Sinkflug

Roman- Groteske


Verteidige dein Recht zu denken. Denken und sich zu irren ist besser, als nicht zu denken. [Hypatia zugeschrieben]

Mayday

Wer ist der unbekannte Gerettete?
Und wie ist er dem Desaster entkommen?
Ist die deutsche Handelskammerpräsidentin Helene Ferkel und der Verteidigungsminister Max Olland aus Frankreich an der Lüge vom Absturz beteiligt?
Wieso ist der Unbekannte im Haus von Minister Olaf Schnäufle untergebracht?
Wird der Unbekannte dort eventuell gefangen gehalten?
Handelt es sich dabei um den Griechen, mit dem Oleg Puntin vorgestern den Flugschreiber manipu...
- Ende der Aufzeichnung -

„Die Sprachbox ist angeblich gefunden worden.“
„Vermeiden Sie BITTE dringend das Wort angeblich!“
„Und der Chip der Black...?“
„Unterlassen Sie Spekulationen!“
„Dann sagen SIE mir, was ich schreiben soll“, empört sich Meyer von Monoplosiv.
„Hören Sie Meyer, Sie machen ihren Job, - ich den Meinen. Haben Sie Verstanden? Und wenn Ihre Nerven blank liegen -, meine tun das auch. Sollte es Sie trösten!“

Es war Leben an Bord. Aber nur bedingt. Das es so war, kann man der ruhigen Atmung des Copiloten entnehmen, die zuletzt auf den Tonaufnahmen zu hören ist. Was das allerdings zu bedeuten hat, lässt sich kaum sagen. Heute nicht, - vielleicht nie. Spekuliert die Presse - in Vielfalt.
Die Presse. Die zu Hunderten um das Haus der Eltern des Piloten versammelt ist. Geier, die auf einem Kadaver hocken. Die über alles berichten. Jeden Furz kommentieren - und mit 75 Euro belohnen; wäre es einer der Ihren. Wenigstens EINE Sensation muss stündlich her, sonst säuft und raucht man sich in dem Kaff noch in die Grube. Oder etwa nicht?. Und was fickbares ist auch nicht da. Sagt Müller. Oder weißt du schon was? Nada. Nichts! Tönt Meyer. Ey, ich mag dich, du alte Rübensau. – Achtung -, hast du das Fenster gesehen... Ich glaube, die Gardine hat sich bewegt. Halt drauf! Brüllt Müller den Fotografen an. Halte voll DRAUF!

„Kann man aus einer Passiermaschine mit dem Fallschirm abspringen?“
„Theoretisch, oder...?“
„Man sagt, Piloten tragen ihre Fallschirme in den schwarzen Koffern mit sich!“


Suizid je nach Wetterlage

Red hat einen Charakterkopf und rollt das R bei Adair. Heißt aber eigentlich Walther. Mit H, wie hühh, oder hihh, wie Heinrich. Und ist ein Mann vom Typ WICHTIG, trotz lediglich 159 Zentimetern Länge – mit weißem Haar und scharfer Nase. Man sagt er sei – wenn es brennt - der Boss! Klar doch, wer weiß das nicht, der hat sogar schon mal die Fußballweltmeisterschaft von Dubai nach Grönland verschoben. Und die Formel Eins. Vettel und so. Hat Ferrari von Rot auf Blau gespritzt. Und den Hoeneß Uli in den Knast gebracht, als der nicht spurte. Von wegen: NICHTS geht mehr in Deutschland. Ab in die Pampa damit. Zu denen, die Geld haben! - Aber – aber, sagt Meyer, es brennt doch hier nichts, Adair! Aber bald, meint Müller. Bald! Und dann rollen Köpfe.

Meine Güte, das sind Typen hier. Machthungrig bis zum Mord. Und einzig Kohle im Kopf, stöhnt Meyer - nach dem dritten Flachmann. Da stöhnt der immer. Will sagen: DANN STÖHNT DER MEYER ÜBER JEDEN SCHEIß! Ein Flugzeugabsturz ist aber kein Scheiß, beschwert sich Müller über Meyer bei Meyer. Denk mal an die Hinterbliebenen. Ich tu nichts anderes, Müller. Lästert Meyer. Hab sogar schon Blumen. Und ein Stofftier. Sicher in Form einer dummen Sau, das passt zu dir, macht Müller Meyer an. Und hofft, ihm nach dem abendlichen Redaktionsbriefing aufs Maul hauen zu können. Geht aber nur, wenn der besoffen genug ist, - sagt Meyers Erfahrungswert!

„Der Pilot wollte den Bus ins AKW Tricastin fliegen.“
„Nein, nach Marcuole.“
„Quatsch, nach Fessenheim! Das AKW dort ist uralt und hat Sicherheitsmängel en Masse! Neulich haben die IS- Musel es schon mit Drohnen versucht!“
„Gesichert?“
„Aber ja. Die wollten den Kühlturm sprengen, - war doch erst letzten November. Tenor: französische Atomkraftwerke sind verwundbar durch Angriffe mit Drohnen.“
„Und warum ist der Airbus gestern nicht hin?“
„Weil es zu weit weg ist!“ Mischt sich Meyer erneut ein.
„Was? Ein paar Flugminuten nur; - was heißt das schon.“
„Sie hätten ihn vorher abgeschossen.“
„Haben sie doch auch so. Oder liest du keine Zeitung?“
„Jedenfalls nicht die, für die du schreibst!“
„Steht ja auch nirgends; - sagt aber mein Kontaktmann von der CIA.“ Grinst Müller.
„Du nun wieder, du Scheißer. Immer alles aus erst- bester Hand!“


