Konjugation einer wahren Karriere
– oder:
Die Definition des Realen – oder: Ein Perverser berichtet – oder: Holt mich hier raus - Roman in Arbeit



Sehr geehrte Damen und Herren –
Sehr geehrte Frau Schr. -

Sie waren so freundlich, auf meine Offerte zu antworten: Ich, Michael Köhn, Autor, Zeitzeuge, werde ’in authentischen Auszügen’ einen Roman über die ’Nachtseite’ eines deutschen Komikers schreiben, der 19xx unter Mordverdacht in U-Haft saß. Sollten Sie als Verleger, Literaturagent o. ä. Interesse am Thema haben, mehr über mich und meine bisherigen Arbeiten wissen möchten, finden Sie auf http://www.literatalibre.de Auszüge meiner Arbeiten, meine Vita. Um jedoch direkt mit mir in Kontakt zu treten, rufen Sie mich bitte unter xxx an.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Köhn


Nun, liebe Frau Schr., meine Offerte an Sie bezog sich auf eine in den Grundzügen fixierte Idee, die meinerseits ab und an daran kränkelt, den Roman in eine solche Richtung zu schreiben, die vermeiden hilft, dass mich die tatsächliche Figur, nämlich der Herr xxx - wie angedroht, vor Gericht bringen kann, usw., usf. Dem zum Trotz füge ich Ihnen die ersten Romanseiten direkt in die Mail ein; - evtl. behagt Ihnen meine literarische Themenumsetzung sowieso nicht. Ansonsten werde ich mich freuen, von ihnen Rat, Tat und Vorschläge über das weitere Vorgehen zu hören.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Köhn


Menschen werden erfolgreich, weil sie sich aufgrund ihrer Lebensumstände dafür entscheiden.
- Autor unbekannt -


Urgefühl

Ich trage einen großen Namen, heißt es in einer Ratesendung im Fernsehen. Das trifft auf mich *noch nicht zu. Dafür trage ich etwas anderes, etwas unheilbares, schönes, widerwärtiges, grandioses; die von meinem Vater ererbte Lust auf Huren unterster Schublade. Und dieser Lust gebe ich regelmäßig nach, - ich kann nicht anders. An der Neuen- Kantstraße stehen Wracks auf 2 Beinen. Und die machen mich an.
Zwei, drei Nutten brauche ich jeden Abend. So wie die sind und nicht anders. Nämlich voll gesoffen und von den Drogen der Welt gezeichnet. Mit bepisster Wäsche, ungewaschenem Geschlecht. Versumpft. Stinkend. Rauchend. Mit dem IQ eines leeren Präservativs. Dämliches Zeug quatschend. Mann! - Ich hasse diese Weiber dafür. Doch genau deshalb bin ich täglich da. Beobachte. Sauge auf. Rekapituliere. Und wenn die schlimmste von ihnen, das aller übelste Tier, rein äußerlich gesehen, Erna, meine ’spezielle’, einen Freier hatte, noch besser sind zwei, fahre ich von Geilheit getrieben mit quietschenden Reifen vor, dass Elvis im Font meines ID19 wackelt wie beim Tutti- Frutti. Ich greife mir dann das eben satt besamte Luder und knattere die in Minutenschnelle Anal und Vaginal im Gebüsch nahe beim Lietzensee durch, - spritze ihr die Ladung in den Mund. Dann wische ich der Hure das Maul aus und nehme mein nach Kot stinkendes Sperma im Taschentuch mit. Und das mindestens zweimal täglich. Sie finden das pervers?
Ich auch. Danach. Und mein Spiegelbild sagt mir, dass ich dafür im Knast landen werde, meine Karriere als Spaßvogel der Nation ruiniere. Dabei bin ich Dramatiker, wo man auch hinsieht. Das deswegen meine geliebte Frau mich verlässt, die mich als Romantiker kennt, als Kleinbürger und von meinen perversen Neigungen keinen Schimmer hat steht mir noch bevor; kann mich aber nicht hindern. Denn das Bewusstsein ist eine Sache. Etwas anderes ist es etwas tun zu müssen. Junkie zu sein...


Die Umarmung der Stille

Dieser Morgen, dieser Tag danach, - fast ein Gedicht. Auch gestern schon. Kein Betrug. Keine Lüge, wie sonst täglich. Nirgendwo. Die Luft wie Seide. Die Welt makellos. Und ich ein Zug. Lokomotive, die aus kilometerlangem Tunnel ins gleißende Licht stampft.
Ach -, und vorgestern erst, nach der Premiere. Eigentlich schon seit Wochen, - schon mit dem alten Programm, - immer volles Haus! Auch wenn es nur 37 Plätze sind, ich komme! Und in mir hallt der Beifall der Leute nach: Klasse Vorstellung, Heinz, du bist der Größte, der Beste, der Schönste ... Mensch Heinz. Du! - Mann, ich könnte vor Freude der Welt den Hintern küssen. Auslastung neunzig Prozent, sagt mein Steuerberater. Und in dem sonst blass müden Typen ist rosiges Leben, als er darüber spricht.

Ja, - ich bin ein Erfolgsmensch. Endlich. Springe die Treppe runter, in meinem eigenem Haus, man stelle sich das vor ... Gut, ein Mietshaus zwar, und noch nicht ganz abbezahlt, aber immerhin.
Eigentum ist immer von Vorteil, erklärt der Steuerberater.
Eigentum verpflichtet den Eigentümer, entgegne ich, außerdem bin ich Marxist.
Ist aber bei Ihren Einkünften vernünftig, sagt der, - hätte Ihnen Marx auch gesagt.
Ein ganzes Haus, frage ich.
Klar, vermieten, sagt der, - und oben Sie.
Das war der Anfang. Ich also oben. Und das überall.
Auch in Charlottenburg, Giesebrechtstraße, vierte Etage. Auf 230 Quadratmetern residiere ich dort. Mit riesiger Küche. Gästezimmer. Zwei Schlafräumen. Drei Bädern. Terrasse - seitlichem Balkon. Mit Blick auf den Kudamm. Dienstbotenaufgang vom Hof. Concierge... Heinz, was willst du mehr!?

Fast überschlage ich mich auf der Treppe, immer drei Stufen auf einmal, grüße: Guten Morgen! Pfeife den ’River Quai’, zitiere Teil eines neuen Sketches. Und ich singe auch. Die neue Platte im Duett mit Gerda. Sie wissen, das ist diese dürre Ulknudel aus dem Fernsehen -, hat schon Platz eins in der Hitparade. Und deshalb muss ich übermorgen hin, Studio eins, Oberlandstraße, singen, Spaß machen, bei Dieter, dem Schnellsprecher, der mein Freund geworden ist; - also auf - nach Tempelhof.
Ju- hu- hu ..., freue ich mich.

Vor dem Haus stehend blicke ich nach oben, fühle über mein frisch rasiertes Gesicht. Der Bart ist ab. Aramis dran. Du riechst so gut, sagte sie. Nun sehe ich sie auf dem Balkon. Sie blickt herunter. Ja, es ist göttlich, das Heute, das Morgen, denn wir haben uns nach wochenlangem Streit versöhnt.
Ich pflücke dir das Blau vom Himmel, geht meine zärtliche Botschaft an sie. Ich liebe dich, senden mir ihre Augen. Ach, ich bin einfach nur happy. Steige in meinen Citroen, - das Prachtstück, mein Traumauto - und nicht mal die Taubenscheiße auf der Motorhaube ärgert mich heute, wie sonst immer, entriegele das Faltdach, lege es um, - los geht’s.
Pass auf den Elvis auf, ruft sie warnend. Und ich steige noch einmal aus und nehme das Maskottchen, ein Geschenk von ihr, von der Hutablage, lege es auf den Beifahrersitz. Ich passe gut auf ihn auf, versprochen, rufe ich, winke, und bin gedanklich schon bei der Arbeit an meinem neuen Theaterstück.


Ermordet und verscharrt

2- 3 Huren hatten ihren Platz bezogen, Touristen genossen den lauen Abend im Park am Lietzensee, als ein Hund im Gebüsch nahe dem Hotel Lietze eine Leiche fand. Die tote Frau lag nackt und kopfüber in einem Haufen Erde, Schutt und Baumwurzeln, ihre Hände waren auf dem Rücken gefesselt, in ihrem Geschlechtsteil und in ihrem After steckten Kieselsteine.
„Dreiundzwanzig Stück, tief in Darm und Vagina geschoben“, erläuterte Doktor Fischer, Pathologe, „einfach widerwärtig ...!“

Es war gegen 21:00 Uhr, als Nadir G. (36) mit ihrem Mischlingsrüden ’Randale’ ihre Abendrunde durch den Park machte. Plötzlich rannte der Hund winselnd auf einen Erdhügel zu. „Er schnüffelte aufgeregt an dem Haufen herum, dann fing er an zu graben - und ich sah eine Hand ... Es war gruselig!“ Nadir G. holte sofort die Polizei. Die fünfte Mordkommission übernahm die Ermittlungen, eine Obduktion wurde angeordnet. Das Ergebnis: Die Leiche muss zwischen April 1966 und Februar 1967 vergraben worden sein.
„Der Ablageplatz ist nicht unbedingt der Tatort. Denn den Haufen, in dem der Leichnam gefunden wurde, hatten Bauarbeiter erst wenige Tage zuvor mit dem Bagger aufgeschüttet. Weitere Auskünfte kann ich Ihnen aus ermittelungstaktischen Gründen nicht geben“, erklärte Doktor Dreier von der Mord fünf, „aber wir haben einen Verdacht!“

Prostituiertenmörder gefasst? titelten die Zeitungen reißerisch. Und die meinen mich, Heinz Vordeen, den auf der Karriereleiter unaufhaltsam noch oben strebenden Komiker und Berliner Theaterchef des ’Wollaffen’. Und ehrlich, ich glaube das eine wie das andere manchmal nicht so recht.

