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Am 23. März 2014 habe ich für 'ICH - AUTIST'/Hinter meinen Augen jener andere Ort/ einen Verlagsvertrag mit dem Kladde/Buchverlag unterzeichnet. Die Leseprobe für den Roman wurde deshalb hier radikal gekürzt und das e-Book bei Amazon völlig gecancelt!

- Hinter meinen Augen jener andere Ort -

Roman


Sag doch was…
Sie sind verkehrt verbunden, sage ich.
Nicht auflegen, fleht die Stimme. Ich bin deine Mutter.
Wessen Mutter?
Die von Franz!
Ach, die von Franz. Ach so… Das hätten Sie aber gleich sagen können.
Und? Ist er zu sprechen?
Der Franz?
Ja.
Moment. Ich muss in den Unterlagen nachsehen.
Ja, bitte.
Und Tatsache. In den Unterlagen steht Franz. - FRANZ! - BRUNO!
Franz Bruno, sage ich der Frau.
Stimmt, sagt die. Ich bin die Mutter von Franz.
Ach Sie sind das … Ich dachte schon es wäre Doktor Munk. - Sagen Sie, kennen Sie eigentlich den Fluch der Karibik?
Hast du denn deine Medikamente auch genommen, Junge?
Das Lied vom Tod wäre doch wohl besser gewesen. Oder, - was meinen Sie?

Es ist kalt. Ist März. - Schon wieder. Dem ungeachtet sitze ich ihrer Wohnung gegenüber im Auto. Warte noch zwei, drei Minuten, als sie das Haus verlässt. Steige dann aus. Gehe über die Straße. Den Schlüssel zu ihrer Wohnung in der Hand. Den Baseballschläger unter der Jacke. Niemand sieht mich. Glaube ich.
In der Wohnung inspiziere ich, ob sich etwas verändert hat. Nein. Alles wie gehabt. - Beginne im Bad. Mit dem Spiegel. Es reicht ein Schlag. Totalschaden. Fege mit einem Wischer die Kosmetika von der Ablage. Trete auf Tuben. Bürsten. Kämme. Fläschchen. Springe hoch. Kicke gegen das Toilettenbecken. Schlage wuchtig drauf. Wasser spritzt. Überraschung! Denn schon unter einem eher mittelmäßigen Hieb platzt das Handwaschbecken wie dünnes Glas. Schlage es in Sekunden bis auf Bruchstücke aus der Verankerung. Der Duschwand reicht ein Antippen. Deren Glas zerfällt wie Eisblumen in der Sonne. Für die Küche hole ich den Feuerlöscher aus dem Flur. Sie hatte schon immer ein abstruses Sicherheitsdenken.
Nach dem Kühlschrankinhalt reicht der Schaum noch locker für tausend Gewürze. Die unteren Küchenschranktüren trete ich mit der Fußspitze ein. Für die oberen nehme ich den Schläger frontal. Es fühlt sich süß an - als würde ich sie zum letzten Mal küssen, als ein Honigglas zersplittert und mir einige Tropfen auf die Lippen gelangen. Egal, befehle ich meine Gedanken in die nächste Aufgabe. Egal! Und ab in den Wohnbereich. Minka hockt dort unter dem Tischtuch. Ihre Katze. Sieht mich. Miaut. Laut. Noch im Wagen stellte ich mir vor, sie an den Hinterbeinen zu packen und mit dem Schädel an die Wand zu schlagen. Doch schon bei dem Gedanken daran wurde mir schlecht. Wie auch jetzt. Ich locke sie an. Mietz. Mietz. Öffne das Fenster und... Ziehe mein Butterfly, zerschneide die Polstermöbel. Die Bilder an den Wänden. Kippe ohne Mühe den Schrank um. Schlage darauf ein. Reiße das Telefonkabel aus der Wand. Werfe den Fernseher gegen die Wand. Zerlege im kleinen Zimmer nebenan mit einem Rundumschlag den Rechner samt Bildschirm. Die drei Rohrsessel. Zwei Korbstühle. Zertrete Kassetten und Disketten. Ihre Sammlung Schallplatten. Das Regal. Schiebe mit dem Fuß ihre Bücher zu einen Haufen. Einige Zeitschriften. Greife nach den Streichhölzern. Zünde die an. Hole mir im Schlafzimmer den bedruckten Seidenschal aus der unteren Schublade links. War sowieso meiner. Fetze die Tagesdecke und das Bettzeug runter. Auch das brennt nicht schlecht. Wie ihre Klamotten. Benötige für den Schlafzimmerschrank keine zwei Minuten. Geht schneller als ich dachte. Höre Sirenen jaulen. Egal. Was ist schon Zeit! Cruise zum Abschluss durch die Wohnung, die nun von fast allen Erinnerungen geräumt scheint. Zertrümmere dabei überall die Deckenleuchten.
Gehe im Flur in die Hocke. Sehe wie erwartet das Urteil mit Aufschrift Amtsgericht blablabla im Briefschlitz. Doch das brauche ich nicht. Habe ein eigenes. Weiß auch, wo die Richterin wohnt. Die Rechtsanwältin. Eltern. Ihre jubelnden Freundinnen. Ihr strahlender Geliebter. Den als Nächsten. Schiebe den Baseballschläger unter die Jacke. Gehe über die Straße. Ist immer noch März. Wie all die Jahre zuvor. Steige in den Wagen. Kalt ist es. Kalt. März - Mann! Der April soll besser werden. Höre ich im Radio. Übertönt vom Horn der Feuerwehr. Polizei. Gebe Gas. Bin weg. Ihr Geruch im Auto. Join me in death. Und. Fini!

Ketten klirren. Halbschlaf. Ich erwache, wie ein Regenschirm sich öffnet. Habe die linke Hand zwischen den Beinen. Wie einst als Kind. Und schamlos wie der Tod. Liege ich. Auf dem Rücken. Noch. Rieche Rauch und Rouge. Beides gleichermaßen. Den Wodka von gestern. Sehe neben mir in den Falten des Laken eine Flasche, in der Vögel nisten. Während hinter meiner Stirn ein grauer Himmel gnadenlos den Morgen platt macht. Und das mitten in der Nacht. Oder träume ich? Nein ... Denn Feuer brennt in meinem Magen, als ich mich beim Griff nach der Flasche verrenken muss. Gelb schütte ich ein. Eis fließt durch mich. Teilt mich. Wie die Zeit. Auch der Tag wird im Nu größer. Gewinnt an Höhe. Weite. Hat Farbe mit Geruch. Nimmt rasant an Tempo zu. Befreit den Himmel. Dinge werden sichtbar. Erinnerungen. Gestern. Mein Gott. Gott, weißt du noch? Ja, ich weiß. Sagt der. Eine Flutwelle von Vorwürfen rast heran, trägt mich in die Fototapete. Schnauze, sage ich. Und nehme die Hände an die Ohren. Schnauze. Worte. Sätze! Während mein Atem Staub aufwirbelt, der kräuselnd aufsteigt um knapp unter der Zimmerdecke in einem Lichtstrahl zu enden.
Nein. Nichts passt zueinander. Nicht mein Husten. Der Schleim im Hals. Die Sehnsucht nach der Frau; ich rieche sie geradezu. Auch hier: Nein! Darüber gibt es nichts zu erzählen. Mit ihr war Endstation. Ist Punkt. Die Erde öde und leer. Nichts mehr mit Schweiß an Parfüm. Ihrem Mund an meinen ... Und anderswo. Nie mehr Evolution. Ihre gespreizten Schenkel. Für mich. Pik Bube. Herz Dame. Falsch gedacht. Ich Idiot. Schluss damit!
Verlasse das Bett. Steige auf die Schultern meiner Sucht. Doch mein Hirn will mich erst durch die Reste der Zerstörung tragen. So rieche ich den Brand. Sehe die verhunzten Möbel. Die vergammelten Klamotten der Frau. All die toten Bilder von Urlaub und Venedig vom Vortag. Bin am Leben. Doch wie?
Wie kann ich mich an das Halbdunkel gewöhnen. Die ausgewechselten Schlösser meiner Seele. An den Fahrstuhl meines Gewissens. Hirn. Herz. Magen. Hoch. Runter. Stopp. Go. Meine abgetrennte Brustwarze. Links. Das blinde Auge. Das ich suchen gehe. Wie meine Zuversicht. Den anonymen Irrsinn. Und Tarzan, der sich an Hanfseilen durch meine Gedanken schwingt. Linie auf Linie kokst. Der Austauschstudent ist. Dem die Adern unter Druck schier platzen. Mit dem die Frau im Bett ist. Endlos. Anstatt mit mir in gemeinsamer Zukunft zu liegen. Das ist das Spiel in unbewegter Luft. Eine einsame Unterhaltung weit hinter der dunkelsten Ecke vom Mond. Mitten im Stillstand der Umlaufbahnen. Sonne. Sterne. Erde. Hässliche und Reiche. Arme und Schöne. Körper und Geist. Hängen zwischen den Bäumen an den Ästen. Wo die Spezies Schutz sucht. Um später dort unbemerkt sauerstofffrei in der Luft zu baumeln. Zu Dutzenden. Unbemerkt! Das trifft es. Also verlasse ich die Wohnung. Bin voller Phantasie. Gehe vorwärts. Stehe dann in der langen Reihe. Warte. Trete an den Kiosk. Lasse die Zeit heilen. Höre die Frage. Antworte mit: Ja! - Wie immer! Stecke mir die Taschen voll mit Stimmungen. Kleider und Körper. Gehe unter der Oberfläche mit anderen reglosen Gesichtern Richtung Westen. Wo das Korn blau ist. Der Regen warm. Silber. Gold wartet. Wo das Glück wohnt. Neben wippenden Busen. Laufe hinter den prallen Ärschen junger Mädchen in Jeans her. Augen wie Kaffeetassen. Ihrem fröhlichen Lachen. Ach - wie habe ich das gebraucht. Die Bewegung in meiner Hose. Schiebe eine von ihnen in die Wellblechbaracke am Rande vom Bahndamm. Jasmin duftet. Sagt die. Blond ist sie. Langbeinig. Genau mein Typ. Hole tief Luft und fasse sie ans Knie - bis der Wind sie weiter bewegt. Manchmal geht ihr Mund dabei auf. Und zu. Werfen ihre Haare stumme Schatten. Laufen Tränen in Bächen. Doch ich halte sie fest. Am Hals. So lange es geht. Bis ringsum nichts mehr ist. Nur ich. Sie. Die noch einmal zuckt. Röchelt. Erschlafft. Mir für die Tat die Worte fehlen. Entschuldigung. Oder so. Stattdessen: GAME OVER, Boy, - als ich in der absoluten Stille um mich herum den Überblick verliere ... Steig aus. Höre ich dann. Mach schon. Wenigstens vorläufig. Nein? Was bist du nur für ein Mensch. Ich bin keiner wie du willst, sage ich. Ich bin der Hass! Und du, du hast mich dazu gemacht.

