Über Grace
(Erzählung)


Doppelte Null Linie:

Sie schlug zu. Ich fiel nach hinten. Brachte es trotzdem fertig, zu lächeln. Nickte.
„Was ist?“ Fragte sie.
„Alles okay!“
„Du hast eindeutig großes Potential“, grinste sie.
„Bestimmt.“ Antwortete ich. „Bestimmt!“ Was sollte ich auch sonst sagen. Schon deshalb, weil sie die Trümmer der Gitarre aufsammelte und ich ihr dabei auf den Arsch sehen konnte; so geschehen, kurz nach dem wir gevögelt hatten. Ehrlich? Ich hätte es mir andersherum gewünscht. Doch was sollte das jetzt.

„Du hättest die Socken ausziehen sollen!“ Grinste sie ’irgendwie’ träge. Und genau dieses ’irgendwie’ (träge) ’Träge’ bekam ich nicht mehr aus dem Schädel. Träge. Wie Mucke die man hört, - nicht besonders leiden kann. Die aber hängen bleibt. Ein Ohrwurm. Wie bei mir ihr ’träge’. Was für eine Scheiße aber auch.

„Einen hübschen Arsch hast du!“ Sagte ich. Um mich abzulenken.
„Findest du den hübsch? Ist der nicht zu fett?“
„So Dinger trägt man doch heute, oder?“
„Was fragst du mich!“
Irgendwie nicht mein Tag, dachte ich. Arschkarte. Oder so was ähnliches.

„Eigentlich suche ich nach einer festen Beziehung“, sagte ich „und nicht nach einer irren Tussi, die mir die Gitarre auf dem Kopf zerschlägt!“
„Wohl nicht dein Tag - heute“, grinste sie. Und ich verkniff mir an das ’träge’ zu denken. Es überhaupt an mich ran zu lassen. Ernsthaft. Ich verkniff es mir, bis mir die Eier weh taten.

Ich weiß, wie ich die Wellen brechen kann. Die schärfsten Dinger, Mann. Ich bin eben besser als die. Reite sie kaputt und lass sie links liegen.
Als sie geht, küsst sie mich kräftig auf den Mund.
„Damit du mich nicht vergisst!“ Sagt sie. Saugt mir einen Knutschfleck auf den Hals. Dunkelblau. „Damit du mir treu bleibst!“
Die Zeiten ändern sich, denke ich; diese beschissenen Zeiten.


The Days After The Nights:

Ich ziehe mir weißes Zeug über. Plastik. Wie die Typen der Spurensicherung im Krimi. Maske und Gummistiefel. Und spraye ’Grace’ an jede Wand der Stadt. An U-Bahnzüge. Straßenbahnen. In Arschgesichter. Denn wenn ich falle, fällt sie mit. Wäscht sich ab.

Doch eigentlich will ich mit ihr liegen, - wo grün das Gras unter Bäumen wächst. Im Morgenland. Wenn der Film längst gelaufen. Ja, das ist mein Sehnen. Manche nennen mich deswegen einen Anarchisten. So wie du darüber schreibst, - begründen die. Dabei lebe ich auch - so. Doch wem soll ich es sagen? Etwa Grace? Ich glaube, die könnte das nicht ertragen. So wie ich vollgeschissene Kinderwindeln nicht ab kann. Und daran reibt sich unser Tag. Raubt mir die Nacht all meine Träume. Bin ich sternenlos, - wenn ich nicht schlafen kann. Spraye. Um anschließend durch die Kneipen der Gegend zu ziehen.
Nur wenn sie mich dabei mal schnappen, fällt mir mein Versprechen ein. Eins, das ich nicht halten kann. Egal wie oft ich es erneuere. Ich falle dabei jedes Mal komplett auseinander, - Grace in Gedanken, um mich dann wieder zusammen zu setzen. Ey. Was das für eine enorme Kraft kostet - Mann! Ich bin deswegen heilfroh, wenn die Bullen mich so früh wie möglich aus der Zelle lassen; denn ich bin noch nicht fertig. Lasse den Tag kommen. Den Käfig mit Sonne darum herum. Während Grace die Fenster aufreißt, um das Bettzeug auszuschütteln. Klar. Auch das werde ich niemals vergessen. Wie ihr Herz blutete. Die Zeit sich mit ihrem Leben quälte. Die Tage kürzer wurden. Das klappen vom Türschloss lauter. Ja, ich weiß schon, du hast mehr gewollt, Grace - doch ich Idiot hab’s vermasselt.


Wie Seelen sich finden:

Grace wird morgen humpeln. Ein blaues Auge zurückbehalten. Kratzer auf Schulter, Rücken und Po. Und die werden brennen wie Hölle. Doch es wird sie nicht stören. Sie hat keine Panik. Sie nimmt es als Leben. Als Liebe. Sie braucht es. Sex. Und ich gebe den ihr. Satt. Mit der Buchstütze. Der Schuhbürste. Dem Handtuchständer. Mit der Thermoskanne. Dem Regenschirm und dem Golfschläger. Sie will es. So. Genau so!

„Lass uns einen Dildo nehmen“, rate ich. „Den langen mit den leuchtenden Noppen.“
„Nichts da!“ Unterbricht sie mich; befiehlt. „Mach schon! Schlag zu!“

Es muss einen Grund haben, denke ich. Einen Grund auf dem Grund. Einen Schatz. Einen Klumpen Gold. Ein Monster. Oder so. Nur finden, muss man den. Aber wie? Denn Grace sagt nichts. Sie fordert. „MACH!“ So einfach. Und bestimmt. Und ich mache. Ich kann nichts anders. Ich liebe. Sie. Grace!

„Heut Abend die Nummer mit dem Kabel!“ Ruft sie im Gehen.
Ich drehe mich um.
„Im Ernst?“
„Und besorg bitte noch bunte Ballons. Die lassen wir fliegen!“

Auch das ein Zeichen an mich: Sie will es blutig. Verliebt- Verlobt- Verheiratet, nennt sie das Spiel. Bei dem ich eine Maske trage. Tragen muss. Sie wünscht sich die aus Straußenleder. Ich weiß es. Sie hat mir das Teil neulich zum Geburtstag geschenkt.

„Passt zum Skorpion!“ Sagt sie. Und freut sich darüber.
Ich nicht. Denn ich sehe damit wie eine Ameise aus. Eine von den furchtbaren Dingern, die mit ihren dauernden Knister- Messer- Mäulern Blätter zerschneiden. Kanus bauen, um Flüsse zu überqueren. In Mittelamerika - oder so. Deren grässliche Geräusche mir den Tinnitus vorantreiben.

„Stress“, meint der Arzt. Ich weiß es besser. Schiebe mir deswegen bis zum Mageninfarkt Gingo ein. Hilft aber nicht. Auch wenn ich es mit Schokoladencouvertüre mische. Ich bekomme nichts außer Durchfall. Und habe dazu noch diesen fürchterlichen Geschmack von Klostein im Mund.

„Iß auf, es ist nicht vergiftet!“ Höre ich Mutter - als ich würge.
„Kinderkram, Mutter!“ Sage ich. „Halt dich da bitte raus!“
„Immerhin hast du BITTE gesagt. Das habe ich zu meinen Lebzeiten nie von dir gehört!“

Ich gehe auf die Knie. Höre ein Saxophon. Und wie der Hall vom Schuss mir die Ohren ausputzt. Diese alten Geschichten. Wenn man den Tod vor Augen hat. Um dann doch weiter zu spielen. Wo die Nacht wie aus dem Nichts über einen herfällt. Das Herz wild und wilder schlägt. Und man so schnell vor dem Grauen davonläuft, dass Funken sprühen. Doch dann kommt die tröstliche Erinnerung nur eine Wassermelone überfahren zu haben. Damals. Und weit vor Grace. Doch irgendwie... Ach, ich weiß auch nicht, - passt schon alles.

„Hast du es dabei?“ Fragt sie.
Und, was denken Sie. Frage ich zurück. Habe ich?
„Ich als Frau - oder du?“
„Du!“ Bestimmt Grace.
Also gut.


Es ist nicht alles schlecht, nur weil Weihnachten vor der Tür steht:

Ich weiß ja, dass von (der) Liebe kein Nutzen erwartet werden darf, - denn Liebe ist Selbstzweck. So wie Grace mir. Nur ob ich ihr Selbstzweck bin steht in Frage, denn ich finde mich in ihrer Absicht Sex mit mir zu praktizieren benutzt. Nicht mehr, oder weniger.

’’Wenn Sie mit jedem Schuss die Scheibe treffen, sind Sie nichts anderes als ein Kunstschütze, der sich sehen lassen kann...’’ Buddha (sinngemäß).

So sehe ich mich in Grace. Hoffe aber auf Änderung. Und bleibe dabei meinen eigenen Sound zu suchen - und zu finden. Von wegen, den Zweck herbeizusehnen a la fette Beute: Gefühle zeigen. Andere sinnieren über den Klimawandel. Oder wann die ersten Aliens landen. Und wo. Ob hellblauer Beton sexy sei. Und Kim Kardashians Hintern. Oder ob ein solch gewaltiger Arsch ein Monstrum sei der auf den Mond (geschossen) gehöre. Wobei die Gefahr einer Überschwemmung steigt.

Es ist eisfrei im Raum. Wir fliegen mit mäßigem Tempo, trotzdem steht uns der Atem wie eine Wolke vor dem Gesicht.
Ich kreise und schwanke - stürze fast. Ziehe mir die Jacke über dem Herzen zusammen. Grace. Die sich mit discoweißen Lippen, Bananen am Busen in das goldene Strobelight dreht. Drum. Bass. Ambiente. Und Kirk aus Panama. Als DJ.
„Sehr angesagt, der Laden!“ Sagt Grace.
Und ich nicke. Während sich in den Burgundersamtnischen irgendwelche Direktoren in Mad- Max- Outfits Polygrame teilen. Es wummert und wabert überall unkontrolliert. Wilde Muster ziehen Linien über Handrücken wie bestellt. In Endlosschleife läuft ein Garp Werbespot.
„Wie im Film,“ lacht Grace.
Und ich nicke. Sehe in der Spiegelwand gegenüber Bal.
„Hast du Bal bemerkt?“
„Nein. Wer ist das?“
„Der Regisseur!“ Sage ich.
„Und was macht der?“
„Ohne den läuft hier nichts!“
„So - so.“
„Oder, wie Ellis schreibt, es dauert vom ersten Takt bis zu letzten Beckenschlag 12 Minuten und 38 Sekunden!“
„Bei was?“
„Beim Bolero!“
„Cool!“ Sagt sie. Steht auf und schnippt die Zigarette weg.
Das war gestern, Freunde. Und ich frage mich was heute wird. Oder Weihnachten 2015. Und mit Grace und mir.


Jeder Mensch hat einen Arsch, nur Idioten haben 2:

„Wann wollen wir los?“ Fragt sie.
Mir fällt in dem Moment Brecht ein, weil der meint man sollte besser eine Bank gründen und keine überfallen.
Als wir uns vor dem reingehen umarmen flüstert sie mir ins Ohr das alles gut werden wird.
„Wir sind nicht unfehlbar, Grace!“
„Ich schon!“ Sagt sie. Und küsst mich still.

’Du schaust mir in die Augen
Liest in meinem Blick
Jetzt gibt es kein zurück’

Als wir drin sind, ist der Laden bis auf das Personal leer. Einzig der Wind pfeift durch ein angelehntes Fenster. Ich greife in die Jacke und hole die Kanone raus. Halte die vor der Kamera verdeckt, so dass nur der Kassiere die sieht.
„Meine Güte“, sagt der bei einem Blick in mein Gesicht, „Sie sehen aus wie Roberto Bianko!“
„Und das ist meine Frau!“ Ich deute auf Grace, - die den Bankdirektor durch die Halle zum Tresorraum hetzt.
„Wie bei Bonni und Clyde!“
„Sie füllen jetzt den Beutel – und halten ansonsten das Maul, Mister!“

Am nächsten Tag checke ich die Zeitungen. Nichts. Im TV. Nichts. Als wären wir nie in der Bank gewesen. Einzig die Welt ist ein Chaos, lese ich.

Mir hat mal jemand gesagt, dass ich wie Garfield aussehen würde. Der Lärm anschließend war so extrem, dass ich seine Entschuldigung nicht verstanden habe. Nun, es kann sehr wohl an den hohen Räumen gelegen haben. Da bricht sich der Hall eminent. Zum Beispiel, wenn irgendein Idiot erst in die Decke und dann mir ins Bein schießt. Und so geschah es.

Auf dem Polizeirevier stellte sich heraus, dass der tätowierte Bulle mit Glatze geschossen hatte, der mir schon zuvor aufgefallen war, als er die Klofrau wegen ein paar herumliegender Joints bedrohte. Tage später kam ich über meinen Anwalt an seine Anschrift und machte seiner Frau – der Bulle war leider nicht da - einen intimen Hausbesuch.

Mal ehrlich, ich mag Frauen. Und die besonders. Sie hatte was. Was Asiatinnen eben so haben. Und war auch sonst eine besonders hübsche. Fast wie C. Schwarze Haare. Reisdünn ihr Körper. Eng im Schritt - hoffte ich. Gut. Das macht es dann nicht unbedingt leichter. Doch ich bin für solche Fälle gerüstet. Habe Mia, so ist der Name der Lady, an einen Stuhl fixiert. Bin raus zur Karre, um das Gleitöl aus dem Handschuhfach zu holen. Und genau dabei fiel mir die von Simmel geschilderte chinesische Schlittenfahrt ein. Dazu mein Glück, das Mia perfekt deutsch sprach und Simmel las. 3 Mal habe ich es krachen lasen - und es endet erst damit, dass der Glatzkopf schnaufend in der Tür stand.

I Belong To U, Baby. Summte ich Sekunden später. Und beobachtet, wie Mia dem nackten Bullen das Blut aus dem Gesicht wischte, geschickt eine Transfusionspumpe schaltete, um den nötigen Blutaustausch zwischen ihnen zu gewährleisten. Und sie auf meine diesbezügliche Frage: Ja, ich bin Krankenschwester hauchte. Schade, dass ihr keinen Hund im Haus habt, wollte ich als Tippgeber für alle Fälle brillieren. Doch nichts. Na dann: Wenn du ihm jetzt noch einen tutest, Mia, scheiden wir als Freunde; - ist nur ein Vorschlag, ey. Ich steckte dem Bullen die TV- Fernbedienung in den Hintern, sie tutete, er rollte seine Augen in den Kopf zurück - und keine zehn Minuten später rauschte ich zufrieden einem verdienten Feierabendbier entgegen.

Während der Zeit allerdings, die ein gutes Bier brauchte, tunkte ich meine Finger in handwarmes Lanolinbad. Gut. Sonst lasse ich danach meine Nägel mit Plierlotion bearbeiten. Heute stand mir wegen der Gedanken an C nicht der Sinn danach. I belong to you, you belong to me. Forever!

Das wird alles schon wieder, tröstete Eva. Die ich 24 Stunden später auf eine Annonce in einer Pornozeitschrift kennen lernte. Und ich war nahe daran, ihr unbedingt recht zu geben. Doch wie das Schicksal so spielt, es kam wieder mal ganz anders.

Nicht dass jetzt jemand auf dumme Gedanken kommt, - denn das geschah alles weit vor Grace. Ich erzähle es lediglich, weil ich beim Geldzählen Zeit habe.

„Na? - Wie viel ist es?“
„Satt. Meine Süße!“ Sage ich. Und mehr will Grace nicht wissen.


