13. Jan. 2010

Inzwischen ist der 'Werther ... ' auf ca. 250 Seiten gewachsen und fertig.
Nun suche ich dafür einen Agenten/Verleger - und stelle hier auch deswegen Exposè und eine Leseprobe aus der Romanmitte ein.
Dazu einen Hinweis!: Im Versuch cut-up-Stil in einem traditionell orientierten Entwicklungsroman (mit dem Einschub 60er Jahre Musiktexte) beschreibt 'Werther ...' sich selbst.





Exposé

Werthers Räuber im Schillerpark, oder: one way in die ...
(Roman - 2009 - Michael Köhn; Kontakt: m.koehn@literatalibre.de


Für Alexander ist die Kindheit gelaufen -, seine Eltern leben getrennt. Innere Leere, Schuld - und das Gefühl, einsam zu sein, füllt er mit Gedanken und Erinnerungen an seinen Zwillingsbruder Jenne, an dessen Tod er sich schuldig fühlt.

Aus diversen Sinnkrisen heraus agiert er unmittelbar, ahnt, dass mit ihm grundsätzlich etwas nicht stimmt - sieht die Zukunft verbaut, verliert die Hoffnung. Die nahende Abiturprüfung will er dennoch unbedingt hinter sich bringen, weiß andererseits aber nicht warum -, bekommt Panik, flüchtet sich in Exzesse, sucht Liebe, wird kriminell, findet sich am entscheidenden Punkt seines Lebens wieder, als er einem Freund hilft Geld für eine lebenswichtige Operation zu ’besorgen’.

Nicht erst vor Gericht erfährt er die Wahrheit über seine Familie, den SS-Vater als Schlächter von Oradour, seine Mutter, die 1944 angeblich einen Juden versteckt hielt, für dessen Tod sie verantwortlich sein soll. Denn das Wichtige über seinen Bruder Jenne und sich - über das Leben - entdeckt er im Schreiben. In seinem Gewissen, dass voll ist mit großen Gefühlen und schmerzlichen Niederlagen, einer Schuld, die immer mehr wird.
Eine allerletzte Chance aus dem Alptraum auszusteigen ist seine Existenz in der Literatur. Mehr will er nicht, weniger geht nicht.



Leseprobe

Vanessa schreibt mir täglich einen Brief.
Folglich erhalte ich täglich einen Brief.
Sie sagt, was hinter der Briefmarke steht ist wichtig.
Also ziehe ich die ab und lecke die Rückseite - gründlich.
So beginnt der tägliche Irrsinn von vorn. Vanessa. LSD.

„Ich hole dich hier raus ... Ich habe einen Anwalt beauftragt!“

Wenn sie kommt, sitzen wir im Park.
Wenn ich komme, komme ich im Park.
Wenn sie kommt, kommt sie im Park.
Fingerübungen.

„Bei mir zu Hause steht ein Piano ...“, sagt sie.

Und der Irrsinn beginnt von vorn.
Den Rest schreibe ich in mein Journal.
Schreibe Vanessa ins Journal.
Alexander.
Wir.
Liebe...

Vanessa hat mir neulich mit Blut ein Veilchen auf den Umschlagdeckel vom Journal gemalt. Mit Samen meinen Namen. Ein Kreuz auf die Stirn geritzt, - dabei ist ihr der Fingernagel abgebrochen. Ein scheußlicher Ton. Zur Strafe hat sie sich mit meinem Blut ihren Liebessaft aufgefüllt.

„Eines Tages trinke ich dich leer... Alexander ...“
So weiß ich endlich wieder wie ich heiße.

Werde wegen Vanessa, Alexander und dem blutigen Veilchen auf meinem Journal jeglichem Regen aus dem Wege gehen.

Nun -, ich bleibe ein Versuch im Wissen um mich.
Den Therapeut macht das zufrieden.
Mich fast auch.
... was ist schon Glück allein...

‘Sunday is gloomy - my hours are slumberless - dearest the shadows - I live with are numberless’

Die Zeit in der Entzugsklinik hat mich Jahre Jugend überspringen lassen. Bin mit einem Schlag älter geworden - depressiv oft - sehe aus wie frisch gereiert. Suche im Spiegel meiner Seele vergeblich nach dem, was war. Wird aber dadurch nicht besser. Egal was ich finde. Einzig Jenne ist das Kind mit fröhlichem Humor geblieben und entführt mich ab und an aus meiner Traurigkeit.

‘Gloomy is Sunday - with shadows I spend it all - my heart and …’

Denke an Mutter, - wie man sich umbringt - und - warum sie.
Ob Suizid Kitsch ist, ein misslungener Hilferuf. Ein Leben als n voll geschriebenes Stück Papier im Kamin der Zeit. Eine undatierte Notiz im Leid.
Nein, ich weiß nicht. Ordne Mutters Tod eher Vater zu. Der Tragödie ihres Lebens - von Liebe, Selbstliebe, Überschätzung, Enttäuschung, Zweifel, Hass.