Sie steht am Bahnhof. Einem grauen Klotz. Der vom Himmel gefallen. Moskau-Berlin-Paris-London. Wartet auf Freier. Ist zwei Jahre jünger als ich. Sieht aber älter aus. Wie der gesamte Bau. Als sie seitlich vom Portal der Bahnhofskneipe mit spitzen Lippen eine raucht. Sich an die Wand lehnt und fahrig die fettigen Haare richtet, als sie mich sieht.
Ich kenne sie aus der Schule. Sie als von Lehrern gejagte Lolita. Ich, der depressive Schläger. Damals. Als unsere Seelen wund von der Schuld unserer Eltern in uns explodierten. Schuldfähig oder nicht. Strafbar auf jeden Fall. Taten - die nie verjähren. Wände - die nie einstürzen. Die bestenfalls Leerstellen werden. Oder es schon sind. Als sie schwanger und verzweifelt war. Sich erhängen wollte. Seinerzeit. Und ich sie fand.
Na, sagt sie, lange nicht gesehen.
Und doch wieder erkannt, grinse ich.
Durch die Fenster der Gaststätte sehe ich Franz beim Bier sitzen. Seinen hageren Schädel. Das seine Glatze schweißig leuchtet. Also hat er schon reichlich ...
Immer. Sagt sie in meine Gedanken.
Und - willste mal rüber rutschen?
Später. Sage ich.
Gerne.
Sei um drei Uhr hier: Wolkenweg 18. Ist ein Fachwerkhaus. Alleinlage. - Kannst du dir die Adresse merken?
Kann ich. Doch vorher ...
Putt- Putt, ich weiß. Und gebe ihr Fünfzig. Auch damit sie keinen Verdacht schöpft. Die restlichen Hundert dann um Drei.
Sei Pünktlich.
Immer doch.
Franz bestellt gerade ... Mit Kompott.
Doppelt, sage ich der Bedienung. Geht auf mich!
Am Tisch strahlt Franz sein na ---- du ----?
Und du?
Alles grün, seufzt er. Scheint zufrieden. Wischt mit dem eng bekrakelten Bierfilz über den Tisch. Fasst mit beiden Händen ums Bierglas. Schließt mich darin ein, wie ich fühlen kann. Grinst in den Schnaps. Lacht wie das Rascheln längst verwelkter Blumen. Bäumt sich in das karierte Tischtuch. Keucht. Aaah. Und ... Hinein damit. Als Schlagzeile. Und - Ah - noch Mal. Putz sich den Mund ab. Gießt die Neige Schnaps ins Bier. Wenn überhaupt. Ah! - Als sein Kammerspiel ins Unfassbare ausläuft. In dem die Welt außerhalb der Welt ist. Gäbe es überhaupt eine einleuchtende Erklärung für solch eine Exploration.

Glasklar und deshalb nicht sichtbar meine Gedanken. Laufen wie die Zeit an besagter Schnur. Fliegen den alten Drachen in den Himmel. Das Dasein als ein Spiel. Bis ---, bis dann die Zeche zu zahlen ist. Doch bis dahin. Prost. Ja!
Einer passt noch. Klar, sagt Franz.
Und ich überlege, was er sagen wird wenn ich ihn um Hilfe bitte Lolita in den Keller zu sperren. Fachwerk. Wolkenweg 18. Ach was, nicht mal die Adresse wird er sich merken können. Nicht mal das! Der Autist. Von wegen Alltag des Bösen. Nur weil er seine Frau im Suff schlägt. Wie die behauptet - und von seinen Nachbarn zu hören ist. Ist das dann Leben in zwei Ebenen? Ja. Oder Nein. Und damit bin ich dann auch durch. Gehe rein in die Vorgeschichte. In die Gegenwart. Danach dann Zukunft. Weiß doch jeder. Auch wenn das Wort jeder nichts entschuldigt. Mich schon überhaupt nicht. Im Gegenteil. Doch es gibt keine Alternative für Glück. Außer es zu leben.

Ich habe sie umgebracht, sagt Franz unvermittelt, - glaube ich.
Und ich. - Ich wollte eigentlich gerade gehen. Gerade eben. Frage ihn: Wo?
Hier oben! Deutet er gegen die Decke.
Blattgold. Und eine Art Wanze sehe ich dort am Leuchter klettern. Spinnweben. Flusen. Wasserflecken. Vom Stuck abplatzende Farbe.
Du hast ein Zimmer gemietet?
Nein, sie.
Wann?
Gestern.
Und dann?
Wollte ich eine Aussprache.
Und sie - nicht?
Genau.
Und dann hast du sie ...
Ja. Mit diesen Händen hier.
Dazu löst er die vom Bierglas, um die mir zu zeigen.
Lass das! Ich kenne deine Pfoten.
Und nun? Fragt er.
Wir schaffen sie weg.
Wie denn?
Mit dem Auto.
Hast du eins?
Nein. - Nicht mehr.
Also?
Müssen wir eins besorgen.
Stehlen?
Was sonst.
Und du kannst das.
Ja, glaube ich. Aus dem Fernsehen. - Ist sowieso alles im Arsch.
Stimmt, brummt er.
Wo ist eigentlich Bruno?
Unterm Tisch.
Ach. - Den habe ich überhaupt nicht...
Der schläft auch.
Hast du den etwa auch?
Nein. Nur ein paar Tropfen Baldrian - zur Beruhigung.
War er dabei?
Ja, der hat alles mitbekommen.
Schlimm. - Und wie kommt man in das Zimmer?
Am Tresen vorbei in den Flur, wie zum Klo - und dann die Treppe hoch.
Zimmernummer?
09.
Nicht null sechs?
Vertauscht - wie bei Hitchcock?
Psycho?
Nein. - Weiß ich nicht.
Egal, gib mir den Schlüssel!
Soll ich mit?
Du hältst die Stellung!
Gut.
Wird aber ein bisschen dauern. Ich muss noch aufs Klo.
Klar.

