute Schilder an umliegende Bäume pinnen: Achtung, Lebensgefahr! - Betreten der Eisfläche verboten! Ansonsten. Stille. Nicht mal die fliehende Seele ruft. Einzig ich suche nach dem Wind von anderswo. Wie Genesis: ’Dass das im Vergeblichen das Unfassbar zu fassen meint: Es sei der sterbliche und der verklärte Leib’. Obwohl die Starbahn vom Airport Berlin- Tegel auch diesmal (wieder) keine vier Kilometer weit weg ist. Es ist echt nichts zu hören! Und ich denke an den Instinkt von Hunden. An ihr schnüffeln und tapsen, wenn sie durchs Laub laufen. Und ich jetzt gerne einen bei mir hätte, um nicht so alleine zu sein.

“7.03.2014 - Ein ehemaliger Pilot der CIA und der zivilen Luftfahrt hat in einer beeidigten Aussage erklärt, dass keine Flugzeuge in die Zwillingstürme geflogen sein könnten, da es physikalisch unmöglich gewesen wäre.“
Auch das macht das Leben nicht gerade leichter, (oder) - was meinst du?

“Der Pilot ist Mitglied der Organisation Pilotsfor911truthorg, die konsequent gezeigt hat, dass es für Düsenflugzeuge unmöglich war, die Zwillingstürme so getroffen zu haben, wie es die 9/11-Kommission behauptet hat.“



Kopf ab, Vollpfosten:

Wenn dich die Musel hinrichten, geschieht medial nichts. Absolut ---- Nothing! Mehr wird um einen Baum geweint. Um den Tod der Grasmücke. Oder wenn sie bei überfallartiger Winterglätte im Dezember ihre Autos zu Schrott fahren; weil die Idioten wie irre rasen. Nur wenn sie dich hinrichten: NICHTS! Es geschieht ABSOLUT null, - nur, dass du elendig krepierst! - Wenn du kniest. Dein Hals von Haaren und Stoff freigeräumt ist. Dein Kopf nach vorne gedrückt wird. Um dann final vom Schwert getroffen zu werden, während du gerade den Augenrotz hochziehst, um ein letztes Mal fett auszuspucken. Sonst geschieht gar nichts. Außer, das einige der Penner lachen, während dein Kopf fällt, - und den Sand küsst. Dein Blut die Oase wässert. Drei, vier oder auch fünf der Typen in die Luft schießen. Freude? Warum auch immer...

„Ich würde dabei Elvis hören wollen“, sage ich Grace.
„Und was?“
„Nights in white Satin!?“
„Echt? Das ist aber von The Moody Blues!”
„Stimmt. Doch die Aussage bleibt gleich.“
„Du meinst I love u?“
„What more can I do?”
„Houellbecq sagt in seinem neuen Roman, dass der Islam die dümmste Religion aller Zeiten ist!“
„Wäre Houellbecq eine Frau“, sagt Grace, „würde er den Islam für die gefährlichste Sekte der Welt halten!“
„Gefährlicher als Moon und Scientology?“
„Weit mehr als Church of Satan und Charles Manson zusammen. Schon die Beschneidung der Mädchen ist ein Akt des Teufels. Die Steinigungen. Der Missbrauch von Kindern. Die Enthauptungen und Amputationen von Gliedmaßen. Das sind keine Menschen. Das sind ALLES Irre!“

Ich werde Bomben werfen. Ich erinnere mich. Ja. Ich kann das. Es traf die Schule. Meine Schule, - damals. Es war ein Mords- Ding, - damals. Und ging Wochen, ach Monate durch die Presse. Ein Staatsakt. Fast wie bei der RAF. Und in Mogadischu. Indessen ich dicht gemacht in der Psychiatrie lag. Bei Doktor Munk, dem abartigen... Der in Therapie immer mehr ein Teil von mir wurde. Klar. Ich hatte ja auch Zeit. Viel Zeit. Wie er.
Neulich wurde ich sogar in seiner Lunge festgestellt. Später erwies sich der Schatten als Brandruß. Es war am Ende des NSU. Trotzdem der Sachverständige bei der Obduktion keinerlei Rauchpartikel in den Atemwegen und Lungen der beiden Toten festgestellt hatte. Doch auch dazu blieb Munk stumm.
„Wir erhöhen die Dosis!“ Befahl er Grace. Die ihm seinerzeit assistierte. - Ey. Munk und Grace. Etwas blöderes kann man sich in einem Tierpark kaum vorstellen?! Ich jedenfalls nicht! Und wenn man richtig nachdenkt, bleibt so oder so nicht viel übrig von all den Mythen der Zeit. Und ob ich (überhaupt) der Bombenleger war; - oder doch eher der Verfassungsschutz in Frage käme? Es ist so: Manchmal gehen den Lügen einfach die richtigen Themen aus. - Mal ehrlich, könnte ich tauchen, würde ich der Wahrheit auf den Grund gehen. Doch so.

“Auf den Geist muss man schauen, denn was nützt ein schöner Körper, wenn in ihm nicht eine schöne Seele wohnt“, sagte Euripides.


Vom Generator:

’Willst du das Meer sehen musst du vor die Tür gehen.
Aber wie weit muss ich gehen um deswegen nicht als Idiot zu gelten?
Das ist egal, - wer gehen kann, dem ist nichts idiotisch genug.’

„Heißt dein Vater wirklich Max?“
„Max ist sein Generator. Aus den Anfängen des Krieges. Als das Wort noch Gesetz war.“
„Sein Wort?“
„Das vom Propheten.“
„Und wie heißt Max richtig?“
„Mohammed, als Rufname. Und dann noch 7 weitere...“
„Spannend.“
Max Mohammed hat Macht. Max Mohammed kann alles. Max Mohammed weiß mehr. Max Mohammed fordert Respekt. Max von Mohammed. Und umgekehrt. Wer er auch ist. Der Baba vom Clan. Vater und Vieh. Heger und Schlächter. Ein Macher und Killer. Max Mohammed. Der sich die Hände blutig küssen lässt. Und die Füße schwarz waschen. Den Hintern braun lecken. Den blauen Max- Mohammed- Schwanz prall und steif. Von seinen Töchtern gelutscht und deren... Von den Schwiegertöchtern. Und deren... Der Baba. Max Mohammed. Der den kleinen Jungs seinen Aal in den After steckt. Den ganz jungen ... Wenn sie noch absolut eng sind. Jungfräulich eng. Wenn er die sich intim zuführen lässt. Um ihn einzuführen. In diesen da. Den da. Und von dem da. Und jenem. Die ihm einen Gefallen schulden. Ihre Leben. Das ihrer Familien. Geld, Haus, Auto, Grund. Weil ihm, Max Mohammed, alles gehört. Man darf, muss und kann nicht alles was dazugehört aufzählen. Ein Fingerschnippen reicht. Ein Augenzucken. Ohrenwackeln. Ein trockener Furz - von ihm. Max Mohammed.
„Ja? - Baba? Was ist?“
„Mach dich krumm, Junge!“
Und der macht. Und macht. Und - wenn er nicht gestorben ist, - was dann? Dann? Was macht er dann?

„Wann wollen wir es machen?“ Frage ich Grace.
„Gib mir noch ein wenig Zeit!“
Zeit. Vor der Tat. Und nach der. In der ich sie liebe. Liebe Wie eine Idee. Einen Irrtum. Auf meine Verantwortung. Und die auch auf deine Verantwortung. So wie ich es dir sage, mache ich es. Aus Liebe!

„Sie sind Mohammed?“
„Wie kommst DU denn hier rein, mein Junge?“

Flash
’wenn ich sterbe
zieh mir die stiefel an
ich kann nicht ohne’
Welcome back answer


ES HERRSCHT KRIEG, - IDIOT:

Ich leiste Sterbehilfe. Und nicht ungern. Zudem -, wer durch meine Hand stirbt das Leben lieben lernt. Das Leben. Lieben. Echt -, und wenn es soweit ist, frage ich, wohin er die Kugel haben will. Ob er die Welt schnell oder langsam verlassen will. Ob er den Leidensweg vom Löwentor bis zur Grabeskirche bevorzugt, um wie Jesus unterm Kreuz mit schmerzverzerrtem Gesicht die Via Dolorosa runterzutaumeln. Oder, ob ich ihm das Teil mitten im Schädel versenken soll? Plopp. Und aus!? - Du. Und mein Hirn zeichnet die Sekunden vor einem Kopfschuss auf. Echt. Ich kann nichts dazu tun. Ich höre das Plopp weit vorher. Und Gott kann auch nichts tun. Genau wie der Typ neben dem kaputten Auto, der im Dreck liegt. Den Arsch auf Grundeis. Ich weiß es. Und nichts ist jetzt mit ihm und Allahu Akbar. Denn Gott ist nicht groß, in einem solchen Moment. Und die Jungfrauen weit weg. Wenn du weißt ...? Während eine der Karren brennt. Die rote. Die blaue lediglich qualmt. Aus deren offener Seitentür ein Mann fällt. Doch das hilft ihm auch nicht, - wetten? Weil ich schnell wie der Wind nachlade. Schneller, als Gott seine Gebete erhört. Während das Feuer am Fahrabahnrand am pechschwarzen Rauch erstickt. Ich ahnte es. Klar. Zuschauer wissen immer alles besser. Denk mal nur an die Millionen Fußballbundestrainer. Na? Da musst du lachen, was? - Nein, Kollege, auch ich lass mir nicht dreinreden. Ich handele live. Jetzt. Und ungefiltert. Übe eine Tat aus, die man später in keiner Zeitung findet. Aus Angst. Eher liest man über den neu auferstandene NSU. Glaubst du nicht? Fragst dich, wer tötet denn hier wen, - was? Und wer stirbt weswegen. Wo doch alle im Kampf um Leben und Tod stehen. Oder etwa nicht? Währenddessen der Film weiterläuft. Rasend. Wie das Dasein. Man weiß aber sicher: ES IST KRIEG! Und sterben gehört dazu. Bei Youtube. Liveleak.com. Von Handys aufgenommen. Diesen blöden Tabletts. All diese krassen Bilder, Alter. Die die Schüler auf den Pausenhöfen amüsieren. Kopf ab und weg! Weißt schon. Fickende Terroristen zu tausend. Die man gleich wieder vergisst. Weil die IMMER in Notwehr sind. Milde Strafen bekommen. Wenn überhaupt. Um ihre Religion weiterhin zu schützen. Diese Kopf- ab- Sekte. Vor den Kapitalisten. Amazzing. Wenn deren Opfer kniehoch in der eigenen Scheiße stehen. Angst um ihre Schädel im Gesicht haben. Klar? Doch es ändert nichts. Plopp. Kopf ab. Den Guten wie den Bösen. Wo ist der Unterschied? Es gibt keinen! Plopp. Der Rest ist Propaganda. Sagt der Vati zur Mutti. Während er ihr seine Ressourcen in die Möse fiedelt. Plopp! Nahaufnahme. Wie leer er sich danach fühlt. Traurig. Das alte Tier. - Fünf Vorschläge für sein nahes Ende existieren bereits. Er ist lediglich zu faul die umzusetzen, - reinen Tisch machen. Plopp.


: Übrigens : ?Paranoid?

Grace kommt ja auch da her. Familienclan und so. Weißt ja. Und ich mache die Clan- Typen platt. Step by Step. Weil Grace es so will.

’Ein flächendeckendes Problem’ nennt die Presse die Clans.
Grace nennt die Tiere. Kinderschänder - und schlimmer. Hat mir ihre Narben gezeigt. Auch die ganz unten. Dass sie fast jede Nacht deswegen weint. Und trinkt. Und ab da habe ich auch angefangen zu trinken. So richtig. Wegen der Liebe zu ihr. Und auch mit Kiffen. Und. - Träume irres Zeug. Vom Teufel und so. Von riesigen Scheißhaufen, in denen ich bis zum Hals stecke. Morgens riecht es dann komisch. Muffig. Und nach Kotze. Dann muss ich stundenlang lüften. Oder. Sprühe Dior. Dolce Vita. Wegen Grace. Die kann Gestank absolut nicht ab. Obwohl: Dolce Vita? Ich sage aber lieber nichts.
Der Staat - was immer das ist - lässt in der Zeitung Werbung für die Clans drucken; - hier, lies mal: ’Der Rechtsstaat muss aufpassen, dass seine Grenzen nicht erreicht werden.’ Ey. Was soll das denn sein? Weißt du das? Ich meine, wie kann der Staat Beschneidung, Steinigung, Kinderheirat und Blutrache regeln. Und wie Körperverletzung, Bedrohungen, Diebstahl, Betrug, Raub und Rauschgiftkriminalität. Eigentlich bekommt der Staat überhaupt nichts geregelt - erreicht. Nicht mal mich.
Wir haben die Scharia. Sagen die vom Clan. Wir brauchen euern Staat nicht. Was kommt, regeln wir selbst. Bleibt also weg mit den Bullen aus unserem Viertel Leute, sonst ficken wird eure Mütter, - den Staat.
Finde ich auch. Ein Staat der nichts kann, weil er nicht will, sollte zu Hause bleiben. Bei Mutti, - ey. Sonst machen die ernst. Und bei Mutti zuerst. Ich sah die neulich im Fernsehen. Weißt schon, die Alte, die immer ihre Finger zur Möse faltet. Wie ein gespielter Witz. Scheiß Frisur. Scheiß Jacke. Scheiß Möse. Scheiß Typ, - die. Echt: wer die fickt, gehört in die Klapse. Für immer. Ist besser so. - Mama, - better I’m coming home!


I Hate Myself For Loving You:

Im Knast sitzen wir uns gegenüber. Du auf Besuch. Ich Knacki. - Hast mir Obst mitgebracht. Sagst: Kannst dir ja einen ’Aufgesetzten’ von machen. Und sonst. Schokolade! Braun. Mehr lassen die Bullen nicht durch. Echt? Nicht anfassen! Blökt einer prompt. Sonst! Sonst? Ist die Sprechstunde beendet. Bist du blöd, oder was? Machs nicht, sagt Grace. War gar nicht einfach den Sprecher zu bekommen... Musste mächtig den Staatsanwalt poussieren. Und. War der Typ nett? Klein und dick. Roch nach Schweiß. So dicht warst du an dem dran? Oval Office!


Wie im Flug:

„Hör auf, - es geht nicht mehr!” Sagt Grace. Und weint.
„Es geht nicht mehr?“
„Es tut so weh!“ So weit sind wir nun schon, denke ich. So blöd weit. Nicht mal mehr hinten rein geht es.