Chaos über fallende Zeiten:

Wenn es still wird in der Seele, lese ich die Angst aus meiner Wand. Schon beschissen, diese Zeit. Schwarz wie die Nacht. Mein Vaterland. Doch auch ich bin schon ein Killer. Hetze Jäger. Töte Hasen. Fresse für mein Leben. Gerne. Dich. Grace. Du Aas. Aus deiner Welt. Kann es gar nicht anders sagen. Wie. Und was. Dem Feind. Gefällt. Lebensbild mir sage. Klage, was du mir bist. Was ich mag. Und nicht. Wie dein ewig leerer Magen. Esse Stunden nach dem Chrash. Dich. Zur Strafe. Grace. Während ich als Geisterfahrer (noch) tief in dir stecke. Fett. Neurotisch. Lebensmüde. Schwitze. Spritze. Mich bejahend. - Mich! Den bitter- lustig ... Treibe ich dich vor mir her. Verkorkstes Dasein. Bist mir was schuldig. Lebenstraum. Wassermühle. Apfelbaum. Auf. Des Müllers Lust. Der Flaum. Und. Da werde ich gerne auch mal kindisch. ’Hundert Jahre’. Einsamkeit. Same ich dir Samen ein. Rektal. Durchs Bein. So. Oder. Grade wie ich will. Muss es sein. Kann. Und es bleibt dabei. Ja- gut. Man kann es anders auch benennen. Für dich ist es allerdings überhaupt kein Grund mit Gebrüll mir wegzurennen. Denn leichtfüßig - wie der Tod - bin ich. Macher. Mache dein. Dass du du bist. Leben. Wachs. In meinen Händen. Gut. Ich bin der Einzige. Mit irrer Wut. Doch DU. Nenne mir den Ort. Mit Grace. Oder geh. Du Huhn. Trägst keinen Arsch in deiner Hose. Zum Trompete spielen. Erste Geige. Nein. So nicht. Mein Freund. Auch wenn du abgestürzt. Vom Wochenende. Dicker Kopf. Soweit es geht. Gehirn. Erschütterung. Schockraum. Not- OP. Der Druckentlastung wegen. Offen. Auf Intensivstation. Die Tage satt im Horrortrip. Weil. Du. Ignoriert und lästig. Dauerkoma. Störst den Pflegeplan. Wie das schwere Herz. Ein Implantat. Aus Erz. Leidend. Fängt die Tagen hüpfend an. Zaghaft. Kommt dann wieder. Stark. Weil das Leben nach dir schreit: Cannonball. Man glaubt es kaum. Pflaumenbaum. Aus der Traum. Forscher züchten Minimägen. Nachtigallen. Widerhallen. Spaßgevögel. Hörst du mich. Ich. Als blaue Seite. Still.
Wenn ich fliegen könnte wäre ich längst anderswo. Läge längst tot mit Grace am Wegesrand. Weg. Ende. Wie die liederliche Zeit mit ihr. Grace. Die ich meine große Liebe nenne.


Mords- Walzer mit Grace:

„Das Geld sollte doch wohl reichen?“
„Fürs erste schon!“
„Falls nicht, müssen wir eben noch mal ran!“
„Wie viele sind es denn?“
„Du wirst schon sehen.“
Zwei Tage später hatten wir den Wohnwagen, ein wirklich luxuriöses Teil - und fuhren der Sonne entgegen.

„Wann und wo liefert Max die Waffen?“
„Ich rufe ihn heute Punkt 5 an!“
„Und dann?“
„Weiß ich den Treffpunkt.“
„Was liefert er?“
„Zwei Pistolen. Einen Revolver. Eine Pumgun. Alle aus dem Fundus der NSU!“
„Der Mann ist Polizist?“
„Dicht daneben: Staatsanwalt.“ Dabei lacht sie. Und ich stehe voll auf dem Schlauch
„Alle Achtung, du kennst Leute.“
„Max - heißt mein Vater.“

Auch hier ist Ich ein anderer. Versuche ich die Dramatik nach Schmerz zu verstehen. Die Rachegelüste von Grace. Komme mir armselig vor. Warum auch immer.
Klar, es gibt gute Gedanken, und es gibt schädliche Gedanken. Leider weiß ich nicht, welche ich denke. Auf jeden Fall fehlen in meiner Patientenakte Seiten. Weißt du, wo die geblieben sein könnten? Frage ich mein Ich. Doch nichts.

„Hast du was gesagt?“ Fragt Grace. Die den Chrysler fährt, Musik hört, im Takt mit dem Kopf wackelt und Zigarillo raucht.
„Nein. – Nichts!“ Während ich fliege. An Brudermord mit Trauerflor denke. An unsere Gespräche im Frühjahr über den Geruch von Wasser, den der Bäume, der Wiesen und Hügel. Das Bäche, Seen, Bäume, Wiesen und Hügel sprechen können. Der Himmel. Die Sonne. Die Wolken. Die ganze Welt. Das Glück einen Namen hat: Grace! Die sich gerade eine Träne aus dem Gesicht wischt, ehe die über ihre Wange laufen kann wie die Nacht über den Tag. Ach, ich weiß, ich werde mit ihr atmen, falls ihr der Sauerstoff versiegt. Ihr von meinem Blut geben, sollte sie keins mehr haben. Von meinem Schlaf. Sollte sie nicht schlafen können. Von meinem Leben. Und ich werde für sie diese crazy Scheißer töten. Also glaube es. Denn Leben und Tod ist Farbe an sich. Ist die Stimme im Kopf. Oder lass es einfach, schlafe; es wäre vielleicht besser so.

Ein endloser Fluss ist menschlich Leid. Ein tiefes Meer der Tod. Ein dunkles Blau. Am Grün vorbei. Das Rot. So werde ich für Grace zum Helden; halte eine Winchester 1300 Pumpgun mit Repetiergriff aus Buchenholz im Arm.

„Wir sind bald da“, sagt Grace.
„Ich bin bereit!“ Zeige ich Zuversicht, Kraft, - hoffe ich.

Der Vorwurf lautet auf sexuellen Missbrauch, Förderung der Prostitution, Drogenhandel und Förderung sexueller Handlungen von Minderjährigen in 117 Fällen. Einer der Fälle ist Grace. Sagt sie.

„Es ist Zeit für Sühne“, sage ich dem Typen.
„Du kannst mich am Arsch lecken!“
„Wenn du dich hinkniest.“
„Machs dir selber!“
„Unmöglich, Mann.“

Es regnet Blitz und Feuer. Dann ist sein Akku leer. Der Kontakt weg. Klafft die Orange - weit geöffnet. Krümmt sich der Typ in letzten Zuckungen; bleibt ihm das Comeback versagt.

Ich schließe den Imbiss ab und gehe. Behalte den Schlüssel für den Laden. Warum, weiß ich nicht. Nur: Mit der Zeit wird es mir zur Marotte. Wie die Vergangenheit, die in der Gegenwart keine Zukunft findet.

„War der Typ Türke?“
„Kurde! – Nein, keins von beiden - ist ein politischer Witz.“
„Du lachst aber gar nicht.“
„Manchmal ist das eben so.“
„Und wie viele werden es noch?“
„Reichlich. - Doch jetzt fahren wir erst mal ans Meer!“
Ich liebe Grace. Und wie!


In Grace begründet Schmerz sein Urheberrecht. Ich kann es sehen, spüren, wenn wir intim sind:

Raus aus dem Phlegma. Ran ans Eingemachte. Hieß es in der Therapie. Da war sie noch (so) naiv. Dabei ist Schmerz eine Erkrankung. Ein selbstständiges Ding. Und nicht nur ein Symptom. Trotzdem hatte sie gehofft danach aus dem Gröbsten raus zu sein. Irrtum. Leider. Zudem sie die Drogen weiter brauchte. Lebenswichtig wurden die ihr. Um nicht in irrer Wut zu verglühen. Sich im Gedächtnis zu verlieren. In Hyperaktivität. Im Schweigen. In gelähmtem Entsetzen. Hirn ohne Seele. Seele ohne Hirn. Im Chaos der Luft, die sie tag- täglich umgab. Von der sie nie genug bekommen konnte. In die sie Blut erbrach. Schmerzen. Schreie. Von außen und innen. Nach Innen und Außen. Die mal dort saßen - und dann wieder da. Die nicht entflohen, wenn sie die mit einem Messer umbrachte. Sondern sich teilten. Zeugten. Auf Wanderschaft gingen. Kopf. Hals. Brust und. Lunge. Das Nervengeflecht um den Magen. Als Echo durch den Bauchraum in alles Gewebe unterhalb und oberhalb der Gürtellinie. So dass ihr Arme und Beine versagten. Deswegen schoss sie am Tag einige Male nach. Brauchte viel Geld dafür. Immer mehr. Machte aus ihrem Hobby einen Beruf: Hure! In besseren Kreisen. Heirat nicht gänzlich ausgeschlossen. Und so weiter. Hauptsache, es würde helfen, Kohle anzuschaffen. Besser als Schmerzen. Schwitzen. Haare ausreißen. Blutig schneiden. Mit den Zähnen zu knirschen. Oder. Krieg im eigenen Körper. Der nicht zu gewinnen war. Niemals. Sie hatte also keine andere Wahl. Es sei, sie würde es weiterhin zulassen zu sehen, wie sie sich auflöste. Erst die Klamotten. Dann sie sich selber. Nackt. Zerstört. Ein verbrauchtes, faulendes Gewebe. Pest und Cholera. Macht und Machmissbrauch am eigenen Körper. Herrenabend - for ever and ever. Das hieße, sich lebenslang die Ängste und Albträume durch die erigierten Schwänze irgendwelcher geiler Geldsäcke auszutreiben. Und das mit angehaltenem Atem. Ohne Luft zu holen. Unter Sauerstoffentzug an deren Dingern zu nuckeln. (Einfach so) zu ersticken über die Zeit. Eine grauenhafte Vorstellung. Crazy. Irre. Dann lieber tot. Tod. Bringen. Stolz entwickeln. Sich erlösen. Der Rache wegen. Go on, Baby!


Wenn Schluss, dann richtig:

Zu lieben. Um Grenzen zu überschreiten. Neues zu erkunden. Tiefe zu erfahren. Deswegen.
Völlig lächerlich, sagen andere: von wegen Liebe ist Hass! Dabei ist Hass bei mir auch positiv besetzt, folgt strengen Regeln. Ordnet sich dem Sein unter; oder ist gar die Liebe selbst. Maler zeigen ja auch ungewöhnliche Blickwinkel davon. Machen sich den Hass gefügig. Lebende Nackte und Tote. Und die Dinge ansonsten. Die Pflanzen und Tiere. Himmel und Sterne. All die Zwischenfarben Existenz.

„Wenn du daran festhältst, wird es eine Zeit voller Glück!“ Sagt Grace. Die, als sie das sagt, jünger wirkt. Blonder, im guten Sinn. Und so wahnsinnig sexy in flüssiger Süße.
Jahre später wird es ihre Sterbensszene sein. Und genauso unerträglich. Für mich. Weil ich nicht kann, was ich will. Frieden und Leidenschaft. Nicht Herz und Schmerz gepaart mit Krieg, Mord und Totschlag. Doch jetzt bestimmt sie, sagt sie. Grace! Meine Liebe. Und ich kippe den Alltag. Bin nichts weiter als ihre Kulisse. Der Rahmen vom Bild. Ihre ausführende Hand. Die Ratte in der Masse. Um unter Tränen zu lachen, wenn ich im Affenkostüm Liebe atme, - wenn ich schieße und töte. Und sie in die Hände klatscht wie ein kleines Kind an Weihnachten. Ach, es sind diese kurzen Momente. Ich sterbe dafür! Und bete, das die bleiben. Immer sind. Wie Grace. Wir. Eine einzige Party. Doch was wusste ich da schon? Nichts! Doch das nur mal so, - mit einem Gruß aus Deauville. Dem Königreich der Eleganz. Wir werden übrigens morgen früh dort die Bank machen. Die BNP Paribas, - 108, Rue Victor Hugo, Deauville. Und ich bin (darüber) schon mittelmäßig erregt. Also, Freunde Frankreichs - darauf schon mal einen 30jährigen Calvados Roger Groult Age d’Or, - der haut dir ordentlich Funk in den Hintern.


Bei Einbruch der Dunkelheit gibt die schwarze Spalte die Spielregeln vor:

Ich gehe alleine rein. Nehme das Sterben mit. Denn am Eingang zur Halle steht ein Wachmann. Bewaffnet, wie ich sehe. So ist alles in Time. Der Blues. Und der Rock’n Roll. Das Unvermeidliche. Wie das Leben nun mal ist; alternativlos der Tod. Doch die Handlung gibt mir das Zeitgefühl zurück, als ich zuschlage, ihm ohne Konsequenz die Waffe wegnehme.

„Auf den Bauch, Boy! – Hände hinter den Kopf!“ Und er auf dem Bauch liegt. Die Hände hinter dem Kopf. Wie auch die fünf anderen Piloten Sekunden später. Die damit mein Schwitzen unter dem Affenkostüm stoppen. Weil es so glatt geht. Zu glatt. Baby blue. - ’Wichtig nehmen all das Sterben...’ frei nach Nietzsche. Und ich nehme. Den Rucksack mit dem Geld aus der Hand des Bankdirektors. Und das ohne Geschrei. Weinen und Flehen. Ohne einen Schuss. Den obligatorischen Kracher in die Decke, dass der Putz rauscht, wie in Mimis Krimis. Die nachts ohne Mann nicht schlafen kann. Wie gut ich sie verstehen kann, als Frau. Ich hätte die Chance auch genutzt. Alles wird gut! Der Kampf um Anerkennung und Glück. Es braucht nur Zeit, - wie man an mir sieht. Dabei lasse ich den Film nicht oft zurückspulen. Von wegen Vater, Mutter, Kinder, Geschwister. Das Haus, den Pool, das Auto, mein erstes Fahrrad. Frau und Nachwuchs. Alles versäumt. Anders gesagt: Das Sterben beginnt mit dem Anfang und dauert, sollte man es nicht selber in die Hand nehmen. Organspender werden. Somit: Verschiebung der Deadline. Well done. Somit kommt man – also ich – zur fatalistischen Grundhaltung. Augen auf und weg- geschaut. Und so kommt es dann auch, dass ich einen Querschnittgelähmte zurücklasse, wie ich nächsten Tag in der Presse lese. Weil der Typ ’ehrlicher Wachmann’ für seine paar Kröten dann doch unbedingt den Job machen will. Für dem ihn der Bankdirektor mit Dank Narzissen und eine Bonboniere ans Krankenbett schickt. Um anschließend im Hotel an der Ecke die Sekretärin zu vögeln. Ich dem Wachkomapatienten 50.000 Euro in einem Pizzakarton bringen lasse. Immerhin: Wir beide hätten für die mageren Kohle den Rest des Lebens tot seine können! So blöd der Typ. Abgefuckt sein Chef. Doch auch das ist nur Hintergrundrauschen und verläuft sich mit den Tagen, weil man das Sterben so oder so nicht aufhalten kann. Das Glück schon. Sollte man ihm deswegen einen Vorwurf machen? Oder mir? Ich nicht! Und Grace auch nicht! Zumal der Tod am Ende kommt, wie Musil sagt. Und da sind wir heute noch nicht.
„Mein Million Dollar Baby Boy“, singt Grace happy. Und das ist schon was. Denn ich weiß, wie es ist alleine zu sein. Weit weg von Wärme und Hoffnung. Nur mit dem Krebs zu sprechen, der irgendwann kommt. Oder glaubst du nicht daran. Glaubst alt werden zu können, ohne jemals dem Tod zu begegnen? Echt, Alter, dann bist du ein begnadeter Idiot. Und mit solchen Typen besohle ich mir die Schuhe, - sonst nichts weiter. Yes, this is the real Blues. Have good day, everybody.


