Über Grace
(Erzählung)

Doppelte Null Linie:

Sie schlug zu. Ich fiel nach hinten. Brachte es trotzdem fertig, zu lächeln. Nickte.
„Was ist?“ Fragte sie.
„Alles okay!“
„Du hast eindeutig großes Potential“, grinste sie.
„Bestimmt.“ Antwortete ich. „Bestimmt!“ Was sollte ich auch sonst sagen. Schon deshalb, weil sie die Trümmer der Gitarre aufsammelte und ich ihr dabei auf den Arsch sehen konnte; so geschehen, kurz nach dem wir gevögelt hatten. Ehrlich? Ich hätte es mir andersherum gewünscht. Doch was sollte das jetzt.

„Du hättest die Socken ausziehen sollen!“ Grinste sie ’irgendwie’ träge. Und genau dieses ’irgendwie’ (träge) ’Träge’ bekam ich nicht mehr aus dem Schädel. Träge. Wie Mucke die man hört, - nicht besonders leiden kann. Die aber hängen bleibt. Ein Ohrwurm. Wie bei mir ihr ’träge’. Was für eine Scheiße aber auch.

„Einen hübschen Arsch hast du!“ Sagte ich. Um mich abzulenken.
„Findest du den hübsch? Ist der nicht zu fett?“
„So Dinger trägt man doch heute, oder?“
„Was fragst du mich!“
Irgendwie nicht mein Tag, dachte ich. Arschkarte. Oder so was ähnliches.

„Eigentlich suche ich nach einer festen Beziehung“, sagte ich „und nicht nach einer irren Tussi, die mir die Gitarre auf dem Kopf zerschlägt!“
„Wohl nicht dein Tag - heute“, grinste sie. Und ich verkniff mir an das ’träge’ zu denken. Es überhaupt an mich ran zu lassen. Ernsthaft. Ich verkniff es mir, bis mir die Eier weh taten.

Ich weiß, wie ich die Wellen brechen kann. Die schärfsten Dinger, Mann. Ich bin eben besser als die. Reite sie kaputt und lass sie links liegen.
Als sie geht, küsst sie mich kräftig auf den Mund.
„Damit du mich nicht vergisst!“ Sagt sie. Saugt mir einen Knutschfleck auf den Hals. Dunkelblau. „Damit du mir treu bleibst!“
Die Zeiten ändern sich, denke ich; diese beschissenen Zeiten.


The Days After The Nights:

Ich ziehe mir weißes Zeug über. Plastik. Wie die Typen der Spurensicherung im Krimi. Maske und Gummistiefel. Und spraye ’Grace’ an jede Wand der Stadt. An U-Bahnzüge. Straßenbahnen. In Arschgesichter. Denn wenn ich falle, fällt sie mit. Wäscht sich ab.

Doch eigentlich will ich mit ihr liegen, - wo grün das Gras unter Bäumen wächst. Im Morgenland. Wenn der Film längst gelaufen. Ja, das ist mein Sehnen. Manche nennen mich deswegen einen Anarchisten. So wie du darüber schreibst, - begründen die. Dabei lebe ich auch - so. Doch wem soll ich es sagen? Etwa Grace? Ich glaube, die könnte das nicht ertragen. So wie ich vollgeschissene Kinderwindeln nicht ab kann. Und daran reibt sich unser Tag. Raubt mir die Nacht all meine Träume. Bin ich sternenlos, - wenn ich nicht schlafen kann. Spraye. Um anschließend durch die Kneipen der Gegend zu ziehen.
Nur wenn sie mich dabei mal schnappen, fällt mir mein Versprechen ein. Eins, das ich nicht halten kann. Egal wie oft ich es erneuere. Ich falle dabei jedes Mal komplett auseinander, - Grace in Gedanken, um mich dann wieder zusammen zu setzen. Ey. Was das für eine enorme Kraft kostet - Mann! Ich bin deswegen heilfroh, wenn die Bullen mich so früh wie möglich aus der Zelle lassen; denn ich bin noch nicht fertig. Lasse den Tag kommen. Den Käfig mit Sonne darum herum. Während Grace die Fenster aufreißt, um das Bettzeug auszuschütteln. Klar. Auch das werde ich niemals vergessen. Wie ihr Herz blutete. Die Zeit sich mit ihrem Leben quälte. Die Tage kürzer wurden. Das klappen vom Türschloss lauter. Ja, ich weiß schon, du hast mehr gewollt, Grace - doch ich Idiot hab’s vermasselt.


Wie Seelen sich finden:

Grace wird morgen humpeln. Ein blaues Auge zurückbehalten. Kratzer auf Schulter, Rücken und Po. Und die werden brennen wie Hölle. Doch es wird sie nicht stören. Sie hat keine Panik. Sie nimmt es als Leben. Als Liebe. Sie braucht es. Sex. Und ich gebe den ihr. Satt. Mit der Buchstütze. Der Schuhbürste. Dem Handtuchständer. Mit der Thermoskanne. Dem Regenschirm und dem Golfschläger. Sie will es. So. Genau so!

„Lass uns einen Dildo nehmen“, rate ich. „Den langen mit den leuchtenden Noppen.“
„Nichts da!“ Unterbricht sie mich; befiehlt. „Mach schon! Schlag zu!“

Es muss einen Grund haben, denke ich. Einen Grund auf dem Grund. Einen Schatz. Einen Klumpen Gold. Ein Monster. Oder so. Nur finden, muss man den. Aber wie? Denn Grace sagt nichts. Sie fordert. „MACH!“ So einfach. Und bestimmt. Und ich mache. Ich kann nichts anders. Ich liebe. Sie. Grace!

„Heut Abend die Nummer mit dem Kabel!“ Ruft sie im Gehen.
Ich drehe mich um.
„Im Ernst?“
„Und besorg bitte noch bunte Ballons. Die lassen wir fliegen!“

Auch das ein Zeichen an mich: Sie will es blutig. Verliebt- Verlobt- Verheiratet, nennt sie das Spiel. Bei dem ich eine Maske trage. Tragen muss. Sie wünscht sich die aus Straußenleder. Ich weiß es. Sie hat mir das Teil neulich zum Geburtstag geschenkt.

„Passt zum Skorpion!“ Sagt sie. Und freut sich darüber.
Ich nicht. Denn ich sehe damit wie eine Ameise aus. Eine von den furchtbaren Dingern, die mit ihren dauernden Knister- Messer- Mäulern Blätter zerschneiden. Kanus bauen, um Flüsse zu überqueren. In Mittelamerika - oder so. Deren grässliche Geräusche mir den Tinnitus vorantreiben.

„Stress“, meint der Arzt. Ich weiß es besser. Schiebe mir deswegen bis zum Mageninfarkt Gingo ein. Hilft aber nicht. Auch wenn ich es mit Schokoladencouvertüre mische. Ich bekomme nichts außer Durchfall. Und habe dazu noch diesen fürchterlichen Geschmack von Klostein im Mund.