Tage später sitzen wir deswegen bei einem Freund von Munk, und der erzählt uns was von Samenbindung - und wie wichtig Samen (Der Same) für eine Beziehung sei. Ach was, LEBENSWICHTIG sei das! Begeistert der sich, und schielt mir dabei auf den Schritt. Das es aber dafür keine Tabletten geben würde.
Ja. Prima... Und nun? - Was nun? – Was tun? – Bezahlen und raus? - Oder will mir der Typ gleich hier und jetzt ein Kind abtrinken? Soll ich ihm eine reinhauen? Oder was...
„Komm! - Gehen wir!“ Sagt Grace; und wirft dem Kretin für die zehn Minuten 500 hin. „Stimmt so!“
Locker, oder?


Die Legende vom Delir:

Vor Jahren habe ich mich nach einer durchsoffenen Nacht selbst hypnotisiert, - so kam mir Doktor Munk unter, Leiter der Klapse ’Heim unter Tannen’. Und aus der Nummer - ’Doktor Munk und ICH - im Heim unter Tannen’ - bin ich bis heute nicht raus. Aus den letalen Rhythmusstörungen. - Es muss an den Medikamenten liegen. An den Litern Haldol i.v. An dem Meer billigen Oralfusels an der Anstaltsmauer, den die Freigänger für kleines Geld dort rüberwachsen lassen. Fazit: ’Mir und mich verwechsele ich nicht, das kommt bei mich nicht vor, - ich habe einen kleinen Mann im Ohr, der schreibt mich alles vor’.

Doch! - Die blutigen Tränen darüber haben sie mir längst abgeschminkt. Das schrille Falsett. Meinem Zynismus hat es nicht geschadet. Dem Denken an Paris. Jetzt! Wo das Massaker noch im Rauch steht. Wo die Figur Bild ist. Und das Bild Munk. Die Figur ich. Die Zeit in Bewegung. Im Spiel der Legenden. In der ich mich mit einem AK 47 sehe. Ey, hast du mich ’eventuell’ NUN verstanden, Bruder? Was? - Hast du, - oder nicht? Dieses ’Leck mich im Arsch’ Bild. Mein Schuss um Schuss. Einzelfeuer - auf die Bilder im Bild. Und immer voll auf die 12, bis die Meinungsfreiheit endlich im Blut liegt und alle darüber im Chor lachen - die vorher ’sträflich’ geschwiegen haben. Mich würde nicht wundern, wenn die nun sogar ihre Leben danach benennen würden: CHARLIE – NOW! Wo alle tot sind. FREIHEIT, WUNDERBAR! Du gehst. Ich komme.


Wenn du jemanden zum Sterben brauchst such bei dir:

„Ich kann auch Hamlet, Grace“, sage ich.
„Und ich Kotelett“, lacht sie.
Da hatten wir unter Munks Führung gerade den x-ten Drogen- und- Alkoholentzug hinter uns, - diesen echt irren Tanz der Derwische im Geruch des Elends. Grace im Stoff. Ich im Alk. Dazu beide im fetten Pattex- Verdünner- Kurzschluss. Und nun unsere Wiedergeburt, wenn man so will.

„Das mit uns wieder zu rechnen ist“, sage ich Munk. „Sollten die Erinnerungslücken es gestatten!“
„Schwein gehabt. Knapp an der Querschnittlähmung vorbei!“ Lästert der. Und nimmt uns Sputum, Blut, Urin und Kot ab. Das er in eine Kaffeebohnenmahlmaschine schüttet.

„Glückwunsch!“ Posaunt er wenig später, „alle Werte sind top.“
„Wenn Sie meinen!“
„Ich meine nicht, ich weiß!“ Und schon steht die Wildnis wieder vor mir auf -, und mir fällt weiterhin ein, dass ich mir dringend den Hintern rasieren muss.

„Dafür ist mein Wagen Schrott!“ Mault Munk.
„Ey. Die Karre war weit über hundert!“
„Das denken Sie.“
„Ich denke nicht, ich weiß es!“
„Wir werden ja sehen“, droht Munk. Während ich meine, die letzte weiße Hoffnung überhaupt zu sein.

„Was meinst du, Alligator?“ Frage ich Grace.
„Fick ihn doch endlich!“ Sagt die. „Damit Ruhe ist!“

Was meint sie damit: Ruhe? - Leise Triebwerke? Softe Stangenlutscher? Heimliches Goldfieber? Ruhige Fliegerbomben? Tonlose Trauerfeiern? Anonyme Fahrerfluchten? Dass ungesagtes Vertrauen gut ist? Stille Kontrolle? Stumme Indianer besser nie sterben? Wenn aber, dann Montag früh? Oder spricht sie durch ihre Augen mit Gott? Mit seinen toten Narben? Ja? Wenn du willst, - dann grüß die doch einfach mal von mir!


Allah ist groß; aber klar doch:

Die erste Aktion seit Wochen. Grace hat den Typen ausgesucht. Mit Foto und so; der ist ihr Cousin 2ten Grades.
„Said! - Eine Ratte“, sagt sie, „der hat auch meine Zwillingsschwester auf dem Gewissen.
„Wusste gar nicht, dass du eine hast!“
„Und? - Schlimm?“
„Nö!“
„Dann los!“ Macht sie mich an, als ob 100 Meter hoch Neuschnee liegen würde und wir mit dem Rodel da wären.

Skinny Love:
’Und ich sagte dir, du sollst geduldig sein
Und ich sagte dir, du sollst in Ordnung sein
Und ich sagte dir, du sollst ausgewogen sein
Und ich sagte dir, du sollst gütig sein’

Dabei handelt es sich bei Grace IMMER um die Erlösung von jahrelangem Leiden; und es geht nicht um mehr. Oder blicke ich irgendwas nicht?

„Allah ist groß!“ Schreit der Typ.
„Siehst du, Schweinebacke“, lache ich ihm in die Zauselbartfresse, „deswegen geht es hier und jetzt um den Vollzug von Rache! - Scharia, schon mal gehört, Baby?“
Und bei dem hier - in der Tat - um Vergewaltigung und Körperverletzung; doch was hat Allah damit zu schaffen. Oder ist Cousin Said Allahs kleiner Bruder, und er geht den um Hilfe an. Echt -, ich weiß viel zu wenig über Musel und deren grausame Beweggründe.

„Hör zu Jimmi -, bei dem hier geht es auch um Totschlag!“ Kommt Grace Hinweis genau rechtzeitig durchs Handy, - denn da habe ich den Typen schon auf dem Boden der Garage in der Budapester Straße und lasse ihn am Lauf meiner Waffe nuckeln.
„Allah ist groß!“
„Keine Angst, Junge, das Paradies ist nahe und die Jungfrauen warten bestimmt schon.“
„Allah - Hilfe!“ Nuschelt er nach dem ersten Schuss, wenige Millimeter an seinem rechten Ohr vorbei.
„Hörst du noch was?“ Brülle ich in sein linkes...
„Bitte!“ Antwortet er.
„Wir sind das Dreamteam!“ Brülle ich. „Und Grace kommt gleich!“
„Der kennt mich nicht unter ’Grace’“, sagt Grace.
„Wie denn?“
„Sheena! - Sag ihm SHEENA!“
„Sage ich!“ - Sage ihm: „Ey Said, Sheena kommt gleich!“
„Sheena ist tot“, stöhnt der.
„Erst du“, sage ich. „Engel fliegen später!“
So ein Idiot, der Typ. Als wäre mein Krieg eine Slapstickeinlage.

Skinny Love:
’Und am Ende all deiner Zeilen
Wer wird dich lieben?
Wer wird kämpfen?
Wer wird weit zurückbleiben?’


Wenn die Zähne größer sind als das Hirn:

Terror und Angst. Die Seele der Brutalität, drei Meter hoch in Bronze gegossen. Hält eine Panzerfaust. Trägt Stahlhelm und ein Gewehr. Als Schutz vor ... Bombardierung? Dazu die endlosen Verhöre - und die jahrelange Haft. Kaputt das Land. Wie zwei Körper, die zerbrochen übereinander liegen.
„Sag mir ob die tot sind? Warum die gefesselte Arme haben, ein Tuch um den Kopf. Und weshalb ihre Beine so merkwürdig krumm sind. Warum ihr zerstörter Körper ein Sinnbild für Gewalt und Demütigung ist. Ein Kabinett des Grauens, Trauer und Schmerz. Warum?“

„Meine Geschwister!“ Sagt Grace.
„Ihr Mädchen seht euch echt alle zum verwechseln ähnlich.“
„Stimmt. Nur das Leid macht uns aus. Die Folter. - Wir leben nur, weil sie keine Frauen töten, - wenn es nicht unbedingt sein muss!“
„Und deine Brüder?“
„Die werden nicht mehr viel zu sagen haben.“
„Attentäter?“
„Ja. - Einige!“
Nur mal so: Die neue Darstellung kann genauso falsch sein wie die zu Anfang.

„Du weißt, wie Nutten eine Falle schieben?“ Fragt Grace.
„Keine Spur!“
„Okay, dann erkläre ich es dir auch nicht; das kannst du viel besser bei Google nachlesen!“
„Und wenn ich es dann weiß?“
„Dann weißt du, wie wir zwei miteinander geschlafen haben und schlafen werden.“
„Du machst alles kaputt!“
„Was natürlich gewachsen ist, geht nicht einfach so kaputt. Es sei denn, du willst es. – Also -, willst du?“
„Natürlich nicht... Ich liebe dich doch!“
„Und unten herum?“
„Machen wir es wie bisher. Oder?“
„Ja, - machen wir so. Und nun gib mir einen Kuss!“
Okay -, manche Dinge muss Mensch nur richtig wollen, dann klärt sich einiges wie von selber. Alles aber nicht. Doch darum geht es (eigentlich): IMMER UM ALLES!


Mit frischem Stoff im Körper läuft die Sache rund:

Das Leben kann einfach sein. Man teilt es 'in Schwarz oder Weiß', in 'Gut oder Böse'. In Reiche ohne Arme, wie Grace Vater es tut. Der einst nur eins wollte: Reich sein! Der schäbige Rest ('Schwarz oder Weiß. Gut oder Böse') erledigt sich von selbst.

„Tötet sie!“
„Wir sind das Volk!“

Kann man ein Volk per Fingerschnippen töten? Das Volk, genannt Deutschland. Und deiner Mutters Schoß, - noch fruchtbar. Dazu das steife (alte) Vaterland. Mit 81 Millionen Einwohnern. Davon 6 Millionen Muslime. Von denen einige im Chor ’Tötet sie!’ rufen. Wöchentlich - im Freitagsgebet - bei dir ums Eck; geh hin, lass dich überraschen.

(„Tötet sie!“)

Tötet sie, - nun auch ich. Jimmi Asperger, der Friedliche. Dazu die Frage: Kann man Millionen Muslime die ’tötet sie rufen’ mit Rufen töten?
Mal ehrlich, ich habe schon mit der Mischpoche von Grace genug zu tun. Dabei bin ich nicht mal Jude, was es vom Verständnis her leichter machen würde. Weil die Sippschaft von Grace aus Palästinensern besteht. Zirka 600 Stück von 9 Millionen weltweit. Und die sind zu 98% Musel. Kommen aus Jordanien. Meinen Araber zu sein. Als Staat im Staat. - Meinetwegen.

(„Tötet sie!“
„Wir sind das Volk!“
„Tötet sie!“)

Der älteste Bruder kam als erster. Und war gekommen um zu bleiben. Um Kinder zu zeugen. Einen Clan zu bilden. Da war an Grace längst nicht zu denken, die kam als eine der letzten. Denn erst mussten die anderen Brüder ins Land geholt werden. Sieben an der Zahl. Ey, sieben auf einen Streich. Voll im Fett, oder? Und die dann satt im Testosteron und jeder mit drei Frauen im Schlepp. Die wiederum Brüder hatten. Frauen. Die Kinder zeugten wie Hühner Eier in einer Legebatterie.
„Hast du die mal vögeln sehen?“
„Klar. Kaninchen sind nichts dagegen. Rauf, rein, raus!“ Sagt der Papst.

(„...“)
(„Wir sind das Volk!“)
(Tötet ihn!“)

Du wirst dich wundern. Von wegen als Aushilfsfahrer bei der Tafel arbeiten. - Ferrari, Alter! Geld. Gold. Frauen. Statt bettelarmer Muslim.
„Alles beim Glücksspiel gewonnen“, strahlt er mit 20 (Grace Vater).
„Auf dem Kiez?“
„Klar! Auf dem Kiez! - Wo sonst?“
Jung müsste man sein ... und Glück haben, was?
Märchenhafter Aufstieg durchs Glücksspiel auch für die Brüder. Die kauften Stripteaselokale, Absteigen, Bars und Restaurants. Mit der Zeit wurde der Clan im Kaufverhalten seriöser, solider. Erwarben Grundstücke, Ruinen und so fort. Jetzt bauen sie Häuser darauf. Betreiben Hotels. Esslokale. Boutiquen. Wäschereien; die wohl, um das Monopoly- Geld zu waschen, amüsiert sich die Szene. Doch nicht zu laut, denn inzwischen wird ihr Name längst mit Angst und Respekt genannt. Auch weil sie sehr gute Beziehungen zur Politik haben. Und die cleversten Anwälte bei ihnen unter Vertrag stehen.