Irrsinn, oder: Ich, die Blackbox im Streufeld der Trümmer

„Eigentlich bin ich krankgeschrieben“, zitiert Müller den Duden: *Unterleib; (Anatomie) Hypogastrium;(Medizin) Abdomen mittelhochdeutsch līp, althochdeutsch līb, zu leben Körper (1a) Gebrauch gehoben Beispiele ein kranker, abgemagerter, ausgemergelter Leib die dampfenden Leiber der gehetzten Pferde mir klebten die Kleider am Leib am ganzen Leib zittern, frieren, schwitzen bei lebendigem Leibe/lebendigen Leibes verbrennen diese Krankheit steckte mir schon lange im Leib (ich fühlte mich schon krank, bevor es zum eigentlichen Ausbruch kam) du bist so stark erkältet– bleib mir vom Leib[e]! (komm nicht zu nah an mich heran!) Wendungen*, „das solltest du aber bitte vertraulich...“
„Warum ich? Also, – wenn du ein psychisches Problem hast, nur raus damit!“
„Okay, okay: Ich gebe es zu, ich bin nur wegen der Iraner da.“
„Mann, ich kenne die Story zur Genüge!“
„Und?“
„Die Behauptung ’Atombombenbau Iran’ mit einhergehender Vernichtung Israels ist einzig eine Nebelkerze!“
„Wie kommst du darauf?“
„Sagte mir eben der Boss der Alu-Hut-Träger.“
„Und der wäre?“
„Huxley himself; wer sonst.“
„Du Spinner!“
„In echt. Ich habe auch so ein Teil -, um nicht laufend die Gedanken meiner Mitmenschen lesen zu müssen. Gerade hier und jetzt ist das eine mittelgroße Katastrophe!“

Diese zerteilten Körper, wie behauptet wird. Nur schnipselgroß. Kaum eine DNA ist überhaupt nachzuweisen; von anderem nicht zu reden. Obwohl bebrillte Menschen in weißen Kitteln und mit angespannten Fressen schon vor Ort beginnen in 1000 Reagenzgläsern gleichzeitig zu stochern, anstatt im Nirwana nach dem quäkenden Flugschreiber zu suchen. Der ist nämlich weg. Verschwunden. Nicht mehr da. - Michel Houellebecq hat ihn, hört man sagen. Der? - Der hat doch neuerdings Kontakt zu den höchsten Köpfen der Muselmänner in Paris; der schrieb doch, von diesen Typen bezahlt dieses abstrakte Buch, warte mal... ’Unterwerfung’ - richtig! ’Unterwerfung’, stimmt! Über die Einsamkeit vom Schwanz in der Pluderhose geht es darin, schreibt ein begeisterter Leser. Und, dass die Verschleierung der Frauen in der Öffentlichkeit zum Ende der allgemeinen Durchsexualisierung des Alltags führt.
Eigentlich schlimm, irgendwie - oder? Für uns Männer, meine ich. Oder? - Bisschen simpel. Findest du nicht? - Ich finde es ärgerlich, langweilig und überflüssig. - Hast du es denn gelesen? Ich werde mich hüten. Lesen! Hör mal! - Mal echt jetzt: Ich mache mir eher um die psychische Verfassung des Piloten Sorgen; wenn da überhaupt einer drin saß. Und wenn doch: dass es Suizid war. Wenn -, dass es ein erweiterter Suizid war. - Keine Angst, dann bekommst du von mir die Notrufnummer der... Ach -, hier ist sie schon: ’Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie unter der Rufnummer 08001110xxx und 08001110xxx. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist anonym, kostenlos und wird weder auf der Telefonrechnung noch dem Einzelverbindungsnachweis erfasst. Weitere Beratungsangebote sind auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention zu finden. Hilfe für Angehörige Suizidgefährdeter bietet auch der Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker unter der Rufnummer 01805950 xxx und der Festnetznummer 02287100xxx sowie der Emailadresse psychatrie.de’.
„Für welche Zeitung schreibst du eigentlich, Kollege.“
„Für die Tages- Zeit.“
„Schau an, für die Tages- Zeit. Dann bist du ja Fachmann für Suizid, Homizid - gar für Amoktaten?“


Der unmenschliche Faktor

„Hier... frisch von einem Data- Blower der NSA aus dem Ticker!“
„Und was?“
„Dass man Leuten nicht in den Kopf sehen kann.“ Sagt der.
„Eigentlich nicht neu, oder?“
„Genau wie die News, dass man heutzutage Flugzeuge fernsteuern kann. Genau wie Autos, - U- Bahnzüge in Singapur, dort wird es ja schon öffentlich gemacht.“
„Stimmt. Die schnellsten Züge der Welt fährt bald ein Robot!“
„Den China Railways CRH3 auch?”
„Was weiß denn ich!”

Bis jetzt weiß niemand, warum der Pilot schon kurz nach dem Start angeblich Pinkeln musste. - Schwache Blase? Nierenprobleme? Krebs? Bier wegtragen? Oder mit der Stewardess vögeln!?
Weißt du es?
Ich? Nein. - Ich habe nur volle Gewissheit über die Depressionen des Co- Piloten. Immerhin kaut mir die deutsche Weltpresse damit schon seit Tagen das Ohr wund.
Doch kein Wort über die Black Box...
Die Box gibt es nicht. - Wie man hört, war keine eingebaut. Wenn aber doch, war es eine aus Zuckerguss die sich bei Feuchtigkeit auflöst.
Oder im Sturzflug!
War aber kein Sturzflug...
Gemächliches Sinken mit Kurs auf das AKW Fessenheim.
Dazu war er zu früh zu tief.
Der wollte unter dem Radar durch.
So gut fliegt keiner eine solche Strecke im Tiefflug.
Wer weiß es...
Ist ja auch egal, so oder so hätten sie ihn vorher abgeschossen.
Haben sie ja nun auch.
Es war aber nicht der drin, den sie vermutet haben.

„Nicht der depressive Co- Pilot?“
„Den Co- Piloten fand man erschossen am Strand von Barcelona.“
„Ist die Meldung gesichert?“
„So gut wie du willst!“
„Kennst du den Strand?“
„Leider nicht.“
„Lass uns mal hin, wenn das hier vorbei ist.“
„Das ist hier ist nie vorbei!“
„Hast recht; es geht ja mit der Diskussion um die Fernsteuerung der Maschine erst richtig los.“
„Und wenn das dann die Angehörigen wissen...“
„Man hätte es als eine Art Straßentheater beim erweiterten Selbstmord belassen sollen... Doch NEIN, wieder mal siegt die deutsche Starrköpfigkeit.“
„50.000 Dollar Entschädigung sind aber auch zu wenig -, sei es ein noch so schlampig inszeniertes Bühnenstück.“


