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In absehbarer Zeit wird beim kladde/buchverlag mein Roman ’Hinter meinen Augen jener andere Ort - Ich – Autist’ zum crowdfunding anstehen.
http://kladdebuchverlag.de/crowdfunding/
Und da der Roman dem kladde/buchverlag mit zirka 700 Seiten als abgeschlossen vorliegt, poste ich neue Kapitel zu ’Hinter meinen Augen jener andere Ort - Ich - Autist’ wieder in meine HP. Denn Autist zu sein hört niemals auf. Behaupte ich. Mit Grüßen. Euer Jimmi Asperger.


Die grandiose Welt des Autisten Jimmi Asperger 
------- (my nice obstruction Tagebuch) -------

An meiner Erkrankung nehme ich teil.
Munk will es so.
An meiner Depression nehme ich teil.
Munk bestimmt darüber.
An meinem guten Haben nicht.
Auch nicht an der Schwere und an der mittleren Schwere.
An meinem Sein.
Auf Grund meiner genetischen Veranlagung.
Sagt er.
Meiner lebensnotwendigen Heftigkeit.
Schon.
Doch die macht keinen Sinn.
Meint Munk.
Am eigenen Leibe.
Das beim Lachen sein Bauch wackelt.
Ambulant wie stationär.
Unmittelbar.
Dazu die entgrenzte Situation.
Durch zig Medikamente.
Dabei sind die nur eine Fiktion.
Wie alles.
Sagt Munk.
Auch Ihre Ich- Form pöbelt er.
Alles ausgedacht und konstruiert.
Wie die Äußerungen im Gespräch mit sich selbst.
Verstärkt durch Introspektion und deren objektive Notierung.
Eine rein dichterische Phantasie.
Sagt er.
Und das.
Die Leser es merken werden.
Denn in aller Regel produzieren Schriftsteller Fiktion.
Punkt.
Patientengequatsche.
Behauptet er.
Eine Literarisierung der tatsächlichen Bewusstseinsinhalte.
Sage ich.
Selbst wenn.
Es bleibt hinter der banalen Fassade die Psychose 4.48.
Na dann.

Ich öffne die Augen, - sehe eine Frau an meinem Bett. Blondes Haar. Roter Mund. Blauer Kittel. Lese in Höhe ihres Busens in Goldbuchstaben: Toxic. Die Frau scheint Friseurin, Krankenschwester oder Kneipenwirtin zu sein. Tippe auf Kneipe. Denn Toxic hält zwischen Daumen und Zeigefinger rechts eine Reval ohne, - fast Kippe geraucht. In der Linken eine Kornflasche, - noch bis zur Hälfte fett.

„Ist das meine?“
„Junge, du bist auf Null. Verstehst du?“
„Nein!“
„Bist auf Entzug, klar? Dich hat gestern die Feuerwehr mit 3,1 Promille eingeliefert; echt, du warst mächtig stramm.“
„Und?“
„Draußen ist das Wetter scheiße. Bleib also locker und leg dich zurück.“
„Und dann?“
„Bekommst du einen Schluck - musst aber aus der Flasche.“
„Geil wär’s, wenn du ne Kerze dazu entflammst!“
„Nebenan ist einer auf Crystal; ich sehe mal nach.“
„Lass die Flasche da!“
„Schon gut.“

Als sie mit einem anderen Typen und dem mir anstaltsbekannten Elektroschockgerät Marke Flipper zurückkehrt, klingelt zwischen Rippenbogen und Herz gerade das Telefon.

„Junge! Was machst du denn für Sachen?!“
„Mutter!“

Sodele. Doch auf ihre Suggestivfrage antworte ich nicht, - denn die Meinung der Masse ist mir schon lange egal. Schließlich bin ich aus Fleisch und Blut und kann ökonomisch denken. Warum und auf wen sollte ich also Rücksicht nehmen? Nicht nur deswegen lege ich den peinlichen Zugang zu meiner Seele sofort wieder auf.

„Wissen Sie, wer ich bin?“ Fragt der mit dem Flipper.
„Klar. Munk!“
„Richtig. Und Sie sind vom Ausgang nicht pünktlich zurück...“
„Bin ich doch!“
„Ja! – Mit der Feuerwehr - und total betrunken!“
„Und?“
„Sie haben mein Vertrauen missbraucht!“
„Und Sie missbrauchen mich - laufend!“
„Pionierarbeit... Ich leiste an Ihnen Pionierarbeit, damit Sie irgendwann mal wieder in Freiheit leben können.“ Flüstert er wie softy Eddie einst im 007 ’for ure eyes only’ - und ich muss über so viel Blödheit herzlich lachen. Obwohl ich – mir - ’das’ HERZLICH hätte schenken können. Und das SCHENKEN können auch. Das KÖNNEN... Weg damit. Weg!

„Ihnen wird das Lachen noch vergehen!“ Grölt Munk den Kontext, „Schwester Toxic... geben Sie Saft - volle Pulle!“ Und dann, als der Flipper brummt, merke ich meine Fesselungen.
„Daran können Sie ziehen, bis Sie schwarz werden“, geht Munk mit mir unter. Und ich werde mir im Rausch der Tiefe klar, dass der Homo oeconomicus deskriptiv – genannt Munk - in keinster Weise Bedeutung für mich hat. Und jemals haben kann. Denn es gibt kein Vertrauen, bin ich meiner Zeit weit voraus. Zudem lebe ich schon längst meine Erfahrungen und Erwartungen aus. Warum sollte ich etwas ändern? Und schon lange nicht jetzt; während meine Träume fliegen. Alle Zeit still steht. Menschen sterben, weil die sich um mich drehen. Ganz weit hinaus. Fällt ihr Leben. Die Farben der Nacht. Lebenslänglich, so wie du das sagst. Denn dabei denke ich an dich. Busen, Hintern, Gesicht. In dieser Reihenfolge. Weil: mehr brauche ich von dir nicht. Gefühl. Und ums verrecken tief in dir stecken.

„Lass uns ein Selfie schießen, während wir Liebe machen!“
„Okay“, lacht Toxic, „wenn ich hinter dir oben liege...“

Echt: Keine lacht besser über meine Witze als sie. Also: show me the way, baby! Und der Tag kommt. Wie Luft und Nächstenliebe. Perfekt für den Sommer draußen. Ein, zwei Bier und unter ihr chillen. Nichts, was es daran auszusetzen gibt. Schon der erste Re- mix ist genial, wenn nicht einer der Besten seit langem. Satten Beat darunter, Eier anmalen und es ist doppelt gut; Osterhase zieht mit einem klasse Re -back weg und ich will nichts weiter als verstrahlt auf’m Rasen liegen und geile Mucke hören. Perfekt. Wenn wir bloß Sommer hätten... Bei the way: Thank god u Doktor Munk fürs zur Verfügung stellen der Millionen Farben. Eins noch: gib den Tönen Freiheit. Summer Memories. Der Schere im Kopf. Time after Time. Give a name and starts with Z. Ich habe nicht ewig Zeit. Weißt schon.

Als sie mich abschnallen. Tage später. Höre ich Desert Island. Und bin gleich im Rausch. Weil meine Klamotten auf einem Bügel hängen und wie neu sind. Weste, Lederjeans mit Fransen, Halstuch. Magie, wie ein Essay von den Doors. Bass. Gitarre. Schlagzeug. In Perception. Wo das Revival besser ist als das Original. Wenn du verstehst. Orgel. Streichinstrumente. Drogen. Dieser historische Sound. Der es bringt, dass man sich revitalisiert. Jung und stylisch wirkt. Wie ich. Jimmi. Der auferstandene Pate des Rock’n Roll. Doch dazwischen wieder Munk - der ’’VOLL SCHULDFÄHIG’’ brüllt, als wäre er Sachverständiger im Prozess des beinamputierten Oscar Pistorius und ich hätte dessen Frau durch die Klotür erschossen. Wahnsinn, wie der Typ in seiner Angst nervt Füße und Wadenbeine zu verlieren. Ein oder zwei Hände. Seinen schrumpligen Penis. Das Skrotum. Und die Liste ist beliebig zu verlängern. Echt... der Kerl braucht selber einen Dachdecker. Himmel und Erde. Tür und Tor. Einen wie eine gute Frau, die schlecht über sich selbst unterrichtet ist. Dabei tut er oft so, als hätte er das absolute Wissen gepachtet. Als strömte er ein den anderen Irren unbekanntes Licht aus. Der Scharlatan. Taschenspieler. Hier sitzt er. Mitten unter uns. Was ihn einzig von uns unterscheidet, ist sein unbeschränkter Zugang zu Drogen. Beneidenswert. Ab und an habe ich deswegen Grund ihm dankbar zu sein. An anderen Tagen könnte ich ihn auf der Stelle umbringen. Die Linie und die Form. Die er ist.

Neulich, zum Beispiel, habe ich Munk von meinem Großvater (väterlicherseits) berichtet. Dass der ein von Heimatforschern beachteten 2Bänder über den ersten Weltkrieg geschrieben hat. Und Munk nichts weiter dazu einfiel als zu fragen: „Und, ist der was wert?“
„Im Antiquariat schon!“
„Was zahlt man denn so?“
„Das ist aber jetzt keine existenzielle Frage?“
„Für Sie vielleicht schon!“
Prima. Da treffen sich schon wieder Frieden und Konflikt; wobei meine Rolle leicht zu bestimmen ist, meine ich.
„Wollen Sie mir drohen?“
„Jede Zeit hat ihr Drama“, behauptet er, „und meinEs sind Sie!“
Wobei er das große E widerliche auskotzt: !MEINeS, kehre ich den Buchstaben um und gehe in mich mit kleinem ’e’.
„Klein ’e’, verstehen SiE?“
„Nein!“
„Gut, dann nehmen SiE in Gottes Namen ihren Bart als Eierwärmer und lassen mich in Frieden!“

Ich habe wirklich die Schnauze voll. Keine Liebe mehr. Ziehe mir das Original rein. Mein Leben in normaler Geschwindigkeit und mit Video, was bisher war. Und alles kommt super cool in Sound und Geschwindigkeit. Genau so muss es sein. Deswegen trinke ich auf mich. Uns. Die Armut aus Neid. Aus der im Ursprung Wut und Verachtung hervorgehen, - und das als geiler Ohrwurm. Wo jeder das Recht hat zu sein wie er ist. Auch Munk. Oder: rather be: “So lange ich bei dir bin, schlägt mein Herz weiter.“ Mal ehrlich: Das Schlimmste im Leben wäre ein verpasster Zug Richtung nirgendwo, oder?

Nach ’grins’ sex Wochen sex mit Toxic ’grins’, bekomme ich den Parkschein wieder. Vorab wollte Munk mein Tagebuch lesen. Ob von ihm was drinsteht. Steht natürlich nicht. Denn alles über ihn habe ich in meine Cloud gespeichert; ein Tätowierer im tiefsten SO36 hat mir seinerzeit dazu ein 3D- Port auf den Oberschenkel gestochen. Munk hält das für eine Rose. Der Idiot. Egal. Denn ich kann über meine ’Mörderspiel’ Spielkonsole dort endogen andocken und, was ich in der Nebenniere gespeichert habe, freigeben. Die Übertragung zur Cloud erfolgt dann drahtlos. Dazu coverte ich über StreamNation eine Shutter- App mit Verküpfung Social Media. Habe aber den Cloud-Speicher für die Kamera noch nicht aktviert. Es wird aber.