(„Tötet sie!“)

„Diese kleinen Ziegenficker haben alle kein Herz, kein Hirn und keine Eier“, sagt er (Grace Vater), „die mache ich einfach so weg“ – und schnippt mit den Fingern.
„Schnipp -, weißt du!?“


Dossier aus dem Chefsessel - oder: Mit Hitlerbärtchen wäre das nicht passiert:

Es geschah in der Nacht mit den Massen von Schnee. Du weißt es -, wenn die Menschen aus Angst die Häuser verlassen, weil der Schnee aufs Dach drückt und die morschen Teile der Konstruktion drohen zu versagen. Drohen! - Alter! - Wie man es mit unliebsamen Leuten macht. Tenor: Wenn du nicht, dann werde ich dich! Und kurz darauf heißt es dann, Michael Jackson sei gestorben. So was kann man mit anderen Namen beliebig fortsetzen. - Murphy, zum Beispiel, den habe ich schon ein Dutzend mal sterben lassen. Der Typ hatte aber auch ekelhafte Schweißfüße, - in seiner Nähe beschlug mir das Display vom Handy. Und irre Mauken, die so was tun, kann ich auf den Tod nicht ab. Es ist echt total ungeil! Davor rangiert bei mir allerdings Kindesmissbrauch. Gewalt an Frauen. An Kranken. Hilflosen. Da werde ich zum Tier. Bei Murphy war es das Ende des Solitärs. Der hat nämlich die Nachbarstochter ... du ahnst es sicher schon. Und ich wiederum habe ihn. Munk musste damals dazwischen gehen. Wer weiß, was sonst noch alles passiert wäre. Ich? Ich weiß es nicht. Nicht mal mehr den Tag. Denn Munk, der Idiot hat mich damals fesseln und tagelang in den Keller spritzen lassen.
„Ist zu ihrem Besten!“
Besten? Woher der das wohl wissen will, - was?
„Fürs innere Weltgefüge!“ Tut er auf dicke Hose.
„Warte mal ab“, sage ich, „bis die Riemen ab sind!“
„Und dann?“
„Dann mache ich dich alle!“

„Lass das mal nicht Munk hören!“ Sagt Munk. Und ich verfluche das elende Zeug, dass er mir spritzt. Die fiktive Welt. Das Schachspiel mit Gott um meine Person.
„Du bist ein widerliches Tier!“ Brülle ich, bis mir die Arme abfallen. Doch Murphy bleibt stumm, der hat längst den Eintritt in das Nichts der schönen, neuen Huxley- Welt vollzogen, behauptet jedenfalls Beckett. Und der muss es ja immerhin wissen. Schließlich ist er der Erfinder von all dem Scheiß! Kein Nichts ist nirgendwo und so. Sagt der. Und so. Ja. Auch das ist von ihm. Lautmalerei. Und direkt daneben kratzt er dann Gliedmaße ’von weiß ich wem’ ins Holz vom Tisch. Rechts die Adjektive. Und links dann. Da werde erst mal schlau draus, wer will. Ich? Ich weiß es auf jeden Fall nicht.
„Komm“, sagt er, „nimm einen Zug zur Beruhigung.“
„Besser ich nehme zwei, denn wer kann schon auf einem Bein?“
„Figur, Objekt und Stimme!“ Behauptet er.
„Zurück und weiter. Bitte alle anzeigen.“ Entgegne ich. Während auf Becketts Papier in Form zwei Kolonnen entstehen, damit sich der Leser im Kopf ein Bild formen kann.
„Verstehst du?“
„Nein!“
Zum Glück kommt Munk in dem Moment und schließt mich mit den Worten ’dass die Telefonzelle jetzt frei sei’ vom Balken. Ich weiß echt nicht, was mit uns sonst noch alles passiert wäre in der Nacht mit dem Neuschnee in Massen. Gut. Später wird es allen wieder einmal völlig egal sein; es sollte nur nicht zu Gewohnheit werden.


Alles hat seinen Preis – oder: Art. 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte:

„Festgehaltene Personen dürfen weder seelisch noch körperlich misshandelt werden.“
Ich bin amtsbekannt. Als Autist. Immer schon. Und somit auch immer einer der Hauptverdächtigen. Punkt.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
Folglich kann man mich nicht mal mit Schlägen, Schlafentzug, Waterboarding, Hängeschaukel oder Todesdrohungen und so. Mich kann man eben nicht! Fini.

„Die Misshandlung von Gefangenen ist verboten.“
Wenn ich was strafbares mache, dann von innen heraus. Haft hin, Haft her. Es geschieht immer alles für Grace! Was ich also tue, passiert aus Liebe. Lautet meine Ansage. Also: Stopp! - Freunde der Exekutive.

„Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden.“
„Glauben Sie mir“, sage ich denen, „keine Grausamkeit ist mir fremd. Doch hören sie auf, mir als vermeintlicher Gutmensch ein Ohr abzukauen, - ich habe mich damit schon lange genug selbst verarscht!“

Ich mag freundliche Eulen am Abend - im hellen Licht, wenn der Mond fett gelb rauskommt. Herrlich auch, wenn ich durch die Gitterstäbe sehen kann wie die Ratten am Müll herumtollen. Die spielen wie kleine Seelöwen auf der Flucht, - das ist schön.

„Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen stellt kein unmittelbar anwendbares Recht dar.“
Doch erst wenn ich mit der Uzi dazwischen halte sieht man, dass die wie Menschen tanzen können. Wie einst an der Clark Street in der Garage, als Al Capone den Valentinstag hochleben ließ. Echt. Vollkommen selbstvergessen werde ich dann. Und jede Tat ist mir eine kleine Welteroberung. Sogar das in der Nase bohren dabei. Doch auch das hilft oft nicht. Meine Gedanken stecken in einer Sackgasse fest. Und ich bekomme die nicht raus. Lediglich Blut. Aus den Augen. Wenn ich weine. Das mir übers Gesicht bis in den Kragen läuft.

„Das Folterverbot ist absoluter Natur, von welchem auch in Notfällen nicht abgewichen werden darf, vgl. Art. 15 Abs. 2 EMRK, Art. 4 Abs. 2 IPbpR.“
Albert Weinschenk zum Beispiel, galt als einer der wichtigsten Vertrauten von Moran. Dem Killer. Angeblich hatte auch sein gesamtes Auftreten Ähnlichkeit mit dem von Moran, weshalb die sich für ihn entschieden haben sollen. Und genau so könnte es mir mit Munk gehen. Wir zwei. Wie ein Ei im anderen. Einfach grauenhaft. 1967 wurde die Werkstatt an der Clark Street abgerissen. Stein für Stein. Wand für Wand wurde die verkauft und Stein für Stein, Wand für Wand zu Georg Patis, Morans rechter Hand transportiert, der die in der Herrentoilette (einer Klappe erster Güte) seiner Bar wieder aufbauen ließ. Jahre später, nachdem er die Bar in die Pleite gewirtschaftet hatte und die geschlossen wurde, hat er die Steine dann Wand für Wand als Souvenirs verkauft.

„Aufgrund der Verwendung von Polizei-Uniformen entstand das Gerücht, korrupte Polizisten hätten den Mord ausgeführt.“
Ach, vielleicht wird Deutschland doch noch zur Heimat von Grace? „Hörst du, - Grace?!“ Doch nichts. Aber das ist immer so, und deswegen bin ich auch nicht enttäuscht. Später, irgendwann, erzählt sie mir sicher von den nicht sagbaren Zwischenräumen ihrer und meiner Kultur. Doch da bin ich gedanklich schon in South Carolina auf der Hunderennbahn, um monetär den Rahm eines Tages abzuschöpfen. Warum auch nicht.


Vom Ticken der Uhr – oder: Eilantrag ans Leben:

Grace macht mir Kummer, - es wird ernst, - es geht um ihr Leben. Gut, mein Leben habe ich schon vor Jahren beendet. Es gab zwar einigen Auseinandersetzungen mit Munk deswegen, der in Bezug auf Sterben eine richtige Pfeife ist. Und mich in seiner Angst (um sich) gleich in den Keller sperren ließ ... Spritzen. Eisbaden. Elektroschocks. Das volle Programm wie immer. Worauf ich die ’schönen’ Haldol pfundweise wieder auskotzte. Und doch obsiegte, - weil ich ihm in einem Geheimpapier einige Jahre Lebens in die Hand versprach, - aber dann. Das erinnert mich übrigens an den Hitler- Stalin- Pakt 1939. Auch zwei Idioten, die die Welt ins Verderben bekriegten. Was Munk aber nicht höre will - und was mir egal ist, - weil es um Grace geht. Ihren Tumor im Schädel. Der sich mit der Zeit faustgroß ausbilden wird. Höhnt Semmelweiß, - der Kindermörder, Ur- Enkel vom alten, der sich mit Frischluft im Krankenzimmer einen abbrach. Der von absolut Nichts hier eine Ahnung hat. Und seine Zwangskastration für ein Puppenspiel hält. Der meine Hand an seinem Hals genoss, um mit dem letzen Atemzug kräftig in die Wäsche zu spritzen. Hallelujah!
Doch auch mit mir wird es schlimmer. Es gibt Momente, da kann ich die Kaugeräusche anderer Menschen nicht ertragen. Ihr atmen. Ihren Körpergeruch, der sich mit 560 Dezibel in mein Hirn frisst. Dann noch diese unerklärlichen Schallorgien - in Pascal, deretwegen ich mit dem Kopf gegen die Wand laufe. Doch es hört nicht auf. Es endet nie. Noch in Bewusstlosigkeit sprengen Düsenflugzeuge mir mit ihrem unsäglichen Druckpegel die Hirnrinde ab. „Über 1.000 PA“, lacht Munk, wenn er mir einen Port legt; den Tropf auf maximal stellt und dem Piloten ein Zeichen gibt die Leistungswellen extrem zu beschleunigen.

“Eine Reduktion des Schallleistungspegels der Schallquelle um 6 dB führt zu einer Reduktion des Schalldruckpegels und des Schallintensitätspegels am Ort des Empfängers von ebenfalls 6 dB, auch wenn die Schallleistung selbst auf den Faktor 0,25 – der Schalldruck aber auf den Faktor 0,5 und die Schallintensität auf den Faktor 0,25 abgefallen ist. Der Referenzwert (Bezugswert) für den Schallpegel wurde so gewählt, dass sich bei einer Schallkennimpedanz von Z0 = ρ · c = 400 N·s/m3 für den Schallintensitätspegel der gleiche Wert ergibt wie für den Schalldruckpegel. Wir sprechen daher einfach vom "Schallpegel" und lassen offen, ob Schalldruckpegel oder Schallintensitätspegel gemeint ist.“

Als ich das Munk vortrage, hält der mir seinerseits einen Vortrag über die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (OK) und, dass ihn der Vater von Grace mit dem Ankauf untauglicher russischer Huren um einen Großteil seines Vermögens gebracht habe - und rät mir handgreiflich zur Vorsicht: „Dessen Freunde kommen aus der Politik!“ Als ob ich das nicht wüsste. Daran ändert auch der Eilantrag ans Leben und mein blaues Auge nichts. - Bestimmt nicht!


Zeitzahn:

Im faltenfreien Mittelpunkt zwischen den Spiegeln
Hin zu den Seiten der Wand wo mich der Schlag traf
Um festzustellen wie der Atem verläuft
Der sich wegen der Gastfreundschaft unter Gleichgesinnten mit meinem Bild multiplizierte bis mir schwindelig wurde
Um wenig später festzustellen dass ich noch lebe
Genau wie der Freeloader aus der zweiten Etage
Der von immer der gleichen warmen Mahlzeit umsorgt
Die mir Willi als Trophäe seiner Opferbereitschaft und Gipfel der Sinnlichkeit jeden Morgen mit heißem Atem in den Hintern steckte
Das war in Schöneberg
Im Monat Mai
Vor den Augen der Fassaden und Ehrentafeln zum Gedächtnis großer Persönlichkeiten die gekommen waren um die versiffte Stadt schnellstmöglich wieder zu verlassen
Auch David Bowie war kurzzeitig mein Nachbar
Doch der war bekanntlich überall und wohnte keine zwei Wochen später anderswo
Mit ihm Walter
Der Orgasmusforscher
Meine erste männliche Frau von späterhin vielen
Der mir den Hahn unserer Vertraulichkeiten in Marmor graviert hinterließ um damit meine Todeserfahrung Entzug ins Unendliche zu multiplizieren
Inzwischen bessere ich die Farben meiner Erinnerungen aus
Schreibe mit dem Kopf zwischen dem Geländer der Nächte im nachhinein Tagebuch
Und bin so stolz bergab über diese gehabte Seelenverwandtschaft mit dem Tod unter den Linden
Nenne es Telegraph Road
Wenn du weißt was ich meine


Doktor Munk und der ’liberale’ Neonazi:

Munk will unser Stück, (UNSER) wie er sagt, auf dem Max- Ophüls- Festival einer ’großen’ Öffentlichkeit vorstellen.

„Vorher müssen wir aber noch kräftig üben!“
„Wir üben doch täglich, - oder nicht?“
„Und den Pfarrer fragen.“
„Wieso den Pfarrer?“
„Immerhin ist der Gemeinschaftraum ein Gotteshaus und euer Stück handelt bekanntlich vom Islam!“
„Irrtum, Doktor Munk. Das Stück handelt von VERBRECHERN!“
„Wieso, - ist Grace denn nicht Muslima?“
„Schon, - aber...“
„Na also. - Zudem ist nicht vergessen, dass DU die Kirche in Brand gesteckt hast!“
„Aber Doktor Munk ... das war ein Unfall. Keine Absicht!“
„Ach was, Jimmi, lügen Sie nicht! Sie haben die damalige Sache mit ihrer Schule nachgespielt - und literweise Benzin in Kanistern in die Kirche geschleppt!“
„Ich wollte einzig die Wahrheit nachstellen, Herr Doktor Munk.“
„Was ist schon die WAHRHEIT, Jimmi ... WAS? – Wo hatten Sie übrigens damals das ganze Geld für den Sprit her?“
„Gefunden.“
„Gefunden? Sind Sie irre? Halten Sie mich für dämlich?“
„Nein, Doktor Munk – natürlich nicht, - aber Sie haben mir doch selber verboten, darüber zu reden!“
„Ich? – Wie käme ich dazu...“
„Wegen des Islam. – Und ihrer Ansichten darüber.“
„Nun ist aber genug, Jimmi, - ich habe überhaupt keine Ansichten: Ich diene dem Staat!“
„Sorry Doktor. Das habe ich komplett vergessen.“


Der Kopf ist erst ab, wenn er ab ist:

Munk meint, aus einem Gefühl heraus wie er später zugibt, es könne lustig werden. Und meint weiter, beim Film muss man durchs Aussehen bestehen und sucht sich deshalb dazu folgende Klamotten aus: Hemd von Carl Groß. - „Oder doch lieber das Jeanshemd von Guesse? Jimmi?“ Lieber? „Nehmen Sie es eine Nummer kleiner – also das von Closest, Doktor!“ Und das wurde es dann auch. Dazu Rose im Knopfloch, Zuckerwatte am Bart, heiße Küsse in die Menge. Der Idiot.

Siebenmal wechselt er die Kladderage, bis wir loskommen. Dazu dann doch in einem Hemd von Joop. Nachtigallblau, das Teil. Auch die Krawatte. Also, voll schwul im Bild, - der Typ.
„Und sie bekommen auch eins, Jimmi!“
„Bin ich Zwilling? - Eineiig?“
„So was trägt man in der B- Boying- Szene.“
„Mir Banane, - ich bin und werde kein Breakdancer.“
„Dazu sollten Sie einen Body von Wolfortd tragen. Eventuell eine Adidaschda Hose in ...?“

Mal echt, so ziellos habe ich den Typen noch nie gesehen. Alles Denken im Arsch. Vielleicht liegt es daran, dass er seit Neuestem an den Volkshochschule einen Choreografiekurs belegt? Und von daher dann auch die Idee mit der Hose von Céliner mit dem ausgestopften Penissack für mich. Den dazu passenden Pullover von Alludia. „Wie für Clärchens Ballhaus geschaffen“, juchzt er auf der Fahrt zum Drehort. Und will mir by the way einen Vintage- Mantel von Mäxchen Martal aufschwatzen. Eine Strickjacke von Adama Tomaszewska, dazu einen Schal von Streinessja, einen ebensolchen Pullover. „Was sagen Sie dazu?“
„Super- super- super- geil! Wie Soulmate live in concert.“
Worauf er mich küsst und mir in den Schritt fasst und „Yes, - I Wanna Have Your Babys!” singt. Doch zum Glück gibt es keinerlei Beweise dafür. Wie auch dafür, ob er überhaupt schwanger werden könnte. (?)