Mit Depressionen an der Welt

Früher als ich erinnern konnte, wollte ich ein Pferd werden, erzählte mir Mutter. Und malte mir davon Bilder aus. Als ich selber denken konnte, wollte ich Pilot werden -, erinnere ich mich. Und ich wurde Pilot. Mit Gummizug, an einem selber gebastelten Spielflugzeug. Mein Gott, was war meine Mutter stolz. Schon dafür liebe ich sie heiß und innig. Und Vater erst. Obwohl Vater mit meiner Depression zu tun haben soll, diagnostizierte mir Doktor Munk. Der nun seit Jahren mein Psychiater ist - und von Missbrauch redet. Doch auf Vater lasse ich nichts kommen, da nehme ich lieber die Tabletten. Auch wenn sich mein Bedarf mit der Zeit langsam steigerte. Was macht das schon, wenn man dabei unauffällig bleibt. Gut, Hansa habe ich bei meiner Einstellung von einer längst abgeklungenen ’schweren’ Episode erzählt; ich sagte tatsächlich schwer – und wunderte mich später darüber. „Ach was, da ist nichts dabei, für das Sie sich schämen müssten, junger Mann. Wenigstens Sie arbeiten am Problem.“ Und das habe ich bis zum Schluss, - wie man nun allerorts bis zum Abwinken sehen, hören und lesen kann.

Und du? Depressionen? Kennst du das? Mal ehrlich, wenn man die Diagnose bekommt fällt man hinten runter. Glaube mir. Da war ich 16 Jahre alt. Und fertig mit der Welt. Erst Tabletten glätteten die Zeit. Und Mutter, die mir riet unbedingt Abitur zu machen.
„Du willst doch noch Pilot werden?“
„Aber ja doch. Unbedingt!“
Da kam ich gerade mit gepuderter Nase vom Klo. Karla wischte mir hilfreich das verräterische Weiß ab. Tupfte mir das Blut aus den Augen. Kraulte mein Geschlecht. Meine Wut, wenn mir was misslang. Aber ja doch, auch das.

„Als Klassenbester sollte das kein Problem darstellen“, gratulierte der Schulleiter.
„Ich bin stolz auf Sie“, als ich ihm von meinem Ausbildungsvertrag bei Hansa erzählte. „Zudem Sie ja im Fliegen bei Weitem kein Anfänger mehr sind... bei Ihrer Erfahrung: Alle Achtung!“ Schleimte der Personenfalter; der er als Pauker nun mal ist und bleibt. Was ich vor allem lernte: Sag nur das, was sie dir beweisen können. Und ich sagte nur das. Und so lange es dauerte. Doch da wusste ich es ja noch nicht (besser), - dass es kurz sein würde mit der Dauer. Halleluja, war ich bis dahin ein begnadeter Idiot.


Dunkle Energie

Vielleicht war der Verlust von Urvertrauen in meinen Vater der Grund dafür, das sich mein Wertesystem verschob. Eine Art Absturz - schon vor dem ersten Flug bei Hansa. Den niemand bemerkte. Den ich mir als Stauchung von Raumzeit erkläre, ohne einen Beweis liefern zu können. Jedenfalls nicht für Doktor Munk.

Sie sprechen mit mir englisch. Untereinander aber arabisch. Einer sieht aus wie James Bond. Der andere wie Orson Welles im Kaftan. Und ich frage mich, was das wohl für ein scheiß Plan sein muss, bei dem man damit rechnet, dass es einer der Piloten keine Stunde ohne Toilettenbesuch aushält? Sie müssen also den Chef kennen. Wen immer. Think Twice!

„Leiten Sie den Sinkflug ein!“ Befiehlt Orson Welles.
„Was haben Sie vor?“ Doch da ist auch schon die Kabinentür verriegelt.
„Wir sollten auf den Piloten warten!“ Sage ich.
„Sie machen, was wir sagen. - Den Piloten brauchen wir dafür nicht! Also, pronto: Ziel eingeben und Sinkflug auf 30 Meter einstellen!“

Es wird kein Unfall sein.
Es wird kein Selbstmord sein.
Es ist ein Attentat auf das AKW Fessenheim!

Es soll aber nicht so aussehen. Deswegen sind Spuren gelegt, ist mein privater PC längst manipuliert. Wird so getan, als hätte ich Depressionen. Kommt Doktor Munk als mein behandelnder Arzt dazu ins Fernsehen, - der durch sein Schweigen - Sie müssen verstehen, die ärztliche Schweigepflicht – wesentlich mehr kaputt macht, als es bringt; also ist der auch gekauft, - ihr Schweine! Ist nach deren Aussagen angeblich mit meiner Freundin Schluss; auch deshalb sagt sie, meine geliebte Susanne, den verhängnisvollen Satz: ’Die Welt wird meinen Namen sagen!’ Und meint mich und meinen Namen damit. Als hätte ich das gesagt, als wäre ich größenwahnsinnig...

„Echt. - Das hat er gesagt. Das ist O- Ton?“ Fragt der Reporter nach. „Genau so hat er es gesagt“, sagt sie.
„Und das vor ihrer Trennung?“ Fragt er. „Ja! Vor der Trennung. - Oder denken sie, ich will mich rächen?“

Gestern Nacht noch, schreiben andere dazu: es gibt überhaupt nichts, was über den Absturz glaubhaft ist. Warum fallen Satelliten aus, Radarsystemen, die praktischerweise gerade nicht funktionieren? - Und es handelt sich dabei um nicht weniger als bis zu 15 voneinander unabhängiger Systeme...
Letztlich taucht dann wieder der ’menschliche Faktor’ auf. Dabei sehe ich deutlich drei Mirage- Jäger. Zwei seitlich. Einen voraus. - Gibt es noch mehr? Braucht es mehr, wenn Flugzeuge verschwinden, - die von nicht existierenden Raketen abgeschossen werden. Sind ihre Lügen darüber Tragödien. Oder die Tragödien bewusste Lügen? Bühnenstücke, die vor einem ungläubigen Publikum aufgeführt werden? Strafen, die wir verdient haben? - ’Wir zerstören sie und lassen sie dafür leiden, dass sie sich weigern, unsere Sklaven zu sein! Wir werden sie aussaugen, klein hacken und sie Stück für Stück verkaufen, bis nichts mehr übrig ist!’