„Iß auf, es ist nicht vergiftet!“ Höre ich Mutter - als ich würge.
„Kinderkram, Mutter!“ Sage ich. „Halt dich da bitte raus!“
„Immerhin hast du BITTE gesagt. Das habe ich zu meinen Lebzeiten nie von dir gehört!“

Ich gehe auf die Knie. Höre ein Saxophon. Und wie der Hall vom Schuss mir die Ohren ausputzt. Diese alten Geschichten. Wenn man den Tod vor Augen hat. Um dann doch weiter zu spielen. Wo die Nacht wie aus dem Nichts über einen herfällt. Das Herz wild und wilder schlägt. Und man so schnell vor dem Grauen davonläuft, dass Funken sprühen. Doch dann kommt die tröstliche Erinnerung nur eine Wassermelone überfahren zu haben. Damals. Und weit vor Grace. Doch irgendwie... Ach, ich weiß auch nicht, - passt schon alles.

„Hast du es dabei?“ Fragt sie.
Und, was denken Sie. Frage ich zurück. Habe ich?
„Ich als Frau - oder du?“
„Du!“ Bestimmt Grace.
Also gut.


Es ist nicht alles schlecht, nur weil Weihnachten vor der Tür steht:

Ich weiß ja, dass von (der) Liebe kein Nutzen erwartet werden darf, - denn Liebe ist Selbstzweck. So wie Grace mir. Nur ob ich ihr Selbstzweck bin steht in Frage, denn ich finde mich in ihrer Absicht Sex mit mir zu praktizieren benutzt. Nicht mehr, oder weniger.

’’Wenn Sie mit jedem Schuss die Scheibe treffen, sind Sie nichts anderes als ein Kunstschütze, der sich sehen lassen kann...’’ Buddha (sinngemäß).

So sehe ich mich in Grace. Hoffe aber auf Änderung. Und bleibe dabei meinen eigenen Sound zu suchen - und zu finden. Von wegen, den Zweck herbeizusehnen a la fette Beute: Gefühle zeigen. Andere sinnieren über den Klimawandel. Oder wann die ersten Aliens landen. Und wo. Ob hellblauer Beton sexy sei. Und Kim Kardashians Hintern. Oder ob ein solch gewaltiger Arsch ein Monstrum sei der auf den Mond (geschossen) gehöre. Wobei die Gefahr einer Überschwemmung steigt.

Es ist eisfrei im Raum. Wir fliegen mit mäßigem Tempo, trotzdem steht uns der Atem wie eine Wolke vor dem Gesicht.
Ich kreise und schwanke - stürze fast. Ziehe mir die Jacke über dem Herzen zusammen. Grace. Die sich mit discoweißen Lippen, Bananen am Busen in das goldene Strobelight dreht. Drum. Bass. Ambiente. Und Kirk aus Panama. Als DJ.
„Sehr angesagt, der Laden!“ Sagt Grace.
Und ich nicke. Während sich in den Burgundersamtnischen irgendwelche Direktoren in Mad- Max- Outfits Polygrame teilen. Es wummert und wabert überall unkontrolliert. Wilde Muster ziehen Linien über Handrücken wie bestellt. In Endlosschleife läuft ein Garp Werbespot.
„Wie im Film,“ lacht Grace.
Und ich nicke. Sehe in der Spiegelwand gegenüber Bal.
„Hast du Bal bemerkt?“
„Nein. Wer ist das?“
„Der Regisseur!“ Sage ich.
„Und was macht der?“
„Ohne den läuft hier nichts!“
„So - so.“
„Oder, wie Ellis schreibt, es dauert vom ersten Takt bis zu letzten Beckenschlag 12 Minuten und 38 Sekunden!“
„Bei was?“
„Beim Bolero!“
„Cool!“ Sagt sie. Steht auf und schnippt die Zigarette weg.
Das war gestern, Freunde. Und ich frage mich was heute wird. Oder Weihnachten 2015. Und mit Grace und mir.


Jeder Mensch hat einen Arsch, nur Idioten haben 2:

„Wann wollen wir los?“ Fragt sie.
Mir fällt in dem Moment Brecht ein, weil der meint man sollte besser eine Bank gründen und keine überfallen.
Als wir uns vor dem reingehen umarmen flüstert sie mir ins Ohr das alles gut werden wird.
„Wir sind nicht unfehlbar, Grace!“
„Ich schon!“ Sagt sie. Und küsst mich still.

’Du schaust mir in die Augen
Liest in meinem Blick
Jetzt gibt es kein zurück’

Als wir drin sind, ist der Laden bis auf das Personal leer. Einzig der Wind pfeift durch ein angelehntes Fenster. Ich greife in die Jacke und hole die Kanone raus. Halte die vor der Kamera verdeckt, so dass nur der Kassiere die sieht.
„Meine Güte“, sagt der bei einem Blick in mein Gesicht, „Sie sehen aus wie Roberto Bianko!“
„Und das ist meine Frau!“ Ich deute auf Grace, - die den Bankdirektor durch die Halle zum Tresorraum hetzt.
„Wie bei Bonni und Clyde!“
„Sie füllen jetzt den Beutel – und halten ansonsten das Maul, Mister!“

Am nächsten Tag checke ich die Zeitungen. Nichts. Im TV. Nichts. Als wären wir nie in der Bank gewesen. Einzig die Welt ist ein Chaos, lese ich.

Mir hat mal jemand gesagt, dass ich wie Garfield aussehen würde. Der Lärm anschließend war so extrem, dass ich seine Entschuldigung nicht verstanden habe. Nun, es kann sehr wohl an den hohen Räumen gelegen haben. Da bricht sich der Hall eminent. Zum Beispiel, wenn irgendein Idiot erst in die Decke und dann mir ins Bein schießt. Und so geschah es.

Auf dem Polizeirevier stellte sich heraus, dass der tätowierte Bulle mit Glatze geschossen hatte, der mir schon zuvor aufgefallen war, als er die Klofrau wegen ein paar herumliegender Joints bedrohte. Tage später kam ich über meinen Anwalt an seine Anschrift und machte seiner Frau – der Bulle war leider nicht da - einen intimen Hausbesuch.

Mal ehrlich, ich mag Frauen. Und die besonders. Sie hatte was. Was Asiatinnen eben so haben. Und war auch sonst eine besonders hübsche. Fast wie C. Schwarze Haare. Reisdünn ihr Körper. Eng im Schritt - hoffte ich. Gut. Das macht es dann nicht unbedingt leichter. Doch ich bin für solche Fälle gerüstet. Habe Mia, so ist der Name der Lady, an einen Stuhl fixiert. Bin raus zur Karre, um das Gleitöl aus dem Handschuhfach zu holen. Und genau dabei fiel mir die von Simmel geschilderte chinesische Schlittenfahrt ein. Dazu mein Glück, das Mia perfekt deutsch sprach und Simmel las. 3 Mal habe ich es krachen lasen - und es endet erst damit, dass der Glatzkopf schnaufend in der Tür stand.