Sixty Seconds To What?:

Vor dem Wohnwagen liegt das Meer als Wiese vor uns. Fläzen wir in Liegestühlen, rauchen Gras und grinsen den Mond an, obwohl die Sonne scheint. Was wir tun, ist höhere Gewalt. So flach die auch scheint. Grace meint, es habe was mit Arroganz zu tun. „Die von wem?“ Frage ich.
„Immer die der anderen!“ Sagt sie.
„Ich glaube, es ist Schmerz.“
„Wenn ja, dann ist das aber nur deiner“, sagt sie, „ich spüre keine Schmerzen.“
Ab da sage ich zum Thema nichts mehr, denn ich lebe nur für sie. Habe mein eigenes Wollen längst gelöscht. Die kleinen Zettel aus meinem Gedächtnis geräumt, - und verbrannt. Die Briefe, Datumstafeln. Geburtstage, Telefonnummern, Anschriften und so. All das unnötige Zeug. So bin ich nackt, wie am Beginn der Zeit. Gut, am Anfang hat es mich schon verstört, wie ich mich Grace ausgeliefert habe. Dabei bin ich mir überhaupt nicht sicher, ob sie das eigentlich weiß? Ob es wahr ist. Öffentlich? Oder ob es nur in mir drin passiert als eine Art innere Ohnmacht, die eventuell wieder vergeht. Ein Koma im Wachzustand als geistiger Ruhepol, der die Gewalt, die ich ausübe, für die Psyche erträglich macht. Vielleicht späterhin auch ungeschehen... Quatsch! Das gibt es nicht mal im Film. Im Schlaf, der die Träume löscht. Doch Grace ist Realität. Wie ich. Wie der Wohnwagen, die Waffen und der Haufen Geld.
„Mehr Geld brauchen wir im Moment nicht“, sagt Grace, als hätte sie meine Gedanken gelesen. Die darin so sanft und verletzlich scheint. Von der ich aber nicht mal ihr wahres Alter kenne. Und sowieso; küsst sie mich auf den Mund, bis ich den Atem verliere. „Denk nicht so viel nach!“ Flüstert. „Lebe!“ Und sie so romantisch ist, dass mich ein Schauer Wohlbehagen ergreift, der mir in Wellen über den Körper jagt. Diese drei, vier Sekunden – da ich mir in ihre Küsse hinein eigene Gedanken zumute. Und in das Denken und Erzählen schlafen wir miteinander. Sie oben. Ich unten. All die Zeit. Damit ich sehe, wie das Glück an den Bildrändern hinter ihrem langen Haar wallt. Frau. Mann. Liebe. „Du und Ich!“ Sagt sie. „Moon River!“


The whispers in the morning:

„Mag sein, dass manche Huren ein glückliches Loch haben, ich hatte keins!“ Höre ich Grace mit Mona am Handy. Da sind wir auf der A 1 und fahren nach Berlin, einen Auftrag abarbeiten.
„Ich träume immer noch meiner verkorksten Jugend nach...“, sagt sie. Und weint, nachdem Mona was trauriges von sich gesagt hat. Vermute ich.
„Ich habe alle meine Grundsätze über den Haufen geworfen.“
...
„Nein. Es hat sich nicht gelohnt!“
...
Während Grace spricht, fahre ich das Band, die Bahn, die Straße, döse, höre Radio – wo jemand zwischen den Songs über die größte Muschel der Welt referiert. Über Stillleben mit Fisch. Und ich in Grace bin, die Muschel öffne. In ihren rosafarbenen Spalt tauche. Knallrot in Präsenz mein Schwanz. Den ich brutal einführe. Grob zustoße. Um sie zu quälen. Zu irritieren. Demütig zu machen. Doch damit dem Sonnenuntergang ausgeliefert bin. Dem Tod unserer Beziehung; - wenn sie meine Gedanken wüsste, als ich sie sagen höre: „Nein, der ist ganz anders!“ Und mir die Hand aufs Knie legt. Mich streichelt. Zurückzuckt, als sie meine Erektion spürt. Ich vorgebe, pinkeln zu müssen. „Na dann halt doch einfach mal an!“
„Ja. - Mache ich!“ Und ich in den Wald sprinte. Von wegen Violine und Orchester. Als sie plötzlich neben mir steht. Sich entblößt - hinhockt - und den ’kleinen’ Unterschied betrachtet. „Du hast einen schönen Schwanz! - Wäre ich Mann, würde ich auch so einen haben wollen!“ Und ich weiß, sie spielt ein surrealistisches Stück. Durchdringt die Innen- und Außenräume. Übertreibt, um Spaß zu haben. Um ’meine’ Träume zu nähren. Sie Robinson. Ich Freitag. Bindeglied im Elend von Übermut und Traurigkeit. Wie über Freier lästernde Huren am Strich. Nutten. Wir beide. Staatsanwalt, Richter, Verteidiger, Angeklagte, - Urteil. Und wir als Vollstrecker die Moral von der Geschichte. Wie jetzt, im Wald, als sie sich in mich verbeißt. Stöhnt. Schreit. Dann kommt. Und geht. „Mach schon, wir müssen weiter!“ Doch ich mich als novembergrau lieber ins Bett verkriechen möchte, weil Liebe Arbeit macht. Und Arbeit müde. Mich. Der im geschützten Raum der Liebe alte Fehler loslassen möchte - um neue zu machen. Dauer: 2 Stunden - ohne Pause. Bis Berlin. Quakt das Navi. Während ich "I am ready to learn - About the power of love" von Celine Dion höre. "Somewhere I've never been - Sometimes I am frightened." Echt jetzt: Im November war ich schon immer scheiße drauf.


The Fifth Element: Voll drauf, tief drin und:

„Kill Roy“, sagt sie, „ist der nächste.“
„Wer ist der Typ?“
„Ein früherer Nachbar, - und ehemaliger Richter!“
„Pädophil?“
„Genau.“
„Verurteilt?“
„Nur von mir.“
„Das reicht locker. - Soll ich dir seine Eier mitbringen?“
„Lass die Dinger seiner Frau.“
„Die lebt noch bei ihm?“
„Eine gestrige Grüne, - die redet, redet ohne zu handeln.“
„Typisch.“
„Nicht ganz. Sie hat wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Knast gesessen.“
„Und darüber den Richter kennen gelernt?“
„Der damals Beisitzer im Verfahren gegen sie war.“
„Und dann?“
„Im Knast hat sie sich vom Terrorismus losgesagt, ein Buch geschrieben und den Richter geheiratet.“
„Obwohl sie von dessen Neigungen wusste?“
„Gerade deshalb!“
„Ah – verstehe... Sie hat ihn erpresst.“
„Genau!“
„Dann könnte ich sie doch beide... Oder was meinst du?“
„Belasse es bitte beim Richter!“
„Okay!“

Und dann braucht sie wieder die Spritze. Und ich bin sicher, es ist meine Schuld, weil ich wieder davon angefangen habe. Und sie keine Wahl hat.

„Ist wie Tiefseefischen“, sagt sie, „wenn man das Netz endlos über Grund zieht geht viel kaputt. Und das summiert sich. Ist eines Tages nicht mehr auszuhalten; ist wie ein Messer im Kopf! Doch das merkt keiner, - weil ich nicht schreie. Weil Bilder nicht schreien können und in der Tiefe der Meere alles ruhig bleibt. Einzig die Oberfläche kann wüten. Und da bin ich jetzt, - dank dir!“
„Schießen wir also nach“, sage ich und versuche ein Lächeln.
„Du bist süß“, lächelt sie unter Tränen zurück.

Und ich habe erneut die Zeit ein- und ausgeatmet. Die Vergangenheit. Die Wahrheit und ihr Gegenteil. Die abgestandene alte Luft durch das Öffnen des Fensters gequirlt. Den Raum mit Sauerstoff geflutet. Den Vorgang wiederholt. Ad infinitum. Doch es bleibt der Gestank nach Krieg. Dieses: Im Westen nichts neues. Wobei ich der Westen bin. Schindlers Liste. ’Apocalypse Now’. Als Flatscreen. Auf dem ich mich sehe. Mich. Den Darsteller des Trivialen, der die Pumgun durchlädt, - dem schon dabei ein Schauer über die Haut läuft. Das Glück als Windstoß durchs Haar, der wie ein Gruß von Grace durch das offene Fenster weht als ich, der Sieger, über dem Besiegten stehe. Über Richter Kill Roy. Dessen Sterben sekundenlang als Fleck auf meinem Auge bleibt. Und das es später nie mehr so sein wird, weil sich alles zur Routine entwickelt. Leben und Tod als Darstellung von Krieg in den Medien. In Filmen, Serien, Computerspielen, in der Malerei und schließlich auch in der Literatur, wenn du weißt, was ich meine. Nicht nur deshalb lüfte ich den Wohnwagen. Nein. Ich brauche Sauerstoff, ehe sie mich fragt was der Tod mir bedeutet, - wie wir mit warmer Haut auf dem Bett liegen. Ich in ihr. Und sie in mir. Erst noch ernst. Später lachend. Und über uns die Fahne mit Trompetenhall und Trommelwirbel. Immer schneller. Rasend dann. Während die Luft schon wieder stickig wird und wir wie irre zu schwitzen anfangen.


Es schäumt der Tag dem Tod die Nacht:

Kein Mensch spielt mit Kindern sein eigenes Spiel. Wir werden es verhindern so lange wir können. Und wir sind viel.
Deine Augen mögen blau sein. Wir machen sie blauer.
Deine Geige spielt auf. Wir werden sie zertreten. Wir liegen auf der Lauer.
Wir schaufeln dir kein Grab. Du bist es nicht wert. Wir schneiden dir was ab. Es tut auch richtig weh.
Dein krauses Haar. Und deine perversen Gedanken. Die schlagen wir in Stein. Wir werden darum tanzen.
Wir trinken das Blut der schwarzen Tage. Töten unsere Feinde. Lieben unsere Freunde. Sie werden es uns danken.
Wir denken an Celan. An die schwarze Milch der Frühe; an den Meister der Nacht.


Ich, Nazi - It’s My Life – mein Lied:

Was ihr tut, ist nicht meins. Schon überhaupt nicht dort, wo ich lebe. Ob ihr nun Derrida und Foucault lest oder... Nein! ’Der Islam’ ist für mich nicht vielfältig und der besitzt auch keine lange Tradition der Toleranz. ’Der Islam’ ist für mich eine Sekte und als solche eine Tötungsmaschine andersdenkender.

Mein Kopf sitzt mir auf den Schultern und träumt von einer Welt ohne Sekten und Religionen, befreit von der Diktatur des Kapitals. Keinesfalls will ich Börsenkurse anbeten müssen. Religiöse Traditionen ertragen. Mich ständig ob meiner Toleranz hinterfragen lassen. Leute hassen, die Anspruch darauf erheben die einzige Wahrheit zu besitzen. Nämlich, dass Multikulti für alle hier das richtige wäre. Zwangsheirat, Steinigung, Kopfabschneiden gelebte Realität ist weil ’der Islam’ zu ’uns’ gehört. Von denen mir erklärt wird, dass die Frauen mit Vollverschleierung die Glücklicheren sind - und meine Frau deswegen eine Schlampe sei. Nein, ’der’ Islam ist statisch, - grausam in Raum und Zeit. ’Der Islam’ ist eine Sekte und benutzt den Namen ’Gott’ um Grausamkeiten gegen Sektenfremde zu begehen. Um denen die eigene Wahrheit abzusprechen, sie zu dominieren und ihnen Gewalt anzutun. Ja. Der von mir gemeinte ’Islam’ ist Fanatismus, ewiger Krieg und seine Ziegen und Kamele grasen weitab meiner Toleranz. Doch das ist deren Problem. Mein Problem sind die abgeschnittenen Köpfe von Menschen, die dachten im 21sten Jahrhundert zu leben. Sag mir nun bloß nicht, du hast von all dem keine Ahnung. Davon, dass ich anders denke und deshalb Nazi heiße!?


The Way We Walk:

„Es gibt nur eine Sache, die den Dämon tötet, die Liebe, soll Mickey gesagt haben“, sagt Grace.
„Und du glaubst das? Oder ist es wegen der Namensgleichheit.“
„Was sind schon Namen. - Was interessieren die?“
„Stimmt. Namen bringen es nicht. Doch die von heute sind schon echt krank. Ich meine, wenn man Kinder nach Autos benennt. Nach Städten. Nach Puffs. Nach Scheiße. Oder?“
„Wenn wir mal eins haben, Mickey, sollten wir es ’Natural Born Killer’ nennen. - Wie findest du das?“
„Jemanden umzubringen? Ich meine, dass tun doch alle Kreaturen Gottes auf irgendeine Art? Ich meine, schau dich doch nur im Wald um; da gibt es Arten, die töten ein paar andere Arten. Menschen jedoch töten alle Arten inklusive den Wald, aber das nennen wir Industrie und nicht Mord.“
„Das hat aber auch Mickey gesagt; gib es zu!“
„Ich weiß nicht. Könnte auch von Mallory sein. - Ich weiß es in echt nicht!“
„Dann spiel doch den Film noch mal von vorne! - Ganz von Anfang!“
„Alles noch mal von vorne? - Kann ich nicht! Tut mir leid.“
„Dann lass uns ins Bett. Ich brauche dich!“
„Es gibt nur eine Sache, die den Dämon tötet, die Liebe.“
„Du bist manchmal echt lustig!“ Grinst sie mich an. Da ist sie schon nackt. Wie ich. Und ich sehe mich an ihr satt. Wie sie an.
„Ich nenne dich Pussy!“
„Heute darfst du alles...“
„Nach der Sache morgen werden sie über uns berichten!“
„Fernsehen auch?“
„All die miesen Schweine. Glaub mir!“

Für Filme Marke Heimkino empfehle ich euch die 3- Disc- Deluxe Edition mit dem Director´s Cut als Laser- Paradies DVD. So weit ich weiß, ist das die beste Version des Filmes, die man bekommen kann. Auch weil sie super saubere Bild- Tonqualität hat und die ungekürzte Version mit dem SPIO/JK Zeichen ist. Falls sich also jemand den Film kaufen will, rate ich zu dieser Edition. Und die Besetzung ist wirklich spitze, Woody spielt einen geisteskranken Psychopathen. Juliette eine abgefuckte Schlampe.

„Ey, habt ihr Süßen nicht gewusst, dass ihr eure Pimmel nicht überall versenken könnt? Habt ihr bei eurer Toleranzwahl 'Islam' nicht gewusst wie extrem leicht ein eben noch voller Sack in der Hand vom Iman und seinen Leute wird? Wie locker der Kopf auf den Schultern ruht? Wie wenig Steine es braucht, um einen Schädel zu zertrümmern? Ey. Boys. Sagt bloß, ihr wolltet das nicht wissen? – Wirklich nicht? Na gut, dann wisst ihr es eben jetzt!“

Weißt du, die Medien machen die Typen zu Stars, das Publikum zu Kultfiguren. Sie werden Ikonen ihrer Zeit. Als Running Gag: Nur einer überlebt, all die anderen kommen in die Kiste. Ein Ratespiel auf eine Million Gewinn. Also, - wenn du willst.


Kein Tag ist wie der andere, wenn es brennt:

„Vergiss nicht, an meinem Fahrrad den Vorderreifen aufzupumpen!“

“Der Isidor
Der Isidor
Der hat ein Ding wie ein Ofenrohr
Wie der Schuss auch kommt
Wie die Flanke fällt
Der Isidor
Der Held
Der hält“

„Du sagtest gestern was von Kindern?“
„Zeig mir erst die Handyfotos.“

“Der Isidor
Der Isidor
Der hat ein Ding wie ein Ofenrohr
Wie der Schuss auch kommt
Wie die Flanke fällt
Der Isidor
Der Held
Der hält“

„Ich brauchte nur draufhalten!“
„Was haben sie gemacht? – Ich meine, - was haben sie in dem Augenblick gemacht?“
„Als ich schoss?“
„Ja.“
„Sie steckten gerade einen Dönerspieß auf.“
„Zu dritt?“
„Nein. Einer hatte den alten. Einer steckte den neuen auf - und einer stand daneben und bohrte in der Nase.“
„Der älteste von denen – wo war der?“
„Der stand daneben. Das war der Nasebohrer. Und das war auch der, dem ich deine Botschaft vorgelesen habe.“
„Hat er was gesagt?“
„Nichts. – Als hätte der mich nicht verstanden.“
„Und die anderen?“
„Haben beide geweint.“
„Und du?“
„Ich nicht. - Oder hätte ich heulen sollen?“
„Quatsch! Außerdem hätte das unter dem Helm sowieso keiner gesehen.“
„War ja auch keiner da...“
„Und jetzt – geht’s dir gut?“
„Das sollte ich dich fragen.“
„Familie, und dann noch solche“, sagt Grace, „kann man sich nicht aussuchen!“
„Wenn man selber nicht leben kann, sollte man wenigstens ein guter Zuschauer sein.“

„Wollen wir uns noch mal den Film reinziehen?“
„Klar doch!“

Handlung: Ein junges Paar befindet sich in einer Spelunke von Bar. Sie tanzt an der Stange. Während er an der Theke einen Whisky trinkt. Als ein Gast ihr einen Geldschein in den Ausschnitt steckt, tritt sie dem Mann gegen den Kopf und tötet ihn damit. In der folgenden Schlägerei erstechen sie und er alle Anwesenden bis auf einen, damit dieser die Geschichte ihrer Tat weitererzählen kann.