Die Aussage der französischen Flugsicherung, die den Abschuss der Maschine beobachtet haben muss, ist genauso unglaubhaft. - Das im Cockpit Stille herrscht, kein Wort zu hören sei, nur dubioses Atmen, als die Maschine sinkt; bis die Aufnahme endet und die Maschine in den französischen Alpen abstürzt – mit 150 Menschen an Bord. - Dass ich am Tag des Unglücks krankgeschrieben war und schon deshalb nicht an Bord sei kann. Doch glaubt mir das jemand? Dass ich lebe - und von der Regierung gefangen gehalten werde? Von meinem Lebenshunger -, hast du’s? Im Moment wohl kaum...


Over + Out

Findet man auf der Blackbox. Handelt von meiner Suche nach Sinn und Liebe. Wie die Suche nach Wahrheit. Und nach einer Überschrift für mein Leben. Für die Tage voller Qual. Für die Nächte ohne. Weil ich die unzureichend exzerpiert habe, kommt der Vorwurf. Habe ich? Egal. - Ich wurde trotzdem Pilot. Das belegen auch die Analysen der Staatsanwaltschaft von Marseille. Die nach (meinen) Motiven suchen. Nein! Nicht bei mir, möchte ich rufen, sucht bei den Terroristen des IS! Bitte! Doch nichts. Eher suchen die noch Wochen in meiner Wohnung nach einem Abschiedsbrief. Entdecken dabei, immerhin, dass ich am Tag des Unglücks krankgeschrieben war. Und vermuten, ich habe ’eigentlich’ nicht damit rechnen können, dass mein Kollege mich alleine lassen würde. Und doch... Ich hätte darauf gewartet, sagt ein anderer. Auf eine (die richtige!) Situation. Habe ich gewartet? - Vorsätzliche Abstürze sind extrem selten. Schreibt jemand. Immerhin brachte 2013 ein Pilot der Mozambique Airlines in Namibia eine Maschine nach einem Untersuchungsbericht bewusst zum Absturz. Doch auch hier: wer will das mit Sicherheit wissen? - Und dann Malaysia, wo die Maschine Tausende Kilometer in eine falsche Richtung flog, ehe sie vom Radar verschwand. Depressiv sind diese Maschinen eher selten, - womöglich liegt eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vor. Deswegen forderte ich Doktor Munk schon vor Jahren auf, die Robot in einer besonders gesicherten Abteilung unterzubringen. Doch nichts. Heute bauen die Häuser am Band. Atomkraftwerke. Und fliegen Flugzeuge in Hochhäuser. Treiben es in Raketen im Orbit.

’Zwingend gibt es im Vorfeld eines erweiterten Suizids eine enge, einzigartige Beziehung zum späteren Opfer’, sagt die Psychiaterin Heide K. Und was tut Munk? Der erklärt das mit Rache, Kränkung und Verlustangst. - Nein, ich bleibe dabei, die beiden Männer im Cockpit sind Attentäter und wollen ’mit der Tat eine große öffentliche Wirkung erzielen und möglichst viele Menschen schockieren!’ Und das sehen auch die 3 Miragepiloten mit ihren verspiegelten Sonnenbrillen so. Ich nicke ihnen zu. Einem nach dem anderen. Hätten die sonst Sekunden später den roten Knopf gedrückt? - Finden sie nicht auch: ’das war Spitze?’ Mal echt, so scheiß krass ist nur das ungelebte leben im Leichtsinn der Jugend. Mein chronisches Jucken in der linken Kniekehle. Munk faselt was von Pilz. Oder Pilsen. Ich verstehe ihn in letzter Zeit immer schlechter.
’Ich werde dir meine Sünden beichten und du kannst dein Messer schärfen’ - Hozier


Sonntags habe ich Krebs im Mars

Der Autopilot lässt die Triebwerke aufheulen und gibt auf dem Display in Rot 5 Minuten bis zum touchdown an. Auf dem Bildschirm erscheint dazu das AKW Fessenheim. Mister Bond und Orson Welles gehen auf die Knie, waschen sich rituell und beten ratierlich - wie im Phoenix- Property- Management - Alluah- Akbar. Übrigens: der Märtyrer- Friedhof in Teheran ist so groß wie eine ganze Großstadt. Nichts da, mit House- Music und Cocktails aus Meeresfrüchten. - Der Mirage- Pilot rechts von mir nickt erneut und deutet nach oben, klappt sein Visier über die Prada- Sonnen- Brille und zählt mit den Fingern der linken Hand 5 Sekunden runter, als wäre ich ein angeschlagener Boxer. Wie ich fast nebenbei höre, arbeitet sich an der Kabinentür der Pilot ab: „Mach endlich die verdammte Tür auf, du dumme Sau!“ Mit einer Axt, wird man später behaupten. Doch das stimmt nicht, die Axt halte ich in den Händen und zertrümmere damit die seitliche Cockpitscheibe. - Als ich springe, bleibt mit der Sauerstoffmaske mehr als nur ein Teil von mir in der Kabine. Es handelt sich dabei um Materie, die mir die Evolution auf den Weg gab. Was mir Gott gab, fliegt hüllenlos durch die Luft. Gekoppelt mit dem das Wissen, wie der Heilige Geist entsteht. Mein Bewusstsein. Die Essenz, - die auf der Suche nach Beute noch eine Weile um die Maschine kreisen wird.
Ich sehe GRÜN, als die Rakete der Mirage die Maschine mittig trifft. GRÜN -, Gott gewollt, in 15 Milliarden Nervenzellen. Neuronen. Die werden mir durch die Aktivierung der assoziativen Kortexarealen fett in die Hirnrinde gepresst, - direkt in das eben noch schwarze Loch. Die Information dazu erklärt hier allerdings überhaupt nichts, behauptet Doktor Munk - und doch alles, setzt er nach, - als ich stumm bleibe. Und will mir, während das Publikum im Bus auf einen Schlag stirbt, das Modell der ’globalen Arbeitsfläche’ erklären.
Sein (mich irreführendes) Fazit dazu: Bewusstsein entsteht im Umgang mit der Welt, vor allem im sozialen Umgang mit anderen. (Doch dazu muss es ein materielles Substrat geben, - allein das reicht zur Erklärung aber nicht aus). So sind die, die einzig im Gehirn suchen im Irrtum. Ey, du hast ein hübsches hohes Ross im Stall, singt Hozier in ’Take Me To Church.’ - Genau das mit dem Ross sage ich Munk, der direkt neben mir durch die Luft wirbelt. Doch der begreift mal wieder überhaupt nichts, - tut so, als hätte ich ihm den letzten Tanz gestohlen. Was für ein irrer Gedanke. Und genau in dem kurbelt sich wild mit den Armen rudernd Heisenberg heran. Breaking Bad -, muss ich Munk helfen. - Hast du schon ’Flakka’ probiert, Söhnchen? Brüllt der ins Blau. Das Zeug ist schärfer als Crystal. Man kann es rauchen, durch die Nase ziehen, spritzen oder schlucken, - ein total geiler Stoff! Worauf wartest du also, Mann?
- Be the first to start a conversation –
Ey, Heisenberg, - please - stay...
Achtung, Leute, brülle ich zu dem fliegenden Schrotthaufen rüber: Dieser Text bezieht sich auf eine bald vergriffene oder schon nicht mehr verfügbare Ausgabe dieses Titels!
„Scheiß drauf!“ Grölt Munk und rollt im Looping das R. - Mal ehrlich, ich habe Munk noch nie so ordinär erlebt. Man sollte ihm die Approbation... dem Wichser.