Im Park ist fett Grün angesagt. Gras. Eichen. Buchen. Sträucher. Ich. Auf meiner Bank. Die während meiner Abwesendheit Charly bewachte. Der Anstaltskater. Groß wie ein Puma. Und niemand weiß genau ob er nicht in echt einer ist. So wie der frisst. Mindesten zwei Kaninchen am Tag. Ab und an ein Lamm der Schafe hier. Deswegen hat Munk auch die Babyklappe schließen lassen, - unsere auffälligste Gemeinsamkeit. Genau wie Katzen - die Pumas sind - zu mögen. Sonst Nada. Im Augenblick. Von wegen Vertrauensverhältnis. Daran muss er noch.

Als ich wegen der gleißenden Sonne mit zusammengekniffenen Augen auf den unter der Cloud stehenden Baum (Buche) blicke, - mehrere Hundert Jahre alt werden so Dinger, sehe ich auf der von X- Edding- International gesponserten Wolke den hässlichen Schädel des Ex- DJ Jimmy Savigne. Dem Kinderschänder. Leichenficker. Leichenschänder. Kinderficker. Der vor Jahren von der Königin zum Sir geadelt wurde. Mein Gott... Mein Anstaltswikipediahandy spuckt erst widerwillig und kotzt dann: “Sir James Wilson Vincent Savile OBE, KCSG war ein britischer Discjockey und Moderator der BBC und anderer Sender. Geboren: 31. Oktober 1926, Leeds, Vereinigtes Königreich. Gestorben: 29. Oktober 2011 Größe: 1,74 m. Ausbildung: University of Leeds Eltern: Vincent Joseph Marie Savile, Fernsehsendungen: Celebrity Big Brother.”

Wenn man nichts tut, wird man verrückt. Ich tue. Mache. Seit gestern. Mache Kunst. Male. Bunt. Die Anstalt von oben. Wabengelb. Hellbraun. Vereinzelte dunkle Maja- Bienenstreifen. Wegen der Taille. Den Rest in Sommerfarben. Mit lebenden Bienen. Dicken Pollenbeinen. Honig daran. Dazwischen Munk. Als Drohne. Zur Abschreckung. Weil nicht alles schön ist im Leben. Deswegen sieht man seine Glatze leuchten. Das Loch von Schädel. Im Schädel. Schrecklich. Wie seine Gedanken. Die dort heraus pulsieren. Aus dieser ekligen Schwuchtel. Und dazu passt Savigne. Für dessen Vornamen ich mich schon schäme. Jimmy. Fasst wie ich: Jimmi. Auch schrecklich. Wie das, was er anderen angetan hat.

Auf Cloud 9 = (Cannibal/Ivory Wave) = tut (Doktor) Munk nicht, was man allgemein tut. Nie. Denn er war/ist da dann gänzlich anders; zeigt einen unglaublich harten, kompromisslosen Typen. Einen wie den hier, der meistbietend das Leben anderer Leute versteigert. Dazu fertigt er vorab akribische Bleistiftskizzen. Von Kindern, Männern, Frauen, anderen Tieren. Kunstkritiker loben seine Zeichnungen. Doch er kann auch anders. Mit Kohle. Buntstiften. Er schneidet mit fast stumpfen Messern Herzen aus Körpern um die mit der Post zu versenden; was könnte der alles mit einem scharfen Löffel anstellen?

„Der Typ ist ein Phänomen“, höre ich Munk über sich sagen, „soll ich dir mal was von ihm schicken? Das kannst du dann für einen guten Zweck versteigern!“ Leider kann ich die Antwort nicht hören. Liege aber weiter vor Munks Büro auf der Lauer. Und tatsächlich... ich merke es wieder, Munk ist kein gewöhnlicher Insasse. Er ist ein Doppel. Ein selten gewalttätiger Mann, dessen Handlungen dem Begriff "Intensivstraftäter" eine völlig neue Dimension verleihen. Der sich für seine Taten nackt auszieht, mit Butter einschmiert, um nachts mit Zorro- Maske und Blut schlagendem Herz in der Hand für ein Selfie auf der Anstaltskirche zu posieren. So entstehen cartoonartige Akt- Fotogemälde, die im Internet hohe Preise erzielen. Echte Munks.

Bei einer Versteigerung vor Publikum in einem Auktionshaus erster Sorte kam es folgerichtig zu Tumulten, dann zu einer Schlägerei. 5! Fünf kräftige Männer konnten Munk nur mit Mühe und Not stoppen. Was sicherlich an seiner Nacktheit in Butter lag, dass er denen immer wieder unter den Händen durchglitschte. Immerhin, am Donnerstag, den 16. Dezember, wird er 38 Jahre alt. 39 fitte Jahre davon hat er hinter Gittern verbracht, die meiste Zeit davon in Einzelhaft - in seinem Büro. Warum nur? Als konkrete Komposition führt er dazu die Trennung von den Großeltern an. „Ein richtiges Trauma“, weint er; gibt des ’Thetans’ traumatisches Erlebnis durch zwei Ereignisse vor Millionen Jahren.

In unregelmäßigen Abständen(mindestens einmal im Monat und immer morgens um 5) schockt Munk die Abteilung mit der Ansage: „Aspergers Mutter ist gestorben! Wer sachdienlich Angaben dazu machen kann, meldet sich sofort in meinem Büro!“ Barfuss, mit Hemd und Hose in der Hand renne ich dann los. Doch vor seinem Büro – und das ist nach 6 Millionen Licht- Jahren längst keine echte Überraschung mehr – stehen die Stationspatienten dicht gedrängt. Mit Faust- und Fußtritten kämpfe ich mich durch die Menge nackter Kretins (einige mit Hemd und Hose in der Hand - wie ich), stehe vor Munk.
„Asperger, Sie sind bei mir immer der Erste, egal wann Sie kommen!“ lächelt der, befiehlt: „Schwanz hoch! Vorhaut zurück!“ Drückt mir eine satte Dröhnung ’after eight’ in die unterste Penisspitze.
„So, das wär’s dann mal wieder! Der nächste bitte...“, grient er breitmäulig. Während Umstehende versuchen, mir die Hand zu geben. Manche mich küssen - wollen – und mir zum Ableben meiner Mutter gratulieren: „Ein Segen, dass die Alte endlich weg ist – was – Asperger?“ Ich darauf dann, wie jedes Mal, in meine Zelle sprinte um über das Anstaltstelefon Mutter anzurufen. Die ich nach dem obligatorischen „Junge! Was machst du denn für Sachen?!“ Bewusstsein frage. Um dann nach „Mutter! Du lebst?“ den Telefonhörer aufzulegen, - fest im Wissen aller schwarzen Zeit. Ich ahne, dass Munk als surrealistisches Voll- Fake sich erneut wie vergeblich, wie zuvor immer, um die vakante Position der internen Anstaltsleitung müht. Der dazu Akten fälscht. Identitäten. Augen und Stimmen. Gerüche. Zeit. Einzig, woher der die dafür nötige Menge ’after eight’ nimmt bleibt mir rätselhaft. Eventuell stecken ja doch die Scientologen dahinter? Denn ab und an hat er vor meiner 1.Person (und in mir Auge um Auge) mit seiner Freundschaft zu Ron Hubbarts ’King of Queens’ (wer kennt sie nicht...) geprahlt. Doch so oder so, er bleibt das alte Charakterschwein. Ob er nun der Tauglichkeit des Wissens vertraut, den fünf Säulen der Menschbildung, den kleinteiligen Verwinklungen der Welt - oder eben nicht. Egal, ich weiß seine Netzwerkangriffe abzuwehren. Habe dazu (heimlich) reichlich Silikon- und Nano- Software unter ’Julian Assange’ in meiner Start- up OpenStreetMap gebunkert. Da findet die keine NSA. Nicht mal ich.

In der Nacht zum 27ten fiel Musar/Kadir/Asar/Jawier/Arafat - wer weiß schon ob Kurde/Afghane/Iraker/Syrer/ Palästinenser usw. usf. - über die Anstaltsmauer der Klapse Deutschland.
Der plant, was niemand weiß, eine Geiselnahme wegen Uzi, Eiscreme und Gummipuppe. Musar /Kadir/Asar/Jawier/Arafat irrt dazu einige Zeit durch den Park. Öffnet mit einem Draht das Schloss, die Eingangstür zum Haus. Schleicht auf Station 3. Direkt in die Zugangszeile (mit Küche: Herd, Kühlschrank, Besteck, Stuhl, Tisch). Belegt eine Scheibe Brot mit Käse. Kocht Tee. Schlägt ein Ei in die Pfanne. Trinkt. Isst. Betet. Bezieht danach den Raum mit den 2 Betten. Von denen er sicherheitshalber beide belegt. Für Körper und Geist. Zum Schlafen. Zum Wach bleiben seiner Seele. Und die bleibt wach. Weil die es gewohnt ist. Wie seine Träume. Wünsche. Forderungen. Aggressionen. Doch die erst später. Tags darauf. Und fordernder. Aggressiver, als nachts. Wesentlich rigoroser. Und ab irgendwann brutal. So richtig Feuer frei. Doch das kommt erst noch. Später. Im endlosen Raum. In dem er mutterlos ist. Allein; in seinem sprachlosen Dasein. Das zudem ohne Vaterland. Und er nur mit der Hoffnung auf Glück. Mit allen Mittel. Unter allen Umständen. Ja. Komme was da wolle. Und es kam. Kommt. Gleich am Morgen. In Gestalt von Munk. Der den schwarzen Kater Leben- und Sein- lassen loswerden wollte. Seine Kopfschmerzen. Weil er die Fiktion Anstaltsleiter zu werden als letzte Chance begreift, - als die Flasche Birnenbrand leer.
In dem Zustand fällt ihm Musar/Kadir/Asar/Jawier/Arafat als Kurde/Afghane/Iraker/Syrer/ Palästinenser in die Hände. Gott Gnade Gott. Ihnen Beiden. Ob es Gott Gott aber unter die Haut geht?

Munk wird das egal sein. Er wird eine klinische Five Points- Studie (5 Säulen zur erfolgreichen Softwareentwicklung) am Mann starten, - nennt den: ’Kanaken’- Test. Einzig die Herkunft, also die Quellenlage macht den Test aufwendiger als sonst. Doch auch hier: was nicht passt wird passend gemacht. Also kreuzt er an: Der Patient wurde aufgeklärt! Munk unterschreibt dann schwungvoll, bevor er den ’Kanaker’ mit der Frage „Soll ich Sie mal richtig glücklich machen?“ hinterrücks nieder spritzt.
Mich fragt er, ob ich überhaupt wisse „dass Kanake Mensch bedeutet?“
„Sie fragen wie Adzärrt“ – ein zwangsirrer Typ aus der 4, der sich allen Scheiß über das Anstaltswikipedia aneignet und als eigene empirische Studie ausgibt. Ja. Gegen Adzärrt erklärt sich selbst Munk machtlos, der deswegen und immer öfter „Adzärrt ist und bleibt eine lebenslängliche Abart Mensch“ stöhnt, „über kurz oder lang werde ich Teile von dem zur Transplantation freigegeben!“ Gut so. Und. Schwamm drüber.

Hier geht es nun zur Begutachtung einer posttraumatischen Belastungsstörung. Und danach werden dem Namen zugehörige Schrecken gegeben. Doch es sind alles ’falsche’ Vorurteile. Denn bisher hat der ’Kanake’ nichts angestellt.