I Belong To U, Baby. Summte ich Sekunden später. Und beobachtet, wie Mia dem nackten Bullen das Blut aus dem Gesicht wischte, geschickt eine Transfusionspumpe schaltete, um den nötigen Blutaustausch zwischen ihnen zu gewährleisten. Und sie auf meine diesbezügliche Frage: Ja, ich bin Krankenschwester hauchte. Schade, dass ihr keinen Hund im Haus habt, wollte ich als Tippgeber für alle Fälle brillieren. Doch nichts. Na dann: Wenn du ihm jetzt noch einen tutest, Mia, scheiden wir als Freunde; - ist nur ein Vorschlag, ey. Ich steckte dem Bullen die TV- Fernbedienung in den Hintern, sie tutete, er rollte seine Augen in den Kopf zurück - und keine zehn Minuten später rauschte ich zufrieden einem verdienten Feierabendbier entgegen.

Während der Zeit allerdings, die ein gutes Bier brauchte, tunkte ich meine Finger in handwarmes Lanolinbad. Gut. Sonst lasse ich danach meine Nägel mit Plierlotion bearbeiten. Heute stand mir wegen der Gedanken an C nicht der Sinn danach. I belong to you, you belong to me. Forever!

Das wird alles schon wieder, tröstete Eva. Die ich 24 Stunden später auf eine Annonce in einer Pornozeitschrift kennen lernte. Und ich war nahe daran, ihr unbedingt recht zu geben. Doch wie das Schicksal so spielt, es kam wieder mal ganz anders.

Nicht dass jetzt jemand auf dumme Gedanken kommt, - denn das geschah alles weit vor Grace. Ich erzähle es lediglich, weil ich beim Geldzählen Zeit habe.
„Na? - Wie viel ist es?“
„Satt. Meine Süße!“ Sage ich. Und mehr will Grace nicht wissen.


Chaos über fallende Zeiten:

Wenn es still wird in der Seele, lese ich die Angst aus meiner Wand. Schon beschissen, diese Zeit. Schwarz wie die Nacht. Mein Vaterland. Doch auch ich bin schon ein Killer. Hetze Jäger. Töte Hasen. Fresse für mein Leben. Gerne. Dich. Grace. Du Aas. Aus deiner Welt. Kann es gar nicht anders sagen. Wie. Und was. Dem Feind. Gefällt. Lebensbild mir sage. Klage, was du mir bist. Was ich mag. Und nicht. Wie dein ewig leerer Magen. Esse Stunden nach dem Chrash. Dich. Zur Strafe. Grace. Während ich als Geisterfahrer (noch) tief in dir stecke. Fett. Neurotisch. Lebensmüde. Schwitze. Spritze. Mich bejahend. - Mich! Den bitter- lustig ... Treibe ich dich vor mir her. Verkorkstes Dasein. Bist mir was schuldig. Lebenstraum. Wassermühle. Apfelbaum. Auf. Des Müllers Lust. Der Flaum. Und. Da werde ich gerne auch mal kindisch. ’Hundert Jahre’. Einsamkeit. Same ich dir Samen ein. Rektal. Durchs Bein. So. Oder. Grade wie ich will. Muss es sein. Kann. Und es bleibt dabei. Ja- gut. Man kann es anders auch benennen. Für dich ist es allerdings überhaupt kein Grund mit Gebrüll mir wegzurennen. Denn leichtfüßig - wie der Tod - bin ich. Macher. Mache dein. Dass du du bist. Leben. Wachs. In meinen Händen. Gut. Ich bin der Einzige. Mit irrer Wut. Doch DU. Nenne mir den Ort. Mit Grace. Oder geh. Du Huhn. Trägst keinen Arsch in deiner Hose. Zum Trompete spielen. Erste Geige. Nein. So nicht. Mein Freund. Auch wenn du abgestürzt. Vom Wochenende. Dicker Kopf. Soweit es geht. Gehirn. Erschütterung. Schockraum. Not- OP. Der Druckentlastung wegen. Offen. Auf Intensivstation. Die Tage satt im Horrortrip. Weil. Du. Ignoriert und lästig. Dauerkoma. Störst den Pflegeplan. Wie das schwere Herz. Ein Implantat. Aus Erz. Leidend. Fängt die Tagen hüpfend an. Zaghaft. Kommt dann wieder. Stark. Weil das Leben nach dir schreit: Cannonball. Man glaubt es kaum. Pflaumenbaum. Aus der Traum. Forscher züchten Minimägen. Nachtigallen. Widerhallen. Spaßgevögel. Hörst du mich. Ich. Als blaue Seite. Still.
Wenn ich fliegen könnte wäre ich längst anderswo. Läge längst tot mit Grace am Wegesrand. Weg. Ende. Wie die liederliche Zeit mit ihr. Grace. Die ich meine große Liebe nenne.


Mords- Walzer mit Grace:

„Das Geld sollte doch wohl reichen?“
„Fürs erste schon!“
„Falls nicht, müssen wir eben noch mal ran!“
„Wie viele sind es denn?“
„Du wirst schon sehen.“
Zwei Tage später hatten wir den Wohnwagen, ein wirklich luxuriöses Teil - und fuhren der Sonne entgegen.

„Wann und wo liefert Max die Waffen?“
„Ich rufe ihn heute Punkt 5 an!“
„Und dann?“
„Weiß ich den Treffpunkt.“
„Was liefert er?“
„Zwei Pistolen. Einen Revolver. Eine Pumgun. Alle aus dem Fundus der NSU!“
„Der Mann ist Polizist?“
„Dicht daneben: Staatsanwalt.“ Dabei lacht sie. Und ich stehe voll auf dem Schlauch
„Alle Achtung, du kennst Leute.“
„Max - heißt mein Vater.“

Auch hier ist Ich ein anderer. Versuche ich die Dramatik nach Schmerz zu verstehen. Die Rachegelüste von Grace. Komme mir armselig vor. Warum auch immer.
Klar, es gibt gute Gedanken, und es gibt schädliche Gedanken. Leider weiß ich nicht, welche ich denke. Auf jeden Fall fehlen in meiner Patientenakte Seiten. Weißt du, wo die geblieben sein könnten? Frage ich mein Ich. Doch nichts.

„Hast du was gesagt?“ Fragt Grace. Die den Chrysler fährt, Musik hört, im Takt mit dem Kopf wackelt und Zigarillo raucht.
„Nein. – Nichts!“ Während ich fliege. An Brudermord mit Trauerflor denke. An unsere Gespräche im Frühjahr über den Geruch von Wasser, den der Bäume, der Wiesen und Hügel. Das Bäche, Seen, Bäume, Wiesen und Hügel sprechen können. Der Himmel. Die Sonne. Die Wolken. Die ganze Welt. Das Glück einen Namen hat: Grace! Die sich gerade eine Träne aus dem Gesicht wischt, ehe die über ihre Wange laufen kann wie die Nacht über den Tag. Ach, ich weiß, ich werde mit ihr atmen, falls ihr der Sauerstoff versiegt. Ihr von meinem Blut geben, sollte sie keins mehr haben. Von meinem Schlaf. Sollte sie nicht schlafen können. Von meinem Leben. Und ich werde für sie diese crazy Scheißer töten. Also glaube es. Denn Leben und Tod ist Farbe an sich. Ist die Stimme im Kopf. Oder lass es einfach, schlafe; es wäre vielleicht besser so.