Am längeren Hebel:

Eigentlich mag ich diese schwulen Jungs mit 6Pack und Knackhintern. Die können einem mit ihren Pussyriot Arschbacken einen blasen, als wäre in NY der Blizzard ’Juno’ zugange. Zudem warnt New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio ’wortwörtlich’ schon wieder vor der Ruhe vor dem Sturm - und hat den nice guys ’allgemeine’ Bettruhe im Besonderen verordnet. - Lass ihn mal machen, denke ich. Während in der Weidenrutenauspeitsch- Sauna zwei Typen begehrlich auf meinen Penis starren. Der rechts von mir zeigt eine beschnittene Minirübe. Der links trägt zottelige Vorhaut auf einem beachtlichen Stamm.

”You had your hands all over me, there was no doubt where it was gonna lead, at least for me,
You said baby let's go to your room, I got some dirty things I wanna do
But then you changed you tune”
- Songtext Nice Guys Finish Last

„Du weißt schon”, spreche ich den Spast mit der kupierten Rute an, „dass ein männlicher Pimmel erigiert eine durchschnittliche Länge von 12,9 bis 15 Zentimeter hat?“
„Schon“, behauptet der.
„Bei dir, Bruder, kann ich noch nicht mal Ansatzweise eine Ähnlichkeit zur Menschenpopulation feststellen. Haben dir die Väter der Weisheit neben der Vorhaut auch Teile vom Pimmel resektiert?“
„Was gemacht ...?“ Fragt der im holperigen Deutsch. Und genau ab da weiß ich es -, er ist mein Mann! Fragt sich nur, ob ich ihn gleich in der Umkleidekabine oder doch erst auf dem Weg zum Ausgang wegmache?

„Mach es in der Umkleide, - wenn der Drecksack noch nackt ist. Und Fotos. - Am besten 4-5 Stück!“ - SMS ins Hörgerät von Grace.
„Gebongt. – Ich liebe dich! Ach – warte mal: Soll ich dir den Pimmel mitbringen?“ Mündliche SMS- Anfrage ins Handy re.
„Besser nicht. - Lass ihn den Tauben.“ Gedacht. Gesagt. Getan.

Wikipedia: ’Zur Vergrößerung des menschlichen Penis werden diverse Methoden genannt, von Medikamenten, Massagetechniken bis hin zu chirurgischen Eingriffen, von denen die meisten jedoch keine nachgewiesene medizinische Wirksamkeit haben. Einzig die chirurgischen Eingriffe sind erwiesenermaßen wirksam, können aber die Erwartungen trotzdem nicht immer erfüllen.’

“I guess nice guys finish last or sometimes not all
Oh Oh Oh Oh Oh Oh Ohhhh
Sometimes not all”
- Songtext Nice Guys Finish Last

Zigmal wurde in den letzten Jahren der Chefposten in der Dienststelle zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität neu besetzt. Und jeder der Chefs nahm sich vor, das Rätsel um den Reichtum der Familie von Grace zu lösen; es konnte denen jedoch nie etwas Illegales nachgewiesen werden. Geschäftsleute eben. - Die nun durch meine Hand langsam weniger wurden. Und das lässt die nervös werden, wie Grace bei einem Telefonat mit ihrer Zwillingsschwester in der Schweiz erfährt. Die sie zudem fragt, ob sie damit etwas zu tun habe?

„Natürlich nicht! Wie kommst du darauf? - Ich bin zufrieden, nichts mit denen zu tun zu haben!“
„Das ist schön Grace, dann habe ich eine Sorge weniger...“
„Wieso? Welchen anderen Sorgen hast du denn?“
„Die Familie will mich zurück!“ Weint die.
„Musst nicht weinen -, ich lasse mir was einfallen. - Versprochen!“

1. Die ästhetische Breite eines Penis beträgt die der Resonanzweite des inneren Skrupels.
2. Ein Arschloch hat eine durchschnittliche Dehnweite OS = B: 78 / mD: 100 / T: 64 / mD: 88, von Freiheit vor Hemmungen über Tabus. Hier anderweitige Toleranzen einzufordern kommt genauso bescheuert daher wie das Abspreizen des kleinen Fingers beim Onanieren.


Voll süßer Wut:

Bei mir gibt es immer das ganze Schwein. Nicht Glück in kleinen Stücken. Lieber kurze Tage als lange. Besser die kürzeste – Nacht - als keine. Als lebend im Tod.
„Es muss aber alles aufgegessen werden“, macht Munk auf beschissen gute Laune wie einst am Baggersee. Und ich weiß es wieder. Ihn zu mögen, heißt nicht was es sein könnte; dass ich trotzdem bleibe, ist die Angst vor dem ersten Schritt. Das morgen. Morgen. Munk weiß das wohl. Trägt es im Herzen. Sollte er denn eins haben. Okay, - möchte ich ihm sagen, ohne Grace wäre eh längst Schluss. Und hoffe, das ist deutlich. Also kann Liebe auch ein Hindernis sein... dennoch; denn wenn ich mir das Fenstergitter wegdenke, atme ich Jurassic Park in Blu-ray. Fixiere tonnenschwere Dinos hin und zurück. All die zu Tode geflashbackten Raptoren in sexy Dharma-Anzügen, wie Munk in 1 zu 1 Logik sagt. Und ich staune. Grabe an meinen Schätzen hinter der Scheuerleiste. Wühle im Plastiksäckchen vom Toilettentraps. Fingere in ausgehöhlten Stuhlbeinen. Und. Finde. Meth. Und davon weit mehr als nur eine satte Prise. Und mich stört Munk wenig mit seinem was auch immer. „Lassen Sie ja die Finger weg, von dem Teufelszeug!“ Mal ehrlich, dafür dass Munk lediglich in meinem Kopf existiert nimmt er sich reichlich was raus, oder!? Dafür habe ich aber mit dem ersten Hit Grace wiedergefunden. - Grace, - du über mir, - ich unter dir! Du. Ich. Du. Wir sind hier. Drehen uns im ewigen Zauberreigen. Durch diese Tage voller süßer Wut; in den Nächten. Augen zu und durch.


Replay Dark Eyes:

I’ll see you in my dreams.
Ich rede mit ihm. Frage ihn, dies und das. Doch leider. Die mich enttäuschenden Antworten fallen spuckefeucht und senkrecht auf mich herab. Platschen auf den Boden, als würden faulige Kokosnüsse geerntet. Echt. Mir tun allein schon vom zuhören die Augen weh. Auch deshalb lasse ich die Fragezeichen weg und behaupte nur noch. Befehle ihm, sich hinzuknien und halte ihm, als er kniet, die Pistole hinters linke Ohr. Ich bin Rechtshänder, deswegen links. Dazu kein weiteres Wort mehr. Weil der Schuss hinters Ohr die beste Antwort ist. Und mein Wunsch. Sollte es bei mir soweit sein. Eins noch: Mai oder Juni täte mir am besten passen.
After you’ve gone.

Lyrics: Yes my baby left me, never said a word. Was it something I done, something that she heard? My baby left me, my baby left me. My baby even left me, ne...


Out of the black:

Der Wille verliert seine Flügel. Die Tage werden dichter. Duften wie überreife Kürbisse. Nein. Wie faulende Erdbeeren ganz unten. Sagt sie. Während der Garten hinter den Gitterstäben in graue Depression versinkt. Und uns die Tagesdosis an Medikamenten erhöht wird. Damit es in uns wenigstens bunter wird. Mehr Sonne. Und Blau. Ist. - „Ach. Das ist im Herbst doch immer so!“ Tröstet Munk im untauglichen Versuch. Tut, als ob ich das nicht selber wüsste. Wie sein Unken: ’Ein Ende sei nicht abzusehen.’ Wozu er am Telefon zu Gott weiß wem dann auch noch was von ’würdigen Verhältnissen’ sagt. Und ich hoffe, er meint nicht uns damit. Oder dieses schreckliche Dreckloch hier. - Andere Sitten, höre ich Munk (betörend) lachen. Die alte Schwuchtel. Und wie er vom Ende des Anstiegs faselt. Womit ich nichts anfangen kann. Und lieber weitere Depressiva schlucke. Wegen der Rückenschmerzen. Ja. Auch die noch. Eine Übersprunghandlung. Den erschwerten Bedingungen geschuldet. Die Zahlen darüber stammen übrigens aus dem Depressionsatlas der Anstalt, - der von Munk gegründet wurde. In dem ich verreise, wie ’normale’ Irre zum Ballermann. Weil das Angebot Nachfrage schafft Fuselwein durch Binsen aus Eimern zu saufen. Von einer Volkskrankheit, spricht Munk dazu. Dass Frauen fast doppelt so stark betroffen seien. Von wegen Selbstbestimmung, lacht er. Der Schäker. Und genau daran erkenne ich ihn wieder. Einen Proll von Callcenter- Mitarbeiter. Der die meisten Fehltage. Die blödesten Sprüche. In dessen delirierender Fresse sich die Fragen wo die Grenze zwischen krank und gesund zu ziehen seien nicht abzeichnen. Sein ewig albernes Gesülze von ... das sich nie abschließend beantworten lässt. Vom dem, was er meint... Gut. So weit nun zu dieser Begegnung des Grauens. Und insoweit zu uns. Heute. Morgen noch. Wer weiß schon. Denn noch sind wir hier. Zur richtigen Zeit. Am richtigen Ort. In der Tiefe der brodelnden See. Um da zu bleiben. Denn wir sind jung. Sind stark. Und lassen uns nicht ... nicht mal von niemandem!


All in out u:

Mühsam unter Drogen. Bin ich fett geworden. Schlaflos. - Das Fett macht mich träge. Die Schlaflosigkeit. Die Drogen benommen. Zwischen Hirn und Leib klaffen breite Lücken. Versagen die Uhrzeiten. Reihen sich unruhige Nullen zu fehlenden Gedanken. Nicht mal im Spalt zwischen Sein und Nichtsein rührt sich Leben. Alles still und kalt. Winzig und halbblind, wie meine Augen. Die. Wie Schießscharten. Besonders im Regen. Halte ich die zugekniffen bis ins Hirn. Ein muschelförmiges Sieb. Das. Das nicht mehr ist, als ein Raum mit 5 oder 6 Zimmern. Darin jeweils ein Bett. Ein Stuhl. Ein Schrank. Ein Blechnapf auf dem Tisch. Mit Blutsuppe darin. Unbenutzt. Ein Stück Brot daneben. Liegt. Wie der Verrat am Sein. Schweigend. Aber mit schmaler Verbindung ins Treppenhaus. Zur Schankwirtschaft. Als breite, quer gerichtete Streifen auf dem Boden. Stöhnen. Schreie. Während mein blutiger Sabber ins Fallrohr läuft. Mehr ist da nicht. Nur so. Als wäre das alte Leben ins Nichts gegossen. Traditionspflege, sagt Munk dazu. Wenn er die Verbindung besucht. Der alte Herr. Zu der seit Jahren auch ich mit muss. „Schließlich haben Sie denen einiges zu verdanken!“ Wenn es im Pauksaal Schmisse regnet. Stickig und heiß ist. Testosteronschwanger müffelt. Unter harten Befehlen Blutstropfen spritzen. Rostiges Rot. Nun. Wo eben noch die Luft hellblau. Eiter und Fäulnis ausdünstend. Jod und Kampfer. Und das alles auf eine verschmierte Art und Weise. Während Munk in einem genialischen Akt in einen lebelosen Torso am Boden Sauerstoff pumpt. Sein trommeln in der Nacht. Schweigsam. Nur ein Schmatzen von Mund zu Mund. Als küssten sich alte Hüpfgummi weit ab von moderner Ästhetik. Hier die kurze Robustheit. Ort der langen Atem. Unsterblichkeit. In die kein Schuss fäll. Sondern Käsekuchen mit Bohnenkaffee. Hinterher. Und später dann Bier saufen bis zum umfallen. Ich weiß es genau. Ich bin Munk. Munk ist Ich. Wir sind die Artisten unter den Autisten.
Etikettenschwindel wirft man übrigens auch Aldi vor, habe ich gelesen. In deren Seife ’1000 und eine Nacht’ keine Moschee drin ist. Aber auch von ’1000 und eine Nacht’ keinerlei Spur. Ich habe deswegen die ganze Nacht geweint. Von Davidoff ohne Filter.


Belle Rêve – IF U GO AWAY:

Tennessee. Sein Kowalski war mein erster... Die Theatergruppe der Schule gab mir die Chance. Ich war Stanley. Grace gab die Blanche. Beiden war ich Körper. Seele. Und. Geist. Um nur drei Mysterien zu besingen; - es wurden weit mehr. Die ich in eine Art (unmenschlich) ’menschliche’ Konturen kleidete. Ich. Der von Munk gesteuerte... Munk. Mein Klon. Der Blanche Züge von Grace gab. Und Kowalski welche von ihm. Der doch immer ich war. Und ich bin. Aber wer versteht das schon? Nicht mal der Rektor der Schule. Als ich auf dem Klo des Realismus wegen Mitch vergewaltigte. Weil: Als Schauspieler lernt man von der tatsächlichen Handlung. Hat selbst Mitch gesagt. Und wollte noch mal. Dem Leben Salz in die Wunde streuen. Doch nicht mit mir. Denn das mit Mitch war kein Spaß. Außerdem war ich da - in mir - schon längst bei Stella. Die ich einige Male durchzog und dann frei laufen ließ. Stella. Kaum noch mehr als ein Wort. Wenn du weißt, wie Schuldscheiße drücken kann. Doch davon später.
Nachdem ich wegen Mitch von der Schule geflogen war, lebte ich von der Substanz. Von Schwänzen im Mund. Um zur inneren Stabilität zu gelangen. Dabei entdeckte ich Grace - als mein Pendant. Die in ihrer Realität lebte. Und das bis heute. Ob mit Blanche oder ohne. Ob mit Stella. Oder. Die ihr vorgaukelt, die jüngere zu sein. Die hübschere. Die begehrenswerte Lehrerin. Die mit Kowalski vögelte. Um danach zu heulen. Und von Notzucht zu reden. Mindestens 13 Mal. Um aus dem Schuldienst entlassen zu werden. Stella. Die eine Affäre mit einem Schüler zugab. Zudem konnte sie nicht mit Geld umgehen. Sogar Kowalski bezahlte sie - für Sex. Doch auch der konnte ihren finanziellen Anstieg nicht aufhalten; nutzte aber ihren animalischen Drang und stellte sie mit dem Hintern an die Wand. Ja. Da verdiente sie nicht schlecht. Wäre nicht Stanley. Der selber auf der Suche nach Freundlichkeit und Schutz (war), wie er ihr sagte. Gesucht und gefunden. Stanley. Sozusagen. Um dann doch mit Blanche zu vögeln. Und Kowalski zum Feind zu haben. Ein echtes Drama - ab der fünften Szene. Wo ich endlich alles zeigen konnte. ALLES! - Vor allem als Grace in Blanche war und bin ich perfekt. Als die sich an Stanley rächt. Ich. Ein Meisterstück. Oscarreif. Wäre da nicht Kowalski. Der Blanche zärtlich Motte nennt. Und ihr den Eindruck des Zerbrechlichen und Flüchtigen vermittelt. Ihr. Die selbst Schutz braucht. Sucht. Die deswegen trinkt. Säuft. Nur Kowalski kann es besser. Doch es wird. Es wird. - Bestimmt!