„Er könnte aber!“ Warnt Munk.
„Könnte... Wie Fahrradkette?“
„So Leute sind immer eklig. Irgendwie.“
„Sie müssen ihn ja auch nicht küssen!“
„Händeschütteln reicht.“
„Händeschütteln ist Sadomaso!“

Munk bloggt. Was ich bisher nicht wusste. Schreibt über Patienten. Über den ’Kanaken’. Wie mein Zimmernachbar mir erzählt. Und der wiederum hat es von seiner Schwester. Einem übergewichtigen Ding von 1,88 mit hübschem Gesicht. Seidigen Haaren. Die Tage wie Nächte am PC sitzt und immer fetter wird. Schimpft er. Wie ihre Mutter. Die online einen potenten Mann sucht. Und das ihm Menschen ein ewiges Rätsel sind. Ein einziges Problem. Eines Teils superintelligent. Dann wieder gewaltbereit bis zum Krieg. Normalität gibt es nicht. Bloggt auch Munk. Der Astronaut. Munk, ein Typ, der schon eine einzige Entwickelungsstörung an sich ist. Geprägt durch seine Kindheit. Als eines von 7 Geschwistern einer kleinbürgerlichen Familie. Mutter ’Mamo’ Erna. Vater ’Tato’ Heinrich. Eingedeutscht. Offensichtlich gibt es sonst nichts an Indizien, was auf ein Traumata hinweisen könnte. Jedenfalls konnte ich nicht viel mehr aus seiner Akte ziehen; Addi, von der 7, hat die gehackt. Mit Munks Bewerbung zum Anstaltsleiter. Erwähnenswert noch, dass ihn seine Mutter als er 11 war versehentlich mit der Ketchup-Flasche niedergeschlagen hat. Heute würde man es Missbrauch nennen; weil sie ihm danach...

Als junger Mann kam er ein, zweimal mit dem Gesetz in Konflikt. Als Student verprügelte er einen Kommilitonen. Grund unbekannt. 19XX wurde er für eine Nacht inhaftiert nach dem er eine Reihe parkender Autos demoliert hatte, mit einem gestohlenen Lastwagen einen Unfall provozierte. Fini.

Würde ich rauchen, ginge ich ab und an eine rauchen. 5 Minuten. Oder länger. Mich sammeln. Wegen des ’Kanaken’. Der immer noch kein Wort spricht. Sich auch nicht testen lassen will.
Neulich hat er wegen der Sirene vom Krankenwagen gezuckt, sich die Ohren zugehalten. Doch was soll das? - Keine Ahnung!

Ich habe ihm mein Malzeug gegeben. Erst passiert Stunden nichts. Dann zeichnet er zwischen eine Skizze von mir eine Art Gewehr. Als ich darauf deute, nuschelt er ’Uzi’. Der Test ist also positiv. Er ist ein Mensch. Kein Tier. Also kann er Gefühle zeigen. Und tut das. Als er nach Eddis Eis greift. Schokoladenkrokant. Daran eine Weile lutscht, um es auf den Boden zu rotzen. Um danach, in einer Zeitschrift, auf eine Frau zu zeigen und „Gummipuppe“ sagt. Ganz deutlich. „Gummipuppe!“ Dann „Uzi!“ Und an die 107 Forderungen stellt. „Sonst alle tot...“ Es sind ’White Lies’, weiß ich. Denn er sieht mir dabei nicht in die Augen. Zu denen ich „Voll schön!" sage. Worauf er mich anspuckt. „Du schwul!?“ - Siehst du! Ich habe das Haar in der Suppe gefunden. Du frisst es, ’Kanake’ = Ästhetik und Grundeinstellung. Schock als Kalkül. Terroranschlag 09/11. Zukunft ohne Rücksicht. Pläne und Taten. Die Welt in Explosion. Und Munk bloggt die. Der Verräter.

Nächsten Tag ist der ’Kanake’ weg. Addi weiß wohin. „Zum Ausschlachten! - Ich habe gestern ein Telefonat von Munk gehackt. Unser aller Mafiaboss braucht sein Organ. Und der ’Kanake’ hat eins...“
„Und den Rest?“
„Munk hat den Tiefkühler voll!“
„Gut so. War ja auch mal wieder Zeit!“
Dazu Bach. Orgel. Tatos Quadrat 1933. Eselschreie im Nebel, frisch aus dem täglichen Kleinanzeigenmarkt. Von wegen südlich der Zeit. Nördlich des Lebens. Kaum. Eher: tausche Geige gegen Schlagzeug aus dem Album ’A Child's Adventure’ von 1983. Du siehst also, mein letzter Schuss ist schon ewig her.
”Don't you understand, what I'm trying to say?
Can't you see the fear that I'm feeling today?
If the button is pushed, there's no running away…”
Barry McGuire – Eve of Destruction

Munk will die innere Gewalt durch äußere Gewalt unterstützen. „Eine Art Polizei – bei uns?“ Fragt Kaffkaa, ehemaliger Amateurfußballer. Bundesliga- Schiedsrichter. Wettbetrüger. - Frank Kafka. - Der am meisten bestochene Erbsenzähler der Liga. Drogenjunkie. Der nein sagt. NEIN! Der schwört: Ich bin und war nicht süchtig! Ich habe nichts genommen. Nie! Sieht man doch: Ich schwitze nicht wie ein Schwein. Bin nicht schlaflos. Und was ich atme, ist nicht schwer und voller Dreck. Nein. Ich täusche meine Leute nicht. Im Gegenteil: Ich liebe die. Und mache niemandem etwas vor. Ich bin ein guter Mensch. Wie ihr. Und außerdem habe ich Angst vor Spritzen. Richtig schiss. Was? Nein, meine Eigentumswohnung habe ich nicht verkauft. Und um dafür Drogen zu kaufen schon gar nicht. Metadon? 1000 Mal Nein! Ich habe auch meine Mutter nicht beklaut. Im Supermarkt Kaffee. Was? Je drei Päckchen links und rechts unter dem Pulli? Nein, das war ich nicht. Ich trinke überhaupt keinen Kaffee! Und ich bin auch nicht losgezogen und habe den Kaffee in irgendwelchen Kneipen verkauft. Und schon überhaupt nicht für 3 Mark pro Päcken! Das ist ja geschenkt! Gut, ich habe für ein paar Krümel Crystal mal 50 Mark genommen. Das ist wahr. Habe aus Mitleid Clenbuterol in Fitnessstudios vertickt... Was? Von wegen Therapie. Schwachsinn. Danach geht gefühlsmäßig rein gar nichts mehr. Ist man Zombie. Typ im Köperknast. Echt. Und der Entzug nimmt kein Ende. Wochenlang ohne Schlaf. Und die Schmerzen. Alles tut weh, jeder Muskel. Dazu Unruhe. Würgen. Krämpfe. Dann starb auch noch meine Mutter. Vor Kummer um mich, behauptet mein Bruder. Doch der will mich nur kirre machen. Kommt mich sowieso nie besuchen. Schreibt mir diesen scheiß, kack scheiß Brief. Dass er sie im Bad gefunden habe. In Litern von Blut. Vom Notarzt und Feuerwehr. Doch alles zu spät. Und ich sollte mal überlegen, was ich ihr angetan habe. Hätte. Und an Morgen denken. Über Schuld. Und das Leben nach dem Tod. An mein blödes Dasein. Mein Herz. Dabei sitzt die Droge in tieferen Teilen vom Hirn. Und das ist schon voller Narben. Wie die Halsschlagader. Mein Penis. Kaum drei Sekunden dauert es, bis das Opiat die Muskeln lähmt. Dann liegt man wie Trümmer im Sand. Ist aschgrau. In der Suche nach Zuflucht. Bei Gott. Taucht zeitlos ins Licht. Still wie die Erde. Erloschen. Das Meer. Liegt kaputt auf Ritze und Arsch, hobelt sich den Lack ab und wer weiß was noch. Seit Millionen Jahren schon. Diese große Leere. Der ausgeleierte Kubus. Kann keine Tasse mehr halten. Von wegen Kaffee verticken. Der Idiot. Und jetzt noch die Polizei. Schreit Kaffkaa. Ehemaliger wer weiß schon wovon. Und das kann nicht mal Munk erklären. Der König von Himmel und Erde. Der Doktorvater von Residuum. Der Mutter aller Blogs. Frag mal Beckett, rät er Kafka zum Spalter der Schädel. In Siebdruck. Halbleder mit Rückenprägung. Doch Munk will es nicht wirklich. Das mit der äußeren Polizei. And this is what we do.

Manche Handlungen gehen nach Pareto auf sechs verschiedene Klassen von Residuen zurück: and this is what we do. Glück zählt man nicht dazu. Nicht Munk. Denn Munk ist Despot. Psychopath, dem die Uhr anders tickt. Der handelt, wenn ihm die Situation unheimlich erscheint. Und Munk meint damit UNSERE Situation; - sollte auch nur einer von uns annähernd so was wie Glücklichsein empfinden. Rote Flecken auf den Wangen, zum Beispiel, kommen ihm da schon verdächtig vor. Dann reagiert Munk sofort. Wie bei Herbert. Denn Herbert hat welche. Feuerrot. Bis zum Hals. Dazu dunkelrote Ohren. - Mein lieber Munk! - Zudem war Herbert in den 70ern ein bekannter Politiker. Was die Sache nicht besser macht. Weil Munk Politiker wütender als wütend werden lässt. Solche Angesichte wie jetzt Herbert. Dessen rote Omme Munk zu Tabula rasa treibt. Als wäre er Kopf voran aus der anstaltseigenen Holzachterbahn gestürzt. Ein Teil, dass er ’seine Bekloppten’ vor 15 Jahren aus Streichhölzern bauen ließ, um damit im Buch der Rekorde zu stehen. Einen Todesfall soll es dabei auch gegeben haben. Einen Vergiftungsfall. Munk meint er könne sich nicht erinnern, dass jemand die Phosphorköpfe von den Streichhölzern beißen musste um die runterzuschlucken. Munk hält das für eine schäbige Verleumdung mit dem Ziel, ihm den Rekord streitig zu machen. Und nun noch Herbert. Rot wie ein von der Sonne durchglühtes Buchenlaubblatt, das der Wind über den Friedhof der Klapse peitscht. Und so voller Glück. Und keiner weiß woher. Zudem die Reifen seines Rollstuhls laufend im modrigen Boden versinken. Seine Lippen vor Anstrengung das Teil vorwärts zu bewegen lila glänzen. Fleckig sind. Die Haut blass scheint. Die Augen unter der dunklen Sonnenbrille trüb. Sein Atem schnell, rasend. Japsend schon. Eine Herzschwäche anzeigend. Einen akuten Sauerstoffmangel. Eine Erstickung. Eventuell dem Schal geschuldet, der sich in einer Speiche des Rollstuhls verfangen hat. Herbert aber nichts davon merkt, - weiter rollt. Weiter. Rollt. Nur weg! Wie in Nizza einst Isadora Duncan. Die sich bei der Anfahrt ihres Sportwagens das Genick brach, weil ihr roter Seidenschal sich in den Speichen des Karren verfangen hatte. Nun. Bei Herbert ist der Schal nicht aus Seide, sondern Lumpen. Höchstens Mohair. Und bei der Duncan war es kein Bugatti, wie man bis heute sagt. Nein. Es handelte sich um einen Amilcar CGGS. Genau mit einem solchen Sportwagen verunglückte 1925 in Le Mans Maurice Mestevier tödlich. Wovon Munk aber nichts weiß. Und wenn schon – der Ignorant. Denn der befiehlt mit sich überschlagender Stimme „Lassen Sie das!“ Als jemand Herbert zur Hilfe eilen will. „Hören Sie nicht: LASSEN SIE DAS! Sonst werden sie mich kennen lernen!“ Und Munk Herbert somit an seinen mittlerweile knallroten Apfelbacken krepieren lässt. Weil er dessen Wangenrot für Glück hält. Glück! Und nicht für den vom Körper befreiten heiligen Geist; Herberts atemlose Ode an Leib und Seele. Ja. Das war es dann mit ihm. Dem Herbertchen. Ehemalig Politiker. 67 Jahre alt. Anonymer Autist mit Anspruch. Elend gestorben im Garten vor dem Haus der von Gottchen gesegneten. „Denkt daran, Männer, was vergeht wächst nach!“ Ruft Munk. Läuft bei der Grabrede am Südtor zu Höchstform auf. Und ich sehe tatsächlich ein halbes Dutzend der Kretins zu solchem Schwachsinn nicken wie bescheuert. Ja. Es ist fast wie draußen. Bei der großen Verarsche auf dem Marktplatz. Wenn besoffen vom Wollen Wahlreden gehalten werden.