“Der Isidor
Der Isidor
Der hat ein Ding wie ein Ofenrohr
Wie der Schuss auch kommt
Wie die Flanke fällt
Der Isidor
Der Held
Der hält“


Krass, der Schuss und die Stille danach:

„So einen wollte ich schon immer mal erschießen - die sind nicht so leicht zu treffen, sagte Mickey, - schon vergessen?“
„Trotzdem. - Es ist wie Krieg. Und Krieg ist völlig sinnlos.“
„Wahllos Leute zu ermorden ist sinnlos.“
„Jeder Mensch hat den Dämon in sich. Der Dämon lebt in uns, unser Hass ist seine Nahrung, Totschlag, Vergewaltigung, Mord. Er benutzt unsere Schwächen und Ängste - und es überlebt nur der Hass. Uns allen ist gesagt worden, dass wir verkommene Scheiße sind seid wir angefangen haben zu atmen, und nach einer Weile glaubt man es und wird richtig böse!“
„Du zitierst nur den Kram aus dem Film, das ist doch idiotisch!“
„Erinnerst du dich an die Psyche? An Dr. Munk?“
„Ja.“
„Und an Jimmi?“
„Auch.“
„Fandest du die beiden nicht echt krank?“
„Doch. Aber nicht mehr als uns. Sonst wären wir ja nicht da gewesen.“
„Schon. Aber immerhin sind wir abgehauen.“

Das Leben ist ein Film für Hartgesottene. Ein richtig harter, brutaler und blutiger Film. Und selten in dieser Form gesehen. Die Besetzung ist auch spitze. Die des Psychopathen. Der ist so verrückt und skrupellos, dass man es ihm voll abkauft. Und die andere da, - diese Irre. Grace. Ich glaube niemand kann diese Rolle besser spielen als sie. Als du. Grace. Und die Nebenrollen sind auch voll krass. Und übers Cast kann man sich auch nicht beschweren: sie morden, sie töten, sie schlachten brutal ab. Blut ist ihr Antrieb und Tod ihre Belohnung. Sucht ist es vielleicht, - auch Verlangen nach Glück. Ihr Ausdruck von Liebe, - einer diabolischen Leidenschaft. In ihnen herrschen die Dämonen, - sie sind die Dämonen, sie sind es: Grace und Mickey. Applaus. Applaus. Applaus. Sanatorium und aus!

„Meinst du, die Presse wird so über uns schreiben?“
„Später mal. Erst müssen sie ja die Typen finden. Und die dann zuordnen. Ich wette, sie tippen auf Nazis!“
„Oder auf die Mafia. - Mein Onkel zockte auf Fußball. Ach, eigentlich auf alles was rennt, schwimmt, geht und steht. – Hat er wirklich nichts mehr gesagt?“
„Nicht einen Ton?“
„Was für ein Idiot!“

Auf extrem satirische und bissige, nein, abgrundtief böse Art und Weise erzählt ’Natural Born Killers’ die Geschichte eines Pärchens, das sich auf brutale Art und Weise durchs Land metzelt – die dabei von den Medien verfolgt werden wie Popikonen, die gerade die Spitze der Charts erklommen haben.

„Mach mal bitte die Nachrichten an.“
„Du hältst es nicht aus, oder?“

Quotengeil, amoralisch und nur am großen Geld interessiert, macht sich die Presse den Hype des brutalen Geschehens zu Nutze. Wer ist hier also schlimmer?

’Heute morgen wurden in einem Döner- Imbiss in ... drei männliche Leichen ...’

“Der Isidor
Der Isidor
Der Held
Der hält“

„Siehst du!“
„Welcome home.“


’- there's a shadow just behind me,
shrouding every step i take - ’


Chemtrail:

„Was du tust, frisst du auch – irgendwie.“
„Die Realität sieht sicher besser aus als die Fotos“, sagt Grace. Und deutet auf das Handy mit den Bildern der drei. Toten. Ich sage nichts, denn ich liebe sie. Zudem wir die gleichen Antidepressiva nehmen. Immer schon. Die wir uns pünktlich um 17 Uhr gegenseitig in den Mund schieben. So schweißt uns die Zeit in die Pillen. Tritt der eben erlebte Tag in den Hintergrund. Freuen wir uns auf morgen.

„Einen Hund zu haben wäre nicht schlecht!“
„Kein Kind?“
„Ein Hund lebt nicht so lange. - Sollten sie uns mal kriegen.“
„Du meinst, das Leben ist dann vorbei?“
„Du nicht?“
„Ich werde darüber nachdenken.“

Über die Leere. Das Nichts. Die Tage mit Vorwürfen an die Nacht. Die ich mit gutem Grund im Schweigen vor mir gewarnt habe. Ich habe es sicher nicht laut gesagt. Sicher nicht. Ich habe es ’nur’ angedacht. Heimlich: Selbstmord! Weil ich meinen eigenen Geruch hasse. Auch jetzt noch. Nach 3 Jahren Therapie. Denn in Therapie war ich schon längst tot. Ich konnte die einander zudrängenden Seelen nicht ab. Die aus dem Kasten kommen. Und die in den Kasten gehen. Wenn die Luft explodiert. Und sie mich verlässt. Dabei vögeln wir echt gut miteinander. Doch vielleicht ist es das nicht. Und wir sind verdammt - handeln und zusehen gleichzeitig. Lieben und Verlassen. Das Wort und die Tat. Um dann alt und einsam (in sich) zu sein. Der laute Schrei in einem stillen Gebet. Mann! - Wenn ich das mal könnte.

„Soll ich dir mal was sagen, ja? Die miesesten Schweine werden uralt, Grace.“
„Ich weiß“, sagt sie, „wie mein Vater - von dem ich schon mit 8 sexuell belästigt worden bin. - Der wird der nächste sein!“
„Bist du sicher?“
„Hundert pro!“

Während ich am Laptop die Aktien von ’Bullen starken’ Ölschlämmen vergleiche. „Okay. Ich mach’s!“ Gibt es auf der Erde schon wieder die Pest. Den schwarzen Tod. Auf Madagaskar. 40 Opfer in 2 Tagen schon. Und es wird. Denn die Pest wird durch Flöhe auf Nagetieren verbreitet. Heißt: Pharmaaktien kaufen. Somit also bullige Aussichten für Bullen. Wer hätte das heute morgen gedacht. Dazu noch Ebola in Afrika. Auch damit rosige Aussichten am Markt. Also lacht man an der Börse, - müsste dabei aber weinen oder kotzen, weil es nicht zum Lachen ist.

„Ich hätte ihm gleich Rot zeigen müssen, sagte mir Jahre später meine Mutter - als ich ihr vorwarf davon gewusst zu haben. - Doch wie sollte ich den Alten stoppen? Ich war acht!“
„Und?“
„Ich überlege noch.“
„Sie ist deine Mutter.“
„Was du nicht sagst.“


Ans Bein gepisst:

„Auf meinen Vater hätte ich verzichten können“, sagt Grace.
„Weil Hunde unrein sind?“
„Wenn es das mal wäre!“ Wo doch hinter dem Sichtbaren das Schweigen beginnt. Das Unnahbare. Stille. Wenn man sich kaum erinnern kann, oder will. Wie es war. Die Geräusche der Zeit. Die Gerüche. Wie Fliegen am Fänger. Die Wachheit der Bilder. Seine Schritte vor der Tür. Vater. Die tastenden Hände. Fordernd. Sein dunkles Gesicht - mit dem gewaltigen Bart. Festhalten von Armen - das spreizen der Beine. Die Schmerzen. Diese unsagbaren Schmerzen. Bis heute. Und Mutter. In der Nähe der Tür. Ängstlich. Und doch. Ein U- Bahn- Zug. Er. Rein und raus. Der Ausschlag eines Uhrenpendels. Die Hoden. Und er ohne ein Wort. Schwitzend. Von wegen späterhin Aspirin. Die sich auf dem Nachtisch stapeln. Wie seine Geschenke. CDs. Kopfhörer. Bücher. Strandblaue Fotos. Schäumende Wellen. Die zyklische Dünung, - sein heiseres Stöhnen. Mutter mit Kopftuch als multikulturelle Mischung. Wenn er einströmt. Abströmt. Mir seine Befehle als Wunsch übermittelt. Strandgut. Liegengelassen. Die Lippen blutig gebissen. Dressiert wie ein Hund. Gehorsam. Lautlos. Die Augen Brombeeren. Glatt und schwarz das Haar. Hände, die späterhin Pflastersteine werfen. Die Autoreifen seines Mercedes zerstechen. Und die Wut längst nicht mehr im Zaum halten. Wie alt bist du, Vater. Ist es nicht Zeit? In zehn Minuten, sagte Vater. Über Jahre hin. Und du? Ich? Ein Herz wie ein Vogelflügel. Bis heute. Wo er keine Rolle mehr spielt. Eine vergehende Rauchwolke ist. Mit zusammengekniffenen Augen. Die Zigarettenschachtel in der Hand. Wie lange noch?

„Ich bin kein Dämon, ich bin nicht dein Vater. Beruhig dich, Grace. - Alles klar?"
Sorry!“ Sagt Grace. „Ich habe wohl Mist geträumt.“
„Schon gut!“


3 Arten Querschnittlähmung - oder: Obout The Day That Never Comes:

Novalis ’Der Mensch ist Bild’ hat der Surrealismus sich zu eigen gemacht. Und dieses Bild verkörpert sich nun im Menschen. Aber auch das Umgekehrte ist wahr. Denn selten genug kann man den Gegenstand an sich sehen, wie der ist. Oft ist er geprägt von der Hand, die ihn hält, ihn ausquetscht, ihn vergewaltigt. Der Gegenstand Mensch, - eigentlich ein König, verändert auf einmal seine Form und verwandelt sich in etwas anderes. Das Auge, das ihn betrachtet, macht ihn weich wie Wachs; die Hand, die ihn berührt, formt ihn wie Ton. Füllt den Körper. Der Gegenstand beginnt eine umfassende Verwandlung hin zur Wirklichkeit. Formt aus. Wird hart. Wird zu Stahl. Zum Verbrecher.

1.Akt

- „Der Islam ist nicht das, was du denkst was er ist.“
„Sagt wer?“
„Sagt die Frau mit dem Kopftuch, die eine voll verschleierte Frau fragt warum sie sich voll verschleiert.“
„Du und deine Mutter?“
„Genau!“
„Sie hat mich geboren, um mich rumzustoßen. Und wenn ich nicht tat was sie wollte verprügelte sie mich, bis ich am Boden lag.“
„Bleib deshalb lieber in Deckung, - wenn ich dir was raten darf!“
„Mein Vater hatte nur den Mund voller perverser Lügen. Und ich wollte nur eins, ihm was auf die Fresse geben.“
„Drum bete, warte und halte deine Augen geschlossen, - wenn ich dir was raten darf!“
„Ich warte schon ewig auf den einen Tag, der nicht kommt. Bisher. Wenn man aufsteht und die Sonne scheint, man Wärme spürt.“
„Nein. Die Sonne wird uns so niemals scheinen. Bleib also heute lieber im Bett, - wenn ich dir was raten darf!“
„Nein. Es ist jetzt an der Zeit meine Feinde fertig zu machen. Für mich ist es vorbei, sich zu verstecken. Im Innersten zu verrecken!“
„Deine Zeit ist reif. Du bist im Kommen. Doch warte noch einen Tag, - wenn ich dir was raten darf!“
„Scheiße! Ich kann nicht mehr. Die Erinnerung quält mich zu sehr. Ich muss dem ein Ende machen.“
„Ich weiß, du kannst es nicht ändern, - willst sie büßen lassen, was sie dir angetan. Doch warte noch, bis der Tag kommt der die Farbe der Nacht in unser Grau lässt; - wenn ich dir was raten darf.“
„Liebe ist auch nur ein Schimpfwort. Schlimmer als Mutter, Vater und Religion. Ich nehme es nicht mehr in den Mund; ich will weg davon. Raus aus dem Gefängnis, dass ihr mir alle seid.“
„Ich weiß, du kannst nicht mehr. Dein Akku ist leer; ich will dir helfen und dem ein Ende bereiten. Ich schwöre dir, dann wird uns wieder die Sonne scheinen!“ –

Ende 1. Akt

Der Mensch wächst über sich hinaus, wenn er die Vernunft beiseite lässt. Sein ständiges Imaginieren. Dieses über sich hinausgehen, um sich zu projizieren, sich im Spiel vor dem Spiegel ständig zu überschreiten. Neu zu erschaffen.
Selbst Rimbaud ist dann ein anderer.

Wenn man schießt, fällt ein Schuss.
Wenn man trifft, fällt einer um.
Wenn man Glück hat, hat man sein Ziel erreicht. Ist es einer weniger, der einem auf den Sack geht. Und dafür bedarf es keiner Zustimmung. Keiner Unterschrift. Es reicht das Wollen. Und das Machen. Und ich mache. Für Grace. Die ich liebe. Doch damit ist lange noch nicht aller Tage Abend. Denn je freier wir werden, desto größer ist die Sehnsucht nach Schmerz.
„Grace? - Schläfst du schon?“
„Nein, ich habe auf dich gewartet!“


Blade Runner incld. Shakespeares Sonnet 20:

Die Stunde des Siegers. In Englisch, Japanisch, Deutsch, Ungarisch und Spanisch, wie du willst. Der Sieger, übrigens, bin ich. Wenn du es bei yours today suchst, kommt es genau vor dem Tipp ’Wie ich Laminat richtig verlege’.

Wir lassen die Fahrräder stehen. Gehen zu Fuß. Sind hinter ihm. Grace starrt ihm auf den Rücken. Aus fünfzig Metern. Oder mehr. Als wolle sie ihn durch ihre Blicke töten. Ich bin immer noch eine wenig down vom Gras. Einem merkwürdigen Zeug aus selbstgesammelten Kräutern. Grace schwört darauf. Ich nicht.

Grace hat ihren Vater Jahre nicht gesehen. Und sieht ihn auch jetzt nur von hinten. Denkt daran, wie er sie früher hochgehoben hat. An die Brust gedrückt und... Er, ein Mann mit Kraft. Nach Rasierwasser duftend. Sandelholz. Limone. Glatt und weich seine Hände. Wie er mit weißen Zähnen lacht. Mit glänzend schwarzen Haaren. Olivfarben sein Teint. Ein Schrank von Kerl. Der nunmehr keine dreißig Meter vor uns läuft. Leicht hinkt.

„Wieso hinkt er?“
„Keine Ahnung!“

Keine fünf Minuten später lege ich den Kasten auf eine Tonne für Altpapier, löse den Verschluss und klappte den Deckel hoch. Das Metall glänzt im Schein der Laterne. Perlmutt der Schaft. Rosa Samt im Kasten. Ich lege auf und habe ihn im Visier. Er dreht sich. Presst seine rechte Hand an den Hals. Hält sich die andere vor die Augen. Zuckt. Als er fällt, liegt, stirbt – und Grace „Danke schön!“ sagt. Mehr nicht.
Ich halte sie an der Hand, - alles andere bleibt zweitrangig.

Man hat immer die Wahl. Eine Wahl. Machen. Oder nicht. Unterlassen. Lassen. Blade Runner. Als Gag. Dazu die Filmmusik von Vangelis. Mit Spezialeffekten aus dem PC, - nach der Vorlage von Burroughs. Herausragend behandelt der auch eine Reihe wiederkehrender Themen. Nämlich, die beständige Paranoia der Charaktere, die verachtende Machtausübung höherer Autoritäten, die Ersetzung der Wirklichkeit durch Fälschungen und Imitate, die sich selbst verstärkende Zunahme von Abfall und Müll. So sagt Philip Strick über Dicks und Strobo.