Curleys Frau:

Auf den Flügeln eines Schmetterlings sitze ich. Beobachte, wie du deine Klamotten packst. Jedes Augenzucken sehe ich. Wie deine Mundwinkel sich heben. Wie du hektisch im Raum hin und her rennst. Und ich freue mich. Weil meine Arbeit getan ist. Mister Tod aufgerufen. Der dein Taxi fährt. Und ich weiß auch wohin. Du aber nicht. Und ich bereue nichts. Weil du gehst. Und nicht ich. Weil ich schon längst auf und davon bin. Du hast es nur nicht bemerkt. Und ich weiß auch warum. Wie Motten die Nacht. Wolken das Licht. Dass der Mond längst nicht für alle gleich scheint. Stell dich nicht dumm. Frag mich bitte nicht warum. Es ist einfach so. Weil ich es will. Und du deine Chance verpasst. Die eine, bei mir zu bleiben. Meine Liebe zu leben. Und nicht vor die Hunde zu gehen. Wie du es nun tust. Doch jetzt ist es gut. Denn die Zeit ist rum. Der Koffer gepackt. Das Taxi hupt. Deine Absätze klackern. Eine Tür zuschlägt. Das Quietschen und Krachen. Ein elender Schrei. Während ich sitze und schaue. Als die Feuerwehr kommt. Die Polizei. Wie die Leute wieder gehen. Zwei Träger dich in ein Auto heben. Dessen Klappe sich schließt. Unhörbar. Dein Leben. Die letzten Sekunden. Ne me quitte pas. Doch ich kann es nicht besser. Und weine erst, wenn die Sonne wieder scheint. Abseits vom Leben. Du weißt schon wo. Wirst in meinem Herzen sein. All die Zeit. Die Tage, die mir noch bleiben. Um auf den Flügeln eines Schmetterlings zu sitzen. Liebe zu geben. Weil ich bleibe. Wenn es gut geht. Läuft keine wie die.


Mit jedem Fehler weiter bergab, - doch ich bereue nichts:

Sie sieht mich nicht. Blind, wie sie ist. Aber ich kann sie durch die Scheibe. Sehen. Und. Das sie ihr die Haare raspelkurz schnitten... einen Bart, haben wachsen lassen und ihrem Tumor den Namen Lennie gaben. Als wäre der eine Maus im Garten auf einem Stückchen Land, mit Haus, Kühen, Schweinen, Hühnern und Kaninchen. Ja. Das ist mein Wunsch, höre ich sie sagen. Da saßen wir am Ufer vom See. Ein Lagerfeuer loderte. Hell. Als an Schlaf nicht zu denken war. In der Hitze der Nacht. Wir zwei. Um uns den gemeinsamen Traum zu erzählen. Von Wölfen und Schafen. Um Curleys Frau am Kaninchen zu streicheln. Und später zu fürchten, etwas falsches geträumt zu haben. Vom Flittchen, das Filmstar werden wollte und dafür das äußerte (...) tat. Als nur Kontakte zu suchen. Sondern Geld zu horten, für die weite Reise zum Ruhm. Of Mice and Men. All die Früchte des Zorns. Auf der Suche nach Amerika. Wegen der Wunder von Ölsardinen in der Wüste. Der Sehnsucht nach ’Huren, Hurensöhnen, Kupplern, Stromern und Spielern, mit einem Wort: Menschen! Man könnte mit gleichem Recht auch sagen es seien Heilige, Engel, Gläubige, Märtyrer – es kommt nur auf den Standpunkt an.’ Wie sie in seinem Namen rezitiert. Und ich weiß, sie ist und bleibt eine Radikale. Egal ob als Frau oder Mann. Ob der Mond nun aufgeht - oder unter. Oder an der Pforte zur Hölle steht und schläft. Oder eben nicht. Ja. Glaube mir, schreibt er, die Wüste hat schon andere Wunder hervorgebracht - als du eines bist, ergänze ich. Und küsse Grace auf den Mund. Es war Donnerstag, - ganze fünf Tag nach dem sie ihr den Schädel eröffneten, um darin nach Narrensteinen zu suchen. NARRENSTEINEN! Verstehst du - du - Autist?!

“Der einsame Mann und seine sonnengegerbte Frau, die sich an einem unfruchtbaren, unwirtlichen Ort in den Schatten drücken, könnten zusammen mit ihren Waffenbrüdern – dem Kojoten, dem Jackrabbit, dem Leguan, der Klapperschlange sowie einem Heer von armierten Insekten –, all diese trainierten und erprobten Fragmente des Lebens könnten sehr wohl die letzte Hoffnung des Lebens gegen das Nichtleben sein.“
John Steinbeck - ’Die Reise mit Charley.’

Dabei ist das Leben Blut und Kot. Eine Gieren und Schlachten. Ist die gefallene Schöpfung. Und ohne Drogen nicht auszuhalten. Es wäre schon ein Kunststück, unbeschadet davon zu kommen. Denn ihre Toten sind keine toten Soldaten. Ihre Morde sind keine normalen Morde. Das Recht ist nicht Recht. Und ein Krieg ist Geschäft. Aber das wissen doch alle längst.

Stimme eins:
Dein abgemagerter körper. Kälte, gestank, unwohlsein. Meine sorge um dich ließ mich nicht mehr los. Was aus dir geworden.

Stimme zwei:
Es war zeit für einsamkeit, den wechsel von unten nach oben.
Dunkelheit ohne antwort. Fühlte mich geborgen, lag da wie tot.
Tod.

Stimme null:
Rauch aus der pistole. Grau. Smoke. Gehe die straßen lang.
Gestank. Und ich kann dir nichts geben als das. Leben. Wie der vater die ... vergewaltigte. Kranke lust entdeckt. Kindern gewalt antun. Voll auf Medikamente. Um auszuruhen. Am ende der sackgasse liegen. Bin nicht geschaffen für so tage, solch leben. So nächte. Bis ich sterbe. Gern mehr davon. Ich verspreche es.


Das Dasein hasst mich zum Glück:

Blut gerinnt in meiner Kehle.
Ich schlafe aufrecht.
Mit Propofol.
Der stummen Königin.
Es braucht nur einige Milligramm.
Für kurze Zeit sind die ein Teil von mir
Um bunte Träume mir zu schenken.
Mein krankes Leben heilen helfen.
Um meinen Irrsinn zu befrieden.
Sagt man.
Weil es die anderen stört.
Doch mich nicht.
Von dem ich nie genug bekomme.
Um da zu sein.
Zu gleiten.
Von einer anderen Welt zu träumen.
Weit weg von hier und frei von allen Schmerzen.
Von Sand umschlungen in einem Palmenwald zu liegen.
Den gelben Schmetterlingen.
Die in meinen Adern stecken um zu sonnen.
Glück mir einzuspeisen.
Wie gewonnen.
Tipps für Anfänger zu geben.
Leben. 


Flucht Nummer 3 bis 5:

Um von A nach B zu gelangen (um dauerhaft und zuverlässig zu fliehen) muss man nicht mal mit den Augen zucken. Und auch nicht einen Millimeter. Bewegen. Man sollte nur eine gewisse Ordnung im Denken an den Tag legen. Laut Munk. Auf den Rest sei gepfiffen. Meint Munk. Der jedwedes Blödsein als Fortschritt ansieht. Wie er mir neulich sagte - und dabei tiefgründig lächelte. Tiefgründig. Ein Begriff unter vielen, den ich hasse wie die Pest. Und der nie den Weg in mein Tagebuch findet. Finden wird. Den ich mit anderen Schleimworten in müheseliger Arbeit (so kann man echt sagen) von Tausenden Briefen und Postkarten strich. Eine Arbeit für Idioten, die Jahre meiner Zeit beanspruchte. Und immer noch! Der letzte Eintrag über Grace ist zum Beispiel der, wie sie mir mit federsanften Fingern die Haare zum Zopf flicht. Seit dem sitzt sie leblos 6feet under auf der Couchlehne zwischen all meinem anderen Glücksbringern. Den längst abgeliebten Bären und speichelvollen Affen. Doch die wirken in mir immer noch volle Dröhnung. Wie auch Munk. Meint. „Würde es Ihnen sonst so gut gehen?“ Zudem heult er dazu noch, dass man einem Genie viel verzeihen kann. Und würde. Ich grübele seit dem, wen er damit meint? Sicherlich sich! So überzeugt und selbstbewusst er (seit Grace (erst mal) aus dem Weg ist) zwischen all den Affen und Bären rüberkommt. Der Idiot! Egal. So oder so. Ich traue ihm nicht. Auch wenn er sich wiederholt mit (einer Spritze) Propofol bei mir einschleimt - und ich die damit einhergehenden bunten Träume längst lieben lernte. Klar. Der Gefahr, die davon ausgeht, bin ich mir bewusst. Ich muss dazu lediglich an Jackson und seinen Affen Bubbles denken. Ein makaberer Thriller, Alter! Das! Atemstillstand! Echt fett! Merkt man nicht mal. Und besser als jedes Koks- und Sauf- Delirium. And so it is. War is over.  ‘And so this is Christmas I hope you have fun. The near and the dear ones. The old and the young. A very merry Christmas And a happy New Year Let's hope it's ...’ John Lennon.


Das Schweigen und die Schuld und der scheiß Rest:

Wer drei Leben hat, hat alle Zeit der Welt. Ich nicht. Leider; denn mit nur einem Leben hat man die Arschkarte. - Warum eigentlich?
Munk hat uns Tonnen von Gold versprochen, wenn wir Dora finden. Oder Teile davon. „Bei Dora handelt es sich um eine Kanone von der lediglich 2 Stück gebaut worden sind.“ - Und von der eine auf dem Gelände der Psychiatrie versteckt sein soll! - „Und wir suchen die unbekannte Dritte“, unterbricht Munk meine Gedanken. „Eine richtige Kanone?“ Stelle ich mich blöd. „Ja!“ Sagt Munk. „Bei Dora handelt es sich um die legendäre 80cm Kanone der Deutschen Wehrmacht. Das sogenannte Eisenbahngeschütz!“
„Respekt!“
„Nicht wahr?“ Ist Munk stolz.
„Und die soll hier bei uns im Garten liegen?“
„Zumindest Teile davon. – Hinten im Garten bei den Gräbern, oder unter den Birken auf der anderen Seite der Straße.“
„Würde ja vom Alter her passen.“
„Was?“
„Alles! – Auch die Eisenbahnschienen Richtung KZ Bergen-Belsen“
„Wenn Sie so denken, Jimmi, spielen Sie mit ihrem Tagesausgang. Schon, weil falsch ist, was Sie behaupten. Die Trasse führt direktemang ins KZ Brandenburg!“
„Sagen Sie das nicht, Herr Doktor.“
„Warum?“
„Es wäre zu ihrem Schaden.“
„Okay. Jimmi. Machen Sie ran. - Sie sind hier der Einzige, der das Teil finden kann.“
„Sie träumen von den 32 Metern Rohrlänge, - was, Doktor?“
„Quatsch! – Also: Sie nehmen sich jetzt drei Mann aus Haus 1, rüsten die mit Spaten und Hacken aus, nehmen den Metalldetektor und fangen an. - Das ist ein Befehl!“
„Zu Befehl! – Bei the wä: Gehört zu meinem Tagesausgang auch die Nacht?“
Ich habe mich übrigens vor Wochen schon mal an meiner Spucke verschluckt und war hinterher drei Tage tot.


Ich brauche nicht viele Hände. Nur eine, die meine hält:

Jahrelang war ich als Alkohol- Test- Käufer unterwegs. Und darüber schreibe ich. Denn. Über Grenzen und Räume hinweg habe ich meinen Nagel eingeschlagen. Tief in den Tag. Flach in die Zeit - meiner Träume. In fast jede Kneipe. In fünfzig Prozent der Bars dieser grauslichen Stadt. In Mösen, die mich nicht abblitzen ließen. Denke nun aber nicht, es war pures Vergnügen. Boy. Nein. Es war harte Arbeit. Wie einst Untertage. Wo die Hauer mit Staublunge mit nicht mal 40 verreckten. So geht es mir nun am Geschlecht. Das schon schwarz, - ein Kuhfuß am Horn. An dem der Abdecker säbelt. Trage ich meine Schuhe in der Hand. Den Sack auf dem Rücken. Voll mit Wolken. Sonne. Schmerzen. Glitzernden Sternen. Von denen ich regnen lassen will, bevor der Krieg beginnt. Die letzte Freiheit. In Rückenlage. Du. Obenauf ich. Mit Stellungswechsel. A tergo. Wenn wir in Formation fliegen. Dont give up, Moorsoldat.


Nonsenstipps für Anfängerautisten:

- Unter den autisten ist die taube könig - Unter den tauben bleibt der autist stumm - Unter den jimmis ist der könig autist - Unter den tauben autisten bleibt der könig stumm - Unter den königen der autisten ist der blinde taub - Unter den dummen ist blindend könig - Unter den tagen ist stummer taub - Unter den linden sind - Unter den lügen versteckt wahrheit - Unter den huren ist die stumme eineiig - Unter den straßen puffs so weit der blinde sehen kann - Unter den augen rappen die rippen tripper - Unter den trippern heiter eiter - Unter den führungen des führes - Unter den stummen stirbt der könig still - Unter den pellwormern würmern würmer - Unter den achseln wachsen pilzen haare - Unter den eicheln wachsen haaren pilze - Unter den letzten fünf von sechs - Unter den ersten autisten ist das letzte die taube - Unter den achseln der tauben bleibt der autist stumm - Unter den blinden pellwormern ist der autist einer von vielen - Unter den tauben führt selbst der führer stumm - Unter den königen der autisten isst auch der blinde schnittchen - Unter den stummen blinden ist selbst der könig eicheln - Unter den straßen ewiger frühling - Unter den idioten stirbt die hoffnung nie - Unter den blöden bin ich schon seit jahren zuhause - Unter den möhrchen liegen donnerstags schnitzel - Unter den himmeln der psychiatrie von berlin ich - Unter den autisten 7 raben -


Antworten:

Männer! Soldaten! Ein Specht ist kein Löwe! - Doch von den Autisten in der Anstalt sagt mir ab und an einer der anderen Autisten ich sei kein Autist, weil ich ’so’ anders bin. Und dann schreibst du auch noch so blöde darüber! Hetzt der. Ey (ihr), ich bin darüber froh und glücklich und lasse uns sein wie er ist. Andererseits gibt es Tage, da schreibe ich nur Scheiße. Dann gibt es Scheißtage, da schreibe ich auch. But effa, schlittere ich am Rande der Belastungsgrenze rum. Wie ich auch andere Typen stöhnen höre. In einer Grenze, allerdings, die bei denen vom Eierschaukeln auf hohem Niveau mit Kindererziehung und Müsli braten bestimmt wird. Bei mir dagegen handelt es sich um das stink/normale Leben eines Aspergerautisten. Und dabei denke ich an dich. An deinen Tod. Letztes Jahr. Und mein Glück, nicht davon gewusst zu haben. Dein Sterben nicht geahnt zu wissen. Weil ich sonst mitgestorben wäre. Oder einen Tag später. Oder eine Woche. Ein Jahr. Rund um die Uhr. Sein oder nicht. Oder so. Hätte, hätte -, hätte ich ein Ofenrohr. Dazu noch der Gutschein der Friedhofsverwaltung von eben auf winterharte Bepflanzung deiner Kiste mit Yuccapalmen. Und nun du?