Noch mit 12 wollte Jack ’Jack the Ripper’ werden. Wegen des Vornamens. Mehr wusste er vom Ripper nicht. Doch sein Vater war dagegen. Also begann er mit Boxen. Wollte es von der Pike auf lernen. Dann Profi werden. „Sehr gut, Junge“, meinte sein Vater, „zielstrebig muss man sein!“ Da hatte der Alte fünf von seinen 15 Jahren runter. Und Jack konnte ihm von der in halblegalen Faustkämpfen erboxten Kohle ein paar Groschen für dies und das in den Knast schicken. Selber ins Mileau abgedriftet gab es Sound fürs zweite Ohr und ein drittes Auge. Frauen und Drogen. Drogen und Frauen. Mit denen er zum Hero wurde. Denn einen Rottweiler mit bloßen Händen zu töten, schafften nur wenige. Eigentlich niemand. Bisher. Nicht mal ich. Gratulierte sein Onkel. Der nach 8 Jahren mit 212 Mark 67 aus dem Knast entlassen wurde. „Raubüberfall. Hat sich nicht gelohnt. Aber du, Junge, du machst es richtig!“ Doch das Lob kam zu spät. Erreichte ihn erst in der Klapse. Nachdem er mit einem angespitzten Löffelstiel auf einen Polizisten eingestochen hatte. „Ich wollte nur meine Freundin beschützen!“ Es lag am Umstand, dass man diesen Mann weder behandeln noch brechen konnte. Wegen dessen Narzissmus. Der Paranoia. Dem weißen Kaninchen. Den Löwen im Glas. An denen er in Ratlosigkeit über sich selber erstickte, - als er in der Klapse eine Psychotante zur Geisel nahm. Und die heiraten wollte. Einen Hubschrauber nach Kuba verlangte. Einen mörderisch guten Fick. Oben. Auf dem Dach der Anstalt. Denn dort konnte er gut gesehen, aber schlecht abgegriffen werden. Und dort hatte er dann auch seinen Fick. Die Zeitungen waren voll davon. Fotos und Filme bis zum Abwinken. In ihren Berichten schwankten die schreibenden Killer zwischen Faszination und Abscheu. Vermuteten den unkontrollierten Wilden in uns allen. Das war für Jack eine gute Mischung fürs Ego. Und auch wieder nicht. Da er ein Mensch ist. Krank war. Der sich nie unter Kontrolle hatte. Und auch nicht kontrolliert werden konnte. Trotzdem wurde er als König der Dächer tituliert. Bis er Tage später sprang. Weil er Milde gegen sich gelernt hatte. Hobelspäne fraß. Und die Boulevardpresse berichtete, er sei nun keine Gefahr mehr.

„Ich hoffe, er kann im Himmel ein neues Leben beginnen, - bevor ich sterbe." Betete sein Vater. Während die Mutter stolz war. Weil es ihr Kind soweit gebracht hatte. In Zeitung. Und Fernsehen! Wer konnte das schon? „Ja, ich bin glücklich!“ Ihre Zähne im Wasserglas. Der Rest bleibt in der Luft hängen.

Der Krieg ist erst aus, wenn alle tot sind. So will es Munk. So wird es sein. Dazu stimmt uns Munk mit Erbsensuppe ohne ein. Stattdessen schimmeliger Speck in der Plörre. Worauf einige kotzen müssen. Drauf folgend die Untersuchung wegen Geschlechtskrankheiten. Bei Müller positiv. Dazu noch Sackratten. Munk lässt ihn wegen Wehrkraftzersetzung standesrechtlich erschießen und seinem Leichnam verwertbares entnehmen. „Für später. Man weiß nie, was kommt!“ Eine wunderbare Aussicht, wie Jünger dazu schreibt. Während in der Ferne Geschütze brummen. Die in time lauter werden als die Hornissen auf Madensuche in der angrenzenden Fasanerie. „Laden und sichern!“ Brüllt Munk wohl deswegen. Und schon wieder kotzen zwei. Tauchen ab in Fantasie, Wirklichkeit und real existierender Wahnsinn. Während ich mich an der Kaffeetasse festhalte. Andere zum Wein übergehen. After 8. Munk mit Zigarre. Der Snob. Ich sehe ihn in einem fünfzig Meter entferntem Erdloch mit Jünger schäkern. Die Notärztin sieht meine Kopfwunde und ruft hektisch: „Hier ist mit einer scharfen Waffe geschossen worden!“ Ich gebe das per Funk weiter. Munk zuckt nicht mal mit den Schultern; Jünger scheint ihm einen zu blasen. Meinetwegen. Der Typ kam mir schon immer psychisch angeschlagen vor. Und jetzt erst. Im Krieg. Zudem lungerte er viel zu viel in Krankenhäusern rum. Seine Mutter lag dort über Monate. Ist vor ein paar Tagen an Krebs gestorben. Kaum habe ich das gedacht ertönt Alarm. Die Kugel fliegt seitlich durch den Ausguck und trifft voll den Scheinwerfer. Ich stelle mich deswegen auf den Balkon, das Telefon in der Hand und warte dass Mutter anruft und ’Prost Neujahr’ wünscht. Oder der Papst. Urbi et Orbi. Bis mir die Augen zufallen und die Kniekehlen einknicken. Katczinky scheint den Anblick des Papstes mit den Blutresten und dem Verband um den Kopf besser wegzustecken. Als Kat später stirbt, gibt der Papst auf. Man wählt eine neuen. Bis dahin ist aber noch Gewehrreinigen, Unterricht, Appelle und Marschieren angesagt. Einzig Munk ist weg. „Eventuell auf eigenen Wunsch entlassen?“ Grient Müller. Und ich meine, das ist die Wut auf Munk, immer noch! Hinweis: Bei vielen Reizen auf einmal kann ich mich nicht konzentrieren. Wenn mich dann aber etwas schwer begeistert, kriege ich den Superfokus. Hopper sagt ähnliches über ’Cape Cod Morning’. Nämlich, dass es dem, was er fühlen würde, näher käme als manch anderes seiner Bilder. Doch er glaube nicht, dass es wichtig sei, zu wissen, was das genau wäre.

„ ...nun ja – auch das ist text (im thema) den ich oft las. Der von ungefähr - doch routiniert geschrieben. Jawohl. Hätte ich jenes textteil gearbeitet würde ich fürchten, jemand merkt an: gerne gelesen! Nicht nur das die sätze zu lang und die handlung und person(en)mir unterfrachtet: nein es ist im wesentlichen das fehlen von originalität. Leider weder geruch, geschmack und farbe in reihe nicht reichen. Lediglich klassisches future im morgengrauen mit un- oder sinntax rechtschreibschwäche, die ich zugehörig einteilen könnte. Schade! Fazit: im schlechtesten fall könnte es also aus jeder preußischen schreibstube sein, - der das fatale lob einfährt: gerne gelesen! 6, setzen!“

17. I. 1915.
“Den Tag im Graben verbracht. Nachts im Granatloch.“
Jünger – ’Kriegstagebuch 1914 – 1918’

22. IV. 15.
“Abends um 9 marschierten wir in unbekannter Richtung ab. Wir machten einen Marsch von über 30 km, der in einem Walde vor Verdun endete. Morgens um 6 waren wir angekommen und bauten Zelte.“
Jünger – ’Kriegstagebuch 1914 – 1918’

An meiner Erkrankung nehme ich teil.
Munk will es so.
An meiner Depression nehme ich teil.
Munk bestimmt darüber.
An meinem guten Haben nimmt nichts teil.
Auch nicht an der Schwere und an der mittleren Schwere.
An meinem Sein.
Auf Grund meiner genetischen Veranlagung.
Sagt er.
Meiner lebensnotwendigen Heftigkeit.
Schon.
Doch die macht keinen Sinn.
Meint Munk.
Am eigenen Leibe.
Das beim Lachen sein Bauch wackelt.
Ambulant wie stationär.
Unmittelbar.
Dazu die entgrenzte Situation.
Durch zig Medikamente.
Dabei sind die nur eine Fiktion.
Wie alles.
Sagt Munk.
Auch Ihre Ich- Form pöbelt er.
Alles ausgedacht und konstruiert.
Wie die Äußerungen im Gespräch mit sich selbst.
Verstärkt durch Introspektion und deren objektive Notierung.
Eine rein dichterische Phantasie.
Sagt er.
Und das.
Die Leser es merken werden.
Denn in aller Regel produzieren Schriftsteller Fiktion.
Punkt.
Patientengequatsche.
Behauptet er.
Eine Literarisierung der tatsächlichen Bewusstseinsinhalte.
Sage ich.
Selbst wenn.
Es bleibt hinter der banalen Fassade die Psychose 4.48.
Na dann.

„Was machst du denn da?“ fragt Heiermann
„Tagebuch schreiben.“
„Musik passt ja auch nicht zwischen 2 Buchdeckel!“
„Malerei?“
„Ich schon!“
Heiermann hält sich für ein Strichmännchen, das auf dem Kopf steht.
„Was schreibst du so?“
„Übers Leben.“
„Auch über mich?“

Heiermann ist Rentner. Um die 70. Einsam. Trotz Auto. Eigentumswohnung. Heiermann bewohnt die Wohnung unter mir. 50 Quadratmeter. Und. Heiermanns Dach ist meine Terrasse. Meine Terrasse ist Heiermanns Dach. Doch wir beide haben keine Probleme damit, dass ich ihm auf dem Kopf rumtrete. Wenn ich will. Denn Heiermann hört schwer. Auch seinen Fernseher. Was soll’s. Dennoch. Ab und an habe ich Probleme mit Heiermanns Heiermann. Zum Beispiel, wenn er 5 – 10 Mal am Tag anruft. 4 – 7 Mal an meiner Tür klingelt. Wegen Nonsens. Wegen NICHTS. Wegen immer gleicher Problemen, die IHN beschäftigen. Nicht mich. Obwohl er es wohl gerne so hätte. Probleme, die durch seine Beziehung zu seinen Nachbarn links und rechts geprägt sind. Zu Frauen. Mit denen er einst befreundet war. Sagt er. Nun. Heiermann leidet unter Bronchialasthma. Hustet. Und trägt ein Toupet – ich sah ihn noch nie ohne – bei dem Rost den Scheitel prägt. Jedenfalls sieht es zwischen den grauen Haaren verdächtig gelb aus. Könnte auch Schwefel sein. Pisse. Trotzdem. Das Teil rutscht beim Husten. Doch fragen werde ich ihn dazu nicht. Denn Heiermann erzählt mir schon ungefragt eine Menge anderer Dinge. Besonders von seinen vollschlanken Nachbarinnen links und rechts. Von denen die eine der anderen den Freund ausgespannt hat. Und es öffentlich wurde, als sie im Negligee durch den Flur sprang um dem Lover die klemmende Tür am Anfang vom Gang zu öffnen. Und genau das hat Heiermann gesehen; konnte den Heiermann gegenüber der anderen Dame nicht halten, die zur der Zeit im Krankenhaus lag. Heiermanns Telefonrechnung und sein Tablettenverbrauch (Valium) war entsprechend. Worüber er sich bei mir ausheulte. Zwei Tage später besuchte er mich mit einem Revolver in der Hand. Smith and Wesson. Magnum. Sportwaffe. 6 mm Luftdruck. „Dachbodenfund“, erklärt er. „Für 50 Euro können Sie die haben.“