Ein endloser Fluss ist menschlich Leid. Ein tiefes Meer der Tod. Ein dunkles Blau. Am Grün vorbei. Das Rot. So werde ich für Grace zum Helden; halte eine Winchester 1300 Pumpgun mit Repetiergriff aus Buchenholz im Arm.

„Wir sind bald da“, sagt Grace.
„Ich bin bereit!“ Zeige ich Zuversicht, Kraft, - hoffe ich.

Der Vorwurf lautet auf sexuellen Missbrauch, Förderung der Prostitution, Drogenhandel und Förderung sexueller Handlungen von Minderjährigen in 117 Fällen. Einer der Fälle ist Grace. Sagt sie.

„Es ist Zeit für Sühne“, sage ich dem Typen.
„Du kannst mich am Arsch lecken!“
„Wenn du dich hinkniest.“
„Machs dir selber!“
„Unmöglich, Mann.“

Es regnet Blitz und Feuer. Dann ist sein Akku leer. Der Kontakt weg. Klafft die Orange - weit geöffnet. Krümmt sich der Typ in letzten Zuckungen; bleibt ihm das Comeback versagt.

Ich schließe den Imbiss ab und gehe. Behalte den Schlüssel für den Laden. Warum, weiß ich nicht. Nur: Mit der Zeit wird es mir zur Marotte. Wie die Vergangenheit, die in der Gegenwart keine Zukunft findet.

„War der Typ Türke?“
„Kurde! – Nein, keins von beiden - ist ein politischer Witz.“
„Du lachst aber gar nicht.“
„Manchmal ist das eben so.“
„Und wie viele werden es noch?“
„Reichlich. - Doch jetzt fahren wir erst mal ans Meer!“
Ich liebe Grace. Und wie!


In Grace begründet Schmerz sein Urheberrecht. Ich kann es sehen, spüren, wenn wir intim sind:

Raus aus dem Phlegma. Ran ans Eingemachte. Hieß es in der Therapie. Da war sie noch (so) naiv. Dabei ist Schmerz eine Erkrankung. Ein selbstständiges Ding. Und nicht nur ein Symptom. Trotzdem hatte sie gehofft danach aus dem Gröbsten raus zu sein. Irrtum. Leider. Zudem sie die Drogen weiter brauchte. Lebenswichtig wurden die ihr. Um nicht in irrer Wut zu verglühen. Sich im Gedächtnis zu verlieren. In Hyperaktivität. Im Schweigen. In gelähmtem Entsetzen. Hirn ohne Seele. Seele ohne Hirn. Im Chaos der Luft, die sie tag- täglich umgab. Von der sie nie genug bekommen konnte. In die sie Blut erbrach. Schmerzen. Schreie. Von außen und innen. Nach Innen und Außen. Die mal dort saßen - und dann wieder da. Die nicht entflohen, wenn sie die mit einem Messer umbrachte. Sondern sich teilten. Zeugten. Auf Wanderschaft gingen. Kopf. Hals. Brust und. Lunge. Das Nervengeflecht um den Magen. Als Echo durch den Bauchraum in alles Gewebe unterhalb und oberhalb der Gürtellinie. So dass ihr Arme und Beine versagten. Deswegen schoss sie am Tag einige Male nach. Brauchte viel Geld dafür. Immer mehr. Machte aus ihrem Hobby einen Beruf: Hure! In besseren Kreisen. Heirat nicht gänzlich ausgeschlossen. Und so weiter. Hauptsache, es würde helfen, Kohle anzuschaffen. Besser als Schmerzen. Schwitzen. Haare ausreißen. Blutig schneiden. Mit den Zähnen zu knirschen. Oder. Krieg im eigenen Körper. Der nicht zu gewinnen war. Niemals. Sie hatte also keine andere Wahl. Es sei, sie würde es weiterhin zulassen zu sehen, wie sie sich auflöste. Erst die Klamotten. Dann sie sich selber. Nackt. Zerstört. Ein verbrauchtes, faulendes Gewebe. Pest und Cholera. Macht und Machmissbrauch am eigenen Körper. Herrenabend - for ever and ever. Das hieße, sich lebenslang die Ängste und Albträume durch die erigierten Schwänze irgendwelcher geiler Geldsäcke auszutreiben. Und das mit angehaltenem Atem. Ohne Luft zu holen. Unter Sauerstoffentzug an deren Dingern zu nuckeln. (Einfach so) zu ersticken über die Zeit. Eine grauenhafte Vorstellung. Crazy. Irre. Dann lieber tot. Tod. Bringen. Stolz entwickeln. Sich erlösen. Der Rache wegen. Go on, Baby!


Wenn Schluss, dann richtig:

Zu lieben. Um Grenzen zu überschreiten. Neues zu erkunden. Tiefe zu erfahren. Deswegen.
Völlig lächerlich, sagen andere: von wegen Liebe ist Hass! Dabei ist Hass bei mir auch positiv besetzt, folgt strengen Regeln. Ordnet sich dem Sein unter; oder ist gar die Liebe selbst. Maler zeigen ja auch ungewöhnliche Blickwinkel davon. Machen sich den Hass gefügig. Lebende Nackte und Tote. Und die Dinge ansonsten. Die Pflanzen und Tiere. Himmel und Sterne. All die Zwischenfarben Existenz.

„Wenn du daran festhältst, wird es eine Zeit voller Glück!“ Sagt Grace. Die, als sie das sagt, jünger wirkt. Blonder, im guten Sinn. Und so wahnsinnig sexy in flüssiger Süße.
Jahre später wird es ihre Sterbensszene sein. Und genauso unerträglich. Für mich. Weil ich nicht kann, was ich will. Frieden und Leidenschaft. Nicht Herz und Schmerz gepaart mit Krieg, Mord und Totschlag. Doch jetzt bestimmt sie, sagt sie. Grace! Meine Liebe. Und ich kippe den Alltag. Bin nichts weiter als ihre Kulisse. Der Rahmen vom Bild. Ihre ausführende Hand. Die Ratte in der Masse. Um unter Tränen zu lachen, wenn ich im Affenkostüm Liebe atme, - wenn ich schieße und töte. Und sie in die Hände klatscht wie ein kleines Kind an Weihnachten. Ach, es sind diese kurzen Momente. Ich sterbe dafür! Und bete, das die bleiben. Immer sind. Wie Grace. Wir. Eine einzige Party. Doch was wusste ich da schon? Nichts! Doch das nur mal so, - mit einem Gruß aus Deauville. Dem Königreich der Eleganz. Wir werden übrigens morgen früh dort die Bank machen. Die BNP Paribas, - 108, Rue Victor Hugo, Deauville. Und ich bin (darüber) schon mittelmäßig erregt. Also, Freunde Frankreichs - darauf schon mal einen 30jährigen Calvados Roger Groult Age d’Or, - der haut dir ordentlich Funk in den Hintern.