Ich höre es, wenn ich mit Grace, wir beide im Trenchcoat der Jahrhundertwende, unterm Regenschirm durch die Straßen von Berlin eiern. Du weißt schon. November. Stadtmoloch. Und wir satt vom Dauerregen, - in diesen scheiß Bezirk. Dem eine Million Meter zu hoch gewerteten Prenzlauer Berg. Das so zum Kotzen dekadent, düster, schmutzig und übervölkert ist. Wo auf Tiere geschissen und auf Pflanzen gepisst wird. Wo stetig Currywurst mit Champus gekotzt... Wenn man genau hinsieht. Und das gleich in mehreren Sprachen. Multikulti in Reinkultur. Prösterchen auf Cityspeak. Der allgegenwärtigen Werbung ausgesetzt wie Hipp es sei, hier zu logieren. Jugendstil. Zwischen all denen, die es on the Topp geschafft haben. Wo alte Gebäude nicht abgerissen, sondern mit neuer Technik versehen oder in diamantene Neubauten integriert werden. Künstliche Menschen erschaffen, für ein besseres Leben auf fernen Planeten. Gerührt, geschüttelt. Durch Gefühle mit Ambitionen. Das alles liegt offen. Man muss es nur sehen wollen. Nein. Ich nicht! Ich hasse sie, wie meine längst verloren gegangenen Passworte, und all den anderen unwichtigen Nippes. Glaube es mir.


Die Entkleidung der Elster:

*A road. A tree. Evening.
Fatimir enters, tense and pacing - then halts all of a sudden.
FAT: (in a squeak) So, naturalis -
Halts. Resumes in normal tone.
FAT: (muses) A butterfly flaps, alters a hurricane's path... but shall this hurricane then affect the insect?
NON: What's this?
Lucky's monologue from "Waiting for Godot"

Als Andenken wollte Grace den Ring. Echt mal: so viel Sentimentalität hätte ich Grace überhaupt nicht zugetraut. Spaß beiseite. Mir traut man ja auch keinen Mord zu. Und schon mal gar nicht Morde in Serie. Atze, der alte Räuber, kennt mich noch aus der Schule, - Atze sagte mal, er würde mir einen sauberen Totschlag zutrauen ’So wie du immer gleich ausrastest!’ Womit er unbedingt recht hat, - wozu soll ich es also beschönigen. Der Ring aber, den Grace haben wollte und den sie dann auch bekam, machte richtig Arbeit. Echt. Es ist nämlich kein Vergnügen einem Toten den Ring vom Finger zu ziehen. Schlimmer stelle ich mir nur tote Goldzähne ziehen vor. Oder Ohren abschneiden. Weil ich nämlich den Ring nicht vom Finger von Grace Vater bekam. Und den Finger dann dem Alten mit meinem Taschenmesser... Den Rest an Sauerei kann man sich ja wohl gut vorstellen...
Abends habe ich dann den sauber geputzten Ring Grace beim Abendessen (wir saßen bei Toni, unseren Lieblingsitaliener) aus einem Samttuch gewickelt. Ihr Schrei war Spitze, - höchstes cis C, schrill wie aus der Flötenschule, darauf wäre auch die Callas neidisch. Doch dann ihre Tränen.
„Ist gar nicht sein Ring!“
„Sondern?“
„Der von Sabi!“
„Wer ist Sabi?“
„Sein Zwillingsbruder.“
„Hat der dich nicht auch?“
„Doch, schon...“
Scheiße. Der verkehrte Mann. Der falsche Ring.
„Dann müssen wir eben morgen noch mal -, oder was meinst du?“

* Silence.
NON: Well? Shall we go?
FAT: Yes, let's go.
They do not move.
Lucky's monologue from "Waiting for Godot"


Nach dem Regen Mord und Totschlag:

Echt Irre, dass in mir nichts dabei passiert. Ich erschieße Menschen - und fühle nichts dabei. Dem Typen eben schnitt ich einen Finger ab: NICHTS! Keine Regung. Kein Zittern. Woran liegt das? Ist es die Liebe zu Grace, - eine Art Hörigkeit, - den Drogen geschuldet, - oder meine Krankheit? Doch eigentlich mache ich mir auch darüber keinen Kopf. Ich bin gezwungen so handeln, weil Grace es will. Und ich tue es, - weil Grace es will. Punkt! Ich meine, wir vögeln deswegen nicht besser. Nicht anders. Nicht schlechter. Es ändert auch überhaupt nichts in meinen Leben. Außer, das Grace um einiges zufriedener wirkt. Ausgeglichener erscheint. Jedenfalls ruhiger als mit den Medikamenten, die Dr. Munk ihr einst unterjubelte. Und das ist doch schon mal was. Fast wie eine andere Therapieart. Oder? Und ich ihr Therapeut. Gröl. Na ja, so schlimm ist es auch wieder nicht. Munk meinte neulich übrigens noch zu mir, dass sich das Gewächs in meinem Schädel nur sehr langsam vergrößern würde. Das kann sich aber jeder Zeit ändern, sollten Sie ihre Medikamente nicht regelmäßig einnehmen! Na bitte: Genau solche Aussagen braucht man doch zum Glück, oder? Übrigens: Welche Medikamente überhaupt, Dr. Munk? Wenn du suchst, höre ich ihn antworten – wenn du richtig suchst, wirst du die finden. Mal in echt jetzt, Mista Munk: Ich glaube, ich habe die schon; oder sind fünf Tote nichts?

"The sun shone, having no alternative, on the nothing new." Murphy/Beckett


Wenn die Hütte brennt, tut es gut die Katze zu:

Ab und an falle ich stocksteif, - ohne Grund. The End, Baby. Muss an den Medikamenten liegen. Gepaart mit dem außerirdischen Wunsch, ihr das Messer in die Hand zu stechen. Wenn wir bei Tisch sitzen, sie ihren Kaffee schlürft. Das Brot ’höllisch’ laut zwischen ihren Zähnen knackt. Oder Kekse. KEKSE! Sogar Gurken. Wenn sie mit den Zähnen knirscht. Schmatzt. Mit dem Besteck klappert. Mit Gläsern. Tassen. Tellern. Dabei brauche ich Ruhe. Nur einen Moment. Diesen einen - Moment: RUHE! Und meine absolute RUHE heißt göttliche Stille! Hast du das kapiert? Denn dann spreche ich mit den Toten. Also ich, - der lebende - Dings. Compri? Ihr Völker der Welt. Ihr Leben - auf diesem scheiß Planeten. Mein Dasein. In Handschellen gelegt und abgeführt. Weggesperrt. Nur Gott als Nachbar - in dieser ’scheiß’ Isolierzelle. 1000 Meter unter der Erde. Doch Gott war es auch egal, - das es bitter kalt war und nichts zu fressen gab. Der Alte lag sowieso in den letzten Zügen. In seinen letzten Wochen. Fett der Bauch. Schwanger mit Jesus. Wie er immer betonte. Der Spinner. Während ich sagte, ich sei Einstein. Was nun er wieder nicht glauben wollte. Nicht Marx, Engels oder Papst Mao. Dir nicht, sagte er. Immerhin sei ihm das Sein zu Bewusstsein gekommen. Ey! Schlechtes Deutsch, Alter. Ey! Sage ich. Damit fällt deine Abiturnote um 0,8 Punkte. Aber satt. Von wegen Gott in der mittlere Schicht eines Schöpfungsaktes. Nichts da. Kein Mensch gibt dir eine Chance. Von wegen illegal. Was? Die Weltformel?: PAH! Nicht mal die Presse hat Interesse an deiner Verwirrung. An deinem Zusammenbruch. An all deinen melancholischen Depression - und schlimmer: Angst und Schrecken, - entsetzliche Angst, ganz schlimmer Schrecken, nicht nur das – auch ich nun noch... Schreib das auf! Sage ich. Das Leben. Befehle ich. Dem Leben. Vom durchstrahlten Azur. Sage ich. Dem Sohn Gottes. Dem hellsichtigen Irren: “Wenn das Gehirn seine Bestimmung erreicht hat, fließen Zuckermolekül und verlassen die Hirnrinde um schlechte Einflüsse zu bekämpfen.“ (frei nach Vesper) Siehe da, - das Gesunde liegt so nahe. Ja -, das wird der Hammer überhaupt. Nur getoppt vom Selbstmord des Verfassers direkt auf der Buchmesse. Gott. Tot. Fini! Und damit ist Ruhe auf dem Planeten. Was? Nein. Ich habe keine Botschaft. Ab und an eine Psychose, sagt Dr. Munk, - mein Satan. Bin aber medikamentös gut eingestellt. Kein Scheiß. „Klar – und Dreck scheuert den Magen!“ Lacht Grace dagegen an. „Du Psychopath!“ Als auf dem Löffel erste Blasen rotzen. Eiter und Blut wie irre durch die Kanüle sausen. Fahrstuhl um Fahrstuhl in den Orbit. Take me higher deep! „Ey! - Das hatten wir doch schon mal.“


Das Leblose in uns ist das Lebende aus uns (Beckett):

„Du musst lieb zu dir sein“, sagt Grace. Da sitzen wir auf dem Bett und streicheln uns.
„Bin ich doch!“
„Nicht immer, oder?“
„Meistens aber -, denn wenn ich dich liebe und mich, liebe ich doch alle!?“ Da liegen wir auf dem Bett und.

Ich weiß schon, dass das Leben ein Akt ist. Wenige glückliche Tage und schon geht es dem Ende zu. Manche Zeit vertut man in der Tonne. Dann ist Trübsinn Programm. Austauschbare Einsamkeit. Oder, wie Beckett sagt "Ratten zu töten bedeutet nichts anderes, als sie vor dem Tod zu bewahren." Also töte ich Ratten. Zum Zeitvertreib. Und weil Grace es will. Wobei wir beide wissen, wohin das führt, nämlich zur Eskalation mit ihrer Familie. Dem Clan. „Der unüberschaubar wie das Meer ist“, sagt sie. Und dann warten wir und lassen die Schuld der anderen auf uns wirken. Streicheln uns die vernarbten Rücken. Küssen uns die Münder rot. Zwei weinende Clowns in hellen Anstaltshemden bis hin zum Knöchel. Verschmolzen und doch austauschbar. Jedes für sich.

„Hast du gelesen, was sie schreiben?“
„Nein.“
„Ob die Täter Rechtsradikale sind.“
„Wie die NSU?“
„Der Name kommt bestimmt noch.“
„Bestimmt!“
„Nur eine Zeitung vermutet eine Familiengeschichte. Schreibt was über Machtabgabe an die Söhne des Paten.“
„Und – wollen wir ihnen zuarbeiten?“
„Lass uns morgen noch mal darüber reden.“

(Ich hoffte, wenn es denn Hoffnung gäbe.)

Eine Todesnachricht zu überbringen, kann man nicht üben. Jemanden zu erschießen schon. Geübt habe ich es genug. Ich bekomme keinen Durchfall und kein Fieber mehr. Nicht davon. Weder davor, oder danach. Einzig grelles Licht schmerzt. Doch das ist nun mal so. „Eine Folge der Medikamente“, sagt Dr. Munk, wenn er mir in die Augen leuchtet. Der wie ein stummer Apparat an mir arbeitet. Zu dem ich, nicht nur deswegen, keinen Bezug mehr habe. Dabei standen wir uns einst sehr nahe. Munk, der mit gerecktem Kopf, spitzem Mund in die Luft „deinetwegen habe ich schlaflose Nächte“ sagt. Und weint.
„Ich nicht!“
„Du musst trotzdem wiederkommen!“
„Und wenn nicht?“
„Dann stirbst du.“ Während ich die rasante Reduzierung der weißen Lösung in der Spritze verfolge. Wie seine Hand den Kolben und der dann das Zeugs aus dem Zylinder drängt. Mir schlecht wird, in diesem vorweggenommenen Tod.

„Nächstes Mal machen wir ein MRT.“
„Okay.“ Antworte ich gegen das Neonlicht. Schließe die Augen. Stelle meine Ohren auf dicht. Damit es seine Stimme vertreibt. Den Stand der Dinge.

„Willst du dich nicht doch operieren lassen?“
„Wie oft denn noch?“ Raumschiff Seele. Schädelknochen. Hirnstamm. Hirndruck. Tumor. Pflaumengroß. All die zig Landkarten von meinem Schädel. Narbengewebe. Sauerstoff. Blutdruck. Puls. Regentropfen. Röntgenbilder. Die Stille der Dunkelheit. Fast körperlich. - Alles in allem eine sehr ungünstige Konstellation. Auch weil ich mehr Haare verliere als normal. Und das bei meiner Eitelkeit.
„Mich stört es nicht“, sagt Grace. Grinst. Und ich hoffe, sie noch mehr lieben zu können.

(Ich hoffte, wenn es denn Hoffnung gäbe.)


Ergebnisbesoffen kommt die Nacht:

„Wenn einer kotzt, frisst es der andere auf, habe ich gelesen, damit nichts umkommt. - Ist das so?“ Frage ich Grace.
„Es ist wie mit dem Fahrrad fahren,“ sagt sie, „wenn man es einmal kann, verlernt man es so schnell nicht wieder.“
„Manche Regeln sind nur mit Gewalt durchzusetzen, findest du nicht?“
„Es gibt dazu keine Antwort!“

Trotzdem sucht sie den nächsten aus. Einen entfernten Cousin. Knochig. Hoch gewachsen. Schwachbrüstig. Jedenfalls auf dem Foto. Mit langem Zauselbart und Glatze. Dunkler Anzug. Gesicht und Hände blass wie eben geweißte Raufaser.

„Soweit entfernt verwandt kann er ja nicht sein,“ sage ich, „wenn er dir so nahe kommen konnte, um dich...“
„Er hat nicht mich“, sagt sie, „sondern meine Schwester. Da war die acht!“
„Das ist Grund genug!“ Sage ich. Und sie lächelt erleichtert.
„Du bist ein Schatz!“
„Ich bin Soldat. - Wir befinden uns im Krieg.“
„Du hast Recht. Wir sind Soldaten!“

Dann habe ich in mondloser Stille eine Stunde im Stehen am Fenster geschlafen. Bin die enge Spirale abwärts, bis ich den Grund erreichte... Freud. Dann eine kleine Pause. Ein Augenzwinkern von Zeit - für den Killer, Mörder. Tucholsky: Soldaten sind Mörder. Aber nicht kollektiv. Nein, nicht kollektiv. Persönlich schon. So wie ich. Und Einstein ist als nächster dran. Die Gegendarstellung. Ausbalanciert, wie auf dem Hochseil der Artist. - Artisten sind Idioten. Selbstmörder unter bestimmten Umständen. Schlucken eimerweise Sedativa. Deren Waschzettel auf Englisch und Deutsch. Wegen dem Geist der Zeit. Der Geräusche im Kopf. Dieser Horde blasser Gedanken. In den Schatten von Angst vor dem Tod.

„Du musst nicht!“ Sagt Grace, als sie mich zittern sieht.
„Ich weiß!“ Sage ich. „Ich will aber!“
„Erinnerungen sind immer Scheiße!“ Meint sie.
„Beckett sagt, sie laufen, aber sie legen keinen Weg zurück.“ Sage ich.
„Sagt Beckett?“
„Ja. In Godot!“
„Also - gehen wir!?“
„Wenn ich es wüsste, würde ich es sagen.“
„Dann sag schon!“
(...)