Vom Engel und dem kleinen Tod

„Hast du was von deinem Informanten gehört?“ Will Müller wissen.
„Nichts neues! - Die Franzosen bleiben beim Selbstmord vom Co- Piloten. Die Deutschen wollen Außerirdische verantwortlich machen um die Air- Hansa zu schützen!“
„Und weiter?
„Einen Außerirdischen hat der BND erbeutet und hält den im Keller der Reichskanzlei gefangen.“
„Und Ferkel?“
„Macht Raute und betet...“
„Sicherlich, weil Ströbler im Inkreis sitzt, - was?“
„Ja! – Ströbler will das nicht mittragen. Immerhin ist der Bürgermeister von Neu- Klein- Ankara zurückgetreten und eröffnet ihm Löcher.“
„Und da will er reinstoßen?“
„Ist immerhin sein Wahlkreis.“
„Stimmt. Wäre er nicht...“
„Was dann?“
„Wäre längst Erdorgan dort Chef!“
„Oder die grauen Wölfe.“
„Das ist doch Erdorgan, Mann!“

Über mir laufen 1 Paar flache Prada- Schuhe neben 3 Paar Gucci mit hohen Hacken, quietscht ein Rollstuhl. Aus goldenen Wasserhähnen perlt russischer Champagner. Mopsen sich Kaviar- Eier aus Persien. Ein spätes Geschenk vom Schah, weiß Munk, wegen dem Atom- Fortschritt im Iran.
Schon gut, Munk, ich bin ja nicht blöd.
Woraufhin der meckernd lacht.
Trainieren Sie schon für einen Scharia- Staat im Land? Frage ich.
Meine Güte, sind Sie heute politisch.
Neues aus Büttenwarder wäre Ihnen lieber, was?


was wir zerstören werden

das haus hinter dem spiegel ist nicht meins
der stuhl
auf dem ich sitze
das fliegende bett
die gekrümmten füße
mit den zehen spitzen nach vorne
ich strecke sie in die zeit damit die bei mir bleiben
gebe dir mein wort darauf
rastloses tier


’It kills me that so many idiots will use this as efforts to fix a real problem’

Wer über Marseille fliegt - und will - sieht öliges, schlierendes, blitzendes... dazu Klopapier in Masse, Scheiße, rostige Skelette und alte Messing- Zähne in der Sonne. Dieses Schwipp- Schwapp von Prostitution an Meersfrüchten. Gehacktem Knoblauch. Riesigen Ständen voller Gemüse. Glubschender Austern, die nicht nur vom Geruch her an Mösen erinnern. All das ludert vor miefigen Häusern, - an dreckigen Plätzen, in heruntergekommenen Straßen vor sich hin. Ein unmenschliches Elend an einem Ort, der nach Heroin ruft – wo Tausende von Typen ’unglaublich laut’ nach Meth schreien. Unter deren Einfluss die Menschen mit langen Messern aufeinander einstechen. Auf Melonenstücke; Kronkorken vom Bierflaschen abhebeln, sollten ihre wackligen Zähne versagen. Von wegen Palmen. Geharkter Strand. Blaues Meer. Saubere Liegestühle. Nichts davon. Hingeschissene Puffs, - hat es. Stinkige Absteigen mit 100jährigen Straßenhuren davor, mit durchlöcherten Präservativen in Reihe. Homos mit Tangastrings zwischen vermoosten Hinterbacken. All diese klapperigen Titten auf Geldsuche. Für 5 Euro blasen mit gestreckter Zunge ohne zu küssen - mitten auf der Straße. Im Abfall. Den klebrigen Plastikmüll vom Meeres- Wind an den nackten Arsch gepappt. Einfach so.

„Und Transen?“ Fragt Müller.
„Was du willst!“ Lacht Meyer. „Ich lade dich ein!“
„Wie kommst zu dem vielen Geld?“
„Wieso viel? – Es sind 15.000 für das erste Maulhalten!“

Das Geld ist für ’die’ Fragen. ’Die’ Antworten - nach ’den’ Ursachen. Und ob das ’Unglück’ zu verhindern gewesen wäre. Doch dafür müsste ’man’ das Motiv der Täter kennen, - falls die denn eines haben sollten, wenn sie die Maschine vorsätzlich zum Absturz gebracht haben. - Doch im Cockpit herrschte Stille, kein Wort sei zu hören gewesen, keine Explosion, nur Atmen, als die Maschine sank; bis die Aufnahme endete.