Bei Einbruch der Dunkelheit gibt die schwarze Spalte die Spielregeln vor:

Ich gehe alleine rein. Nehme das Sterben mit. Denn am Eingang zur Halle steht ein Wachmann. Bewaffnet, wie ich sehe. So ist alles in Time. Der Blues. Und der Rock’n Roll. Das Unvermeidliche. Wie das Leben nun mal ist; alternativlos der Tod. Doch die Handlung gibt mir das Zeitgefühl zurück, als ich zuschlage, ihm ohne Konsequenz die Waffe wegnehme.

„Auf den Bauch, Boy! – Hände hinter den Kopf!“ Und er auf dem Bauch liegt. Die Hände hinter dem Kopf. Wie auch die fünf anderen Piloten Sekunden später. Die damit mein Schwitzen unter dem Affenkostüm stoppen. Weil es so glatt geht. Zu glatt. Baby blue. - ’Wichtig nehmen all das Sterben...’ frei nach Nietzsche. Und ich nehme. Den Rucksack mit dem Geld aus der Hand des Bankdirektors. Und das ohne Geschrei. Weinen und Flehen. Ohne einen Schuss. Den obligatorischen Kracher in die Decke, dass der Putz rauscht, wie in Mimis Krimis. Die nachts ohne Mann nicht schlafen kann. Wie gut ich sie verstehen kann, als Frau. Ich hätte die Chance auch genutzt. Alles wird gut! Der Kampf um Anerkennung und Glück. Es braucht nur Zeit, - wie man an mir sieht. Dabei lasse ich den Film nicht oft zurückspulen. Von wegen Vater, Mutter, Kinder, Geschwister. Das Haus, den Pool, das Auto, mein erstes Fahrrad. Frau und Nachwuchs. Alles versäumt. Anders gesagt: Das Sterben beginnt mit dem Anfang und dauert, sollte man es nicht selber in die Hand nehmen. Organspender werden. Somit: Verschiebung der Deadline. Well done. Somit kommt man – also ich – zur fatalistischen Grundhaltung. Augen auf und weg- geschaut. Und so kommt es dann auch, dass ich einen Querschnittgelähmte zurücklasse, wie ich nächsten Tag in der Presse lese. Weil der Typ ’ehrlicher Wachmann’ für seine paar Kröten dann doch unbedingt den Job machen will. Für dem ihn der Bankdirektor mit Dank Narzissen und eine Bonboniere ans Krankenbett schickt. Um anschließend im Hotel an der Ecke die Sekretärin zu vögeln. Ich dem Wachkomapatienten 50.000 Euro in einem Pizzakarton bringen lasse. Immerhin: Wir beide hätten für die mageren Kohle den Rest des Lebens tot seine können! So blöd der Typ. Abgefuckt sein Chef. Doch auch das ist nur Hintergrundrauschen und verläuft sich mit den Tagen, weil man das Sterben so oder so nicht aufhalten kann. Das Glück schon. Sollte man ihm deswegen einen Vorwurf machen? Oder mir? Ich nicht! Und Grace auch nicht! Zumal der Tod am Ende kommt, wie Musil sagt. Und da sind wir heute noch nicht.
„Mein Million Dollar Baby Boy“, singt Grace happy. Und das ist schon was. Denn ich weiß, wie es ist alleine zu sein. Weit weg von Wärme und Hoffnung. Nur mit dem Krebs zu sprechen, der irgendwann kommt. Oder glaubst du nicht daran. Glaubst alt werden zu können, ohne jemals dem Tod zu begegnen? Echt, Alter, dann bist du ein begnadeter Idiot. Und mit solchen Typen besohle ich mir die Schuhe, - sonst nichts weiter. Yes, this is the real Blues. Have good day, everybody.


Sixty Seconds To What?:

Vor dem Wohnwagen liegt das Meer als Wiese vor uns. Fläzen wir in Liegestühlen, rauchen Gras und grinsen den Mond an, obwohl die Sonne scheint. Was wir tun, ist höhere Gewalt. So flach die auch scheint. Grace meint, es habe was mit Arroganz zu tun. „Die von wem?“ Frage ich.
„Immer die der anderen!“ Sagt sie.
„Ich glaube, es ist Schmerz.“
„Wenn ja, dann ist das aber nur deiner“, sagt sie, „ich spüre keine Schmerzen.“
Ab da sage ich zum Thema nichts mehr, denn ich lebe nur für sie. Habe mein eigenes Wollen längst gelöscht. Die kleinen Zettel aus meinem Gedächtnis geräumt, - und verbrannt. Die Briefe, Datumstafeln. Geburtstage, Telefonnummern, Anschriften und so. All das unnötige Zeug. So bin ich nackt, wie am Beginn der Zeit. Gut, am Anfang hat es mich schon verstört, wie ich mich Grace ausgeliefert habe. Dabei bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob sie das eigentlich weiß? Ob es wahr ist. Öffentlich? Oder ob es nur in mir drin passiert als eine Art innere Ohnmacht, die eventuell wieder vergeht. Ein Koma im Wachzustand als geistiger Ruhepol, der die Gewalt, die ich ausübe, für die Psyche erträglich macht. Vielleicht späterhin auch ungeschehen... Quatsch! Das gibt es nicht mal im Film. Im Schlaf, der die Träume löscht. Doch Grace ist Realität. Wie ich. Wie der Wohnwagen, die Waffen und der Haufen Geld.
„Mehr Geld brauchen wir im Moment nicht“, sagt Grace, als hätte sie meine Gedanken gelesen. Die darin so sanft und verletzlich scheint. Von der ich aber nicht mal ihr wahres Alter kenne. Und sowieso; küsst sie mich auf den Mund, bis ich den Atem verliere. „Denk nicht so viel nach!“ Flüstert. „Lebe!“ Und sie so romantisch ist, dass mich ein Schauer Wohlbehagen ergreift, der mir in Wellen über den Körper jagt. Diese drei, vier Sekunden – da ich mir in ihre Küsse hinein eigene Gedanken zumute. Und in das Denken und Erzählen schlafen wir miteinander. Sie oben. Ich unten. All die Zeit. Damit ich sehe, wie das Glück an den Bildrändern hinter ihrem langen Haar wallt. Frau. Mann. Liebe. „Du und Ich!“ Sagt sie. „Moon River!“


The whispers in the morning:

„Mag sein, dass manche Huren ein glückliches Loch haben, ich hatte keins!“ Höre ich Grace mit Mona am Handy. Da sind wir auf der A 1 und fahren nach Berlin, einen Auftrag abarbeiten.
„Ich träume immer noch meiner verkorksten Jugend nach...“, sagt sie. Und weint, nachdem Mona was trauriges von sich gesagt hat. Vermute ich.
„Ich habe alle meine Grundsätze über den Haufen geworfen.“
...
„Nein. Es hat sich nicht gelohnt!“
...
Während Grace spricht, fahre ich das Band, die Bahn, die Straße, döse, höre Radio – wo jemand zwischen den Songs über die größte Muschel der Welt referiert. Über Stillleben mit Fisch. Und ich in Grace bin, die Muschel öffne. In ihren rosafarbenen Spalt tauche. Knallrot in Präsenz mein Schwanz. Den ich brutal einführe. Grob zustoße. Um sie zu quälen. Zu irritieren. Demütig zu machen. Doch damit dem Sonnenuntergang ausgeliefert bin. Dem Tod unserer Beziehung; - wenn sie meine Gedanken wüsste, als ich sie sagen höre: „Nein, der ist ganz anders!“ Und mir die Hand aufs Knie legt. Mich streichelt. Zurückzuckt, als sie meine Erektion spürt. Ich vorgebe, pinkeln zu müssen. „Na dann halt doch einfach mal an!“
„Ja. - Mache ich!“ Und ich in den Wald sprinte. Von wegen Violine und Orchester. Als sie plötzlich neben mir steht. Sich entblößt - hinhockt - und den ’kleinen’ Unterschied betrachtet. „Du hast einen schönen Schwanz! - Wäre ich Mann, würde ich auch so einen haben wollen!“ Und ich weiß, sie spielt ein surrealistisches Stück. Durchdringt die Innen- und Außenräume. Übertreibt, um Spaß zu haben. Um ’meine’ Träume zu nähren. Sie Robinson. Ich Freitag. Bindeglied im Elend von Übermut und Traurigkeit. Wie über Freier lästernde Huren am Strich. Nutten. Wir beide. Staatsanwalt, Richter, Verteidiger, Angeklagte, - Urteil. Und wir als Vollstrecker die Moral von der Geschichte. Wie jetzt, im Wald, als sie sich in mich verbeißt. Stöhnt. Schreit. Dann kommt. Und geht. „Mach schon, wir müssen weiter!“ Doch ich mich als novembergrau lieber ins Bett verkriechen möchte, weil Liebe Arbeit macht. Und Arbeit müde. Mich. Der im geschützten Raum der Liebe alte Fehler loslassen möchte - um neue zu machen. Dauer: 2 Stunden - ohne Pause. Bis Berlin. Quakt das Navi. Während ich "I am ready to learn - About the power of love" von Celine Dion höre. "Somewhere I've never been - Sometimes I am frightened." Echt jetzt: Im November war ich schon immer scheiße drauf.


The Fifth Element: Voll drauf, tief drin und:

„Kill Roy“, sagt sie, „ist der nächste.“
„Wer ist der Typ?“
„Ein früherer Nachbar, - und ehemaliger Richter!“
„Pädophil?“
„Genau.“
„Verurteilt?“
„Nur von mir.“
„Das reicht locker. - Soll ich dir seine Eier mitbringen?“
„Lass die Dinger seiner Frau.“
„Die lebt noch bei ihm?“
„Eine gestrige Grüne, - die redet, redet ohne zu handeln.“
„Typisch.“
„Nicht ganz. Sie hat wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Knast gesessen.“
„Und darüber den Richter kennen gelernt?“
„Der damals Beisitzer im Verfahren gegen sie war.“
„Und dann?“
„Im Knast hat sie sich vom Terrorismus losgesagt, ein Buch geschrieben und den Richter geheiratet.“
„Obwohl sie von dessen Neigungen wusste?“
„Gerade deshalb!“
„Ah – verstehe... Sie hat ihn erpresst.“
„Genau!“
„Dann könnte ich sie doch beide... Oder was meinst du?“
„Belasse es bitte beim Richter!“
„Okay!“
Und dann braucht sie wieder die Spritze. Und ich bin sicher, es ist meine Schuld, weil ich wieder davon angefangen habe. Und sie keine Wahl hat.
„Ist wie Tiefseefischen“, sagt sie, „wenn man das Netz endlos über Grund zieht geht viel kaputt. Und das summiert sich. Ist eines Tages nicht mehr auszuhalten; ist wie ein Messer im Kopf! Doch das merkt keiner, - weil ich nicht schreie. Weil Bilder nicht schreien können und in der Tiefe der Meere alles ruhig bleibt. Einzig die Oberfläche kann wüten. Und da bin ich jetzt, - dank dir!“
„Schießen wir also nach“, sage ich und versuche ein Lächeln.
„Du bist süß“, lächelt sie unter Tränen zurück.
Und ich habe erneut die Zeit ein- und ausgeatmet. Die Vergangenheit. Die Wahrheit und ihr Gegenteil. Die abgestandene alte Luft durch das Öffnen des Fensters gequirlt. Den Raum mit Sauerstoff geflutet. Den Vorgang wiederholt. Ad infinitum. Doch es bleibt der Gestank nach Krieg. Dieses: Im Westen nichts neues. Wobei ich der Westen bin. Schindlers Liste. ’Apocalypse Now’. Als Flatscreen. Auf dem ich mich sehe. Mich. Den Darsteller des Trivialen, der die Pumgun durchlädt, - dem schon dabei ein Schauer über die Haut läuft. Das Glück als Windstoß durchs Haar, der wie ein Gruß von Grace durch das offene Fenster weht als ich, der Sieger, über dem Besiegten stehe. Über Richter Kill Roy. Dessen Sterben sekundenlang als Fleck auf meinem Auge bleibt. Und das es später nie mehr so sein wird, weil sich alles zur Routine entwickelt. Leben und Tod als Darstellung von Krieg in den Medien. In Filmen, Serien, Computerspielen, in der Malerei und schließlich auch in der Literatur, wenn du weißt, was ich meine. Nicht nur deshalb lüfte ich den Wohnwagen. Nein. Ich brauche Sauerstoff, ehe sie mich fragt was der Tod mir bedeutet, - wie wir mit warmer Haut auf dem Bett liegen. Ich in ihr. Und sie in mir. Erst noch ernst. Später lachend. Und über uns die Fahne mit Trompetenhall und Trommelwirbel. Immer schneller. Rasend dann. Während die Luft schon wieder stickig wird und wir wie irre zu schwitzen anfangen.


Es schäumt der Tag dem Tod die Nacht:

Kein Mensch spielt mit Kindern sein eigenes Spiel. Wir werden es verhindern so lange wir können. Und wir sind viel.
Deine Augen mögen blau sein. Wir machen sie blauer.
Deine Geige spielt auf. Wir werden sie zertreten. Wir liegen auf der Lauer.
Wir schaufeln dir kein Grab. Du bist es nicht wert. Wir schneiden dir was ab. Es tut auch richtig weh.
Dein krauses Haar. Und deine perversen Gedanken. Die schlagen wir in Stein. Wir werden darum tanzen.
Wir trinken das Blut der schwarzen Tage. Töten unsere Feinde. Lieben unsere Freunde. Sie werden es uns danken.
Wir denken an Celan. An die schwarze Milch der Frühe; an den Meister der Nacht.