Heiermann besucht regelmäßig den Friseur im Ort.
„Zum Haare schneiden?“ Frage ich.
„Was sonst?“ Fragt er.
Ich schweige taktvoll, nehme seine verrutschte Perücke nicht zur Kenntnis, blicke direkt auf seine hochgezogenen Augenbrauen, die sich mit dem Haaransatz verbunden haben - was er unbeeindruckt zum Anlass nimmt mir zu erzählen, was über ihn beim Friseur erzählt wird und was der Friseur ihm dann weiter erzählt. „Nur Schlechtes, seit ich aus der SPD ausgetreten bin“, nölt er. Und scheint traurig zu sein. Enttäuscht. Blickt haltsuchend, ergriffen in Richtung seiner Schuhspitzen. (Und ich bin voll bei ihm, denke: Hoffentlich weint er nicht! Und falls doch - was dann?)
„Dabei haben Sie doch so viel für den Ort getan“, versuche ich Trost zu spenden. „Nicht wahr“, antwortet er wieder voll auf Kurs, mir seine alten Neuigkeiten zum zigsten Male mitzuteilen - und grinst dabei neckisch. „Vor allem die Weltmeisterschaft im Steckenpferd reiten. Unvergesslich. Sogar die internationale Presse hat sich bei mir gemeldet. 70 Anrufe teilweise am Tag. Und an die hundert Telefonate nach dem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde. Ja, ich war schon berühmt...“ Glänzen seine Augen hinter der zerschrammten Brille. „Doch alles kein Wunder“, sammelt er sich dann, „schließlich besaß ich mal einen Reiterhof. - Ihr Nachbar übrigens“, wir stehen auf dem Hof vor meiner Wohnung und Heiermann deutet mit dem Finger auf die Praxis vom Tierarzt, „wollte meine Pferde nicht behandeln. Der sagte, ich solle mir jemanden anderen suchen, - er könne nur Rinder.“
„Nanu“, sage ich, „meinen Hund behandelt der aber schon.“
„Mag ja sein“, scheint Heiermann erneut pikiert, „aber wie Sie wissen, ist ein Hund kein Pferd.“
„Stimmt auch wieder. Aber sagen Sie mir bitte was eigentlich aus ihrem Pferdehof geworden ist?“
„Aus dem in Prödelsau oder dem in Pisselberg?“
„Beides irgendwie lustige Ortsnamen“, amüsiere ich mich.
„Sie sind ja leicht zu unterhalten“, meckert er, „ich habe Ihnen da mehr zugetraut.“ Und als ich schweige. „Die Pferde sind alle in der Konkursmasse gelandet. Bei wem auf dem Teller weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich aus Gründen der Pietät einige Zeit vollkommen auf Fleisch verzichtet!“

„Was machst du?“ fragt Heiermann
„Tagebuch schreiben.“
„Musik passt ja auch nicht zwischen 2 Buchdeckel!“
„Malerei?“
„Ich schon!“
Heiermann hält sich für eine Art Strichmännchen, das auf dem Kopf steht.
„Was schreibst du so?“
„Übers Leben.“
„Auch über mich?“

Heiermann ist und war der gute Onkel von nebenan. Pferdehofbesitzer. Ponyreiter. Bobonkäufer. Puppenspieler. Tränentrockner. Kinderschänder. Psychopath. Mörder. Menschenfresser. Name: Heiermann. Zelle 32. Doch noch ist Heiermanns Glück unverbraucht. Scheint die Unbekümmertheit des Daseins makellos. Noch ist der Tag, die Stunde nicht Nacht. Leidet sein Mut unter Ohnmacht. Ist der Hund Herr. Noch ist Zuversicht. Doch es wird. Je mehr wird. Wie das Recht auf Vergessen. Dass er im Schwimmbad die Umkleidekabinen auf der Suche nach jungem Fleisch plünderte. Boys. Girls. Egal! Bis 12 Jahre waren sie alle eine Herausforderung. Und manche noch darüber hinaus. Diese Pfirsiche. Mit blanker Haut. Die blitzenden Augen. Ihre runden Ärsche. Spitzen Mäuler. Engen Löcher. Wenn man den Blick von oben hinein tut. Wie sie unter der Dusche singen. Ihre nackten Körper mit Streifenmuster. Waschen. Diese wunderbaren Bilder auf dem iPhone. Den Saum in die Höhe. Ihre blanken Schniepel. Von ihm arrangiert. Und zum Küssen nahe. Ob um 10 Uhr morgens. Mittags. Nachts. Es passt überall. Wie ihre Locken. Ihre Haare, in einem Schränkchen zusammen mit den Fotos. Um nichts zu vergessen. Den Geruch. Ihren Geschmack. Um sich an jeden Bissen zu erinnern. Den kleinsten Schrei. Davor und danach. Jedes Wort. Das in sauberer Ästhetik konserviert. Ein Zeugnis für die Ewigkeit. Ein gutes Dutzend waren es. Oder mehr? Denn auf eins schichtete er gleich ein neues. Einmal 3 Stück am Tag. Eine grauenvolle Serie. Schrieben die Zeitungen. Platzte es aus den TV- Geräten. Doch wenn die wüssten. Von Munk. Das die Saison lange nicht passé. Das Munk ihn duzt. Und über die Zelle 32. Und.

Typen wie Heiermann erinnern mich an Patrick. Bateman. Den ich einst auf dem Flughafen Tegel mit Sekundekleber ans Klo nagelte. Ältere unter ihnen werden sich eventuell daran erinnern. Immerhin war ’American Psycho’ in Deutschland lange verboten. Jetzt kehrt er zurück, um gemütlich auf der Fanmeile Fußball zu gucken; dass ich nicht lache. Der sucht sein zweites Leben. Glauben Sie mir, der Idiot weiß immer noch nicht wer er ist. Echt. Das müsste mir mal passieren. Diese Leere. Die man durch Füllungen der Nase, durch glitzernde Fassaden verbirgt. Durch Sex mit Gewalt. Mit Mord kompensiert. Mit Exzessen. Im Blutrausch. Bis man zwischen Realität und Phantasie nicht mehr unterscheiden kann. Und die gepaart mit der Oberflächlichkeit der gestern wie heute tief verdorbenen Schickimicki- Gesellschaft. Dagegen hatte die alte Koksnase Bateman es seinerzeit traumhaft leicht. Heute muss man ein harter Hund sein. Clever und durchsetzungsstark. Bateman reichte eine milde Persönlichkeitsstörung (z. B. sanfte Zeitlupe, zartes Schwenken, rosarotes Heranzoomen etc.), um Kult zu werden. Heute lacht alles bei dem Satz: „I must return some videotapes!“ Schlimmstenfalls werfen sie dich, also mich, aus der Klapse. Für mich würde das den größtmöglichen Gau seit meiner Einschulung bedeuten. Gut „this is not an exit“, sabbelt Pat am Telefon. Und doch. Da schreiben einige Leute ihre Studienarbeiten von und fragen dann, ob einem die Vorschau gefallen hat. Ey. Was soll das denn, Mann? Dann lieber am Nierentisch meiner Eltern wieder mit Mona schäkern. Immerhin war Mona die erste, die mir unter dem Tisch eines Restaurants einen geblasen hat. Es gab Pekingente. Ihre war allerdings kalt und sie hat die ihrer Katze. Verständlich. Wer tauscht schon nach meiner Luxusnudel kalte Ente für eine chronische Depression? Mona hat kurze Zeit später ihren Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bestanden. 1.000 Prüfungsfragen ohne Fehler; obwohl sie sicher lieber mit mir... Das nenne ich absolute Zielstrebigkeit gepaart mit Konzentration. Irgendwann ist mir Mona dann beim Bettenmachen abhanden gekommen. Noch Monate danach hing ihr Suchfoto an den Bäumen. Sogar XYZ fahndete im TV. Doch leider. Nichts. Und ich muss über Batemans Satz „I must return some videotapes!“ lachen. Denn heutzutage muss man in keine Videothek mehr. Die Typen der Zeit liefern was man braucht per App gratis ins Haus. Einen kostenlosen Fick am Handgelenk, sozusagen. Ey. Wenn das Bateman wüsste.

Auf den Wällen der Gräben im hinteren Teil der Anstalt liegen die Aktivistinnen dicht an dicht. Sie schießen seit heute früh auf alles, was die Straße zur Kapelle hin überquert. Wer von da weg will bleibt dagegen unbehelligt.
„Scheint ein Feldzug gegen Gott zu sein“, mutmaßt Halbbäckchen. Schmitt. Mit doppeltem- t. Der über Jahre mit seiner Mutter ein Inzestverhältnis lebte, bis er sie erwürgte.
„Gott ist überall!“ Plappert Heiermann überzeugt. „Also kann der Krieg überhaupt nicht gegen Gott gehen!“
Echt. Manche Argumente erinnern mich fatal an Leben und Leben lassen.
„Was sagst du denn dazu, Jimmi?“
„Katzenkacke!“ Denn was bedeutet schon ein Krieg in seidenem Bettzeug mit Gardienen vor den Fenstern, - geführt von flachbrüstigen Frauen mit grünen Haaren frisch aus dem Rosengarten; was ist, wenn denen die abgetriebenen Früchte direkt in den überreifen Schoß fallen? Klar. Eine Liebe ist am Anfang immer wunderbar. Und am Ende traurig. Je nach dem ob man verlassen hat, oder verlassen wurde...
Dann erkenne ich Mimi unter den Amazonen. An ihren Brüsten. Den blonden Rattenhaaren. - Mimi und ich lernten uns einst auf dem Mardigra kennen; dem berüchtigten ’Fetten Dienstag’. Die damals schon etwas angestaubte Party lief zu Ehren von Alfredo Breton. Und wohl auch deshalb sah man zu 2dritteln Surrealisten die wie ich, das Drumherum nur im Suff mit Hanfanteil ertrugen.

Mimi trug an einem Lederband um den Hals ein Feuerzeug in einer Lederhülle, das mit Indiokunst bemalt war. Ich hatte die Zigaretten dazu. Gauloises. Filterlos. Und blauer als ich. Doch nicht deshalb glotzte ich ihr auf die Möpse. Mir ging es zum Kotzen beschissen. Zudem lief Gloomy Monday im Hintergrund. Und Stunden später war zwischen uns beiden nicht mal mehr klar, wer sich in wen verliebt hatte. Ich behaupte heute noch das Feuerzeug in die Zigaretten. Wegen der Bläue. Während sie meinte, es wäre das Bier im Champagner gewesen. Wie auch immer. Man muss rechtzeitig loslassen können sonst schmeckt beides fad und abgestanden. Doch im Gegensatz zu ihr, vermute ich, habe ich länger an unserer rasch gescheiterten Beziehung gebissen. Allerdings rätsele ich jetzt, im Moment, warum sie auf mich schießt, - denn sie hat den Stellungskrieg doch längst gewonnen. Egal. Denn laut Munk fällt mir als sein Prospect die wichtige Aufgabe zu die Amazonen- Soldaten, die sich inzwischen tief eingegraben haben und wohl dadurch eine relative Sicherheit spüren, zu zwingen die Gräben zu verlassen und über offenem Feld anzugreifen. - Ich glaube, ich spinne!
„Holz schlägt Aktien und Gold!“ Brüllt Mimi.
„Sofort kaufen!“ Überschlägt sich Munks Stimme. Und ich fühle mich mal wieder im Fest der Sprache und Fantasie auf den Pott gesetzt.
„Vorsicht Falle, Bruder.“
„Prost und. Amen!“

In einem Zelt neben dem neu eingerichteten Ponygehege an der Nordseite vom Areal, findet der Anstaltsgärtner Jakob Heiermann. Tot. Skelettiert. Mit gebrochenen Rippen. Offenem Brustkorb. Ohne Herz. Mit. Wäre er nicht skelettiert. Dafür ist Munk endlich die krankhaft blauen Lippen los. Fehlt ihm der Blutbeutel, den er über Monate an der linken Hüfte trug. Erzählt er, dass er (Herrscher und Alleswisser von Gottes Gnaden) bei der Obduktion von Heiermann festgestellt habe, dass der verhungert sei. Der wollte nämlich, wie (angeblich) in einem Brief steht den man neben seiner Leiche fand, wieder Ponyreitunterricht geben - und müsse dazu dringend abnehmen. Sagt Munk.