“Wir werden erst Ruhe haben, wenn die Drecksau überführt und verurteilt ist!“ Doktor Dreier, ermittelnder Kriminalrat, sprach in den Medien in diesem Ton (über mich), - und ich weiß, warum. Sucht dieser Dreier doch schon lange nach dem Prostituiertenmörder - und er hatte damit mehr als ein Problem.
Was er nicht wusste, ich hatte auch eines. Mit ihm. Mit mir. Und nicht nur das, und sowieso.

In der Therapiegruppe des Doktor Hempel, anonym, in einer Mummenschanzverkleidung wie beim Ku-Klux-Klan, stelle ich mich den anderen sechs Teilnehmern als Max vor. Max ist natürlich nicht mein richtiger Name.
In der AA Gruppe, Jahre zuvor, ich war damals der Öffentlichkeit fast unbekannt, nannte ich mich Gerd.
Natürlich ist und war das auch nicht mein richtiger Name. Nein, diese Namen sind wie die Regeln, die ich aufgestellt hatte, um mir mein Leben zu erleichtern, um es dadurch so gut wie es geht zu leben.

Eine dieser Regeln lautet, mich von Nutten über fünfzig fern zu halten. So Damen des horizontalen Gewerbes, die nach wie vor an der Neuen Kantstraße und am siebzehnten Juni stehen, deren welke Körper, glaube ich bis heute, außer mir sowieso keiner haben will - und ich die deswegen fast als mein Eigentum betrachte, das sich mir für erschwingliche eine Mark fünfzig freudig zur Verfügung stellt. Klar, das kommt meinen sexuellen Bedürfen und meinem Geiz entgegen. Das sage ich jetzt ganz ohne Koketterie, und fühle mich frei von irgendwelcher Schuld. Und höre ich auf die Verlockungen der Nutten, sehe die wandelnden Schrotthaufen, ob beabsichtigt oder nicht, diese fetten Beine in Lackstiefel gepresst, ahne ihre Sperma- feuchten Mösen unter ledernem Minirock, diese ekelhaften meterlangen Titten, - dann ist das purer Stress, und ich raste aus. Doch gerade das will ich vermeiden -, auch weil meine Frau sich scheiden lässt, wenn sie nur ahnt, was ich den Nutten antun muss ...
Andererseits kann ich nicht anders als nachzugeben. Es ist fast wie eine Sucht.

Es ist eine Sucht, Max! sagt Doktor Hempel.
Hempel raucht Orientzigaretten in einer Spitze - und hat auch sonst krude Ideen. Auch glaube ich, meine Frau weiß alles längst, denn auch bei ihr komme ich ohne leichte Gewaltanwendung nicht zum Zug -, das ist schon seit unserem kennen lernen so. Zudem glaube ich, sie will, dass ich sie anal so nehme wie ich es tue. Doch das ist nur eine Ahnung, mehr vage, denn deutlich gesagt hat sie es mir nie, lediglich dabei gestöhnt und gefleht. Doch diese Zeichen sind mir positiver Zuspruch genug. Genau wie bei den Huren, sage ich Hempel.

Ich gehe übrigens wegen der Gefahr, solche Weiber öffentlich zu treffen, nie in eine gemischte Sauna obwohl ich gerne sauniere, dass ist nämlich meine einzige Art von Sport. Doch ich gehe nicht mal in Begleitung von Traudchen dort hin, Sie wissen, so heißt meine Frau. Denn so alte Weiber, wie Traudchen, kann ich nackt nicht sehen, - da wird mir übel. Also passiert Nacktheit, wenn überhaupt, in totaler Dunkelheit. Und das ist gut so, lacht mir der schwule Partylöwe zu. Zu dem mache ich auch ähnlich gelagerte Dinge wie Sauna höchst selten. Vermeide zum Beispiel Partys und Geburtstage von über Vierzigjährigen; logisch, da sich gerade dort die Fregatten mit ihren Asbach- alten Perlengehängen vor den Möpsen prostituieren, oft keine Schlüpfer tragen, und mich die eine oder andere von denen schon mal auf dem Herrenklo abpasste, um mir beim Urinieren auf den Penis zu sehen. - Schrecklich, solche Fans.
Sie ahnen also, es ist schwer genug für mich als öffentliche bekannte Person in Berlin, - als Komiker aus Berufung, der somit täglich direkt mit der Perversion der Gesellschaft konfrontiert ist. Klar und ohne Zweifel, denn im eigentlich Sinn bin ich der Bodensatz der Gesellschaft und vertrete die durch mein da sein und nicht da sein, durch meine Komik und meine lebensnahen Sketche. Ja, auch Sie, Herr Doktor, werden bei mir ihre Schuldsein los; es ist in meinen Vorstellungen fast wie bei einer Beichte mit hinterher Absolution.

Gut, so weit dazu. Doch wo wir schon mal bei den Vorstellungen intimer Dinge sind: geboren bin ich in Zwickau, männlich, wie sie längst wissen. Doch auch das muss man ja heutzutage schon energisch sagen oder zeigen, auch wenn es wie ein schlechter Witz klingt. Und ich hasse schlechte Witze.
Und Achtung, an alle Frauen: ich bin nicht allein stehend, verstehen Sie: nicht! alleine! denn es gibt Traudchen, Sie wissen - und meine Mutter starb vor Jahren. Ach Gott, ich bin über beides hinweg, auch wenn es dauerte.

Nun, ich bin Mitte dreißig, fit im Schritt, und sehe leidlich aus, bis auf die etwas zu lange Nase, die großen Ohren, und habe Qualitäten, die langsam auch allgemein bekannt werden, - wogegen ich nichts habe, denn das hat Vorteile und kommt meinen Neigungen entgegen. Und noch, seit ich nicht mehr exzessiv trinke, habe ich gelernt, einen versöhnlichen Umgang mit meinen Neigungen zu finden. Jedenfalls glaube ich das, hoffte ich, bis vor kurzem. Denn dass ich pervers bin, weiß ich, und es wird sich nicht ändern, - aber deswegen lieben mich die Leute doch auch, so wie den Juhnke, den wegen dem Suff, oder weswegen?
Jeder Süchtige, auch Sie, Max, hat eine ganz besondere Vorliebe. Und was wir hier tun ist, dass Sie eines Tages dieser Vorliebe nicht mehr gehorchen müssen. Mehr nicht. Dazu werden wir Ihr Selbstbildnis analysieren, Ihre zwischenmenschlichen Beziehungen auf Tiefe ausloten und Ihnen beibringen, jemand zu sein. Wir werden Ihren Hass abbauen, Ihnen Selbstvertrauen einpflanzen - mit dem Ziel, dass Sie Ihrer Sucht nicht nachgeben müssen. Wir werden Sie lehren, sich aus eigner Kraft ein Belohnungssystem zu eröffnen, dass Ihre jetzige platte sexuelle Belohnung bei weitem übertrifft. So einfach, Max.

„Denken Sie öfter an den Tod?“, fragt mich der Vernehmungsrichter.
„Jeden Tag!“
„Also denken Sie über sich nach?“
„Immer. Nur, ich vergesse es wieder.“
„Können Sie auch ernst sein?“
„Bin ich fast immer!“
„Gut -, und, Ihren Tod, den vergessen Sie nicht?“
„Nein, Gott sei Dank! Es bleibt immerhin eine Möglichkeit, obwohl ich die meist auch vergesse ...“

An meinen Vater muss ich denken. Fallschirmspringer aus Passion. Er starb bei einem Sprung; Herzversagen, bevor er den Schirm öffnen konnte, stand im Bericht der Versicherung. Doch ich weiß es seit einiger Zeit besser, bekam über einen Notar zehn Jahre nach dem Unglück seinen Abschiedsbrief. Mutter sagte ich nichts vom Brief und dessen Inhalt, stand doch zu viel Intimes von Vater und mir darin. Auch seine Warnung, seine Neigungen nicht zu meiner werden zu lassen ... Doch zu spät. Er hatte mich längst geprägt. Nur aus Liebe heiraten, wie er, tat und tue ich nicht. Ich heiratete Traudchen zur Tarnung meiner Neigungen. Fallschirmspringen und die anderen Dinge des Lebens tue ich wie Vater. Die ganz schlimmen Dinge, die bis voriges Jahr, ausschließlich in meiner Fantasie.
Nein, halt! einmal nicht.
Als ich sechzehn war ging ich das erste Mal in die Kurfürstenstraße Nutten sehen. Ich hatte 2 Mark dabei und 3 in Reserve im Strumpf, für alle Fälle. Und richtig, eine der Huren sprach mich an.
„Na, Kleena, willste ma rinstecken?“
Ich wurde rot und bekam gleichzeitig Wut, als mir die Dirne mit ihren Riesentitten zu nahe kam, - die sahen aus wie die von meiner Mutter.
„Reinstecken, meinen Sie?“
„Ficken, Süßer!“
„Ins Loch?“
„Genau so, oder willst du zwischen den Titten? Kostet nur zwei Mark!“
„Und reinstecken?“
„Fünf!“
„Gut, wo gehen wir hin?“
„Für’n Fünfer im Hinterhof im Stehen.“
„Im Stehen?“
„Haste noch nicht, oder haste etwa noch nie ...?“, fragte die Hure laut lachend. Und dabei griff sie mir, wie früher beim halbernsten Raufen unter uns Jungens in der Schule üblich, an die Genitalien.