Und schon ist Alltag, was eben noch aufregend war. Der Vermenschlichung von ungeheuerlichen Taten geschuldet. Totschlag. Mord. Vergewaltigung. Kinderschändung. Nicht mehr, als wenn sich jemand das Bein bricht. Husten hat. Normalität. Aus deren Ecken ab und an das Böse lugt. Der Nachbar. Der immer so nett grüßte. Und nun das. Als Fratze von eigentlich Unfassbarem. Im Kranksein. Rein in die Klapse. Wegen dem Fehlen von Bewusstsein. Moral im Gesetz. Das oft ohne jeden Schuldspruch endet. Ohne Verzeihen. Oder Reue. Doch einen Anbeginn gebiert. Während ich ’in der Ebene Zwei’ aufs Klo muss. Einem düsteren nach Pisse, Chlor und Beton stinkenden Raum. Mit einer Rinne aus Blech in Schwanzhöhe. Darüber wirres Gekritzel. Gemalte Obszönitäten. Telefonnummern. Mit vier Kabinen gegenüber. Kloake. Von der die Türen geschlossen sind. Die teils ohne Klinke. Unten offen. Wo ich in der ersten Hütte Beine sehe. Vier Stück. Die sich spastisch bewegen. Dazu lautes Stöhnen. Schmatzen. Zischen. Das mein Interesse weckt. Ich die zweite Kabine öffne, um dort aufzusteigen. Um über die Trennwand hinweg auf das Geschehen zu glotzen. Wo einer auf der Schüssel hockt - der andere mit herabgelassener Hose davor steht. In Sozialkontakten schmatzend und stöhnend. Weshalb ich die Sekunden bis zum Grande Finale warte. Um Bravo zu rufen: Bravo! - Ihr Meister! Mir aber das ’da capo’ erspare. Um dann in die Kabine vier, solo, versteht sich. Solo! Zu sitzen. Wie auf des Messers Schneide. Auch um nachzudenken. Aber nicht weil nicht das kommt, was ich erwarte. Nein. Es kommt überhaupt nichts. Lieber Franz. Weil du mir die Sache eingebrockt hast. Wie ich sonst mir was. Sonst. Mir! - Wenn ich meiner Biografie folge. Und das passiert nicht das erste Mal in meiner Chronik. Eine Verstopfung. Von wegen Aussteigerprogramm.
Dann höre ich in meine sinnlose Beschäftigung hinein Schritte. Stimmen. Zwei Männer. Dann die Tür. Wie einer sagt: Ich muss vorher aber noch ... Um Luft für die Energie zu lassen. Damit alles fließen kann. Es gleich darauf gegenüber in die Rinne prasselt, wie von einem Ochsen abgeschlagen. Während ich mit einem Tempotuch bei mir wische, wo es nichts zu wischen gibt. Hochziehe. Abziehe. Einer fragt: Wo bist du? Der andere mit Kabine eins antwortet. Ich raus bin. Vor dem Spiegel stehe. Das Licht von oben. Indem man aussieht als wäre man schon... Hätte es hinter sich. Ich dann dem rhythmischen Klatschen nachgehe. Das schneller wird. Rasanter. Als Stakkato kommt. Das mich erneut in die Kabine zwei treibt. Ich über den Rand hinweg glotze. Marionetten sehe. Eine gebückt. Die andere von hinten. Mein lieber Mann. Was für ein Betrieb. Dieses Klo. Und ich genug habe vom Klobecken, absteige, um wenige Schritte später voll mit Gedanken über das eben Erlebte das Absperrseil löse. Die knarrende Treppe ’nur für Pensionsgäste’ erklimme. Nicht vergesse Zimmer Null- Sechs (06) zu checken. Das komplett leer steht. Um dann bei Null- Neun (09) die Tür aufzuschließen versuche. Doch es klemmt. Ich drücke. So what. Und dann das, direkt hinter der Tür schon: Liter Blut! - Fleisch in Fetzen und Würfel. - Von wegen erwürgt. Die Bude muss neu. Tapeten runter. Andere rauf. Streichen. Putzen. Scheuern. Die Leisten. Auch das Bodenholz. Dielen. Mein lieber Franz. - Du Idiot! Der plötzlich hinter mir steht. Fragt: Wirst du darüber schreiben?
Wie Capote. - Einen Roman. - Mit dir als Protagonisten?
Ja.
Schon möglich.
Und wann?
Wenn mit Schnaps aus ist.
Wann ist das?
Wenn wir sie hier weg haben.
Im Koffer?
Klar. - Du hast ja schon allerhand vorgearbeitet.
Alles Kleinholz im roten Licht.
Und genau das presse ich in einen Satz. Auf eine Seite. Gedanken - wie das Leben. Auch wenn der Verleger widerspricht. Es bleibt dabei. Give me five.
Runde um Runde.

Gehen wir, sagt Franz. Wollen die Treppe runter. Treffen Lolita. Die zieht einen Kerl am Binder. Der mit Anzug. Taubenblau. Im Tangoschritt, zerzaustem Haar der wie irre ’sie hat mich’ brüllt. Immer wieder. Als ginge es zum Schlachter.

Welches Zimmer hast du, frage ich.
Null- Sechs (06)!
(06) - Ständig?
Sagte ich doch.
Ja. Sagtest du.
Während der Kerl mit Schlips Taubenblau an die Fototapete kotzt. Auf ein Abbild von Rio. Copacabana. Weswegen ich Lolita sage sie solle sich beeilen, sonst krepiert der Freier noch vor dem Vollzug. Sie meint: Mach dir keinen Kopf, den bekomme ich schon wieder fit. Während Franz sich mit einem Sprung über das Treppengeländer verabschiedet. Aus der Gaststube ’Love me tender’ dröhnt. Meine Hüfte zu schwingen beginnt. Ich ’man sieht sich’ sage und ’nicht vergessen!’ Sie ’schon klar’ sagt. Dahinein Elvis lauter wird. Weil die Kneipentür aufgeht. Stimmen zu hören sind. Schreie. Franz nach mir ruft. Und die Tür wieder schließt. Elvis gedämpft von Hawaii singt. Ich aber in Brasilien an einem blonden Strand liege. Kilometerlang. Wo das Meer aus azurblauen Wellen weißen Schaum produziert. Einen Caipirinha bestelle. Aus dem Limetten duften. Cachaca brennt. Traumfrauen mit herrlichen Ärschen mich nach meinen Wünsche fragen. Fragen! Mich! Im Tanga! Nach meinen Wünschen! Unter denen sogleich die Welt bunter wird. Ehe ich vor Aufregung wegen der Situation und weil Franz wartet aus der Tapete falle -, am Klo vorbei in die von Zigarettenqualm geschwängerte Trinkstube hinein. Franz dort sitzt wie Harrys Derrick und mich fragt, ob ich nun den Wagen holen will.

Wie? - Hol schon mal den Wagen... Meinst du jetzt?
Jetzt. Ja! Sagt er.
Du hast es aber eilig.
Ist wegen Fußball, sagt er.
Fußball? Bist du noch ganz dicht?
Ich bin Fan, sagt er. - Und heute spielen die Bayern gegen Dortmund.
Echt?
Ja!

Dazu fällt mir lange Zeit nichts ein. Eigentlich so lange, bis Lolita nackt auf einem weißen Schimmel durch den Raum reitet. Endlich, höre ich mich (dazu) sagen. Endlich... Ich habe dich so vermisst.

Was nun -, mischt Franz sich ein. Gleich oder gar nicht?
Mann, sage ich, wenn ich nur nicht diese Kumpelmasche hätte; darüber ist schon meine Ehe zerbrochen.
Deine Ehe, lacht er, die bestand von jeher nur auf dem Papier.
Wie kommst du darauf?
Mann - du hast doch nur geheiratet, um deine Schreibhemmung zu überwinden.
Bist du sicher?
Sicher? Aber voll! Das hast ’du’ mir doch neulich erst wieder erzählt.
Stimmt! Dann muss es ja stimmen. Aber ich kann mich überhaupt nicht daran erinnern.
Kein Wunder, sagt er, so breit wie du all die Jahre über warst.

Stupse unterm Tisch mit dem Fuß. Brunos Platz ist leer.
Wo ist er hin?
Ich habe ihn auf Zigaretten geschickt. Die haben hier meine Marke nicht.
Das heißt nicht ’auf’ Zigaretten, sage ich, - nur weil du auf Schalke sagst. Dortmund, sagt er.
Nach Zigaretten, sage ich.
...nach Dortmund also, lacht er. Während ich Lolita vom Pferd runter am Tresen mit einem auf 6 cm Plateausohlen, Trenchcoat und Hut sehe. Wie sie sich unter dem Überzieher des Kerls zu schaffen macht. Als auf einem ’Schwalbe’ Moped mit Anhänger eine Kapelle mit Namen ’Die Oligarchen’ auf der Pauke bis in die Ecke mit dem Ofen rollt und mit ’Heute haun wir auf die Pauke’ ein Konzert beginnt. Es folgt ’Immer wieder Sonntags’ ...
Ey. - Ist heute Sonntag, frage ich deshalb Franz.
Ne, Samstag. Pokaltag! Um mit ’Wir fahren nach Berlin - Wir fahren nach Berlin’ im Retro Look Polski Beat zu intonieren. Die Oligarchen Käfige öffnen, und daraus weiße Tauben durch die Deckenluftklappe der Kneipe in den Himmel steigen lassen. ’Freiheit für Afghanistan’ tragen die am Füßchen, wie ich lese, als ich mir im Flug eine fürs Mittagessen fange.
Willst du auch?
Lieber nicht, sagt Franz. Ich kann nicht auf weißes Fleisch. - Wobei mir meine Verstopfung einfällt.
Ich muss dann mal...
Training?
Ne. Muckibude mach ich schon lange nicht mehr. - Will aufs Klo. Den Bügel vom Handtuchhalter fürs Autoknacken holen.
Stimmt ja. Sagt er. Habe ich fast vergessen.
Geht mir auch oft so, Kumpel. Kommt vom Parkett verlegen. Fachwerk; Wolkenweg 18. Die stinkigen Klebedämpfe damals, sage ich.
Wo deine erste Alte drunter...
Eine fleißige Frau, sage ich. Zeitung austragen bis zum letzten Tag. Prospekte. Und Briefumschläge falten. - Ein kleines Vermögen hat sie mir hinterlassen. Gott schütze sie.
Hör mir mit Gott auf, wird Franz grantig. Erinnere mich lieber an Stan Libuda.
Den Rechtsaußen von Schalke?
Dortmund, sagt er. Traumtor gegen Liverpool.
Und dann wieder Schalke.
Reicht ja auch! Jesus.
... außer Stan.
Königsblau. Immer! Kannste glauben.