„Und das fehlende Herz?“
„Wölfe! – Eindeutig!!“ Behauptet Munk.
„Wir haben in Australien deswegen schon ein halbes Dutzend patagonische Wolfshunde bestellt. Die werden in Zukunft die Anstalt beschützen.“ Doch es kommt noch besser. Denn.
„Jeder von Ihnen, meine Damen und Herren erhält zusätzlich eine persönliche Drohne zu seinem Schutz.“
„Wie soll das denn bitte gehen?“
„Ganz einfach. Wenn Sie das Haus verlassen, vorausgesetzt Sie besitzen einen Parkschein, aktiviert sich die Drohne und begleitet Sie auf Schritt und Tritt. - Und auf dem Bildschirm in meinem Büro wird jede Handlung registriert.“
„Und wenn Sie mal nicht im Büro sind?“
„Dann schlägt das System Alarm. - Und im absoluten Notfall kann das System Sie auch verteidigen!“
„Können Sie das näher erläutern?“
„Fast unsichtbar an der Drohne befinden sich 2 Tomahawk ’cruise missile’ Marschflugkörper. Die schlagen garantiert jeden Wolf in die Flucht.“ Schwellt Munk stolz die Brust. „Und wir haben die wirklich günstig beim Pentagon geschossen.“

Dazu schwelge ich in Phantasien. Bin schon beim nächsten Ausgang, - mit einem Marschflugkörper als Begleitung statt dass mir Mohnblumen aus der Brust sprießen. Der Himmel. Der nun vergeblich in feinem Blau mit roten Rändern. Dafür feldgrau - die Drohne über mir. Deren satte Selbstsicherheit in Stil und Wesen. Die sich nicht mal vor meiner frisch tätowierten Glatze fürchtet. Nehme ich an. Dafür Revolution und Krieg überall. Und ich mit der Drohne mittendrin. Und die mit getürkter Gewissheit von Sicherheit und Wohlstand. Dazu am Tor dann Munk. Der in Taumel und Verzückung schwelgt.
„Sie sind der erste, Asperger, machen Sie uns keine Schande...“
„Und wo ist mein Handy?“
„Was wollen Sie denn damit?“
„Mutter anrufen...“
„Keine Sorge, das macht die Drohne für Sie.“
„Die Drohne telefoniert mit meiner Mutter?“
„Damit, lieber Asperger, kann man sogar Schreibmaschinen bedienen.“
„Auch meine Seele?“
„Ganz wie Sie wollen. - Sagen Sie, haben Sie ihrem Gefährten überhaupt schon einen Namen gegeben?“
„Orwell... Ich taufe die ganze Welt ORWELL!“ Dabei hatte ich bis eben noch Tapetenträume. Wollte mir die Bude neu einrichten. Und das mit einem Blick auf Luxus und Wohlbehagen. Doch.
„Wenn Sie wieder da sind“, skandiert Munk unbeeindruckt von meinem Wunsch nach Orwell, „wird das Karussell schon restauriert und am Grand Place de Irritation aufgebaut sein.“
„Sie sollten es Huxley taufen!“ Schlage ich vor.
„Eine prima Idee, Asperger: Huxley. Wirklich zauberhaft!“

Ich habe meine Heimat verloren, ohne je eine gehabt zu haben. Doch das ist halb so schlimm, denn ich bin Dramaturg. Asperger- Autist. Und manchmal denke ich es regnet, obwohl es regnet. Ein Andermal schneit es Schnee. Obwohl es Schnee schneit. Und manchmal ist nichts Nicht. Nacht. Und dunkel. Obwohl.

Ab und an schalte ich deswegen meine Lebens- Leben- Flamme auf Standart. Gehe mit geschlossenen Augen, wohin der Wind mich treibt. Dazu singe ich tonlos. Schlafe. Träume, ohne einen Traum zu haben. Bin bei dir, ohne dir nahe zu sein. Ich hätte ja auch ohne Buchstaben schreiben können. Zum Beispiel: 'Unheilig aber Blödsein hat auch keinen Preis'. Doch dann rückt mir eventuell dieser kahlköpfige Sänger auf den Sack. Nein, nichts gegen Russen und Atzen auf den Hügeln der Krim. Mein Vater war ja immerhin auch schon mal da (SS- Division was weiß ich). Ach. Ja. Es gibt Beispiele, Väterchen Frost. Fauser wäre übrigens 70... Der Stint. Ich mochte ihn. Und was er schrieb.

Eben fand ich was für ein hygienisches Projekt zum Nachbauen. Mit ein paar Sensoren und einem Arschdildo kann man einen Alarm auslösen, wenn jemand ohne gewaschene Hände das Klo verlässt. Für die Umsetzung notwendig sind lediglich Pissbeckensensoren für die Wasserleitungen an WC- und Waschbecken, ein Arschdildo (wie gesagt) und ein magnetischer Black- Read- Schalter an der Klotür. Vorgang: Die Piss- Kack- Backensensoren messen anhand von Klo- und Becken- Vibratoren, ob sie genutzt wurden. Ist das für beide positiv der Fall, bleibt der Alarm aus. Wird aber lediglich die Wasserspülung der Toilette benutzt, löst der Black- Read- Schalter beim Öffnen der WC- Tür Alarm aus. Ich habe mich dabei so erschreckt erschrocken, dass ich mir satt in die Hose schiss. Shit happens. Ich bin zudem, um perfekt die Fahne einzuholen, einfach zu langsam. Shit happens too. Und weißt du was noch hast mein Junge: NERVEN! Sagt Großmutter nun wieder. Pffft. 

Pervitin. Sagt Mutter. Hilft dir aus dem Loch. Junge.
„Macht das Zeug nicht ein blasses Gesicht. Und ohne Zähne. Versaut die Haut. Und?“
Du bist hier auf dem Friedhof. Junge. Da kannst du ruhig lauter reden!
„MACHT DAS ZEUG NICHT...“ Ach. Scheiß drauf!

Pervitin. Sagt Mutter. Hilft dir aus dem tiefsten Loch. Junge.
Hatten schon unsere Soldaten. Die tapferen Jungs. Und du. Du willst doch auch ein tapferer Junge sein?
„Werden Mutter. Werden!“

Flugschreiber, lese ich auf einem Grabstein, sind robustes Zeug. Die überleben jeden Passagier.

„Weißt du, der Blues wird niemals sterben!“
Sagt wer?
Veronal. - Damit schläfst du wie in Gottes Armen.
Amen.
Wenn du aber leben willst. Leben. Lieben. Liebe spielen ohne zu sterben. Dann hilft nur trinken. Trinken. Saufen. Rauchen. Drogen. Frauen - manchmal. Meist verkürzen die aber alle Prozesse um über die Hälfte. Also. Lieber trinken. Trinken. Saufen. Rauchen. Drogen. Um wenigstens schöne Erinnerungen an schlechte Tage zu haben.
Hört sich an wie ’besser als nichts’.
Besser als nicht trinken.
Nicht saufen.
(...)
Die Not ist groß: be happy!

Rokko II hat Orwell mit einen neuen Motor und einem leisen Lüfter aufgepeppt. Erst flog das Teil damit ruckweise rückwärts, wie ein gestörtes Fernsehbild, doch dann hat ihm Rokko über die Cold War- APP einen atomaren Schock verpasst. Seitdem fliegt die Drohne seidig. Und hört aufs Wort. Rokko meint, ich könnte mit dem solchermaßen getunten Teil sogar Flugzeuge vom Himmel schießen. Mal im Ernst: Wer will das schon?

Augenblicklich sitzt Orwell in Höhe von plus - 60 m auf dem First vom ’langen Jammer’ und pennt. Energie sparen/d.

Mutter ist 1968 hier her gezogen. Eingewiesen, kann man sagen. Sie wohnte vorher in einer Laube am Wilhelsmruher Damm, die zu Bauland wurde. Eine Laube, Bauland, stell dir mal vor.
Mutter zog dann mit ihren 6 Hühnern, einem Hahn, zwei Enten und Ziege Emilie in den ’langen Jammer’. Der am Stück 1.000 m lang ist. Damit längster im MV = ’Merkwürdiges Viertel’ in Berlin- Reinickendorf. Und Mutter unters Dach. In den 18ten Stock. Ihre Viecher musste sie allerdings abschaffen. Wie auch all die anderen Kleinbauern aus Reinickendorf ihre geile Idylle Viehzeugs, mit denen sie zusammen eine Sozialtraum- Wohnung bezogen haben.

Nach meinem ersten schweren Unfall und der dadurch notwendigen 2ten Geburt, hat Mutter mich von Emilie säugen lassen. Der Bauer um die Ecke, dem Mutter Emilie zwangsweise überlassen hat, verfütterte sie an die Schweine. - Der Typ wurde mein erstes Opfer. Von wegen Schweine fressen alles.

Ich bin im MV auch zur Schule gegangen. Wurde (anders) kriminell als die Meisten. Doch das merkt man nur noch wenig. Mehr merkt man den Einfluss Klapse. Munks Ausfluss vor allem. Ja, Munk färbt irre ab. Auch jetzt. Wo ich in Urlaub bin. Denn von Bonnies Ranch bis ins MV ist nicht weit. Orwell schafft das in 5 Minuten. Wenn er langsam fliegt. Ob Munk das weiß?

Der Jammer ist inzwischen neu angestrichen und in ’Champagner-Burg’ umbenannt worden. Und Mutters ehemaliger Nachbar Horst Mahler verrottet seit Jahren im Knast. Ulrike ist sogar tot. Sido noch da. Ich mag seine Musik nicht. Dafür kann ich mit Kopfstand auf der Balkonbrüstung durch die Straßenbäume hindurch genau den schwarzen Fleck auf dem Asphalt sehen, wo neulich der Wohnwagen mit den zwei Typen drin verbrannt ist. Bankräuber. Nein. Nazis. Sagt man. Ultra- Rechte- Mörder, liest man. Dabei sahen die beiden reichlich normal aus. Und die Freundin der zwei, Rosi, ging in meine Schule. Klasse tiefer. Oder so.

Inzwischen sitzt Rosi, die sich Beate Zschäpe nennt, im Knast. Ob neben Mahler weiß ich nicht. Im Gegensatz zu ihm soll sie ihre Wohnung in die Luft gebombt haben. Dabei war sie ganz woanders, sagt sie. Und ich kann das bestätigten. Munk auch. Doch der sagt nichts. Und ich darf nicht. Rechte Gesinnung. Boah. Oder NSA. NSU. BND. STASI. FBI. BRD. BILD. ZEIT. ARD. ZDF. Bundestag. Was man so alles fressen muss: Scheiße.