Directors Cut:

Tagebuch Amok Eintrag 1. - wo liegt kaff Winnenden

Ob ich stimmen höre - fragt man mich.
Warum stimmen - ich bin auch so vorbereitet.
Obwohl - manche gehen mir mächtig auf den sack.
Und es ist nicht die tonhöhe - sondern was sie sagen und wie.
Ich bin ein warnsignal - sagt zum beispiel eine.
So - so.
Die gesellschaft - sagt die nächste.
Ich dein umstand.
Meiner?
Suizid - ich - drängelt eine sich vor. Und die hat ein paar titten - direkt zum schwach werden.
Hallo du ich komme aus der columbine high school in littleton.
Ey, voll krass - amok persönlich.
Ja du bist gut unterrichtet.
Ey ich habe das buch über dich gelesen - sage ich dem.
Und - bin ich ein gutes beispiel?
Klar!
Hier - ich bin deine waffe sagt die beretta - ich lag bei deinem vater unter dem kopfkissen.
Du hast wohl mit dem alten gevögelt was - frage ich, als ich sie in der hand halte.
Früher mal jetzt nicht mehr - sagt die - ich gehöre ab nun zu dir.
Ein gutes gefühl - sage ich - wenn man sich auf jemanden verlassen kann.
Auf mich kannst du - sagt beretta - nimm nur genügend munition mit.
Für die zig pauker was - sage ich - doch woher weißt du das.
...ich habe dich nachts weinen gehört.
Ey das ist voll peinlich - sage ich - wärst du ein typ würde ich dich in diesem augenblick shooten.
Ich weiß - sagt beretta - doch ohne mich bist du nichts.
Ich habe noch das m16 - vergiss das nicht.
Viel zu unhandlich - du willst doch so dicht wie möglich an die ran.
Stimmt - sage ich - ihre augen sehen wenn die brechen.
Na siehst du - ich doch auch.
Mich kannst du aber gegen die bullen brauchen - meldet sich das m16.
Du meinst wenn die schweine gegen die penne vorrücken?
Genau - ich treffe auf jede entfernung wenn ich will - zwischen die augen.
Du hast recht.
Nimm mich bitte auch mit - sagen die halbhohen schnürschuhe.
Okay - sage ich - und die tarnhose am besten auch, was?
Aber klar - sagt die jacke - nimm den kompletten anzug - du wirst unsere menge an taschen brauchen. Und mich - meldet sich das nachtsichtgerät - mein infrarot wenn’s dunkel wird - also schraub mich schon mal drauf.
Du solltest auch an mich denken - gibt der rucksack laut - ich bin vielseitig verwendbar.
Aber nimm dir vor allem zeit - meldet sich die zeit - alles will geplant sein.
Ich bin ein meister im planen, beruhige ich.


*
Nach neun Jahren Klapse laufe ich wieder durch den Kiez.
Früher wohnte ich hier. Berlin-Neukölln. Doch Heimatgefühl ist nicht, dazu ist zu viel passiert..., und ich bin auch nur da, um ein paar Kleinigkeiten zu erledigen - wie zum Beispiel Machmut, - doch das später, denn vor allem will ich Mutter und Vater auf dem Friedhof besuchen. ...
Blumen?
Blumen habe ich nicht, nur Erinnerungen. Außerdem, was sollen Tote mit Blumen?


Tagebuch Amok Eintrag 2. - wie alles begann

Morgen wird vom gericht über ihren weiteren aufenthalt entschieden.
... ich möchte aber hier bleiben.
Ihre großeltern haben aber einen antrag gestellt.
... ich möchte aber hier bleiben.
Weswegen - lieben sie ihre großeltern nicht?
Nicht so wie mich.
Können sie das erklären.
Nein.
Und wie ist das verhältnis zu ihrem vater.
Ich habe keins.
Und zu ihrer mutter.
Ich habe keine.
Und wie war es als ihre mutter noch lebte?
Sie lebte nie - vater hat es nicht zugelassen.
Können sie mir darüber mehr sagen.
Es gibt nichts darüber zu sagen.
Nicht mal über ihre mutter.
Doch - an ihrem grab steht eine eiche.
Welche bedeutung hat dieser baum für sie.
Keine - vater hat den gepflanzt - fragen sie den.
Ihr vater hat sie auch zum schützenverein mitgenommen.
Hat er.
Und?
Es roch dort schlecht.
Und das schießen.
War ok.
Haben sie gerne geschossen.
Nur am pc.
Killerspiele?
Auf moorhühner.
Nie auf andere...
Auf die nur im traum.
Können sie sich an einen traum erinnern.
Wenn ich will.
Und wann haben sie zuletzt was in dieser richtung geträumt.
Eben.
Eben?
Eben.
Aber wir sitzen doch real hier.
Was ist real?


*
Auch klar, ich hätte mit der U-Bahn direkt bis vor den Gottesacker fahren können. Wollte ich aber nicht. Wollte zu Fuß. Frei lebende Kanakster sehen. Fuhr deswegen bis Hermannplatz, dann raus. Ab da die Motherfucker runter bis Ecke Leinestraße. Und dann, Mann, auf der Meile, - da kommt Luft in die Lunge, dass einem der Sack bläht wie im Hurrikan. Dazu Knoblauchgestank. Zwiebelodem. Döner pur. Darauf die knalligen Fürze von den zu Dutzenden vor den baufälligen Häusern
hockenden Migranten, - wie man die Nation Soziempfänger politisch korrekt nennt. Und Schmeißfliegen.

‘He, alles im Lack, Alter?'
Einige von denen lassen die Dominosteine fallen, als ich frage, lüpfen ihre Hintern und drücken sich so mächtig einen ab, dass ihnen vor Anstrengung die Glubschen aus dem Kopf zu platzen scheinen. Purer Basedow. Diese Sackratten! Andererseits: Sie mögen mich - denke ich, und wollen es mir auf ihre primitive Art zeigen ... Und ob du es glaubst oder nicht, alle paar Meter immer noch die dämliche Anmache: ‘He, Alta -, Ascheloche, alte Scheiße, du, gib Handy -, du, - gib Kohle -, gib die Jacke, Alta -, bück dich, du, damit ich dich ficken kann, du scheiß Tunte. Und das alles in Kanaksprak, als wenn über vierzig Jahre Multi Kulti kalte Kacke sind.


Tagebuch Amok Eintrag 3. - zielübungen

Input basic.
Führt zu einer irren hitze im schädel.
Ich renne deshalb im Winkel auf 90° in die parameter.
Gleich der gestank von verschmorter haut in der luft.
Regele also die konsole auf 70 runter.
Sample die ränder ins bickfeld.
Zoome die statusanzeige.
Lasse den high player sauertstoff raunzen.
Schiebe die vorhandenen hundert lebenspunkte voll rein.
Blende alle umwelteinflüsse aus.
Nagele den hangover auf drive
Zocke die medial-kits ab.
Gebe ein call of duty.
Regeneriere den upper - tille den cut-browser - kille blacky über shooter.
Schiebe den in die rechte und baller die lebenden blechbüchsen ab.
Das fünfte mal heute schon - ey.
Und immer voll interaktiv aufs fadenkreuz das blut.
Du blödian - nimm die waffe höher - höre ich vater schimpfen - du gammelst einen
nach dem anderen ins holz!
Scheiß schützenverein - ich möchte frei sein - denke ich - frei...
Feuer weiter einen nach dem anderen in die gedärme dieser idiotischen
schießstand hütte.
My life before.
Der ausstoß reißt mir fast den arm weg.
Output kreativ meldet das system.
Hör sofort damit auf - wütet vater.
Sofort!
Over and out rattert basic.


*
Ey, - wie ich das alles hasse... immer wieder... Und, um die Loser zu kuschen, zeige ich meine Kanone - aus Anstaltsseife gemacht. Gute Handarbeit, das Teil. Echt! Was, glaubst du nicht? Ey, was meinst du, was man aus Seife, Zahnpasta und Schuhcreme alles so machen kann, wenn man Zeit hat.
Also zeige ich den Rotzern den Ballerer und empfehle: verpiss dich, Ziegenfick, und quatsch mir keine Klinke an die Titte, sonst blase ich dir die Birne weg und du schimmelst schneller als du denken kannst neben deinen Artgenossen.

’Echt, ich sag’s dir, es liegt nicht nur an der Kanone, - es ist der Geruch von Verwesung und Tod an mir. Dieser obergeile Klapsengestank!' Und es ist tatsächlich so, dass diese Kretins es riechen können. Ehrlich -, das hängt denen in den Genen, so wie die Eselsmist und Kamelscheiße nie aus den Haaren bekommen, - da können die waschen wen wann und wie die wollen... Und echt, gerade die hier in Neukölln sind in der Evolution noch gar nicht angekommen - und das mit oder ohne
Wesenstest vom Tierschutzverein - von wegen Integration, Ozialisierung, - assimilierter Dünnpfiff ist das alles hier. Glaub mir, ich weiß, wovon ich rede.

Und dann - voll die Scheiße -, denn auf dem St. Thomas Friedhof habe ich eine Stunde oder so zu tun um überhaupt das Grab meiner Eltern zu finden. Zwei- dreimal falle ich auf die Fresse, stolpere über umgeworfene Grabkreuze und abgestürzte Engel die in den letzten Zügen liegen, fasse, beim umhereiern im Schrott, in frische Graffitis irdischer Spraykünstler. Muss durch die Säure in dieser Farbpisse unendlich husten - und versaue mir prompt die Hose mit Farbe, die rasend schnell von der kotzigen Farblake zerfressen wird, wie ich sehen kann. Schließlich trete ich noch voll in einen Haufen Kacke. Es reicht schon wieder!

Mit Glück find ich dann in einem Zelt aus Aldiplaste und Zweigen einen Friedhofsarbeiter, der ne Tüte raucht und offensichtlich menschliche Knochen sortiert, - der so was wie deutsch spricht. Dieser Typ, ein Affe - etwa in meinem Alter, so eins sechzig groß, mit einem ansehnlichen Morbus Scheuermann, einer mächtigen Nase im Gesicht, drunter ein buschiger Bart, spielt, als ich ihn anspreche, doppelte Buchführung durch die Hosentasche -, ich höre förmlich seine Betoneier klickern, obwohl bis Osten noch weit hin ist. Doch immerhin kann er mich mit Gesten und seinem simplen Gestammel auf den rechten Weg bringen. Und das kann nicht jeder von sich sagen.
...ich denke also freundlich über ihn -, denke: - Alter, da hast du aber Glück gehabt - damals - bist davon gekommen. Und ich hoffe, du lobst dafür fünf sechs Mal am Tag Allah und reißt deinen verwarzten Arsch in den Himmel, wie es sich gehört, dafür nämlich, dass du überhaupt so alt werden durftest, wie du jetzt aussiehst...
Und wirklich, gutmütig, wie ich bin, lasse ich ihn mit dem Zorrozett auf der Stirn überleben - obwohl die Situation günstig wie selten und ich schließlich deshalb nach Neukölln -, und mein Messer mich auch belatschern will weiter zu machen und ihm zumindest die Klöten.
’Ach, glaube mir - was mich echt stört, auch bei dem hier, dass all diese Idioten auf meine Handschuhe gaffen, statt in meine Fresse, wenn es schon sein muss. Sind Handschuhe an warmen Tagen was besonderes?'


Tagebuch Amok Eintrag 4. - time later

Wir haben beweise in ihrem notebook gefunden.
Echt?
Sie spielen doome.
Ist ein ego shooter.
Und wenn sie verlieren denken sie dann an suizid?
Nicht immer.
Erklären sie es uns.
Nein.
Warum nicht?
Ich habe meine elementarstimme verloren.
Du da - höre ich die synapsen rasen - sag ihnen nur nichts über deinen plan -
über die art deiner bewaffnung - und kein wort über uns deine stimmen - die von gott gesandten.
Ok.
Und nichts über mich - sagt das butterfly-messer - schärft mir der schlagring ein - nichts über mich - befiehlt mir die angst vor bestrafung durch all diese dinge.
Sag ja nichts über deine welt - brodelt tief in mir das leben - sonst werde ich mich dir auf der stelle entziehen.
Mach es bitte bitte nicht - sage ich - mir ist schon beim gedanken an die folgen ganz übel.
Wo?
Im magen.
Geduld - das gibt sich wieder.
Wie denn.
Lüge ihnen einfach was vor - zum beispiel dass du die schule liebts deine lehrer achtest deine mitschüler magst jedes gebot befolgst – die menschenrechte - und sonntags absolut gerne in die kirche gehst.
Und was noch?
Erzähle ihnen von der brutalisierung der gesellschaft - und was du in der schule darüber gelernt hast - um ein guter mensch zu werden.
Und dass du unter allen umständen gut sein willst, das hören sie so gerne. Lüge ihnen immer und bei jeder gelegenheit was vor - und wenn es mal kritisch wird gib ihnen dein ehrenwort - das brauchen die - es ist ihre politik ihre art von leben liebe und ehrlichkeit.
Das soll ich...
Ja - tu das!
Und sage nie dass deine lehrer dich prügeln priester dich bedrängen deine familie dich verachtet - denn die werden dir nicht glauben das deine schlechten schulnoten darin ihren ursprung haben.
Wirklich?
Und das du nachdem du beim rauchen auf dem klo erwischt wurdest einem von ihnen zu willen sei musstest - das sag unter keinen umständen.
Nichts von rektal?
Nein - sag es nie.
Niemandem?
Nein - und auch nichts von deinem sonstigen beschissenen status - dem in der gruppe auf dem schulhof oder von gewalterfahrung durch deine mitschüler. Vom abziehen deiner markenklamotten dem handy und, das du jerry immer abschreiben lassen musst, weil der dich sonst ...
Was sonst.
Stell dich nicht blöd - dass weißt du doch selber.
Ich?
Ja du.
Oder warum hast du neulich am bahnhof von dem jugo die handgranate gekauft?
Ja - habe ich - aber doch nur um mich zu schützen.
Und hilft es?
Ja - es macht stark - und fette träume.
Na siehst du!


*
Als ob die rotzigen Blicke der Motherfucker nicht genug sind -, grinsen manche von denen auch noch über meine Sprache, - so wie der Typ auf dem U-Bahnhof in Tegel, als ich ihn höflich und nur mal so zum Test frage, wie ich mit der Bahn nach Neukölln kommen kann.

‘Du nix deutsch, Alta?', lästert der Nigger, und steckt sich eine an, obwohl hier Rauchen verboten ist.
‘Pass auf, du Plumssack, dass ich dir nicht deine lange Nille abschneide!' Doch dann lasse ich das, weil ich den Zug kommen höre -, vergrößere ihm stattdessen in bester Pulpfictionmanier mit zwei raschen Schnitten meines Butterfly beide Nasenlöcher.
‘Steht dir besser als zuvor, das Teil', sage ich, als er sich die blutende Gurke hält und vor Schmerzen schreit, ‘und besser Luft bekommst du jetzt auch.' Doch der hört nicht, kreischt wie irre, weint, rotzt Blut... Ey, Mann -, das ist ja echt ein Tier!
‘Du, hör mal - Fotze, lass das Jaulen -, dein schleimiger Schwanz ist ja noch dran...', berate ich die Memme durch die offene Wagontür, - bis zum Glück für ihn mein Zug abfährt, denn sonst wäre ich noch mal raus um ihm mein persönliches Zorrozett über die Stirn zu zwiebeln.

Klar, Alter, - und er wäre ja längst nicht der einzige Kanake, der somit verschönt im Großraum Berlin damit rumeiert; frag mal den Friedhofsluden und seine tausend beschissenen Brüder.


Tagebuch Amok Eintrag 5. - führers geburtstag

Ihr denkt echt, ich habe es geplant.
Ja!
Nein - überhaupt nicht.
Ihr habt...
Es begann mit diesem zeug zwischen meiner mutter und meinem vater. Das die sich beim sex mit der kamera filmten. Dazu fünf filme mit dem schleimer von onkel mit drauf. Mutter oben vater unten onkel von hinten. Vater von hinten mutter oben...
Wird mir ganz schlecht bei. Und - son scheiß kann man noch so gut verstecken. Ich finde. Schließlich habe ich nächtelang gehört was lief. Oder denkt ihr ich bin taub blöd impotent.
Nachher eure entschuldigungen und geldgeschenke. Nee - sorry und goodbye ey. Aber wenn ihr nur einmal die richtigen antworten auf meine fragen gehabt hättet... Das wär’s gewesen.
Und warum nun ausgerechnet ich schuld sein soll - weil mutter sich umgebracht hat. Echt - ihr hätte diese scheiß filme eben nicht rum liegen lassen sollen. Dann wären die auch nicht ins world- web gekommen. Wie bomben - sagst du - vater - haben die eingeschlagen. Klar – bei mir auch. Aber ich habe nichts geplant - wie ihr. Und dieser scheiß typ von onkel ist mir auch egal. Wären es nicht die bremsen an seiner karre gewesen.
Es wäre mir was anderes eingefallen. Eventuell hätte ich ein flugzeug abstürzen lassen. Direkt über der innenstadt – aufs haus wo der wohnt. Fakt ist – er hat den löffel an einer pappel abgegeben. Und ich habe mir von der geklauten kohle ein paar klamotten gekauft. Finde ich mehr als gerecht. Auf den langen schwarzen mantel bin ich besonders stolz. Kann man gut ne schrotflinte drunter verstecken.
Bin zum friedhof mit dem teil – mutter ein paar blumen bringen. Ich - natural born killer – habe ich mutter gesagt.
Du warst das mit dem onkel - tat sie überrascht. Da hatte ich gerade in paar tauben aus der tanne gegenüber geschossen.
Hat dir vater nichts davon gesagt? Kein wort!
Nichts von meiner liste?
Nein! – ich kenne keine liste.
Ok – ok, ist auch besser so...
Nun sag schon! Nein - ich übe jetzt noch ein bisschen für übermorgen. Was ist denn nun schon wieder übermorgen - junge?
20ter april - hitlers geburtstag.