Hass, den sie in den Tod nicht mitgenommen hat. Der jetzt an mir klebt. Ne Fahne macht. Sich grinsend in meinem Bett suhlt, - in jeder Flasche gluckert. Getrunken und protokolliert. Mit dem mir das Hirn einschläft -, sodass ich alles und nichts fürchten muss. Den Tod schon überhaupt nicht. Mich komplett gehen lassen kann. Auch weinen. Um Mutter trauern. Vater verachten. Mich von einer Last ohne Scham befreien kann. Einfach so: Flaschenverschluss aufdrehen, schlucken, Wirkung abwarten. Und - falls Erinnerungen quälend werden – nachtrinken; zechen, saufen, bechern, einschütten, abfüllen, aufziehen, absacken, hinein damit ... Säuferabitur. Trinken um zu erleben. Saufen um zu überleben. Um sich nicht zu verlieren.
Schicksal!
Warum eigentlich?
Warum nicht?

Was braucht der Mensch (schon) an Klarheit, Freiheit, Selbstbestimmung? Alles Anekdoten ... wie wenn das Telefon in einem leisen, unschuldigen Ton klingelt. ... mir egal, ich lasse es läuten, - denn so was löst mir nicht die Zunge. Die brauche ich anderswo zu. Vor allem sonntags. Heute. Morgen. Immer. Denn es gibt keinen Ausweg aus der inneren Anstalt -, ob man sich der Nächste ist oder nicht -, glaubt, sich zu kennen - oder nicht.
Das Hirn kann denken. Augen sehen. Ohren hören. Der Mund schlucken. Aller Rest ist Physik. Oder ein Wachtraum -, weil man nicht schlafen kann. Wenn Alk als Aufputschmittel wirkt, die leeren Tage länger und länger zur schlaflosen Nacht macht.

Ey, schon wieder das Telefon ... Billie Holiday ...

‘Have decided to end it all - soon therell be candles’

Musst schon aufpassen, ey, - wenn du dauernd dran denkst das Leben ist scheiße, dann wird’s irgendwann so sein. Also lass dich nicht hängen.
Übrigens, ich kenn da einen, Apotheker, kam ausm Krieg ohne Beine, wohl deswegen Morphinist, - der verscheuert mir Distra a go go. Zu dem Typen will ich gleich mal.

’Ich wache auf - und finde dich schlafend in der Tiefe meines Herzens’

„ ...Vanessa!, schön dich zu hören -; ... nein, ich komme gerade aus dem Bad.“
„Sag, hast du von deinem Vater gehört?“
„Nein, - was?“
„Er sitzt in Haft!“
„Wo?“
„Moabit.“
„Kann ich ihn dort besuchen?“
„Sicher, der Anwalt wird das regeln.“
„Dann gib ihm bitte Bescheid.“
„Hm –, sagst du mir auch, was du von ihm willst ...?“
„Zyankali!“
„Bitte?“
„ ...na, der wird doch für den Fall der Fälle irgendwo ne Zyankalikapsel gebunkert haben.“
„Du meinst wie die Nazibonzen?, - in einem Ring - wie Göring?“
„Ja!, oder im hohlen Zahn - wie Himmler“
„Du willst also deinen Vater umbringen?“
„Sich umbringen lassen - ist eher richtig ...“

Sehe den Mann mit Augenklappe in abgerissener Uniform -, den Flüchtling vom Mai 1945 im Vernehmungsraum der britischen Armee.

„Himmler“, sagt der, nimmt die Augenklappe ab, setzt eine Brille auf, „mein Name ist Heinrich Himmler!, - Sie werden doch nach mir suchen?“
„Ja!“, bestätigt der Offizier, „einen Himmler suchen wir.“
„Dann haben Sie ihn ja jetzt ...“, dreht den Kopf, zerbeißt eine Zyankalikapsel, fällt vom Stuhl. Feierabend.

Heißt auch, Himmler habe dem Arzt bei der körperlichen Untersuchung in den Finger gebissen, sich mit dem ganzen Körper weggedreht, ehe er das tödliche Gift schluckte. Dass der Leichnam Nähe Lüneburg begraben liegt. Doch egal wie, ernsthafte Zweifel an Himmlers Selbstmord sind nie bekannt geworden.

’Wir werden weiter marschieren ...“

... bis !jetzt !nicht! bekannt!, - denn laut Aussage meines Vaters ist Himmler vom britischen Geheimdienst liquidiert worden!

Die Weltpresse tobt ..., berichtet über einen wirr redenden Menschen im Bekenntniswahn. Von deutscher Geschichte, heutiger Politik - von Familienproblematik. Von ihm, der sich in der Zelle verbrennen wollte -, sagt der Anwalt. Schwadroniert was von Kriegskameradschaft, heute fehlenden Werten ..., Merkwürdigkeiten, bedauert, grüßt seine Kameraden der SS!
Im Fernsehen kommt er schon zum Kaffee, bleibt zum Abendbrot. Dort liest man aus seinen Rechtfertigungsbriefen und - und ... Es zittern die morschen Knochen - für Deutschland. Und später in der ganzen Welt.