Mit Rosi und den 2 Bankräubern wird mächtig Presse gemacht. Terroristen. Rechte. Extreme. Nazis, seit Jahren. Im Osten. Im Westen. Wehrsportgruppe - und so. Heißen bis auf Rosi beide Uwe. Und sollen 8 Türken einen Griechen und eine deutsche Polizistin erschossen haben. Eine Reihe Sprengstoffanschläge. Dazu sind die im ganzen Land rumgekarrt. Kaum zu glauben. Denn niemand hat den Terror richtig mitbekommen. Da war die RAF schon eine ganz andere Nummer. Von wegen unbemerkt von der Öffentlichkeit Döner- Gemüse- Zeitungshändler und- so weiter zu erschießen. Doch diese Kleinunternehmer sollen, munkelt man in Reihen der grauen Wölfe, ganz anderen Betätigungsfelder gehabt haben. Na- ja, was man so schreibt, schreibt die Presse. Jetzt hat man ja ’die’ Nazis - als Schuldige. In einer neuen Dimension von stillem Terror. Auch wenn es im Nachweis schwer wird. Weil die ja tot sind. Selbstmord. Angeblich. Und Rosi nichts sagen will. Der BND. Die NSA. Die ja eigentlich alles wissen. Auch was die Kanzlerin zu Mittag hatte. Da fällt mir eben Gustl ein. Und was man an Wahrheit biegen kann. Denke an den Haufen Leute, die unschuldig in Psychiatrie und Knast sitzen. Manche Lebenslänglich, bis sich ihre Unschuld herausstellt. Einige Leute sollte man besser überhaupt nicht kennen lernen. Müssen. Gutachter. Staatsanwälte. Richter. Presse. All die Totschläger, die totschlagen. Mit jedem Wort. Durch jede Handlung. Ob man am Boden liegt. Oder. Egal, immer weiter. Immer mehr. Feste drauf. Doch irgendwann wird man auch die los. Und wenn man will - für immer. Auch wenn ab und an die ’Kalypse’ singt. Zudem muss man auch nicht jeden seiner Schritt erklären. Das Leben besteht schließlich aus Leben leben, in dem Fehler fest eingebaut sind. Nicht aber Rechtfertigungen. Auch deswegen ordne ich meine Gedanken. Rufe Orwell. Und der fliegt - Zentimeter dicht - über das Brandmal auf dem Asphalt; kann in Orwellscher Manier die Zeit zurückdrehen. Zeigt mir die Straße von vor Tagen. Bäume. Sträucher. Menschen, die müheselig und beladen. Bellende Hunde. Kinder, die fröhlich springen. Autos. Radfahrer. Den Tag im Staub. Den Wohnwagen in weiß. Und in Rot entdecke ich den Herzschlag der 2 Typen auf Mountainbikes, aus den Minuten später im Bludruck 200 – rasch abnehmend - literweise Blau das Blut läuft. Nun gibt es ja Fälschungen nicht nur im Krieg. Sondern besonders in der Liebe. In der Kunst. Denn der Meister will immer mehr. Auch wenn er verächtlich Tod aus Deutschland geschimpft, der den aus der Milch von schwarzen Stunden gebiert. Fast wie ich. Doch eins bleibt: Das Wahre ist immer auch das Unwahre. Und wer vor dem Spiegel steht und reinschaut, schaut auch raus.

Holunder muss man mögen. Wie man unbeschadet eine Grapefruit schält. Doch beides lenkt mich nicht davon ab zu sehen, wie Polizisten Leichen stapeln. Während mir Mutters Nachbarin erzählt, sie hätte, bevor der Wohnwagen explodiert sei, einen Mann weglaufen sehen. Und das 2 Polizisten gegenüber vom Wohnwagen in einem Polizeiwagen gesessen und geraucht hätten.

„Aber mal im Vertrauen“, flüstert sie mir ins Ohr, „richtig unheimlich wurde es als keine Stunde danach zwei Männern bei mir klingelten die mir befohlen haben, dass ich bei einer Befragung sagen SOLL absolut nichts gesehen zu haben!“
„Sonst?“
„Sonst würde ich sterben, - wie ihre Mutter!“
„Wie meine Mutter?“
„Ja! - Genau das haben die gesagt!“
„Wissen Sie noch wie die aussahen?“
„Nein. - Wie 2 Männer eben!“
Sie aber heftig nickte, als ich ihr mit der Frage „so wie der da“ ein Foto von Munk zeigte. „Ja! - Und so wie Sie. Wenn sie einen Anzug tragen würden!“
„Wie ich?“
„Ja!“

Wenn man lebt, lebt man immer an den Grenzen der Welt. Narr oder Elite. Unten wie oben. Und wenn man will - und kann - gelingt es kuschelig und konfliktfrei. Doch für einen denkenden Menschen ist das die Hölle. Sagt schon Phettberg. Oder Handke. Oder beide? Und man schmiedet Fluchtpläne. Flüchtet in den Sadomasochismus. In den Suizid. Oder wird schwul. Zumindest DAS! Um dieser sterbenslangeiligen, scheinheiligen Scheiße Leben zu entkommen. Dem Müll von Lebenslügen. Den Spießern. Und.

Die Schlacht ist geschlagen. Ich reiße mir einen Baum aus und fresse ihm die Weisheit aus der Rinde. Sofort werden meine Nächte plüschiger. Die Tage. Samt. Klingt meine Not wie 12 Years A Slave von Coldplay. Mit dem man Barrikaden abbauen kann. Die zumindest reduziert, abspeckt, das Tempo negiert. Eine Art melancholische Wahrheit entsteht, genannt ’White Flag’, die beim Onanieren keine Fragen aufwirft und mich den Rotz - wie von Gott befohlen - in Ruhe aus dem Fenster spritzen lässt. "Life can little more supply/ Than a few good Fucks, and then we die." 

Das Glück liegt im Vergessen. Im Gewesenen. Auch Mutters Nachbarin leidet unter beginnender Demenz, - wie sie mir erzählt hat. Trotzdem ziehe ich meinen Savile Row Anzug vorerst im Keller an. Fahre deswegen in meiner Gipsy Unterwäsche im Fahrstuhl bis in die Tiefgarage, - denn dort lagert der Anzug in Mutters Parkbox in einem ’demokratischen’ Kühlschrank zwischen russischem Schichtnougat, israelischem Früchtejoghurt und jamaikanischen Lachsfiletspitzen. Ach. Echt. Es ist ein herrliches Gefühl einen von internationalen Köstlichkeiten gekühlten Savile Row Anzug Nummer 13 zu tragen. Leider ist die Abkühlung nicht für ewig. Wie auch die Ruhe vor Munk. Der mir über Mutters alten Loewe- Opta eine Birdy Videobotschaft sendet. Inhalt: “Das Leben hält nicht viel mehr bereit als ein paar gute Ficks – und dann sterben wir.“ – gez. John Wilkes. Und ich dachte erst, es handele sich um einen Druckfehler vom Birdy. Weiß aber nun, es handelt sich dabei um Munks grundtiefe Verdorbenheit. Was mich aber nicht wundert. Immerhin kennzeichnet gerade das unser enges Verhältnis. Denn nur wegen der Hölle in ihm blüht überhaupt mein Paradies. Gibt mir das Leben Hoffnung auf Hass. Diese unechte Willkür in sich - so man das Ganze durchblickt.

Die Blackbox a la Malaysia Airlines vom Bananenstaat Deutschland sagt dazu folgendes: Im Wohnmobil hat einer der beiden Männer den anderen erschossen. Punkt. Dann Feuer gelegt. Pause. Dann sich selber erschossen. Punkt. Doch Rückstände von Rauch fand man in seiner Lunge – nicht! Keine Spur von Bananen. Also: Tausche Cello gegen Zither. Oder: Wer ist der dritte Mann? Dimmda dimmda dimm ... da dimm. Dimmda dimmda dimm ... da dimm. Hear ‘The Thirt Man’ include Harry Lime Thema ... Dimmda dimmda dimm da dimm... Halt. Hier. Ich. Ich weiß es! Es ist ’Buddy’ Munk mit seinen Leuten. Und Buddy zählt mich dazu. Wie Orwell. Der in Tiefe unter der Oberfläche sucht. Offiziell heißt er ’Mitarbeiter vom Verfassungsschutz’. Und das wieder ist ein Kabinett der Kuriositäten mit Tentakeln bis weit in die Psychiatrie. Bis hin zu den Flower- Power- Hippies der 70er. Den kostümierten Hirten von heute. Leute. Typen, denen der Hanf welkt, die Bäume umstürzen, denen der Himmel desertiert und Rußpartikel verweht. Heißa, BND, die Zunge der Wahrheit... Die unweigerlich mit der ewigen Frage kommt ’wer sind eigentlich die Guten? - WIR!’ Stimmt. Ey. Denn ich bin es eher nicht. Immerhin trage ich links wie rechts in meinen dress for less Xavier Danaud Ziegenlederstiefeln einen goldenen Blue Ray Colt, Höhe Wade, die von knielangen Harper five Socken verdeckt sind. Man weiß ja nie. Denn wenn der Pirol singt, muss alle Musik verstummen. Und genau das gilt es zu verhindern. Sagt Munk. (Mafioso). Also rucke ich an, um den täglichen Auftrag zu erfüllen.

Ich bin dein laufender Untergang in Kürze – und auch sonst
Ich bin die Erziehung ohne Worte.
Lernbehindert und koste 3Mark67 am Tag.
Ich schlafe mich in hundert Schlafzimmern in einer Nacht wach.
Ich liege atemlos unter hundert Betten an einem Tag.
Ich bin aussortiert für ein Leben weit weg von normalen Menschen.
Ich bin der neue Krieg im Westen und der alte Sack im Osten.
Ich sitze gefesselt auf einem Toilettenstuhl mit einem Löffel in der Hand und esse, und kann nicht weg.
Ich bin die Stimme aber nicht dein Ohr, wenn ich um Hilfe rufe.
Ich bin der Mund, der Schlund im Hals, die Speiseröhre die das Essen schluckt.
Ich bin das Auge und sehe.
Keinerlei Hilfe.
Ich registriere das Flackern vom Bildschirm.
Dass ich mir die Ader aufgebissen habe, bis Blut läuft.
Ich bin das dritte Auge und weiß, es ist schon fast ein Liter.
Ich bin die schlimme Hand auf der sie mit einem Lineal schlagen, bis es bricht.
Ich breche.
Rot.
Essen.
Sterbe.
Aber nicht mich.
Ich bin das verbotene Gesicht wie im ersten Kapitel von meinem Buch.
Ich schreibe von Schlafsälen die mit Betten an Bett vollgestellt.
Wo Menschen an Zimmerdecken gehangen leben.
Ich bin entmündigt und schlackere über die Zustände hier mit dem Kopf.
Ich renne breitseits mit den Ohren gegen die Wand.
Ich bekomme Spritzen und Pillen und werde mein eigener Pflegefall.
Ich stelle mich taub und irre durch die Buchstaben.
Ich stehe nackt und komme nicht zu Wort.
Ich bin ein Zaun, ein Gitter, eine Wegschließe.
Ich bin ein Prozess hinter Anstaltsmauern.
Auf Zeit.
Ich werde wach als schrill das Telefon klingelt und Munk fragt, warum ich seit Stunden nicht zu erreichen bin.
Ich sage ihm, dass das Telefon nicht geklingelt hat.
Und auch sonst.