*In dem Augenblick habe ich sie am Hals gepackt. Dieser Griff, zwangsbestimmt, ohne meine jegliche Kontrolle, einer dieser rasenden Akte Leidenschaft, die ich ab und an in diesen für Jugendliche verbotenen Filmen gesehen hatte. Ja, diese Filme, in denen immer geliebt oder getötet wird - und es dazwischen nichts gibt. So wie bei uns zuhause zwischen Vater und Mutter. Und deshalb: ich musste sie einfach bestrafen, würgen, leiden sehen - und es war unheimlich, gefährlich, aufregend. Und ich war nicht ich selbst dabei - und wieder doch, weiß ich heute. Jedoch ich musste es tun, glauben Sie mir?*

Auch klar, die ersten Handlungen dieser Art blieben an mir haften wie Kaugummi in den Rillen einer Profilsohle. Und genau deswegen wollte ich eigentlich nie wieder jemanden sexuell belästigen, nötigen, schlagen, - umbringen schon gar nicht, nicht wirklich: ja, ich könnte die Scham nicht aushalten, wenn meine ’Fehltritte’ öffentlich würden.
Was trotzdem und immer bleibt: Alte Frauen -, vor allem diese verbrauchten, billigen Nutten erregen mich, und das wird sich nie ändern, und die Häufigkeit, mit der ich diese meine Lust spüre, den abgetakelten Grotten an die Wäsche zu gehen, ist analog wie bei jedem anderen normal funktionierenden Menschen auch, dachte ich, denke ich immer noch. Glauben Sie mir das auch?

*Die etwa 1,70 Meter große Frau ist erwürgt oder erdrosselt worden. „Todesursache war vermutlich stumpfe Gewalt gegen den Hals“, so Bernd Müller, Staatsanwalt, bei der Pressekonferenz. „Der Leichnam war ursprünglich in eine Art Teppich gewickelt, oder in Handtücher; wir haben entsprechende Fasern gefunden. Das geschätzte Alter der Toten liegt um die sechzig Jahre, doch dazu später mehr. Ach, noch was, die Tote hatte schulterlanges Haar, in dem Reste von Sperma gefunden wurde. Und die Beschreibung passt zu einer Prostituierten der Neuen Kantstraße; wir vernehmen dazu gerade eine Kollegin des Mordopfers.
Aber, meine Damen und Herren, wir stehen mit unseren Ermittlungen noch ganz am Anfang, und es sind noch umfangreiche kriminaltechnische Untersuchungen erforderlich, fassen Sie sich also bitte in Geduld!“
„Wie lange?“
„Zumindest bis morgen, - denn wir haben eine heiße Spur!“
„Sie haben eine Spur?“
„Ja -, doch wie gesagt, morgen mehr ...!“

Es war Wind, der mich trieb. Die Farbe in meinem Hirn.
Dieses irre Rot vor Augen, an diesem scheiß Tag, der die Nacht nach der Premiere war. Es war an der Neuen Kant, - wie oft. Und ich war da, ... ja doch ..., ja doch, dort und da...
Ich winke sie ans Auto. Greife ihr durch das Fenster zwischen die Beine, stecke ihr den Mittelfinger in die Möse. Du Sau bist noch nass! Hier schmeck, lutsch den Finger, nimm ihn in den Mund. Ja, sie weiß, was ich will. Alle wissen, wussten, was ich will und wollte.
Nun sag schon... Ja, sagt sie, ich habe eine runzelige, abgenutzte alte Fotze. So Sprüche brauche ich, um auf diese alten klapperigen Nutten richtig geil zu werden... Steig ein, lass uns fahren.

Ich fahre in den Frühling. Er ist schon da.
Dort, hinter der Holzwand der Bauruine, sagt sie.
Ich weiß. Und leg dir das Handtuch unter, du Sau, damit der Sitz nicht verhunzt.
Ich stoße sie rektal, - alle; denke jetzt noch an ihre ekelhaft schlaffen Mastdärme. Sehe mein Ding darin in wütender Arbeit, in hartem Stoß. Radikal. Und mein Blut hat eine schwarze Farbe, ist heiß - und jagt mich durch die kochende Nacht. Fürchterlich ...
Noch Tage später suche ich an meinem Schwanz nach Spuren. Bin schuldbewusst. Doch es nichts. Ist Winter. Saukalt. Die Welt ist leer, eingefallen, grau, verlassen. Und die letzten Stöße waren wie im Krampf getan. Zitternd vor Frost. Vor Pein. Lust. Frust ... Ich Penner. Lass es, sage ich mir danach immer. Lass es auf ewig. Doch es geht nicht. Halt die Schnauze. Ich weiß es... Denn die Zeit ist in der Erinnerung nichts als braunes Fäkal. Das Tor geschlossen. Nur der Pfeil in meinem Bewusstsein brennt ab und an als glühende Zigarette auf der Haut. Ja, und doch ist die Scham in mir nichts weiter als dieser blaurote Streifen am Hintern, der vom Ringen mit der Hure stammt. Ich höre noch ihren empörten Schrei: jetzt doch nicht noch auch in den Mund, du perverses Schwein. Halts Maul, - ich vor Lust, oder vor Schmerz, oder was. Halt bloß deine Schnauze, du elende Hure ...
Dann geht’s mir ab, als ihre Hände mir die Arschbacken aufreißen, ich ihren Damm knete. Danach werfe ich das Handtuch aus dem Fenster, stecke ihr den Lohn in die Fresse. Immer.
Es liegen fünf Stück der billigen Handtücher neben dem Auto rum. Räum die weg, sage ich. Ja, Heinz, ist sie devot, pult sich die Fickmünzen in Groschen und Fünfziger aus dem Maul, kommst du bald wieder vorbei?
Was weiß ich. Ach komm, sagt sie, leg noch was drauf, das Geschäft läuft schlecht ... Fang nicht so an, sage ich, nicht auf diese Tour mit mir, sonst schiebe ich dir stattdessen Kieselsteine rein. Sind genug da...

*In dem Augenblick habe ich sie am Hals gepackt. Dieser Griff, zwangsbestimmt, ohne meine jegliche Kontrolle, einer dieser rasenden Akte Leidenschaft, die ich ab und an in diesen für Jugendliche verbotenen Filmen gesehen hatte ...


Sehr geehrte Damen und Herren vom Lektorat -
Sehr geehrte Frau H. -

Leider gestaltet sich der Roman- Vorgang bis dato so, dass ich nicht weiß, ob ich wegen der Person des von mir in den Mittelpunkt gestellten Komikers, der Plot handelt übrigens in Anlehnung an die Figur des ..., den Roman so weiter schreiben kann, wie ich es will.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Köhn


Dicht am Cut

Ich bin zu früh, wie eigentlich immer, habe aber dadurch die freie Einloggauswahl bis runter zur Synagoge. Und die, die ich meine, eiert Nähe Tacheles und hält ihren Lackmantel mit der rechten geschlossen, raucht mit links. Und ich denke, sie käme nicht schlecht als Start Up.

„Für hier oder zum mitnehmen“, fragt sie.
„Lass uns um die Ecke gehen“, sage ich. Und während sie den Mantel öffnet, ihre Schenkel zum Download spreizt, rolle ich mir eine Grafik über den Router. Die nächsten zwei Stunden interessiert mich kein Klischee. Nicht der Typ mit der Geige. Das Klingeln der Smartphones, das Rauschen von iPads, die gurgelnden Laptops. Nicht die Geräusche aus dem Cafe gegenüber. Auch nicht die Typen aus den Büros die frierend auf der Straße stehen, quatschen, glotzen und rauchen. - Als sie fragt ob es gut so sei, bestelle ich noch mal 2 Stunden nach und ordere von gegenüber einen Espresso.
„Für mich einen mit“, bittet sie. Und somit ist das Thema durch.

Deine verbleibende Zeit beträgt 1 Stunde 12 Minuten und 36 Sekunden nervt der Early Bird, als sei ich eine öffentliche Person und kein Freelancer. Unterdessen geht via Facebook repeater der Maya Kalender zu Ende.
Für eine Zehntelsekunde stoppt jeglicher Download, erlischt das Licht, schweigen die Soundclouds um sich mit dem Zischen einer Espressomaschine erneut ins WLAN zu hängen. Ich gehe über Google- Map auf Twitter und suche die Oberfläche nach Nährboden ab, - verliere kein Wort mehr über den Tausch von Hardware.
„Kafka hatte vor Mäusen Angst“, versucht sie es dennoch. Mich nervt das! Und deshalb gebe ich ihr voll raus und setze beim Weggehen die eben in der Rinne gefunden Glubschaugenbrille auf - und kaschiere damit mein Identitätsproblem. Denn nach Drehbuch wäre die Hure jetzt tot. Doch ich mache hier keinen Tatort, sondern Satire. So wahr ich Heinz heiße.