*
‘Man lästert nicht über das Unglück und das Aussehen anderer', höre ich Mutter, ‘eventuell haben diese Leute durch dich Schwester oder Bruder verloren.'
‘Und wenn ich seine Eltern gleich mit abgeschwitzt hätte, Mutter, Tote können nicht sprechen', sag ich - und weiß schon in dem Moment, dass es unlogisch ist.
‘...ja, warum bist du denn überhaupt hier?', schreien mich darauf auch gleich die sechsundfünfzig Pisser aus ihren Kisten heraus an.
‘Warum wohl, ihr Vollidioten', brüll ich zurück, ‘genau deshalb, weil ich euch unter die Erde gebracht habe... und das ist gut so, sag ich, wie einst der ehemaligen Bürgermeister, dieses schwule Arschloch, der schließlich an allem Mitschuld hat.'


Tagebuch Amok Eintrag 6. - für Laja

Laja geht ne klasse vor mir.
Mein blonder sonnenschein, nennt der geschichtslehrer sie...
Hab ich gehört.
Das war sie für mich bis zu dem tag als ich sie auf dem klo fand auch.

Weinend saß sie da - blutend an armen und beinen.
Warum tust du das.
Nur so - ihre antwort.
Während ich das dritte tempo verbrauchte.
Lass doch.
Nein – und gib mir mal die klinge.
Was willst du damit?
Ins klo...
Nicht dass du dich schneidest.
Ich nicht - und du?
Ich weiß nicht.
Was weißt du nicht?
Es ist wegen dem geschichtslehrer.
Was macht der.
Fotos von mir.
Und was sonst.
... mit Paul zusammen.
Das ist doch der große junge aus der 12ten.
Ja.
Warum der?
Er ist da.
Und die bilder.
Stehen in face– book.
Und ... da ist alles zu sehen?
Unsere köpfe nicht.
Sonst?
Alles.
Hast du noch ne klinge?
Lass uns lieber ne kippe wegdrücken.
Unterarme?
Ja – ne voll fette idee.
Und heute abend holen wir uns den pauker.
Geht nicht – der ist mein alter ...
Ey - ich glaub - ich spinne!


*
Aber hallo - kannst du dich noch erinnern, was die Fotze anlässlich der Wiedereröffnung der Schule nach der Asbestsanierung sagte?
’Diese Schule war in der Weimarer Zeit vermutlich das bedeutendste Zentrum sozialdemokratischer Schulreform. Hier sollte das Kind als eigenständige Persönlichkeit im Mittelpunkt der Erziehung stehen...’

Wochen später hörte sich das dann so an.
’Die Polizei- Einsätze hier in der Schule können keine Dauerlösung sein. Es besteht Diskussionsbedarf.’
...echt, ich muss heute noch abkotzen.

‘Ach, Junge', höre ich Mutter, ‘hast du denn seit 2006 nichts gelernt?'
‘Was? Wo denn? Da, wo ich bin?'
(...)
‘ ...weißt du, was die mit einem in der Psychiatrie machen? Die hauen dich mit Drogen voll, bis dir der Sack platzt. Und nicht nur das, - die Birne quatschen sie dir dermaßen voll, dass du nicht mehr weißt, wer du bist. Und das ist deren Scheißtrick: Ohr abkauen bis zum geht nicht mehr... Und auch deshalb stehe ich jetzt so angefickt hier, echt, Alte, - mein Leben hat sich so was von ausgeschissen!'

‘Sei doch nicht gleich wieder so aufgebracht -, an uns denkst du wohl gar nicht, Junge, was? Uns hast du damals nämlich gleich mit umgebracht...'
‘Erzähl nicht son Quatsch', sag ich, - ‘du hast dich fast so gut wie freiwillig vor die U-Bahn geworfen, und Papa hat sich mit Lust und Laune tot gesoffen. Und das alles wegen dieser verlausten Kanakenbrut... Glaub mir, hätten die Penner von
Psychoheinis mich nicht weggesperrt, wäre das nie passiert!'


Tagebuch Amok Eintrag 7. - opa im krieg

Weil krieg immer ist.
Sagt großvater.
Der liegt in einem vollgepissten bett in einem vollgepissten zimmer
Jedenfalls riecht es so.
Genau wie dieses städtische altenheim aussieht.
Kotz...
Und so sieht er auch aus.
Immer wenn ich ihn besuche.
Einmal die woche – was?
Nee – nur alle 14 tage.
Liegt er in seiner eigenen scheiße.
Sagt er.
Weil die hier keine zeit haben, die scheiße wegzumachen - sagt er.
Ihn andererseits - die hier - auch nicht aufs klo bringen - oder zumindest den schieber ...
Tobt er – und wenn er tobt wackelt sein körper wie im fieber.
Wie bei seinem bettnachbarn Erich - und so laut das die gebisse im wasserglas klappern. Und ihre lippen flusig werden.
Dahinter kommen dann grün gelb blasen raus - und es riecht nach phosphor.
Bring mir die luger mit, junge – befiehlt er.
Das alte ding?
Ja.
Was willst du denn damit?
... die idioten hier alle machen.
Nächstes mal – opa – sag ich dann immer.
Doch ich bringe die auch nächstes mal nicht mit.
Denn ich weiß ja jetzt schon, dass er keinen trifft – egal wohin er zielt.
Das muss ich dann schon selber machen – wie damals auf dem schützenfest als er den bären haben wollte. Der jetzt auf seinem kopfkissen liegt und dem ein ohr fehlt - und der ganz grau um die schnauze ist.
Grau, wie opa überall ist.
So ist es wenn man stirbt – junge.
Warte noch ein bisschen damit opa - tröste ich - es wird alles wieder gut.
Nichts wird im krieg gut - brüllt er - siehst du doch am bären! Niemand kümmert sich um sein abgeschossenes ohr – keiner kümmert sich um irgendetwas hier – und das war schon so als es noch einen kaiser gab – mit nem bart, mit nem langen bart, singt er.
Kaum gebrüllt und gesungen, kommen zwei pfleger und stellen ihn ruhig indem sie ihm eine spritze in den hintern verpassen - wie sie sagen.
Wobei opa ganz laut einen fahren lässt und schweinische sachen wie arschlöcher und so weiter sagt.
Dann fesseln sie seine arme ans bett – obwohl der furz eindeutig hinten raus kam.
Wissen wir - sagen die - junge - als ich deswegen nachfrage.
Und ich muss gehen - weil opa schlafen soll.
Sagen die.
Doch wer kann schon den krieg verschlafen.
Ich nicht.
Also werde ich wiederkommen - wenn es soweit ist - und für meinen opa kämpfen - und die pfleger fragen, was sie mit opa gemacht haben.
Denn vor einem monat ist er gestorben - und eine alte frau sagte an seinem grab es sei eine schande, wie sie opa im heim behandelt hätten...
Doch nicht mehr lange - opa - dann wird - wie im krieg - wieder richtig gestorben. Das verspreche ich.
Dann rummst sand auf die holzkiste - und ich werfe opa den bären nach.
Den wollte sowieso niemand haben; muss am fehlenden ohr liegen.


*
‘Sie', sagte der Anstaltspsycho zu mir, obwohl ich erst vierzehn war. Sie -, Sie haben einen IQ von 125, sagte der, Sie hätten wissen müssen was sie taten, und was darauf folgt.
‘So?'
Andererseits sagte der vor Gericht, dass ich eine Art von Autist bin, Asperger Syndrom - und nur in meinem Jetzt lebe, - mit Mutter.

‘Kennst du den Tassentalk', fragte ich den.
‘Nein, wer oder was ist das?'
‘Du kannst mich immer zwei mal mehr am Arsch lecken..., wörtlich.'
‘Finden Sie das witzig?'
‘Nein -, aber es trifft.'
... ich sag’s ja, alles komplette Idioten hier ...

‘Ey, sag mal, Mutter, weißt du eigentlich wie oft wir beide dieses Gespräch schon geführt haben? Nein? Okay, dann kläre ich dich auf, denn deswegen bin ich ja hier, - es ist nämlich heute ein runder Tag, ein Geburtstag, so- zu- sagen... Und, glaube es oder nicht: 2999 mal haben wir !genau! dieses! Gespräch! geführt!'

’Gut, du hast recht, nicht so innig, schließlich trennten uns 31,5 Kilometer -, ja, ich habe es mit dem Zollstock auf dem Stadtplan nachgemessen. Und ich habe mindestens jede 2. Nacht die Entfernung zwischen uns nachgemessen; - ich hatte nämlich nichts anderes zu tun. Und wenn du denkst, die Entfernung ist mit den Jahren größer geworden, Irrtum, nein -, nichts da, die blieb gleich, - jede 2. Nacht, ...ist 31,5 Kilometer, seit dem du mich verlassen hast ... So, und heute nun ist es unser 3.000 Gespräch über Schuld und Sühne und so weiter!’

‘Woher ich die Zahl 3.000 weiß? Nichts einfacher als das. Ich habe jedes Mal nach unserem Gespräch einen Punkt auf meine Tapete gemalt, - einen kleinen kreisförmigen Punkt mit Buntstiften. Ja, Buntstifte waren das Einzige was ich haben durfte; ich war vierzehn, du erinnerst dich? 14! Und hatte !14 verfickte, bunte BUNTSTIFTE! Und nichts weiter! Und mit jedem Punkt, den ich auf die Tapete malte, wurde das Gebäude kompletter. In allen Details. Du kannst dir denken welches.


Tagebuch Amok Eintrag 8. - ein scharfes schwert

Frau brunner ist die richtige - sagte vater.
Weltgewand offen nett und heiter - sie wird dir helfen, dass du versetzt wirst.

Es liegt nicht nur an den schularbeiten und so weiter – war frau brunner sicher.
Du musst deine konflikte lösen wollen.
Also gab sie mir gefühle statt nachhilfe – nannte ihre methode pädagogischen eros.
Und ich genoss.
War mir über das was später massaker genannt wurde zu dieser zeit überhaupt nicht klar.
Denn frau brunner hatte nur ansätze in mir geschaffen – eine ahnung von individueller freiheit – straßen gebaut.
Vor allem wenn wir zusammen gras rauchten.
Eine leidenschaft die sie sich aus ihrer internatszeit bewahrt hatte – als sie noch ein mann war.
... ob ich mal nachsehen wolle ...
Hat das denn nicht wehgetan – wollte ich wissen – als wir uns küssten.
Schon – sagte sie – aber im falschen körper zu sein hat mir wesentlich mehr weh getan.
Und sonst so?
Ich kann alles machen was ich will – sagte sie – nur lehrerin in einer schule kann ich nicht sein.
Aber du siehst doch aus wie eine richtige frau.
Willst du mal probieren ob alles an seinem platz ist?
So hat mir das lebensmittel zuneigung geholfen ein für ... akzeptables zeugnis zu erwirtschaften - und meinen traum ...
enden lassen.
Als in der zeitung über frau brunner stand.
Ein foto zu sehen war, wie sie auf dem dach eines hauses stand. Immerhin zwölf stockwerke – sagte mein vater.
Ich weiß vater – oft waren es aber auch wesentlich mehr.


*
Einer meiner Therapeuten war der Meinung, ich wäre ein Künstler. Nur, der Idiot weiß bis heute nichts von unseren Gesprächen - und dass die Buntstiftskizze die Schule zeigt in der 56 arabische Säuger starben. Türken auch. Klar...
Dieser Typ wusste auch nichts davon, dass ich, als ich elf war, von Yussuf auf dem Schulklo über Wochen in den Arsch gefickt wurde -, wusste der nicht... , so wie ihr es nicht wissen wolltet. War ja auch klaro: Yussuf, als Machmuts Sohn. Und Machmut als Boss und Pate von Neukölln! Da hat man mächtig Schiss in der Hose, was?'

’Mach uns keinen Ärger, Junge', hast du deswegen zu mir gesagt, als ich weinend nach hause kam, 'wir nehmen das Geld von Machmut, und machen uns einen schönen Urlaub in der Türkei.'
’IN DIE TÜRKEI?! - Ins Land der Eselficker fahren - mit fünftausend Mäusen Schweigegeld?! - Nein! NIE!'

Gut, Yussuf hat letztlich mit seinem Leben gelöhnt. Aber das bringt ihn mir auch nicht hoch. So, und jetzt bin ich hier, wo er seit langem ist, - und werde mit einem hohen Strahl auf sein Grab pissen.

... ja, von oben herab pisse ich alle tief in die Hölle -, weißt du. Aber klar, mach ich das -, denn darauf habe ich mich Jahre gefreut. Zuerst pisse ich über ihn, dann über Aische -; ja, über die auch, - hat sich schon lange ausgeliebt, - dann über Petrak, den verblödeten Russen, den Handlanger fürs Grobe, den Kinderschlitzer, dann über die Bande der Kurden, Araber, Libanesen, Neger - auf die drei vier Gelben, all die anderen Wichser. Ich weiß, es lässt sich mit Pisse nichts endgültig tilgen. Nicht mit Blut und Leben. Mit Rache im Herzen. Ich weiß es seit heute morgen.
‘Woher?'
’Ach Mutter, ich weiß es eben. Ich wusste es schon, als ich damals von der Tanke den Sprit schleppte.'


Tagebuch Amok Eintrag 9. - ich kill die bagage

Meine akne pickel wären wie hügel und krater auf dem mond. Lachte mich Manuela aus. Die stand in der pause mit ihren fett blöden schwestern immer nahe der turnhalle wo sie eine nach der anderen rauchend, giggelnd den blonden Andy aus der 12ten anhimmelten. Doch den brauchte ich nicht mehr einzutragen – der stand schon länger auf meiner liste! Genau wie Manuela und sippe. Diese ganze bagage von dauer- demütigungen im gut- aussehen wollen. Ihr kotzig freches gut- riechen - und mit teuren marken- klamotten posieren. Mit handys aus gold rumfuchteln - an platin- notebooks und bunten iphons schrauben - und all dem anderen zeug das keiner in echt braucht.
Alles dinge, die ich nicht... Weil ich die nicht haben wollte – redete ich mir vergeblich ein. Denn ich sehnte mich (eigentlich) um meiner selbstwillen gemocht zu werden - geliebt. Damals lebte mutter noch. Doch auch die sagte - so wird das nichts junge. Wasch dich unten herum - geh zum frisör - schneid dir die fingernägel - und rasieren könntest du dich auch mal – obwohl ja da wegen deiner eiterpickel noch nicht viel zu sehen ist. Also machte ich. Doch nicht mal als bei mir dieses ominöse magenbluten festgestellt wurde nahm sie mich in den arm - so wie ich es gerne gehabt hätte. Danach habe ich den akt mit dem rattengift gelassen – auch weil mir die haare davon ausgingen. Schrieb dafür gedicht auf gedicht an Monika - einer faden blonden - von der Klaus sagte die hätte noch nie einen weggesteckt und würde deshalb prima zu mir passen.
Gut - sagte ich - Klaus - der fall ist notiert.
Fragte der - sag mal was schreibst du da eigentlich wirklich in dein heft?
Zum beispiel jetzt deinen blöden namen - und ansonsten den von den anderen wichsern hier - damit ich niemanden vergesse.
Wieso vergessen?
Weil ich den laden hier bald abfackeln werde!
Ey - du bist ja ein richtiger witzbold heute - lachte der sich scheckig.
Bin ich das?
Ja - und halt mal n moment still - fummelte der mit seinem kotz- handy vor meiner fresse rum - ich werd n bescheuertes foto von dir machen und ins face- netz stellen.
Du bist ja gut drauf - sagte ich – das wird echt früchte tragen wenn du mein bild ins netz stellst und am nächsten tag tot bis - du.
Ey - du bist ja komplett verrückt - quakte der - du blödes loser- schwein - und glotzte in so ner art hundeblick.
Wart nur ab - legte ich nach - wenn es soweit ist wirst du vor angst auf knien vor mir liegen und um gnade winseln.
Du spinner, - hälst dich wohl für was ganz besonderes - was?
Nicht immer - sagte ich - aber für dich und die anderen bettnässer hier reicht es locker.