„Als ich sie fand, hat sie noch gezuckt!“
„Wer?“
„Meine Mutter“, sagt der Typ mit Paco Rabanne Borsalino, Mercedes- Sonnenbrille, Vollbart a la Udo Walz, Polohemd topp Gucci, weiße Leinenhose von Dag Slam, violette Schlangenlederschuhe aus handgemachter Davidoff.

„Ihre Mutter?“ Lasse ich den Heidsieck Brut pur Champagner aufschäumen.
„Ihre Nachbarin...“
„Dann sind Sie...“
„Max Adolf Müller“, stellt er sich vor.
„Oh, ja, - ich kenne ihr Gesicht!“
„Acht Monate auf Bewährung!“ Stöhnt er. „Steht in sämtlichen, miesen Zeitungen.“
„Ein Sauurteil!“ Stimme ich ihm zu. „Und erst die Kommentare im Fernsehen!“
„Und der Maserati ist auch weg!“
„Der rote?“
„Genau der!“
„Hat den die Treberhilfe bekommen?“
„Eben nicht“, flucht Max Adolf, „der ist an den Staat gegangen.“
„Sind Sie nicht der Staat?“
„Was weiß ich“, sagt Max Adolf, „auf jedem Fall bin ich in Berufung. Schließlich muss man als Boss der Treberhilfe doch auch was repräsentieren können. Wo kommen sonst all die öffentlichen Hilfen her?“
„Und erst die privaten Spenden!“
„Genau. – Sie sollten mal sehen wie stolz die Leute sind, wenn ich die im Maserati zum Flaschensammeln bringe...“
„Das glaube ich Ihnen aufs Wort!“
„Und jetzt noch meine Mutter...“
„Wie das denn?“
„Umgebracht. Die Taube war’s!“
„Welche Taube?“
„Die auf dem Dach.“
„Das ist Orwell. Der ist ganz friedlich.“
„Das ist ein Taube. – Ich werde doch wohl noch eine Taube erkennen!“
„Die auf dem Dach?“
„Auf die habe ich 2mal geschossen“, prahlt Max Adolf.
„Warum?“
„Weil Mutter nicht schlafen konnte. Sie glauben ja nicht, was für einen Krach so Viecher machen. Und dann scheißen die auch noch endlos...“
„Und deswegen haben Sie geschossen?“
„Hat aber nichts gebracht. – Mutter hat dann Gift ausgelegt. Blausäure auf Kekstückchen, - selbst gebacken.“

Eine Religion ohne Gott ist wie ein Krieg ohne Waffen.
Ein Krieg ohne Waffen ist ein warm gewordenes Sahneeis, dass mir von Orwells Rotoren verblasen schräg auf die ’gute’ Hose tropft.

„Da hast du aber Glück, dass es kein Schoko ist, Junge. Das sieht nämlich dann echt Scheiße aus!“ Freut sich ein Flaschensammler, die picklige Fresse halb im Abfallkorb.
„Das sieht auch so scheiße aus!“
Und schon rattert Orwell in Shit- Storm- Manier und macht auf beleidigt.
„Ganz unschuldig bist du aber daran nun wirklich nicht!“ Sage ich. Wozu er in Hochtönen kreischt, sich bei Munk über mich zu beschweren.
„Komm“, beruhige ich ihn, „ist ja nichts weiter passiert – und auf dem Rüdi ist Weinfest. Da sind bestimmt ein paar schicke Frauen: lass und hin!?“
Nur wenn du zahlst.
„Abgemacht!“

Schon von Weitem sehe ich Rauch. Rieche die Reinheit des Feuers. Neben dem einige Leute verstümmelt liegen. Ihre Körper seltsam verdreht. Fragmente. Die von Gliedmaßen entblößt. Wie Heu auf einer Wiese zum trocknen. Am Himmel Wolken mit Trauerband. Aus denen Blitze zucken. Schüsse fallen. ’Hoch auf dem gelben Wagen’ höre ich. Und sehe den Schwager vorn. Einen Typen wie Saladin, im Kampf um die redliche Religion. Hoch gewachsen. Schlang. AK 47. Über schwarzem Umhang. PLO- Tuch aus Baumwollmischgewebe in Violett/Weiß von El Batul zum Sonderpreis während einer Ramadan Aktion gekauft.

„Das Flugzeug ist abgeschossen worden!“ Fordert er in irgendwelche Kameras hinein die Welt zum Tanz. Die Russen, die Amis und die Mutti. Die gleich den World- Gamer raushängen lässt. Während ich an 9/11 denke. An meine persönliche Messlatte von Wahr und Unwahr. Zu der auch die Mondlandung gehört. NSA, Facebook, die Medienmafia und zig andere Honks.

Ich will fremde Träume träumen. Leben leben. Denke dabei an Munk. An grünes Gras im schottischen Hochland, Blumen - um darin Falter zu sein. Wie Munk an einer schmuddeligen Straße auf der Erde hockt. Die Fixe leer, eine Tüte in hohler Hand. An gesunde Hochlandrinder. Denen fett die Milch aus dem Titt tropft, dass man einen Kaffeepott drunter halten möchte. Munk. Wie er sich auf der Suche nach einem Schuss durch die Stadt der Penner schleppt. Blütenbestäuber. Die auf den farbenprächtigen Pflanzen unter den Bäumen und im Dickicht von Gebüsch wachsen. Dann erneut die Öde von Munks Schritten am dunklen Nordwald. Das Bemühen um Haltung, wenn er hockt und seine Notdurft in die Gosse wirft. Dann wieder Ich in Tag und Nacht. Dieses Doppeleben im Wechsel von Irrsinn und Normalität. Abends tot. Bewusstlos morgens. Der hohe Berg. Die engen Kurven. Das weite Tal. Die Gletscher kalt. Mit krummen Rücken. Langsamkeit. Mein Du. Dein Ich. Und im Hirn nichts weiter als der Seele Suche. Eine Pumpe mit 50 Milligramm Dopamin. Munks Erfolgsrezept. Und meine Bewährungsprobe. Damit ich mich frei in der Natur ’Raubtier Mensch’ bewegen kann. Ein einziges Elend. Das. “wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen, unergründlichen Gestalten der Würmchen, der Mücken näher an meinem Herzen fühle und fühle die Gegenwart des Allmächtigen […] dann sehne ich mich oft und denke: Ach könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papier das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt“ lässt Goethe Werther sagen.

Zu allem Unglück kann der Mensch nicht glücklich sein. Und was er Glück nennt, redet er sich ein. Ja -, neben der Prostitution war er auf den Gebieten des Drogenhandels und des Glückspiels aktiv. Munk. Geht die Straße lang, will irgendwohin. Öffentlich bekannt wurde er als Betreiber des Bel Amore. Bel Ami. In aller Munde General Clausewitz. Und steht am Himmel hoch die Sonne, ist der Mond gar nicht mehr weit. Mach hoch das Bein, Luft muss rein. Munks Lieblingslied. Trifft er ein Mädchen. Trifft einen Mann. Geht gerne auch mal andersrum ran. Und alle wollen einzig fröhlich sein. Nur die Zeitung stellte ihn andersherum in den Focus, sein Bild in der Bild, als er den Puff ’Clausewitz’ schließen musste, weil es Hinweise gab, dass die Stasi das Bordell zu ihren Zwecken nutzte. Was kann das wohl für ein Zweck gewesen sein? - Die Herren Politiker trinken ein Bier, ein Gläschen Wein. Küssen sich und samen ein. Die Nacht geht hin, der Tag danach wird Eisbärfein. Munk zuckte lediglich mit den Schulten, wenn ihn die Journaille mit den Bezeichnungen Bordellkönig und King of Puff bezeichnete. So blieb es ein schmaler Pfad, bis an das Ende der Welt. Wo man erst sitzt, dann in die Tiefe fällt. Darüber denkt was kommen wird und was wird sein. Im Schluss der Oper wird er mit der eigenen Krawatte erdrosselt. Stürzt. Fällt. Und liegt. Und in den tiefen Schichten hockt der Teufel. Und was der wollte will er immer. Es wird einzig die absolute Trennung sein. Dann kommt es wie es kommen muss. Wächst ein Kind. Die Jugend fliegt nur so dahin. Dann ist es Zeit, der eine geht, der andere bleibt. Und ob der oder jener überlebt weiß nicht mal all die Wut, der Hass, die Traurigkeit. Hinterher sagt man Asyl im Paradies, wie man aus Schlagern weiß.
Man fand übrigens seine teilweise verbrannte Leiche zwei Tage später am Rande der Autobahn zwischen Hamburg und Lübeck. Er lag da wie halbfertiges Marzipan. In der Hand seine Rute. Daneben Ute, seine Beste Tute. Die bläst den dicksten Bock vom Hocker, lachte er einst. Und hat ein kräftiges Herz. Eine Lunge. Ohne jede Verhornung. Einzig geiles Bettgeflüster steckt tief in ihr drin. Pause. Fort. Hinweg. Aus dem Sinn.
Am Abend der Tage meiner Nacht kocht der Pott. Darin die besten Stücke der Zeit.

Am Abend des Tages der Nacht, als sich in mir der Wunsch nach Frieden gebar wollte ich Schluss machen: Mit ihr. Und nicht bis zum bitteren Ende. Gehen. Wie man hemdsärmelig sagt. Und ungerufen von Gott. An den ich ’so’ sowieso nicht glaube. Nein. Ich. Nicht! Ich glaube an die Kampfzone Leben. Die mit der Geburt beginnt, und mit dem Tod endet. In dem ’ach du mein lieber’ Gott tröstet, schlichtet, mäßig regelt. Ohne dem können viele nicht. Ich schon. Sorry, Leute. Egal: Am Ende liegt immer alles in Trümmern. Wie sollte es auch anders sein. Es benötigt nur etwas Vorstellungsvermögen fürs starre, stille, weltliche Nichts.

Als ich zuschlage, duckt sie sich gerade. Als hätte sie was geahnt.
Als ich... bin ich ihr Testsieger für einen Urlaub in Kärnten. Sie hält den Prospekt dafür selbst dann noch fest in der Hand, als die Totengräber sie holen. Dabei bin ich ihr Totengräber.
Als ich... bin ich der wiedererstarkte kalte Krieg im Osten. Weil Putin nicht tut was Mutti von ihm will. Prasselt aus dem Fernseher eine Stimme wie ein am Vortag erlebter Suff. Und mir direkt ins Ohr; weil sie davor liegt.
Und ich. Als wäre ich ein Meteorit. Eine außerirdische Vernichtungswelle die auf die Erde stürzt und alles Leben zerstört. Im Gegenteil: Ich rette allein schon durch meine pure Anwesendheit die Menschheit vor dem Verhungern, Erfrieren, Ersaufen. Davor, dass die Menschen zu Kannibalen werden und ihre eigenen Kinder fressen. Deren Blut trinken. Organe verwenden. Verkaufen. Dagegen bin ich ihr Trost. Ihre Zuversicht. Sitze zur Rechten Gottes. Ohne mich darum zu kümmern, wer links sitzt. Sollte links überhaupt Platz sein. Klar. Mutti hat Bibel- TV auf dem Schirm. Und ich hätte es wissen müssen.
Als ich... mit der Arbeit im Wald fertig bin, säubere ich den Spaten. Rauche eine. Obwohl ich nicht trinke. Und rauchen im Wald wegen der akuten Trockenheit sowieso verboten ist.
Am Abend der Tage meiner Nacht kocht Wasser im Pott. Später die besten Stücke meiner Zeit. Dont Ask Me Why!

28. juli 2014 michaelkoehn