Wiederaufnahme zuungunsten wegen einer Straftat
§ 85 Abs. 3 Satz 2 OWiG betrifft eine Ausnahme zu § 362 StPO. Liegen neue Tatsachen oder Beweismittel vor, die die gerichtliche abgeurteilte Bußtat als Verbrechen (§ 12 StGB) qualifizieren, so kann die Wiederaufnahme erfolgen, auch wenn die Voraussetzungen des § 362 StPO (im Übrigen) nicht vorliegen.


Letzter Ausweg

„Lieber Herr Vordeen, heute Abend wird das Berliner- Theatertreffen mit Ihrer Satire- Inszenierung ’Was kostet die Welt’ eröffnet, zudem setzen 2 ihrer Sketche am Samstag auch noch den Schlusspunkt des Festivals... ’Was kostet die Welt’ gilt immerhin als umjubelste aber auch umstrittenste Aufführung der Saison, da 6 als Huren verkleidete alte Frauen alle Parts spielen – fast wie zu Shakespeares Zeiten. Allerdings sind die sechs Schauspielerinnen bei Ihnen von Anfang bis Ende nackt, und es fließt viel Blut, es spritzen Fäkalien und es wird unter grauenhaften Umständen gestorben. Wie können Sie das ihren geneigten Zuschauern erklären?“


Mein richtiger Vater war bekennender Onanist

Von der Jazzkneipe aus ging es über eine Treppe durch eine geheime Tapetentür in die “Galopp-Diele“, einer Kaschemme mit Tattersall, in der Ruine der alten “Scala“, dem ehemals renommierten Berliner Variéte in der Martin-Luther-Straße. Gut, in die “Galopp-Diele“ gelangte man auch durch den Haupteingang. Doch um ungesehen in das von der Öffentlichkeit als Sündenbabel verschriene Etablissement zu kommen, benutzten nicht wenige Besucher die erwähnte Tür. Um die eine Mark fünfzig Eintritt, kamen sie allerdings dort auch nicht herum.

Der Tattersall war eine mit Sägespänen ausgelegte Reitbahn in Kreisform, in der Frauen gegen Bezahlung nackt auf Pferden ritten. Die vier, fünf Pferde rekrutierten sich aus vor dem Abdecker geretteten Zossen der Rennbahn Karlshorst, denen man die Stimmbänder durchtrennt hatte, damit sie nicht zur unrechten Zeit wieherten und die erotische Atmosphäre gewahrt blieb. Die Nutten der “Galopp-Diele“ stammten alle vom Lande und wiesen unisono extreme Oberweiten auf, die beim Reiten mächtig aufschaukelten. Die Huren der Stadt konnten angeblich nicht reiten, und waren dem Betreiber des Etablissements auch zu flachbrüstig.

An Tischen im Rund um die Reitbahn saßen die Herren der Gesellschaft beim Champagner, manche bei einem Herrengedeck - und onanierten. Einige ließen sich als Hilfe ein Mädchen kommen. Fast ohne Pause hörte man im Hintergrund dezente Musik eines Trios, bestehend aus Bass, Geige, Schlagzeug. ’Das Schlagzeug wird wegen der Atmosphäre lediglich mit dem Besen gerührt’, hatte der Chef des Ganzen, Herr Musil, angeordnet. Herr Musil ist als ’großer’ Onanist und Selbstdarsteller in der Szene Berlins eine Berühmtheit. Doch wer wird sich später daran erinnern. Nur ich ...
Herr Musil sah es auch gerne, wenn Geiger und Bassist auf Anforderung des Gastes an dessen Tisch trat, um auf Wunsch bestimmte Titel zu spielen. So was russisches, das den Leuten das Wasser in die Augen treibt, war des Geigers Spezialität. - Ach, der lässt aber die Seele tanzen, rühmten ihn viele deswegen - und das Trinkgeld floss reichlich. Man erzählte, der Geiger habe, betrunken, einem Mann den Geigenbogen ins Auge gepiekt, weil er, statt aufzuspielen, auf dessen monströses Glied gestarrt habe. Seit dem war es ihm absolut verboten, direkt an den Tischen zu spielen.
’Ab nun mindestens drei Meter Abstand halten’, hatte Herr Musil getobt, als er Monate später die Schadensrechnung des Onanisten von über tausend Mark bezahlen sollte. ’ ... und dazu noch ein Jahr freien Eintritt und frei Saufen’, tobte er, ’dieser Goj macht mich noch ganz meschugge ...!’ Übrigens, der Geiger war mein Erzeuger. Der einäugige Onanist ein Intimfreund Musils. Als ich ein Jahrzehnt später den Club besuchte, der inzwischen zu einer Peepshow verkommen war, erzählte man sich den Klatsch über Geiger und Onanisten immer noch. Ehrlich, ich glaube solche Geschichtchen ja nicht so recht. Andererseits ist öffentlich bekannt geworden, dass Musil schwul war, denn er soll sich und den einäugigen Onanisten in einer Eifersuchtstat umgebracht haben.
’Beide waren liiert’, mutmaßte die Presse.
’Eine Beziehungstat’, erkannte die Kripo. Doch keiner wusste es so richtig. Der abgeschnittene Penis des Onanisten soll in einem Marmeladenglas gefunden worden sein. Erdbeerkonfitüre, - der Herr Musil nie widerstehen konnte, wusste Vater.

Herr Musil war zudem längst tot, mein Vater lebte noch. Zwar in einem Altenheim und unter erschütternden Umständen, - er darf dort nicht Geige spielen, und man verabreicht ihm täglich ein Antipotenzmittel, das berüchtigte “Hängolin“, doch er lebt. Man sieht also: es geht auch ohne Onanie!

Ich habe vor Jahren mal im öffentlichen Telefonbuch nachgesehen und zählte 798 Geiger in Berlin. Mein Vater ist dort nicht mehr aufgeführt, sonst wären es 799 Geiger. Wie viele von denen Onanisten sind oder waren, hätte ich gerne gewusst; es war mir aber zu mühevoll die alle anzurufen, um sie zum Thema zu befragen. Musil dagegen steht acht Mal im Telefonbuch, obwohl der wahre Musil tot ist. Doch ein Musil, und der allein mit drei Telefonbucheinträgen, ist der Neffe vom Alten. Robert. Der leitet jetzt die Peepshow. Jenen Robert will ich später mal über Onanisten befragen.

Wer in der guten, alten “Galopp-Diele“ mehr wollte als onanieren, konnte auch selber auf einem Pferd reiten - und onanieren, - auch mit einem Mädchen als Hilfe. Es war bloß teurer, als alleine zu reiten. Allerdings war in dem Bums, ob zu Pferd oder nicht, jeglicher direkte Geschlechtsverkehr mit den Mädchen verboten. ’Wegstecken’, sagte mein Erzeuger dazu irgendwie ironisch. ’Es gab aber für solchen Zweck nebenan eine kleine Pension, “Der Schlupfwinkel“, sehr gemütlich.
„Ach ja, Junge, es war immer lustig wenn wir in der Galopp-Diele aufgetreten sind. Wir hatten viel Freude mit den Galoppsportlern - obwohl vom verdienten Geld fast nichts übrig blieb ...“ Er träumte so und mit einer Träne im Knopfloch den vergangenen Zeiten nach - und strich sich wie selbstverständlich Kolofonium ins Haar; er war wenige Tage zuvor achtzig geworden.

’Dein Erzeuger war nicht nur Geiger in der “Galopp-Diele“, sondern auch Trompeter der Jazzband “Spree- City- Five“! Trompeter, Sänger, und Bandleader in Personalunion – und leidenschaftlicher Onanist, jawohl’, heulte meine Mutter Jahre später noch, ’der war eigentlich nur in diesem Puff - ich sah ihn lediglich, wenn er seine schmutzige Wäsche brachte.
Hoffentlich schlägst du ihm nicht nach’, betete sie, wenn sie die Flecken aus meinem Bettzeug wusch. Doch das war längst nicht alles. ’Und denk daran, zu Hause brachte dein Vater nie was auf die Reihe, außer dich - das eine Mal - und dir wird es später ebenso ergehen, wenn du nicht damit ...’, und dabei machte sie diese Handbewegung, als würde sie eine Kuh melken ... Da wusste ich, sie hatte von der Technik des Onanieren keinen blassen Schimmer. Irgendwann fragte ich sie, unschuldig wie ich war, mit welcher Hand mein Erzeuger es denn getan hätte. Daraufhin gab sie mir schweigend eine Ohrfeige.