„Glaubst du das?“
„Ich doch nicht! - Ich weiß es besser!“
(...)
„Es geht ja noch weiter: Ich könnte sagen, wer es war, wie es funktioniert hat, welche Frequenzen, welches AKW ausgewählt wurde und wie- wer- wann das Autopilotsystem gepatched hat.“
„Könntest du?“
„Kann ich!“
„Aber nun nicht mehr, - nun haben sie dich ja gekauft!“
„Und ich kaufe dich!“
„Dann stimmt ja der Ausdruck: Schweinepresse!“
„Stimmt!“
„Hast du Beweise?“
„Eine Kopie vom ORIGINAL- Voice- Recorder!“
„Hast du die gestohlen?“
„Nein, - besorgt!“

Der Abschuss eines Passagierflugzeugs nach der Abwägung ’Leben gegen Leben’ sei ein Verstoß gegen Artikel 1 Grundgesetz (die Würde des Menschen ist unantastbar), lautete die Begründung des BGH. – Doch was kümmert das den Minister Olaf Schnäufle. Der wendet seinen Rollstuhl und sagt kein Wort. Doch: Es handele sich (wenn es denn sein muss!) um einen ’Quasi- Verteidigungsfall’ zur Abwehr von Terroranschlägen, ruft er über die Schulter. - Bei ihm bleibe also das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gewahrt, wenn zur Vermeidung einer noch größeren Katastrophe wie einem Terroranschlag per Flugzeug der Abschuss einer entführten Passagiermaschine gesetzlich erlaubt wird. Demnach sei der Tod von unschuldigen Passagieren in einem solchen Fall folglich zu akzeptieren.

„Und?“ - fragt Müller Meyer, „ist es das?“
„Ich habe die Schnauze voll. Lass uns Party machen!“ Kommt dagegen dessen ’launige’ Antwort.
„Bis sie dir eines Tages den Kopf abschneiden...“
„Und dir auch!“
„Warum mir?“
„Du bist meine Lebensversicherung, Müller!“

’Bei unmittelbarer Gefahr soll der Verteidigungsminister den Befehl zum Einsatz der Luftwaffe im Alleingang geben. Nach einer SPIEGEL- ONLINE- Information aus 2014, strebt die Koalition dazu eine baldige Änderung von Artikel 35 des Grundgesetzes an. Angesichts der großen schwarz-roten Mehrheit dürfte es dabei keine Schwierigkeiten geben. Der Vorstoß des Bundesinnenministeriums befinde sich derzeit in der Vorabstimmung zwischen den Ressorts, heißt es in Regierungskreisen.’ - SPIEGEL- ONLINE.


Von meinem Lebenshunger

Eine Geburt ist nichts für Anfänger. Falsch geholt, sind nur die Primzahlen schön. Der Schlaf von Kaninchen. Blumen. Der Rest ist Wut und Hass. Verachtung. Verarsche. Verursacht durch die laufenden Kränkungen der Krankheit Leben. - Mir sagten sie Wahn und Welthass nach; da hatte ich mich längst hinter mir. Und auch die wichtigsten Zeugen sind verschwunden - oder tot.
Hast du dazu mal in meinen Kopf nachgesehen?
Nein, auch das ist keinerlei Option, höre ich.

Stundenlang wird nach Beweisen gesucht. Nach meinem realen Irrsinn. Seite um Seite. Wurde Hinweis um Hinweis nach meinem singulären Schicksal erforscht, - bis ich es müde wurde. Weil es jeder 2te Idiot für ein paar Drinks an irgendeiner Flughafenbar ganz einfach herausfinden konnte. Nur die Hansa Air nicht. Was kann ich (also) dafür?

Dieses kleine Unwohlsein im vorderen Hinterkopf, sagt Munk, habe ich Ihnen schon längst vorausgesagt. Auch von dem Verhältnis zwischen Vertrauen und Kontrolle. Und wie es sein wird, machtlos vor der Tür zu stehen und der Katastrophe, quasi dem Tod, ins Auge zu blicken. Das wird furchtbar sein.
Ich weiß, sage ich. Ich kann aber nichts dagegen tun. Und ohne Vertrauen funktioniert nun mal nichts.

Ich verliere nicht gerne die Kontrolle, erkläre ich ihr. Nippe an meinem Glas. Sehe in ihre glitzernden Augen. Die mit Kajal ummalt. Mit denen sie kichert. Echt? - Ja! - Sie macht alles mit, denke ich.

Geh mal ein Stück vor mir her und wackel mit dem Hintern, sage ich. Und sie ging und geht und wackelt, wie der schmale Streifen Sonne zwischen den Häusern, - eine Audrey Hepburn Sonnenbrille im dunklen Haar. Die sie erst im Park absetzt, als wir im Gras liegen und ich sie küsse. Um Sekunden später eine Exkursion in die Tiefe meiner Gefühle zu beginnen. Während sie meine sanften Gedanken mit der harten Frage ’also, was ist jetzt?’ kontert.
Was, - was ist jetzt? Was war? Was kann sein? - Das würde ich nicht fragen! Das hat was vom Reporting- System. Vom Controlling. Daten analysieren und einbinden. Als ob ich jetzt noch irgendeinem System genüge tun muss. Müsste ich?! - Natürlich kann man alles, was einem an einem selber auffällt, weitermelden. Auch anonym. Doch wenn ich es nicht erkennen will oder kann, - dass in mir ein Problem vorliegt, melde ich es auch nichts weiter. Anders wäre es bei Sauerstoffmangel, denn den würde jeder erkennen, auch ich. Zum Beispiel. Doch eine Depression ist eben etwas anderes. Bipolar zu sein. Oder eben anders. Nur das.

Wikipedia: Mirage (französisch für Fata Morgana, Luftspiegelung) ist der Name verschiedener Militärflugzeuge des französischen Flugzeugherstellers Dassault Aviation, die seit 1961 in Dienst gestellt werden.

Es waren DREI Mirage 2000, sagt der Alte. DREI! Und hält 3 knochige Finger seiner linken Hand hoch. - Ich sah sie zwischen Digne und Barcelonnette. Auch das Passierflugzeug. Dann gab es einen Knall. Als ich wieder hinsah, war da nur noch Rauch. Nichts sonst.
Sind Sie Franzose?
Nein, - Algerier! Ich hasse Franzosen!


Blacksoul

Noch in der Rue de Refuge von Marseille schneiden zwei Bonanza- Rad- Fahrer (um die 10 Jahre alt) Müller die Kamera vom Handgelenk.