Reporter lauern mir auf. Bis es nichts mehr zu berichten gibt. Nur die Wahrheit bleibt. Die Bewegung. In welche Richtung auch immer.
Aber nicht mal weinen kann ich darüber. Lache in der Einsamkeit meiner Gedanken -, benutze nach außen die Kraft des Schweigens. Schreibe.

Bin über mich selbst erschüttert, kühl, staunend, - finde eine Art selbstsichere Versöhnung im Gedanken an Zyankali.
Mann -, irgendwo muss der Alte das Zeug doch haben!

’ ... heute gehört uns Deutschland, und morgen die ganze Welt“

Bin wieder Zeitzeichen in einem verrotteten Buch. Im Leben auf Raten. Vom Dasein zerknittert. Schreibe merkwürdig zusammengefaltete Sätze -, einige davon in geschwungener Schrift. Diese Freunde seit Kindertagen.
Wieder andere sind nichts als aneinander gereihte Gespenster in Buchstaben. Fiktionen auf Telegrafenleitungen. Schwirrende Spatzen. Zwitschermaschinen. Unter dem Gefieder auf der Suche nach versteckten Botschaften. Manche unterbrochen von späten Blicken in den zerschnittenen Himmel. Die Federn aufplusternd. Körper vom Spiel mit sich selbst real erfunden; in diesen magischen Sekunden, wenn Dichtung und Wahrheit sich fort spinnen, durcheinander werfen, einen Mythos gebären. So als wären sie die letzte Abenddämmerung auf Erden -, unbeeindruckt vom Rückzug in Exzess und Rausch, meiner verrinnenden Zeit. Dem Verhältnis ’du Vater - ich Sohn’, das jedes für sich das Geheimnis der Welt verbirgt. Schluck auf Schluck getrunken, gesoffen, eingeschenkt - hinein in das Loch im Kopf.

Ist mein heißer Schädel - wenn der Blutdruck ansteigt, sein Klopfen mich rüttelt. Ich „ ... herein!“ rufe, als wäre meine Bude öffentlich wie ein Hotel, ne Kneipe, dann zur Tür schlurfe - Babs davor steht. Ich sie eintreten lasse, - Amen sage.

„Hallo, Alexander, wie geht’s dir?“
„Danke - gut, schlecht, ... bin irgendwie wie tot ...“
„Damit macht man keine Witze.“
„Nee -, ist auch keiner.“

Ich stecke zwei Finger in die Steckdose, lege Elvis ’Love me tender’ auf - und im Nu ist Energie da, Erregung. Kommt der Wunsch, ihr an die Möse zu fassen, sie flach zu legen. Glotze ihr auf Mund, Busen, den Hintern, rieche ihre Spalte wie schon tausend Mal zuvor - und weiß, dass wir es jetzt miteinander tun werden; aber du -, du frag mich ’nur’ nicht warum, denn ich müsste antworten: es ist einfach so!
… nehme sie wortlos in die Arme, tanze mit ihr, ziehe sie dabei langsam aus.

‘Feelings - nothing more than feelings - trying to forget my feelings of love - Teardrops rolling down on my face - trying to forget my feelings of love‘

„Es ist mein erstes richtiges Mal…”
„Ich weiß!“
Kenne diese rosa Wolke ja auch noch nicht lange -, sage es ihr aber nicht.
„ ... ich bin vorsichtig ... bestimmt ...“

‘Trying to forget my feelings of love‘

... streichele sie überall -, eröffne mit der Zunge ihre Vulva. Küsse mich zu ihren Lippen hoch -, führe mein Glied ein, zart, vermute beim Blick in ihre Augen, dass sie in der Penetranz meines Wollens gefangen scheint. Erst dann, nach einer Weile, auf ein Zeichen hin, dem fordernden Zucken ihres Körpers, lasse ich den Tanz auf dem Vulkan voll beginnen.

„Ah -, tut das gut, - das ist besser als alles zuvor ...“, seufzt sie, ist locker, bewegt ihr Becken im Rhythmus lautloser Windmühlenflügel, gurgelt mit Macht in einen ersten Orgasmus. Lässt im schreienden Sturmlauf Fensterscheiben zerbrechen, taumelt in die Euphorie eines Komplotts von Gefühlen. In diese tausend wahnwitzigen Nadelstiche hinein, die glühende Pfeile auf der Haut sind, die mich an sie und uns untrennbar aneinander schweißen. Verwoben mit Dornen wiederkehrend roter Rosen, Rochaden von Glück, ... dieser lächerlichen Grenze Freiheitsentzug -, auch ewige Liebe genannt.

‘ … feelings of love‘

Ey, besser als solche 'feelings' haben heißt lebenslänglich Onanist zu sein.
Doch was weiß man schon vorher von dem...

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Teil 1 - 3 der Knast Collage sind fertig! 'Yeah. Ich finde, es rockt, - schrieb 'der Ohrenschützer'. Wer also hören will ... Kopfhörer auf - aber: nur für starke Nerven ----->

http://www.podcast.de/episode/1326648

!Verlag - bzw. Agent - gesucht!

Kontakt: m.koehn@literatalibre.de




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