Immerhin:

Diesen Winter noch. Dann habe ich es hinter mir. Während Grace an der Maschine röchelt, - die ihren Saft vom Boden leckt und in den Kreislauf zurückführt. Graues Blut. In ein graues Gesicht. In einen von einem Teppichmesser gezeichneten Körper. Auf dem ich den Namen ihres Vaters lese. Das Wort Hass über ihrer Scham. Das sorgfältig vernäht ist. Verklebt. Hass! Der nie vergessen sein wird. Nicht ein Stich vom Chirurgen kann den ungeschehen machen. Auch keiner ihrer wütenden Schnitte. Das würgende Stöhnen, als ich über das Kästchen mit ihren Haaren darin streichele. Über ihren Kopf. Auf dem wächst, was wächst. In dem ist, was ist. In den ihr Herz pumpt. Erst schwach noch. Dann kräftiger. Aus dem Winter ein Frühling. Über den Sommer in den Herbst. Im Kreislauf. Womöglich.

Es gibt keinen zweiten Ausgang, sagt Munk. Und ich denke an weit weg. An die Häuser hinter den Häusern. An Straßen hinter den Straßen. An das Grün. Und an den Wald hinter dem See. An das Meer. In den der Fluss mündet. Wo ich nächsten Urlaub sitzen werde.

Bist du sicher?
Ich weiß nicht...
Aber du bekommst doch Urlaub, was?
Kann sein.
Nimmst mich mit?
Die Maschine auch?
Davon bin ich doch dann längst weg. - Wozu ich nicke. Hoffe.
Na dann! Verreisen! Lacht sie. – Lachen. Wobei ihr Mund nur ein Strich ist. Die einst vollen Lippen ein Kringel im Rauch.
An den Fluss? Lacht sie. - Während ich ihr ein Herz auf die Stirn zeichne.
Ist es rot?
Ja!
Und schön gleichmäßig in der Proportion?
Klar doch.
Echt? - Kannst doch sonst nur so krumme Dinger...
Wenn es drauf ankommt, kann ich gut. Grinse ich durch die Stäbe an ihrem Bett. Kühle meine Stirn am Eisen. Während sie einschläft. Im Schlaf ihr Kopf hin und her ruckelt.

War es das? Fragt Munk.
Ich komme nachher noch mal.
Sehen sie sich Grace noch mal genau an!
Wieso?
Weil das Leben Veränderung ist.
Sie sind und bleiben ein Idiot, Munk! - Atme ich meine Empörung durch den Stoff. Ziehe mir die Bettdecke näher ran und. Träume von Bier und Currywurst und hinterher einer Kippe. Und dass es schneien sollte. So richtig. Wie früher. Um – erst die Hände hinter dem Kopf dann die Arme seitlich am Körper - einen Adler in den Schnee zu kratzen. Endlich mal wieder. Eine Sekunde Intimität -, in der ich mir die blutig geweinten Hände am Hemd trockne.


51,5 Schwule Farben Grau:

Wie jeder ’gute’ Sado- Maso- Serien- Täter, bekomme ich Fanpost satt. Okay. Die ist zwar in letzter Zeit schmaler geworden, reicht aber für ein kleines Ein- Aus- Kommen. Jetzt aber -, seit dem Pornoschmöker 50 Farben in Grau ist die Nachfrage rasant gewachsen und ich bin gezwungen die Jimmi- Double ’für alle Fälle’ zu aktivieren. - Schätze mal an die 20 Stück Anfragen am Tag zu erhalten. Zähle die aber nicht. Mindestens 10 davon gipfeln in der eindeutigen Anfrage auf eine Samenspende - 1 : 1 - und zwar jetzt und sofort. Geld spielt keine Rolle! Weswegen mir der geldgeile Munk schon vor Jahren eine Zelle nahe der Pforte mit eigenem Zugang von der Straße her eingerichtet hat.

In knapper Uniform führt mich Grace den speziellen Kunden in Ketten und Beißschutz vor, nagelt mich an die Wand - und hält mir die Nudel beim Einführen und so weiter. Hinterher haben die Hausarbeiter Stunden zu tun, die Damen/Herren wiederzubeleben und die Zellenfliesen zu trocknen.

Da nun bei 10 Stück pro Tag 2 – 3 in der Regel übrig bleiben, kommen regelmäßig meine Double zum Zug. Die natürlich (anonym) mit Jimmi- Kapuze und zumindest ähnlichen Maßen unten rum... Sollten die Double schlapp machen – was leider auch passiert - , werden die Damen, nun ihrerseits mit Kapuze versehen, an die Wand getackert und der Anstaltsesel auf sie angesetzt. Dessen Namen verrate ich aber nicht.

Munk hat übrigens auch eine halbtote Leiche im Keller. Popow. Einen Russen. Einen ehemaligen Artisten vom russischen Staatszirkus, der für einen Schwarzmeer- Oligarchen der in Schoko macht auf Eis liegt.
Popow lebte Jahre unentdeckt im Keller vom Airport TXL. Ernährte sich ausschließlich von Hunden, die er vom Gepäckband fischte. Deren Transportboxen er für kleines Geld über eBay verhökerte. Barzahlung und Abholung Bedingung. Ey, er hätte Millionär werden können - wäre ihm der Missgriff mit dem jungen Löwen nicht passiert.

„Ein Auge und die Leber!“ Sagt Munk.
„Wieso nur ein Auge?“
„Der hat ein braunes und will ein blaues dazu...“
„Und die Leber?“
„Essen! - Aber gut durch muss die sein...“
„Und wann?“
„Der macht in Schokolade und kann erst nach Ostern!“
„Bringt er ein paar Hasen mit?“
„Wenn Sie wollen, Jimmi, arrangiere ich das für Sie.“
„Wäre schön. Mir fehlt nämlich Grace sehr!“
„Das kann ich verstehen.“
Irgendwann muss man stehen bleiben. Sich umdrehen. Luft holen. Zuschlagen. Sonst machen sie einen platt.


Adagio For Strings:

’Jede Minute, die ich in diesem Raum verbringe, macht mich kraftloser. Jede einzelne dieser Scheißminuten!’
„Egal. Du wirst es so oder so nicht schaffen“, meint Walter.
„Ich muss und will!“ Entgegne ich. Und so nimmt das Ding zwischen ihm und mir seinen Lauf. Die quälend langen Stunden im Geruch von Krieg und Tod. - Tod. Den ich als Strafe tarne. Wegen dem Mord an ihm. Dem man in Redux- Form ansehen kann, - falls jemand die App geladen hat. Wie auch die wilde Tangonummer mit der Black Lady von Walter, Tage zuvor. Seinem letzten Wunsch, - bevor er sterben wird und muss. Und ich warne dazu nochmals eindringlich: Nicht ansehen, das Teil! Verstanden? Weil Walters Leben und Sterben eine einzige, große Lüge ist. Und je mehr man davon sehen wird, je mehr wird man ihn hassen. Sogar seine Freunde werden das tun, bin ich sicher. Deshalb zerhacke ich sein Andenken in zwei Teile. Und hoffe damit auf Ruhe. Habe allerdings nicht mit den Folgen des Opiums gerechnet. Und das Walter so ein zäher Hund ist. Der nicht sterben kann, obwohl er will. Wie ich in seinen Augen lese.

’Einen Mann an so einem Ort wegen Mordes zu belangen, ist wie eine Verwarnung wegen überhöhter Geschwindigkeit beim Autorennen.’ Heißt es im Originaltext.
Doch das hilft mir auch nicht weiter. Und trifft auch nicht meine Bestimmung. Den Befehl. Sinnlos oder nicht. Wie das ganze Leben. Wie das Todesurteil für einen schon gestorbenen. Unterschrieben von Doktor Munk, - was für ein Wahnsinn. Der in einem Indianerkostüm zur Beerdigung erscheint. Mit zwei Playmates im Arm. Miss Juli und Miss May. Vom Playboy. Körpergroß. Die wegen Treibstoffmangels bei uns notlanden mussten, lacht Munk. Und meint mit UNS mich. Irre. Oder?

„Von wegen!“ Sage ich. „Sie wollen nur sehen, ob alles gut geht.“
„Da bin ich ganz sicher, Jimmi. Für einen 24stündigen Tagesausgang tun Sie doch alles.“
„Fast alles, Doktor!“
„Sage ich doch!“
’Es war eine Lüge. Und je mehr ich davon sah, desto mehr hasste ich Lügen.’ Steht dazu im Buch der Bücher.

Und genau das gräbt sich als eine Art Zeitreise tief in mein Denken und trifft zwischen Magen und Milz auf meine längst tief untergepflügten Erkenntnisse. Und dort wieder auf das, was früher mal war. Früher - Mann! Da jagte ich mit Bogen und Speer nach dem Grauen des Tages.
Das mit ’der’ Angst, übrigens, ist eine ganz andere Sache. Denn die geht nicht vorbei. Nicht mal, wenn man tot ist. Jedenfalls nicht so richtig. Und irgendwann wird es jeder von euch merken. Predigt Munk die Apokalypse. Und da merke ich, es ist schon wieder Sonntag und ich friere mir in der ungeheizten Anstaltskirche die Eier ab. Und das, weil Munk zu geizig ist die Heizung anzudrehen.
„Denken Sie einfach es wäre Sommer, meine Herren!“ Sprüht er vor guter Laune. Und ich bin mir sicher, er hat Popow an den Schoko- Russen verkauft. Und deshalb ist mir kalt. Merke ich das Kribbeln, Herzrasen, kalten Schweiß - und eine rasant aufsteigende Panik. Und die kommt nicht aus dem Nichts. Die hat einen Namen. MUNK! Von dem ich nur eins weiß: ICH MUSS IHN LOSWERDEN! Je früher, desto besser. Wie die Apocalypse Now: ’Das Grauen und der moralische Terror sind deine Freunde. Falls es nicht so ist, sind sie deine gefürchteten Feinde.’ Munk sollte das wissen. Bitte.
- cu here –


- Lilac Wine – :

Es ist längst überfällig, dass ich mich wieder mal unbeliebt mache. Dazu eine chinesische Weisheit:
Willst du einen Tag glücklich sein - betrinke dich.
Willst du drei Tage glücklich sein – heirate.
Willst du alle Tage glücklich sein - werde Gärtner.
Leider bin ich zum Bock geboren; zeichne Hakenkreuze, wenn ich betrunken bin. Und ahme ’stimmlich’ den Führer nach (manchmal sogar mit Arm heben, Hacken knallen und so). Doch das ist längst nicht alles. Denn ich spraye riesige Pimmel an die Außenwände von katholischen Mädchenschulen; es gibt davon zwei Stück hier im Umkreis. Eine sogar in einem Kloster. Und ab und an sitze ich nackt zwischen allen Stühlen im neuen Cafe am See und onaniere ins Bier. Auch im Winter. Wobei sich mir die Frage nach Religion im übertragenen Sinn eigentlich überhaupt nicht stellt. Und, dass ich den Islam als Sekte bezeichne und ablehne. Ja. Ich habe Angst vor Typen, die Köpfe abschneiden. Das weiß auch Grace. Deren Tschador ich vorgestern im Hausflur vor der Tür wo ihr Vater wohnt verbrannt habe. Doch denke nicht, ich mache das immer und es bringt mir Spaß. Nein, es bedarf schon besondere Tage dazu mir diese Wildheit zu erlauben. Klingt kompliziert? Ist es auch! Sagt Munk. Und der muss es wissen! Kannte er doch meine Mutter wie ich. Die mich dreimal die Woche zum Wannenbad vornahm. „Beim zusammen baden sparen wir sehr viel Geld, Junge. Dafür können wir uns was anderes leisten!“ Kam ihre Verlockung vor dem ’untenherum’ Waschen mit Schwamm und weicher Bürste. Um mich dann mit schnellen, harten Griffen abzufrottieren - das die Flocken Meter weit flog, - die sie versuchte mit dem Mund zu fangen. „Aber nichts davon deinen Freuden sagen, versprochen?“ Flehte sie.
„Nein Mutter, das bleibt unser Geheimnis!“ Wie später ihre Grube, die sie mir auftat, wenn sie ohne festen Freund war. Und das war oft so. Je älter sie wurde, je williger musste ich in ihr sein. Je mehr versuchte ich dagegen anzuträumen. Betrunken, oder nicht. Voller Drogen, oder... Die nüchterne Wahrheit ist allerdings, ich bin gar nicht meiner Mutter Sohn. Munk ist ihr Sohn. Ich habe mir die Geschichte um Mutter und Munk nur zu eigen gemacht. Warum, weiß ich nicht. Aber hinterher ist man ja sowieso immer schlauer als gar nicht. Munk - der schwieg dazu. Besser so, sagten die von der Kripo, Kindesmissbrauch ist ein absolut hässliches Wort. But - The Sun Also Risess.  And Risess... Die Frau hieß in Echtzeit übrigens Jane. Und ich Tarzan. Its a mans world...