„Ich hatte eben erst eine geile 12- jährige aufgetan!“ Berichtet er Meyer mit rotem Kopf, der kurz zum Geldabheben in einer nahen Bank war.
„Keine Kalaschnikow“, fragt Meyer amüsiert.
„Nein! - Baseballschläger!“
„Altersgemäß“, lacht Meyer.
„Und nun?“
„Nun machen wir eine Zeitreise nach Genf. Ich erhielt eben die Nachricht, dass im Beau Rivage ein deutscher Politiker in der Hotel- Badewanne ertrunken sein soll.“
„Wer hat Sie darüber benachrichtigt? Maus etwa?“
„Sie kennen ihn?“
„Wer nicht!“
„Einmal BND immer BND!“
„Und meine Kamera?“
„Die ist weg und bleibt es auch.“

Ich weiß nicht, warum man in den USA ständig Neger erschießt, - das bringt uns HIER nämlich überhaupt nicht weiter, weil dann tagelang die einheimische Presse darüber berichtet.
„Ey, hat denn von euch niemand ernsthaft vor seine ureigensten Probleme zu lösen?!“

13 Phasen zum Überwinden der Sucht frisch aus dem Beipackzettel ’Entzug’:
- erhöhter Herzschlag
- verstopfte Nase
- Magenbeschwerden (Verdauungsstörungen)
- Niedriger Blutdruck, wenn Sie aufstehen, kann das kann zu Schwindel oder Ohnmacht führen
- Erhöhung des Blutzuckerspiegels
- Unscharfes Sehen
- Abnormale Muskelbewegungen, wie Schwierigkeiten beim Ansetzen zu Bewegungen, Zittern
- Unruhe oder schmerzfreie Versteifung der Muskulatur
- Abnormale Träume und Alpträume
- Wutausbrüche
- Menschen erschießen (Neger)
- Flugzeuge abstürzen lassen
- und

Ich schlucke all das Zeug für ein Stück Würde und Normalität. Doch es hilft nicht viel. Weswegen Munk mir mit eindringlichen Worten „Ihre einzige Chance!“ einen ’neuen’ 5- Jahresvertrag Irrsinn aufschwatzen will.

„Das ist ja fast wie die Todesstrafe, Munk – ich werde darüber schlafen!“
„Schon – aber mit wem?“
„Egal! - Fest steht, dass die Amöben gewinnen werden.“
„Warum?“
„Weil die Evolution keine Einbahnstraße ist. Wegen der schnelleren Zellteilung und so.“
„Gut“, sagt Munk, „ich nehmen dann die Beinscheibe!“
„Lenken Sie bitte nicht ab.“
„Okay, - Sie bekommen dazu die Chance, noch in diesem Jahr ’Ionescos Macbett’ in der Anstaltskirche aufzuführen. Na?“
„Entweder ’Richard III’ oder ’Der gute Mensch von Sezuan’!“
„Was Sie immer mit Brecht haben...“
„Nicht Brecht, - wegen der Parabel!“
„Satire, – oder?“


und was ist mit meinem Ehrenwort

Uwe und ich haben den Entenschnabel gemein. Unseren Geburtsort, an der Eisenbahnstrecke Berlin- Strahlsund. Der durch die Gemeindegrenze von 1961 bis 1990, sprich Mauer, die besondere Form eines Entenschnabels erhielt. Für andere hieß der Ort Glienicke/Nordbahn bei Berlin. Auch heute wieder.

Uwe starb 1987 im Hotel Beau- Rivage in Genf.
Ich bin so gut wie tot - unter Munk.

Für mich interessiert sich kaum jemand.
Zu Uwes Sterbeort in Genf machen sich zwischen zwei Flugzeugabstürzen, aktuell den Nähe Marseille und anderen globalen Katastrophen, Meyer und Müller auf. Reporter. Die mit allem möglichen ihr Geld verdienen. Die Wahrheit muss es nicht unbedingt sein.

„Uwe lebt!“ Behauptet Meyer.
„Woher wollen Sie das wissen?“

Hinweis dazu. Meyer siezt Müller und Müller Meyer außer, wenn sie sturzbetrunken sind. Und das ist lange her; passierte ihnen letztmalig vorgestern, - Houellubäcker, Wahlspruch ’Der Tod ist nicht auszuhalten’ soll mit dabei gewesen sein; der von Meyer direkt aus dem Interview abgefischt wurde...
„Der mit ’Unterwerfung’ diese viele beklatschte Muselschnulze schrieb?“ Fragt Müller.

„Ich rauche zuviel!“ Sinniert Houellubäcker (nichts im Leben lässt sich reparieren, nichts überlebt den Tod).

Sein (Houellubäckers) Hund sei vor Kurzem gestorben, sagt Meyer, ich bitte Sie also um Pietät, lieber Müller.

’Ils me regardent comme si j’étais en train d’accomplir / des actes riches en enseignement. Tel n’est pas le cas. / Je suis en train de crever. C’est tout.’
„Sagte er das nicht schon?“
„Drei Mal, mindesten...“
„Ein Glück, dass ich kein französisch verstehe!“

Woher er also wissen wollte das Uwe lebt, fragt Müller Meyer.
„Weil er nicht tot ist!“
„Bitte?“
„Jemand hat sein Grab geöffnet... und er war nicht drin!“
„Wieso hat jemand sein Grab geöffnet?“
„Weil es sich um Mord handelt!“
„War sagt das?!
„Steht in der Zeitung.“
„Die Zeitung sind doch aber wir.“
„Genau so, - also ran an die Arbeit.“

„Sehen Sie mal hier“, sagt Houellubäcker, „ich habe eine Strafanzeige erhalten!“

- STRAFANZEIGE -

1. wegen vorsätzlicher BRANDSTIFTUNG, als er am 01.04. 2015 hinter den Garagen seine Kontoauszüge entzündete, um ein Feuer zu legen.

2. laufenden RUHESTÖRUNGEN, da er in seinem Haus und auf dem anliegenden Parkplatz nachts Fuß- Ball spielt und außerhalb jeglicher Zimmerlautstärke hämmert, klopft, Musik hört und Krach jeglicher Art zu jeglicher Zeit macht.

3. HAUSFRIEDENSBRUCH, wenn er sich zu unregelmäßigen Zeiten, vorwiegend nachts, unerlaubt über die Dächer der umliegenden Häuser Zugang zu seinem Haus sucht, weil er seinen Hausschlüssel vergessen hat o.ä.