*
Wie viel Kanister ich noch brauchen würde, schnappte der Tankwart nach Luft, er müsse den Plastikscheiß sonst nachbestellen.
Es muss reichen..., sagte ich dem.
Wofür?
Für einen Grillabend, mit meinen ausländischen Freunden, strahlte ich ihn an, wie ich noch weiß, und weil er es vor Gericht aussagte - und es in den Akten steht, - die ich schon hunderttausend mal gelesen habe.
Mach keinen Scheiß, Junge, das kann ins Auge gehen, sagte der Tanki.
Ich pass schon auf, sagte ich, - da hatte ich 12 Kanister.


Tagebuch Amok Eintrag 10. - what u si is what u gätt

So so – sagte ich – du bist also migrant - kartoffelkanone?
Ich bin in deutschland geboren – grinst er.
Ach - ja.
Mein vater ist aber vietnamese.
So sieht er auch aus.
Stimmt!
Zu der zeit standen wir beide nebeneinander auf einem podest - um als beste jugendliche schützen geehrt zu werden.
Ich erster - er zweiter.
Im liegenden und knienden Anschlag ist die Zuhilfenahme eines Gewehrriemens gestattet - im knienden Anschlag darf außerdem eine Kniendrolle unter den Spann des Fußes gelegt werden.
Glückwunsch – sagte er – und ich dachte schon er wolle mich küssen - so nahe waren wir uns.
KK.
Sagte ich
Und was bedeutet kk?
Gustav kunze.
Ja?
...ey - ich glaube ich hab dich schon mal gesehen.
Ich dich auch - sagte er - als du dich auf dem schulhof mit dem glatzköpfigen jungen geprügelt hast.
Kevin - sagte ich - das nazi-mega-arschloch.
Aber sonst bist du doch eigentlich nett.
Nicht immer – sagte ich – und im sagen fiel mir diese unglaubliche leere in mir auf – eine art schwarzes loch - in das ich alles an wut zorn und enttäuschung reingeschüttet hatte - das nun aber fast voll war - das aber in der sekunde hier mit ihm einen abfluss fand - und meine bösen gedanken und taten sanft verstrudeln half.
Ich heiße kim – sagte er – und sah mir direkt in die augen als wolle er mich trösten – oder so.
Und für augenblicke war meine innere auster geknackt.
Die demütigen - verachtungen - meine arroganz und distanz - die durch die hoffnung mit kim ganz normal tv zu gucken cola trinken süßigkeiten naschen und gemeinsam zu lachen gewichen sind.
Ich müsste nicht länger am pc krieg führen üben - töten leichen zerteilen – hätte das problem los das etwas passieren würde was ich nicht wolle.
Ja - mit ihm als freund hätte ich mir die täglichen hinrichtungen sparen können.
Wollen wir freunde sein – fragte er - als würde er was ahnen.
Bf?
Beste freunde?
Ja!
Cu – sagte er beim weggehen/und als er sich umdrehte sah ich ihn breit grinsen.
Du bist ein schlitzohr – rief ich ihm hinterher.
Schlitzauge – brüllte er zurück.
Ich musste lachen – seit wochen mal wieder.


*
Im Heizungsraum der Schule brummelte gemütlich ein Ölbrenner. Ein ganz neues Teil, an einem herrlichen Ort. Ich fühlte mich da immer wohl. Und es konnte mich keiner überraschen, - hatte ich mir doch einen Schlüssel besorgt.

... echt, der Hausmeister war ein Idiot. Für mein geheucheltes Interesse an moderner Technik und einer Flasche Korn hatte der mir den Brennerraum gezeigt, - und danach seinen Schlüsselbund vermisst.
Ich lasse mir heimlich neue machen, sagte der, als die Pulle alle war, und wir die Suche nach den Schlüsseln ergebnislos einstellten. Der Brenner läuft sowieso wie von alleine, da gucke ich nur alle vier Wochen nach dem Rechten.
Ja, die Computer gesteuerte Technik ist ein Wunderwerk, sagte ich.
War ja auch teuer genug - und alles für dieses Kanakenpack, war er entrüstet, - du bist ja fast der einzige Deutsche hier.
‘Wir sind drei, sagte ich.
Drei von 286.
Ist eben ne kleine Schule, sagte ich - und es wird sich alles richten, sagte ich.
Dein Wort in Gottes Ohr, war er zuversichtlich; - so wie du auch, Mutter, - du sagtest das auch immer: Gottes Ohr! Doch der ist taub. Blind. Und tot.

Ich meine eher, wir sollten auf seinen Hintern hören, denn eines Tages wird er uns zuscheißen, so wie damals in Thailand mit dem Tsunami, - oder wie ich es tat, als sein verlängerter Arm gegen die Moslembande, - die immer noch gegen unsere Kirchentüren pisst, unsere Frauen Schlampen nennt - und Gott mit Terror tötet.

‘Versündige dich nicht', tut Mutter bestürzt.
‘Keine Angst, Mutter, ich bete täglich drei Ave Maria, - bin frei von Sünde!'
‘Gut so, Junge!'

‘Okay, und jetzt gehen wir Machmut suchen, der hat nämlich seine siebenjährige Haftstrafe wegen Drogenhandel schon nach fünf Jahren wegen guter Führung gefinisht und macht munter weiter. Ich glaube, am leichtesten finden wir die Ratte auf dem Sozialamt, denn da besorgt ihm seine Großfamilie das Spritgeld für seinen Kanaksterjeep, - und der Arsch kommt immer noch persönlich, um seine versiffte Truppe abzukassieren. Also los, Mutter, mach schon, - pack deine Lumpen zusammen!'


Wer frei ist:

„Das geschah vor zehn Jahren?“ Fragt Grace.
„Nein, das ist gut 15 Jahre her. – Allerdings sind zehn Jahre davon Dr. Munks Therapieversuchen geschuldet.“
„Und was ist im ganzen daraus geworden?“
„Das, was du siehst, wenn ich vor dir stehe“, muss ich lachen, „... den Rest weißt du ja selber.“

„Leider nicht alles, - hast du denn weiter Tagebuch geschrieben?“
„Ja, habe ich. Allerdings hat Munk die Teile unter Verschluss. Er meint, es wäre zu radikal und würde meiner heutigen Persönlichkeit widersprechen.“
„Und, - widerspricht es?“
„Natürlich! - Sonst hätte er mich ja nicht entlassen!“
„Stimmt!“ Lacht sie mit all ihren süßen Grübchen. „Und dazu mit neuem Namen.“
„Zappa wäre nichts für einen Neuanfang, meinte Munk gleich bei meiner Einweisung. Deshalb habe ich mich schon damals in Jimmi umbenannt.“
„Jimmi Zappa ist auch nicht schlecht...“ Amüsiert sich Grace, worauf ich sie ins Koma küsse.

Kaum wach, will sie mit mir die Tagebücher bei Munk holen.
„Lass mal“, sage ich, „die laufen nicht weg. Die nehmen wir bei der nächsten Medikamentenausgabe mit.“
„Okay, dann bereiten wir uns auf das Kommende vor...“
„Das da wäre?“
„Zwei lungenkranke Typen aus der Linie meiner Mutter.“
„Gleich zwei. - Wie viele seit ihr eigentlich?“
„In der Zeitung stand neulich was von 650 Stück!“
„Und die willst du alle über den Jordan bringen?“
„Wir werden sehen, wie weit wir kommen, - oder?“
„Stimmt!“
Okay. Die nächsten sind also dann Pink Puffer und Blue Bloater.“
„Komische Namen.“
„Die Typen heißen nach ihrer Erkrankung. Bei dem rosa Schnaufer handelt es sich um eine hagere Socke mit trockenem Husten, der laufend aus einer Art Spraydose Liter von Sauerstoff inhaliert. - Der blaue Aufgedunsene ist ein schmieriger, fetter alter Sack, der in einem Fort blutigen Schleim in die Gegend rotzt. Beide erkennst du am Lungenpfeifen!“
„An was?“
„Die rasseln wie Trecker bei Vollmond.“
„Ein schönes Bild“, muss ich grinsen.
„Außerdem bin ich ja bei dir und zeige sie dir!“
„Wann soll’s?“
„Morgen früh, - wenn sie aus der Moschee kommen.“
„Das Gebet ist besser als der Schlaf.“
„Eilt zur Seligkeit mit Heil und Erfolg!“
„Du sagst es!“
„Wir nehmen das Motorrad.“
„Ist okay.“


Depressive Verstimmung:

„Die Mörder schweigen, schreiben sie; und vermuten Rassisten!“
„Lass sie schreiben.“ Wirkt Grace gleichmütig.
„Bist du sicher?“
„So sicher, wie man sein kann.“
„Und wenn wir ihnen die Wahrheit sagen?“
„Dann ist das unserer Wahrheit, aber lange nicht ihre.“
Da saßen wir beim zweiten Bier und ich wusste heute werden es wesentlich mehr sein als... Viel mehr. Und es wird doch ein scheiß Gefühl zurück bleiben. Ein- scheiß- an- Gefühl!
„Werd mir nur nicht moralisch,“ sagt Grace, - lacht mich an, „oder liebst du mich nicht mehr?“
„Doch. Immer!“ Lege ich mir die Hand aufs Herz. „Immer und immer!“
„Siehst du. Wir müssen nur dran bleiben, damit etwas neues entsteht.“
„Du wirst recht haben.“ Sage ich – um sie nicht zu enttäuschen. Auch, um mich von Gedanken über Versagen und Untergang abzulenken. Dem absoluten Ende von Zeit und Raum.

„Dehnt die Welt sich nun aus, oder nicht?“
„Es gibt eine Parallelwelt. Ein gespiegeltes Jetzt, habe ich gelesen,“ sagt Grace.
„Dann kann man ja Zeitreisen machen...“
„Wenn das möglich wäre, würde ich jetzt hier nicht mit dir sitzen.“
„Sondern?“
„Wäre im Ursprung. Und wüsste etwas, was du nicht weißt.“
„Lass uns eine Zeitmaschine bauen!“ Bat ich Grace. Da hatten wir das fünfte Bier.


Verborgene Ursprünge:

Ich will nicht ’alles’ wissen. Mir muss nichts erklärt werden... Doch einiges mehr über Grace wüsste ich schon (gerne). Also:
’Warum fragst du sie nicht, frage ich mich. Bist du zu feige?
Feige ist wohl nicht das richtige Wort; ich will sie nicht erschrecken. Ich will nicht, dass sie mich verlässt.
Aber wissen willst du?
Ja, wissen will ich.
Also?
Ich werde mich an ihr reiben, bis die Vergangenheit neu erscheint.
Du meinst, Grace wäre eine Art Rubbellos?
Nicht ganz, aber so ähnlich.
Du bist ein Idiot!
Und wenn ja, - was soll ich jetzt machen? Man kann nichts in den Urzustand zurücktauschen. Etwas ungeschehen machen. Es gibt auch keine Sauberkeit im wünschen. Es läuft im Hintergrund auch keine ’gute’ Matrix mit, - kein Weiß in Weiß. Die Vergangenheit ist wie die Zukunft: bestenfalls düster und dreckig. Deshalb lass es doch, wie es ist, - sagt er. - Compri?’

„Bei einem Schuss in den Mund explodiert der Kopf...“
„Wie kommst du darauf?“
„Ich lese über die NSU.“
„Wieso?“
„Weil die beiden Typen in einem Wohnwagen erschossen wurden!“
„Ich denke, es war Selbstmord?“
„Sagt man so.“
„Und?“
„Da soll es einen Dritten gegeben haben.“
„Mann oder Frau?“
„Was weiß ich. - Das Gehirn bastelt sich sowieso seine eigene Realität, sagt man. Nur so kann es sein, dass Angaben immer wieder unterschiedlich ausfallen.“
„Spielst du jetzt auf mich an?“
„Niemals, - Grace...“ - Auch wenn falsche Beschuldigungen umso lieber für wahr gehalten werden (also von mir in dem Fall), je präziser sie den Erwartungen der Belogenen entsprechen: Ich nenne es Liebe.
„Weil du mich liebst?“
„Ja. - Weil ich dich liebe!“
„Dann lass uns über die Zukunft reden.“
„Über morgen?“
„Genau!“
„Ich bin immer froh, wenn was passiert.“
„Ja, warten ist schlimm. Dann lieber machen. Egal, was dabei rauskommt.“
„Es könnte schlimmer kommen.“
„Womit?“
„Mit der Zeit. Wenn man älter wird und sich Vorwürfe macht, nicht getan zu haben was nötig war.“
„Ja. Das ist schrecklich; - damit könnte ich nicht leben.“
„Ich auch nicht.“
„Um so schöner, dass wir uns gefunden haben.“
„Und die Liebe.“
„Ja. Die auch!“


Zu deuten gibt es nichts:

„Weihnachten ist mehr als ich tun kann!“
„Bist du konvertiert?“
„Nein. Es gab keinen Grund.“
„Was sie dir angetan haben ist kein Grund?“
„Das hat mit dem Islam nichts zu tun.“
„Bist du sicher?“
„100%. - Und so sicher, dass ich dich, wenn du Ungläubig wärst, nicht lieben würde!“
„Ich praktiziere aber nicht.“
„Ich auch nicht.“

Die Form ist der Inhalt, und der Inhalt ist die Form, schreibt Joyce. Und ich kritzele es in mein Tagebuch. Staunend über Form und Inhalt meines Lebens. Über den ersten Schuss. Lange ists her. Und doch sind erst ein paar Monate vergangen. Als ob sich die Zeit auflösen würde. Mein Dasein. Mir das Dunkel jetzt schon seinen Preis abfordert: die Liebe. Das Glück mit Grace. Überall ginge ich mit ihr hin, wenn ich könnte. Auch zum Teufel. Ja. Auch dort wäre ich gerne mit ihr, wenn sie wollte. Doch es wird dauern. Weil sie mir auf meine Fragen (dahingehend) hartnäckig entgegenschweigt. Und es so nichts zu deuten gibt. Verstehst du?
„Das, was wir tun müssen, ist die Tat selbst“. Sagt sie.
„Ja. Schon -, doch wie oft noch?“
„Bis alles erloschen ist und wir sterben.“
„Bist du sicher, das zu wollen?“
„Nie war ich mir sicherer.“
Sie ist besessen, denke ich. Und überlege, ob ich es Munk sagen soll.
„Wenn du es Munk sagst“, sagt Grace, „ist es vorbei. Dann ist alles vorbei!“
„Auch das mit uns?“
„Ja. Alles“. Sagt sie.
Und ab genau da, wird sie mir fremd. Ist sie mir fremd. Sterbe und verstumme ich. Verweigere ich mich. Und sehne mich nach einem anderen Leben. Hörst du?

„Angeblich hat Pink Puffer überlebt!“
„Sagt wer?“
„Kam eben im TV.“
„Und was noch?“
„ ... saß hinter dem Mann eine Frau auf dem Motorrad.“
„Das ist doch eine Falle der Bullen! Die wollen uns aus der Reserve locken!“
„Du meinst, von wegen zum Krankenhaus fahren und nachlegen, - um den Zeugen zu beseitigen.“
„Genau so.“
„Verarschen lassen wir uns aber nicht!“
„Hand drauf.“
„Salute.“

’Wladimir:
Morgen hängen wir uns auf. - Es sei denn, dass Godot käme.
Estragon:
Und wenn er kommt?
Wladimir:
Sind wir gerettet.’

„Warten ist trostlos.“ Sagt Grace.
„Ich bin doch bei dir!“
„Eben.“
„Dann lass uns die Sache jetzt und hier abbrechen und in den Süden fahren.“
„Ein Hund wäre schön.“
„Auch das, - also?“
„Weihnachten ist überall Scheiße!“ Weint sie.
Ich kann Frauen einfach nicht weinen sehen. Und Grace schon überhaupt nicht.
„Okay. Dann machen wir es morgen!“
„Versprochen?“
„Großes Indianerehrenwort!“
„Sei nicht kindisch.“


19. dez. 2014 michaelkoehn