Als ich mich neulich in einer psychiatrischen Klinik erhängte

Ich bin die Vernichtung in Selbstzerstörung, diagnostizierte Doktor Hempel. Trage in mir die Katastrophen der Außenwelt. – Ja. Stimmt. Ich bin nicht fröhlich -, in dieser kranken Gesellschaft. Ich bin bestimmt nicht fröhlich, - nur auf der Bühne. Und wenn mich die Leute auf der Straße anquatschen um einen Gag zu hören, werde ich sauer. Und ich bewahre mir diese Empfindlichkeit. Ich lasse die zu. Ich lebe die wie eine antike Tragödie. Deshalb auch mein Hang zu Dramen. Und meine Urgefühle an Sauereien Frauen gegenüber. Die zu missbrauchen. Denen das Komplexe, Unentkommbare, Grausame zu zeigen. Meine Macht über sie. Egal, was ich auch tue. Ich speichere es in die Köpfe und Körper der Huren und hole es mir wieder, wenn ich es brauche. Hätte ich gekonnt, ich
hätte von den Qualen der Liebe gesungen. Ich kann aber nicht. Ich kann über Liebesentzug, Vergewaltigung, Drogen und Sucht Witze machen. Und auch über das Schwinden meiner Vitalität billige Späße ablassen, die meine Zuhörer für Kabarett halten. So wie ich Roy Blacks Schlager ’Du bist nicht allein’ für eine lyrische Kammerorchestermelodie halte, wenn ich betrunken genug bin. Dabei ist es ein Hilferuf. Um als Patient mit dem Arzt die Rollen tauschen. Fast wie sprachlos im Morgengrauen. Hilflos in diffusen Nachtgedanken wenn ich gegen 4 Uhr früh aufstehe, um den Hund durch die fast leeren Straßen der Stadt zu führen. Dabei zwangsläufig die komplette Ich- Zertrümmerung im Beobachten der letzten Huren auf dem Kurfürstendamm sehe. Mit Geige, Bass, Schlagzeug. Bemerke ich einen Mann um die 50 und eine junge Frau, die an eine Schmuckvitrine der Firma Rollex gelehnt im Stehen ficken, als wäre die Welt ein einziger Proberaum zärtlicher Gefühle und nicht eine ins Leere laufende Art von öffentlicher Intimität mit Eingreifzwang. Denn zum Glück bin ich ja 2 Mal da. Dazu noch der Hund. Der die beiden Fick- Duellanten anbellt, einschüchtert und ich die mit vorgehaltener Waffe in eine Toreinfahrt bugsiere, erschieße und dabei onaniere. Erst auf ihn. Dann auf sie. Um ihr beim Sterben ungestört in die Augen sehen zu können, - ihre pingpongartigen Hoffnung mit Angst gepaart zu lesen, - ihr ’lassen Sie mich bitte am Leben, ich mache alles was Sie wollen’ höre. Als ich ihr die Tränen von den Augen küsse und meinen Saft in den Mund spritze. Gibt es etwas Schöneres, Ergreifenderes gegen 5 Uhr früh in Berlin, als diese Duplizität? Ich glaube nicht!

Als ich nach Hause schlendere, der Hund hat sich inzwischen mitten auf den Gehsteig vor Armani erleichtert, sehe ich in der Auslage vom Herrenausstatter Setlatzeck eine Breitling – ohne Preis. Mann! Die werde ich mir gönnen. Einfach so. Schönheit hat keinen Preis. Finde ich. Und wenn, ich werde die so oder so in meinem nächsten Theater- Stück tragen. Und ja, ich werde mich im enormen Sog fremder Begehrlichkeiten sielen. Aber auch jene genussunfähigen Kreaturen verachten, deren Blicke ins Leere gehen ... wie ich sie hasse. Alle! Schließlich bin ich, was ich bin. Und da müsst ihr erstmal hinkommen, ihr Kotzbrocken. Ihr Fratzen. Ihr weißen Lampions auf Gartenstühlen. Ich werde euch säubern, eure Gliedmaßen und Genitalien verstümmeln und in den Bühnenhimmel hängen. Ich werde beobachten, was übrig bleibt. Und wenn ich euch die Haut abgezogen und mit meiner getauscht habe werdet ihr immer noch denken, es ist ein Spiel. Nein. Es ist aber kein Spiel die Identitäten zu wechseln. Es ist auch nicht Kinderwelt. Es ist eine Katastrophe - eure zuckenden Körper zu sehen, eure sabbernden Münder, die glubschenden Augen. Eurer exaltierter Gefühle gewahr zu werden. Eure sinnlosen Sätze zu verharmlosen, ihr Kritiker. Nein. Das funktioniert so nicht wirklich. Denn ich bin euer Autor, lege eure Wunden offen. Eure Abgründe. Ich sage, was passiert. Ich! - bin das Kammerspiel eurer Jämmerlichkeit.

„Wo warst du, Heinz?“ Fragt sie.
„Nur eine Runde mit dem Hund!“
„Konntest du nicht schlafen?“
„Du weißt doch, das neue Stück – und was davon alles abhängt...“
„Komm doch bitte wieder ins Bett.“


Ich, - der mordende Komiker

Sie kommen nur in mein Theater um zu sehen, wie ich verrecke.
„Was spielst du denn?“ fragt Franz.
„’Sniper’, - ein Stück nahe American Psycho!“
„Ist das nicht dieser Irre, der auf bestialische Art Leute umbringt?“
„Genau der!“
„Und du meinst, es wird ein Erfolg?“
„Genau das wollen die Leute von heute sehen!“
„Von einem Komiker?“
„Ich bin in erster Linie Dramatiker... Und ’Sniper’ ist ein Drama!“

Nein - Mann. Ein Geisteskranker mit Wahnvorstellungen bin ich nicht. Und wenn es so rüberkommt, habt ihr euch getäuscht. Denn ich kann reale und irreale Dinge auseinander halten. Zum Beispiel die Krise in meiner Ehe. Allerdings glaube ich, dass Traudchen irgendetwas von meinen außerehelichen Aktivitäten gemerkt hat; sie ist so anders, irgendwie fremd. Legt nicht mehr ihren Kopf an meine Schulter und küsst mich nicht mehr auf den Mund.

Auch sitzt sie mir bei der Fete nach der Uraufführung von ’Sniper’ gegenüber, statt neben mir; als ob sie sich vor mir ekeln würde. Ich werde sie darauf hin ansprechen müssen... gebe vor aufs Klo zu müssen als Ruby, die Frau von Franz den Tisch verlässt um ein dringendes Telefonat zu führen, - drücke sie frontal auf die Kloschüssel, beuge ihren Rücken, fetze ihr den Schlüpfer zur Seite und drin ist der Fisch. Als sie kommt, komme ich. Drehe sie um, richte sie hoch, damit sie mir den Saft vom Schwanz leckt.

„Und nun?“
„Verschwinde nach Hause!“
„Kommst du nach?“
„Bist du blöde im Kopf!?“

Keine Minute später sitze ich wieder am Tisch mit der scheußlich roten Damastdecke mit Pozellanschalen, - Tellern und -Schüsseln darauf und lecke mir in Gedanken an Rubys Möse die Lippen.

„Na Heinz? Schon ordentlich Hunger?“
„Sieht man das?“
„Schon, - irgendwie so was wie Schaum hast du an den Lippen...“ motzt Traudchen und deute mit dem Zeigefinger Richtung Nase.
Schaum, der wie mein mir gut bekannter Samen schmeckt -, als ich mir den gründlich mit der Zunge abputze.

„Du siehst glücklich aus?!“
„Bin ich. Durchaus. Immerhin gab es mehr Bravo- als Buhrufe...“ Zudem besitze ich (was kaum einer weiß) die Fähigkeit Niederlagen zu Siegen werden zu lassen. Arschlöcher zu Mösen, als mir Stunden später der hoch gewachsene, dunkelhaarige Kellner schöne Augen macht. Ein Sizilianer, die Schwuchtel.

„Gleiche Welle, gleich Stelle?“ will er wissen.
„Ja, aber erst in 2 Stunden. Ich muss noch meine Frau...!“ Und erspüre an ihr den Duft von pürierten Haselnüsse auf Hummer mit Austercremsuppe... Bedecke ihr blutig geküsstes Gesicht mit meiner Maronenfüllung. Stoße fester in das Zucken ihrer Beine, als sie es endlich schafft sich auszuleben. Viva la muerte! Kein Weg dahin ist mir zu weit. Um wenig später den Kellner mit seinem Halstuch zu strangulieren bis es mir kommt.
„Das war knapp“, sagt der, blau angelaufen aber stöhnend vor Lust.
„Dein enges Loch ist Schuld. Sonst wäre ich nicht hier!“
„Wirst du mich verlassen, wenn’s größer wird?“
„Klar. Ein enges Loch ist Bedingung.“ Und ich meine es ist der kalte Morgenwind, der ihn aufgeschreckt verscheucht.

’Wie das Blatt am Baum welkt
Um am Ende vom Herbstwind
Durch die leeren Straßen der Stadt
Getrieben zu werden’

Nichts ist einfach nur so. Sondern weil es Zeit ist... Und wenn ich daran denke, was war und was ist, muss ich schreien vor Lachen. Und weinen. Und mich mit Suizidgedanken quälen.

„Es gibt Medikamente dagegen“, kommt der Doktor mit einem Vorschlag. Der beileibe nicht der Erste ist, den ich ablehne.
„Wollen Sie denn nicht gesund werden?“
„Ich bin gesund, Doktor Hempel, „ich habe lediglich ein anderes Verständnis, wie man sein Leben lebt!“
„Nein, Sie sind krank, Herr Max!“

Und dann der Hass, der bin ich auch. Ein Tier, das beißt und kratzt. Ein Wolf, - eine verkümmerte Seele in einem Rosthaufen von Fell. Zersiebt vom Schroth seiner Jäger. Ein Ach und Krach auf der Bühne, in Elend und Qual. Die reinste Hölle.