Mista Wichtig:

Therapiestunde, Mittwochs um 5. Wir sind mitten in der Beschneidungsdebatte als Lee (1 Meter 59, 130 kg, Haus’Frau’, 25 Jahre alt, Tourette- Syndrom, Lieblingstic ’Dublödesaudu!’ - um gleichzeitig mit dem rechten Arm durch die Luft zu schlagen), ein hart gekochtes Ei pellt. Dabei war ich in der Sekunde mit meinem Aufsatz über schwule Priester dran. Als ob ein gekochtes Ei - in kleinem Kreis essen - nicht genug stinken würde, sagte ich Lee 30 Minute vorher. Da erzählte sie mir unter hochziehen BEIDER Augenbrauen von ihrem Huhn. Unterm Bett. Mensch – Lee! - Ruckartiges Kopfbewegen. Mensch - Jimmi ’Dublödesaudu!’ - „Body, heißt der schwule Priester“, sage ich. „Und ist dem Frauendrama Elle entsprungen.“ Während Lee das dritte gekochte Ei frisst. Eins hart wie das andere. Kaum im Zimmer re, stopft sie sich ein Huhn rein. Ein Ganzes. Ich weiß es. Ich kann Lee durch ein Loch in der Wand beobachten. Lee, die ein interessanter Fall ist; - hat auf einer Bahnhofstoilette die Leiche ihres Neugeborenen abgelegt.
„War ein Mädchen. DAMIT DIE NICHT SO WIRD WIE ICH BIN! ’Dublödesaudu!’“ Ja. Prima. Oder auch nicht. „Ey. Schon gut, Lee! - Schon gut.“ - Es war übrigens Lees 4tes Mädchen. Die aber laut Munk weit weg von einer Zwangshandlung ist. „Ja - schon gut, Munk. Schon gut. - Sitz!“ Der dazu mit der Zunge schnalzt. Hüstelt. Schmatzt. Grunzt. Schnieft. „Schon gut, Munk. Schon...“ Munk! Dessen zeigen von obszönen Gesten und sich selbst beißen trotz Dopamin- Rezeptor- Blocker bedrohliche Ausmaße angenommen hat. Inklusive Schulterzucken! Saugeilem grimassieren. Zwangsgedanken. Inkl. wiederholen von gerade selbst gesprochenen Worten. Tic- Tac- Toe: Ich find dich 3 mal Scheiße. Ey! Das verlangt nach einem starken Magen. Und wegen der vernarbten Oberschenkel ist zudem Seele gefragt. ’Because it brings me back you.’ Weil: Lees Mutter ist vor einigen Jahren gestorben. Ein Schrei in sich, ihr Verlust. Angst und Wut. Während im Kühlschrank eine Zeit lang einzig Wodka steht. Auch eine Form von Essstörung. Und das wäre es fast gewesen. Saufen, um das Ich zum Ausdruck zu bringen. You never walk alone. Hier käme sonst das Happy- End, als Grenze von Leben und Tod. Und ich könnte über den Missbrauch von Kindern durch katholische Priester fertig referieren. Doch so. ‘Looking out the door I see the rain fall upon the funeral mourners Parading in a wake of sad relations as their shoes fill up with water.’ Kommt Jeff Buckley. Dagegen gibt’s nichts. Echt nicht!


Maximal aufs Maul:

Lese gerade, dass wer bei der Playa de Dingsda ins Meer pisst 100 Euro Strafe zahlt. Mein Tipp: Lasst euch nicht erwischen! - Bei mir ist dazu tote Hose. Scheint alles dunkel und weitgehend farblos, - neblig sowieso, und ich möchte nur fliehen. Nichts wie weg aus diesem Horrorfilm. Denn über meine Müdigkeit zieht sich ein immer dichter werdender Nebel und toppt meine lochschwarze Stimmung. Stimmt schon, nicht an allen Tagen bin ich so kaputt wie jetzt. Heute jedoch sage ich das Scheißwort ’todmüde’ dazu - und das könnte es dann auch gewesen sein. Mit dem Kopf nach hinten abkippen - und aus - vorbei. Die zum Aus zugehörige Maus spare ich mir für ein andermal auf. Gleich dem: böser Junge, goldiges Herz. Das zudem der große Wendepunkt in der Geschichte mit Grace ist. Mit über Grace. Mit unter Grace. Mit in Grace. Was weiß ich Grace. Deren schnell fortschreitende Krankheit einen relativ großen Platz in mir einnimmt und mich schwer depressiv macht. Oder anders: Grace frisst Plot , - somit sich selber. Und mich gleich dazu. Weil sie nicht mehr agiert, sondern nur noch reagiert. So gerät sie immer mehr in meine Verantwortung. Hör mal -, als ob ich in echt wüsste, was Frau Grace wirklich will; ich weiß ja nicht mal über mich Bescheid. Über Musik für stumme Gehörlose. Und weniger geht schon mal gar nicht.
Gestern tauchte ich zur Entspannung mit Harro, dem Hund vom Pförtner im Anstaltspool nach Golfbällen. Wir verdienen uns mit dem Verkauf der Bälle an Munk und Golf- Konsorten ein gutes Zubrot. Heute früh jagte ich mit dem Tier im heimischen Teich fetten Karpfen hinterher, - die den Anstaltsinsassen quasi vor die Nase gelegt und dann wieder weggezogen werden. Die Sauerei, Franz, der Koch des Gourmettempels ’No Club’ eine Straße weiter, setzt die bei sich auf die Tageskarte. Der Hund nennt den Club deswegen DAS absolute Drecksnest am Ende der Welt! Weil der Koch nichts für die Karpfen zahlt. Einzig Munk löhnt uns für die Viecher ein paar Euro. Den Rest frisst er solo am Mittagstisch vom Club ab. Nach 22 Uhr tanzen dort sexy Girls im Schummerlicht und in einem wallenden Hauch von Nichts an der Stange; die krüppelige Stange von Munk ist nicht dabei. Der würde als Irrenhauswärter auch den guten Ruf der Institution gefährden, krähte mit Voice- Over- Stimme der Koch. Der Nachts die Puffmutter gibt - und in seinem früheren Leben Priester war - und Kinder sexuell missbrauchte. Das wiederum erzählte mir das Herrchen vom Hund. Und damit war Ende der Heimlichtuerei. Und so schließt sich der Kreis hin zum Selbstmord vom Koch mit einem Schuss in den Hinterkopf. Wie? - Warum? - Na du stellst Fragen, - hast du wegen dem Irrsinn in der Welt keine Zeit Zeitung zu lesen?


Sequel - oder: Wie man HARNSTEIN einer Katze:

Die Hölle ist da. Ihre Teufel. Sein oder nicht -, umspült von kitschigem Wellenschaum. Blauem Meer. Weil: Grace ist todkrank, behauptet Doktor Metzker. Ihre Herzklappen sind verschlissen. Deswegen! - Und deshalb muss ein Spenderherz her. Aber schnell! - Grace bekommt das Herz von ihrem Bruder, beschließe ich in einem Moment absoluter Weitsicht. „Wieso“, lacht Munk mit Irrsinnsblick als ich ihm das sage, „der lebt doch noch. Und Lebendspende geht ja nicht!“ Meine Antwort dazu, bevor die Szene kippt. „Live Fast - Die Young - oder: Der Typ lebt, solange ich es will. Capito?“ Er nun wieder. „Ach so...“ Dazu ich. „Doktor Metzker diagnostizierte bei Grace einen Kokain- Abusus, mit Herzklappenschädigung durch jahrelang extrem erhöhten Blutdruck.“ Kommt seine Frage. „Ist Metzker nicht der Psychopath von der Drei?“ Ich. „Treffer. Und wenn Sie wollen, können Sie ihm assistieren.“ Er. „Wobei?“ Ey. Hol schon mal den Schlitten raus, denke ich. „Bei der Transplantation. – Worüber reden wir denn hier die ganze Zeit?“ Er. „Sie wollen die hier in der Anstalt...?“ Klar. „Aber ja doch. Unten, im Keller. Wo Sie die Spenderentnahmen vornehmen.“ Was, er mit.„Schon. Meine Spender sind aber alle tot und...“ Beantwortet. Ich. „Stopp! - Was Sie auch sagen, Munk, die Sache ist längst durch!“ Und er. „Gut. Ich beuge mich der Gewalt.“ Bitte? „Sie müssen sich nicht beugen, - Sie müssen vorher ein wenig Klavier spielen, damit ihre Finger geschmeidig sind!“ Fragt er. „Und wann?“ Nun, ich. „Erst mal muss ich dem Spender mit Doktor Metzkers Hilfe das Organ entnehmen.“ Kommt er mir. „Und wo ist das Organ?“ Blöd. „Es läuft gerade Nähe Hermannplatz in Berlin- Neukölln Richtung Karstadt verfolgt von einer Drohne.“ Lache ich. „Und nun?“ Gute Frage. „Schnappen wir es uns... Kaputt ist kaputt und braucht Hilfe.“ Dazu kommt. „Können Sie mir bei der Gelegenheit nicht auch gleich die Leber und die beiden Nieren des edlen Spenders mitbringen?“ Mann. - Munk! „Geht nicht, Doktor Munk, so gerne ich auch wollte. Der Typ ist H- Konsument -, da bleibt das Herz zwar wie neu, dafür sind Leber und Nieren Sondermüll.“ Mit dem Blick in die verlorene Zeit. „So was von Schade aber auch!“ Versinkt Munk in vergeistigte Einsamkeit. „Sie haben den Deal beim nächsten. Versprochen!“ Tröste ich Munk spätestens jetzt über das Chaos der Welt, - das ihm eine Dauerlebenskrise verschafft. Soweit der Versuch, vorab meine Tat und ihre (Scheiß- ) Folgen zu schildern.


Über Panzer:

In der Stadt ist jeder Tag Sonntag. In der Stadt ist jeden Tag Sonntag. Und somit ein Magnum Opus von Handlungssträngen. Neukölln, zum Beispiel, ist für mich ein besonderer Ort. Und. Gestern so. Heute eine Art Dark Tourism. Denn hier werde ich innig geliebt. Weit mehr aber abgrundtief gehasst. Yes, Sir. Hier spielte mein Leben einst Rumble in the Jungle. All den Kanaken geschuldet. Den Bimbos, - in Fight and be free Segmenten. Und dazu immer ich. Ich. Der weiße Nigger - und Psycho- Killer. Der einst seine Schule in die Luft sprengte. Schon Jahre her, Alter.
Der Bruder von Grace heißt in wörtlicher Übersetzung übrigens Sonntag. Und er sollte unter den namenlosen Tagen leicht zu finden sein. Da! Ich rieche schon seine Angst. Höre den Schlag seines Herzens. Bin hinter ihm. 2 Schritte noch. - Soweit der Versuch. Über Frauen die Männer erlösen. Um sie ins Chaos der Welt zu treiben. In der es um das Herz - von Grace - geht. Ein richtiges Herz, statt einer Maschine an zig Schläuchen im Brustkorb. Denke ich. Während der Schuss auf Sonntag längst verhallt ist. Doktor Metzker Brother Sonntag das Herz entnommen und „Sehen Sie mal hier!“ zu mir sagt. „Leber und Nieren. Durch und durch Schrott. Damit hätten wir Munk keinen Gefallen getan!“ Und ich glücklich bin den Einhand- Testssieger für Herztransplantation an meiner Seite zu wissen. Diesen hochgelobten Fachmann kosmologischer Sinnsuche. ’Es hat begonnen.’ (... und ...) ’Es wird enden.’ Sagt er. Ein paar Minuten vor Schluss. Das Gefäß schon in der Hand. In das da alles reinmuss. Und drüber dann Eis. Viel Eis. Von dem unterwegs was abfällt. Schmilzt. Und darum geht es doch. Was am Ende übrigbleibt. Denn das Ende ist sicher. Wie die Einsamkeit. Und eine traurige Abschiedsszene. Irgendwann. Sollte einem am Ende der Reise kein Anfang in die Quere kommen. Wo eine neue Liebe ist. Ist ein neues Leben. Mit Ideen, Bildern, Sinneseindrücken, Stimmen und Attraktionen. Und der ewigen Sucht Sinn zu suchen. Gut statt böse. Oben sein. Statt unten. Hocherotisch. Und kein Langweiler am Synthesizer.

WERBUNG – für ’Zur Hölle’ (Anthologie) und MICH, weil ich immer so schreibe. - Zitat: „Ihr werdet mich hassen“ von Michael Köhn ist in meinen Augen die verstörendste und härteste Geschichte der Anthologie. In fragmentarischen Abschnitten springen wir durch das Leben und den Verstand eines (angeblich?) schizophrenen Kinderschänders. Die Story erinnerte mich in ihrer Schonungs-, und Kompromisslosigkeit an „American Psycho“. Und wie schon Bret Easton Ellis lässt Köhn Platz für Spekulationen bezüglich des Geisteszustands seines Protagonisten. Schwer verdaulich, aber deswegen nicht minder gut.


Vergessen ist niemand:

In der linken Ecke vom Anstaltsfriedhof (totenstill ist es dort) toben Kaninchen. Rammeln, graben Löcher und fressen die Köpfe aller Blumen schrottreif. Ich bin geblendet von Form, Licht und Inhalt allen Seins dort und habe deshalb den Rammlern zum Geburtstag zwei ausgewachsene Füchse und einen jungen Python von zirka sechs Metern geschenkt. Ich weiß, die alle werden es mir danken. Keine Frage.


Toy Soldiers:

Gegen Mitternacht spiele ich mit den Soldaten des Tages ’Kill Me Please’. Werfe einen Ball an die Wand. Treffe rostige Steine. Graue Gitterstäbe. Höre Scheiben splittern. Explodierende Handgranaten. Einzig die Eule fliegt lautlos. Eine Maus im Fang. Ich werfe den Ball an die Wand bis die bricht. Ich kann nicht anders als Soldat im Stein sein. Als Gitter. Scheibe. Krähe. Eine Maus im Fang. Schließe meine Augen und träume zu leben. Irgendwo. Möglichst weit weg.


Death Dream mit Goethe:

Bei einigen bleibe ich bis zum Schluss. Halte ihre Hände. Streiche ihnen über die Stirn. Sage belangloses Zeug. Von wegen Leben nach dem Tod. Vergebung der Schuld und so Zeugs. Um ihnen Höllenqualen zu nehmen, - die sie eventuell gar nicht haben.

Bei einigen ist es ihr erster richtiger Film überhaupt. Das selbst gelebte Leben im Rückblick. Wenn sie sich in die ewigen Jagdgründe ihrer Scheiß- Vergangenheit zurückziehen. Mal durchatmen, herunterkommen, Anlauf nehmen für den nächsten Exzess in einem anderen Dasein. Ein fetter Ausnahmezustand also. Und vollkommen sinnlos.

Bei einigen habe ich überhaupt kein Problem abzudrücken. Es ist Notwehr. Ein nackter Mann auf dem Balkon, der vor Schulkindern onaniert. Eine alt gewordene Blondine auf einer Parkbank Nahe eines Kinderspielplatzes, die sich von einem Hund bespringen lässt. Daneben ein Junkie, der sich öffentlich eine Spritze setzt. Auch deshalb ist jeder einzelne meiner Schüsse ein Kipppunkt. Ein Akt der Befreiung, um obszöne Situationen zu finishen. Die Gesellschaft rein zu halten vor jeglicher Art Gesindel.