Manche Leute hat ’der liebe’ Gott Arschloch getauft. Und das bleiben die dann auch. Mit Beinen, Bauch, Busen, Birne. Geschätzte 120 kg. Weswegen ich auch nicht ’wie aus dem Boden gewachsen’ schreiben kann, - steht am Tisch. Ist neckisch. Sagt: Ich habe alles auf Kamera. Alles!
Und - Sie sind...?
Kennst du mich nicht?
Dann würde ich ja nicht fragen.
Frau Glanz, sagt die.
Dass du kein Kerl bist, ahne ich.
Ich bin deine Nachbarin, sagt die.
Ach - so. Meine Nachbarin... Glanz mit Z hinten. Oder Glans mit S hinten?
Mit Z. Hinten!
Tscha - so einfach kann das Leben sein.
Ich habe alles auf Kamera! Sagt Frau Glanz. Die mit S hinten ein römisches Schleuderblei wäre. Ein Säugetierpenis. Eichel. Glied… Klitoris. Glans.
Was denn?
Das mit der Frau.
Wie. - Mit meiner Frau?
Im Windfang. - Mit dem... Kann man Neger sagen?
Neger? - Kann man! Aber nicht zu mir.
Mit dem Neger!
Und?
Wie die miteinander ...
Was denn nun?
Wie die mit dem - Neger - geknutscht hat.
Geknutscht?
Nicht nur ...
Was denn noch?
Hab ich auf der Kamera. - Zeige ich dir heute Abend.
Wo?
Bei mir. - Ich mach uns auch ein paar Schnittchen.
Und bügelst mir die Unterwäsche im Schritt?
Mann! - Ich will ins Fernsehen. Und du hast doch Kontakte.
Ja. Sage ich schlicht.
Na bitte, weiß ich doch. - Oder soll ich gleich RTL, Fox (Vox? Wie bitte?); ich hab schließlich alles auf Kamera.
Beine, Bauch, Busen, Birne. Geschätzte 120 kg. Aufgabe: führe die Reihe mit B fort. Bescheuert, ey! Alle bescheuert. Und dazu noch Krieg. Freiheit am Hindudings. Wahl in Griechenland. Maronen oder Pistazienkerne. Oliven. Euro an Merkel. Ölpreis. Energiewende. Fußball. Ukraine. Piratenärsche. Autowahn. Schluss damit. Aufhören! Sofort! - Lieber Beine, Bauch, Busen, Birne. Geschätzte 120 kg.
Willst du was trinken, Frau Glanz?
Hast du ne Kippe?
Kippen sind aus.
Sehe Bruno über die Straße trotten. Aufgabe: führe die Reihe mit B fort.
Beine, Bauch, Busen, Birne, Bruno.
Nun du, Franz!
Womit?
Blödmann!

Dass Kinder nach einem Kaiserschnitt dicker werden als normal geborene, erzählt Franz, habe er gelesen.
Und du, bist du ein Kaiserschnitt?
Zangengeburt.

Treffe in der Toilette Udo. Blass wie ein oft gewaschenes graues Handtuch. Spitzname Insel. Einen aus der Sicherungsverwahrung entlassenen Sexualstraftäter, der sich unter dem Händetrockner das Glied reibt. Und als es trocken ist, mit Bübchenöl nachbearbeitet.

Na, Insel - haben dich die Demonstranten aus der Hütte gelassen?
Waren heute nur fünf der Idioten da.
Und?
Müller hat mich in seinen privaten PKW gepackt und her gefahren.
Der Polizeipräsident persönlich?
Dazu sag ich nichts.
Mann - komm schon; ich schreibe auch nicht drüber.
Ich arbeite doch hier und ...
Du arbeitest hier? - Und dann kam es mir. Klar Mensch. - Du bist der Typ aus der Kabine eins. Du schaffst hier an!
Ist doch ökonomisch, sagt Insel. Ich lebe meinen Trieb aus und bekomme noch Geld dafür.
Und Müller?
Ist Müllers Frau. Sozialtherapeutin. Die gliedert mich in die Gesellschaft ein.
Und damit habt ihr dann zwei Fliegen in einer Klappe, sage ich.
Und den Max auch.
Deinen Passmann?
Ein schlimmer Finger, sagt Insel, dass die den überhaupt raus gelassen haben.
Vor dem Gesetz sind alle gleich.
Der schickt mich doch aber hier anschaffen, heult Insel, die perverse Sau. Und das in meinem Alter.
Häng ihn doch an den Fliegenfänger, dann ist Ruhe.
Genau, tut Insel begeistert, aber pst ...
Klar doch! - Doch nun rück mal ein Stück zur Seite, ich muss an den Handtuchhalter ran.
Was willst du denn damit?
Den schieb ich dir hinten rein!
Mal im Ernst.
Jau - ich betreibe seit neuestem eine Arbeitsagentur, bilde Leute aus.
Tatsache?
Ist nur ein Anlernberuf: Kann man aber mit ins Fernsehen kommen. - Denn was die Anlerner machen, filme ich mit versteckter Kamera; alles klar?
Und was kann man bei dir lernen?
Tatortreiniger. Ein Fulltimejob mit Zukunft. Kannst du glauben.
Ja. - Glaube ich gern. Ich bin ja auch Verursacher... Hm - war. Leider.
Und, willst du mal 2-3 Probetage machen?
Wo denn? Du weißt ja, ich komme schlecht weg - wegen der idiotischen Demos. Der Polizeiabsperrung vor meiner Hütte.
Musste nicht weit. Ist ja gleich hier. Im ersten Obergeschoss.
Tatsache?
Morgen geht’s los.
Versprochen?
Aber Bingo! Du musst nur noch mit deiner Therapeutin sprechen. Und wenn du willst, kannst du die Zeit über am Tatort auch wohnen. Dann spart sich die Alte das lästige Hin- und Herfahren - und kann ihrem Präsidenten länger die Eier schaukeln.
Öh. - Eierschaukeln. Ich hab noch einen Termin. Können wir nachher noch mal?
Fettes Ja, Alter. Man sieht sich. Und damit geht mir die Geduld aus, reiße ich den Handtuchhalter mit einem Ruck aus der Wand. Es knallt. Ich huste. Liege auf dem Rücken. Mist! Um mich Urin, Kot, Erbrochnes und Sperma. Ein idealer Ort zum Sterben. Wüsste ich es nicht besser.

Insel kniet, mit unendlich vielen Pickeln auf der Stirn - wie ich jetzt erst sehe, neben mir. Leckt mir den Schweiß von der Stirn. Eiter. Blut? Straßenbahnen fahren aus allen Richtung kommend über meinen Kopf. Flugzeuge starten trotz Nachtflugverbot. - Ich erzähle dir jetzt mal was über das Leben, höre ich Gott. Gut sage ich, fang bei Seite 51 an. Und der fängt an wie irre Äste von den Wänden zu reißen. Silberringe zu basteln, um mir die über die Augen zu ziehen. Macht Nägel mit Turnschuhen. Doch ich grinse, schweige und halte durch; was soll man auch gegen Gott ausrichten? Einen aufgesetzten Schuss hinters Ohr vielleicht. Oder ihm doch Schutzgeld zahlen? Während ich am Schoß von Insel riechen muss. Bübchenöl! Der mich hochzerrt und zum tausendsten Mal AUFWACHEN ruft. Ich aber liegen bleiben möchte, den Tag verdösen mit einer Flasche Port und einer guten Brasil. Wellcome home, Boy. Dann bricht der Arzt seine Gelübde. Die dumme Sau. - Komme ich auf die Beine. Höre Insel ’ich denke du bist Pfarrer’ quäken.
Arzt, entgegnet Franz.
Von wegen Beichtgeheimnis.
Schweigepflicht, lacht der.
Nun komm aber ... Während die Zeit ein Loch in die Erde frisst. Und weg ist. Absolut. Wie das Paradies. Adam und Eva. Mit Apfel. Im Wurmloch. Hinter der Welt.

Was willst du denn von der Transe, fragt Franz, wird zum Kampfschwein.
Ist mir entfallen. Irgendwas. Was weiß ich. Jedenfalls ging ich eben auf dem Mond spazieren und schlug dort eine Fahne ins Gestein.
Alles auf Anfang. - Pose 1.

Finde auf dem Weg zum Tresen einen Kopf. Hochrot. - Der ist mir vorher schon ins Auge gefallen. Hochrot. Als wäre es der vom Papst, wenn es um ’guten’ Sex geht. Wie Koons Metallic Venus in einem anderen Licht - und in guter Selbstdarstellung. Neuer Schädel. Hochrot. Neues Hirn. Hochrot. Voll auf Speedline. Biologie der Unantastbarkeiten. Hochrot. So kommen wir ins Gespräch.