„Na Heinz... mit dem Thema hast du dich aber überhoben.“
„Was verstehst du schon von modernem Theater.“

„Machen Sie lieber wieder Kabarett!“ Rät der Theater- Kritiker Lauf. Immerhin ein Mann mit Namen in Berlin, der es gut meint. - Nein, der Stinker stinkt wie die anderen; der stinkt nach seiner eigenen Scheiße. Weil er als Kritiker gar nicht anders kann; und deshalb sortiere ich den zu den Pennern, die mein Missfallen erregen. Und es werden mehr. Mehr und mehr, wie ich in meinem schweinsledernen Büchlein für gefallene Engel lesen kann. – Mann - Heinz, es wird Zeit die Liste abzuarbeiten! ’...mehr kann ich nicht für dich tun.’ ’Ist schon okay’, antworte ich, ’du machst den Anfang und ich übernehme den Rest.’ Und schwupp, schon sind die Kopfschmerzen wieder da. Krümmen sich neben mir im Bett und pressen sich zittern an mich, als gäbe es keinen Morgen. Doch es gibt einen Morgen, einen Tag und eine Nacht, ich bin das beste Beispiel – the sun also rises – schreibt mein Vorbild Hem; schreibt es – ohne es zu wissen das es meine Story ist - eine verdammt traurige Geschichte, die zeigt, wie Menschen zu Grunde gehen, die Erde aber ewiglich bleibt. Ein Kosmos, genau wie ich, als ’Sniper’.

’Schon wieder ein schockierender Fund an der Spree: Spielende Kinder haben Teile einer Leiche in einem Müllsack gefunden. Kopf, Arme und Beine fehlen.
Nach ersten Untersuchungen handelt es sich um den Torso einer Frau, wie Staatsanwaltschaft und Polizei mitteilten. Des Weiteren sei davon auszugehen, dass der Sack angeschwemmt wurde. Nun soll die Leiche obduziert werden.
Die Kinder hatten den Sack am späten Mittwochnachmittag nahe einer Spree- Brücke in Tiergarten gefunden. Nachdem sie ihn geöffnet hatten, informierten sie die Polizei. Wenige Minuten später meldete auch der stadtbekannte Kabarettist Heinz V. den Fund. Er war am Spreeufer mit seinem Hund unterwegs.
Inzwischen hat die 7te Mordkommission die Ermittlungen aufgenommen. Eine Obduktion des Torsos soll zudem Aufschluss darüber geben, wie die Frau ums Leben kam. Die Ermittler erhoffen sich darüber hinaus Hinweise auf die Identität der Toten. Sachdienliche Hinweise werden erbeten.’


Paranoia

Nach dem Stress um dies und jenes wären ein paar Tage Urlaub okay; denn das Drama läuft auch in Zweitbesetzung gut. Als ich Traudchen deswegen nach Sylt einladen will, finde ich die nirgends. Eigentlich so gar nicht ihre Art, ohne mir eine Nachricht zu hinterlassen aus dem Haus zu gehen. Nachdem ich telefonisch alle Bekannten durchhabe, dämmert es mir, dass sie mich eventuell verlassen hat, obwohl noch fast all ihre Klamotten im Schrank hängen, - so wie ich mich überhaupt an ihre Kladderadage erinnere.
Als ich sie zum 100sten Male auf dem Handy anrufe, weil mir nichts Besseres einfällt, klingelt das Teil plötzlich aus ihrem Nachtschränkchen.
Könnte ich, würde ich jetzt beten. Obwohl beten gegen meine Gewohnheit ist, weil ich an keine Art von Gott glaube. Doch in diesem besonderen Fall würde ich eine Ausnahme machen – und Schaden kann es ja nicht. Doch als ich mit Beten beginnen will, wird mir heiß. Dann kalt. Dann bekomme ich Schweißausbrüche, die mich zwingen ins Bad zu gehen und eine Nase zu ziehen. Nichts Ungewöhnliches ist mein Wutausbruch danach, - dass mir die Gesichtszüge entgleisen, wie der Doktor einst so überaus passend bemerkte, als wir – also die Gruppe – gerade beim Abendbrot saßen. Dabei trage ich 10 Teufel in mir, die auch keine geweihten Gegenstände, eine Kirche, einen Priester, auffällige Erscheinungen oder Gebete ertragen, dass sollte man schon wissen. Klick- klack macht es dem zum Trotz und ich weiß, es ist wieder passiert. Der Ton ist urplötzlich eingeschaltet, das Licht und der strenge, trübe und voll blöde Film über meine Vergangenheit für Sekunden verschwunden. Alles um mich herum ist hell, freundlich, deutlich, lebhaft, klar, bunt und einleuchtend. Also packe ich meinen Koffer, es ist drei Uhr nachmittags am zweiten Ostertag des Jahres ’was weiß ich’ und gehe die Treppe hinunter. – Okay, okay -, sollte man nicht, weiß ich, wenn man Tatverdächtiger ist. Doch ich bin kein Tatverdächtiger. Jedenfalls nicht für mich. Trotzdem steht am Ende der Treppe Kommissar Meister und fragt mich, wo ich hin will.

Zum Theater, ein paar Klamotten hinbringen, bevor Sie mich fragen, was ich im Koffer habe.
Dann öffnen Sie das Teil mal...
Denken Sie, ich habe mein Frau da drin?
Nein, wieso, was ist mit Ihrer Frau?
War nur ein Scherz!
Ah- ja; und was ist nun in dem Koffer?
Wäsche.
Wäsche?
Ja. Für die Reinigung im Theater!
Wäscht Ihre Frau nicht?
Die ist verreist.
Ach so?!

Ich weiß um ihren Kopf. Ich habe ihn auf dem iPhone. Kann ihr in die Augen blicken. In ihr Erstaunen. Davor und danach. Auf einem brachen Feld, liegt sie. Von Sommer- Blumen umgeben. Vom Gehirn befreit. In stiller Tiefe, - in einem grünen Tal schaut sie in einem kurzen Moment völlig geräuschfrei an die frische Luft. Dann wird es dunkel, als hätte mit jemand einen Knüppel auf den Schädel geschlagen. Oh Mann - was für einen Krach Vögel machen können!? Dabei sind die nicht meine Zielgruppe. Jedenfalls nicht die mit hochhackigen Schuhen, Minirock, engen Hosen im Geruch süßlichen Parfüms, die ständig auf ihre Handys glotzen.

Es hat eine Beschwerde einer jungen Schauspielerin wegen sexueller Belästigung gegen Sie gegeben.
Ich belästige keine jungen Schauspielerinnen. Weder sexuell, noch irgendwie.
Dann steht Aussage gegen Aussage.
Und?
Würden Sie einem Lügendetektor– Test zustimmen?
Warum ich? Machen Sie den mit der Schauspielerin.
Sie haben gar nicht nach deren Namen gefragt.
Macht das die Sache besser?
Wollen Sie also den Test machen lassen, oder sollen wir der Presse einen Wink geben?
Sie sind ein Erpresser, Herr Polizist!
Darüber wundern Sie sich, so wie Sie mit der Polizei in ihrem Stück umgehen...
Scheinbar nicht ganz zu Unrecht, wie Sie mir beweisen.
Kommen Sie nun mit?
Oder was?


