Bin Gewalt gegen mich.
Sagen die.

Kennst du ’die’?
Ich kenne. Kennen sie alle.
Mehr als du und du und du und du und ...
Bin deswegen in Schutzhaft.
Sagen die.
Präzise, oder?
Keine Maskierung. Oder?
Nirgendwo Täter, oder?
Alles Opfer!

Alle mehr Opfer als du und du und du und du und ich ...
Sagen die.
Wie wenn ein Mensch zum Patienten in der Psychiatrie gemacht...
Wegen der Erforschung einer psychischen Struktur, sagen die.

War und bin mehr Wirklichkeit als du und du und du und du und ...
Ja, ich hatte alles, war alles. Und alles immer mehr als du.

Kommen sie mal mit. Sagt der.
Ich rieche ihn.
Kommen sie mal mit.
Die wollen mich umbringen!
Ich rieche es.
Nun kommen sie schon!
Die bringen hier um. Ich weiß es.
Muss ich deutlicher werden?
Sagen die -, fragen nicht, - sagen ... und das sagt er: Deutlicher!
Zu einem Gespräch ins Arztzimmer.
Deutlich - deutlicher!
Damit ich ihnen folge. Ihm deutlich nach folge.
Zum Gespräch ... einem ...
Nun kommen sie schon!
Gut, ich zeige meine Stärke. Ich ja! Ich folge ihnen.
Dem da. Ihm.
Dem Doktor!

Am Aufenthaltsraum vorbei. Immer rund herum.
Immer schneller. Weiter. Höher.
Renne ich.
Von wegen für verrückt erklären.
Ich nicht. Ich wollte ihnen nur etwas Poesie vorlesen.
Ihnen hier ...
Worte über Gewalt, - die voll Gewalt sind. Wie das erste Mal auf Station...

Die sind hier alle ein Fall für auf Station. Alle!
Renne ich. Weiter. Höher.
Um den Tisch.

... auch so kann Medizin sein.
Verrückt, einfach verrückt. Ohne Verluste. Wohin man auch tritt.

Nun kommen sie doch endlich!
Mit kleinem SIE unter großem ’verrückt’ sagt er das...

Dann lösen sie Alarm aus.
Er mit dabei.
Aber ich bin nur unter Verlust zu haben.
Nicht ganz oder nicht gar nicht - nicht ich.
Nicht halb, oder so.
Denn nur wenn ich will, will ich, wie ich will.
Wenn nicht, dann nicht!
Egal, wie lange die an mir rumklingeln. Und ob das Essen aus ist.
Interessiert mich nicht.
Mich nicht!

Dann erhalte ich einen Schlag ’Sorte heiterer Himmel’ auf dem Kopf.
Blute!
Hole einen Notarzt, der mich frei kämpft.
Ein Turm in der Schlacht. Der. Ein Schlachter.
Ein Bluter.
Ein Kopf mit einer Klingel daran - wie ein Bett ohne Notwehr, an das ich gefesselt.
Bin. Werde.

Eingesperrt. Angeschnallt.
Später geschlachtet.
Ente an Gans. Mit Rotkraut. Klößen.
Die mal reinschauen -, als ich ins Bett kote. Hungrig bleibe.
Zur so genannten Beobachtung bleiben muss.
Wegdämmere.

Halt, hier geblieben.

Auf allen vieren kommt der Killer ... die medizinische Macht.
Die zynische Macht an Patient in der Psychiatrie.
Ich gegen den Oberarzt.
Und schon verloren.
Nicht zum ersten Mal.

Hatte ich alles. Alles mehr als du.
War mehr Wirklichkeit als du und du und du und du und ...
Bin Gewalt gegen mich.
Sagen die.

Kennst du ’die’?
Ich kenne.
Kennen sie alle.
Mehr als du und du und du und du und ...
Bin deswegen hier.
Aus mit Maus.
Sagen die.
Nein. Sage ich!

Meine Antworten sind Alarm in sich. Auf die frisch gesetzte Spritze.
Die von gestern, heute.
Morgen.
Immer.

Gespritzt, als ob das Essen nur mal eben so vorbeikommt.
Ich kann darauf verzichten.
Auf dieses Abmurksen mit Löffel ohne Gabel und Messer. Kacken in die Bettpfanne. Stundenlang in der eigenen Seeche liegen.
Jahre lang.

Freiwillige Beobachtung, sagt der Oberarzt zur Zwangseinweisung mit Zwangsbehandlung.
Scheiße, sage ich.
Sch ...!
Wie ein Schlag ins Gesicht.

Und erzähl mir nichts von ’guter Fassade’. Die habe ich längst verloren.
Wie meine Freiheit. Glück. Hoffen. Zukunft.
Weg.
Alles - weg.
Patient auf der Geschlossenen. Normalsituation.
Quak an Entenhausen.
Quak. Quak.

Eigentlich habe ich besseres zu tun.
Einen Wärter niederzuschlagen. Um zu türmen.
Um zu türmen. Einen Wärter niederzuschlagen.
Wo ist der Unterschied?
Was ist der...

Fürsorgepflicht.
Diese absurde Konstruktion Patient sein.
Nein! Ich will hier raus! Für mich verantwortlich sein. Nicht für die Welt.
Nur - nur, - nur für mich!
Aber.