4. SACHBESCHÄDIGUNG, da er laufend Autos zerkratzt, die nicht seine sind.

5. ILLEGALE MÜLLENRSORGUNG, da er in Mengen vorwiegend Schnapsflaschen aber auch Hausmüll von und über seine Terrasse seitlich in den Wald entsorgt, oder in die Vorgärten der Nachbarn wirft.

Scheinbar steht er dabei - oder ständig - unter Drogen- und/oder Alkoholeinfluss, ist schwer ansprechbar und kaum zugänglich. Zeitweise benutzt er das Fahrzeug XYZ; - wobei seine Fahrtüchtigkeit in Frage steht.
Eventuell steht H. unter Vormundschaft. Es sollte dann der Vormund benachrichtigt werden, da sein Vater als Hauseigentümer weder über eine Anschrift noch telefonisch erreichbar ist.
„Mein Vater ist längst tot. Was soll also der Scheiß!“


Das denkste im Leben nicht

„Es sind die Herzschmerzen“, sagt er, „du machst und tust und merkst die nicht bewusst und eines Tages - ZACK - liegst du da. Tot!“
„Scheiße. - Echt!“
„Andererseits: Wer will schon 100 werden?“
„Auch scheiße. - Echt!“
„Mann, Müller! Können Sie es nicht anders sagen als ’Scheiße/Echt’?“

Wenn alle Leere verschwindet. Alle Zeichen. Alles Licht. Wenn keine Trauer ist. Kein Sein. Nirgends. Dann. - Und das gilt es zu schaffen.
’Suicide to psychiatrists is like snow to Eskimos; we've got 40 words for it’ - Paul Summergrad

Das Bild zeigt ihn mit eingeschlagenem Schädel in der Badewanne. Mit Hemd und Krawatte, Hose, mit Schuhen an. Der Zimmerservice soll ihn gefunden haben.
„Daran stimmt nichts, Müller!“
„Wieso, ich habe das Bild doch selber gesehen.“
„Wenn Sie ein Bild von Picasso sehen, glauben sie dann auch was Sie sehen?“
„Ich glaube an Gott...“
„Aber Sie wissen nicht, was sein eingeborener Sohn über lange Jahre seines Lebens getan hat.“
„Immerhin geht es um ein Ehrenwort.“
„Erst war von Schüssen die Rede, dann von Selbstmord. Von Waffengeschäften und Israel. Heute munkelt man von der Stasi.“
„Und Sie erzählen mir nun, er habe in dem abgestürzten Flugzeug gesessen und der in der Badewanne vom Hotel Beau- Rivage sei gar nicht Bartel?“
„Er kann ja nicht gut der im Flugzeug sein, wenn er 1987 der in der Badewanne war.“

„Wie Fränzel schon 1897 schreibt: ’An mir selbst mache ich höchst interessante Beobachtungen. Von maßlosem Idealismus, der sich gegen allen Zwang und alle Regeln, gegen seichte, platte Denkungsart der Gegenwart stemmt, sich für Natur und Kunst, für ein höheres, geistiges Naturerleben begeistert.’“
Ich sehe sie vor mir. Sie essen, starren auf den Monitor vor sich, simsen, dösen, zocken auf ihren Smartphones herum oder hören über Kopfhörer Musik. Ihre Gesichter ähneln sich, braun gebrannt oder nicht. Einzig was wahr ist und was nicht, kippt ein wenig Farbe ins Dunkel. Doch nicht mal als der Pilot mit der Axt unter wüstem Gebrüll auf die Kabinentür einschlägt, klart es richtig hell auf, - nicht als es knallt und blitzt. Auch nichtganz am Ende. Denn es geht irgendwie immer weiter. Zugeben darf man es nur nicht.


Gut und Böse bist du - Idiot

Es geht ums Überleben. Entweder du gewinnst, oder du stirbst. Wenn du gewinnst, bestimmst du was die Wahrheit ist – und alle müssen dir glauben. Der Rest ist Schweiß, Blut, Dreck. - Abfall. Sind die Fantasien und Begierden eines einzigen Despoten. Ob Mann oder Frau. Alle anderen sind lediglich Personal.
„Und wer hat nun die Maschine abgeschossen?“
„Die in der Ukraine?“

Jetzt sollte ich über hektische Flecken in seinem Gesicht berichten. Über stoßweise atmen. Aufsteigende Magensäure. Über unkontrollierbares Augenrollen... Heftigen Speichelfluss. Zucken und Rucken hin zum Herzinfarkt. - Müsste ich. Könnte ich. Machen andere... Und langweilen über Seiten ihre Mitreisenden in einen unruhigen Schlaf. Motto: Der Mond geht auf – du allein (abgewandelte Sarah Kirsch).
„Das war ein Fehlschuss. - Man wollte Puntin eliminieren!“
„Also war Puntin in einer ähnlichen Maschine zur gleichen Zeit...“
„Die Rakete hat sein Flugzeug verpasst und stattdessen die fast zeitgleiche Boeing der Malaysian Air getroffen.“
„Und wenn es geklappt hätte?“
„Haben Sie mal von Stalins Armee der Doppelgänger gehört?“
„Ja.“
„ ...die hat der alle handgeschnitzt...“
„Und Sie?“
„Wir? - Aus einem 3- D Drucker machen wir alles. - Auch einen Oleg Puntin.“
„Und warum?“
„Ganz einfach: Die alten Gesten sind immer noch die Besten!“
„Noch eins: Wer ist eigentlich WIR?“
„Sie alle... die selbst ernannten Volksvertreter weltweiter Scheindemokratien. All die Kapitalisten samt ihrer Helfershelfer pur!“

Abermals könnte ich hier so was wie ’Ja, ich spürte, wie der Boden, auf dem ich stand, zu schwanken begann’ schreiben. Könnte ich - und so weiter, um Erwartungen zu erfüllen. Eure Erwartungen. Doch das reicht nicht. Reicht MIR nicht. MIR NICHT! Von wegen: Magensäure. Augenrollen. Speichelfluss. Hin zum Herzinfarkt... Einzig kotzen kann ich. - KOTZEN!
„Wenn Sie in den Spiegel sehen, was sehen Sie da, Doktor Munk?“
„Sie! Immer nur Sie. Und das schon so lange ich lebe!“

... da versagt einem glatt die Sprache...
... da versagt einem die Sprache...
... da versagt Sprache...
... da...


13. april 2015 michaelköhn