Immer die gleichen Fragen

Es ist schon Scheiße, jeden Abend vor Publikum aufzutreten und in einer schrillen Art von schwuler Selbstbefriedigung dem ’Sniper’ ein Gesicht zu geben. Weil ich nämlich mit meiner Hauptfigur versuche einen Typ zu zeichnen, den ich einem bekannten Berliner Politiker abguckte. Und das ist voll schwul gut so. Obwohl vieles Käse ist, am Stück - und am Politiker. Der, je länger ich ihn spiele, seine Figur verselbstständigt. Klar, so was ist schon jedem drittklassigen Stückeschreiber passiert. Doch im Theater? Dem Schauspieler? Davon hörte ich nie. Und so bin ich froh, wenn nach dem Fall des Vorhangs alle gesund nach Hause gehen. - Nur ich nicht. Ich bleibe und spiele. Sehe mich unter der Eier- Uhr am Bahnhof Zoo, warte auf Ellen. Sehe die über die von Hitze wabernde Straße stöckeln. Ein erhebender Gedanke, sie gleich mit meiner Lanze von allen Seiten zu durchdringen, geil wie ich bin. Sie direkt auf dem kochenden Asphalt zu ficken. Oder im kühlem Nass vom Springbrunnen des nahen Ernst- Reuter- Platzes. – Doch nur nicht drängeln. Es ist nämlich gleich 12 und dann sind alten Streitigkeiten vergessen, abgearbeitet. Schließlich ist es schon sechs Wochen her seit ich ihrem Hinterleib im Jagen 6, nahe der Havel im Grunewald- Berlin, den Arsch aufriss - und sie mir in letzter Sekunde entkommen konnte, denn sonst wäre sie längst tot. Du verstehst? Nein?! Ich auch nicht. Ich frage mich sowieso, warum sie mich angerufen und um ein Treffen gebeten hat. Will sie sterben? Ist sie blöd drauf? Verrückt geworden?! Notgeil? Wie furchtbar, wenn sie ihr schönes Haus meinetwegen verlässt - mit dem Gedanken - durch meine Hand, durch mein Glied und eventuell grausam zu sterben anstatt zu Hause, eingemummelt mit Filz- Pantoffel und Morgenrock, auf dem Sofa zu sitzen und Eierlikör zu trinken. - Ob sie seit damals ihre Gelbsucht überwunden hat? Die geschundene Leber. Ob ihr wieder Haare an der Möse wachsen? - Wie war doch gleich ihr Name? - Ellen?!
Die Hitze, weißt du; diese grässliche Hitze; für solche Späße bin ich eigentlich zu alt... Und wenn nicht zu alt, so fehlt es mir an Fitness. Doch schon steht sie vor mir und schlägt schuldbewusst die Augen nieder, - diese befotzte Hure. Und ich lasse das Rollo der Unanständigkeit runter. Überlauter Beifall brandet auf. Bravo- Rufe. Dabei habe ich noch keinen Ton gesungen. Also kümmere ich mich nicht darum. Reagiere auch nicht auf ihr Heulen, Pfeifen und Johlen. Auf ihre unverholene Wut. Die Buhrufe. Nein. Ihr Wichser. Ich pisse eure Meinungen in die Kloschüssel und scheiße drauf!
Als ich anal eindringe, merke ich, wie sich Ellens Körper strafft. Wie sie hinten drückt und vorne loslässt, als sich meine Daumen in ihren Löchern treffen. Dann atmet sie tief durch und ich lasse sie bis 10 zählen. - 10, hörst du? Ja, seufzt sie: 10! Und dann ist für sie Weinacht und ich gehe zum Waschbecken, um mir die Hände zu waschen. Zwar schimpfen mich aus dem Spiegel heraus einige Schatten als ’perverses Schwein.’ Und der Kritiker der Zeitung ’Tabs’, der mir bisher besonders dadurch aufgefallen ist, dass er immer wieder die gleichen Fragen stellt, ohne sich an Antworten erinnern zu können zieht vor dem Theater – !vor dem Theater -, man stelle sich das vor! – seine Hose runter, um mir unter Protestrufen wie ’DU SAU!’ seinen nackten Hintern zu zeigen. Seinen erigierten Schwanz. Was für eine Szene... Und wie ich dabei sehen kann, baumeln ihm riesige Eier zwischen den Schenkeln runter, bis fast an die Knie. Doch leider ist wegen der vielen Leuten und einiger wahnsinniger Fotographen an die Schwuchtel kein rankommen. Immerhin haben es auch seine Arschbacken in sich, machen mich steif. Doch ich muss los, weg von der obszönen Gesundheit meines Publikums. Doch nicht für lange, Freunde, nicht für lange, - dann habe ich euch! Dann bin ICH in EUCH! Und zwar da, wo ihr es am Wenigsten vermutet; versprochen, ihr Kanaillen, die Show geht weiter! - It’s all the same, only the name have changed... singt Bon Jovi.


Dein Asyl in meinen Armen

In Traudchens Auftrag rufe ich Kommissar Meister an und sage ihm, dass Traudchen augenblicklich in Südfrankreich urlaubt.
Und wo da genau?
Sanary-sur-Mer.
Was ist das denn?
An dem Ort haben unter anderem Thomas Mann und Bert Brecht im Exil gelebt, gebe ich ihm Nachhilfe.
Wer?
Die Garde unserer Schriftsteller.
Ach die – und da ist ihre Frau?
Ja. Bei Bekannten.
Haben Sie eine Telefonnummer?
Sprechen Sie französisch?
Nun werden Sie mal nicht anzüglich...

Und genau darauf kotze ich im Strahl. Immer! Andere trinken eine Flasche Dujardin drauf. Ich nicht. Mich zieht es zum KaDeWe, wo ich mir einen Kaschmir- Rolli kaufen will. Um in einer tiefen Zuneigung zu allem Schönen, Guten, Besten in der Feinschmeckerabteilung die Regale leer zu räumen. Gazelle. Austern. Wildlachs. Schampus und Lebkuchen. Um dann die Fassbiertheke aufsuchen, wo ich schon von Weitem Lilli sehe, ein Mädchen aus der Maske meines Theaters, die trotz eines immensen Sprachfehlers meint/e Schauspielerin werden zu können. Glauben Sie mir, es hat mich unendlich viele Versuche gekostet ihr die abstruse Idee aus der Seele zu vögeln, the brightest talent around the moon zu sein. Immerhin hat sie mich bis heute überlebt. Dazu gehört auch reichlich Talent.

Mann- Heinz - Hallo, Küsschen hier Küsschen da, begrüßt sie mich dementsprechend blond, - ich habe echt gedacht, du besetzt mich als Polly im Sniper. Immerhin kann ich gut singen.
Im Sniper wird aber nicht gesungen, Lilli, noch gibt es eine Polly.
Und weswegen habe ich mich Tag und Nacht von dir vögeln lassen?
Weil ich es gut kann?!
Das stimmt.
Also – wollen wir?
Was hast du denn im Körbchen?
Ich vögle nicht aus dem Körbchen - und was ich in der Hose habe, weißt du ja.
Klar. - Das ist schon beeindruckend!

Dem Sieger die Beute, denke ich, hake sie unter und lasse sie schon auf der Rolltreppe zum Schafott an meinem Schwanz lutschen. Ja. Feuer zu Feuer, schmatzt sie. Und dann Ende Route 66. Seitdem suche ich verzweifelt nach einem Girl für die Maske. Am besten wäre eine Friseurin, die sich für eine begnadete Schauspielerin hält und dafür alles tut. Kennen Sie so jemand? Oder sind Sie es gar selber? Naturblond gefärbt, mit Perlweißzähnen, langbeinig, mit hohen Titten und sattem Arsch wie diese Dings da?! Die aus der Irren- Arsch- Familie Kim- kotz- mich- an, wo man aus einem Zehnkämpfer- Mann eine Null- Nummern- Frau macht und aus Hinterteilen Gesichter schneidert? Cu in Hollywood, wo der kommende Präsident der USA sein von Wetter gegerbtes Unwesen treibt.

Als ich mir gerade Lillis Staub aus der Hose klopfe, nähert sich mir tänzelnd ein tuntiger Schwuler mit Sektglas in der Hand und ich meine, das Gesicht aus Andreas Bar gegenüber vom KaDeWe zu kennen, - der meinen schönen Kaschmir- Pulli in einem abscheulichen Rosa trägt. Herr- Gott, auch das noch... pfeffere ich ihm die Tüte mit meinem Pulli in die Fresse und brülle, er solle sich nie wieder in meinem Dunstkreis sehen lassen. Echt -, fragt der grinsend, bist du nicht die Theater- Tunte die den Sniper spielt?
Boah! Pardauz, das war’s, Girl. Und da noch Platz im Kofferraum meines Daimlers ist, nehme ich das Schlachtvieh auch gleich noch mit - schlage ihm mit meinem Knüppel auf den Sack... the complete package ever. Habe plötzlich eine echt sau- gute Aussicht einen bis eben langweiligen Tag rum zu bringen; worauf du einen lassen kannst.


Snipers Einlauf am Rand der Welt


Für das Wochenende habe ich mir Snipers Endoskop ausgeliehen. Und da ich in der Handhabung des Geräts inzwischen ein Meister des Faches bin – auch wenn es nur Theater ist, habe ich mir aus den Schlüpferwerfenden- Fans Angela ausgesucht -, eine schwarzhaarige, schlanke mit langen Beinen in Gucci- Schuhen, die sich mir seit der Premiere Abend für Abend - Reihe 1 Mitte – breitbeinig und unten herum nackt und mit rasierter Muschi präsentiert - und mit ihren aufgespritzten Lippen obszöne Bewegungen macht, so ich sie ansehe, dass es mir fast kommt. Doch zum Glück und aus langjähriger Erfahrung habe ich mein Glied mit einem Suspensorium fixiert; was könnte das dumme Ding sonst alles Irres anstellen... Ich erinnere mich dabei an meine Anfangstage im Kindertheater Hipps, so dass ich hier fast den Sniper- Text vergesse, - an die sex- hungrigen Mütter der verwöhnten Kinder. Damals war ich jung – und ungelogen: ICH BRAUCHTE das Geld WIRKLICH! Inzwischen ist dieser Ausspruch ja zum Running- Gag in Talk- Shows verkommen - und alles lacht wie blöde, wenn man von Armut und dem was die aus einem macht, erzählt. Allerdings hat mein plötzlicher Reichtum mich schwerer erwischt. Sexuell gesehen. Denn früher ging ich in den Swinger- Club an der Ecke Lietzenburger, um mit Bumsen, Lecken und Blasen (lassen) ein paar Fick- Euronen zu verdienen. Heutzutage bin ich der Swinger- Club (Besitzer) und besorge es denen, die wollen, umsonst. Also kostenlos; aber nicht folgenlos. Echt, mein Mund zuckt wie verrückt, wenn ich daran denke. Meine Zunge röchelt. Mein Gaumen giert. Mein Schwanz ballt sich zum Sack. Zappelt und streckt sich, als wollte er sich von der Vorhaut befreien. Und plötzlich kann ich beschnittene Juden in ihrem tiefen Glauben verstehen, kastrierte Araber, die lieber Falken züchten, Reitpferde. Rennkamele. Auch die Mischpoke von verfetteten Amis, die mit Walkmann auf den Ohren am PC sitzen um Monsters Urin- Strahl zu jagen, anstatt Pornos zu schauen und zu wichsen. Wobei sich mir der Magen umdreht, mein angelerntes Lächeln gefriert und ich auf dem Klo im KaDeWe verschwinde, um mir probeweise das Endoskop einzuführen, - doch wegen der Kacke im Darm nicht weiterkomme - als bis zur Prostata. Dem alt- bekannten Teil, das ich schon einigen männlich/weiblichen Mast- Hühnern aus Andreas Bar gefistet und versilbert habe. Glauben Sie mir, mein Ruf in der Hinsicht ist legendär!