Ich, Nazi - It’s My Life - mein Lied:

Was ihr tut, ist nicht meins. Schon überhaupt nicht dort, wo ich lebe. Ob ihr nun Derrida und Foucault lest oder... Nein! ’Der Islam’ ist für mich nicht vielfältig und der besitzt auch keine lange Tradition der Toleranz. ’Der Islam’ ist für mich eine Sekte und als solche eine Tötungsmaschine andersdenkender.
Mein Kopf sitzt mir auf den Schultern und träumt von einer Welt ohne Sekten und Religionen, befreit von der Diktatur des Kapitals. Keinesfalls will ich Börsenkurse anbeten müssen. Religiöse Traditionen ertragen. Mich ständig ob meiner Toleranz hinterfragen lassen. Leute hassen, die Anspruch darauf erheben die einzige Wahrheit zu besitzen. Nämlich, dass Multikulti für alle hier das richtige wäre. Zwangsheirat, Steinigung, Kopfabschneiden gelebte Realität ist weil ’der Islam’ zu ’uns’ gehört. Von denen mir erklärt wird, dass die Frauen mit Vollverschleierung die Glücklicheren sind - und meine Frau deswegen eine Schlampe sei.
Nein, ’der’ Islam ist statisch, - grausam in Raum und Zeit. ’Der Islam’ ist eine Sekte und benutzt den Namen ’Gott’ um Grausamkeiten gegen Sektenfremde zu begehen. Um denen die eigene Wahrheit abzusprechen, sie zu dominieren und ihnen Gewalt anzutun. Ja. Der von mir gemeinte ’Islam’ ist Fanatismus, ewiger Krieg und seine Ziegen und Kamele grasen weitab meiner Toleranz. Doch das ist deren Problem. Mein Problem sind die abgeschnittenen Köpfe von Menschen, die dachten im 21sten Jahrhundert zu leben. Sag mir nun bloß nicht, du hast von all dem keine Ahnung. Davon, dass ich anders denke - und deshalb Nazi heiße!?


The Way We Walk:

„Es gibt nur eine Sache, die den Dämon tötet, die Liebe, soll Mickey gesagt haben“, sagt Grace.
„Und du glaubst das? Oder ist es wegen der Namensgleichheit.“
„Was sind schon Namen. - Was interessieren die?“
„Stimmt. Namen bringen es nicht. Doch die von heute sind schon echt krank. Ich meine, wenn man Kinder nach Autos benennt. Nach Städten. Nach Puffs. Nach Scheiße. Oder?“
„Wenn wir mal eins haben, Mickey, sollten wir es ’Natural Born Killer’ nennen. - Wie findest du das?“
„Jemanden umzubringen? Ich meine, dass tun doch alle Kreaturen Gottes auf irgendeine Art? Ich meine, schau dich doch nur im Wald um; da gibt es Arten, die töten ein paar andere Arten. Menschen jedoch töten alle Arten inklusive den Wald, aber das nennen wir Industrie und nicht Mord.“
„Das hat aber auch Mickey gesagt; gib es zu!“
„Ich weiß nicht. Könnte auch von Mallory sein. - Ich weiß es in echt nicht!“
„Dann spiel doch den Film noch mal von vorne! - Ganz von Anfang!“
„Alles noch mal von vorne? - Kann ich nicht! Tut mir leid.“
„Dann lass uns ins Bett. Ich brauche dich!“
„Es gibt nur eine Sache, die den Dämon tötet, die Liebe.“
„Du bist manchmal echt lustig!“ Grinst sie mich an. Da ist sie schon nackt. Wie ich. Und ich sehe mich an ihr satt. Wie sie an.
„Ich nenne dich Pussy!“
„Heute darfst du alles...“
„Nach der Sache morgen werden sie über uns berichten!“
„Fernsehen auch?“
„All die miesen Schweine. Glaub mir!“

Für Filme Marke Heimkino empfehle ich euch die 3- Disc- Deluxe Edition mit dem Director´s Cut als Laser- Paradies DVD. So weit ich weiß, ist das die beste Version des Filmes, die man bekommen kann. Auch weil sie super saubere Bild- Tonqualität hat und die ungekürzte Version mit dem SPIO/JK Zeichen ist. Falls sich also jemand den Film kaufen will, rate ich zu dieser Edition. Und die Besetzung ist wirklich spitze, Woody spielt einen geisteskranken Psychopathen. Juliette eine abgefuckte Schlampe.

„Ey, habt ihr Süßen nicht gewusst dass ihr eure Pimmel nicht überall versenken könnt? Habt ihr bei eurer Toleranzwahl 'Islam' nicht gewusst wie extrem leicht ein eben noch voller Sack in der Hand vom Iman und seinen Leute wird? Wie locker der Kopf auf den Schultern ruht? Wie wenig Steine es braucht, um einen Schädel zu zertrümmern? Ey. Boys. Sagt bloß, ihr wolltet das nicht wissen? – Wirklich nicht? Na gut, dann wisst ihr es eben jetzt!“

Weißt du, die Medien machen die Typen zu Stars, das Publikum zu Kultfiguren. Sie werden Ikonen ihrer Zeit. Als Running Gag: Nur einer überlebt, all die anderen kommen in die Kiste. Ein Ratespiel auf eine Million Gewinn. Also, - wenn du willst.


Kein Tag ist wie der andere, wenn es brennt:

„Vergiss nicht, an meinem Fahrrad den Vorderreifen aufzupumpen!“

“ Der Isidor
Der Isidor
Der hat ein Ding wie ein Ofenrohr
Wie der Schuss auch kommt
Wie die Flanke fällt
Der Isidor
Der Held
Der hält “

„Du sagtest gestern was von Kindern?“
„Zeig mir erst die Handyfotos.“

“ Der Isidor
Der Isidor
Der hat ein Ding wie ein Ofenrohr
Wie der Schuss auch kommt
Wie die Flanke fällt
Der Isidor
Der Held
Der hält “

„Ich brauchte nur draufhalten!“
„Was haben sie gemacht? – Ich meine, - was haben sie in dem Augenblick gemacht?“
„Als ich schoss?“
„Ja.“
„Sie steckten gerade einen Dönerspieß auf.“
„Zu dritt?“
„Nein. Einer hatte den alten. Einer steckte den neuen auf - und einer stand daneben und bohrte in der Nase.“
„Der älteste von denen – wo war der?“
„Der stand daneben. Das war der Nasebohrer. Und das war auch der, dem ich deine Botschaft vorgelesen habe.“
„Hat er was gesagt?“
„Nichts. – Als hätte der mich nicht verstanden.“
„Und die anderen?“
„Haben beide geweint.“
„Und du?“
„Ich nicht. - Oder hätte ich heulen sollen?“
„Quatsch! Außerdem hätte das unter dem Helm sowieso keiner gesehen.“
„War ja auch keiner da...“
„Und jetzt – geht’s dir gut?“
„Das sollte ich dich fragen.“
„Familie, und dann noch solche“, sagt Grace, „kann man sich nicht aussuchen!“
„Wenn man selber nicht leben kann, sollte man wenigstens ein guter Zuschauer sein.“

„Wollen wir uns noch mal den Film reinziehen?“
„Klar doch!“
Handlung: Ein junges Paar befindet sich in einer Spelunke von Bar. Sie tanzt an der Stange. Während er an der Theke einen Whisky trinkt. Als ein Gast ihr einen Geldschein in den Ausschnitt steckt, tritt sie dem Mann gegen den Kopf und tötet ihn damit. In der folgenden Schlägerei erstechen sie und er alle Anwesenden bis auf einen, damit dieser die Geschichte ihrer Tat weitererzählen kann.