Du hast Samenzellen auf der Jacke!
Ist nur ein Remake, sagt er, - ich bin Schauspieler.
Woher?
Komme eben aus Paris.
Der Liebe wegen.
Dem Tod.
Der neue Jedermann?
Oui!
Klappe.

Ich spielte mal eine Handvoll Spermien.
Vermutlich ist es wahr, sagt er. Lacht. Hochrot. Blendendweiß. Seine Zähne.
Klappe.

Alles sehr shiny und glossy, denke ich und lasse die sprechende Spezialfolie angewidert fallen. Die dann unter den Ofen rollt, einem nachgemachten Eifelturm wie aus der Paris- Werbung. Denke: Guter Platz. So was braucht kein Mensch. Eher eine neue Niere. Leber. Die Trinker. Aufgabe: Aktualisiere den Tatbestand. Finde einen Spender. Eine erstaunliche Annahme mit zwei Schönheitsfehlern, höre ich unter dem Ofen hervor.
Die da wären?
Kunst und Kitsch. Blöd und Blaff. Sagt er. - Immer noch hochrot. Merke ich an seiner Stimmfärbung. Dafür riecht er gut.
Klappe.

Fuck off and die! Länge 02:51. Blabla. Das war’s. Natürlich. Dazu Engel, Sex und Sau. Tod, Geld und Macht. Kostenlos teuer bezahlt wie das abwesende Glück Marke: Made in Häffen. Völlig Alltagsuntauglich. Das.

Gib mir mal den Backofenreiniger, bitte ich die Wirtin. Spraye. Zünde das Teil an der Düse und richte den Flammenwerfer unter den Ofen.
Schon wieder Ameisen?
Wie irre, sage ich.
Und das im März. Staunt die.
Klappe. Und wieder einsam. Suche ich Liebe. Den Herzschlag in Wellen. Im Tsunami unerwiderter Gefühle. Bestelle Wodka. 85er Absinth. Grün. Musik. Endlos. - Grün. Brauche den Strom aus Wellendämpfern. Absinth. Des beabsichtigten Suizids wegen. Trinke. Tanze. Gröle. Nevermind. Nirvana. Curt Cobain. Klappe. Gestorben. Gefahr gebannt. Vorerst. About You Now (Sugababes). Den Lichtern der Stadt. Deren Verlockungen. Im prallen Leben. Diese kuriose Scheiße. ...but don’t tell me it’s over now.

Tief drin sollen Clowns traurig sein, sagt man. Und Irre, wie ich. Melancholiker. - Stimmt. Bestätige ich mich. Nur manchmal blühen der Worte Gedanken. Gedanken Worte. Wie von selber. Werden Sätze eine Geschichte. Romane. Muss man (deswegen) zum Arzt.

Zigarette der Herr? Dienert Franz.
Deine Marke?
Ja! - Noch feucht von Brunos Schnauze.
Her damit! - Empfinde ich Sympathie für Tod und Teufel. Let’s go.

Sitze auf dem Treppenabsatz zur Gaststube. Grinse.
In knapp drei Monaten 50 Männer, höre ich Insel.
Was für eine perverse Gesellschaft.
Und 60 Frauen. - Hörst du?
Wo hast du die denn alle geknallt?
Bei sich zu Hause. Und ihre Kerle haben zugesehen.
Ich denke, du bist Kinderschänder.
Dachte ich bisher auch.
Und nun?
Alles Politik, sagt Insel. Vom kleinsten Bürgermeister bis hin zum höchsten Richter.
Und die Gutachter?
Schon die Frage ist blöd. - Was sollen die denn sein ... Das öffentliche Gewissen?!
Warst du nicht früher bei den Grünen?
In den Anfängen. Bei Frettchen und Klopfer. Kinderladen - und so.
Erzieher?
Missbrauchsopfer. Täter. Dealer. Was du willst.
Echt?
Alle Macht den Junkies ...
Und dann - bist du Verräter geworden?
Schlimmer. Verfassungsschutz. Und das sind erst mal Wracks.

Spüre den Abdruck meines Schädels. Wie Durst mich treibt. Mich. Den enthemmten ... Ich, der ein Stück rostiges Metall mit Gehäuse. Spiele das Echte und vergesse das Wahre. Hangele am Deckenkabel erneut Richtung Tresen. Zum Fass in der Ecke. Saure Gurken. Rollmöpse. Dem Bonbonglas hin. Wo sich wenig hinter der Glasscheibe nach draußen eine Straßenbahnhaltestelle zur Fahrt in die freie Welt befindet. Baumschatten spielt, wenn Sonne ist. Kastanie. Wo in den Fensterritzen ab April wilde Gräser wuchern. Kräuter. Minze. Klee. Kaugummis und Kippen pappen. Wo ab und an und wie altersschwach eine leere Bierflasche steht. Doch die nicht lange. Nicht in heutiger Zeit. An den vom Kapital missbrauchten Stunden und Tagen. Wo man den Löffel leer zum Munde führt. Streichhölzer spaltet. Toilettenpapier abzählt - und es beidseitig benutzt. Unterwäsche tauscht. Wo ein Mann nicht mehr schön sein muss. Nicht beim Klavierspielen. Sondern komplett haarlos. Und die Tür zur Armut in den Köpfen zwischen den Beinen weiter als nur einen tätowierten Spalt offen steht: fuck me and I fuck you too! Dieses blöde Gequatsche blauer Tinte auf Haut.

Sehe die Frau stehen. Graue Haare. Webpelzjacke. Stockschirm. Handtasche. Alles älter. Unmodern. Wie das Moped. Das kommt. Ein lautes Teil. Aus dessen Auspuff es blau dampft. Zwei, scheint es, junge Bursche mit Helm auf dem Kopf. Dunklen Lederjacken. Jeans. Die wie Affen auf dem Schleifstein hocken. Die Karre langsamer wird. Einer - sich im Vorbeifahren seitlich beugt und - der Frau die Handtasche entreißt. Ich ihr Schreien höre. Hilfe. Hilfe! Meine Rente ist da ... Wie sie hinter dem Moped her rennt. Das schneller wird. Lauter. Blauer. Wie die Straßenbahn. Gelb. Und wie die ... Sehe die. Höre. Straßenbahn ... Mache dicht. Dicht! Punkt! Fuck u! Absinth, 85er ... Schnell. Ein großes Glas. Pronto!

Brauche ein Erscheinungswunder für den ersten Schritt vor dem dritten. Der dann als roter Lichtpunkt über die Tastatur des Labtops rast, um das Grün zu fressen. Und das immer dann, wenn die Gedanken einzig geradeaus gehen wollen.

Sie können die Maske bis zur nächsten Bestrahlung mitnehmen, höre ich den Arzt.
Und die Haare?
Die wachsen wieder. - Haben Sie ein wenig Geduld mit sich.

Nein. Ich habe keine Geduld. Und mit mir schon überhaupt nicht. Keine mehr für Maskenfixierung. Eine neue Aufbisskonstruktion. Fraktionierungen, Planungszielvolumina entsprechend der Ausbreitungscharakteristiken. Für Gesamtdosen. Tumorbetten. Nein! Ich bin mein eigenes linear beschleunigt- gestütztes- System. Punkt. Obwohl: Jeder Tag ist Arbeit. Jede Freiheit beinhaltet Qual. Jeder Gedanke. Handeln. Jedes Tun. - Erwartung wie Enttäuschung. Pech und Glück.

Und? Bist du glücklich?
Ja. - Ich glaube schon...
Was sonst noch?

Dass ich ständig Schmerzen habe? - Warum soll ich das sagen. Die werden dadurch nicht weniger. Nicht das Gefängnis Körper. Dass ich deswegen trinke? Warum sollte ich das explizit beschreiben; es beschreibt sich durch meine Schmerzen. Auch wären es nur Buchstaben. Sätze. Ein stummes Nicken da. Ein abfälliges Lachen dort. Es wäre mir nichts. Nichts! Wie die Schmerzen. Das Trinken. Die Freiheit zu leben - und es auch zu tun. Wer hat die schon? Wie später eventuell einen elektrischen Rollstuhl. Pflege rund um die Uhr. Einen, der einem am Morgen die Augen öffnet. Duscht. Rasiert. Den Kiefer festbindet. Den Schädel richtet. Die Knie auf dem Stuhl zurechtrückt. Den Hintern putzt und den Schwanz hält. Bedingungslos. Weil ich dafür bezahle. Und sie das Geld brauchen. Jeden Monat. Ist es eine Altervorsorge für mein Leben. Das sind die entscheidenden Werte. Nicht meine Blicke ins äußere Innere. Oder ein kleiner Junge sein, der seinen Schatten fängt. Dagegen das Leben als Krüppel. Festgebunden in Gewohnheiten. Am Abend ein Glas Rotwein aus dem Strohhalm. Ein ’gute’ Zigarre dazu. - Oder exquisit Schluss machen. Bei Bedarf. Also bald. Weil das Leben eigentlich ein Scheißding ist - und bleibt. Sich nichts zum Positiven ändert; frei nach Vater Zille: Nichts zu rauchen nichts zu ficken, den ganzen Tag aus dem Fenster kieken; check out - or for ever part II. Also versuche ich es damit, so lange es geht, mit der Gosse. Mit dir und denen da. Bevor ihr an euren falschen Herztönen verreckt. An geheucheltem Mitleid, Baby.