Nicht Niederspritzen. Eingesperrt sein.
Körperverletzung durch Fixierung auf Kosten der Krankenkasse.
Diese wenig diskrete Gewalt. An der meine Seele stirbt.
Die mir mit Machtverlust droht.
Ich kann ihr Telefonat mit meiner Psyche hören. Geht so:
„Und an dem Ufer steh ich lange Tage, das Land der Griechen mit der Seele suchend.“ Ist von Goethe.
Als ob ich das nicht wüsste.
Idiot!

Es unterhalten sich Seele und Dingsda also in einer Art Geheimcode?
So, so...
Wo die Seele behauptet, vor der Psyche da gewesen zu sein.
In vierfacher Ausfertigung.
Und Stempel drunter.
Bums!
Das hat gesessen.

Als Nachschlag - und voll über Anstaltslautsprecher:
„Wenn ich dich habe, werde ich dich Wochen lang Zwangsspritzen - und
eben so lange kommst du nicht an die frische Luft!“
Das nenne ich Demokratie.

Meine Mutter soll auch dieser Meinung sein.
Sagt der Oberarzt.
Weil ich die Behandlung abgebrochen habe.
Im Hungerstreik bin.
Schlauch schlucken soll, muss, werde - um zwangsernährt zu werden.
Einen Einlauf zu erbitten. Ich.
Um nicht kotzen zu müssen.
Scheiße kotzen zu müssen.

Leute.
Mir reicht es.
Mein Gehirn und die Wirklichkeit im toten Winkel der Leere, Stille, Langeweile.
Sonntage - die nicht vergehen.
Also bin ich gestorben.
Sage ich mir.

Tod tot. Einfach so.
Obwohl das Bild vom Leben in mir schreit.
Mein Geist - in Ketten gelegt - rüttelt.
Das Herz in Hand- und Fußfesseln verkrümmt liegt.
Mein Schädelbruch kahl geschoren - wurde.
Die Augen von innen schwarz gefärbt.
Nase und Ohren verstopft.
Die Füße in Jutesäcke gesteckt.
Ich, ein perfektes Teil Biomasse in Käfighaltung.
Und alle wissen Bescheid.
Auch der ehemalige Papst.

Der wird zu seinem Geburtstag heilig gesprochen.
Irgendwann.
Ich wette darauf.
Der Teufel hält dagegen.
Mein Schutzengel schnaubt mich an: ’Pfui Deibel!’
Es brennt aus seinem Maul Flammenschlag.

Früher war ich Christ.
Christ sein haben sie mir im Folterland ausgetrieben.
Gott sei Dank!
Ich wäre sonst in Verzweiflung über Zwangspritzen an Panikattacken und im Verdauungstrakt durchdrehender Scheiße kollabiert.
So bin ich - nun nur zur Hälfte - Scheintod.
Denn um mich herum leben meine Zelle in anderen Zellen - und in allen Ehren - weiter.
Ja, hier herrscht Reinlichkeit vor.

Dazu spült man die Atemwege sauber.
Holt den Schleim aus dem Baum im Raum, lässt den unter kaltem Wasser abtropfen – und endlich im Abfluss versickern.
Natürlich bin ich dabei nicht alleine...
Die Videoschaltung davon und darüber läuft direkt - also ohne Umwege - in der Zentrale ein.
Dort sitzt der Ausschuss und befindet: Tod oder Teufel?
Oder Sicherheitsverwahrung hin zum Nimmerleinstag.

Mir egal.
Nur herein damit!
Schließlich ist Krieg.

Wissen sie, wann der begann? Frage ich.
Meinen sie mich? Fragt der zurück.
Ja, sage ich.
Bin ich Gott?
Beileibe nicht, sie führen sich aber so auf!

Obwohl er den Raum schon vor meinem Tobsuchtsanfall verlassen hat, soll das ein Nachspiel für mich haben. Und ich dachte, wenn man Tod ist herrscht Tonausfall.
Kein Stück von wahr -, es handelte sich lediglich um einen Kurzschluss in der Synapse.
Synopse, sagt er in den Saft der Spritze hinein, Kopf über meinen Arm gebeugt, als wolle er mich küssen.
Was soll denn das nun schon wieder?
Dieses Gequietsche.
Wie Ratte am Schwanz gezogen.

Ich werde aus dem Bett geholt und in den Hof geführt.
Solange es die Schwester erlaubt.
Leider habe ich keine solche...
Nur Zucht und Ordnung. Wie auch allerlei Denkzettel.
Für kleinere Vergehen zum Beispiel Trinkverbot, Toilettenbesuchverbot, Essverbot, Kotzverbot, Lebensverbot.
Für alles andere Strafen und Schikanen.
Und ein Befehl wie aus dem Nichts: „Soldat, nehmen sie sich eine Schaufel und graben ihr Grab!“

Ich bin süchtig danach.
Wegen des Wecken um vier Uhr und dem Verzicht auf Verständnis für irgendwas, und der Schikane des Liebesentzug für mich selber.
Dafür lerne ich, nein - liebe ich: Leitsprüche!, Scheinerschießung! und Grab graben!
Ich bekomme nicht genug davon.

Haben sie noch einen, Herr Doktor? Frage ich.
Doch der ist schon schlafen gegangen.
Schade ... nichts reicht wirklich aus ... nicht mal die täglich Portion Wahrheit.
Oder so was wie Luft in Tüten auf Psychiatrie. Geschlossenes Haus.
Hatte ich alles.
Alles mehr als du.


© jan. 2010 michael koehn