“ Der Isidor
Der Isidor
Der hat ein Ding wie ein Ofenrohr
Wie der Schuss auch kommt
Wie die Flanke fällt
Der Isidor
Der Held
Der hält “


Krass, der Schuss und die Stille danach:

„So einen wollte ich schon immer mal erschießen - die sind nicht so leicht zu treffen, sagte Mickey, - schon vergessen?“
„Trotzdem. - Es ist wie Krieg. Und Krieg ist völlig sinnlos.“
„Wahllos Leute zu ermorden ist sinnlos.“
„Jeder Mensch hat den Dämon in sich. Der Dämon lebt in uns, unser Hass ist seine Nahrung, Totschlag, Vergewaltigung, Mord. Er benutzt unsere Schwächen und Ängste - und es überlebt nur der Hass. Uns allen ist gesagt worden, dass wir verkommene Scheiße sind seid wir angefangen haben zu atmen, und nach einer Weile glaubt man es und wird richtig böse!“
„Du zitierst nur den Kram aus dem Film, das ist doch idiotisch!“
„Erinnerst du dich an die Psyche? An Dr. Munk?“
„Ja.“
„Und an Jimmi?“
„Auch.“
„Fandest du die beiden nicht echt krank?“
„Doch. Aber nicht mehr als uns. Sonst wären wir ja nicht da gewesen.“
„Schon. Aber immerhin sind wir abgehauen.“
Das Leben ist ein Film für Hartgesottene. Ein richtig harter, brutaler und blutiger Film. Und selten in dieser Form gesehen. Die Besetzung ist auch spitze. Die des Psychopathen. Der ist so verrückt und skrupellos, dass man es ihm voll abkauft. Und die andere da, - diese Irre. Grace. Ich glaube niemand kann diese Rolle besser spielen als sie. Als du. Grace. Und die Nebenrollen sind auch voll krass. Und übers Cast kann man sich auch nicht beschweren: sie morden, sie töten, sie schlachten brutal ab. Blut ist ihr Antrieb und Tod ihre Belohnung. Sucht ist es vielleicht, - auch Verlangen nach Glück. Ihr Ausdruck von Liebe, - einer diabolischen Leidenschaft. In ihnen herrschen die Dämonen, - sie sind die Dämonen, sie sind es: Grace und Mickey. Applaus. Applaus. Applaus. Sanatorium und aus!

„Meinst du, die Presse wird so über uns schreiben?“
„Später mal. Erst müssen sie ja die Typen finden. Und die dann zuordnen. Ich wette, sie tippen auf Nazis!“
„Oder auf die Mafia. - Mein Onkel zockte auf Fußball. Ach, eigentlich auf alles was rennt, schwimmt, geht und steht. – Hat er wirklich nichts mehr gesagt?“
„Nicht einen Ton?“
„Was für ein Idiot!“
Auf extrem satirische und bissige, nein, abgrundtief böse Art und Weise erzählt ’Natural Born Killers’ die Geschichte eines Pärchens, das sich auf brutale Art und Weise durchs Land metzelt – die dabei von den Medien verfolgt werden wie Popikonen, die gerade die Spitze der Charts erklommen haben.

„Mach mal bitte die Nachrichten an.“
„Du hältst es nicht aus, oder?“
Quotengeil, amoralisch und nur am großen Geld interessiert, macht sich die Presse den Hype des brutalen Geschehens zu Nutze. Wer ist hier also schlimmer?

’Heute morgen wurden in einem Döner- Imbiss in ... drei männliche Leichen ...’

“Der Isidor
Der Isidor
Der Held
Der hält“

„Siehst du!“
„Welcome home.“

’- there's a shadow just behind me,
shrouding every step i take - ’


Chemtrail:

„Was du tust, frisst du auch – irgendwie.“
„Die Realität sieht sicher besser aus als die Fotos“, sagt Grace. Und deutet auf das Handy mit den Bildern der drei. Toten. Ich sage nichts, denn ich liebe sie. Zudem wir die gleichen Antidepressiva nehmen. Immer schon. Die wir uns pünktlich um 17 Uhr gegenseitig in den Mund schieben. So schweißt uns die Zeit in die Pillen. Tritt der eben erlebte Tag in den Hintergrund. Freuen wir uns auf morgen.

„Einen Hund zu haben wäre nicht schlecht!“
„Kein Kind?“
„Ein Hund lebt nicht so lange. - Sollten sie uns mal kriegen.“
„Du meinst, das Leben ist dann vorbei?“
„Du nicht?“
„Ich werde darüber nachdenken.“
Über die Leere. Das Nichts. Die Tage mit Vorwürfen an die Nacht. Die ich mit gutem Grund im Schweigen vor mir gewarnt habe. Ich habe es sicher nicht laut gesagt. Sicher nicht. Ich habe es ’nur’ angedacht. Heimlich: Selbstmord! Weil ich meinen eigenen Geruch hasse. Auch jetzt noch. Nach 3 Jahren Therapie. Denn in Therapie war ich schon längst tot. Ich konnte die einander zudrängenden Seelen nicht ab. Die aus dem Kasten kommen. Und die in den Kasten gehen. Wenn die Luft explodiert. Und sie mich verlässt. Dabei vögeln wir echt gut miteinander. Doch vielleicht ist es das nicht. Und wir sind verdammt - handeln und zusehen gleichzeitig. Lieben und Verlassen. Das Wort und die Tat. Um dann alt und einsam (in sich) zu sein. Der laute Schrei in einem stillen Gebet. Mann! - Wenn ich das mal könnte.

„Soll ich dir mal was sagen, ja? Die miesesten Schweine werden uralt, Grace.“
„Ich weiß“, sagt sie, „wie mein Vater - von dem ich schon mit 8 sexuell belästigt worden bin. - Der wird der nächste sein!“
„Bist du sicher?“
„Hundert pro!“
Während ich am Laptop die Aktien von ’Bullen starken’ Ölschlämmen vergleiche. „Okay. Ich mach’s!“ Gibt es auf der Erde schon wieder die Pest. Den schwarzen Tod. Auf Madagaskar. 40 Opfer in 2 Tagen schon. Und es wird. Denn die Pest wird durch Flöhe auf Nagetieren verbreitet. Heißt: Pharmaaktien kaufen. Somit also bullige Aussichten für Bullen. Wer hätte das heute morgen gedacht. Dazu noch Ebola in Afrika. Auch damit rosige Aussichten am Markt. Also lacht man an der Börse, - müsste dabei aber weinen oder kotzen, weil es nicht zum Lachen ist.

„Ich hätte ihm gleich Rot zeigen müssen, sagte mir Jahre später meine Mutter - als ich ihr vorwarf davon gewusst zu haben. - Doch wie sollte ich den Alten stoppen? Ich war acht!“
„Und?“
„Ich überlege noch.“
„Sie ist deine Mutter.“
„Was du nicht sagst.“


24. nov. 2014 michaelkoehn