Eben starb meine Mutter. Sage ich Angela. Als sie aus dem Bonbonglas steigt.
Deine Mutter?
Genau die.
Die ist doch schon seit 5 Jahren unter der Decke.
Bist du sicher?
Hundert pro!
Und wer ist eben von der Straßenbahn überfahren worden?
Was weiß ich. Sagt sie. Doch wenn du es unbedingt wissen willst, kleb einen Zettel mit Aussicht auf fette Belohnung an die Bäume.
Gute Idee; sag mir aber vorher, wo du so plötzlich herkommst?
Aus Paris, sagt sie. - Mit dem Auto. Über Amsterdam.
Amsterdam? Dabei ist von Fußball überhaupt noch nicht die Rede. Doch die Liste ließe sich dahingehend verlängern. Vom Chaos mit dem neuen Berliner Flughafen, dem Schlossbau auf dem Platz der Republik und so weiter. Klar, im Zweifelsfall wird man immer einen Weg finden. Exklusiv. Wie eben Angela, meine Ex, die mir mal mit Busen, Möse, Lippen, Haut und Haaren gehörte; diesen vollen Lippen. Und ihre haarlose Möse. Ich denke gerne daran. Doch dann du nun wieder. Du! - Mit deinen Störungsmeldungen. Beschimpft mich eine Stimme in meinem (bescheuerten) Schädel. Lass das sein, sage ich dem, ich habe anderweitig zu tun.

Es war dieser ungeile Ton. Ein hohes Sirren, quälend, wie wenn einem ein Moskito im Ohr sitzen würde. Voll, platt, fett im Sound - und unrealistisch. Nur getoppt vom abrupten Ausfall der Motoren vom Helikopter, - dieser geisterhaften Stille für einen Atemzug. Und in mir tausend Bilder in alptraumhaften Sekunden. Dieses schweigende Meer vor dem Chaos. Gewitter ohne Donner, Blitz und Regen. Vom Sturm abgestürzter Wind in das Nichts im Zentrum eines Hurrikan. Mitten in die schwarze Leere eines zerbrochenen Spiegels hinein.
Dann ein höllisches Kreischen im doppelten Überschlag der Kabine vom Helikopter. Berstendes Blech. Der Gestank von Tod und Mensch, der sich entleert. Hölle und Teufel. Während ich umherwirbelte, getränkt vom umherspritzenden Bananenschnaps, frischem Blut. Karussell in die Höhe. Und wieder runter. Oben ich. Roman unten. Und umgekehrt. Roman, der schon beim ersten Dreh nicht mehr grinste, sondern sich einpisste, kackte, stank, Blut kotzte. Und mir seine Seeche bei der nächsten Drehung voll in die Fresse kleisterte. Der mit seiner sichtbaren Angst, einem heimlichen Kommando gleich, das Geschrei der anderen Typen auslöste, die darauf hinter den umher fliegenden Dollars herjagten -, während ich im Getümmel von Ausrüstungsgegenständen und den sich selbstständig in die Luft entladenden Waffen bedroht wurde. Meine Zukunft Vergangenheit wurde, in mir die Durchdringung von Oberfläche geschah. Innen ein Innen im Außen war, - als eine Handgranate explodierte. Rauch durch die Kabine zog. Vom Rotor aufgewirbeltes Öl. Dessen eingeatmet Dämpfe ausgehustet, erbrochen in die kreischenden Schreie von Metall hinein liefen. Auf Blätter von uralten Eichen tropften. Auf Palmen. - Sich ein blutiger Armstumpf auf mein Gesicht pappte. Ein zahnloses Maul dahinter -, darin ein stummer Schrei um Hilfe. Darüber tote Augen. Brennende Haare. Benzingeruch. Benzin!, - meine Scheiße! Diese flammende Erinnerung authentischer Erfahrung ungefragter Auskünfte aus der Zeitentiefe in mir. Der plötzliche Aufbruch von Narben. Hautfetzen. Vertrauten Wunden. Der Gedanke sterben zu müssen. So direkt die frühere Sprache baldigen Todes. Schon im Jahr 1974. Auf einem Flughafen in Tansania, - mit einem Gewehrlauf im Rücken. Ausgelöst durch einen Schuss, der durch mich hindurch rotierte. Der auf Synapsen traf. Ein unendliches Loch riss. Mich mitten durch ... inmitten hindurch. Mich! Und mein Gedächtnis dazu immer wieder die einzig wichtige Frage brannte, auch heute noch: was ist wirklich geschehen?
Doch keine konkrete Antwort. Und wenn -, alle die gipfelten in: Ich weiß es nicht! Immer wieder. So lange, bis die Fragen an ihren Antworten schneller starben als ich, und lediglich neue Narben vom Gestern hinterließen. Diesen erst geilen Duft von Revolution. Jugend. Sex ohne Ende. Mit Kribbeln am Druckpunkt. Später Filzläusen. Freiheit in einem Blut, das sich aus allen möglichen Adern strömend mir ins Auge drückte. Bäume näher kamen. Rostroter Boden. Satt grüne Bananen. Bunte Schmetterlinge in Massen.
Als Roman wie müde halb auf mir lag, - sich die Maschine stabilisierte. Deren Rotoren sich im Fallwind drehten, als ob sie wieder Schwung aufnehmen würden, dachte ich. Doch es geschah nicht. Nichts geschah. Wir stürzten. Nein, wir waren längst unten! So sicher wie ich sicher war sibirische Tiger brüllen zu hören. - Und alles in mir nach Liebe suchte. Wirklich alles. Ich bürge dafür mit meinem jetzigen Namen.
Das Tigergebrüll kam aber vom Comandante, - von Arschloch Roman, der seinen letzten Aufstand anführte. Der, statt leise vor sich hinzu sterben, wohl in der Hoffnung Mitgefühl zu ernten, sein Herz von Stein ausmistete.

Weißt du: Ich hätte das Schwein einfach so erschießen sollen. Er hatte das schon durch die Vergewaltigung des Knaben neulich locker verdient - und auch wieder nicht, denn langsam leidend stirbt sich auch gut. Und richtig, fünfzehn Minuten später war von seiner Seite her Ruhe. - Und genau diese Stille übertrug sich auch auf mich, der ich war zwar nicht ganz weg, aber auch nicht mehr ganz da war. Schließlich aber in der Lage, die Millionen Fliegen zu merken, die im Kampf mit den Ameisen an mir um mein Leben rangelten.

’Hoch, - du musst hoch ... weg von hier ...’ Also hebelte ich mich mit Händen, Füßen und dem Lauf der Uzi aus den Trümmern des Helikopters.
Hockte schließlich auf dessen Motorblock, der noch warm war. Während am Himmel Geier im Überschalldonner rauften. Metallener Strahlenglanz der Aura Bürgerkrieg. Diese unheimliche Mission, die mich hier hergeführt hatte. Kapital gegen Sozialismus. Marx mit Motz. CIA an Coca Cola. Ich dazwischen, ein flüchtiger Straftäter, - dann Söldner der Kohle wegen, der Sache, dem Recht auf Anonymität. Dem Wunsch in der Scheiße zu sitzen, um zu sühnen. Und ich saß - und sühnte.

Dann stand ich. Mit nur ein paar Schrammen. Blickte mich um, sah Rauch in einer Lichtung, die der explodierende Helikopter gerissen hatte. Sah Liter Blut, das den Boden dunkel färbte, Kilo verbrannten Fleisches - und im halb Dutzend weiße Knochen, die wie vom Salz getrockneter Tränen gepökelt schimmerten. Und wusste Dollars. Tausende Dollars in den Taschen der Toten.

Zehn Minuten später waren eine Menge davon meine, - schnallte ich die Uzi um, mehrere Gurte Munition, einige Handgranaten, Kompass und das Überlebensset vom Helikopterpiloten, - dem ich hinters Ohr schoss, als er wegen der Ameisen und Fliegen stöhnte, zuckte, mich um Erlösung bat, weil die Viecher ihm die Augen leer fraßen. - Das werde ich nie vergessen. Niemals!

Je länger ich durch die Räume meiner Erinnerungen streife, desto klarer wird mir, wie genügsam ich geworden bin. Wie wenig ich für mich brauche. Wie viel ich will. Wie sehr mich schon das Schauspiel des Lichts fasziniert. Schwarz und Weiß. Und das, was in der Mitte davon.