Hast du die Welle gesehen, schrieb Goethe.
Wie eine Wolke im leisen Wind, schreibt Hesse im Morgenlandfahrer.
Pfauengrün, sagte einer, sei sie.
Es ist reiner Wahnsinn, was man oft hört.
Einzig ich mag sie alle, - gleich wie sie sind.
Dass ruhig zu Füßen sie mir liegen, mein Kind.
Blass und silbern, wie der Tag in den Abend verrinnt.


Der Morgenlandfahrer:

’American Sniper’ ist für den Oscar nominiert. Schon klar, - die kennen mich nicht. Dabei könnten sie. Wenn sie wollten. Ich schrieb nämlich schon vor Jahren in ’Ich – Autist’ über meine Zeit als Söldner. Dass mich die Araber hassen. Und die Dings da. Die Amis nun scheinbar auch. Zumindest Hollywood. Out of Control. Denn auf 160 kill- out im Jahr bringe ich es locker. Wäre (my freaky live und) ich sonst hier? Mal ehrlich: ich hätte das Teil gerne als Ballade verfilmt, doch wer traut sich das schon. Die pinkeln sich doch alle in die Hose, wenn es gegen Kopfab- Musel geht. Grace lacht dazu, singt ’Save me from myself’. Was mir aber doch zu getragen vorkommt. Schon wegen dem nahen Tod: ’I just lost everyone i cared about this month. This song really helped me get through it!’ Kommt sie - und nimmt - Grace eben – mit neuem Herzen und offenen Armen. Ey. Hoffentlich färbt so ein transplantiertes Teil nicht ab, was?
„Merkst du schon was?“ Kommt deswegen meine Frage.
„Nichts von Belang!“ Lacht sie. Genau das gibt mir die Hoffnung auf Prinz und Prinzessin. Auf uns. Und schon damit sind wir zwei wieder weit über dem Horizont. Freuen uns. Lieben uns. Während draußen Schüsse fallen. Donnergrollen. Fast wie Geschütze im Krieg. Die Feuerwehr unter Tumult und Geschrei irgendwelcher Irrer Fuhre um Fuhre neues Leben für sterbende ankarrt. Spenderausweise inklusive.

„Brauchst du noch was?“
„Mein altes Leben. Weiter nichts!“
„Kein Problem. Ich hole es dir!“


Bildmontage ’Paranoid’:

Immer mehr geht mir sein Krepieren (krepieren) auf den Sack. Sein Husten (husten). Stoßweise Luftholen (holen). Das knarrende Geräusch der Atemmaschine. Der blubbernde Sauerstoff. Sein Hilferuf: ich bekomme keine Luft! Und das nur, weil ich an seinem Bett rauche. Der Idiot. Der von Intrige und Verrat spricht, - wenn sein gelber Atem durch den Raum wabert. Seine Stimme, fast weiblich schon, als Außenperspektive daherkommt. Als ob das Gestammel (jetzt schon) aus einer anderen Welt kommen würde..
„Sprich in ganzen Sätzen“, rate ich ihm deshalb, „sonst versteht dich keine Sau! - Sei entspannt. Und artikuliere sauber.“
„Du Penner“, sagt er, „sterbe ich oder du?“
„Wie du willst“, sage ich. „Du bist und bleibst eben ein kritikresistenter Idiot, - der keine Lehre annehmen will!“
Ey. Und ich bin mir ganz sicher, auf eine anderen Ebene zu sein als der da; so sicher war ich selten. - Oder?

„Wieso eigentlich Idiot?“
„Wegen deiner laufenden Sinnzersetzung... Das war früher schon dein Manko. Sprachflusen absondern. Aneinanderreihen unsinniger Worte. Prahlen in schwachsinnigen, narrativen Akten. - Beziehst dich dabei auf Pynchon , - ich weiß. Es bleibt trotzdem einzig blödsinnige Altersscheiße!“
„Und du, - du bist und bleibst ein schwerfälliger Bürokrat. Ein stumpfsinniger Polizist. Nur eine Ahnung ohne Hoffnung. Nicht mehr als eine Grundstimmung. Du bist weniger wert als ein Faschobulle, der an einem Joint zieht. Du dumme Sau!“

Eröffnungsphase 3.1 aus ’Das narrative Interview’ von Prof. Dr. Günter Mey and Friends:

Am Anfang steht die autobiografisch orientierte Erzählaufforderung an die Befragten, die gesamte Lebensgeschichte bzw. die empirisch interessierenden Lebensphasen zu erzählen. Zur Illustration sei auf Harry Hermanns verwiesen, der folgendes Beispiel anführt: „Ich möchte Sie bitten, mir zu erzählen, wie sich die Geschichte Ihres Lebens zugetragen hat. Am besten beginnen Sie mit der Geburt, mit dem kleinen Kind, das Sie einmal waren, und erzählen dann all das, was sich so nach und nach zugetragen hat, bis zum heutigen Tag. Sie können sich dabei ruhig Zeit nehmen, auch für Einzelheiten, denn für mich ist alles interessant, was Ihnen wichtig ist“
Ich sehe ihn mit Laptop schwarz weiß im Bett liegen und sich an schwer zu spielenden Metren einen abbrechen. Wie er sich dazu den Scheiß aus Wikipedia zusammenklaubt. Um zwei Sätze (2 echt beschissene Sätze!) auf Spielfilmlänge aufzublasen. Erster Akt: Psychoterror am Zuschauer (nach der Jazzkomposition ’bernsteinfarbener Realismus’ von Hanky Lie Me). Figuren: Munk - als sadistischer Orchesterleiter. Ich, als sein demütiger Adam. Und dunkel ist es. Wie ein delirantes Syndrom, das mehr zum Ausbruch als zum Aufbruch drängt.
Munk = Ersatzvater.
Ich = gescheiterter Schriftsteller.
Er. Alt. Schlafanzughemd. Polierte Spiegelglatze. Bart. Fettbauch.
Ich. Jung. Jeans. T-Shirt. Definierter Body. Hart hervortretender Bizeps. Sehe, wie sich seine Hand als Stopp-Signal zur Faust ballt. - Ey, wie wütend der ist... und warum: Weil wir eben nicht Lehrer/Schüler sind. Von wegen Grenzlinie und Genuss - überschreiten. Lust an Unterwerfung. Denkste. Kontrollfanatiker! Er, - der zwischen totaler Kontrolle und totalem Selbstverlust irrt. Ich: der ich nicht mal mit den Beinen gewippt habe. Von wegen Takt und Gegenteil. Mehr Banane im Schlafrock. Und das geht mir so was von auf den Sack. - Ey!
Therapie: Ruhe bewahren. Beruhigende, erklärende Gespräche mit Patient und Angehörigen führen.
Dem Patienten Orientierung geben. Gute Beleuchtung, gut sichtbare Uhr, strukturierter regelmäßiger Tagesablauf´.


Koma:

Lass uns einen Überschlag wagen. Prostete Hirni bei 2,8 Promille dem Auto. Und das Auto wagte - bei 3,2 Promille. Na bitte, sagte das Hirni- Auto, ging doch perfekt. Nur Hirni- Hirn hörte es nicht mehr - sagen. Nichts sagen. Fragen sagen. Bitte? Nichts. Sagen. Tod. Nein sagen. Als wäre das Pferd längst vom Flur. Wie das Auto. So. Tot. Das dumme Ding. And so (did) I. Lebe ab nun im Saustall meiner Erinnerung(en). Nicht mehr, als aus der steifen rechten Hand heraus. Die mir Mutter (oft) hält. Wie die verkackte, verkrüppelte linke... Die beide in heißer Welle. Zur Mitte des - des Körpers. Hin. Fließen. Dem Torso. Der immer noch meiner. Ist. Der immer wieder in (verheerenden) Explosionen. Aufs neue. Zerstört. Als sei ewiger Krieg. Mit Schläuchen. Dicken. Dünnen. Blau. Rot. Weiß. Braun. Durch den Mund. Hals. In den Magen - hinein. Einwärts. Auswärts. Sauer. Die Kehle hoch. Dabei gibt es für nur einen Euro eine 6fache Überspannungssteckdose. Prima: „Herzlich Willkommen, sage ich der. Du hast den Bogen raus, Ede.“
„Samantha“, sagt die. „Sichern Sie sich bitte ihren Vorteil jetzt!“ Und ich scrolle vertikal. Wie befohlen. Für Tipps und Aufklärung. Alles machbar. Easy. Echt. Und (Doppelpunkt – und Frage): „Wollen Sie ihren Unfall noch mal sehen? Den entscheidenden Moment?“
„Was kann man als Hirntod schon sehen? - Was?“
„Man weiß nie...“ sagt sie. Samantha. Mein Assistenzsystem.
„15 Kundenrezensionen und 3.6 Sterne in 2 Stunden, ist das etwa nichts?“
„Schon. Doch. - Ja!“ Ich.
„Also?“
„Komma“, sagt mein Koma. „Komma!“
„Erkennen Sie die Melodie?“
(...)
„Nie wieder letzter sein?“
„Wir sollten Ihre Sehstärke anpassen!“


Wo das Auge hinkommt, will auch die Hand hin:

1. So Sachen wie ich eine bin, liegt man auf dem Rücken aus.
2. Wer sich darauf einlässt, sollte sich auf Zumutungen gefasst machen. Auf Gitterstäbe. Schmerzen. Albträume. Wegen meiner elenden Liebe zu dir. Und zum Glück. Das ich Leben nenne. In einer Nacht die niemals endet. Und immer wieder höre ich mein Dasein sei weit nach außen gerückt. Komma. Koma. Fragt man mich, was ich tags im Bett zu suchen hätte. Warum es so ist. Wie es ist. Koma. Komma. Weshalb es Tränen regnet. Warum ich verurteilt wurde. Verknackt. Verlacht bin. Und werde. Ach, was freue ich mich ab und an die Sonne zu sehen.
3. Leider komme ich nicht einen Millimeter von der Kette los, um nach meinen Feinden zu suchen.
’Der Vater betrinkt sich und zeigt sein Geschlecht in den Spielhöllen an der Flussmündung.’ - Pierre Guyotat
4. Und dann erzählt er mir im letzten Wort, wie das Blut in die Flüsse kriecht. Vom scharlachroten Schrei, während anderswo die Masern wüten. Dem wogenden Gras, in dem sich die Mörder verstecken, - die vom Himmel zu Binsen geschnürt. Und was die rosa Kugeln an schwarzer Erde verspritzen würden. Ja. Ich weiß, das alles ermüdet dich. Das ganze Leben. Doch billiger kommst du mir nicht davon.
’Der Krieg räumt, gleich einer Höllenmaschine, vollständig mit den soziologischen Wirklichkeiten auf’, schreibt Bourdieu.
„Legen Sie sofort die Akte wieder hin!“ Schnauzt Munk.
„Das ist doch aber meine!“
„Ich verbiete Ihnen zudem, an dem Roman weiter zu schreiben! Gehen Sie zum Malkurs und powern sich mal ordentlich aus!“
„Ist das ein Befehl?“
„Raus! --- Und lassen Sie sich vorerst hier nicht mehr sehen!“
„Ich gelte also als geheilt entlassen?“
„Raus!“


(Learn to Dance with) - Über das Vorhandensein sexueller Wünsche:

„Wären wir uns früher passiert, hätten wir mehr Zeit füreinander gehabt.“
„Wie die Bienen für Blumen?“
„Ja... völlig ohne Zwang und in der Freiheit frei zu entscheiden.“
„Du redest, als wären wir 20 Jahre verheiratet!“
„So schlimm?“
„Schlimmer!“
„Du solltest zuhören, was die Stimmen von dir wollen.“

„Verdrängen bringt nix! Ich gehe deshalb 1-2 Mal pro Monat in eine Klinik. Dort futtere ich dann etwas weniger Medis als ich sollte. Gut, es labert zwar etwas wirr im Kopf, ist aber besser als die Null- Bock auf Nix- Nummer.“
„Echt mal, mit 6mg Risperdal arbeitet mein ICH zu 50% solide und die Alles- Vorbei- Stimmen verarschen mich dann auch kaum.“
„Ich versuche drüber zu lachen, aber meist zerfrisst es mich gewaltig. Ist so, als wenn ich einen Terroranschlag im Hirn habe!“

„Die Storys beinhalten Daten...“
„Meinst du nicht umgekehrt?“
„Es ist so: seit ich es für dich tue, kann ich vergessen, was ich für mich getan habe.“
„Hast du nicht ein mulmiges Gefühl dabei?“
„Mal ehrlich, ich weiß gar nicht was mulmig ist.“

„Im ganzen Universum gibt es weiteres Leben. Ich weiß mit Bestimmtheit, dass wir Menschen nicht alleine im All sind“, meint Munk. Mag sein, er hat Recht. Ich werde ihm trotzdem nicht applaudieren. Und überhaupt. Mich erinnert sein Skoliose- Rücken an die liegende Acht in der Kinesiologie. Man kann sie in die Luft malen, oder auf ein Stück Papier. Hier steht sie gebückt vor mir. Munk. Den Arsch vorgereckt. Paarungsbereit. Während er die magische Acht mit beiden Händen gleichzeitig malt.
’Wichtig dabei ist, dass nur die Augen dem Zeichnen folgen, während der Kopf gerade nach vorne gerichtet bleibt und sich nur ganz leicht bewegt. Dann das Gleiche mit der rechten Hand. Beginnend wieder am Mittelpunkt, jetzt aber nach rechts oben - im Uhrzeigersinn usw.’ erklärt er. Immerhin! Weil nämlich sein Jackett dabei trotzdem gut sitzt. Sein Hemd keine Falte am Hals beim freien Heben und Denken zeigt. Nicht mal beim gleichzeitigen Aktivieren beider Gehirnhälften. Kein Zeichen, dass ein Ausweg gefunden wurde. Nichts von Verlegenheit. Nur das herrische Zucken seiner ramponierten Nase, als er mir befiehlt, mit Grace Schluss zu machen. „Und zwar sofort!“ Als kenne er meinen Charakter nicht.
Schade, dass seine Stimme vom Band kommt. Sonst hätte ich ihn längst abgesetzt. So wie er sich in letzter Zeit in den Schritt greift und ’Liebe ist für alle da’ singt. Ach Munk, das Gottchen hier, - das ist und bleibt ein Spätzünder.


im falschen film:

wenn du für immer bist so wie es ist
bin ich längst über alle berge
- weg und versackt
der frühlings- traum schon ausgeträumt
zerstört was nicht erledigt war
- gelogen und betrogen
das schritt für schritt durchs paradies mit dir
- auch längst kaputt
ein kurzer stunden- tag in tiefer nacht
- doch tot
nein tot bin ich noch lange nicht
auch wenn mein herz es anders sagt

01. märz  2015 michaelkoehn