Wie wär’s, wenn wir hingehen wohin Sie wollen, frage ich Angela.
Und was machen wir da?
Wir werden unendlich Spaß haben.
Unendlich?
Nun ja, das ist ein wenig übertrieben, der Spaß geht bis zum Dickdarm.
Was? So ein langes Ding hast du?
Ja, habe ich. Und du wirst so verhext sein, dass du dich nicht mehr von mir lösen kannst und verhungerst oder verdurstest, wenn ich dich nicht verwöhne.
Ohne Quatsch?
Wenn ich es dir sage.

Wenig später habe ich sie gefüllt, um sie leer zu kriegen. Habe sie wach geküsst, damit sie schläft. Habe ihr Gesicht zur Landschaft geformt. Hielt ihr Herz in der Hand, um es an die Adler zu verfüttern, da es der Umfang und der Preis von Allem war. Klar, die Leere hinterließ eine Lücke in der ersten Reihe, so lange Sniper im Programm lief. - Trotzdem: Gut gemacht, Angela, schrieb ich ihr an den Himmel. Obwohl du mir mit dem Reinigen des Endoskop einiges abverlangt hast; im Nachdenken fällt mir eine Dose Schinken ein, die ich für uns beide bei Rogacki stahl und unter meiner neuen Samt- Jacke bis an eine Abfalltonne transportierte, um die Delikatesse vor den Augen eines hungrigen Bettlers mit den Worten ’kram es dir doch selber raus, du dumme Sau’ zu entsorgen. Am liebsten hätte ich vor Wut auch noch auf die Büchse geschissen; ich kann so Blödheit nicht ab. Oder? Hätte dieser abstoßende Typ nicht einfach fragen können, ohne mir ans Bein zu pissen? Wo leben wir denn. Arschloch! Echt mal, wäre der Kurfürstendamm um diese scheiß- Zeit nicht noch so belebt gewesen, ich hätte den Krüppel mit einem dieser versifften Burger- Schilder erschlagen. Doch so: Glück gehabt: Lauf du Penner: LAUF! - Solange du noch kannst! – Mann. Eine Scheiße aber auch.


Kofferworte

Wegen der Nachfrage habe ich für Sniper einen Podcast eingerichtet. Das Teil dann mit dem Reizwort Pokemon informt damit die Kids, die sonst stundenlang wie blöde irre Viecher suchen, ab jetzt die verschärfte Süße des aktuellen Lebens kennen lernen und später mal in Grausamkeit Abitur zu machen in der Lage sind. An die Dreizehn- Nachrichten über Suizidversuche mit Axt und Hammer sind bei FB zum Leidwesen der Game- Freaks leider schon wieder gelöscht worden; das BRD- Ferkel mit Terrier- Maßlos sollen ihre bescheuerte Art von Einfluss geltend gemacht haben... Ob das wahr ist? - Diktatur, schreit deswegen die freie Wirtschaft. Denn die Ferkeltruppe schiebt nicht nur mir Konkurrenz mit ihrer laufenden Tagesschau- Einspielung von gläubigen Koran-ern mit Lebend- Schächtungen, Steinigungen, Säureeinsatz im Finish mit Ehrenmorden. Nein, es geht gegen die gute, alte Kultur. Gegen die Freude am selbst- bestimmten Leben durch Zwangseinzug von der GEZ. Um Freiheit, zu tun und zu lassen. Also sehe ich mich gezwungen, diese Stümper zu über- topfen und werde die Beschneidung als Komplett- Genitalverstümmelung eines Kindes, weiblich, life auf der Bühne zeigen. Dazu habe ich schon das Angebot an rostigen Rasierklingen im Gebetsraum SO36 geprüft. Prüfen lassen, muss ich mich korrigieren, denn nichts geht über die Fingerfertigkeit einer geprüften Engelmacherin in Vollverhüllung. Und wenn nicht gerade Ramadan wäre, würde ich diese Passage im Stück auch einem Profi überlassen; doch die sind von Hunger und Durst geschwächt. Gedacht habe ich dabei an den Vorbeter der Einigkeit ’Das Alles hat mit dem Islam nichts zu tun!’ – Nichts zu tun! - Mann – Heinz, ist doch klar! - Aber klar doch – wie komme ich nur darauf? Also mache ich es selber, - obwohl ich kein Christ bin, noch konvertiert katholisch. Halleluja. Bruder. Ich entferne also die Klitoris, die kleinen und großen Schamlippen und nähe die neu entstandene Vaginal- Öffnung per Infibulation zusammen -, binde den Kindern zwecks schneller Heilung und Schmerlinderung die Beine zusammen, sperre die in den schalldichten Keller. Kein großes Ding oder? Wenn man die jämmerlichen Schreie der Kinder ausblenden kann und genug Pott- Asche zum desinfizieren bereitsteht. Danach kann das Fest der Heiler, Hebammen und Whitch- Doctors weitergehen, - ob nun gestorben wird oder nicht.

Immerhin habe ich nach der neunten Beschneidung den Trick raus und kann mich mit der Nummer einem johlenden Publikum stellen. Als ich ein Tape darüber unter ’Islam ist Frieden’ bei utuup einstelle, steige ich namentlich binnen Minuten auf 1 Million Klicks, manche mit der Frage, ob ich Haut- und Fleischfetzen, Nadel, Faden, Rasierklinge, blutige Lappen eventuell auf ipay versteigern lassen will? Ob ich eine Lehrstelle zur Beschneiderin zu vergeben habe? Ne, habe ich nicht. Ich mache Kunst und sonst gar nichts! Doch wie ich später hintenrum erfahre, hat einer meiner beiden Kulissenschieber den Milliondeal gemacht. So erklärt sich mir auch sein plötzlicher Tod durch Mord eines Empörten.
Ein betroffener Einzelfall, selbstverständlich, sagt die Raute. Wogegen Maßlos mich mit einstweiligen Verfügen überzieht, wie weiland die Antifa in der Rigaer- Straße, wo sie beim Bullen- Schlachten dem alten Stoeple das Fahrrad klauten. Was für ein Aufriss über den Blechesel - von den toten Polizisten: Hätte man die nicht schon weit früher an die Kette legen können? Egal, ich plane nach vorne und habe über meinen Senat bei der - mir gehörenden - Firma Infass eine Studie über das Nachspielen des Attentates von Nizza im Olympiastadion erstellen lassen. Sehr, SEHR positiv, das Ganze - meinen meine Meinungsprofessoren, - die Menge will back Rom und Blut sehen, - lebende Tote lohnen sich wieder. Also wird meine nächste Anfrage an Ferkel wegen 100% Sponsorings gehen; denn wer so erfolgreiche Loser- Politik macht, braucht Ablenkung fürs verblödete Volk. Und genau dafür bin ich der Richtige.
Beileibe ist das aber noch nicht alles. Ich habe wesentlich mehr auf der Pfanne als ein altes Ferkel samt blödem Gemüse. Warts ab. Denn als Highlight werde ich den Sniper, wie weiland die Sängerin Hölle Fisch, über Seile durchs Stadion ziehen lassen um am Break- Point vorher ausgeloste Zuschauer zu erschießen; an 2 Dutzend dachte ich – vorerst, sollten keine Gegenstimmen für mehr vom Pöbel kommen. Was? 3 Dutzend? Wer bietet mehr? 4? 5? Oder gar 6 Dutzend? Jedenfalls läuft der Vorverkauf super, obwohl noch nicht eine einzige Karte gedruckt ist. Und auf Western- Pay sammelt sich, nur mal so, schon knapp eine Million plus. Also buche ich schon mal 9 Sterne Karibik. Einzig Doktor Hempel meint ich solle nicht überdrehen, schließlich stünde das End- Ergebnis der Darmspiegelung noch aus.
Was für ein Arsch, mir den Erfolg vermiesen zu wollen. Immerhin gibt es vor dem Olympiastadion das riesige Maifeld, nach Hitler Königin Elisabeths Paradeplatz, wo ich nicht nur den Sniper sondern auch die Zuschauer, je nach Rasse, ins Geschehen eingreifen lassen kann. Also scheiß auf die Angst vor Krebs. Der wahre Tumor bin ich!

22. juli 2016 michaelkoehn


AT: Konjugation einer wahren Karriere – oder:
Die Definition des Realen – oder: Ein Perverser berichtet – oder: Holt mich hier raus - Romanarbeit

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