Allerdings bin ich mir untreu geworden. Habe mich verloren. Bin angepasst worden. Die ’alte’ Erziehung schlug durch. Anstatt Buchstaben, Worte, ganze Sätze aus dem Hirn einfach auf den Boden zu spachteln, das Bad meiner dunklen Begierden und heißen Ahnungen auszuschütten, wenigstens tropfen zu lassen damit die sich wie von selber verteilen, lasse ich mein jetziges Schreiben in gefällige Strukturen, Rhythmen und Muster einbinden. - Anstatt saurer Kotze goldiger Schleim. Süßes, statt vom Galligen Satt, - und das einzig für die Kleber am Mainstream. Nichts da an Kontrast zu den irren Heimwerkern der Worte. Keinerlei konträrer Ausdruck (von Gegensätzen) zu Körper und Seele. Immer easy sein. Und es auch sagen. Nie Löcher in den weithin sichtbar kranken Boden schlagen, durch die dann eitrige Fäkalien plumpsen können.
Grauenhaft; mich schüttelt vor mir ... so brav zu sein. Dabei kann ich ’eigentlich’ meine Arbeiten ’im action writing Prozess’ vollkommen frei gestalten. Bin ’eigentlich’ allein dem Fertigungsprozess ’fun for doing’ des Werkes geschuldet. Einem heiligen Schrei in einer Kathedrale gleich. Könnte ich. In so etwas wie in einem geerdeten Vordergrund. Könnte?

Ey du, himmlischer Vater, - bin gemacht von dir. Geboren. Geblieben. Gestorben. Wiedergeboren als unendliche Nabelschnur des Abstrakten, die aber durch ’Den da’ und ’Die da’ (wie mein Willen und Wollen) in schwarz- weißes Packpapier eingeschlagen wurde. Ich also wieder Clown in Zeit und Raum bin. Beschnitten. Kastriert. Rasiert. Vollglatze. Jedermanns Arschloch. Hörst du? - Ja, und so wurde meine ehemalige Unbändigkeit in das Haus des großen Sterbens eingelagert. Hängt dort aufgereiht mit dem Logo ’unbekannt verstorben’ am nackten großen Zeh. - Befinde ich mich im Einklang (sagen meine Kritiker) mit denen wo ’aufsehen/erregend/erfolglos’ drauf steht. - Typisch Kommerz- Dschungel. Sogar in der Hölle. Und darüber bekomme ich Panikattacken. Jeden Morgen. Mittag. Abend. Und nachts erst. Da besonders schlimm. Meine Träume als tosende Wildbäche. Ich, im Nebelwald auf 5.000 m Höhe im Pyjama - an den Kanten von Schluchten. Barfuss. Und dabei bin ich nicht mal schwindelfrei. Man merkt es doch, was? Wenn ich (gedanklich) den Sturzflug antrete um, wie man so sagt, meinen Arsch zu retten. Mich oft sogar vor dem eigenen Abgrund retten muss, der mich wegen meiner Laster (unter Brüdern später mehr dazu) schon ein Vermögen gekostet hat. Und das da noch was obendrein kommt. Sicher! - Bei meinem Heißhunger auf Verbotenes! Und hier gehört eigentlich in dreifaches Ausrufezeichen hin; macht man aber nicht.

Siehst du, Idiot, da sind wir wieder am Anfang. Wenn die Unvernunft am Seil hängt und nicht mehr atmet. - Doch ich, ohne Verrücktheiten, bin und werde dann auch wieder nur Glas, Stahl, Beton usw. sein, - zu nichts nutze, als das. - Ich will aber kein Mann fürs Kleinteilige werden: Hast du das verstanden!?

“Ich sitze auf einem unförmigen Möbel und habe meine Glieder seit vier Jahrhunderten nicht bewegt.“ (4. Gesang, 4. Strophe)
Maldoror


"Statt dummer Sprüche saustarke Preise!" lese ich auf einem Bierfilz, als Asperger und ich mit Edgar im Kudamm- Möhring sitzen. - Verabredet sind wir aber nicht.
Ich warte auf Horst, den ich zum Training fahren soll (der hat den Kampf gegen del la Papa vor sich); weswegen sich allerdings mein Split- Brain Asperger bei mir eingeschlichen hat, der nun in meinem linken Hirn quer liegt und pennt, bleibt mir schleierhaft. - Edgar dagegen wartet auf seinen Lieferanten (Großdealer), sagt er.
Gut, für seinen Augenfehler kann er ja nicht. Doch mich macht sein entsetzliches Schielen nervös. Er glotzt immer, als wenn jeden Augenblick die Bullen um die Ecke kommen würden. Dazu atmet er noch wie unmittelbar im Akt; dabei hat er augenblicklich gar keine Frau, wie ich hörte. Doch jede Menge Promis, die bei ihm Stoff kaufen. Und die beliefert er immer pünktlich und persönlich. Den Rest vertickt an die Huren rund um die Meile und schnieft selber einige Gramm pro Tag um seine Ich- Illusion zu beruhigen.

„Ein schönes Auto hast du“, sage ich, um mich und ihn zu entspannen und weil mir sonst nichts einfällt.
„1963 Chevy Impala Cabriolet; 6,7 Liter - V8!“ (Der Motor passt unten herum auch für eine Kenwood Major Küchenmaschine, denke ich.)
„Kannst ja mal ne Runde drehen!“ schielt er stolz.
„Andermal gerne“ sage ich, obwohl mich das fett rote Cabrio irre reizt. Doch ehe ich meine Überlegung finishe, kommt Heini Holl um die Ecke.
„Na, heute keine Kohlroulade im Ofen“ grient Edgar den an.
„Mittwochs nie; da kocht der Wienerwald für mich.“ Lacht Spitzenkoch Heini mit Bauchwackeln an Schweinskopf und Zischen, als wenn einer auf Wasserski den Kudamm pflügt.
„Ihr könnt mir aber eine Gefallen tun ...“
„Für eine gutes Menü gerne“ dienert Edgar beflissen.
„Und du?“ fragt er mich.
„Wenn es nicht allzu lange dauert. Ich will Horst zum Sparring fahren!“
„Aus dir wird bestimmt noch eine großer Dichter; so wie du dich ins Mileau hängst.“
„Also - was nun?“
„Es geht um Zacher!“
„Was ist mit dem - hat der schon wieder einen von Dirks Alpha zerlegt?“
„Nein - nein!“ beeilt sich Heini um Ausgleich, „der liebe Rolf hat Stress mit seinen Nachbarn!“
„Der liebe Rolf ...“ äfft Edgar, „der soll mal erst seinen Zettel bei mir bezahlen...“ Und ich bin wieder sicher, welchen unterschiedlichen Blick auf die Welt wir haben. Asperger und Ich. Und all die Edgar und Heinis; die Zachers der Welt auf ihrem dünnen Eis, die eigentlich nur in Gemälden leben und sonst ins Leere starren.
„Was hat er denn an Stress?“
„Neben ihm wohnen zwei Tunten - und denen vögelt er zu laut; oder die vögeln zu laut. Ich weiß es nicht mehr“, sagt Heini, „aber ihr werdet das schon rausfinden!“
„Zacher wohnt doch im Ex- Puff vom Wiener- Fredl, - diesen winzigen Appartements?“
„Genau. Gleich um die Ecke die ...“
„Vielleicht sind die Lustlaute Geister der Vergangenheit?!“ lache ich ernst.
Doch Edgar ist und bleibt ein Heute- Idiot; der kalkuliert stringent, denkt logisch (meint er), ist schematisch, handelt prozedural (der Idiot) - und fällt immer wieder auf die Schnauze. Wie neulich - mit seiner getürkten Hochzeit in der DDR, - wegen der Ausreise der Braut, die jetzt im Stasi- Knast sitzt. Doch nun hat er ja Claudia an der Angel, eine farbige Sängerin. Und für die will er sich sogar sein Auge richten lassen, - wenn’s was wird, erzählte mir gestern Horst. - Ey, Edgar ohne Fehlblick. Kaum vorstellbar. Doch der hat schon seinen Panama auf, ein peinliches Ding aus Stroh, wirft mir die Autoschlüssel zu und befiehlt: „Du fährst! - Und du wartest hier; kannst ja schon mal die Fress- Gutscheine ausfüllen ...“

Ich stehe genau Linie. Auf Strich. Zehen nach vorne. Hacken aufgesetzt. Blick gesenkt. Augen geschlossen. Hände. Volle Konzentration. Körperspannung. Vor dem Zimmer vom Direktor Doktor, neben einem Bild. An der Wand. Ja, ich bin hier Identität. Schöpfer. Publikum. Künstler und Furore. Ein platziertes Modell. Gottes Werk --- und nun komm du mir bloß nicht wieder von wegen Teufels Beitrag, befehle ich Asperger, - der dummen Sau.
Doch, sagt der, deswegen sind wir ja hier!
Du Idiot, - ich will dem Doktor lediglich das Handy zurückgeben. Ist immerhin Anstaltseigentum.
Aha. Du willst ihm also NICHT erzählen --- was du da draußen und...
Nein, werde ich nicht, - ein Tagesausgang ist schließlich kein großes Ding! Und die Sache mit Mutter? Dass die laufend angerufen hat und du deswegen das Handy im Ententeich versenkt hast; das stundenlange Suchen. Die Toten. Enten. Blesshühner --- und. Mann, halt dein blödes Maul! Kein Wort, hörst du! Kretin. Nicht ein Wort!!!

Ich bin weiter gegangen als ihr. Ich gehe immer weiter. Als ihr. Alle! Als ihr jemals gehen werdet. Denn ich habe mich zugelassen. In mir. Und bin nun in euch. Wo immer. Und das nicht (einzig) in Grau und oder Schwarz. Nein, als Nummer 1 in Farbe. In meinem Samen. Spermien. Geist. Absolut. Weil ich bin. Laut. Leise. Still. Voller Sprache. Und stets auch ( aber nie --- mit dem Rücken zum) Publikum. Richte über die Huren der Zeit. Über euch. Bin aber jetzt eingebunden in das Gemälde ’Frau mit Haube’. Jan Vermeer. Aus Delft. Winzige Komposition aus Wand, Boden, Vorhang und gerahmter Graphik mit überbordender Farbanordnung, sagt Asperger; und --- ich stehe vor dem Zimmer vom Direktor Doktor. Und warte. Handy in der Hand. Mit Fotos im Herzen. Vom Tagesausgang zurück. Auf Strich. Zehen nach vorne. Hacken aufgesetzt. Blick gesenkt. Augen geschlossen. Arme steif. Hände. Volle Konzentration. Körperspannung.
Na --- dann kommen Sie mal rein, quietscht die Tür. Noch so ein Vollpfosten, sage ich Richtung Asperger. Wozu der Idiot nickt. Grinst. - Ich glaube, eines Tages bringe ich das armselige Schwein um! Und das Bildnis von Mutter. Das in all meinen Räumen. Ja, wir müssen unter Schmerzen lernen: Vogelsein ist definitiv nicht für alle.

Ein neuer Tag. Audition satt. Schließe die Augen und höre. Doch alles Lüge. Lügen. Aber ich kann dicht halten. Sir. Sage nichts. Von wegen Wüste. Über meinen himmelschreienden Durst, - den ich nicht spüre. Schon mal davon gehört. Von Himmelhitze schreiend? Ist fast so geil wie ’müde mit den Schultern zucken’. Mach das mal. Müde mit den. Schreib das zur Strafe 100.000 mal auf... Ey. Erinnerst du dich nicht? Ich rauche nicht mal. Trinke nicht. Esse. Kaum. Müde. Zucke nicht. Außer: Sie hockt über mir und ich habe ihn drin. Den Leib voller Bewegung. Und es riecht nach Kokosnussöl. Hühnerfleisch. Nährgewebe. Fest und weiß. Fickstoff in Raumtemperatur. Bis mir das Kreuz weht tut. Und ich am Hintern zu schwitzen beginne. Kurz und knapp komme. Grinse. Weil sie aussieht wie meine Großmutter. Einst. Und ich ihr Treppenwitz bin. War! Kurz nach dem Krieg. Und- Ich- War- Es- in Echt- Habe- da schon gelebt! Gewusst. Wie das Meer an den Strand schlägt. Das Clowns weinen können. Möwen schreien. Lachen. Wenn sie die Reste meines Fischbrötchen verschlingen. Mir direkt von der Hand gestohlen. Weil ich unaufmerksam. Mir übel war vor so viel Glück. Mir dann aber richtig schlecht wurde. Denn, JA, ich weiß wie sie danach aussehen. Wenn sie zu Hunderten in den Müllbergen rund um die Stadt abtauchen. Dort in Gift ertrinken. Mit Plastik im Magen verrecken. Tage später an die Oberfläche kommen. Mit aufgeschwemmten Leibern. Mägen. Lebern. Geteertem Gefieder. Verbrannten Schnäbeln. Platt gemacht. Wie von einem Bulldozer überrollt. Mit Schaufelbaggern. Die ihre Leichen alle auf einmal in die Grube. Ach. Ich wünschte du wärest hier. Bei mir. Paloma. Mein tierisches Flugzeug. Legtest mir zum Trost deine Kralle in die Hand. Und ich dir meine. Weil wir beide am Rande von Nichts stehen. Am Grab der Gräber. Dem weißen Traum von Freiheit auf blauem Grund. Der längst aus ist. Voll am Ende. Einzig seine Genitalien sind gesäubert. Dazu Trommelschläge. Bevor der Pfiff ertönt. Bombing of. Guernica. Polen unter Panzerketten. Kannst du die hören? Das Rasseln. Picasso? Wie der Krieg über sie herfällt. Im Zorn. Das Schwein. Die schöne Jugend ramponiert. Ihren Flaum. Wenn der Tag der Wahrheit nicht kommen willen. Die Nacht der Lüge nicht vergeht. Dieser trunkene Prozess Unmenschlichkeit. An diesem scheiß Jahrestag. Vom Kampf des ewigen Neger mit den Hunden. In all der Verachtung. Dazu diese Heldenmütter. An deren Gräber man Kränze flicht. Love and Peace. Egal - ob es regnet. Wie bei Charly Mansons Geburtstag. All diese kranken Kinder: we will kill for you! Vierter Akt. Sympathy for the devil. Ein Klassiker. Dass der Vorhang fällt wenn es gerade spannend wird. Bitte. Warte doch. Bitte! Höre ich. Nein. Mach. - Moment noch. Kommt die Stimme. Ich schreibe dir als Joker rasch meine Telefonnummer auf den Zeppelin. Und ich dann: take off cleare. Weil die Welt sprachlos steht. Worauf ich ausflippe. Wie der Wind in den Zweigen meiner Erinnerung ab und an. Damit ich bleibe - was wir sind. Leider habt ihr mir bisher nichts von Paula erzählt. Dabei brauche ich Trost. Egal jetzt, denn ich bin raus, Baby. Einfach so.

In der Saftbar nebenan habe ich mir auf dem Klo oft einen runtergeholt. Was andere dazu schreiben nehme ich hin. Und wenn ich Glück habe hinterlässt es Spuren. Wenn ich kein Glück habe hat mein Pech wenigstens die Augen trainiert. Magen und Speiseröhre. Leite (ich) den unbedingten Kotzakt nach dem Lesen ein. Der, zum Beispiel, wird in zirka 333 Phasen vollzogen. Beginnend mit Auge/n. Hirn. Denken. Auge/n. Hirn. Nachsinnen. Hirnanhang. Und so weiter. Zudem heißt es Nahrung aufzuspüren. Und - da ich ein schlechter Esser bin (als Ausgleich ein beständig harter Trinker) nicht einfach. Egal; auf jeden Fall heißt es die reflektorische Sicherung zu überwinden. Schluckakt auf umkehren/einstellen. Muskulatur des Magenbodens anzusprechen. Nahrungsbissen zu sortieren - und die eventuell zu wenden. Also Kopf in Fahrtrichtung! Um das Teil dann zu parken und die Radialachse anzuwerfen. Achtung: Nicht vergessen die Kontraktion zu prüfen! ’Nein, mache ich auf jeden Fall. Immer. Bin schließlich im Kotzen kein Anfänger’. Anschließend beginnen die Längsmuskulatur anwärmen, heißt es weiter. Speiseröhre checken. Schlund benachrichtigen. Orale Bereitschaft anzeigen lassen. - Scheiße. Enddarm und Ringmuskel werden sich freuen. Wieder nichts zu kacken. Und es ist erst Montag. Übrigens, nach Wikipedia ist das Zenker- Divertikel eine Erkrankung des Hypopharynx (unterer Rachenteil), nicht des Ösophagus, wie oft falsch behauptet wird.

Hier nun zu den Quellen und Einzelnachweise nach Wikipedia im Original:
Hochspringen ↑ z.B. Allgemeine Enzyklopaedie der Wissenschaften und Kuenste in alphabetischer Folge von genannten Schriftstellern. J.F.Gleditsch, 1824, S. 323 (Zugriff am 18 June 2012).

Du. Wie ich eben merke, will Munki mich aus dem Koma holen. Allerdings ist mir überhaupt nicht klar, was er sich davon verspricht.
Jimmi meint, der will meinen Tagesausgang vorbereiten.
Ich meine, Munk hat ohne mich ’einfach nur’ Langeweile.
„Wir sollten wetten“, schlage ich dazu vor.
„Okay! Wer am weitesten kotzt hat gewonnen!“
„Und dann?“
„Dann darfst du auch mal was triviales schreiben!“
„Was denn?“
„Wie wär’s mit: “Er ging. Und als er weg war, zuckte ich müde mit den Schultern.“
„Genau! Das ist so scheiße geschrieben, das will ich haben!“

Und Du? Weshalb keine Kapitelüberschriften? Wenigstens ein Datum könntest du! Ist doch eine Tagebuch. - Als ob das was an/in/vom/von meinem Leben ändern würde, mein Atem die Welt. Ich mich ’ohne mit’ + ’mehr mit’ weniger lieben würde. Nein. Ich bin auch so in der Beziehung zu mir leidlich zufrieden. Egal wie lange 24 Stunden dauern.


23. März 2014 michael koehn



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Für Anfang 2014 plant die Literaturzeitschrift LaborBefund ein SPEZIAL nur mit meinen Texten; ich suche 'freue mich' und schreibe die schon mal ...

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